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    Standard Die Flut 4

    Malin staunte nicht schlecht. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er was es mit den Eisenbrechern der Zwerge wirklich auf sich hatte. Hunderte kleine, in Gromril gepanzerte Kreaturen die sich ohne Probleme durch die Menschenmasse durchmetzelte. Die Garde hatte dem allem nichts entgegenzusetzen. Sie fielen nach der Reihe durch die Äxte und Hämmer. Malin stand auf einem der hohen Kunsttürme die Sartrosia noch aus Aarbischen Zeiten her hatte. Von dort hatte der Elf einen perfekten überblick über das Schlachtfest. Er schnalzte mit der Zunge und wandte den Blick in die Innenstadt. Dort sammelten sich die mehr oder weniger Kampfähigen Piraten.
    Es waren mehre Tausende, zusammen mit den restlichen Söldnern und Gardisten weit über Zehntausend Kämpfer. Allesamt bereit zum Raufen. Deswegen würden sie vermutlich von den Zwergen geradezu zermalmt werden. Diese kleinen Krieger waren einfach zu mächtig und gut gerüstet für diesen Haufen. Es war ganz schön ärgerlich dass es so gekommen war. Zwar hatte er eine Nachricht erhalten das es zu einem Angriff kommen konnte. Was er selbst ausgeschlossen hatte. Außer einigen Ork Kapitänen gab es nichts in diesen Gewässern was wirklich Interesse daran hätte Sartrosia anzugreifen. Und der Rest war allesamt mit den Elfen verbündet. Die einzigen die dahingehend vielleicht noch eine Gefahr dargestellt hatten waren die Küstenstädte Arabiens und einige Stadtstatten in Tilea.
    Doch diese waren schon kurz vor dem Ende. Ihre Verbündeten waren kurz davor den Süden der Alten Welt und den Norden des Schwarzen Kontinents zu übernehmen und damit den Elfen den Weg frei zu machen um ihre alte Vormachtstellung einzunehmen. Auch gefiel Malin der Gedanke ihre Brüder in den Wäldern wieder zurück ins Reich zu holen. Eine Vereinigung des stolzen Volkes der Elfen. Es war eine reine Utopie doch er stand absolut dahinter. Und gerade eben wurde diesem Plan ein tiefer Schnitt beigebracht. Sartrosia war nicht einfach nur irgendeine Insel. Sie war die wichtigste Position in diesem Meer und hatte dazu noch ein gewaltiges Flotten Angebot. Und jetzt waren ihm aus komplett unbekannten Gründen diese Maulwürfe hier hergekommen. Malin atmete tief ein und aus. Er hatte vor Jahrhunderten gelernt sich nicht zu sehr in etwas hineinzusteigern und seine Gefühle zu verbergen. Sie waren hinderlich in der Ausführung seines Diensts und ein Mahl für das Chaos.
    Nur Freude und Liebe sollte es in seinem Leben geben. Doch wie war es möglich seinen Feind zu Lieben wenn er ihn tötete? Malin blickte zurück zu den Zwergen. Diese hatten die Menschen nun komplett zurückgetrieben die wenigen Überlebenden flohen genau in die Armee der Nachrückenden Piraten. Schüsse erklangen und einige Flüchtlinge brachen zusammen. Derr Rest bildete sich schließlich zu einem Haufen und bewegte sich zurück. Die Königin hatte keine Probleme damit ihre Männer anzuspornen, selbst wenn dabei einige von ihnen ins Gras beißen mussten.
    Die Zwerge passierten den Eingang zum großen Platz und schwärmten geordnet aus. Malin hatte selten jemand besseren in Gleichschritt Formation beziehen sehen. Die Dawi bildeten einen Halbkreis bestehend aus drei Gruppen. Zwischen den Gruppen war ein kleiner Spalt zwischen denen sich einige Zwerge mit langen Spießen positionierten. Die Piraten hatten so keine Möglichkeit an den Blöcken vorbeizukommen. Gleichzeitig gab ihnen der Spalt die Hoffnung dort durchzubrechen zu können. Somit lenkten die Eisenbrecher von der Hauptgruppe ab und sicherten gleichzeitig die Seiten. Wirklich Klever diese kleinen Kerle, das musste Malin ihnen zugestehen.
    Ein Schrei hallte durch die Luft. Er verklang, nur um gleich drauf von Tausenden Kehlen erwidert zu werden. Piraten, Gardisten, Söldner und was sich sonst so in der Stadt befunden hatte rannten auf die Zwerge zu. Gespannt beobachtete der Elf wie die Masse an Fleisch sich gegen die lebendige, eiserne Mauer warf. Schädel wurden eingeschlagen, Körper aufgespießt. Die Kämpfer drängten sich teilweise selbst in den Tod indem sie sich in den Axt Wall anschoben. Doch die Mauer aus schwer gepanzerten Zwergen wankte nicht einmal. Die Schilde der nachfolgenden Reihe stützten die vorderen Männer. Gleichzeitig wurden die meisten Waffen von der um einige härtere Rüstungen abgewehrt. Diese Probleme hatten deren Äxte leider nicht. Es dauerte nur einige dutzend Atemzüge von Malin, da brach der Ansturm der Piraten schon ab.
    Musketen schützen traten vor und brachten eine Kugelsalve über die Zwerge. Der Elf hätte den Piraten sagen können dass das eine schlechte Idee war. Er sah nur einen einzigen Dawi fallen. Eine der Kugeln hatte den schmalen Sehschlitz getroffen. Die anderen jedoch schossen allesamt in die Reihen der Querschläger zurück. Bevor sie sich versahen lagen dutzende der Schützen am Boden. Gleich drauf fing die Zwerge an Wurfbeile und Bolzen in die Menge zu schießen. Malin schüttelte den Kopf.
    Er konnte es nicht mit ansehen wie die Menschen abgeschlachtet wurden. Dabei hatte der Kampf noch nicht einmal wirklich angefangen. Er erhob sich von seinen Späher Posten und angelte sich den Turm hinunter. Die Zeit hatte ordentlich an dem Gemäuer gefressen so dass es dem flinken Geschöpf nicht schwerfiel nach unten zu gelangen. Unten angekommen fing er an zu rennen. Er bewegte sich zwischen die Menschen wie ein Wolf in den Wäldern. Sie waren die Bäume und das Unterholz, er das Raubtier das sich an sein Opfer anpirschte und versuchte kein verräterisches Geräusch zu machen. Einmal sprang er sogar einem fetten, kleinem Mann auf den Kopf und katapultierte sich so über eine Menschentraube hinweg. Ehe er sich versah stand er vor der Königin. Die anderen Elfen hatten sich um sie herum gestellt.
    Bis auf Fania, die vermutlich gerade eine Nachricht nach Estalia schickte um den ehrenwerten Herr Daleszin über die Vorkommnisse zu berichten. Daleszin war ein alter Elf der sein Kriegertum schon längst aufgehört hatte. Seit Jahrhunderten hatte er bei verschiedenen Sachen als Berater fungiert. Doch mit dem Aufkommen des Frühlings hatte man ihm nun bedeutend wichtigere Positionen gegeben. Ihm unterstanden nun dutzende Trupps von Elfen in diesem Teil des Weltenteichs. Zu ihrem Glück war er nicht gerade für seinen Jähzorn bekannt.
    Doch selbst er würde vermutlich vor Wut explodieren wenn er erfuhr was mit ihrem zentralen Stützpunkt passierte. Die Königin sah ihn und eilte sofort auf ihn zu. Sie packte ihn an die Schulter und blickte mit den wahnsinnigen Gesichtszügen auf ihn nieder. Als sie den Mund aufmachte zog sich ein kleiner Speichelfaden von ihrem Eckzahn hinunter. In diesem Moment ähnelte sie mehr als jemals zuvor einem tollwütigen Wolf. „Also, mein kleines Elflein, was hast du gesehen? Wer ist das da der meine Insel angreift? Und wie viele dieser Hunde lassen meine Männer am Leben damit ich mich mit ihnen noch unterhalten kann“? Selbst ihre Worte klangen mehr nach dem knurren eines Wolfes als an eine Zivilisierte Sprache. Er schüttelte die Königin sanft ab. Seine Gefährten waren näher getreten. Um zu hören was er zu sagen hatte oder um ihm Notfalls beizustehen wusste er nicht. Zwar waren sie gute Kameraden, aber der Auftrag hatte Vorrang. Und wenn sie die Königin Töten würden, würde das unweigerlich dazu führen das ein Teil der Piraten ihnen misstrauen würde. Auch hätten sie nicht mehr den starken Anführer den sie eigentlich brauchten um die Flotte von ihnen zu beherrschen.
    Er hasste es gerade dermaßen das er mit diesen Kreaturen praktizieren musste. Doch auch er selbst musste sich eingestehen das er vermutlich nichts tun würde was die Beziehungen der Königin zu ihnen Schaden würde. Selbst wenn sie einen von ihnen Töten würde. Sanft legte er seine Finger auf ihre Unterarme und drückte sich sanft, aber bestimmend weg. Gleichzeitig sagte er:“ Meine Herrin, vergreift euch bitte nicht an mir. Ich werde euch ausführlich und genau berichten. Doch es bringt niemanden etwas wenn ihr Gewalt gegen mich anwendet. Weder meine Geschwister und ich würden euch anlügen oder Sachen vorbehalten. Unsere Herren haben uns ausgesendet um euch zu dienen. Und das werden wir auch“. Malin sah der Frau fest in die Augen. Der Ausdruck des omnipräsenten Wahnsinns in ihren Augen wich leicht der Vernunft.
    Nun wirkte sie mehr wie ein Tollwütiger Fuchs als ein Wolf. Der Elf atmete tief ein und sprach schnell und ohne Schnörkel weiter:“ Als ich oben war konnte ich erkennen das unsere Gegner starke Plattenrüstungen tragen. Sie benutzen im Großen und Ganzen Äxte und Hämmer. Auch sind einige Pikeniere in ihren Reihen die die Zwischenräume schützen. Ich würde ihre Anzahl auf gut zweihundert schätzen. Aber vermutlich warten zwischen den Häusern noch einmal so viele von diesen Kriegern. Eure Schusswaffen sind nutzlos. Die Rüstungen sind so stark das die Kugeln einfach zurückprallen. Auch eure Schwerter werden sie Panzer nur an einigen wenigen Schwachstellen durchdringen können. Ohne schwere Fernkampfeinheiten scheint es mir beinahe unmöglich ihre Formation aufbrechen zu können. Alles in allem sieht es alles andere als Rosig für uns aus. Ich würde euch Vorschlagen mich und meine Begleiter in den Kampf zu werfen. Am besten sollen uns Männer mit schweren Entersäbeln und Bootsäxten begleiten. Wenn wir es richtig anstellen können wir so die Formation brechen um damit den schweren Nahkampf Truppen den Weg zu ebnen. Und wenn ihr irgendwo noch Kanonen hättet wäre das wundervoll“.
    Die Königin nickte ernst und fragte dann mit leiser Stimme:“ Eurer Plan ist gut, kleiner Diener. Nur bleibt noch eine Frage die geradezu in mir brennt. Wer greift uns bei allen Göttern noch einmal da an“?
    Malin schluckte schwer. Er hatte es selbst gesehen und doch war es ihm so als würde er die Menschen Frau anlügen. „Zwerge, Herrin. Erdwühler aus dem Weltangebirge“. Es war das erste Mal seit er diese Insel betreten hatte das er die Königin sprachlos sah. Selbst das Wahnsinnige Funkel in ihren Augen wich einem komplett perplexen Ausdruck. Am liebsten hätte er jetzt laut aufgelacht. Zum Glück hatten es Elfen schon von klein auf gelernt ihre Gefühle zu verbergen und nie zu viel davon hervorkommen zu lassen. Alles andere stärkte nur das Chaos.
    Einer seiner Begleiter mit dem Namen Anaste trat zu ihm. „Dawi“? Die Ungläubigkeit in ihrer Stimme sprach Bände. Malin überhörte die kleine Frage und konzentrierte sich auf die Königin. Diese stand nach wie vor perplex vor ihm und murmelte mehr zu sich selbst als zu ihm:“ Wie kommen die hier her“? bevor Malin antworten konnte erklang ein lautes Donnern das er schon auf dem Fest vernommen hatte.
    Doch da war es ihm nicht weiter komisch vorgekommen. Es kam schon mal vor das einfach irgendwer Kanonen oder Schwarzpulver anzündete. Doch diesmal hörte er den Unterschied und seine Auswirkungen. Es gab mehre Wege vom Hafen in die Stadt. Genau genommen waren es drei Hauptstraßen und einige Nebengassen. Würde er Angreifen, hätte er sich auf diese drei Wege konzentriert und die kleinen Gassen einfach nur versperrt. Und weil die Verteidigungsanlagen von der Pirateninsel so aufgebaut waren das man gute Schusspositionen von den Festungen hatte, zerschossen sie diese mit ihren Kanonen. Verflucht gewitzt für Wesen die mit Wasser nur ungern in Berührung kamen. Die beiden Kanonenstellungen an den Seiten er Bucht waren nur noch Ruinen. Die restlichen Stellungen besaßen nicht genug Feuerkraft um Schiffen wirklich gefährlich zu werden. Und das auch bei normalen Schiffen. Die Zwerge hatten sicherlich weit besser gepanzerte Schiffe.
    „Na gut“. Die Königin hatte sich wieder gefasst und legte jetzt wieder die Gebieterin vor. Wie sehr es der Elf hasste mit Instabilen Persönlichkeiten zu bändeln. „Zwei oder drei von euch sollen mit ihren Pfeilen die Zwerge etwas ausdünnen. Der Rest versucht eine Lücke in ihren Schildwall zu schlagen“. Sie drehte sich auf einen Schlag um und schrie einen Korpulenten Mann mit dem Gewicht von einem halben Oger zu: „Mach die Jungs mit den Säbeln und schweren Waffen bereit. Sie sollen als nächstes nach vorn. Und ich will das Carlos mit seinem Haufen rechts angreift. Da kann er endlich beweisen das er mehr als eine Witzfigur in Pluderhosen ist“. Sie Grinste kurz auf und machte dann eine schnalzende Bewegung mit ihrer Hand und schreie fast vergnügt: „Und wenn wir schon dabei sind, schick diesen hässlichen Vampir auf die linke Seite. Mal sehen was seine Halbghule das ausrichten können“.
    Der fettleibige Mann verbeugte sich Rasch und eilte davon. Malin sah seine Gefährten kurz. Anaste und ein weiterer Elf hoben den Bogen. Damit war entschieden wer sich ins Getümmel stürzen würde. Sie hielten sich nicht mit überflüssigen Phrasen auf und huschten durch die verschwitzte versoffene Masse. Das kam ja noch dazu. Nur jeder vierte war nüchtern. Und das nur deswegen weil sie zu weit unten in der Hackordnung standen als das es auch nur einen einzigen interessieren würde.
    Malin zählte sich wahrlich nicht zu den Optimisten in diesem Kampf. Er schlüpfte gekonnt zwischen den Gestalten hindurch und hüpfte hier und da auch mal über sie. Sein Gefährte war nur zwei Schritte neben ihm. Synchron kamen sie beide an der Front an. Die Piraten blökten wie Schafe durch die Gegend während die Zwerge mit der grimmigen stille von Wölfen sie zerlegten. Dutzende Leiber bedeckten den Boden und er suchte vergeblich nach den Gromril gepanzerten Kleinwüchsigen. Aber es blieb keine Zeit sich davon einschüchtern zu lassen. Er drängte sich geschickt an die vorderste Front und sah sich blitzschnell nach offenen Stellen um.
    Schild um Schild reihte sich vor ihm auf. Da würde er mit seinem Schwert nicht durchkommen. Ruckartig wurde ein Schild zur Seite geschoben und ein Beil wurde mit eisiger Präzession in den Brustkorb eines Schwarzhaarigen Mannes versenkt. Die Klinge wurde bis in den Bauch getrieben. Die Innereien klatschen aus der offene Bauchwunde auf den Eisenbrecher. Während der Mann verwirrt versuchte seine Innereien wieder in den Körper zu schaufeln wollte sich der Zwerg wieder zurückziehen. Da kam jedoch sein gezielter Fußtritt dazwischen. Donnernd rammte er ihm seinen eigenen Nasenschutz gegen das Riechorgan. Es brach knackend und der Zwerg stolperte zurück. Bevor seine Brüder ihm helfen konnten war seine Klinge zielsicher unter die Achsel eingedrungen. Zwar wäre der Augenschlitz ein tödlicheres Ziel gewesen.
    Aber wer bei allen Göttern konnte auch zielsicher in so etwas hineintreffen. Malin nicht, deswegen begnügte er sich mit den weniger gepanzerten Körperteilen. Zu seinem Glück drang die Klinge durch das Schwächere Material. Der Zwerg schrie überrascht auf und knickte ein. Wer drehte sich pfeilschnell um und wich einem wilden Hieb mit dem Beil aus. Drei Eisenbrecher gleichzeitig nahmen ihn in die Mangel.
    Er wich noch einen Schritt zurück und musste ansehen wie die Lücke die er zuvor geöffnet hatte wieder geschlossen wurde. Was für ein Pech. Jetzt durfte er wieder von vorne anfangen. Das Schoss ein Pfeil aus dem nirgendwo und versank einem seiner Gegner unter dem Bart. Der Zwerg wankte nach hinten und riss sich das Holz aus der Rüstung. Er hielt den Pfeil hoch und schrie mit erhoben Kopf etwas auf Khazahild. Noch während er das tat schoss ein zweiter Pfeil etwas versetzt vom ersten heran.
    Knapp unter dem Helm ging er durch und dank dem hochgehoben Haupt des Zwerges drang dieser in den Hals. Das alles geschah in nur einem Moment, genau der Moment bevor in die drei Zwerge zeitgleich angriffen. Zuerst wurde er von beiden Seiten angegriffen wovon er einen abblocken und dem anderen ausweichen konnte. Dem mittleren der nun kam hatte er nicht entgegenzusetzen. Die schreien Männer hinter ihm drängten ihn nach vorne und nahmen ihm den Platz zu kämpfen. Auf engen Raum würden ihn die Kurzen fertig machen. Er drehte seinen linken Fuß und drehte gleichzeitig die Hüfte. Seine rechtes Bein zog er dabei an und trat mit aller Kraft gegen den Schildrand des Eisenbrechers.
    Zu seinem Glück hatte dieser das nicht kommen gesehen sonst hätte das Beil anstatt ihm zu empfehlen sein Schienenbein getroffen. Der tritt brachte jedoch nicht vielmehr als das der Angriff abgeblockt war. Wer einem Orks Ansturm gemütlich standhalten konnte würde nicht wegen einem tritt von einem Elfen wanken. Ohne innezuhalten nutzte er den schlug um mit seinem Schwert was er in der rechten hielt auf seinen linken Gegner einzudringen. Er traf diesen kräftig am Kopf erreichte aber nicht viel mehr als das dieser etwas zurückwich. Er tänzelte in den freien Platz hinein und entging so dem Beil in seinem Rücken. Er zog fließen seinen Dolch aus der Schneide und hagelte mit Schlägen auf den Eisenbrecher ein. Wenn er Glück hatte würden die Menschen die anderen Eisenbrecher aufhalten. Wenn nicht hatte er gleich etwas unangenehm Scharfes im Rücken.
    Sein Gegner parierte die ersten zwei Schläge mit dem Schild. Der dritte traf ihn ein weiteres Mal auf dem Helm und der Vierte erwischte sein Handgelenk. Dabei öffnete der Zwerg ganz leicht die Hand aber schloss sie fast automatisch sofort wieder. Mit einem wütenden Schrei sprang der Eisenbrecher nach vorn und schwang kraftvoll sein Beil gegen seine Seite. Vermutlich hatte er ihn soweit in die Ecke getrieben das er keinen anderen Ausweg sah als einen gewagten Ausfall. Genau drauf hatte Malin gesetzt. Er ging breitbeinig in die Knie und blockte noch während dem ausholen den Arm des Zwerges. Sofort schnellte dessen Schild gegen sein Gesicht. Doch mit einer Blitzschnellen Bewegung stach er mit seinem linken gegen die Bärtige Fratze. Sein gerade mal handlanger und nur ein Finger dicker Dolch stieß ohne Probleme durch den Augenschlitz in das Hirn. Abrupt blieb es eine Gegner stehen, jegliche Kraft schien aus den Gliedern gewichen.
    Malin schaffte es Garde noch sei9nen Dolch aus der Augenhöhle zu reißen bevor der Zwerg stürzte. Zwei geschafft von geschätzt Zweihundert. Man musste die kleinen Erfolge im Leben feiern. Der Hochelf drehte sich so schnell wie möglich seinen zwei verbleiben Verfolgern zu. Aus dem Augenwinkel passte er aber auch auf der anderen Seite auf. Die Zwerge hatten sich nur zwei drei schritt vom hauptkern entfernt und gerade wurden die Menschen wieder einmal ordentlich aufgerieben. Wenn er sich nicht vorsah hätten sie ihn bald eingekesselt. Von den zwei Eisenbrechern steuerte nun einer auf ihn zu. Der andere war gerade mit seinem Artgenossen beschäftigt. Es schien ziemlich ausgeglichen zwischen den beiden zu sein. Hoffentlich schaffte es ein Freund irgendwie die Oberhand zu gewinnen. Sie mussten die verdammte Formation aufbrechen und allein mit den Pfeilen würden sie das nie schaffen. Der letzte Eisenbrecher war nun herangekommen und sogleich gingen die beiden Kontrahenten aufeinander los.
    Malin nutzte seine Beweglichkeit und tänzelte um den Zwerg herum. Wie zuvor schlug er größtenteils mit dem Schwert und versuchte mit dem Dolch die Schwachstellen zu erwischen. Der Zwerg machte sich seine Vorteile zu nutzte und ließ auf sich einprügeln. Dabei drehte er sich aber immer etwas mit dem Oberkörper. Und jedes Mal wenn Malin da vorbeiziehen wollte kam ein Beil hervorgeschossen und trieb ihn die andere Seite. Er selbst kam nur drei Mal zum Parieren wobei er aber sowohl Dolch als Schwert benutzen musste. Der Eisenbrecher gab sich keine Blöße und Sein Schild dreckte immer sein Gesicht. Und die Schläge hätten wohl selbst einen Ork aus dem Sattel gehauen. Der elf spürte wie er zu schwitzen begann. Die Schreie der Schlacht, sein eigenes Keuchen und der Geruch nach Blut. Es war lange her dass er in großen Schlachten gekämpft hatte.
    Und das erste Mal das er mit solch harten Gegnern das Schwert schwang. Er begann mit größeren schritt Distanz zu schaffen und attackierte flink mit seinem Schwert. Der Zwerg blockte mit dem Schild worauf der Elf sprang und genau auf der Schildkante landete. Ohne genau zu zielen stach er mit dem Stilett zu. Sie traf ihn über der Augenbraue und glitt dann über den Nasenflügel hinab. Wäre das geschmiedete Gesicht nur keine Maske hätte er wohl das Duell für sich gewonnen. So wurde er aber nur mit einem ruckartigen Stoß vom Schild geworfen und wälzte sich auf den Toten Menschen herum um nicht von dem Beil zerteilt zu werden. Malin rollte sich keuchend durch die noch warmen Leiber und sprang auf. Diesmal war es der Zwerg der Angriff. Mit einer Kombination aus Schildschlägen und Axthieben trieb er ihn hin und her. Er parierte blitzschnell einen Hieb nur um dann den Schild gegen den Unterbauch zu kassieren.
    Er würgte uns spuckte aus und brachte sich schnell vor einem Hieb gegen seine Gesicht in Sicherheit. Malin spuckte auf und traf dabei den Schild. Da kam ihn eine Idee. Ohne lange darüber nachzudenken wartete er den nächsten Schlag ab und tat so als würde er wieder parieren. Der Eisenbrecher zog dieses Mal sein Beil zum Schild anstatt damit nach vorn zu stoßen. Dabei kam aber sein gepanzertes Gesicht zu Vorschein. Genauso in dem Moment spuckte der Hochelf ihm ins Antlitz. Und zu seinem Glück traf er knapp über der Augenbraue. Der Speichel tropfte in den Sehschlitz.
    Und selbst dutzende Jahre Erfahrung und Drill konnten einem Lebewesen nicht die Reflexe verlernen. Und wenn man jemanden ins Auge spuckte war die erste Reaktion immer die sein Augen sauber zu wischen. Worauf normalerweise immer gleich die nächste Folgte, nämlich dem Widerling das Gesicht einzuschlagen. Soweit ließ es der Hochelf aber nicht kommen. Ein gezielter Fußtritt segelte über den etwas nach unten gezogen Schild. Wie bei seinem ersten Toten trat er ihm das Nasenbein ein. Der Zwerg machte sich Wild fuchtelnd mit seiner Axt Raum und hackte Malin fast ein Bein ab. Ihm blieb nichts anderes übrig als vom Zwerg kurz abzulassen. Er fluchte lautstark auf Elfisch und ignorierte dabei seine Erziehung was seine Gefühle anging. Wenn die zu groß geratene Wühlmaus sich wieder fing konnte er lange darauf warten wieder eine Chance zu bekommen.
    Malin nutzte die Pause um sich schnell zu erkundigen wie die Lage aussah. Zu seiner Enttäuschung hatte sich nichts geändert. Selbst die härtesten der Piraten hatten den gepanzerten Kriegern wenig zu bieten. Und was seine Leute anging konnte er nur einen toten Zwerg mit einem Pfeil im Auge sehen. So gewann man keine Schlacht. Kurz blickte er sich auch um seinen Bruder um doch er entdeckte ihn nirgends. Hoffentlich hatte er den Zwerg besiegen können. Er wandte seinen Blick wieder zu seinem Gegner der gerade von seinen Brüdern gewaltsam nach hinten geschoben wurde. Scheinbar hatte er ihn besser erwischt als gedacht. Malin wollte sich schon auf einen neuen Gegner stürzen als ihm schon von selbst einer entgegenkam.
    Der Zwerg unterschied sich nicht viel zu den anderen Zwergen nur das seine Maske ein Grinsen besaß und er einen Kriegs Hammer mit sich herumschleppte. Ihre Blicke begegneten sich kurz, dann begann der Tanz von neuem. Und hatte ihn schon sein Gegner zuvor gefordert, dann war der hier eine wirkliche Herausforderung. Gezielte Schläge die niemals unnötig waren sondern jedes Mal tödlich sein konnten. Ein sicherer stand und eine Verteidigung als kämpfe Malin gegen einen Berg. Er war nun schon soweit das er sowohl mit Dolch als auch Schwert angriff und meistens einen wahren Schwerthagel entfesselte. Doch er kam einfach nicht an dem Schild des Zwerges vorbei. Der Hochelf war gerade wieder dabei auf den Zwerg einzudreschen als sich dieser plötzlich zur Seite drehte und ihm die Schildkanten gegen den rechten Oberschenkel hämmerte. Malin sprang zwar noch zurück wurde aber trotzdem getroffen.
    Der scharfe Rand drang durch die Haut und handelte ihm eine schöne lange Wunde ein. Der Hochelf Biss die Zähne zusammen und stolperte zwei Schritte rückwärts. Dabei strauchelte er über irgendwas und sein Bein knickte ein. Er landete auf sein Gesäß und war nun komplett offen für seinen Gegner. Just in diesem Moment taten die Piraten endlich etwas anderes außer zu krepieren. Zwei mit schweren Säbeln bewaffnete Menschen drangen auf den Zwerg ein. Und besorgten den verletzten Elfen eine Verschnaufpause. Erschöpft erhob er sich und blickte sich um. Die Lage hatte sich immer noch nicht wirklich geändert, auch wenn er nun den einen oder anderen toten Zwerg am Boden sah.
    Trotzdem überwogen die Toten Menschen bei weitem und man sah schon den Stein aus dem die Straßen bestanden nicht mehr vor lauter Leibern. Ein aus Arabien zu stammender Mann schlug nur zwei Schritte neben Malin wie besessen auf einen Zwerg ein. Der Eisenbreche lag am Boden und wusste dass er wohl nicht mehr lange durchhalten würde. Also ließ dieser kurzerhand das Beil los und zog eine Pistole aus seinem Gürtel. Zwischen zwei Schlägel schob der Zwerg den Schild zur Seite und Schoss dem Menschen durch den Hals. Erschöpft ließ der Bärtige seine Waffe fallen und langte wieder nach dem Beil. Mit einem Sprung der Mailn selbst überraschte landete er auf den Schild des Zwerges. Er drückte den rechten Arm des Zwerges gegen dessen Brust und blockierte gleichzeitig die andere Hand des Zwerges mit seiner Schwerthand. Obwohl es ihm schwer fiel stieß er mit dem Dolch unter seiner rechten Hand in die Augenhöhle des Eisenbrechers. Sicherlich verfluchte der Zwerg ihn in seinem letzten Moment wegen einem solch ehrlosen Tot. Aber im Krieg war Ehre meistens hinderlich und ungesund. Der Dolch traf das Auge, das Tor zur Seele platzte wie eine reife Erdbeere. Der dahinter liegende Knochen knackte leicht. Dann war es auch schon aus mit dem Krieger aus den Bergen.
    Der Elf setzte sich schwankend auf, knickte leicht mit dem rechten Fuß ein. Dann drehte er sich leicht nach links und bekam die wohl härteste Faust seit den Götterkriegen ins Gesicht. Sein Kiefer knirschte protestieren, einige Zähne lockerten sich und sein Jochbein brach. Er drehte sich einmal um die Achse und blieb dann am Boden liegen. Benommen spuckte er Blut auf den Toten unter sich und versuchte den Kopf zu heben. So richtig schaffte er es aber nicht. Der schlag hatte ihn weit mehr verletzt als nur sein Gesicht. Sein gesamter Hals fühlte sich an als wäre er aus Stahl. Notgedrungen drehte er den Oberkörper soweit das er hochschauen konnte. Es war der Zwerg mit dem Hammer der ihn so schwer verletzt hatte. Gerade musste sich dieser jedoch gegen zwei Piraten wehren.
    Die Formation der Eisenbrecher war nun um einiges Lockerer geworden. Was aber definitiv nicht an ihnen lag. Wohl eher daran das sie sich nun keine Sorgen mehr machen mussten. Die wirklich harten Jungs verbluteten gerade im Dreck und die restlichen wagten sich nicht heran. Der Angriff von ihm und seinen Brüdern war ein absolutes Fiasko gewesen und hatte sich gar nichts gebracht. Er spuckte zwei seiner Zähne aus und kam wankend wieder hoch. Langsam schleppte sich Malin vom Schlachtfeld weg. Dabei war es gar nicht so leicht auf den Toten Leibern der Verteidiger zu fliehen. Sein rechtes Bein schmerzte und pochte und behinderte ihn am Gehen zusätzlich. Sabber und Blut ran unaufhörlich aus seinem Mund. Der Gestank von Innereien und Fäkalien bedeckte die Luft. Endlich hatte die Stadt etwas gefunden was genauso stank wie sie selbst. Er hätte über diesen bissigen Kommentar zu gerne gelacht, aber dann würde er wohl an seinem eigenen Blut ersaufen.
    Er vernahm ein plötzliches Donnern irgendwo in seinem Rücken. Und in einem kleinen Moment schien es als würde die Erde selbst sich Zereisen. Ein gewaltiges Beben erfolgte und holte ihn von den Füßen. Seine Ohren dröhnten und er spürte seinen Körper knacken als er auf die Leichen fiel. Noch nie in seinem Leben hatte er so eine starke Verwirrung gepaart mit Panik verspürt. Langsam fingen seine Ohren an das Rauschen zu verdrängen. Die erste Erleichterung durchdrang seinen Körper als irgendetwas sein Gesicht zu Muss zerstampfte.
    Geändert von Forget (23. May 2017 um 11:55 Uhr)
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

  2. #52
    Erwählter
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    Standard In den Wunderschönen Bergen

    „Ganz schön kalt hier“. Es war das erste was sie an diesem Tag hörten. Und es war auch das letzte. Virtus hatte seine erste Spähtrupp Erfahrung und trabte zusammen mit fünfzig weiteren durch die Berge. Eigentlich waren sie viel zu viele für einen Spähtrupp. Was aber auch nur ein Vorwand war. Der eigentliche Anlass konnte Virtus nicht sagen. Für den Jungen Dawikoni stand nur fest dass es ganz egal was es war, es ihm nicht gefallen würde. Er hatte schnell gelernt dass es nie ein gutes Zeichen war wenn die hochgestellten anfingen unklare Befehle zu geben. Aber nicht nur deswegen war die Stimmung der Truppe im Keller. Es war, wie gesagt, ganz schön kalt obwohl die Jahreszeit sie eigentlich eher zu schwitzen bringen sollte. Sehr starker Wind und Wolken die aus dem Nordosten kamen brachten sie zum Frieren. Und weil das auf und absteigen ohnehin sehr Kräfte raubend war hielten alle die Klappe. Die Menschen hatten sich viele Angewohnheiten von den Zwergen abgeschaut. Das ging von der Sprache bis hin zur Lebensart. Ob er das so toll fand konnte er noch nicht sagen. Für ihn war es Blödsinn die Fehler eines anderen Volkes anzunehmen. Und alles Eisern totschweigen und stoisch nach vorne schauen war auf jeden Fall keine gute Taktik für den Zusammenhalt in der Gruppe. Zwerge hatten da sowieso einen Vorteil da sie einfach zu starrsinnig waren um ihre Leute in Stich zu lassen. Bei Menschen war das nicht so einfach.
    So stampfte er durch den wenig ergiebigen Berg Boden dem nur die widerspenstigen Pflanzen etwas abgewinnen konnten. Es ging leicht bergaufwärts und sie folgten einem leeren Flussbett. Es war nicht sonderlich breit und war wohl eher ein Bächlein wenn mal wieder Wasser floss. Da er noch sehr jung war und relative starke Füße besaß hatten sie ihn nach vorn geschickt um die Umgebung zu erspähen. Was er auch tat. Nur fand er außer hartnäckigen, drei Meter hohen Tannen und einem Haufen spärlichen Grasses nichts. Nicht einmal ein Widder oder sonstige Bergtiere kreuzten ihren weg. Langsam kam es Virtus schon unheimlich vor. Das schlimmste daran an dieser Einöde bestand aus der Langweile die in ihm aufkeimte. Das war einfach nur bescheuert. Er beeilte sich und eilte die letzten paar Ellen nach oben. Eine riesige Buche machte sich auf dem Hang breit und bildete eine Art Krone für den Hügel. Als er neben ihr stand und sich die Rinde ansah kam er drauf dass es sich um eine Rotbuche handelte. Die Weißbuchen sahen in ihrer Art viel Knorriger und verknöcherter aus. Virtus runzelte verwirrt die Stirn und rieb sich den Hinterkopf. Woher wusste er das eigentlich? Sein Gedächtnis war immer noch nicht zurückgekehrt. Für ihn gab es sein Leben erst seit einigen Monaten. Doch immer wenn er Dinge sah konnte er plötzlich sagen zu was sie gut waren. Er kannte Tiere, Bäuerliche Werkzeuge. Virtus wusste sogar wie man Kochte und so weiter. Nur kam ihm niemals der Sinn dahinter warum er das konnte oder wusste. Er tat es kurzum einfach.
    Wenigstens hatten sich die anderen Sachen größtenteils erledigt. Seine Albträume waren weniger geworden und auch weniger krank. Er rannte jetzt nicht mehr von einer Schwarzen Flut davon oder wurde von einem alten Mann mit ironischem Lächeln nach seinen Namen gefragt. Die Hälfte seiner Zeit die er wach war hatte er eigentlich damit vergeudet seine Träume zu verdrängen. Was Virtus aber mehr freute war das diese Stillstände seit einem Monat aufgehört hatten. Der junge Dawikoni wurde langsam normal. Und auch unter den anderen sah man ihn jetzt anders an. Bei mehreren Tausend Männern die im Lager dienten und noch einigen hundert Frauen die bei der Versorgung und auch beim Drill halfen war das gar nicht so unwichtig. Die einen sahen ihn komisch an weil er nichts wusste und mieden ihn. Andere beobachteten ihn mit glänzenden Augen wegen dieser Schlacht die er scheinbar angeführt hatte. Nur erinnerte er sich nicht daran. Was jedoch alle gemeinsam hatten war das er einfach nicht mit ihnen ins Gespräch kam. Dank Harlokin, Romanlov und den Norse Kriegern war das nicht mehr so schlimm. Man glaubte gar nicht wie einsam jemand sein konnte obwohl er durchgehend von seinen Artgenossen umgeben wurde. Um sich von den düsteren Gedanken abzulenken blickte er kurz nach hinten um zu sehen wo die anderen blieben. Die anderen Späher, vier an der Zahl, hatten sich ein bisschen aufgefächert. So wie sich es auch gehörte suchten sie nach Hinterhalten. Natürlich fanden sie keine, aber das Ganze war ja auch eine Übung. Wenn sie irgendwann mit einem Zwergenheer losziehen würden gäbe es für die Dawikoni nur zwei wirklich gute Posten. Späher und Reiter. Wer also nicht als Reiter taugte wurde normaler Fußsoldat. Ausgebildet im Nahkampf und Fernkampf. Um dann im Gebüsch nach Feinden zu suchen. Alles andere konnten die Zwerge ohne Ausnahme besser. Virtus seufzte. Die restlichen Jungs versuchten ihre Gepäckstücke und den restlichen kram nach oben zu schleppen. Sie waren noch gut dreihundert schritt hinter ihm. Das hieß ihm blieb genug Zeit sich ordentlich am Hang zu Orientieren. Der Dawikoni ging an der Weißbuche vorbei und streifte fast zufällig die gesamte Länge seine Hand am Baum entlang. Das Gefühl von Rinde war ziemlich einmalig.
    Im Schatten der Buche sah er nun die andere Seite. Hinter den ersten großen Bergen türmten sich riesige schwarze Wolken auf. Schien so als würden sie sich besser demnächst ein Lager aufbauen müssen. Das Tal unter ihnen war dafür ganz gut geeignet. Dort wuchsen mehr Bäume, bevorzugt Tannen und Fichten. Zusammen mit ihren Zelten ergab das schon einen ganz guten Wetter Schutz. In der Mitte des Tals war eine weitere Erhebung wo die meisten Bäume standen. Die Erhebung war nicht großartig hoch, aber gut genug um als zusätzlicher Schutz im Lager zu dienen. Virtus wollte schon nach hinten etwas schreien als ihm etwas ins Auge stach. Beziehungsweise es stach ihm nicht wirklich ins Auge. Er roch es eher. Irgendjemand hatte Feuer gelegt. Dass er es nicht sehen konnte hieß dabei nichts. Es gab einige Möglichkeiten verdeckt Feuer zu legen. So schnell es ging verschwand er wieder hinter dem Baum und sah sich nach den anderen Spähern um. Es dauerte etwas bis er einen entdeckte. Er kannte seinen Namen nicht. Vom Aussehen her erinnerte er ihn an einen Fallensteller im Mittleren Alter. Flink rannte er zu seinem Stammesbruder. Dieser sah ihn erstaunt an und hielt inne. Genauso wie Virtus wird auch ihn die Langweile gepackt haben. War ja nicht so das die paar Tage wo sie jetzt herumrannten sie dazu animiert hatten vorsichtiger zu sein.
    Er kam einen Schritt neben dem anderen Dawikoni stehen und sprach hastig: „Könnte sein das ich im Tal Feuer gerochen habe. Am besten der Tross bleibt stehen und wartet hier. Ich werde vorgehen und mich versichern“. Virtus wollte schon wieder weggehen als ihn der andere am Ärmel packte und ihm zu zischte: „Warte mal kleiner. Wenn da wirklich irgendjemand da unten Lagert, dann hat der auch auf jeden Fall Posten aufgestellt. Wir müssen uns da runter schleichen und von uns beiden habe ich da glaube ich mehr Erfahrung“. Da musste Virtus dem alten Recht geben. Doch irgendetwas in seinem inneren sagte ihm auf die Worte des alten keine Rücksicht zu nehmen. Schließlich hatte er es entdeckt, so sollte er es auch untersuchen. „Hey, nur weil ich nicht so viele Jahre am Buckel habe heißt das nicht das ich da runtertrample wie eine Horde Wildschweine“, zischte er darauf zurück. Der Ältere Dawikoni sah ihn kurz Zornig an, dann kam jedoch ein etwas freundlicher Ausdruck auf sein Gesicht und er lenkte ein:“ Ist schon gut, habe ich ja auch nur gut gemeint. Ist auch klar dass du dir da deine Entdeckung nicht madig machen willst. Ich glaub wir können es so machen das beide von uns was davon haben“. Während er redete drehte er sich schnell um und winkte zu seiner rechten Seite kurz dreimal. Daraufhin kroch ein weiterer Dawikoni aus dem Gebüsch und kraxelte zu ihnen rauf. Sobald er nah genug da war sagte der Alte zu ihm:“ Jaques, der Kleine hat da unten was gerochen. Könnte sein das sich da schon jemand breit gemacht hat. Er und ich werden sich das ganze Mal genauer anschauen und euch dann ein Signal geben. Gib du dem Anführer mal Bescheid das er unter dem Hügelkamm Lagern soll“. Der andere Späher nickte bloß und machte sich unverzüglich an die Arbeit.
    Schien so als hätte der Fallensteller ein höheres Ansehen in der Truppe als sich Virtus vorstellen konnte. Vermutlich war er es deswegen auch nicht gewöhnt Widerworte zu hören. „Gut, wir werden uns beide aus verschiedenen Richtungen nähern. Suche dir irgendwelche Stellen mit vielen Bäumen und Sträuchern. Das Wetter könnte zu unserem Vorteil werden, wenn es stark genug Regnet werden sie uns nicht mehr hören können. Wenn wir da unten sind ist als erstes wichtig das wir rausfinden wie viele da unten sind. Und noch wichtiger, wer da unten ist. Gegen eine Partie Schwarzorks oder sonstigen Monstern werden wir nicht ankommen. Also tu alles um nicht entdeckt zu werden, das könnte uns allen den Arsch retten. Andere Sache, kannst du eigentlich zählen“? Virtus antwortete nicht gleich sondern machte zuerst eine Art Schulterzucken. „Ich bin jetzt keine großartige leuchte dabei. Derzeit kann ich mithilfe meiner Finger Zählen. Aber ich bin recht gut im einschätzen“. Der letzte Satz klang so erbärmlich das er sich am liebsten angekotzt hätte. Aber sein gegenüber lächelte nur und sagte:“ Da hast du mir was voraus Junge, ich kann gar nicht zählen. Aber wird schon schiefgehen. Wichtig ist nur das wir rausfinden ob es größer ist und ob es mehr sind als wir. Da reicht gutes schätzen. Ich geh rechts und du Links“. Und damit waren sie mit dem reden durch. Der Fallensteller krabbelte los und auch Virtus machte sich gleich auf den Weg. Die restlichen Männer hatten sich währenddessen kurz unter dem Hang aufgestellt und wirkten einigermaßen angespannt.
    Doch gegen ihn waren sie so locker wie ein Schilfrohr. Virtus schien am ganzen Körper zu Zittern und er fühlte geradezu wie er mit jedem neuen Schritt noch nervöser wurde. Wenn er so weitermachte würde er da unten vermutlich einfach den Geist aufgeben und vor Anspannung krepieren. Schneller als gedacht fand er eine halbwegs gute Deckung und arbeitete sich langsam nach unten. Der Himmel war noch einmal um ein eck finsterer geworden. Bis es regnete würde es wohl nicht mehr lange dauern. Auch wenn es ihm eine gute Deckung geben würde, am liebsten hätte er es wenn sie die Sache noch vor dem ersten Regenguss erledigen konnten. Vorausgesetzt da war wirklich jemand.
    Wenn sich herausstellte das er sich geirrt hatte würde er für die nächsten paar Monate das Gespött im Lager sein. Virtus arbeitete sich durch den Dreck bis er an dem kleinen Waldrand ankam. Und dieses Mal roch er es ganz klar. Rauch. Dazu noch ein Art Talg Geruch der so stank als würde er seine Nase verätzen. Also egal was da lagerte, wenn es genauso kämpfte wie es stank bräuchten sie noch 450 Mann mehr. Gut er hatte Recht behalten. Jetzt musste er nur zusehen dass man ihn nicht über den Jordan brachte. Na gut, dann los geht’s. Rhythmisch schlängelte er sich durch da beginnende Unterholz. Wenn man den die paar Büsche und verdorrte Zweige so nennen wollte. Die zweige verfingen sich in seiner Kleidung und seinen Haaren. Fahrig befreite er sich davon. Zum Glück verhedderten sich nicht seine Muskete oder das Schwert. Schließlich schaffte Virtus es unbemerkt hinter dem ersten Baum. Dort kauerte er sich hin und blickte kurz rechts und links vorbei. Jetzt wo er etwas über dem Erdboden war konnte er auch erkennen was los war. Er sah ganz klar drei Feuerstellen die aber schon am abrennen waren.
    Da das Ganze nicht rauchte hatten sie wohl seit einiger Zeit kein Holz mehr nachgelegt. Gut so. Es schien keiner von ihnen daran zu denken dass sich ein bewaffneter Kriegstrupp durch die Wildnis trampelte. Er beugte sich ein bisschen weiter nach rechts um zu erkennen wem nun die Feuer gehörten. Grünhäute sind es wohl nicht, überlegte er. Die hätten sich schon durch ihr Grollen und kreischen bemerkbar gemacht. Ansonsten gab es nicht viel im Weltangebirge was in großer Zahl Feuer machte. Ein paar Tiermenschen Stämme die aber nur selten sie hoch stiegen. Möglich wären auch Skaven oder Menschliche Banditen. Alles andere wäre auf jeden Fall größer, Untoter oder einfach nur unheimlicher. Virtus wollte sich gar nicht vorstellen was es sein könnte. Blöd nur das er genau das herausfinden musste. Obwohl, Untote machten kein Feuer. Damit war das einmal erledigt. Nur was konnte es dann sein? Virtus atmete tief durch, dann fing er an weiter nach vorn zu krabbeln. Sein Herz schlug unheimlich schnell und der schweiß schoss ihm aus den Poren. Der Druck seines Blutes wurde jeden Moment stärker. Als er gerade mal zehn schritt von dem Baum entfernt war glaubte er fast dass das Rauschen für jeden laut hörbar sein musste. Beinahe wie ein Wasserfall klang es in seinem Kopf und der Druck wurde ständig größer. Hinter einer weiteren Tanne blieb er liegen. Zitternd und vor lauter Angst entdeckt zu werden blickte er sich um. Doch da war nichts. Nirgends ließ sich wer blicken.
    Just den Moment fiel ihm etwas ins Auge. Auf der gegenüberliegenden Seite, in der Nähe des hintersten Feuers bewegte sich etwas. Virtus duckte sich noch ein Stück tiefer und atmete so flach wie möglich. Egal was es war, es war nicht sonderlich groß. Es erinnerte ihn ein wenig an eine Schlange die sich langsam durch das Gras schlängelte. Nur das diese Schlange fast so lang war wie ein erwachsene Mann. Seine Kehle wurde feucht als er an die Grusel Geschichten dachte die ihm die Norse erzählt hatten. Über die Tiermenschen in ihrer Heimat. Grausam verformte Wesen die durch eine Vermischung aus Mensch und Tier entstanden waren. Soweit er wusste kannten die meisten Tiermenschen nur mit einem Widderschädel. Doch scheinbar gab es alle möglichen Arten. Manche davon waren auch ähnlich wie Schlangen. Riesige fahle Würmer mit Händen deren lange Giftzähne so lang waren wie die Finger eines normalen Menschen. Sein Körper bebte als seine Hand die Muskete vom Rücken hinuntertat. Er wollte schon zu seinem Schwarzpulver greifen als ihm klar wurde das er zu keinen guten Schuss kommen würde. Das Vieh würde ihn treffen bevor er auch nur die Kugel hineingestopft hatte. Es brauchte gut fünfzehn Atemzüge um eine Muskete zu laden und abzufeuern. Wenn man ruhig war und eine gute Hand besaß. Virtus hatte nicht einmal den Ansatz davon oder auch nur das können. Er war im Mittelmaß zuhause was das anbelangte. Und da er kurz davor war sich anzuscheißen würde es ihm wohl recht wenig bringen. Also legte er so sanft wie möglich die sperrige Waffe neben den Baum und zog stattdessen sein Schwert. Damit hatte er ein weit besseres Gefühl gegen dieses kranke Wesen. Mann gegen Mann würde er es mit dem Vieh aufnehmen können. Vorausgesetzt es gab nicht noch mehr davon.
    Es brauchte Zeit bis ihm der Gedanke so richtig in den Kopf sickerte. Als sich in seinem Kopf die Entscheidung anbahnte Reißaus zu nehmen war es schon zu spät. Das komische Schlangenvieh war da. Virtus umklammerte sein Schwert und machte sich bereit aufzuspringen und dem hässlichen wesen seine Klinge schmecken zu lassen. „Hast du irgendetwas gefunden“? flüsterte die menschliche Schlange Virtus zu. Dieser blinzelte verblüfft und sah noch einmal genauer hin. Zwar war beinahe kein Licht mehr vorhanden, aber er konnte halbwegs erkennen das es sich um den alten Kerl handelte mit dem er das Lager auskundschaften sollte. Virtus ließ einen Teil seiner angestauten Luft aus ihm heraus und dankte Thal das er noch am Leben war. Erst dann zischte er zurück: „Nein, bis auf dich nur die leeren Lagerfeuer“. Der alte Späher kroch noch ein Stück näher an ihn heran. Als sie nur noch einen halben Schritt voneinander entfernt waren fing er wieder an zu flüstern: „Gut. Ode nicht gut, ganz so wie man es sehen will. Hier Lagert derzeit niemand, aber das heißt nichts. Besser wir sind vorsichtig und erkunden das ganze Wäldchen erstmals. Ich hab aber keine Lust hier herumzukriechen. Wir werden jetzt beide aufstehen und unsere Musketen Laden. Falls hier irgendwo etwas wäre was uns umbringen könnte werden wir es erschießen. Wenn es wirklich ein Hinterhalt ist werden wir sterben, ganz sicher. Aber der Schuss macht die Jungs unten aufmerksam und wir verhindern dass sie einfach überrascht werden. In Ordnung“? Nein das ist eine scheiß Idee. Das wollte Virtus am liebsten sagen. Stattdessen nickte er nur merklich. Sein verstand rief ihm dazu auf so schnell es ging zu verduften. Stattdessen blickte er sich um und erhob sich gemeinsam mit den alten Sack. Beide mit den Musketen in der Hand. Zeitgleich begannen sie die Gerätschaften zu laden. Aus reiner Gewohnheit heraus begann Virtus zu zählen. Dabei fiel ihm auf wie leicht es ihm jetzt fiel das ganze Schussbereit zu machen. Allein Atem zu zählen brachte ihn dazu ruhiger zu werden. Innerhalb von fünfundzwanzig Atemzügen war er fertig. Der Alte war drei Atemzüge später fertig. Sie beide saßen nun in der Hocke auf den Waldboden. Beide hatten die Tanne im Rücken und schauten in zwei verschiedene Richtungen. „hey, wie ist dein Name“?
    „Was“? Virtus war so sehr aufs laden konzentriert gewesen das es ihn beinahe schockte wieder in dem Wald zu sein. Der Alte schnaubte du meinte: „Wenn ich mit dir hier krepieren sollte dann will ich verdammt nochmal Wissen wie der Kerl heißt mit dem ich ins Gras beiße“.
    „Virtus. Virtus Fors“. Es war irgendwie beruhigend das er seine eigenen Namen aufsagte. Warum das so war konnte er nicht sagen, aber es war so. der Alte schnaubte kurz und sagte: „Da hast du aber einen ausgefallenen Namen. Ich heiße Philip, Philip Lopez. Und wenn die Herrin so will dann wird keiner von uns beiden heute ins Gras beißen“. Virtus konnte dem nur zustimmen. Außer das bei ihm seine Gebete natürlich zu Tahl gingen. Die Göttin der Betronen die aus irgendwelchen verzauberten Seen herauskam war nicht ganz was sich Virtus unter einer Göttin vorstellte. Aber was wusste einer mit den Erinnerungen von gerade Mal dreieinhalb Monaten wie Götter zu sein hatten. Der alte Kundschafter atmete leise vor sich hin. Für Virtus hörte es sich an als wären es Donnerschläge die den gesamten Berg zum Beben brachten. Schweiß bildete sich an seiner Stirn. Einzelne Tropfen machten sich auf den Weg nach unten und zogen eine Salzige Spur auf seiner Haut. Virtus tat nichts dagegen. Selbst als die Tropfen in seine Augen kamen und das Salz ihn zum Tränen brachte. Er war viel zu sehr darauf konzentriert aus der Finsternis einen schreienden Ork ausfindig zu machen. Oder vielleicht war es auch ein Goblin. Ein Tiermensch war genauso gut möglich oder sogar Skaven. In seinem Kopf formten sich die unsinnigsten Gedanken zusammen. Er ertappte sich dabei sich zu fragen ob es nicht auch Oger sein könnten die hier ihr Lager aufgeschlagen hatten. Es gab nicht nur die halbwegs Zivilisierten Runenoger im Weltangebirge. Der alte Zwerg hatte ihm beigebracht dass die letzte große Ogerwanderung über hundert Stämme hierhergebracht hatte. Die meisten hatten sich in den Kämpfen gegen alle möglichen Kreaturen aufgerieben. Doch es gab noch mehre verstreute Stämme und langsam regenerierten sie sich von den Verlusten ihrer ersten Kriegszüge. „Denk nicht so einen Unsinn“. Er hatte die Worte fast unhörbar zu sich selbst gesagt. Es beruhigte ihn eine Stimme zu hören. das ständige lauschen in den nun fast komplett düsteren Wald machte ihn noch wahnsinnig.
    Virtus bewegte seinen Kopf leicht nach links wo er gerade noch die letzten hellen Strahlen erhaschen konnte. Draußen würde die Sonne sicherlich noch für eine halbe Stunde Licht spenden bevor sie sich schlafen legen würde. Doch unter dem Blätterdach der Fichten und Tannen herrschte eine beinahe ewige Düsternis. Er war so angestrengt der Finsternis zu lauschen das er beinahe eine halben Meter in die Luft sprang als ein brüllen ertönte. Sein Herz das schon die ganze Zeit wie wild gepocht hatte trieb seinen lebensfast durch die Adern als wäre es ein reißender Strom. Seine Hände zitternden und er bewegte völlig ziellos den Lauf seiner Muskete mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Philip tat das gleiche nur das er statt in der Luft rumzuspringen sich duckte und will die Seiten drehte. Ein erneutes Brüllen erschallte. Und jetzt konnte Virtus auch hören woher es kam. Und das war nicht der Wald.
    Ohne groß darüber nachzudenken stürmte er ins Freie. Die Plötzliche Helligkeit nahm ihm beinahe jegliche Sicht. Fluchend griff er sich reflexartig an die Augen und atmete tiefe durch. Mit Tränen in den Augen blinzelte er den Hang hinunter. Als er endlich wieder etwas sah schaffte er es gerade noch zur Seite zu springen bevor ihn ein anderer Dawikoni über den Haufen rannte. Gleich nach dem ersten folgten der gesamte Rest von Virtus Truppe. Die letzten waren die Nachhut und ihr Anführe Berthold Ehrlich. Berthold war ein Dawikoni der zweiten Generation und hatte es nur deswegen geschafft das Kommando zu erhalten weil er ein wirklich gute Soldat und Taktiker war. Sonst hätte er niemals so viel Unterstützung von den Zwergen erhalten. Die hatten immer noch das letzte Wort wenn es darum ging wer wo den Anführer spielen durfte. Und bei Berthold hatten sie einfach ein gutes Gefühl da er ein tapferer und sehr behaarender Mann war. Hätten sie ihn jetzt laufen gesehen würde Berthold vermutlich die Latrinen säubern. Völlig außer Atem und mit Panisch aufgerissenen Augen kamen nacheinander die Dawikoni über die Hügelkuppe. Die meisten rannten noch zehn, zwanzig Schritt weiter bevor sie stehen blieben. Manche hielten sich die Seite oder blickten mit ängstlichem Starren aus dem Wald hinaus. Das war aber nur bei der Hälfte der Fall. Zwar war die Panik in jedem Augenpaar zu finden, doch ein paar abgebrühte Kerle wussten damit umzugehen. Sie begannen sich neben Virtus aufzustellen und machten sich daran ihre Musketen bereit zu machen. Ein paar umrundeten auch den alten Lagerplatz um zu sehen wie es auf den anderen Seiten aussah.
    Philip gesellte sich mit aschfahlem Gesicht neben ihm. Virtus brennte es zu fragen was los war. Doch er wusste längst dass die Frage überflüssig war. Das Brüllen und das sein gesamter Trupp wie ängstliche Hasen hier heraufgerannt kamen konnte nur bedeuten das etwas mächtig bösartiges auf sie zukam. Endlich schaffte es auch Berthold mit der Nachhut es nach oben. Im Gegensatz zu dem Rest blieb er jedoch gleich vor dem ersten baum stehen und schrie so gut es außer Atem ging: „Aufstellung“! Ein paar innerhalb des Waldes bewegten sich. „Ihr dämlichen Vollpfosten! Sofort… Aufstellung einnehmen und Musketen Laden. Je…jeder zieht gefälligst…seine Waffen und teilt sich auf“! Mit hochrotem Kopf schrie Berthold den Männern Mut ein. Dass er dabei gefährlich nahe an einem Kollaps kam konnte jeder von ihnen sehen. Doch die Befehle wirkten. Das geübte setzte sich durch und die Krieger machten sich kampfbereit. Dieser Routine führte dazu das die Angst gleich nur noch halb so schlimm war. Da Virtus schon bereit war konnte er sich das nicht zu Nutze machen. Mehrmals vernahm er noch ein Brüllen das jedes Mal lauter und deutlicher vernehmbar war. Virtus schluckte hörbar. Die Zeit zog sich ins endliche. Jeder Schweißtropfen schien seit Urzeiten über sein Gesicht zu verlaufen und seine Bahnen durch seine unreine Haut ziehen. Das Leben als Kundschafter machte einen Mann nicht gefeit gegen Disteln und Brennnesseln. Er blinzelte und versuchte zu schätzen wie lange die Sonne noch oben am Firmament stand. Nicht mehr lange. Vielleicht eine halbe Stunde noch? Oder vielleicht nur hundert Atemzüge bevor die Düsternis einholte und das, was sich da brüllend seinen weg zu ihnen bahnte, sie zerfleischte? Verflucht, er musste sich beruhigen. Sonst würde Virtus sich noch selbst so sehr in Angst versetzen das sein Herz zu schlagen aufhörte. Einer der Alten im Lager hatte schon gesagt das es das schlimmste im Krieg war wenn man seinen Gegner nicht sah. Wenn man nicht wusste was auf einem zukam und man ganz allein mit seiner Angst war. Die einen langsam auffraß und die hässlichsten und bösesten Ängste in einen entfesselten.
    Deswegen, und nur deswegen, war Virtus so froh als er endlich eine Rotte Orks sah die sich durch das Unterholz kämpften. So erleichtert dass er kurz zum Lachen anfing. Und sobald es anfing konnte er nicht aufhören. Philip sah ihn verwirrt von der Seite an während Virtus schlussendlich lauthals lachte. Das ging so weit das Virtus glaubte das sein Bauch gleich platzen würde und er keine Luft mehr bekam. Er lachte solange bis Berthold ihnen befahl eine Schussposition einzunehmen. Doch selbst da wo er gemeinsam mit anderen dreißig Männern seine Musketen auf die wütende Meute richtete die sie hier Lynchen wollten ging ihm das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

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