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    Standard Die Flut 4

    Malin staunte nicht schlecht. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er was es mit den Eisenbrechern der Zwerge wirklich auf sich hatte. Hunderte kleine, in Gromril gepanzerte Kreaturen die sich ohne Probleme durch die Menschenmasse durchmetzelte. Die Garde hatte dem allem nichts entgegenzusetzen. Sie fielen nach der Reihe durch die Äxte und Hämmer. Malin stand auf einem der hohen Kunsttürme die Sartrosia noch aus Aarbischen Zeiten her hatte. Von dort hatte der Elf einen perfekten überblick über das Schlachtfest. Er schnalzte mit der Zunge und wandte den Blick in die Innenstadt. Dort sammelten sich die mehr oder weniger Kampfähigen Piraten.
    Es waren mehre Tausende, zusammen mit den restlichen Söldnern und Gardisten weit über Zehntausend Kämpfer. Allesamt bereit zum Raufen. Deswegen würden sie vermutlich von den Zwergen geradezu zermalmt werden. Diese kleinen Krieger waren einfach zu mächtig und gut gerüstet für diesen Haufen. Es war ganz schön ärgerlich dass es so gekommen war. Zwar hatte er eine Nachricht erhalten das es zu einem Angriff kommen konnte. Was er selbst ausgeschlossen hatte. Außer einigen Ork Kapitänen gab es nichts in diesen Gewässern was wirklich Interesse daran hätte Sartrosia anzugreifen. Und der Rest war allesamt mit den Elfen verbündet. Die einzigen die dahingehend vielleicht noch eine Gefahr dargestellt hatten waren die Küstenstädte Arabiens und einige Stadtstatten in Tilea.
    Doch diese waren schon kurz vor dem Ende. Ihre Verbündeten waren kurz davor den Süden der Alten Welt und den Norden des Schwarzen Kontinents zu übernehmen und damit den Elfen den Weg frei zu machen um ihre alte Vormachtstellung einzunehmen. Auch gefiel Malin der Gedanke ihre Brüder in den Wäldern wieder zurück ins Reich zu holen. Eine Vereinigung des stolzen Volkes der Elfen. Es war eine reine Utopie doch er stand absolut dahinter. Und gerade eben wurde diesem Plan ein tiefer Schnitt beigebracht. Sartrosia war nicht einfach nur irgendeine Insel. Sie war die wichtigste Position in diesem Meer und hatte dazu noch ein gewaltiges Flotten Angebot. Und jetzt waren ihm aus komplett unbekannten Gründen diese Maulwürfe hier hergekommen. Malin atmete tief ein und aus. Er hatte vor Jahrhunderten gelernt sich nicht zu sehr in etwas hineinzusteigern und seine Gefühle zu verbergen. Sie waren hinderlich in der Ausführung seines Diensts und ein Mahl für das Chaos.
    Nur Freude und Liebe sollte es in seinem Leben geben. Doch wie war es möglich seinen Feind zu Lieben wenn er ihn tötete? Malin blickte zurück zu den Zwergen. Diese hatten die Menschen nun komplett zurückgetrieben die wenigen Überlebenden flohen genau in die Armee der Nachrückenden Piraten. Schüsse erklangen und einige Flüchtlinge brachen zusammen. Derr Rest bildete sich schließlich zu einem Haufen und bewegte sich zurück. Die Königin hatte keine Probleme damit ihre Männer anzuspornen, selbst wenn dabei einige von ihnen ins Gras beißen mussten.
    Die Zwerge passierten den Eingang zum großen Platz und schwärmten geordnet aus. Malin hatte selten jemand besseren in Gleichschritt Formation beziehen sehen. Die Dawi bildeten einen Halbkreis bestehend aus drei Gruppen. Zwischen den Gruppen war ein kleiner Spalt zwischen denen sich einige Zwerge mit langen Spießen positionierten. Die Piraten hatten so keine Möglichkeit an den Blöcken vorbeizukommen. Gleichzeitig gab ihnen der Spalt die Hoffnung dort durchzubrechen zu können. Somit lenkten die Eisenbrecher von der Hauptgruppe ab und sicherten gleichzeitig die Seiten. Wirklich Klever diese kleinen Kerle, das musste Malin ihnen zugestehen.
    Ein Schrei hallte durch die Luft. Er verklang, nur um gleich drauf von Tausenden Kehlen erwidert zu werden. Piraten, Gardisten, Söldner und was sich sonst so in der Stadt befunden hatte rannten auf die Zwerge zu. Gespannt beobachtete der Elf wie die Masse an Fleisch sich gegen die lebendige, eiserne Mauer warf. Schädel wurden eingeschlagen, Körper aufgespießt. Die Kämpfer drängten sich teilweise selbst in den Tod indem sie sich in den Axt Wall anschoben. Doch die Mauer aus schwer gepanzerten Zwergen wankte nicht einmal. Die Schilde der nachfolgenden Reihe stützten die vorderen Männer. Gleichzeitig wurden die meisten Waffen von der um einige härtere Rüstungen abgewehrt. Diese Probleme hatten deren Äxte leider nicht. Es dauerte nur einige dutzend Atemzüge von Malin, da brach der Ansturm der Piraten schon ab.
    Musketen schützen traten vor und brachten eine Kugelsalve über die Zwerge. Der Elf hätte den Piraten sagen können dass das eine schlechte Idee war. Er sah nur einen einzigen Dawi fallen. Eine der Kugeln hatte den schmalen Sehschlitz getroffen. Die anderen jedoch schossen allesamt in die Reihen der Querschläger zurück. Bevor sie sich versahen lagen dutzende der Schützen am Boden. Gleich drauf fing die Zwerge an Wurfbeile und Bolzen in die Menge zu schießen. Malin schüttelte den Kopf.
    Er konnte es nicht mit ansehen wie die Menschen abgeschlachtet wurden. Dabei hatte der Kampf noch nicht einmal wirklich angefangen. Er erhob sich von seinen Späher Posten und angelte sich den Turm hinunter. Die Zeit hatte ordentlich an dem Gemäuer gefressen so dass es dem flinken Geschöpf nicht schwerfiel nach unten zu gelangen. Unten angekommen fing er an zu rennen. Er bewegte sich zwischen die Menschen wie ein Wolf in den Wäldern. Sie waren die Bäume und das Unterholz, er das Raubtier das sich an sein Opfer anpirschte und versuchte kein verräterisches Geräusch zu machen. Einmal sprang er sogar einem fetten, kleinem Mann auf den Kopf und katapultierte sich so über eine Menschentraube hinweg. Ehe er sich versah stand er vor der Königin. Die anderen Elfen hatten sich um sie herum gestellt.
    Bis auf Fania, die vermutlich gerade eine Nachricht nach Estalia schickte um den ehrenwerten Herr Daleszin über die Vorkommnisse zu berichten. Daleszin war ein alter Elf der sein Kriegertum schon längst aufgehört hatte. Seit Jahrhunderten hatte er bei verschiedenen Sachen als Berater fungiert. Doch mit dem Aufkommen des Frühlings hatte man ihm nun bedeutend wichtigere Positionen gegeben. Ihm unterstanden nun dutzende Trupps von Elfen in diesem Teil des Weltenteichs. Zu ihrem Glück war er nicht gerade für seinen Jähzorn bekannt.
    Doch selbst er würde vermutlich vor Wut explodieren wenn er erfuhr was mit ihrem zentralen Stützpunkt passierte. Die Königin sah ihn und eilte sofort auf ihn zu. Sie packte ihn an die Schulter und blickte mit den wahnsinnigen Gesichtszügen auf ihn nieder. Als sie den Mund aufmachte zog sich ein kleiner Speichelfaden von ihrem Eckzahn hinunter. In diesem Moment ähnelte sie mehr als jemals zuvor einem tollwütigen Wolf. „Also, mein kleines Elflein, was hast du gesehen? Wer ist das da der meine Insel angreift? Und wie viele dieser Hunde lassen meine Männer am Leben damit ich mich mit ihnen noch unterhalten kann“? Selbst ihre Worte klangen mehr nach dem knurren eines Wolfes als an eine Zivilisierte Sprache. Er schüttelte die Königin sanft ab. Seine Gefährten waren näher getreten. Um zu hören was er zu sagen hatte oder um ihm Notfalls beizustehen wusste er nicht. Zwar waren sie gute Kameraden, aber der Auftrag hatte Vorrang. Und wenn sie die Königin Töten würden, würde das unweigerlich dazu führen das ein Teil der Piraten ihnen misstrauen würde. Auch hätten sie nicht mehr den starken Anführer den sie eigentlich brauchten um die Flotte von ihnen zu beherrschen.
    Er hasste es gerade dermaßen das er mit diesen Kreaturen praktizieren musste. Doch auch er selbst musste sich eingestehen das er vermutlich nichts tun würde was die Beziehungen der Königin zu ihnen Schaden würde. Selbst wenn sie einen von ihnen Töten würde. Sanft legte er seine Finger auf ihre Unterarme und drückte sich sanft, aber bestimmend weg. Gleichzeitig sagte er:“ Meine Herrin, vergreift euch bitte nicht an mir. Ich werde euch ausführlich und genau berichten. Doch es bringt niemanden etwas wenn ihr Gewalt gegen mich anwendet. Weder meine Geschwister und ich würden euch anlügen oder Sachen vorbehalten. Unsere Herren haben uns ausgesendet um euch zu dienen. Und das werden wir auch“. Malin sah der Frau fest in die Augen. Der Ausdruck des omnipräsenten Wahnsinns in ihren Augen wich leicht der Vernunft.
    Nun wirkte sie mehr wie ein Tollwütiger Fuchs als ein Wolf. Der Elf atmete tief ein und sprach schnell und ohne Schnörkel weiter:“ Als ich oben war konnte ich erkennen das unsere Gegner starke Plattenrüstungen tragen. Sie benutzen im Großen und Ganzen Äxte und Hämmer. Auch sind einige Pikeniere in ihren Reihen die die Zwischenräume schützen. Ich würde ihre Anzahl auf gut zweihundert schätzen. Aber vermutlich warten zwischen den Häusern noch einmal so viele von diesen Kriegern. Eure Schusswaffen sind nutzlos. Die Rüstungen sind so stark das die Kugeln einfach zurückprallen. Auch eure Schwerter werden sie Panzer nur an einigen wenigen Schwachstellen durchdringen können. Ohne schwere Fernkampfeinheiten scheint es mir beinahe unmöglich ihre Formation aufbrechen zu können. Alles in allem sieht es alles andere als Rosig für uns aus. Ich würde euch Vorschlagen mich und meine Begleiter in den Kampf zu werfen. Am besten sollen uns Männer mit schweren Entersäbeln und Bootsäxten begleiten. Wenn wir es richtig anstellen können wir so die Formation brechen um damit den schweren Nahkampf Truppen den Weg zu ebnen. Und wenn ihr irgendwo noch Kanonen hättet wäre das wundervoll“.
    Die Königin nickte ernst und fragte dann mit leiser Stimme:“ Eurer Plan ist gut, kleiner Diener. Nur bleibt noch eine Frage die geradezu in mir brennt. Wer greift uns bei allen Göttern noch einmal da an“?
    Malin schluckte schwer. Er hatte es selbst gesehen und doch war es ihm so als würde er die Menschen Frau anlügen. „Zwerge, Herrin. Erdwühler aus dem Weltangebirge“. Es war das erste Mal seit er diese Insel betreten hatte das er die Königin sprachlos sah. Selbst das Wahnsinnige Funkel in ihren Augen wich einem komplett perplexen Ausdruck. Am liebsten hätte er jetzt laut aufgelacht. Zum Glück hatten es Elfen schon von klein auf gelernt ihre Gefühle zu verbergen und nie zu viel davon hervorkommen zu lassen. Alles andere stärkte nur das Chaos.
    Einer seiner Begleiter mit dem Namen Anaste trat zu ihm. „Dawi“? Die Ungläubigkeit in ihrer Stimme sprach Bände. Malin überhörte die kleine Frage und konzentrierte sich auf die Königin. Diese stand nach wie vor perplex vor ihm und murmelte mehr zu sich selbst als zu ihm:“ Wie kommen die hier her“? bevor Malin antworten konnte erklang ein lautes Donnern das er schon auf dem Fest vernommen hatte.
    Doch da war es ihm nicht weiter komisch vorgekommen. Es kam schon mal vor das einfach irgendwer Kanonen oder Schwarzpulver anzündete. Doch diesmal hörte er den Unterschied und seine Auswirkungen. Es gab mehre Wege vom Hafen in die Stadt. Genau genommen waren es drei Hauptstraßen und einige Nebengassen. Würde er Angreifen, hätte er sich auf diese drei Wege konzentriert und die kleinen Gassen einfach nur versperrt. Und weil die Verteidigungsanlagen von der Pirateninsel so aufgebaut waren das man gute Schusspositionen von den Festungen hatte, zerschossen sie diese mit ihren Kanonen. Verflucht gewitzt für Wesen die mit Wasser nur ungern in Berührung kamen. Die beiden Kanonenstellungen an den Seiten er Bucht waren nur noch Ruinen. Die restlichen Stellungen besaßen nicht genug Feuerkraft um Schiffen wirklich gefährlich zu werden. Und das auch bei normalen Schiffen. Die Zwerge hatten sicherlich weit besser gepanzerte Schiffe.
    „Na gut“. Die Königin hatte sich wieder gefasst und legte jetzt wieder die Gebieterin vor. Wie sehr es der Elf hasste mit Instabilen Persönlichkeiten zu bändeln. „Zwei oder drei von euch sollen mit ihren Pfeilen die Zwerge etwas ausdünnen. Der Rest versucht eine Lücke in ihren Schildwall zu schlagen“. Sie drehte sich auf einen Schlag um und schrie einen Korpulenten Mann mit dem Gewicht von einem halben Oger zu: „Mach die Jungs mit den Säbeln und schweren Waffen bereit. Sie sollen als nächstes nach vorn. Und ich will das Carlos mit seinem Haufen rechts angreift. Da kann er endlich beweisen das er mehr als eine Witzfigur in Pluderhosen ist“. Sie Grinste kurz auf und machte dann eine schnalzende Bewegung mit ihrer Hand und schreie fast vergnügt: „Und wenn wir schon dabei sind, schick diesen hässlichen Vampir auf die linke Seite. Mal sehen was seine Halbghule das ausrichten können“.
    Der fettleibige Mann verbeugte sich Rasch und eilte davon. Malin sah seine Gefährten kurz. Anaste und ein weiterer Elf hoben den Bogen. Damit war entschieden wer sich ins Getümmel stürzen würde. Sie hielten sich nicht mit überflüssigen Phrasen auf und huschten durch die verschwitzte versoffene Masse. Das kam ja noch dazu. Nur jeder vierte war nüchtern. Und das nur deswegen weil sie zu weit unten in der Hackordnung standen als das es auch nur einen einzigen interessieren würde.
    Malin zählte sich wahrlich nicht zu den Optimisten in diesem Kampf. Er schlüpfte gekonnt zwischen den Gestalten hindurch und hüpfte hier und da auch mal über sie. Sein Gefährte war nur zwei Schritte neben ihm. Synchron kamen sie beide an der Front an. Die Piraten blökten wie Schafe durch die Gegend während die Zwerge mit der grimmigen stille von Wölfen sie zerlegten. Dutzende Leiber bedeckten den Boden und er suchte vergeblich nach den Gromril gepanzerten Kleinwüchsigen. Aber es blieb keine Zeit sich davon einschüchtern zu lassen. Er drängte sich geschickt an die vorderste Front und sah sich blitzschnell nach offenen Stellen um.
    Schild um Schild reihte sich vor ihm auf. Da würde er mit seinem Schwert nicht durchkommen. Ruckartig wurde ein Schild zur Seite geschoben und ein Beil wurde mit eisiger Präzession in den Brustkorb eines Schwarzhaarigen Mannes versenkt. Die Klinge wurde bis in den Bauch getrieben. Die Innereien klatschen aus der offene Bauchwunde auf den Eisenbrecher. Während der Mann verwirrt versuchte seine Innereien wieder in den Körper zu schaufeln wollte sich der Zwerg wieder zurückziehen. Da kam jedoch sein gezielter Fußtritt dazwischen. Donnernd rammte er ihm seinen eigenen Nasenschutz gegen das Riechorgan. Es brach knackend und der Zwerg stolperte zurück. Bevor seine Brüder ihm helfen konnten war seine Klinge zielsicher unter die Achsel eingedrungen. Zwar wäre der Augenschlitz ein tödlicheres Ziel gewesen.
    Aber wer bei allen Göttern konnte auch zielsicher in so etwas hineintreffen. Malin nicht, deswegen begnügte er sich mit den weniger gepanzerten Körperteilen. Zu seinem Glück drang die Klinge durch das Schwächere Material. Der Zwerg schrie überrascht auf und knickte ein. Wer drehte sich pfeilschnell um und wich einem wilden Hieb mit dem Beil aus. Drei Eisenbrecher gleichzeitig nahmen ihn in die Mangel.
    Er wich noch einen Schritt zurück und musste ansehen wie die Lücke die er zuvor geöffnet hatte wieder geschlossen wurde. Was für ein Pech. Jetzt durfte er wieder von vorne anfangen. Das Schoss ein Pfeil aus dem nirgendwo und versank einem seiner Gegner unter dem Bart. Der Zwerg wankte nach hinten und riss sich das Holz aus der Rüstung. Er hielt den Pfeil hoch und schrie mit erhoben Kopf etwas auf Khazahild. Noch während er das tat schoss ein zweiter Pfeil etwas versetzt vom ersten heran.
    Knapp unter dem Helm ging er durch und dank dem hochgehoben Haupt des Zwerges drang dieser in den Hals. Das alles geschah in nur einem Moment, genau der Moment bevor in die drei Zwerge zeitgleich angriffen. Zuerst wurde er von beiden Seiten angegriffen wovon er einen abblocken und dem anderen ausweichen konnte. Dem mittleren der nun kam hatte er nicht entgegenzusetzen. Die schreien Männer hinter ihm drängten ihn nach vorne und nahmen ihm den Platz zu kämpfen. Auf engen Raum würden ihn die Kurzen fertig machen. Er drehte seinen linken Fuß und drehte gleichzeitig die Hüfte. Seine rechtes Bein zog er dabei an und trat mit aller Kraft gegen den Schildrand des Eisenbrechers.
    Zu seinem Glück hatte dieser das nicht kommen gesehen sonst hätte das Beil anstatt ihm zu empfehlen sein Schienenbein getroffen. Der tritt brachte jedoch nicht vielmehr als das der Angriff abgeblockt war. Wer einem Orks Ansturm gemütlich standhalten konnte würde nicht wegen einem tritt von einem Elfen wanken. Ohne innezuhalten nutzte er den schlug um mit seinem Schwert was er in der rechten hielt auf seinen linken Gegner einzudringen. Er traf diesen kräftig am Kopf erreichte aber nicht viel mehr als das dieser etwas zurückwich. Er tänzelte in den freien Platz hinein und entging so dem Beil in seinem Rücken. Er zog fließen seinen Dolch aus der Schneide und hagelte mit Schlägen auf den Eisenbrecher ein. Wenn er Glück hatte würden die Menschen die anderen Eisenbrecher aufhalten. Wenn nicht hatte er gleich etwas unangenehm Scharfes im Rücken.
    Sein Gegner parierte die ersten zwei Schläge mit dem Schild. Der dritte traf ihn ein weiteres Mal auf dem Helm und der Vierte erwischte sein Handgelenk. Dabei öffnete der Zwerg ganz leicht die Hand aber schloss sie fast automatisch sofort wieder. Mit einem wütenden Schrei sprang der Eisenbrecher nach vorn und schwang kraftvoll sein Beil gegen seine Seite. Vermutlich hatte er ihn soweit in die Ecke getrieben das er keinen anderen Ausweg sah als einen gewagten Ausfall. Genau drauf hatte Malin gesetzt. Er ging breitbeinig in die Knie und blockte noch während dem ausholen den Arm des Zwerges. Sofort schnellte dessen Schild gegen sein Gesicht. Doch mit einer Blitzschnellen Bewegung stach er mit seinem linken gegen die Bärtige Fratze. Sein gerade mal handlanger und nur ein Finger dicker Dolch stieß ohne Probleme durch den Augenschlitz in das Hirn. Abrupt blieb es eine Gegner stehen, jegliche Kraft schien aus den Gliedern gewichen.
    Malin schaffte es Garde noch sei9nen Dolch aus der Augenhöhle zu reißen bevor der Zwerg stürzte. Zwei geschafft von geschätzt Zweihundert. Man musste die kleinen Erfolge im Leben feiern. Der Hochelf drehte sich so schnell wie möglich seinen zwei verbleiben Verfolgern zu. Aus dem Augenwinkel passte er aber auch auf der anderen Seite auf. Die Zwerge hatten sich nur zwei drei schritt vom hauptkern entfernt und gerade wurden die Menschen wieder einmal ordentlich aufgerieben. Wenn er sich nicht vorsah hätten sie ihn bald eingekesselt. Von den zwei Eisenbrechern steuerte nun einer auf ihn zu. Der andere war gerade mit seinem Artgenossen beschäftigt. Es schien ziemlich ausgeglichen zwischen den beiden zu sein. Hoffentlich schaffte es ein Freund irgendwie die Oberhand zu gewinnen. Sie mussten die verdammte Formation aufbrechen und allein mit den Pfeilen würden sie das nie schaffen. Der letzte Eisenbrecher war nun herangekommen und sogleich gingen die beiden Kontrahenten aufeinander los.
    Malin nutzte seine Beweglichkeit und tänzelte um den Zwerg herum. Wie zuvor schlug er größtenteils mit dem Schwert und versuchte mit dem Dolch die Schwachstellen zu erwischen. Der Zwerg machte sich seine Vorteile zu nutzte und ließ auf sich einprügeln. Dabei drehte er sich aber immer etwas mit dem Oberkörper. Und jedes Mal wenn Malin da vorbeiziehen wollte kam ein Beil hervorgeschossen und trieb ihn die andere Seite. Er selbst kam nur drei Mal zum Parieren wobei er aber sowohl Dolch als Schwert benutzen musste. Der Eisenbrecher gab sich keine Blöße und Sein Schild dreckte immer sein Gesicht. Und die Schläge hätten wohl selbst einen Ork aus dem Sattel gehauen. Der elf spürte wie er zu schwitzen begann. Die Schreie der Schlacht, sein eigenes Keuchen und der Geruch nach Blut. Es war lange her dass er in großen Schlachten gekämpft hatte.
    Und das erste Mal das er mit solch harten Gegnern das Schwert schwang. Er begann mit größeren schritt Distanz zu schaffen und attackierte flink mit seinem Schwert. Der Zwerg blockte mit dem Schild worauf der Elf sprang und genau auf der Schildkante landete. Ohne genau zu zielen stach er mit dem Stilett zu. Sie traf ihn über der Augenbraue und glitt dann über den Nasenflügel hinab. Wäre das geschmiedete Gesicht nur keine Maske hätte er wohl das Duell für sich gewonnen. So wurde er aber nur mit einem ruckartigen Stoß vom Schild geworfen und wälzte sich auf den Toten Menschen herum um nicht von dem Beil zerteilt zu werden. Malin rollte sich keuchend durch die noch warmen Leiber und sprang auf. Diesmal war es der Zwerg der Angriff. Mit einer Kombination aus Schildschlägen und Axthieben trieb er ihn hin und her. Er parierte blitzschnell einen Hieb nur um dann den Schild gegen den Unterbauch zu kassieren.
    Er würgte uns spuckte aus und brachte sich schnell vor einem Hieb gegen seine Gesicht in Sicherheit. Malin spuckte auf und traf dabei den Schild. Da kam ihn eine Idee. Ohne lange darüber nachzudenken wartete er den nächsten Schlag ab und tat so als würde er wieder parieren. Der Eisenbrecher zog dieses Mal sein Beil zum Schild anstatt damit nach vorn zu stoßen. Dabei kam aber sein gepanzertes Gesicht zu Vorschein. Genauso in dem Moment spuckte der Hochelf ihm ins Antlitz. Und zu seinem Glück traf er knapp über der Augenbraue. Der Speichel tropfte in den Sehschlitz.
    Und selbst dutzende Jahre Erfahrung und Drill konnten einem Lebewesen nicht die Reflexe verlernen. Und wenn man jemanden ins Auge spuckte war die erste Reaktion immer die sein Augen sauber zu wischen. Worauf normalerweise immer gleich die nächste Folgte, nämlich dem Widerling das Gesicht einzuschlagen. Soweit ließ es der Hochelf aber nicht kommen. Ein gezielter Fußtritt segelte über den etwas nach unten gezogen Schild. Wie bei seinem ersten Toten trat er ihm das Nasenbein ein. Der Zwerg machte sich Wild fuchtelnd mit seiner Axt Raum und hackte Malin fast ein Bein ab. Ihm blieb nichts anderes übrig als vom Zwerg kurz abzulassen. Er fluchte lautstark auf Elfisch und ignorierte dabei seine Erziehung was seine Gefühle anging. Wenn die zu groß geratene Wühlmaus sich wieder fing konnte er lange darauf warten wieder eine Chance zu bekommen.
    Malin nutzte die Pause um sich schnell zu erkundigen wie die Lage aussah. Zu seiner Enttäuschung hatte sich nichts geändert. Selbst die härtesten der Piraten hatten den gepanzerten Kriegern wenig zu bieten. Und was seine Leute anging konnte er nur einen toten Zwerg mit einem Pfeil im Auge sehen. So gewann man keine Schlacht. Kurz blickte er sich auch um seinen Bruder um doch er entdeckte ihn nirgends. Hoffentlich hatte er den Zwerg besiegen können. Er wandte seinen Blick wieder zu seinem Gegner der gerade von seinen Brüdern gewaltsam nach hinten geschoben wurde. Scheinbar hatte er ihn besser erwischt als gedacht. Malin wollte sich schon auf einen neuen Gegner stürzen als ihm schon von selbst einer entgegenkam.
    Der Zwerg unterschied sich nicht viel zu den anderen Zwergen nur das seine Maske ein Grinsen besaß und er einen Kriegs Hammer mit sich herumschleppte. Ihre Blicke begegneten sich kurz, dann begann der Tanz von neuem. Und hatte ihn schon sein Gegner zuvor gefordert, dann war der hier eine wirkliche Herausforderung. Gezielte Schläge die niemals unnötig waren sondern jedes Mal tödlich sein konnten. Ein sicherer stand und eine Verteidigung als kämpfe Malin gegen einen Berg. Er war nun schon soweit das er sowohl mit Dolch als auch Schwert angriff und meistens einen wahren Schwerthagel entfesselte. Doch er kam einfach nicht an dem Schild des Zwerges vorbei. Der Hochelf war gerade wieder dabei auf den Zwerg einzudreschen als sich dieser plötzlich zur Seite drehte und ihm die Schildkanten gegen den rechten Oberschenkel hämmerte. Malin sprang zwar noch zurück wurde aber trotzdem getroffen.
    Der scharfe Rand drang durch die Haut und handelte ihm eine schöne lange Wunde ein. Der Hochelf Biss die Zähne zusammen und stolperte zwei Schritte rückwärts. Dabei strauchelte er über irgendwas und sein Bein knickte ein. Er landete auf sein Gesäß und war nun komplett offen für seinen Gegner. Just in diesem Moment taten die Piraten endlich etwas anderes außer zu krepieren. Zwei mit schweren Säbeln bewaffnete Menschen drangen auf den Zwerg ein. Und besorgten den verletzten Elfen eine Verschnaufpause. Erschöpft erhob er sich und blickte sich um. Die Lage hatte sich immer noch nicht wirklich geändert, auch wenn er nun den einen oder anderen toten Zwerg am Boden sah.
    Trotzdem überwogen die Toten Menschen bei weitem und man sah schon den Stein aus dem die Straßen bestanden nicht mehr vor lauter Leibern. Ein aus Arabien zu stammender Mann schlug nur zwei Schritte neben Malin wie besessen auf einen Zwerg ein. Der Eisenbreche lag am Boden und wusste dass er wohl nicht mehr lange durchhalten würde. Also ließ dieser kurzerhand das Beil los und zog eine Pistole aus seinem Gürtel. Zwischen zwei Schlägel schob der Zwerg den Schild zur Seite und Schoss dem Menschen durch den Hals. Erschöpft ließ der Bärtige seine Waffe fallen und langte wieder nach dem Beil. Mit einem Sprung der Mailn selbst überraschte landete er auf den Schild des Zwerges. Er drückte den rechten Arm des Zwerges gegen dessen Brust und blockierte gleichzeitig die andere Hand des Zwerges mit seiner Schwerthand. Obwohl es ihm schwer fiel stieß er mit dem Dolch unter seiner rechten Hand in die Augenhöhle des Eisenbrechers. Sicherlich verfluchte der Zwerg ihn in seinem letzten Moment wegen einem solch ehrlosen Tot. Aber im Krieg war Ehre meistens hinderlich und ungesund. Der Dolch traf das Auge, das Tor zur Seele platzte wie eine reife Erdbeere. Der dahinter liegende Knochen knackte leicht. Dann war es auch schon aus mit dem Krieger aus den Bergen.
    Der Elf setzte sich schwankend auf, knickte leicht mit dem rechten Fuß ein. Dann drehte er sich leicht nach links und bekam die wohl härteste Faust seit den Götterkriegen ins Gesicht. Sein Kiefer knirschte protestieren, einige Zähne lockerten sich und sein Jochbein brach. Er drehte sich einmal um die Achse und blieb dann am Boden liegen. Benommen spuckte er Blut auf den Toten unter sich und versuchte den Kopf zu heben. So richtig schaffte er es aber nicht. Der schlag hatte ihn weit mehr verletzt als nur sein Gesicht. Sein gesamter Hals fühlte sich an als wäre er aus Stahl. Notgedrungen drehte er den Oberkörper soweit das er hochschauen konnte. Es war der Zwerg mit dem Hammer der ihn so schwer verletzt hatte. Gerade musste sich dieser jedoch gegen zwei Piraten wehren.
    Die Formation der Eisenbrecher war nun um einiges Lockerer geworden. Was aber definitiv nicht an ihnen lag. Wohl eher daran das sie sich nun keine Sorgen mehr machen mussten. Die wirklich harten Jungs verbluteten gerade im Dreck und die restlichen wagten sich nicht heran. Der Angriff von ihm und seinen Brüdern war ein absolutes Fiasko gewesen und hatte sich gar nichts gebracht. Er spuckte zwei seiner Zähne aus und kam wankend wieder hoch. Langsam schleppte sich Malin vom Schlachtfeld weg. Dabei war es gar nicht so leicht auf den Toten Leibern der Verteidiger zu fliehen. Sein rechtes Bein schmerzte und pochte und behinderte ihn am Gehen zusätzlich. Sabber und Blut ran unaufhörlich aus seinem Mund. Der Gestank von Innereien und Fäkalien bedeckte die Luft. Endlich hatte die Stadt etwas gefunden was genauso stank wie sie selbst. Er hätte über diesen bissigen Kommentar zu gerne gelacht, aber dann würde er wohl an seinem eigenen Blut ersaufen.
    Er vernahm ein plötzliches Donnern irgendwo in seinem Rücken. Und in einem kleinen Moment schien es als würde die Erde selbst sich Zereisen. Ein gewaltiges Beben erfolgte und holte ihn von den Füßen. Seine Ohren dröhnten und er spürte seinen Körper knacken als er auf die Leichen fiel. Noch nie in seinem Leben hatte er so eine starke Verwirrung gepaart mit Panik verspürt. Langsam fingen seine Ohren an das Rauschen zu verdrängen. Die erste Erleichterung durchdrang seinen Körper als irgendetwas sein Gesicht zu Muss zerstampfte.
    Geändert von Forget (23. May 2017 um 11:55 Uhr)
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

  2. #52
    Erwählter
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    Standard In den Wunderschönen Bergen

    „Ganz schön kalt hier“. Es war das erste was sie an diesem Tag hörten. Und es war auch das letzte. Virtus hatte seine erste Spähtrupp Erfahrung und trabte zusammen mit fünfzig weiteren durch die Berge. Eigentlich waren sie viel zu viele für einen Spähtrupp. Was aber auch nur ein Vorwand war. Der eigentliche Anlass konnte Virtus nicht sagen. Für den Jungen Dawikoni stand nur fest dass es ganz egal was es war, es ihm nicht gefallen würde. Er hatte schnell gelernt dass es nie ein gutes Zeichen war wenn die hochgestellten anfingen unklare Befehle zu geben. Aber nicht nur deswegen war die Stimmung der Truppe im Keller. Es war, wie gesagt, ganz schön kalt obwohl die Jahreszeit sie eigentlich eher zu schwitzen bringen sollte. Sehr starker Wind und Wolken die aus dem Nordosten kamen brachten sie zum Frieren. Und weil das auf und absteigen ohnehin sehr Kräfte raubend war hielten alle die Klappe. Die Menschen hatten sich viele Angewohnheiten von den Zwergen abgeschaut. Das ging von der Sprache bis hin zur Lebensart. Ob er das so toll fand konnte er noch nicht sagen. Für ihn war es Blödsinn die Fehler eines anderen Volkes anzunehmen. Und alles Eisern totschweigen und stoisch nach vorne schauen war auf jeden Fall keine gute Taktik für den Zusammenhalt in der Gruppe. Zwerge hatten da sowieso einen Vorteil da sie einfach zu starrsinnig waren um ihre Leute in Stich zu lassen. Bei Menschen war das nicht so einfach.
    So stampfte er durch den wenig ergiebigen Berg Boden dem nur die widerspenstigen Pflanzen etwas abgewinnen konnten. Es ging leicht bergaufwärts und sie folgten einem leeren Flussbett. Es war nicht sonderlich breit und war wohl eher ein Bächlein wenn mal wieder Wasser floss. Da er noch sehr jung war und relative starke Füße besaß hatten sie ihn nach vorn geschickt um die Umgebung zu erspähen. Was er auch tat. Nur fand er außer hartnäckigen, drei Meter hohen Tannen und einem Haufen spärlichen Grasses nichts. Nicht einmal ein Widder oder sonstige Bergtiere kreuzten ihren weg. Langsam kam es Virtus schon unheimlich vor. Das schlimmste daran an dieser Einöde bestand aus der Langweile die in ihm aufkeimte. Das war einfach nur bescheuert. Er beeilte sich und eilte die letzten paar Ellen nach oben. Eine riesige Buche machte sich auf dem Hang breit und bildete eine Art Krone für den Hügel. Als er neben ihr stand und sich die Rinde ansah kam er drauf dass es sich um eine Rotbuche handelte. Die Weißbuchen sahen in ihrer Art viel Knorriger und verknöcherter aus. Virtus runzelte verwirrt die Stirn und rieb sich den Hinterkopf. Woher wusste er das eigentlich? Sein Gedächtnis war immer noch nicht zurückgekehrt. Für ihn gab es sein Leben erst seit einigen Monaten. Doch immer wenn er Dinge sah konnte er plötzlich sagen zu was sie gut waren. Er kannte Tiere, Bäuerliche Werkzeuge. Virtus wusste sogar wie man Kochte und so weiter. Nur kam ihm niemals der Sinn dahinter warum er das konnte oder wusste. Er tat es kurzum einfach.
    Wenigstens hatten sich die anderen Sachen größtenteils erledigt. Seine Albträume waren weniger geworden und auch weniger krank. Er rannte jetzt nicht mehr von einer Schwarzen Flut davon oder wurde von einem alten Mann mit ironischem Lächeln nach seinen Namen gefragt. Die Hälfte seiner Zeit die er wach war hatte er eigentlich damit vergeudet seine Träume zu verdrängen. Was Virtus aber mehr freute war das diese Stillstände seit einem Monat aufgehört hatten. Der junge Dawikoni wurde langsam normal. Und auch unter den anderen sah man ihn jetzt anders an. Bei mehreren Tausend Männern die im Lager dienten und noch einigen hundert Frauen die bei der Versorgung und auch beim Drill halfen war das gar nicht so unwichtig. Die einen sahen ihn komisch an weil er nichts wusste und mieden ihn. Andere beobachteten ihn mit glänzenden Augen wegen dieser Schlacht die er scheinbar angeführt hatte. Nur erinnerte er sich nicht daran. Was jedoch alle gemeinsam hatten war das er einfach nicht mit ihnen ins Gespräch kam. Dank Harlokin, Romanlov und den Norse Kriegern war das nicht mehr so schlimm. Man glaubte gar nicht wie einsam jemand sein konnte obwohl er durchgehend von seinen Artgenossen umgeben wurde. Um sich von den düsteren Gedanken abzulenken blickte er kurz nach hinten um zu sehen wo die anderen blieben. Die anderen Späher, vier an der Zahl, hatten sich ein bisschen aufgefächert. So wie sich es auch gehörte suchten sie nach Hinterhalten. Natürlich fanden sie keine, aber das Ganze war ja auch eine Übung. Wenn sie irgendwann mit einem Zwergenheer losziehen würden gäbe es für die Dawikoni nur zwei wirklich gute Posten. Späher und Reiter. Wer also nicht als Reiter taugte wurde normaler Fußsoldat. Ausgebildet im Nahkampf und Fernkampf. Um dann im Gebüsch nach Feinden zu suchen. Alles andere konnten die Zwerge ohne Ausnahme besser. Virtus seufzte. Die restlichen Jungs versuchten ihre Gepäckstücke und den restlichen kram nach oben zu schleppen. Sie waren noch gut dreihundert schritt hinter ihm. Das hieß ihm blieb genug Zeit sich ordentlich am Hang zu Orientieren. Der Dawikoni ging an der Weißbuche vorbei und streifte fast zufällig die gesamte Länge seine Hand am Baum entlang. Das Gefühl von Rinde war ziemlich einmalig.
    Im Schatten der Buche sah er nun die andere Seite. Hinter den ersten großen Bergen türmten sich riesige schwarze Wolken auf. Schien so als würden sie sich besser demnächst ein Lager aufbauen müssen. Das Tal unter ihnen war dafür ganz gut geeignet. Dort wuchsen mehr Bäume, bevorzugt Tannen und Fichten. Zusammen mit ihren Zelten ergab das schon einen ganz guten Wetter Schutz. In der Mitte des Tals war eine weitere Erhebung wo die meisten Bäume standen. Die Erhebung war nicht großartig hoch, aber gut genug um als zusätzlicher Schutz im Lager zu dienen. Virtus wollte schon nach hinten etwas schreien als ihm etwas ins Auge stach. Beziehungsweise es stach ihm nicht wirklich ins Auge. Er roch es eher. Irgendjemand hatte Feuer gelegt. Dass er es nicht sehen konnte hieß dabei nichts. Es gab einige Möglichkeiten verdeckt Feuer zu legen. So schnell es ging verschwand er wieder hinter dem Baum und sah sich nach den anderen Spähern um. Es dauerte etwas bis er einen entdeckte. Er kannte seinen Namen nicht. Vom Aussehen her erinnerte er ihn an einen Fallensteller im Mittleren Alter. Flink rannte er zu seinem Stammesbruder. Dieser sah ihn erstaunt an und hielt inne. Genauso wie Virtus wird auch ihn die Langweile gepackt haben. War ja nicht so das die paar Tage wo sie jetzt herumrannten sie dazu animiert hatten vorsichtiger zu sein.
    Er kam einen Schritt neben dem anderen Dawikoni stehen und sprach hastig: „Könnte sein das ich im Tal Feuer gerochen habe. Am besten der Tross bleibt stehen und wartet hier. Ich werde vorgehen und mich versichern“. Virtus wollte schon wieder weggehen als ihn der andere am Ärmel packte und ihm zu zischte: „Warte mal kleiner. Wenn da wirklich irgendjemand da unten Lagert, dann hat der auch auf jeden Fall Posten aufgestellt. Wir müssen uns da runter schleichen und von uns beiden habe ich da glaube ich mehr Erfahrung“. Da musste Virtus dem alten Recht geben. Doch irgendetwas in seinem inneren sagte ihm auf die Worte des alten keine Rücksicht zu nehmen. Schließlich hatte er es entdeckt, so sollte er es auch untersuchen. „Hey, nur weil ich nicht so viele Jahre am Buckel habe heißt das nicht das ich da runtertrample wie eine Horde Wildschweine“, zischte er darauf zurück. Der Ältere Dawikoni sah ihn kurz Zornig an, dann kam jedoch ein etwas freundlicher Ausdruck auf sein Gesicht und er lenkte ein:“ Ist schon gut, habe ich ja auch nur gut gemeint. Ist auch klar dass du dir da deine Entdeckung nicht madig machen willst. Ich glaub wir können es so machen das beide von uns was davon haben“. Während er redete drehte er sich schnell um und winkte zu seiner rechten Seite kurz dreimal. Daraufhin kroch ein weiterer Dawikoni aus dem Gebüsch und kraxelte zu ihnen rauf. Sobald er nah genug da war sagte der Alte zu ihm:“ Jaques, der Kleine hat da unten was gerochen. Könnte sein das sich da schon jemand breit gemacht hat. Er und ich werden sich das ganze Mal genauer anschauen und euch dann ein Signal geben. Gib du dem Anführer mal Bescheid das er unter dem Hügelkamm Lagern soll“. Der andere Späher nickte bloß und machte sich unverzüglich an die Arbeit.
    Schien so als hätte der Fallensteller ein höheres Ansehen in der Truppe als sich Virtus vorstellen konnte. Vermutlich war er es deswegen auch nicht gewöhnt Widerworte zu hören. „Gut, wir werden uns beide aus verschiedenen Richtungen nähern. Suche dir irgendwelche Stellen mit vielen Bäumen und Sträuchern. Das Wetter könnte zu unserem Vorteil werden, wenn es stark genug Regnet werden sie uns nicht mehr hören können. Wenn wir da unten sind ist als erstes wichtig das wir rausfinden wie viele da unten sind. Und noch wichtiger, wer da unten ist. Gegen eine Partie Schwarzorks oder sonstigen Monstern werden wir nicht ankommen. Also tu alles um nicht entdeckt zu werden, das könnte uns allen den Arsch retten. Andere Sache, kannst du eigentlich zählen“? Virtus antwortete nicht gleich sondern machte zuerst eine Art Schulterzucken. „Ich bin jetzt keine großartige leuchte dabei. Derzeit kann ich mithilfe meiner Finger Zählen. Aber ich bin recht gut im einschätzen“. Der letzte Satz klang so erbärmlich das er sich am liebsten angekotzt hätte. Aber sein gegenüber lächelte nur und sagte:“ Da hast du mir was voraus Junge, ich kann gar nicht zählen. Aber wird schon schiefgehen. Wichtig ist nur das wir rausfinden ob es größer ist und ob es mehr sind als wir. Da reicht gutes schätzen. Ich geh rechts und du Links“. Und damit waren sie mit dem reden durch. Der Fallensteller krabbelte los und auch Virtus machte sich gleich auf den Weg. Die restlichen Männer hatten sich währenddessen kurz unter dem Hang aufgestellt und wirkten einigermaßen angespannt.
    Doch gegen ihn waren sie so locker wie ein Schilfrohr. Virtus schien am ganzen Körper zu Zittern und er fühlte geradezu wie er mit jedem neuen Schritt noch nervöser wurde. Wenn er so weitermachte würde er da unten vermutlich einfach den Geist aufgeben und vor Anspannung krepieren. Schneller als gedacht fand er eine halbwegs gute Deckung und arbeitete sich langsam nach unten. Der Himmel war noch einmal um ein eck finsterer geworden. Bis es regnete würde es wohl nicht mehr lange dauern. Auch wenn es ihm eine gute Deckung geben würde, am liebsten hätte er es wenn sie die Sache noch vor dem ersten Regenguss erledigen konnten. Vorausgesetzt da war wirklich jemand.
    Wenn sich herausstellte das er sich geirrt hatte würde er für die nächsten paar Monate das Gespött im Lager sein. Virtus arbeitete sich durch den Dreck bis er an dem kleinen Waldrand ankam. Und dieses Mal roch er es ganz klar. Rauch. Dazu noch ein Art Talg Geruch der so stank als würde er seine Nase verätzen. Also egal was da lagerte, wenn es genauso kämpfte wie es stank bräuchten sie noch 450 Mann mehr. Gut er hatte Recht behalten. Jetzt musste er nur zusehen dass man ihn nicht über den Jordan brachte. Na gut, dann los geht’s. Rhythmisch schlängelte er sich durch da beginnende Unterholz. Wenn man den die paar Büsche und verdorrte Zweige so nennen wollte. Die zweige verfingen sich in seiner Kleidung und seinen Haaren. Fahrig befreite er sich davon. Zum Glück verhedderten sich nicht seine Muskete oder das Schwert. Schließlich schaffte Virtus es unbemerkt hinter dem ersten Baum. Dort kauerte er sich hin und blickte kurz rechts und links vorbei. Jetzt wo er etwas über dem Erdboden war konnte er auch erkennen was los war. Er sah ganz klar drei Feuerstellen die aber schon am abrennen waren.
    Da das Ganze nicht rauchte hatten sie wohl seit einiger Zeit kein Holz mehr nachgelegt. Gut so. Es schien keiner von ihnen daran zu denken dass sich ein bewaffneter Kriegstrupp durch die Wildnis trampelte. Er beugte sich ein bisschen weiter nach rechts um zu erkennen wem nun die Feuer gehörten. Grünhäute sind es wohl nicht, überlegte er. Die hätten sich schon durch ihr Grollen und kreischen bemerkbar gemacht. Ansonsten gab es nicht viel im Weltangebirge was in großer Zahl Feuer machte. Ein paar Tiermenschen Stämme die aber nur selten sie hoch stiegen. Möglich wären auch Skaven oder Menschliche Banditen. Alles andere wäre auf jeden Fall größer, Untoter oder einfach nur unheimlicher. Virtus wollte sich gar nicht vorstellen was es sein könnte. Blöd nur das er genau das herausfinden musste. Obwohl, Untote machten kein Feuer. Damit war das einmal erledigt. Nur was konnte es dann sein? Virtus atmete tief durch, dann fing er an weiter nach vorn zu krabbeln. Sein Herz schlug unheimlich schnell und der schweiß schoss ihm aus den Poren. Der Druck seines Blutes wurde jeden Moment stärker. Als er gerade mal zehn schritt von dem Baum entfernt war glaubte er fast dass das Rauschen für jeden laut hörbar sein musste. Beinahe wie ein Wasserfall klang es in seinem Kopf und der Druck wurde ständig größer. Hinter einer weiteren Tanne blieb er liegen. Zitternd und vor lauter Angst entdeckt zu werden blickte er sich um. Doch da war nichts. Nirgends ließ sich wer blicken.
    Just den Moment fiel ihm etwas ins Auge. Auf der gegenüberliegenden Seite, in der Nähe des hintersten Feuers bewegte sich etwas. Virtus duckte sich noch ein Stück tiefer und atmete so flach wie möglich. Egal was es war, es war nicht sonderlich groß. Es erinnerte ihn ein wenig an eine Schlange die sich langsam durch das Gras schlängelte. Nur das diese Schlange fast so lang war wie ein erwachsene Mann. Seine Kehle wurde feucht als er an die Grusel Geschichten dachte die ihm die Norse erzählt hatten. Über die Tiermenschen in ihrer Heimat. Grausam verformte Wesen die durch eine Vermischung aus Mensch und Tier entstanden waren. Soweit er wusste kannten die meisten Tiermenschen nur mit einem Widderschädel. Doch scheinbar gab es alle möglichen Arten. Manche davon waren auch ähnlich wie Schlangen. Riesige fahle Würmer mit Händen deren lange Giftzähne so lang waren wie die Finger eines normalen Menschen. Sein Körper bebte als seine Hand die Muskete vom Rücken hinuntertat. Er wollte schon zu seinem Schwarzpulver greifen als ihm klar wurde das er zu keinen guten Schuss kommen würde. Das Vieh würde ihn treffen bevor er auch nur die Kugel hineingestopft hatte. Es brauchte gut fünfzehn Atemzüge um eine Muskete zu laden und abzufeuern. Wenn man ruhig war und eine gute Hand besaß. Virtus hatte nicht einmal den Ansatz davon oder auch nur das können. Er war im Mittelmaß zuhause was das anbelangte. Und da er kurz davor war sich anzuscheißen würde es ihm wohl recht wenig bringen. Also legte er so sanft wie möglich die sperrige Waffe neben den Baum und zog stattdessen sein Schwert. Damit hatte er ein weit besseres Gefühl gegen dieses kranke Wesen. Mann gegen Mann würde er es mit dem Vieh aufnehmen können. Vorausgesetzt es gab nicht noch mehr davon.
    Es brauchte Zeit bis ihm der Gedanke so richtig in den Kopf sickerte. Als sich in seinem Kopf die Entscheidung anbahnte Reißaus zu nehmen war es schon zu spät. Das komische Schlangenvieh war da. Virtus umklammerte sein Schwert und machte sich bereit aufzuspringen und dem hässlichen wesen seine Klinge schmecken zu lassen. „Hast du irgendetwas gefunden“? flüsterte die menschliche Schlange Virtus zu. Dieser blinzelte verblüfft und sah noch einmal genauer hin. Zwar war beinahe kein Licht mehr vorhanden, aber er konnte halbwegs erkennen das es sich um den alten Kerl handelte mit dem er das Lager auskundschaften sollte. Virtus ließ einen Teil seiner angestauten Luft aus ihm heraus und dankte Thal das er noch am Leben war. Erst dann zischte er zurück: „Nein, bis auf dich nur die leeren Lagerfeuer“. Der alte Späher kroch noch ein Stück näher an ihn heran. Als sie nur noch einen halben Schritt voneinander entfernt waren fing er wieder an zu flüstern: „Gut. Ode nicht gut, ganz so wie man es sehen will. Hier Lagert derzeit niemand, aber das heißt nichts. Besser wir sind vorsichtig und erkunden das ganze Wäldchen erstmals. Ich hab aber keine Lust hier herumzukriechen. Wir werden jetzt beide aufstehen und unsere Musketen Laden. Falls hier irgendwo etwas wäre was uns umbringen könnte werden wir es erschießen. Wenn es wirklich ein Hinterhalt ist werden wir sterben, ganz sicher. Aber der Schuss macht die Jungs unten aufmerksam und wir verhindern dass sie einfach überrascht werden. In Ordnung“? Nein das ist eine scheiß Idee. Das wollte Virtus am liebsten sagen. Stattdessen nickte er nur merklich. Sein verstand rief ihm dazu auf so schnell es ging zu verduften. Stattdessen blickte er sich um und erhob sich gemeinsam mit den alten Sack. Beide mit den Musketen in der Hand. Zeitgleich begannen sie die Gerätschaften zu laden. Aus reiner Gewohnheit heraus begann Virtus zu zählen. Dabei fiel ihm auf wie leicht es ihm jetzt fiel das ganze Schussbereit zu machen. Allein Atem zu zählen brachte ihn dazu ruhiger zu werden. Innerhalb von fünfundzwanzig Atemzügen war er fertig. Der Alte war drei Atemzüge später fertig. Sie beide saßen nun in der Hocke auf den Waldboden. Beide hatten die Tanne im Rücken und schauten in zwei verschiedene Richtungen. „hey, wie ist dein Name“?
    „Was“? Virtus war so sehr aufs laden konzentriert gewesen das es ihn beinahe schockte wieder in dem Wald zu sein. Der Alte schnaubte du meinte: „Wenn ich mit dir hier krepieren sollte dann will ich verdammt nochmal Wissen wie der Kerl heißt mit dem ich ins Gras beiße“.
    „Virtus. Virtus Fors“. Es war irgendwie beruhigend das er seine eigenen Namen aufsagte. Warum das so war konnte er nicht sagen, aber es war so. der Alte schnaubte kurz und sagte: „Da hast du aber einen ausgefallenen Namen. Ich heiße Philip, Philip Lopez. Und wenn die Herrin so will dann wird keiner von uns beiden heute ins Gras beißen“. Virtus konnte dem nur zustimmen. Außer das bei ihm seine Gebete natürlich zu Tahl gingen. Die Göttin der Betronen die aus irgendwelchen verzauberten Seen herauskam war nicht ganz was sich Virtus unter einer Göttin vorstellte. Aber was wusste einer mit den Erinnerungen von gerade Mal dreieinhalb Monaten wie Götter zu sein hatten. Der alte Kundschafter atmete leise vor sich hin. Für Virtus hörte es sich an als wären es Donnerschläge die den gesamten Berg zum Beben brachten. Schweiß bildete sich an seiner Stirn. Einzelne Tropfen machten sich auf den Weg nach unten und zogen eine Salzige Spur auf seiner Haut. Virtus tat nichts dagegen. Selbst als die Tropfen in seine Augen kamen und das Salz ihn zum Tränen brachte. Er war viel zu sehr darauf konzentriert aus der Finsternis einen schreienden Ork ausfindig zu machen. Oder vielleicht war es auch ein Goblin. Ein Tiermensch war genauso gut möglich oder sogar Skaven. In seinem Kopf formten sich die unsinnigsten Gedanken zusammen. Er ertappte sich dabei sich zu fragen ob es nicht auch Oger sein könnten die hier ihr Lager aufgeschlagen hatten. Es gab nicht nur die halbwegs Zivilisierten Runenoger im Weltangebirge. Der alte Zwerg hatte ihm beigebracht dass die letzte große Ogerwanderung über hundert Stämme hierhergebracht hatte. Die meisten hatten sich in den Kämpfen gegen alle möglichen Kreaturen aufgerieben. Doch es gab noch mehre verstreute Stämme und langsam regenerierten sie sich von den Verlusten ihrer ersten Kriegszüge. „Denk nicht so einen Unsinn“. Er hatte die Worte fast unhörbar zu sich selbst gesagt. Es beruhigte ihn eine Stimme zu hören. das ständige lauschen in den nun fast komplett düsteren Wald machte ihn noch wahnsinnig.
    Virtus bewegte seinen Kopf leicht nach links wo er gerade noch die letzten hellen Strahlen erhaschen konnte. Draußen würde die Sonne sicherlich noch für eine halbe Stunde Licht spenden bevor sie sich schlafen legen würde. Doch unter dem Blätterdach der Fichten und Tannen herrschte eine beinahe ewige Düsternis. Er war so angestrengt der Finsternis zu lauschen das er beinahe eine halben Meter in die Luft sprang als ein brüllen ertönte. Sein Herz das schon die ganze Zeit wie wild gepocht hatte trieb seinen lebensfast durch die Adern als wäre es ein reißender Strom. Seine Hände zitternden und er bewegte völlig ziellos den Lauf seiner Muskete mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Philip tat das gleiche nur das er statt in der Luft rumzuspringen sich duckte und will die Seiten drehte. Ein erneutes Brüllen erschallte. Und jetzt konnte Virtus auch hören woher es kam. Und das war nicht der Wald.
    Ohne groß darüber nachzudenken stürmte er ins Freie. Die Plötzliche Helligkeit nahm ihm beinahe jegliche Sicht. Fluchend griff er sich reflexartig an die Augen und atmete tiefe durch. Mit Tränen in den Augen blinzelte er den Hang hinunter. Als er endlich wieder etwas sah schaffte er es gerade noch zur Seite zu springen bevor ihn ein anderer Dawikoni über den Haufen rannte. Gleich nach dem ersten folgten der gesamte Rest von Virtus Truppe. Die letzten waren die Nachhut und ihr Anführe Berthold Ehrlich. Berthold war ein Dawikoni der zweiten Generation und hatte es nur deswegen geschafft das Kommando zu erhalten weil er ein wirklich gute Soldat und Taktiker war. Sonst hätte er niemals so viel Unterstützung von den Zwergen erhalten. Die hatten immer noch das letzte Wort wenn es darum ging wer wo den Anführer spielen durfte. Und bei Berthold hatten sie einfach ein gutes Gefühl da er ein tapferer und sehr behaarender Mann war. Hätten sie ihn jetzt laufen gesehen würde Berthold vermutlich die Latrinen säubern. Völlig außer Atem und mit Panisch aufgerissenen Augen kamen nacheinander die Dawikoni über die Hügelkuppe. Die meisten rannten noch zehn, zwanzig Schritt weiter bevor sie stehen blieben. Manche hielten sich die Seite oder blickten mit ängstlichem Starren aus dem Wald hinaus. Das war aber nur bei der Hälfte der Fall. Zwar war die Panik in jedem Augenpaar zu finden, doch ein paar abgebrühte Kerle wussten damit umzugehen. Sie begannen sich neben Virtus aufzustellen und machten sich daran ihre Musketen bereit zu machen. Ein paar umrundeten auch den alten Lagerplatz um zu sehen wie es auf den anderen Seiten aussah.
    Philip gesellte sich mit aschfahlem Gesicht neben ihm. Virtus brennte es zu fragen was los war. Doch er wusste längst dass die Frage überflüssig war. Das Brüllen und das sein gesamter Trupp wie ängstliche Hasen hier heraufgerannt kamen konnte nur bedeuten das etwas mächtig bösartiges auf sie zukam. Endlich schaffte es auch Berthold mit der Nachhut es nach oben. Im Gegensatz zu dem Rest blieb er jedoch gleich vor dem ersten baum stehen und schrie so gut es außer Atem ging: „Aufstellung“! Ein paar innerhalb des Waldes bewegten sich. „Ihr dämlichen Vollpfosten! Sofort… Aufstellung einnehmen und Musketen Laden. Je…jeder zieht gefälligst…seine Waffen und teilt sich auf“! Mit hochrotem Kopf schrie Berthold den Männern Mut ein. Dass er dabei gefährlich nahe an einem Kollaps kam konnte jeder von ihnen sehen. Doch die Befehle wirkten. Das geübte setzte sich durch und die Krieger machten sich kampfbereit. Dieser Routine führte dazu das die Angst gleich nur noch halb so schlimm war. Da Virtus schon bereit war konnte er sich das nicht zu Nutze machen. Mehrmals vernahm er noch ein Brüllen das jedes Mal lauter und deutlicher vernehmbar war. Virtus schluckte hörbar. Die Zeit zog sich ins endliche. Jeder Schweißtropfen schien seit Urzeiten über sein Gesicht zu verlaufen und seine Bahnen durch seine unreine Haut ziehen. Das Leben als Kundschafter machte einen Mann nicht gefeit gegen Disteln und Brennnesseln. Er blinzelte und versuchte zu schätzen wie lange die Sonne noch oben am Firmament stand. Nicht mehr lange. Vielleicht eine halbe Stunde noch? Oder vielleicht nur hundert Atemzüge bevor die Düsternis einholte und das, was sich da brüllend seinen weg zu ihnen bahnte, sie zerfleischte? Verflucht, er musste sich beruhigen. Sonst würde Virtus sich noch selbst so sehr in Angst versetzen das sein Herz zu schlagen aufhörte. Einer der Alten im Lager hatte schon gesagt das es das schlimmste im Krieg war wenn man seinen Gegner nicht sah. Wenn man nicht wusste was auf einem zukam und man ganz allein mit seiner Angst war. Die einen langsam auffraß und die hässlichsten und bösesten Ängste in einen entfesselten.
    Deswegen, und nur deswegen, war Virtus so froh als er endlich eine Rotte Orks sah die sich durch das Unterholz kämpften. So erleichtert dass er kurz zum Lachen anfing. Und sobald es anfing konnte er nicht aufhören. Philip sah ihn verwirrt von der Seite an während Virtus schlussendlich lauthals lachte. Das ging so weit das Virtus glaubte das sein Bauch gleich platzen würde und er keine Luft mehr bekam. Er lachte solange bis Berthold ihnen befahl eine Schussposition einzunehmen. Doch selbst da wo er gemeinsam mit anderen dreißig Männern seine Musketen auf die wütende Meute richtete die sie hier Lynchen wollten ging ihm das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

  3. #53
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    Peter hatte selten so viel Angst in seinem Leben gehabt. Vielleicht als kleiner Junge wenn er wieder mal in seinem Übermut etwas kaputt gemacht hatte. Die Angst vor den Fäusten seines Vaters. Der alte Mann versuchte jahrelang ihm halbwegs Verstand in den Körper zu Prügeln. Vielleicht hatte er gewusst das Peter ein riesen Trottel war der am besten mit schmerzen lernte. Wenn dem so wäre, dann gehörte sein Vater zu den größten Versagern. Das Peter nämlich hier war, sich eine Horde Orks gegenüberstehend, war ganz sicher ein Beweis für seine Blödheit. Nun stand er, zitternd mit dem Rest der armen Würstchen. Er hatte notdürftig seine Muskete geladen. Bei den Übungen hatte er zu den schnellsten gehört. Jetzt konnte er nicht einmal mehr sagen ob es Schneckentempo gerecht war. Da die Orks sich aber Zeit ließen und erst noch den Hügel hinaufrennen mussten hätte Peter auch dreimal so viel Zeit in Anspruch nehmen können. So blieb ihm nichts mehr als warten. Langes Warten war die größte Qual die man sich zubereiten konnte. Hatte Peter jedenfalls früher immer gehört und gedacht. Aber da lag er wie bei vielen Dingen mächtig falsch.
    Denn aus unerfindlichen Gründen hatte dieser Verrückte Vortis oder wie er hieß zum Lachen angefangen. Als hätte er den besten Witz seines Lebens gehört. Sein Hysterisches Lachen machte die anderen noch ein Stück nervöser, jedenfalls ging es Peter so. Einige andere Verrückte fingen teilweise ebenfalls zum Lachen. Peter schüttelte den Kopf und wünschte diesen Vollidioten einen langsamen Tot. Noch während der Gedanke in seinem Kopf entstand schämte er sich dafür. Und erkannte außerdem das, sollte das wirklich passieren, ihm wohl ein ähnlicher Tot ereilen würde. Ein erneutes Markerschütterndes brüllen lenkten ihn von seinen Gedanken ab. Er wandte seinen Blick wieder zu den Orks zu. Peter hatte gar nicht gemerkt das er weggesehen hatte. Ihm stockte der Atem als er sah wie nahe die Grünhäute schon waren. Vor Schreck hätte er gleich einen Schuss abgegeben doch ein Schrei von Berthold ermahnte sie zur Ruhe. Die Orks waren noch gut hundertfünfzig Schritt entfernt. Trotzdem stiegen ihm deren Ausdünstungen in die Nase. Süßlich der irgendwie etwas nach frischem Heu roch. Und natürlich der übliche Gestank den man bekam wenn man Wasser nur als billigen Ersatz für das Blut seiner Feinde hernahm.
    Sein hals wurde plötzlich trocken und es kam ihm vor als würde sein Herz versuchen seine Brust zu sprengen. „Bereitmachen“! Bertholds Stimme klang fest, aber Peter konnte trotzdem die Angst daraus hören. „Ich will zwei Salven, die zweite Reihe schießt erst sobald ich es sage“! Die Orks kamen in einem weit gestreuten Halbkreis auf sie zu. Es war nicht so ein großer Haufen dass eine gezielte Salve viele niedermähen konnte. Aber genug um eine Übermacht zu sein. „Anlegen“! Peter schluckte noch einmal und legte an. Aus Gewohnheit kniete er sich hin. Sein Vater hatte so immer bei ihren Jagd Ausflügen geschossen. Irgendwie beruhigte es ihn diese Haltung einzunehmen. Ein gemeinschaftliches Brüllen unter den Orks ertönte und ein mächtiger Ork an vorderster Front brachte ein donnerndes Waaaaarrrrrrgghh! aus seinem Maul heraus. „Feuer“! Der Schrei von Berthold war dagegen kaum zu verstehen, doch die meisten waren so angespannt das sie wohl einfach geschossen hätten. Gemeinschaftliche Knallte es und weißer Rauch stieg aus ihren Musketen. Die Kugeln zischten durch die Luft und drangen in das Fleisch der Grünhäute. Normale Musketen waren sehr schlecht was das Zielen anging und alles andere als zuverlässig. Deswegen waren auch die meisten noch von Bögen überzeugt und hielten die Feuerwaffen für zu gefährlich und überschätzt. Doch die Zweifler hatten meist noch nie die Waffen der Zwerge in der Hand gehalten. Obwohl das nur zweitklassige Musketen aus den Händen von Schülern und Anwärtern waren, so konnten sich fast keine anderen Schusswaffen damit messen. So schafften sie e strotz ihrer Angst dass die meisten Kugel ihr Ziel trafen. Mehre Orks stürzten zu Boden, andere wurden langsamer und griffen mit ihrer freien Hand zum Körper. Grünes Blut schoss aus kleinen Löchern in ihren Körpern hervor. Peter musste fast Grinsen. Dann kam der zweite Befehl und wieder krachte es ohrenbetäubend. Wieder fielen mehre der Angreifer hin. Doch das war es dann. Nun gab es keinen Schuss mehr. Jetzt war es Zeit für den Nahkampf. Er ließ seine Muskete einfach fallen und zog sein Schwert. Mit seiner linken zog Peter ein Wurf Beil aus seinem Gürtel.
    Sehnsüchtig warf er einen Blick auf seinem Nebenmann der einen großen Rundschild bei sich trug. Er hätte liebend gerne jetzt so etwas um sich damit gegen die Schweren Spalta zu schützen. Seine Lederrüstung würde nicht viel gegen die schweren Eisenklumpen der Orks ausrichten können. Aber dafür hatte er sein beil. Und Peter hatte großes Talent mit dem werfen dieser Dinger. Vielleicht würde ihm die kleine Axt auch jetzt irgendwie das Leben retten können. Mit einem Schlag war es weit. Der Geruch der Orks wurde intensiver, die stampfenden Schritte von dutzenden Füßen. Keine fünfzehn schritt entfernt brüllte ein Ork Bulle ihnen seinen Hass entgegen. Feuer brannte durch Peters Adern und mit aller Kraft warf er der Grünhaut sein Beil entgegen.
    Ugluk war euphorisch. Oder wie das auch immer hieß. Er hatte das mal von einem Menschling gehört. Sollte wohl so was beschreiben wie das es ein richtig guter Tag war. Oder so ein Gefühl wie wen man sich aufs Essen Freut. Jedenfalls war er das. Seit mehreren Sonnenläufen waren sie auf den Beinen, immer nur am Rennen. Gamta wollte unbedingt in den Norden um sich diesen neuen Waarrrggbozz anzuschließen. Hatte gesagt da gäbe es eine mächtige klopperei. Gut, da waren sie halt nach Norden gemeinsam mit dem Rest von den Jungz. Aber das war einfach langweilig. In ihren Höhlen haben sie hie und da mal ein paar Gobbos verhauen oder sich mit irgendwelchen Viechern im Tal geprügelt. Hier und da gab es auch ein paar Menschlinge und Rattendinger zu Moschen. Das war ein gutes Leben fand Ugluk. Aber ständig laufen und nicht einmal ordentlich was Futtern, nee, das war dämlich. Hätte das auch Gamta gesagt wäre das nicht so ein Drecksack. Der würde ihm nämlich dann ordentlich durchprügeln und da hatte Ugluk keine Lust drauf. Aber das war jetzt auch egal, endlich gab es mal was Richtiges zum Prügeln. Menschlinge mit ihren schwächlichen Metallröhren und diesen hässlichen Fratzen. Wenn er sie nur sah wollte er am liebsten Kotzen. Konnten nicht einmal ein paar ordentliche Schläge vertragen so weich wie die waren. Aber sie hoben seine Laune und deswegen war er auch an vorderster Front. Gleich neben Gamta, doch der war aus irgendeinem Grund nicht mehr da. War wohl zu langsam nachdem er sich gestern das Reh allein einverleibt hatte. Das hieß dass nun Ugluk der nächste an den Menschlingen war. Sie standen in so einer komischen Reihe und hielten ihre Rohre vor sich wie Lanzen. Die meisten ließen sie aber fallen und zogen so kleine mickrige Spalta. So blöd waren sie nicht zu glauben das so ein Eisenkolben was gegen Orks helfen würde. Mit ihren mickrigen Schwertern waren sie aber auch nicht wirklich besser.
    Ugluk brüllte laut auf und freute sich schon darauf seinen Spalta in den erstbesten Schädel zu rammen.- Ihn hatte bis jetzt keine von den Kugeldingern erwischt und konnte mit aller Kraft kämpfen. Plötzlich sah er etwas auf sich zu fliegen. Ugluk versuchte ysich wegzudrehen, doch das Ding fuhr ihm in die rechte Schulter. Er hörte es schnalzen und mit einem mal spürte er seinen Arm nicht mehr. Er blickte kurz nach rechts und sah wie sein arm hilflos an seiner Seite baumelte. Sein Spalta lag im Dreck und eine kleine Axt die nicht einmal ein Gobbo als groß bezeichnen würde steckte in seiner Schulter. Orks waren nicht dafür bekannt intelligent zu sein oder öfters Geistesblitze zu haben. Doch Ugluk wurde schnell klar dass er ohne Waffe gegen eine Reihe Menschlinge anstürmte und die ihn kurzerhand niederstechen würden. Ohne das er einen von diesen Weichlingen mitnehmen konnte. Und da snur weil so ein Arsch ein Äxtchen geworfen hatte. Dunkle Wut schoss durch seine Adern in den Kopf, Ugluk brüllte seinen Frust den Weichlingen entgegen. Mit seiner linken Hand riss er das Beil aus seiner Schulter und rammte es einem großen Dawikoni mit schwarzem Haar in den Schädel. Die Wucht und die Kraft reichten aus um das Blatt tief in den Schädel zu rammen. Dem Mensch drückte es die Augen aus den Augenhöhlen und fiel um. Ugluk ließ das Beil los und stürzte sich mit bloßen Händen auf den nächsten.
    Es war die Hölle los. Die Schlachtordnung hatte sich sehr schnell aufgelöst und überall herrschten kleine Gemetzel. Dort drei Dawikoni die zwei Orks bedrängten. Dort vier Grünhäute die einen Menschen in die enge trieben. Er hatte nicht vor sich in den Nahkampf einzumischen. Mit allem was seine zitternden Hände hergaben lud er seine Muskete nach. Holder war noch nie ein guter Kämpfer gewesen, aber ein verflucht guter Schütze. Auch deswegen weil er ungern in die Nähe von Dingen kam die ihm den Schädel einschlagen konnten. Wie der Ork mit dem Handbeil der Karl den Schädel gespalten hatte. Mit nur einem Arm wütete der Grüne Teufel unter ihnen als wäre das alles etwas vollkommen alltägliches. Aber vermutlich war es das tatsächlich für diesen Grünen Scheißer. „Warte nur“, dachte er sich während er mit zusammengebissenen Zähnen an der Schusswaffe herumwerkte. Holder würde der Grünhaut schon zeigen wo der Hammer hing. Ein guter Schuss und er war nicht mehr als dreckiges, stinkendes,…Just in diesem Moment fuhr ein Spalta aus dem nichts auf ihn zu. Der Dawikoni schrie schrill auf und fiel nach hinten. Es war seine Muskete die ihm das Leben rettete. Der Spalta krachte gegen das robuste Zwergeneisen. Ein Schock durchfuhr seine Hände und seine Zähne schlugen schmerzhaft aufeinander. Der Ork brüllte frustriert auf und hob das klobige Schwert noch einmal über den Kopf. Reflexartig schwenkte Holder seine Waffe um und zündete das Schwarzpulver. Ein kurzes zischen, dann knallte es. Ein Lichtblitz blendete Holder kurzzeitig und heiße Eisenstückte brannten sich in sein Gesicht. Er brüllte gepeinigt auf, doch da war er nicht der einzige. Was Holder nämlich nicht sah war das dem Ork ein gut Unterarmlanger Teil der Laufes im Hals steckte. Er ließ seinen Spalter fallen und griff das Eisen. Mit einem Ruck riss er es sich aus der Gurgel. Ein gewaltige schwall Blut lief ihm aus den Hals über die Brust und bespritzte auch Holder. Mit einem verdatterten Gesicht stürzte die Grünhaut zu Boden. Und fragte sich bestimmt was gerade schief gelaufen war.
    Holder hatte ähnliche Gedanken, aber im Gegensatz zu seinem grünen Widersacher lebte er noch. Halb geblendete hievte er sich auf und versuchte wieder Ordnung in seinen Kopf zu bekommen. Langsam kamen seine Sinne wieder zurück und mit ihnen das klare Denken. Worauf ihm zwei Sachen einfielen. Erstens seine Muskete war futsch. Zweitens er war umgeben von kriegslüsternen Orks und hatte keine Waffe in der Hand. Weiter konnte er gar nicht mehr denken. Mit einem heißeren Schrei trieb ein Dawikoni einen Ork vor sich her und brachte ihn so genau vor Holder. Holder stolperte von den zwei kämpfenden weg. Dabei verhakte er sich bei irgendetwas und stürzte schwer zu Boden. Etwas bohrte sich schmerzhaft in seinen Rücken und er atmete stoßweise ein und aus. „Los beweg dich“! Holder trieb sich selbst wieder in die Höhe und fuhr prüfend mit seiner Hand zu seinem Rücken. Er wäre nicht der erste der sich ausversehen bei einem Schlachtfeld selbst aufgespießt hätte. Er hielt sich seine Hand vor Augen doch er sah kein Blut darauf, das musste ihm genügen. Das Gemetzel ging unverändert weiter und Holder konnte nicht sagen wer gerade besser aufgestellt war. Egal, er brauchte eine Waffe. Gebückt tastete er mit den Händen am Boden. Die Nacht war schon so weit fortgeschritten dass innerhalb des Waldes völlige Dunkelheit herrschte. Nur hier am Saum kamen noch vereinzelt Lichtstrahlen an. Und die reichten nicht um irgendetwas zu sehen und wenn es der eigene Arsch wäre. Fluchend grub er sich weiter bis er schließlich auf etwas stieß.
    Holders Hand bekam einen Griff zum Packen. Sofort fing er daran zu ziehen an doch es war als wäre es irgendwo festgewachsen. Grunzend packte er den Stiel mit beiden Händen und zog so fest daran wie es nur möglich war. Er ruckelte wie wild herum doch es war wie verhext. Das scheiß teil wollte einfach nicht raus! „Verflucht, bitte“! Flehte und beleidigte er die Waffe gleichzeitig an. Dann endlich ließ das Ding was die Waffe gehalten hatte los und Holder fiel zusammen mit ihr nach hinten. Mit einem leichten Grinsen im Gesicht betrachtete er sein neues Beil. Moment mal, ein Beil? Holder schaute zu dem Platz wo er es rausgezogen hatte. Dort lag das gespaltene Haupt von Karl mitsamt herauslaufender Gehirn Masse. Der Rest davon hängte noch an der Klinge. Ein kleines Stückchen der Grauen Masse tropfte von der klinge hinunter. Am Boden liegend sah es fast aus wie ein komischer Wurm der sich gleich in die Erde graben würde. Holder musste kotzen. Dreimal erbrach er sich auf derselben Stelle und es schien als würde es eine Ewigkeit dauern bis sich sein Magen wieder beruhigt hatte. Aufatmend und noch einen Säure haltigen Rülpser lassend rappelte er sich auf.
    Holder würde das Schwein bezahlen lassen. Er würde diesen miesen Bastard töten, das schwor er bei Sigmar. Er machte zwei wackelige Schritte in den Wald hinein und rülpste noch einmal verhallten. Dann krallte sich eine gewaltige Faust um seinen Kopf und nahm ihm jedes Licht. Holder schrie auf und ließ vor lauter Panik sein neues Beil fallen.
    Als Philip das Beil hoch hob hatte sich die Situation schon weitestgehend gewandelt. Das lag vor allem daran das die verfluchten Grünhäute einen Troll mitgebracht hatten. Die Schlacht war ziemlich ausgeglichen gewesen als der Troll aufgetaucht war. Er hatte irgendeinen schreienden Dawikoni am Kopf gepackt und ihn hin und her geschleudert. Irgendwann war ihm die Lust an dem armen Kerl vergangen und er hat ihn mit aller Kraft gegen einen Baum geschlagen. Auch wenn es Philip anwiderte, so war es doch gut dass der Troll sich solange mit der armen Sau beschäftigt hatte. Die meisten Orks hatten sie erledigen können was auch daran lag das es längst nicht so viele gewesen waren wie sie zuerst gedacht hatten. Vielleicht gerade mal vierzig oder fünfzig hatten es geschafft den Hügel zu stürmen. Der Rest war durch den Kugelhagel am Hang verreckt.
    Und dank ihrer Ausbildung hatten sich die meisten wacker geschlagen. Selbst die jungen unerfahrenen wussten sich gut zu wehren. Es machte ihn froh dass die letzten drei Monate nicht umsonst gewesen waren. Zu oft hatte Philip mitansehen müssen wie unausgebildete Jungen in die Schlacht geschickt worden waren. Und qualvoll krepiert waren. Er wäre auch einer von ihnen geworden, doch die Herrin hatte andere Pläne mit ihm gehabt. Philip hieb einem Orks den linken Arm ab und schlug ihm mit einem wilden schrei die Schildkante gegen den Hals. Röchelnd brach die Kreatur zusammen. Die Herrin hatte es so gewollt? Bei diesem Gedanken zog sich sein Magen zusammen. Sie hatte ihn bestimmt nicht gewollt. Auf keinen Fall hatte sie seine ersten paar Jahre die er im Krieg war unterstützt. Nur warum hatte sie es dann nicht verhindert und ihn auf einen anderen Weg geleitet? Oder ihm wenigstens genug Ehre gegeben bei jener Sache damals nicht einfach zuzuschauen?
    Philip rannte von der krepierenden Kreatur weg und rammte den nächsten Ork den er sah sein Schwert in den Rücken. Der Dawikoni der von dem Ork gerade gegen einen Baum gedrängt worden war sah ihn mit einem entrückten Blick an. „Weiterkämpfen“ schnauzte er ihn in seinem schlechten Reikspiel an und rannte weiter. Die meisten Weltangebirge Dawikoni kamen ursprünglich aus dem Imperium und sprachen auch deren Haupt Sprache. Auch wenn einige Worte des Kazhaild sich darin verirrt hatten und sie einen ausgeprägten Dialekt besaßen. Selbst nachdem fast dreißig Jahren waren seine Sprachkenntnisse begrenzt. Die Betronen die damals in dieses Land gekommen waren meist unter sich geblieben. Hatte er gerade zu sich selbst zugeschaut gesagt? Ein schmerzhafter Stich kam es aus den tiefen seiner Brust als er an das Blutbefleckte Leinentuch dachte. Der Krug auf dem Tisch und immer wieder das ächzen. Nein, er war kein Zuschauer gewesen, ganz bestimmt nicht. Aber wieso durfte er dann Leben? Warum ließ in die Herrin immer noch über die Welt wandeln obwohl seine Berechtigung seit jenem Tag abgelaufen war? Wo war der Göttliche Wille und wo die Gerechtigkeit für alle Toten?
    Bleib bei der Sache! Philip biss die Zähne zusammen während er gegen den Schwertarm eines Orks anrennte und ihn so zur Seite stieß. Der gerettet Dawikoni nutzte die Chance um der Grünhaut ein Messer in den Bauch zu rammen. Das war keine gute Idee. Den der Ork ließ sich von dem bisschen Stahl in seinen Eingeweiden nicht irritieren und stieß seinerseits dem Dawikoni seinen Spalta schwungvoll in die Schulter. Das grobe Eisen knackte das Schlüsselbein und das Schulterblatt und blieb in der Mitte der Brust stecken. Seinen Hass und den Triumph herausbrüllend riss er den Spalta wieder in die Höhe. Philip rammte ihm sein Schwert unter die Achsel, oder besser gesagt, versuchte es. Dabei war es nicht seine Präzision sondern vielmehr sein Pech dem Ork das Leben rette. Sein Schwert glitt nämlich an dem einzigen Rüstungsstück ab die sein Gegner wohl besaß. Anstatt in die Achsel einzudringen und mit einem Schlag das Schwein ausbluten zu lassen schlitzte er ihm nur die gesamte Seite auf. Zar blutete das stark, doch die Rippen hielten seine Klinge davon ab die inneren Organe zu zerschneiden. Fluchend sprang er zurück und brachte etwas Raum zwischen sich und dem Blutlüsternen Unhold. Wütend riss der Ork an seinem Spalta herum und wirbelte damit die Leiche des aufgespießten vor Philip her. Kurz blitzte ein Bild aus seiner Erinnerung auf. Alte Gemäuer, Stein der schon vor Jahrhunderten aus dem Felsen gebrochen worden war. Dutzende Fackeln und Kerzen erleuchteten den Raum, aber gerade so das alles im Zwielicht lag. Trotzdem konnte er gut den großen Mann erkennen der verzweifelt versuchte den Elends großen Zweihänder aus dem Kopf des Jünglings zu bekommen. „Hey Philip, kannst du mir mal Helfen“?
    Der Ork brüllte auf und warf sich mit bloßen Fäusten auf Philip. Dieser sprang im letzten Moment zur Seite und hieb mit seinem Schwert in den Unterschenkel der Grünhaut. Das Brüllen verwandelte sich in ein hohes Quieken und sein Gegner steckte wortwörtlich den Kopf in die Erde. Mit einem dumpfen laut krachte er gegen den Blatt bedeckten Erdboden. Um sicher zu gehen rammte er sein Schwert von hinten in die Brust, da wo Philip das Herz vermutete. Wenn es den bei den Orks an derselben Stelle lag wie bei ihnen. Doch dieser bäumte sich nur kurz auf und brach dann endgültig zusammen. Wachsam zog er die Klinge aus dem Leib des getöteten und blickte sich im Wald um wo sein nächstes Ziel sein konnte. Sein Blick blieb an einen Kameraden hängen der mit aufgeschlitztem Bauch gegen einen Baumstamm lehnte. Fast so als würde er Schlafen. Wenn nicht mehre Meter Darm aus seinem Bauch herausquellen würden. Wieder durchzuckte ihn eine Erinnerung. Sein jüngerer Bruder wie er neben der Leiche eines Mannes mittleren Alters saß, mit aufgeschlitztem Bauch. Der Mann hatte nur ein Nachthemd an und irgendwer hatte sich einen Spaß daraus gemacht ihm eine Schlinge aus seinen eigenen Gedärmen um den Hals zu legen. Sein kleiner Bruder hatte damals irgendetwas zu ihm gesagt über das er hatte Lachen müssen. Jetzt gerade würde er am Liebsten Kotzen.
    Ein lautes Brüllen erklang und der Oberkörper eines seiner Kameraden ging nur eine Handbreit an ihm vorbei. Blutspritzer und andere Flüssigkeiten befeuchteten sein Gesicht und den Hals. Irritiert fuhr er reflexartig zu seinem Gesicht. Er wischte mit dem halb abgerissen Ärmel sein Gesicht ab, doch das einzige Resultat war das er es noch mehr verwischte. Philip spürte wie das ganze hart wurde und sich in seinen Haaren verfestigte und zu einer schwarzen Kruste wurde. Er sah vermutlich aus wie ein aus der Hölle geborener Dämon. Philip musste beinahe Grinsen. Dann ging ein Ruck durch ihn und er warf sich in den Dreck. Die Erkenntnis kam spät, aber sie kam. Jemand hatte ihn gerade mit einem angefressenen Oberkörper beworfen. Und wo der Oberkörper war… Mit einem klatschen krachte der dazugehörige Unterleib gegen einen Baum, nur zwei Schritt neben Philip entfernt. Sofort sprang er auf und blickte in die Richtung wo das merkwürdige Wurfgeschoss hergekommen war. Trotz der Finsternis konnte er ganz gut die hässliche Kreatur erkennen. Ein großer runder Kopf mit kleinen abstehenden Ohren. Ein schlanker, fast schon schlaksiger Körper mit Armen bis zum Boden. Fast doppelt so groß wie Philip und mit einem Maul bewaffnet das fast so groß war um damit einem Pferd den Kopf abzubeißen. Philip hatte noch nie einen Troll gesehen. Die Viecher waren weitseltener als man meinen konnte, am meisten da die Viecher bevorzugte Ziele der Slayer waren. Jetzt da er das erste Mal einen sah verstand er den schrecken den sie auslöste. Ihr ganzer Körper schien irgendwie verrückt und unförmig, der Gestank den sie verströmten erinnerte an verdorbenen Fisch der sich mit verrottetem Holz gepaart hatte. Am liebsten würde Philip wegrennen. Und das tat er auch. Orks waren eine Sache, ein troll eine ganze eigene. Er schlug zweimal einen Hacken und sprang dann hinter einer größeren Fichte die fast doppelt so dick war wie er. Wieder krachte irgendetwas hinter ihm und der Troll schrie bestialisch hoch auf. Es war kein kraftvolles Brüllen wie bei den Orks, sondern eher ein hoher schriller Schrei. Beinahe wie ein Kind das vor Angst schrie.
    Ein Blutbeflecktes Leintuch, der Mann wie er ihm flehend ansah bevor sein Bruder ihm den Bauch aufgeschlitzt hatte. Der Wein. Er war so göttlich gewesen. Ein Jahrgang den sein Urgroßvater angebaut hatte. Es hatte nur noch zwei Fässer gegeben. Die restlichen waren verschenkt worden um den Herzögen zu munden. Sein Vorfahre war das letzte Mal mit diesen Wein in Berührung gekommen als er ihn aus den Trauben gepresst hatte. Noch nie hatte Philip etwas so gut geschmeckt. Trunken von ihrem Sieg über die Ungerechtigkeit ihres Lebens. Berauscht von dem Wein den seine Ahnen in Leibeigenschaft mit ihrem Schweiß und Blut erschaffen hatten. Das zetert des Barons über Undankbarkeit und Hochverrat. Und diese Stolzen, arroganten Reh Augen. Groß wie bei einer Kuh aber dennoch ein gewisser Reiz.
    Ein erneutes Kreischen brachte ihn wieder zurück in die richtige Welt. Philip blickte zurück, sah wie der Troll gerade einem Dawikoni den Arm ausriss und damit nach einen weiteren schlug der sich gerade noch zu retten versuchte. Blut schoss in einem Strom aus der Wunde und Philip konnte die Knochen der Schulter sehen. Abgebrochen und angespitzt mit noch einigen Fleischstücken dran. Der Arm krachte gegen den Hals des Menschen. Würgend brach er zusammen nur um sich gleich darauf von einer Kopf großen Faust den Brustkorb einschlagen zu lassen. Der Troll kreischte vor Freude als der Mann hustend versuchte Luft in seine Lunge zu pumpen. Ein Teil von Philip wollte weiter wegrenne. Alles hinter sich lassen und von diesem grausigen wesen wegkommen. Das war der Teil der in den letzten dreißig Jahren das sagen gehabt hatte. Sein rationaler Verstand. Da war aber immer noch jener Teil der seine Kindheit und auch die ersten Erwachsen Jahre durchwegs geprägt hatte. Ihn geführt und ihm gesagt hatte was richtig und falsch war. Der Traum und die Utopie von etwas größerem. Besser als man selbst und so viel wichtiger. Zitternd stand er nun da. Von den Orks gab es nicht mehr viel zu befürchten, die meisten hatten wohl ins Gras gebissen. Der einzige der noch für Verluste sorgte war der Troll, doch es formierten sich schon vier oder fünf Jungs die versuchten den Koloss zu Fall zu bringen. Philip konnte einfach zuschauen und würde sich nicht mit dieser Kreatur anlegen müssen. Er sah zu wie zwei Dawikoni gleichzeitig angriffen. Der erste rammte seine Klinge in den Oberschenkel, der andere schlug nach dem Hals. Der Dawikoni duckte sich unter der Faust des Trolls hinunter und stach zu. Der stich traf und der Troll jaulte auf. Abgelenkt beachtete er nicht mehr den anderen Menschen der ungestüm sein Schwert schwang. Seine Klinge fuhr in den grünen, warzigen, Hals und wieder hinaus. Die Antwort darauf folgte prompt. Eine Faust die den Schädel des Mannes zu Brei verarbeitete. Der erste Angreifer sprang zurück, gerade noch rechtzeitig um nicht von der zweiten Klaue niedergestreckt zu werden. Mit einem Ruck riss sich die Bestie das Schwert aus dem Bein. Philip konnte selbst von hier sehen wie es weißlich-grün daraus herausrauchte. Beinahe wie ein Glühwürmchen Schwarm der aus dem Troll herausbrechen wollte. Der Kerl mit dem eingeschlagenen Kopf wäre er gewesen. Das wusste Philip ganz genau. Seinen Mut hätte er damit bezahlt von dieser Erde getilgt zu werden. Genauso wie vor all diesen Jahren in Betronia. Es hatte sich nichts verändert. Philip wandte sich von dem Spektakel ab. Er würde einfach nach ein paar Orks Ausschau halten und sich so absichern damit ihm Niemand einen Feigling nennen konnte.
    Außer du selbst. Ja das stimmte, er selbst würde diese Tat als Feigheit betrachten. Einen Rekruten der so vor einem Ork geflohen wäre hätte er die mieseste Tracht Prügel ausgesetzt die sein Körper hergeben konnte. Seit wann war er nur ein solcher Schwächling? Erst seit heute? Oder schon damals wo er als vierzehnjähriger die Pike in die Hand gedrückt bekam. Zu breit für sein Alter, so das man ihm gleich einen Platz im Speerwall reservierte. Damit auch er Bekanntschaft mit den Wildschweinreitern bekam die aus den Bergen die Dörfer und Burgen schleiften und brandschatzten. Auch damals wäre er am liebsten weggerannt. Und immer hatte es einen alten sack gegeben der ihn nach vorne getrieben hatte. Der ihm die Ritterlichkeit seiner Ahnen vor Augen geführt hatte. Auch wenn er nur deren Stiefelputzer war. Ein lauter schrei ertönte und endete abrupt. Philip schloss die Augen. Sein Verstand spuckte ein Bild von einer Klaue aus die sich durch den Bauch eines seine Kameraden wühlte und ihm sein Gedärm aus dem Leib zog.
    Seit wann nur war er so ein Feigling geworden? Philip kam an ein paar Leichen vorbei. Er stieß gegen irgendetwas das am Boden lag. Aus einem Impuls heraus bückte er sich und hob es auf.
    Die Nacht in der alles begann. Die zwei Jahre im Kriegsdienst gegen die Orks. Nicht genug zu essen, beinahe keine Bezahlung. Der Baron war Edelmütig und hilfsbereit, doch auch rücksichtlos und Naiv. Er hatte nicht nachgedacht das er finanziell nicht in den Kampf reiten konnte. Seine Fußsoldaten waren unterversorgt und sein Land verkümmerte. Doch beim Herzog wurde er mit höchsten Tönen gelobt und zu einem wahren Ritter ernannt. Sein Name war im ganzen Herzogtum als ein wahrhafter Krieger für das Reich bekannt. Gold, Vieh oder sonst etwas von materiellen Wert bekam er nicht. Und so blieb nur den leibeigenen das noch abzuknöpfen was noch da war. Nichts was nicht des Öfteren in Betronia passierte. Nichts was weltbewegend war. Nur hatte er die Flasche Zeit gewählt. Revolution und Reformation lag in der Luft. Die Stände in den Städten wurden Zornig und die Banditen und Wegelagerer, zuvor nichts anders als Vogelfreie, entwickelten sich zu Kämpfer gegen die Ungerechtigkeit. In jenem Blut Jahr, wo es zu Scharmützel in den Städten kam, war es die denkbar schlechteste Zeit den Armen noch mehr zu nehmen. Er tat es dennoch und musste den Preis bezahlen. Mit aufgeschlitztem Bauch, von seinem eigenen Gedärm erwürgt. Seine Augen gebrochen und der Verstand zerschmettert von dem was sie in jener Nacht erleben mussten.
    Philip wachte wieder aus seinen Gedanken auf. In seinen Händen lag der Speer den er gerade von Boden aufgehoben hatte. Den Schild und auch sein Schwert hatte er liegen gelassen. Warum zum Teufel hatte er das getan? Niemand tauschte ein solides Schwert mit einem Schild gegen einen Orkspeer. Robust ja, aber alles andere als handlich. Philip war wieder zurückgegangen. Aus den vier Dawikoni waren acht geworden. Drei davon luden gerade ihre Musketen, die anderen versuchten das Ungetüm zu Fall zu bringen. Doch mit seinen Händen hatte es eine enorme Reichweite. Und innerhalb kürzester Zeit hörten die Wunden zu Bluten auf und schlossen sich wieder. Die Regenerationsfähigkeit des Trolls war immens. Es lagen nun drei weitere Dawikoni am Boden. Zwei waren noch am Leben. Sie hatten sich aus dem Kampf gewälzt und versorgten sich selbst. Der dritte hing aufgespießt an einem tiefen alten Ast. Der Troll musste ihn mit aller Kraft hineingerammt haben den der Ast lugte eine halbe mannslänge aus ihm heraus. Das war wohl die arme Sau die er zuvor gehört hatte. Ein Mann in voller Rüstung, mit einer Lanze bewaffnet. Das Bild von dem Sohn des Barons der den Anführer der Wildschweinreiter mit seiner Lanze aufgespießt hatte. Er war damals gerade Mal sechzehn gewesen, noch zu jung um ein vollwertiger Ritter zu sein und bevor er die Weihe erhalten hatte. Seine Tat hatte ihnen gut vierzig Mann das Leben gerettet. Er selbst war von der Wildsau des Orkchefs niedergetrampelt worden. Eine Woche später war er dem Wundfieber erlegen. Doch er hatte vierzig Leben gerettet die seinen Namen weiterleben ließ.
    Mit einem brüllen das ihn selbst überraschte stürmte er nach vorn. Das der Troll ihn dabei hören konnte war ihm egal. In diesem Augenblick war er gleichzeitig hier und auf den alten Schlachtfeldern seiner Heimat. Mit aller Kraft die in seinem Körper war warf er sich mit den Speer voran den troll entgegen. Die Spitze des Speers traf genau die Kniekehle. Der Stich war gut platziert, schnitt sich durch die Haut, glitt in das Harte und weiche Fleisch und brach durch die Kniescheibe. Der Speer brach durch die Belastung es und es kam Philip vor als hätte ihn ein Pferd niedergetrampelt. Er flog mehre schritt durch die Luft bevor er auf den Boden aufprallte. Knacken schlugen seine Knochen aufeinander. Philip wusste das sich irgendetwas bei seiner hüfte verschoben hatte sobald er den ersten Atemzug machte. Ihm blieb nichts übrig als einfach am Boden zu liegen und den Schmerz bei jedem Atemzug zu ertragen. Im Hintergrund hörte er das fürchterliche Kreischen des Troll und den Triumph schrei eines Dawikonis. Irgendwer lachte sogar. Seine Augen jedoch waren wieder an dem alten Platz. Die Nacht wo sie alle zusammen gesessen waren, über ihre Lage nachgedacht hatten. Keine Mittel mehr, fast kein Vieh. Die Botschaft des Barons, so unverfroren. Ohne Rücksicht auf sie. Und dann die Nachricht die sein Bruder vom Nachbars Ort mitbrachte. Revolte in den Städten, die Stände hatten genug von der Unterdrückung. Die Idee zog seine Bahnen und am Ende waren sie in der Burg des Grafen. Es hatte so harmlos angefangen. Sie wollten ihm doch nur klarmachen das sie ihm nicht geben konnten was er verlangte. Doch er war so uneinsichtig und stur gewesen. Und sie, sie waren furchtbar Zornig gewesen. Sein Sohn hatte sie gerettet. Hatte all das getan was ein wahrer Betronischer Edelmann hergeben musste für die Herrin des Sees. Doch das war damals nicht genug gewesen für die Untergeben seines Vaters. Nicht mehr. Sie hatten ihn Niedergeschlagen, die wenigen getreuen einen Kampf geliefert. Die ersten waren gestorben weil sie zu erbittert gekämpft hatten. Dann hatten sie die Schatzkammer geplündert, leer bis auf die Mäuse die darin lebten. Der Weg in den Weinkeller war leicht gewesen. Und dann, war alles von selbst gegangen. Die Ermordung der Getreuen. Den alten Hofmeister hatten sie gehängt weil er zu oft gemeckert hatte. Der jüngere Sohn hatte Pit mit den Zweihänder den Schädel eingeschlagen. Er wollte es gra nicht, aber es war irgendwie zustande gekommen. Als der Baron sie verflucht hatte hat sich sein Bruder darum gekümmert. Zuvor jedoch. Das Blutbesudelte Leinentuch, der zarte Körper, ganz zerschunden von den ganzen Männerkörpern die auf ihm gelegen hatten. Sie war nicht die einzige gewesen, diese junge arrogante fünfzehnjährige Adelstochter. Fünf Töchter hatte der Baron gehabt. Und keine hatte den Abend unbefleckt überstanden. Oder auch nur Überlebt.
    Es hat gedauert bis er sich seiner Tat bewusst geworden war. Seiner Schuld und seiner Sünde. Der Bürgerkrieg war heftig und blutig verlaufen. Er war unter den tausenden geflüchteten gewesen die in die Grenzlande und ins Weltangebirge gezogen waren. Sein Bruder war geblieben und endete gepfählt auf einem Hügel. Der Vetter des Barons hatte einen Schwur abgelegt und ihn auch soweit erfüllt wie er konnte. Ob er immer noch nach Philip suchte? Oder einfach ein anderes arme Schwein mi dem Namen Philip dran glauben musste? Möglich wär es. Ritter waren nicht dafür bekannt sorgfältig nachzudenken. Nun, das war wohl kein Betrone. Er hatte da ganze Überlebt, doch die Sache ließ ihn nicht los. Ob das vielleicht die Strafe der Herrin war? Dass er noch Jahrzehnte mit seiner Schuld kämpfen sollte bevor er im Jenseits in die dunkelsten gebiete der Anderswelt verbannt wurde? Würde er überhaupt dorthin gelangen? Möglicherweise wartete etwas viel Dunkleres auf ihn. Wie um seinen Gedanken recht zu schob sich pure Dunkelheit über ihn und nahm ihm auch noch da letzte Licht. Philip wusste dass es der Troll war. Trotzdem vermischte sich der Kopf des Trolls mit dem Gesicht des Barons. Plötzlich keimte in ihm eine Kraft auf die er schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Ein Überlebenswille, der nicht aus seiner Angst, sondern vielmehr aus dem Leben selbst geboren war. Er konnte sich nicht bewegen doch er wollte verdammt sein wenn er es der Bestie so leicht machte. Suchend tasteten seine Hände den Waldboden ab. Über ihm erklang ein röhren und gluckern da ihn an einen Wasserfall erinnerte. Einen Moment bevor die Troll Kotze ihn traf packte er einen Hölzernen griff. Ohne zu wissen was es war schleuderte er es dem Vieh entgegen.
    Vortis war fertig. Sein ganzer Körper schmerzte als wäre ein Haus auf ihn draufgefallen. Sie hockten nun in beinahe völliger Dunkelheit, abgesehen von den paar Fackeln die verteilt am Boden lagen. Die meisten Orks waren Tod und der Rest würde es bald sein. Doch auch die Dawikoni hatten einige Verluste hinnehmen müssen. Vortis wusste das mindestens neun von ihnen Tod waren. Vermutlich waren es noch weit mehr. Die Verwundeten mussten sich größtenteils selbst versorgen. Alle Männer wurden gebraucht um die restlichen Grünhäute zurückzuschlagen. Und den Troll über den Jordan zu bringen. Der erwies sich als ein wirklich zäher Mistkerl der alles andere im Sinn hatte als zu krepieren. Was half war Feuer, doch es war weit schwieriger eine Fackel in die frisch geschlagenen Wunden zu rammen als gedacht. Und selbst die Kugeln aus den Musketen schienen keine große Wirkung auf ihm zu haben. Selbst wenn sie seinen Kopf trafen schienen sie die Kreatur nicht großartig zu stören. Dunkel konnte sich Vortis erinnern wie ihm einer der Nordmänner gesagt hatte dass der Schädel eines Trolls die Hälfte seines Kopfes ausmachte. Er hatte es damals als eine Übertreibung abgetan. Aber Vorstis ließ sich auch gern eines Besseren belehren. Und so standen sie da, hatten fast keine Möglichkeit den Riesen zu Fall zu bringen. Nacheinander wurde einer von ihnen erschlagen. Selbst wenn sie ihn einkreisten du alle zu gleich angriffen. Dann stürzte sich das Ungetüm auf genau einen einzigen und zerfetzte diesen. Die Dawkinoi waren trotz ihrer Ausbildung alles andere als Kampferfahren. Und zu sehen wie einem Mann die Eingeweide rausgerissen wurden während seine Gliedermaße wild um ihn herumschlugen brachte jeden dazu stocksteif einfach zuzuschauen.
    Ihre Lage war also alles andere als rosig und hätte wohl noch einen Haufen Tote verlangt. Als der Troll sich aber wieder aufmachte nach vorne zu stürmen war ihm von hinten Philip angesprungen. Der Speer hatte sich wie eine Ritterlanze tief ins Fleisch gebohrt und hatte das gesamte Knie durchschlagen. Der Augenblick wo er das Gesicht von ihm gesehen hatte, seine Mine hart und mit einer lodernden Wut, hatte etwas tief in seinem inneren bewegt. Als würde sich sein Körper an etwas erinnern das einmal war. Vielleicht gab er zu viel darauf, doch das Gefühl ließ ihn nicht los das es damals genauso bei der Schlacht war. Keine guten Waffen oder Erfahrung, sondern einfach nur Mut und eine große Portion Wut. War es damals genauso gewesen, leuchtete da in dieser Dunkelheit ein Feuer das seine Erinnerung darstellte? Vielleicht gab es doch Hoffnung für ihn.
    Der Geruch von stinkender Trollkotze erfüllte plötzlich die Luft. Der Ansturm von Philip hat den Troll gefällt, aber beweglicher als man ihm zugstehen hätte hatte sich das Ungetüm wieder aufgerichtet. Auf einem Fuß stehend, den anderen nach sich ziehend, baute er sich vor Philip auf. Das röhren aus seinem Magen war laut wie das Donnern einer Kanone. Der riesige schwall übelriechender Flüssigkeit brach über Philip herein. Seine Schreie hallten durch den Wald. Sein Körper wurde in kürzester Zeit von der Säure zerfressen doch er blieb lange genug bei Bewusstsein um die gewaltigen Schmerzen zu spüren. Was musste ein Mann getan haben um das zu verdienen`? Für Vortis war klar dass es nichts geben konnte. Doch retten konnte er ihn nicht. Alle was er tun konnte war zuschauen wie er leidend krepierte. Vortis war überrascht was für Gefühle in ihm aufwallten. Er hatte den alten nicht lange gekannt. Dawikoni denen die Bäuche aufgeschnitten waren und die Eingeweide bis zu den Knien hingen. Zweimal hatte Vortis so etwas gesehen ohne große Gefühlsregung. Er war kalt was das anging, das wusste Vortis. Seine Gefühle für andere waren stark abgeschwächt. Es war ebenso, Vortis hatte es versucht es zu ändern, leider hat es nichts gebracht. Doch jetzt rannen ihm Tränen aus dem Augenwinkel und die einzige Frage die sich stellte was bei Taal sollte er tun. Vortis entschied sich zu Laufen. In der Dunkelheit mitten im Wald war das alles andere als Klug. Mehrmals strauchelte er, seine Geschwindigkeit behielt er aber bei. Der Troll richtete sich gerade auf als Vortis ihn erreichte. Er sprang und rammte mit aller Kraft sein Schwert in den Rücken der Kreatur. Der Aufprall nahm ihm jede Kraft aus den Lungen. Als hätte sich sein Magen in ein Stein verwandelt, Schmerzen durchzuckten seinen ganzen Bauchraum und den Brustkorb. Hustend versuchte er seinem Körper Luft zuzuführen. Doch alles was er zusammenbrachte war ein schnappen wo nichts raus und nichts rein kam. Er brauchte etwas bis Vortis Augen wieder etwas erkennen konnten. Sein Gehör dröhnte und irgendetwas knackste beständig in seinem Kopf. Er hoffte nur dass er sich nicht den Schädel eingerannt hatte. Der troll war von dem plötzlichen sturm umgekippt worden. Mit seinen langen Armen rappelte er sich auf und schlug einen Schwerthieb beiseite als wäre es eine Fliege. Vortis Schwert steckte nicht mehr in den Rücken des Trolls was hie0ß das er nicht sehr weit vorgedrungen war. Mit solchen kleinen, oberflächlichen Schnitten würde er das Monstrum sicher nicht töten können.
    „Aufstellung“! Vortis schaffte sich ächzend und mit starken Kopfschmerzen in die Seitenlange. Berthold stand keine fünfzehn schritt von ihm entfernt, mit einem frischen Verband über seinem Auge. Neben standen mehr als ein Dutzend Dawikoni, allesamt mit Musketen bewaffnet. „Auf den Kopf zielen, danach sollen sofort die Fackelträger nach vorne stürmen! Feuer“! Kurz bevor sich die Schüsse lösten sprang der Troll auf Berthold zu. Dank dem zerstörten Knie kam er aber nur bis zu hälfte bevor er einknickte. Mit einem Schlag ertönten die donnernden Stimmen der Musketen. Rauchzungen wurden ausgespien und verdeckten die Männer. Der Kopf des Trolls wurde von den Kugeln durchsiebt. Der mächtige Körper fiel zur Seite. Sofort sprangen vier Männer voran und rammten ihre Fackel in die Augenhöhlen und den Mundraum. Zischen verbrannte das Fleisch. Der troll selbst bewegte sich jedoch nicht mehr. Schien so als hätte eine Kugel schlussendlich den harten Schädel dieses Ungetüms durchdrungen. Vortis war selten so froh gewesen über ihre Feuerwaffen. Am meisten da er sie an sich nicht mochte. Schwerter waren vielmehr sein Ding. Berthold vergewisserte sich selbst ob der Troll wirklich Tod war. Laut befahl er das man den Körper verbrennen sollte, allein aus Sicherheitsgründen. Vortis stand auf als er gerade einen Tritt gegen den unförmigen Schädel führte. Danach gab er die Befehle erteilte alle Überlebenden zusammen zu scharen. Sie brauchten dringend Gewissheit wie viele der Männer noch am Leben waren und wie viele Verletzt waren. Vortis beteiligte sich nicht daran. Er war so gut wie Tod, sein ganzer Körper war ein riesiger blauer Fleck.
    Während alle beschäftigt durch die Gegend rannten, meist in völliger Dunkelheit, trat Vortis zu dem Toten Koloss. Nebenbei hob er sein Schwert vom Boden auf. Überprüfend griff er an die Spitze. Die Spitze des Schwertes war feucht vom Troll Blut, hörte aber schon nach einer Mittelfinger länge wieder auf. Sein Ansturm war eine Farce gewesen. Seufzend hockte er sich neben dem hässlichen Schädel. „Ich hab selten so viel Blödsinn gemacht“ dachte er sich still. Warum war das nur so verflucht schwer. Sein Blick wanderte zu der Leiche von Philip. Der Oberkörper von ihm hatte sich komplett zersetzt und war nur noch eine blubbernde Masse. Nur ein Teil des Schädels und die Beine waren noch vollständig. Der Geruch erinnerte Vortis merkwürdigerweise an das süßliche Zeug das die Tielaner von der Seidenstraße aus Ind herholten. Bei dem Gedanken daran drehte es ihm fast der Magen herum. Auch weil mit der Süße immer noch der Gestank von starker Magensäure dabei war. Vortis seufzte eruneut und fuhr sich Müde über das Gesicht. Jetzt war der Kundschafter nur noch eine dampfende Pfütze mit Beinen. Nichts weiter als ein Vergangener Körper. Bliebn die Frage wo der rest von ihm hingekommen war. Hatte er sich der Herrin des Sees als würdig erwiesen? Durfte er ihre Hallen betreten? Ein letzter Blick auf die Pfütze reichte ihm um zu wissen dass dieser Mann vermutlich neben den größten Rittern an einer Ehrenrunde sitzen würde. Soviel Heldenmut musste man einfach ehren selbst wenn die Göttin der Betronen ein Miststück wäre. Vortis warf einen Misstrauischen Blick auf das Blätterdach. Keine Ahnung ob die Herrin des Sees seine Gedanken lesen konnte, falls doch hoffte er dass sie keine Liebhaberin von Blitzen war.
    Er wandte seinen Blick nun ganz ab von Philip und richtete sich auf. Seine Knochen im Rücken knacksten ein paar Mal. Es wurde Zeit das er zum Schlafen kam, sonst würde Vortis vermutlich heute noch wirklich Tod umkippen. Auch wenn es neben all den Leichen nicht leicht war, doch Vortis war zuversichtlich dass er sobald er die Augen schloss in den Schlaf gleiten würde. Müde stieg er über die Leiche des Trolls. Nachdem er sein rechtes Bein darüber gehievt hatte blieb er plötzlich bei irgendetwas hängen. Voitis verlor das Gleichgewicht und schlug hilflos mit den Händen. Am Ende stürzte er zu Boden, mitten in einer Lache frischen Troll Bluts hinein. Er rappelte sich auf und spuckte angewidert aus. Sein gesamtes Wams war nun voll von dem stinkenden Lebenssaft der Kreatur. „So eine Scheiße“! Vor sich hin fluchend zog er sein wams aus und schmiss es Weg. Vortis wusste nicht wie aggressiv das Blut des Trolls war. Wenn es aber nur ein kleines bisschen den Magensäften ähnelte dann hatte Vortis ein Problem. Er wischte sich sein Gesicht so gut es ging sauber. Trotzdem haftete ihm ein beträchtlich süßlicher Geruch an. Kupfer und Eisen in einem Geruch Spektrum. Vortis würde am liebsten Kotzen. Wütend schaute er auf den Kopf des Trolls. Wo bei Taal hatte er sich nur aufgehängt?
    Er betastete den Kopf ab. Sein Augenlicht reichte bei dieser Dunkelheit schon lange nicht mehr und die zwei fackeln die noch brannten spendeten fast kein Licht. Schließlich stieß er auf das Gesuchte. Es war ein länglicher Stiel der an der Seite des Trollschädels festsaß. Warum Vortis das nicht früher bemerkt hatte konnte er nicht sagen. Aber da es ein Troll war hatte er sich auf andere Dinge konzentriert. Blieb noch die Frage wie es dahingekommen war. Vortis wusste zwar nicht viel von trollen, aber eigentlich sollten sie keine Holzstiele in den Schädel haben. Mit aller Kraft zog er an dem Ding und drehte es hin und her. Es knackste unmerklich, dann gab der Schädel nach. Vortis fiel hart nach hinten, wieder genau in die beschissene Blutlache. Schreiend sprang er wieder auf und verfluchte, sich, die Welt und den Arsch von Troll. Er betastete den Gegenstand in seinen Händen und kam dahinter das es sich um ein Wurfbeil handelte. Das Eisen war etwas schartig aber von halbwegs guter Qualität. Also ganz sicher kein Orkbeil. Auch war es längst nicht groß genug. Also musste es einem der Dawikoni gehören. Nur waren Wurfbeile alles andere als häufig. Vortis dachte angestrengt nach wem das teil gehören konnte. Kurz dachte er das vielleicht Philip das Beil besäßen hatte. Nur war ihm noch nie aufgefallen das der Betrone eine Axt bei sich trug.
    Vortis ging langsam durch den Wald, immer in Richtung der sich bewegenden Lichter. Er passte unterwegs höllisch auf nicht noch einmal zu stürzen. Die paar Mal hatten ihm schon völlig gereicht und er musste sich nicht noch mehr einsauen. Zu seinem Glück schaffte er es ohne einen weiteren Zwischenfall zu den frisch gelegten Feuern. Berthold schrie wieder ein paar Befehle. Ein paar Schritte brüllte ein Ork zornig auf den sie an einen Baum gebunden hatten. Wurde wohl Zeit zu erfahren woher die Grünen Bastarde gekommen waren. Vortis bemitleidete die arme Sau die versuchen musste dem Ork Informationen aus der Nase zu ziehen. Selbst für jene die gerne Foltern waren Orks eine echte Zumutung. Ziemlich zäh, blöd wie sonst was du meistens verstanden sie die Sprache nicht so gut. Und umgekehrt war ihre Aussprache an sich alles andere als gut. „Hey du, bleib mal stehen“. Verwundert von der plötzlichen anrede drehte er sich um. Auf ihn kam ein kleiner Mann zu, vielleicht einen Kopf größer als ein Zwerg. Er sah etwas mitgenommen aus. Sein linkes Auge verfärbte sich Violett und ein Teil seines Schnauzers fehlte. Hatte ihn wohl irgendwer ausgerissen. Der Mann blieb vor Vortis stehen und zeigte auf seine frisch gefundene Axt: „Ich glaube das ist meine“. Er streckte fordernd die Hand aus.
    Der Dawikoni blickte kurz auf das Beil hinunter, dann blickte er seinen kleineren Artgenossen an. Hatte er also den Besitzer gefunden. „Steht dein Name darauf“?
    „Was“? Der Kleine sah ernsthaft verwirrt drein. Seine Hand blieb halb ausgestreckt zwischen ihnen. „Naja“, begann Vortis gedehnt“, wenn es dir gehört dann sollte jawohl dein Name darauf stehen oder“? Sein Gegenüber sah ihn nun noch etwas mehr verwirrt an. „Also, anders gesagt wenn du mir keinen triftigen Beweis gibst das das hier dein Axt ist, dann kannst du dich gleich wieder verpissen“. Auffordernd sah er den kleinen Mann an der nicht ganz wusste was er darauf sagen sollte. Vortis musste sich eingestehen das es ganz tut tat nach dieser Strapaze so etwas druck abzubauen. In seinem Kopf arbeitete sich aber schon eine Gegenstimme heraus die in dazu aufforderte dem Mann einfach seine Waffe zurück zu geben. Was wollte er auch damit? Er konnte nicht wirklich gut schmeißen und Wurf Äxte waren nicht sein Stil. Und er wollte schlafen gehen und sich nicht mit irgendeinem über ein Beil streiten. Es war der letzte Grund der Vortis dazu brachte den kleineren Dawikoni zu ärgern.
    Er Lächelte versöhnlich und überreichte dem Kerl die Axt. „War nur ein kleiner Scherz. Kannst sie haben solange du mir versprichst dass du schön darauf aufpasst. Ich hab sie gerade eben bei dem troll gefunden. Hat ganz schön tief in den Schädel gesteckt“.
    Der Kleien Dawikoni kratzte sich am Kopf und steckte nach kurzem Zögern die Axt in den Gürtel. „Ein Troll sagst du“? Vortis hörte den Unglauben aus dem Mann heraus. „Jep, da hat wer dem Vieh glatt das Beil in den Kopf gejagt. Warst wohl nicht du, was“?
    Der Mann schüttelte langsam den Kopf und meinte: „Nein, ich hab sie gleich am Anfang verloren als ich sie einem Ork in die Schulter geschleudert habe. Muss wohl einen ganz schönen Weg auf sich genommen haben um dorthin zu gelangen“. Vortis nickte zustimmend und meinte: „Ja, was eine Waffe alles für eine Wegstrecke zurücklegen muss“. Damit wandte er sich ab und suchte sich den nächsten Platz in der Nähe von einem Feuer um sich Schlafen zu legen. Als er sich gerade niederlegte begannen die Schreie des gefangen Orks. Wie von ihm vorhergesagt schlief er trotzdem gleich ein.
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

  4. #54
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    Hallo eventuelle Leser. Ich habe mir vorgenommen dieses Projekt endlich abzuschließen, auch wenn Warhammer nun Tot ist. Aber wer der Nekromantie nicht abgeneigt ist kann sich einen Nostalgischen Rückblick gönnen. falls jemand diese Geschichte weiterverfolgt, Kritik ist mehr las willkommen. gerade der Mittelteil dieses Kapitels würde mich interessieren. passt der Charakter? Wie ist es mit der Wahrnehmung und gerade mit der Tür?



    Sie beendete schwungvoll die letzten Zeilen des ausführlichen Berichtes. Es war bis jetzt ihr sechster. Sie schrieb jeden Tag mindestens vier. Im Durchschnitt waren es sieben. Je nachdem was passierte und eventuell den Plan verändern konnte. Gerade flog ihre Feder nur so über das Pergament. Sie überblickte auf ihre Aussichtsplattform die gesamte Stadt. Zusammen mit ihren scharfen Augen erkannte sie die gesamte Szenerie der Schlacht. Sie hatte bis jetzt alles Wichtige aufgeschrieben. Jeder fertige Bericht wurde darauf gleich einem der Vögel an den Fuß gehängt. Es waren seltsame Kreaturen, mit einem weißen Gefieder wie eine Möwe und auch so groß, vom Kopf her aber einer Taube ähnelnd. Nur die Augen schienen aus einer Krähe zu kommen. Wenn Fania es nicht besser wüsste würde sie meinen es wären Chimären. Aber das war absurd. Ihr Meister würde niemals so etwas auch nur in Erwägung ziehen. Vielleicht waren sie aus Lustria oder einer Insel aus den Südlanden. Das war aber im Moment genauso unwichtig. Wichtig war das diese Vögel sehr Intelligent waren und genau wussten wo sie hinfliegen mussten. Sie besaß Zwölf von ihnen. Deswegen wartete sie mit ihren Berichten auch so lange bis die Pergamentrolle fertig war. Die Schriftstücke waren eine Handbreit und ungefähr einen schritt lang. Ein Mensch hätte daran die ganze Nacht herum schreiben können ohne es voll zu kriegen. Doch Fania führte die Feder als jedes Schwert und setzte vollendete Wortfragmente auf dem Pergament wie die Bogenschützen ihrer Heimat Pfeile abfeuerten. Aber es gab auch enorm viel zu berichten. Die Schiffe die eingefahren waren, konnte sie nicht genau nachzählen. Dafür war es zu dunkel und sie hatten zu wenige Lampen auf die Decks angebracht. Doch die großen fünf Ungetüme konnte sie ganz klar ausmachen. Von der Größe her kamen sie auf jeden Fall an die Titanischen Königsschiffe der Norse. Damit waren sie weit größer als die Elfischen, der Estilanischen und der Piratenschiffe. Die einzigen die sich mit der Größe messen konnten waren wohl die Araber Galeeren mit ihren Sklaven.
    Und was Feuerkraft angingen war ohnehin wohl jedes Volk unterlegen. Selten hatte Fania etwas so zerstörerisches gesehen. Damit könnte man Festungen innerhalb kürzester Zeit schleifen. Das die Zwerge solche Ungetüme auf das Meer schickten verschob den gesamten Plan. Und das sie auch noch Sartrosia ohne Grund angriffen und ihnen ihren hauptstützpunkt streitig machten. Fania konnte es nicht fassen. Komplett geschockt schrieb sie darüber das beide Kanonen Stellungen zerstört waren. Der gesamte Hafen war von ungefähr fünfhundert schwer gepanzerten Kriegern eingenommen worden die gegen Stadtmitte vorrückten. Der Gegenangriff der Pirtenkönigen hatte keine Wirkung erzielt. Zwei von drei Hauptstraßen wurden nun von den Zwergen beherrscht. Sie hatten die Piraten soweit zurückgedrängt das sie in der Mitte der Stadt zusammengepresst wurden. Es war der große Platz wo auch die Pirtenkönigin mit ihrem Gefolge stand. Ein riesiger Raum im Gegensatz zu den doch recht engen Gassen. Fania wusste das die Zwerge einen erheblichen Vorteil verloren wenn sie aus den engen Straßen treten würden. Dann könnte die Masse der Piraten sie in die Knie zwingen. So wäre es viel besser gewesen die Truppen in den Straßenkämpfen zu binden und sie so langsam niederzumachen. Warum also trieben sie alle auf einen Platz zusammen nur um sich dadurch einen noch stärkeren Feind zu schaffen? Falin schrieb ihre Gedankengänge mit den Beobachtungen mit. Daleszin verstand das und nutzte es um besser im geschehen verankert zu sein. Deswegen hatte er auch sie zu seiner Schreiberin erkoren. Weil sie wusste wie der alte Elf dachte und am besten Mitdenken konnte. Ihr wurde kurz warm ums Herz bevor sie sich zur Ordnung rief. Es war gerade keine Zeit für solch unwichtige Dinge. Sie nahm ihre Glaskugel in die Hand: Die Glaskugel war ihr von Daleszin geschenkt worden. Damit konnte man zehnfach so gut und weit sehen. Bei den Menschen gab es ähnliches das sie Fernrohr nannten. Nur war die Elfen Magie weit besser und zuverlässiger. Das Glas spürte was sie sehen wollte und musste und konzentrierte sich darauf. Für jemanden der es zum ersten Mal benutzte nichts Leichtes. Für Fania war es der Himmel auf Erden.
    Die Situation sah soweit aus das fast alle Truppen der Piraten nun auf dem großen Platz waren. Die Kanonen Stellungen waren allesamt zerstört oder aber von den Zwergen eingenommen. Die Zwerge kämpften Großteils nur auf den geraden Weg der zum Hafen führte. Die beiden Straßen die zu den Seiten hinführten waren zwar besetzt, aber sie drängten nicht nach vorne. Fania versuchte ihr toten zu zählen. Doch es gab zu wenige als das sie, sie zählen konnte. Was ihr jedoch auffiel war das der Boden durch die ganzen Menschen Leichen nicht mehr zu sehen war. Es waren sicherlich schon mehre Hunderte von ihnen gefallen. Vermutlich doppelt so viele Verletzt. Da die Versorgung gerade nicht die beste war würden auch von ihnen einige Sterben. Von ihren Brüdern und Schwestern fand die zwei. Sie hatten sich mitten auf dem Platz mehre schritt hohe Statuen ausgesucht. Von dort saßen sie und brachten den gefiederten Tod über die Zwerge. Dank der wogenden Menschenmasse kein leichtes Unterfangen.
    Egal wie sie es drehte und wendete, es sah alles andere als rosig aus. Die Schlacht würde noch Stundenlang so weitergehen. Es würde zu heftigen Verlusten unter den Piraten führen. Doch am Ende würden sie die Oberhand gewinnen. Die ersten Kanonen wurden in Stellung gebracht. Mit diesen schweren Waffen hatten selbst die Zwerge ein Problem. Zusammen mit den Elfen müsste es möglich sein die Zwerge niederzuringen ohne dabei unersetzliche Verluste zu erleiden. Blieb ein großes Hauptproblem. Sie wandte sich zu den Schiffen im Hafen. Dabei drehte sie nur den Kopf und die rechte Hand. Mit der linken schrieb sie fleißig weiter. Gut, die Schiffe waren größtenteils noch da. Ein oder zwei brannten, oder hatten gebrannt. Das hatte sie zuvor schon bemerkt, aber irgendwer versuchte sie zu löschen. Schien als hätten die Zwerge nicht die Absicht ihnen ihre Flotte wegzunehmen. Aber was wollten sie dann? Fania kam einfach nicht dahinter was das ganze sollte. Und warum auch ausgerechnet Sartrosia. Die Meere waren nicht die Gebiete der Zwerge und was sie mit einer Insel im Süden Tileas machen wollten erschloss sich ihr einfach nicht. Auch das Schrieb sie Daleszin. Vielleicht wusste er über einen Groll oder irgendeinen anderen Irrsinn der Zwerge der sie zu dieser Wahnsinnstat brachte.
    Was die Schiffe anging, sie konnte sehen das die meisten noch mit einer Mannschaft besetzt war. Die Zwerge hatten unter den Seeleuten Gnade walten lassen. Jedenfalls auf die meisten. Denn ein paar der Schiffe sanken völlig zerstört auf den Grund. Sie blickte schnell auf das Blatt. Es war fast vollgeschrieben. Schnell unterzeichnete sie mit ihrem Namen und rollte es zusammen. Sie verknotete es mit einem Hanfseil. Sofort hopste einer der Vögel zu ihr und Bot elegant seinen Fuß an. Fania musste Lächeln und band es dem eifrigen Boten um einen rechten Fuß. Sobald sie fertig war krähte er kurz und erhob sich in die Lüfte. Fania blickte ihm für einen Moment nach bevor sie sich umdrehte. Mit einem Krachen als wäre auf einem Schlag ein Gewitter ausgebrochen erhoben sich Feuer und Rauchsäulen von Zwei der Titanischen schiffen. Nach dem Knall erklang das Gezwitscher von wütenden Vögeln.
    So wurde Fania wohl als einer der ersten Hochelfen Zeuge wie die Feuerkraft von zwei Fürchternichtsen zielgenau einen sechzig schritt großen Todeskreis erschufen. In einem einzigen Moment wurden mehre Hunderte in Stücke zerrissen. Glühende Kanonenkugel rissen Schneisen durch die Menschenleiber, Speere spießten dutzende auf und Katapultgeschosse zermalmten alles unter sich. Mit einem Schlag Marschierten die Zwerge nach vorn und Trieben die angeschlagen Piraten zurück. Sie wurden eingekesselt und auf die zerstückelten Leichen ihrer Toten getrieben. Plötzlich standen die Zwerge still und eine einsame Stimme erklang. Nach dem donnernden rauschen der Kanonen hätte man selbst den Herzschlag einer Maus hören können. Nach der Reihe warfen die Piraten ihre Waffen zu Boden. Danach trotteten sie mit verängstigten Mienen auf die Zwerge zu die jeden einzelnen fesselten.
    Fania blickte kurz auf das Pergament neben ihr. Sie hatte vor Schreck die Feder zerstört. Innerlich noch völlig geschockt und verstört gewann die Gewohnheit überhand. Sie drehte sich nach hinten um eine neue Gänsefeder zum Schreiben zu nehmen. Dadurch sah sie den Schemen der sich plötzlich vor ihr auftat und mit der Kraft eines Ogers seine Faust ins Gesicht schlug.












    Rhisdil wischte beinahe beiläufig das Blut von seiner Klinge. Mit einer fast schon als müde Geste geltenden Bewegung fegte er die Blutspritzer von seinem edlen Zweihänder ab. Wenn ihm irgendwer dabei zuschauen würde, er könnte nicht verstehen wie graziös und ohne jegliche Schwierigkeiten der Elf sich so verhalten konnte. Rhisdil wusste es natürlich besser. Es hatte Jahrzehnte gedauert bis er soweit war so perfekt zu erscheinen. Und er war noch weit entfernt von wahrer Perfektion. Es gab noch viel zu lernen und Rhisdil war sich nicht sicher ob er lange genug leben würde um als ein Schwertmeister zu gelten. Seine Meister hatten ihm immer gesagt dass er sich viel zu sehr darauf einbildete wie gut er mit der Klinge umgehen konnte. In Wahrheit hatten seine Künste ihm nie gereicht. Seine Schwertkunst war immer nur von seinem Widerwillen gegen das Schwert selbst runtergezogen worden. Ob seine Meister heute ein anderes Bild von ihm hatten? Man wurde sehr schnell als jemand hingestellt der man gar nicht war solange es nur welche gab die einen so sehen wollten. Vielleicht würden sie ihn sogar respektieren. Rhisdil gab sich gerne solchen Tagträumen. Gerade an Orten wie diesen. Es war eine heiße Stadt wo sein Auftrag ihn hingeführt hatte. Zwar war er am Meer und das Wasser kühlte gewaltig ab, jedoch lagen nur einige Wegstrecken entfernt schon die ersten Sanddünen die eine Fläche durchzogen die so groß war wie die gesamte Alte Welt. Eine riesige unwirtliche Gegend erstreckte sich bis zu den Ländern der Toten, die von den Gruftkönigen beherrscht wurden. Doch das war der kleinere Teil. Die andere Seite gehörte im Großen und Ganzen den Lebenden. Bis zu den Savannen im Süden mit ihren undurchdringlichen Dschungel beherrschten Nomaden das Land. Dörfer und Städte gab es nur an den Oasen und an den Küsten. Es gab hunderte verschiedene Dialekte, mehre dutzend Sprachen und die Völker waren viel an der Zahl. Ein sehr schwer zu überblickendes Land mit einer Kultur die sich sehr von den Menschen im Norden unterschied.
    Rhisdil mochte irgendwie die Art dieser Menschen. Sie waren sehr am Handel interessiert und zur Philosophie. Eine interessante Mischung die er zu schätzen wusste. Deswegen hatte er es auch ausgenutzt die kleine Handelsstadt die ungefähr unter Tilea lag gleich einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Was er gesehen hatte vergrößerte nur seine Lust noch mehr von diesen Fleck Erde und seinen Bewohner zu sehen. Leider war sein Auftrag natürlich alles andere als friedfertig weswegen er die Stadt wohl nie wieder sehen würde. Ein leichter Stich durchlief sein Herz als er daran dachte. Aber vielleicht konnte er in einigen Jahren wieder vorbeikommen. Menschen waren kurzlebig und vergaben schnell. Jedenfalls schneller als Elfen bemerkte er mit einem Blick auf die Leichen die ihn umgaben. Sein toter Artgenosse lag mit offener Kehle auf dem Boden. Er war der letzte gewesen, irgendein Kapitän der Druichi. Insgesamt waren es sieben die heute von Khaine geschlachtet wurden. Er war noch nie Freund von dem dunklen Gott gewesen, doch auch er war Teil des Ganzen und sollte nicht ausgeschlossen werden. Damit er es nicht genauso machte wie seine dunklen Brüder die erschlagen nun in der kleinen Villa lagen. Sie beteten nur den düsteren Blutgott an und vergaßen alle anderen. Soweit er wusste hatten sie schon seit Jahrzehnten in diesem Haus ihren Stützpunkt und betrieben hier ihren Sklavenhandel.
    Es war optimal für die Dunkelelfen. Die Arbianer waren sehr nahe an Khaine und hatten kein Problem mit Sklaven. Da Die Dunkelelfen bei fast jedem Volk auf der Welt ungern gesehen waren gab es nicht viele Möglichkeiten für sie Umschlagplätze zu ergattern. Und da kamen die Arbaia ins Spiel. Zwar würden die Dunkelelfen gerne behaupten dass alle anderen Völker Dreck unter ihnen waren, doch leider war das nur bedingt der Fall. Sie brauchten Verbündete, sonst würden ihre Sklavenschiffe nicht mehr mithalten. Vor der Geburt Sigmars hatten sie Geschäfte mit den damals noch lebendigen Gruftkönigen geführt. Dazu kam das nach dem Zusammenfall der Hochelfen Kolonien es sehr leicht gewesen war die übrigen Völker zu versklaven. Selbst die Zwerge wurden zu der damaligen Zeit zu Hunderten verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Doch mit dem Aufbruch des Imperiums, der Zusammenschluss der Betronen und den immer stärker werdenden Norse waren die Zeiten längst nicht mehr so rosig. Die Küstenstädte in Arabia waren somit sowohl Unterschlupf als auch eine Tausch Gegend. Um ihre Galeeren in Bewegung zu halten und für alle anderen Arbeiten brauchten sie eine Unmenge Sklaven. Die ihnen auch von den Druichi gebracht werden konnte. Anderseits hatten auch die Arabiner eigene Sklavenhändler die den Dunkelelfen Menschen, Grünhäute, Tiermenschen und sogar Echsenmenschen verkauften. Das hatte sich im Laufe der Jahre immer mehr verstärkt. So das die Sklavenhändler verstärkt jagt auf außergewöhnliche Lebewesen machten. So waren Oger und Halblinge sehr beliebt. Andere Elfen natürlich und auch Gnome, die mit ihrem flinken Verstand und Zahlenverständnis ganz nützlich waren. Manche munkelten dass auch Zwerge dabei waren, doch mit solchen aussagen musste man vorsichtig sein. An das falsche paar Ohren konnte einen Groll beschwören und eine Untersuchung der Zwerge. Sie waren zwar nicht gerade die schnellsten, aber unnachgiebig bis aufs Blut. Die Dunkelelfen hatten für alle Völker Verwendung und wenn sie nur dazu da waren geopfert zu werden. Bevorzugt natürlich die von ihnen verhassten Hochelfen.
    Mit einer ganz leichten Befriedung in sich kam Rhisdil der Gedanke dass diese Druichi nie wieder jemanden opfern würden. Mit dem Tod des Kapitäns war der Umschlagsplatz in dieser Stadt gelaufen. Entweder würde die Familie des Dunkelelfen auf Rache schwören oder aber die Arabiner hätten zu viel Angst um ihn weiterzuführen. Sieben Tote Dunkelelfen waren nie eine gute Sache fürs Geschäft, gerade wenn man weiß wie Rachsüchtig ihre dunklen Brüder waren. Und da sie keinen Sündenbock haben werden sie sich ihren Zorn stellen müssen .Rhisdil war sehr zufrieden mit sich. Er unterdrückte das Gefühl jedoch. Stolz und Freude dabei zu empfinden andere zu Töten förderte nur das Chaos. So blieb er äußerlich ruhig und gefasst, putzte sein Schwert sauber und hinterließ die Toten wie sie waren. Warum bin ich eigentlich darauf stolz? Ja, er hatte seinen Auftrag richtig ausgeführt, sich aber zu freuen dass andere für seine Taten wahrscheinlich büßen mussten… Nein, es brachte sich nichts an so etwas zu denken. Kurz dachte er nach die Leichen doch zu beseitigen. Doch das wäre gegen den Plan. Es sollte ruhig gesehen werden dass es ein Kampf war. Und auch das es nur ein einzigen gebraucht hatte um diese Piraten niederzuwerfen. Daleszin hatte ihm vor zwei Wochen sehr genaue Angaben gegeben was er zu tun hatte. Arabiner war im Begriff einen neuen Sultan zu bekommen. Einen Wüstensohn der die meisten Nomaden Stämme hinter sich vereinte. Problematisch waren nur die Küstenstädte und einige rebellische Bergvölker. Es war nur eine Frage der Zeit bis er alle vereint hätte, doch besser früher als später. Laut Daleszin waren derzeit Dinge im Lauf die ihn alles andere als beruhigten.
    Das die Estalia auf ihrer Seite standen war zwar gut, doch außer einer großen Flotte hatte das Menschen Volk nichts. Gute Soldaten, doch an der Zahl gesehen kamen sie gerade mal auf zwanzig bis dreißigtausend Mann. Und auch nur dann wenn man alles zusammenkratzen konnte. Ihnen fehlte es an einer großen Bevölkerung wie dem Imperium oder auch Tilea. Deswegen wären die Arabiner wichtig gewesen, mit ihren Hunderttausenden an Truppen. Aus diesem Grund hatte Daleszin es auch riskiert etwas offensiver fortzugehen. Waren erstmal die Handels Bedingungen mit den Druichi weg, würde den Küstenstädten ein wichtiger Stützpfeiler fehlen. Außerdem konnten sie verhindern dass ihre dunklen Vettern negativ auf die Arabiner auswirken konnten. Die Skaven hatten vor mehr als tausend Jahren etwas Ähnliches gemacht und dadurch den großen Kreuzzug heraufbeschworen. Da beide Völker Khaine einen hohen Stellenwert einräumten wäre es gar nicht so unwahrscheinlich dass sie die Menschen für ihre Zwecke einspannten. Aus einer Gewohnheit heraus durchsuchte er die Villa. Nicht das er doch noch einen übersehen hatte oder irgendetwas Auffälliges liegen blieb. Es wäre sehr ungünstig wenn man herausfinden würde wer hinter dem Gemetzel stand. Noch waren sie noch nicht soweit sich offen zu zeigen.
    Die Räume die er durschritt waren allesamt im Landes gemäßen Stil erbaut worden. Viele Teppiche und mehre Runde Räume. Statt Türen gab es meist eine Abdeckung aus langen Schnüren an denen alle möglichen Perlen und Pergamente angebunden waren. Soweit er wusste dienten die Zetteln dazu gewisse Dinge abzuwehren. Ob sie wirklich halfen konnte er nicht sagen doch Rhisdil fand es interessant. Es sah aus wie der Lebensraum einer reicheren Handels Familie. Nichts Merkwürdiges oder Auffälliges. Auf den ersten Blick. Rhisdil war ein sehr aufmerksamer Geist und seine Sinne geschärft. Er bemerkte die Anzeichen die Dunkelelfen hinterließen. Und er wusste auch den Geruch zu deuten. Wer Khaine diente musste hier und da ein Opfer für ihn darbringen. Ein kleiner Nachteil den der Gott des Krieges mit sich brachte. Die meisten Zeremonien brauchten aber ein gewisses Ritual. Und deswegen tat man es auch in den eigenen Räumen wo man geschützt war und genug Zeit hatte. Die Leichen waren leicht wegzuschaffen, gerade in einem Land wo es genug Sklaven gab die immer wieder verstarben. Das Problem war das Blut das in großen Mengen fließen musste. Der Geruch war prägnant und schwer zu entfernen wenn man nicht von Anfang an Vorsichtsmaßnahmen traf. Ob die Dunkelelfen diese nicht trafen weil Khaine darüber verärgert wäre, oder aber weil sie es so wollten, konnte Rhisdil nicht sagen. Was er aber sagen konnte war das sie den Geruch jedes Mal mit Weihrauch überdeckten. Bei den anderen vier Städten war es das gleiche gewesen. Er war sogar leicht enttäuscht. Etwas mehr Abwechslung und Einfallsreichtum hätte ihm sehr imponiert.
    Dank des Geruches fand er schnell einen etwas abgelegenen Raum der als eine Art Vorhalle diente. Hinter einem wuchtigen Kleiderschrank der sich unheimlich leicht verschieben ließ war eine weitere Tür. Sie war schwer und aus Eichenholz, was alles andere als leicht zu bekommen war in Arabiner. Da war wer ganz schön großzügig. Auffällig war der fehlende Knopf an der Tür. Zwar war bei den Arabiner das nicht üblich, sehr wohl aber bei den Elfen. Gerade bei denen die auf Zwerge zurückgreifen konnten die wirklich wunderbar Metalle bearbeiten konnten. Mit leicht gerunzelter Stirn fragte er sich selbst seit wann er ein so großer Bewunderer der kleinen Felsenwühler geworden war. Unter den Hochelfen war es eher verbreitet die Zwerge als Rohlinge zu betrachten. Und in den Kreisen wo Rhisdil verkehrte nannte man sie noch viel schlimmere Dinge und erinnerte sich nur zu gern an den Krieg der Abrechnung. Oder Bartkrieg wie die Zwerge dazu sagten. Vielleicht lag es ja daran das er nun schon so lange von seiner Heimat weg war. Meistens allein in der Alten Welt, meistens nur mit Menschen beisammen. Das öffnete den Geist und gab ihm die Möglichkeit andere Blickwinkel anzunehmen. Außerdem war er an sich schon immer leicht zu begeistern gewesen.
    Rhisdil legte eine Hand auf das Holz und konzentrierte sich. Wenn man an die Winde der Magie dachte stellte man sich immer etwas Spektakuläres vor. Schwarze Linien die auf grausame Ereignisse hinwiesen. Helles strahlendes Licht das die Wege eines heiligen markierten. So etwas gab es zwar, doch dann musste wirklich ganz schön was passiert sein damit ein solcher Abdruck blieb. Im Normalfall war es nur eine leichte Veränderung und die war schwer mit Farben zu vergleichen. Das taten nur die Menschen um es sich besser vorzustellen. Für Rhisdil war es vielmehr so dass er die Winde der Magie, schmeckte. Ihre Veränderung, wie sie waren und was sie darstellten. Er hatte es nie geschafft es jemanden zu erklären wie er es fühlte. In seiner Kindheit hatte ihn das immer gewaltig gestört das die Dinge die er gerne sagen wollte, niemals die Worte die Bekleidung fanden die sie brauchten. Rhisdil hatte meistens eher herumgestammelt und war so sehr schnell als zurückgeblieben abgestempelt worden. Deswegen war er auch zu den Schwertmeistern geschickt worden. Was ihn bis heute wurmte, nicht weil er die Fechtschule nicht mochte oder gar hasste. Es war nur so das Rhisdil nicht begreifen konnte warum es niemanden gab der genauso wie er die Winde war nahm. Es musste doch hunderte geben, bei der Vielfältigkeit der Magie.
    Er zwang sich die Gedanken aus einem Kopf zu verbannen. Er brauchte Konzentration. Das Holz war tief durchdrungen von einer Melancholie. Es sehnte sich zurück nach den Eichenwäldern seiner Heimat wo es geboren war. In den düsteren Wäldern wo selten licht auf den Boden fiel. Wo hunderte Tiere sich in seinem Schatten nisteten. Dorthin wollte es zurück. Wieder ein Teil von diesem Land sein und wie aufgehen als neues Lebewesen. Es erinnerte sich daran gefällt worden zu sein, zerschnitten und neu erschaffen. An gewaltige Reisen durch die Welt die es immer weiter von der Heimat forttrieben. Bis es schließlich, mit Rosenquarz geräuchert und mit einem Wachs beschichtet in diese heiße Klima gekommen war. Wo niemals der Boden gefror und wo die Sonne auf alles schien. Irgendwo dort hatte man ihm mit kalten, schweigenden Stein festgemacht. Der nicht redete und auch nicht zuhörte. Dessen Wille langsam und stetig war und dem die Sonne und der Regen egal war. Der nicht durchdrungen war vom Wachsen und zerfallen, sondern einfach nur vom stoischen zwang der Existenz. Für Rhisdil roch die Tür nach einen Herbstregen. Er sprach kurz in seinem Geist, dann öffnete sie sich. Es gab keinen verborgenen Mechanismus oder sonstiges, die Tür ging bei der Berührung von den richtigen wesen auf. zwar gehörte Rhisdil nicht zu den richtigen Wesen, doch der Tür war das egal. Er hatte dem Holz zugehöhrt und darauf kam es an. Liebend gerne würde er ihn zurückbringen in seine Wälder, doch das wäre ihm nur schwer möglich.
    Rhisdil löste seine Hand von dem Eichenholz und kehrte zurück in die Wirklichkeit. Hinter der Tür offenbarte sich ein Raum der doppelt so groß war wie der in den Rhisdil gerade stand. Es war bis auf den leichten Lichtstrahl der von der Türöffnung kam dunkel. Rhisild trat ohne Zögern ein und blickte sich um. Seine Augen waren die Dunkelheit noch nicht gewohnt weswegen er am Anfang auch nichts sah. Aber es genügte ihm um herauszufinden das noch jemand im Raum war. Als wäre es eine Nebensächlichkeit griff er zu dem griff seines Zweihänders. Soglos machte er ein paar schritt tiefer in den Raum und tat so als hätte er nichts bemerkt. Gegen Dunkelefen war das die beste Taktik die es gab. Sie griffen liebend gerne aus den Schatten an. Und da sie sich meistens maßlos selbst überschätzten zogen sie es gar nicht in Betracht das man sie entdecken könnte. Und weil gerade Hochelfen nur verweichlichte Idioten waren war es nicht auffällig wen Mann unbekümmert in der Todesgefahr herumspazierte. Rhisdil würde wetten das selbst wenn er zu pfeifen anfing niemand Verdacht schöpfen würde.
    „Hilfe“. Rhisdil blieb wie angewurzelt stehen. Das war jetzt neu. Er hatte noch nie Dunkelelfen Hilfe rufen hören, am wenigsten in der Sprache der südlichen Menschenstämme. Die Zischlaute die mit dem Wort gekommen waren sagten aus das es nur ein Druichi sein konnte. In ihrer Sprache war Hilfe und Danke kein sehr weit verbreitetes Wort und wurde allgemein als Schwäche angesehen. Und schwäche durfte bei den Dunkelelfen nicht vorkommen. Rhisdil wog schnell seine Optionen ab. In einem Treffpunkt der Druichi wo er gerade das Opferungszimmer untersucht fragt jemand nach Hilfe. Da die Dunkelelfen normalerweise nicht lange Fackeln was ihre Gefangen angingen, war es wahrscheinlich dass man ihn nur verwirren wollte. Gerade weil die Stimme den typischen Dialekt eines Dunkelelfen hatte. Rhisdil schob sich langsam in die Richtung von wo er den Schrei gehört hatte. Während er seinen ganzen Körper lockerte und zum Springen und rollen bereit machte benutzte er seine angeborenen Fähigkeiten der Magie. Der Raum war stark durchzogen von dem Geruch von Fäulnis. Dieser moorige Geruch wo langsam Lebewesen zersetzt wurden aber nichts daraus entwuchs. Es nahm beinahe den gesamten Raum ein. Es zerfraß kurzerhand alle anderen Gerüche und machte ihn Orientierungslos. Rhisdil zwang sich noch tiefer in die Fäulnis einzudringen und noch mehr davon aufzunehmen. Soviel das ihm schlecht wurde und der leichte Blutgeschmack schlagartig erhöht wurde. Tief drinnen bemerkte er dann die restlichen Nuancen die den Raum durchzogen. Geriebenes Steinsalz und verbrauchte Magie. Glaube und die Liebe zum Hass. Es war vielfältig das Rhisdil beinahe den Überblick verlor. Das wichtigste konnte er jedoch feststellen. Es gab keine falle und nur eine einzige Person stand genau bei der Wand.
    Er sprang weit nach vorne und landete einen Schritt von dem Druichi entfernt. Seinen Zweihänder hielt er mit der Spitze nach unten um eventuelle Klingen abzuwehren. Seine rechte schoss nach vorne und packte den Dunkelelfen an der Gurgel. Er drückte zwei Punkte am Hals und der Körper seines Gegners erlahmte. Das würde ihm Zeit verschaffen. Rhisdil hatte Jahrelang verschiedenste Techniken gelernt seinen Gegner zu besiegen ohne ihn zu töten. Etwas was die meisten Schwertmeister mit einem Kopfschütteln quittieren. Sinnlos und nicht zielführend. Der Grundsatz war wer zu der Waffe griff musste damit leben auch zu sterben. In seiner Vorstellung ging es aber nicht ganz ein das er jeden umbringen musste der gegen ihn kämpfte. Jedenfalls am Anfang. Heutzutage nutzte er die Techniken um Dinge in Erfahrung zu bringen und Leute zu verschleppen. Es gab fast keine Möglichkeit seine Gegner am Leben zu lassen da die wenigsten auf Frieden aus waren.
    Er lehnte sein Schwert an der Wand und konzentrierte sich wieder auf die Winde. Er nahm einen ganz primären Geruch heraus der unglaublich stark nach Rauch und Wärme roch. Er schnalzte mit der Zunge und ein Feuerball erschien über seinen Kopf. Es blendete ihn kurzzeitig da sich seine Augen schon fast an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Seinen Gegner traf es aber noch weit mehr. Schreiend versuchte der Dunkelelf seine Augen zu bedecken und fluchte in seiner Muttersprache. Für Rhisdil nur schwer zu verstehen durch den stark verschoben Dialekt. Sobald sich seine Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten nahm er seinen gefangen näher in Augenschein. Dabei fiel ihm auf das der Druichi auch schon vor ich ein Gefangener war. Eisenkitten hielten seinen Hände und Beinen die Wand und gab ihm fast keinen Spielraum. Das lange Hemd das er trug und sein einziges Kleidungstück war hing in Fetzen von seinem blassen Körper. Man hatte ihn nicht wirklich gefoltert, es hatte sich wohl einfach jemand einen Spaß gemacht ihm ein paar ordentliche Schläge zu verpassen. Und sein Messer an den Rippen zu schärfen. Sie mussten ihn wohl schon längere Zeit hier festhalten. Warum war aber fraglich. „Was machst du hier“? Etwas anderes fiel Rhisdil gerade nicht ein. Der Gefangene blinzelte und stammelte irgendetwas vor sich her was Rhisdil nicht verstand. Er lehnte sich solange gegen die Mauer bis sich sein Artgenosse soweit erholt hatte. Dass er ihn mit dem Griff am Hals zusätzlich geschwächt hatte nahm ihn mit. Er gab es nicht gerne zu, doch der Widerwille anderen etwas anzutun war immer noch in ihm. Einerseits seine größte Stärke als auch eine gewaltige Schwäche.
    „Wasser“. Er kam der Aufforderung seines Vetters unverzüglich nach und nahm seinen trinkschlauch vom Gürtel. Zwar hatte der Dunkelelf nicht so gewirkt als wäre er kurz vor dem verdursten, aber manchmal half etwas Freundlichkeit die Gräben zu überwinden. Er ließ den Elfen trinken. Zuvor zog er aber mit der linken einen schmalen, Dolch der so lang war wie sein kleiner Finger. Sollte er irgendetwas versuchen würde es sein letzter Schluck sein. Doch zu ihrem beiden glück wollte er wohl wirklich einfach nur seine Kehle befeuchten. Nach dem vierten schluck nahm er den Schlauch wieder weg und befestigte in an seinen Gürtel. Der Dunkelelf seufzte erleichternd und nickte ihm zu. „Danke“. Rhisdils Augenbrauen schraubten sich nach oben. Das hätte er jetzt nicht erwartet. Die Elfen aus Naggraonth gehörten nicht zu den Völkern wo man gerne und oft Danke sagen konnte. Wenn dann nur als Speichellecker oder aber weil man Zynisch sein wollte. Ein neuer Geruch eroberte seine Nase. Es roch nach Kälte, aber keine Eisige. Eher wie im Winter ein Meer roch. Nass und kalt, aber klar und offen. Rhisdil steckte den Dolch wieder ein. Bei diesem Mann würde er keine Waffe brauchen. Ein Blick auf die ketten ließ ihn aber umdenken. Er brauchte doch welche. Er packte seinen Beidhänder und mit einem geschickt ausgewogen Schlag zerstörte er die Ketten. Der Dunkelelf zuckte sichtlich zusammen und stieß ein ängstliches schnauben aus. Vielleicht hätte Rhisdil ihn zuvor warnen sollen. „Tut mir leid, ich wollte euch nicht erschrecken“. Sobald sich der gefangene wieder entspannt hatte begann er die restlichen ketten zu zerschlagen. Er brach auf den Boden zusammen und hielt sich gerade noch so auf die Knie. Es musste schon eine Weile her sein seit der Mann seine Beine das letzte Mal bewegt hatte. Rhisdil setzte sich zwei schritt neben ihm und ließ ihn erst einmal wieder Luft schnappen. „Warum hilfst du mir“?
    Das war eine gute Frage. Er sollte eigentlich alle Dunkelelfen in diesen Gemäuern töten und der Gefangene war ein Dunkelelf. Durch und durch. Nur aus irgendeinem Grund hatten sie ihn auch an diese Mauer angebracht. Und warum tat man so etwas wenn nicht aus, naja, persönlicher Abneigung. Und wen Sklavenjäger nicht mochten war gemeinhin kein schlechter Kerl. Meistens. Rhisdil musste sich entscheiden was er tun wollte, doch eigentlich hatte er das schon. Er würde kein wehrloses Töten. Und ihm kam der Gedanke das der Mann eine Chance wäre. Und Rhisdil war bekannt dafür jeden Strohhalm zu ergreifend en er packen konnte. Selbst wenn er damit alles riskierte. Sonst hätte er sich auch nie Daleszin angeschlossen.
    Also antwortete er mit einem Lächeln: „Wir sind doch beide Elfen oder? Und es wird einen Grund gegeben haben warum sie dich an die Wand gekettet hatten. Und ich hoffe wir beide können uns da vielleicht ein bisschen einigen. Außerdem, „seine Hand zeigte auf die nun offene Holztür“, muss du mir beim Tragen von einem Neuen Freund von mir helfen“.










    Im Jahre 2524, mehr als einem Jahr nach dem Sturm des Chaos herrschte ein bedrohliche Ruhe über die Welt. Man hatte Überlebt und durfte sich weiter seines Lebens erfreuen. Im gleichen Moment erinnerte man sich jedoch an die Bedrohung die allzeit vorhanden war und nur wartete wieder hervorzubrechen. Ich selbst kann mich noch gut an die Kreaturen erinnern gegen die ich und die meinen gekämpft hatten. Während meine Brüder unser Heiliges Land verteidigten vergossen wir unser Blut um den Menschen beizustehen. Es war eine harte Zeit die wir durchmachen mussten, sowohl die Kämpfer als auch das ganze Volk. Dieses Schriftstück soll aber nicht von einem alten Kämpfen und seinen Leiden handeln. Dafür reicht das Papier nicht und ohnehin ist die Hälfte aller Schlachten schon fast vergessen. Es geht um etwas mehr, etwas das sich schon seit Jahrhunderten in meinen Kopf gebrannt hatte. Etwas was noch mit meinem Urgroßvater zu tun hatte. Ich hatte das Glück ihn noch kennen zulernen. Jetzt wo mich die meisten als einen der Ältesten ansehen klingt es beinahe Komödienhaft, doch noch heute fühle ich mich wie ein junger Knabe wenn ich an ihn denke. Er Kämpfte damals als junger Krieger in unserem Blutigsten Krieg aller Zeiten. Im Krieg der Vergeltung wie ihn die Zwerge nennen. Die Toten von damals füllen heute das fruchtbare Land Betonias und des Imperiums. Es war eine glorreiche Zeit wo unser Volk die gesamte Welt beherrschte und wir zu den mächtigsten Völkern zählten. Selbst das Chaos wagte es nicht an unsere Pforten zu klopfen. Mit dem Krieg und dem ewigen Zwist unserer dunklen Brüder ist aber dieses Reich zerbrochen. Es war einmal. Das was jetzt ist, nichts weiter als der Torso eines Körpers. Der Rumpf ist noch enthalten, doch die Gliedermaße wurden abgeschlagen.
    Und ähnlich wie in dieser Metapher verharrten wir auch so. Unserer Glieder beraubt blieb uns nichts anderes übrig als zuzusehen und soweit es ging unseren Rest Körper erhalten. Expansion und Erweiterung war nie ein Thema. Nun, mein Urgroßvater erzählte mir noch von unseren prachtvollen Städten in der Alten Welt. Und auch davon wie sie die hinterhältigen Zwerge Niederrissen und zerschlugen. Genauso berichtete er mir von unseren Verwandten in Athel Loren, die zu Wilden Wächtern des Waldes wurden und der Zivilisation abschwörten. Ich sah die tränen in seinen Augen und den Alten schmerz der ihm beinahe Dreijahrtausende quälten. Damals entschied ich etwas dagegen zu unternehmen. Natürlich mit der Uneinsichtigkeit der Jugend und einer Sturheit die nur in den Tod führen konnte. Es brauchte Jahrhunderte und endlos viel Schlachten bevor ich die Wahrheit herausfand. Es brachte nichts endlose Scharmützel gegen die Druichi zu führen und zu hoffen dass wir sie irgendwann besiegen. Es brachte nichts die Menschenstämme zu unterstützen und zu hoffen mit ihnen das Chaos und alle anderen unheilvollen Kreaturen zu vernichten. Ja, die Wahrheit war und ist, nur durch uns kann die Welt gerettet werden. Nur dann wenn die Hochelfen wieder ihren alten Platz einnehmen. Doch wir können nicht so weitermachen wie bisher. Es wird Zeit die Welt zu verändern. Und dazu müssen wir endlich die Alten Wege verlassen und uns eingestehen dass wir es alleine nicht schaffen. Die Hochelfen so wie sie jetzt sind, werden es nicht schaffen. Dazu braucht es alle Elfen die sich von uns abgespalten haben. Wir müssen sowohl Nagarond wie auch Athel Loren in das Reich zurückbringen und es unter dem Phönix König vereinen. Die Möglichkeiten sind bei den Göttern begrenzt. Wie sollen wir unsere Dunklen Vettern jemals wieder ins Reich anschließen, wenn ihr Geist so verdreht und voller Gelüste ist? Wie die Wildheit und auch Bosheit unsere Vetter in den Wäldern beseitigen?
    Ich hatte Jahrhunderte damit zugebracht nach Verbündeten in diesen Reichen zu suchen. Und ich fand sie. Ich will keine genauen Zahlen nennen, doch es sind mehre hunderte Dunkelelfen und Waldelfen die sich meiner Sache angeschlossen hatten. Sie verließen größtenteils ihre Reiche und schlossen sich meiner Unternehmung an. Zur Erinnerung ist es wichtig das man sich vor Augen hält das auch die Hochelfen ihre Heimat verlassen mussten. Kein Elfen Volk möchte mit dem anderen praktizieren. Dabei wollen wir alles dasselbe, wenn auch teilweise verdreht. Auf der Suche nach einer neuen Heimat reiste ich in die Alte Welt. Dort war es weniger wahrscheinlich einen Konflikt mit meinen eigenen Brüdern führen zu müssen. Wir landeten in Estalia und Siedelte bei einer alten Ruine. Dank der Chaotischen Lage des Landes gab es keine Schwierigkeiten. Die Menschen griffen uns nicht an weil wir das Land in Besitz nahmen, vielmehr sahen sie uns als Lukrative Handelspartner und Mitstreiter gegen die Orks. Was mir jedoch gleich bei der ersten Begegnung aufgefallen war, sie bewunderten uns. Ich nahm es zu Beginn einfach hin, denn, ging es nicht allen Menschen so? Jedoch verstärkte sich in den darauffolgenden Monaten die Vermutung dass es mehr als Bewunderung war. Sie versuchten unsere Art nachzuahmen, versuchten unsere Sprache zu erlernen. Es waren Kleinigkeiten, selbst unsere Art zu Essen und zu Atmen wurde nachgeahmt. Es war gewaltig wie sich diese Einzelheiten zu einem großen Ganzen häuften. Und so kam mein Zweiter Plan zu Stande. Mein erster beinhaltete zuerst den langsamen Zusammenschluss. Durch die Zeit und Überzeugung würden mit der Zeit immer mehr Elfen gegen das bekriegen und Anfeindung untereinander vorgehen. Ich hatte erträumt das Malekith einen Kriegszug befahl und niemand folgte. Ja, so naiv war ich. Ich erhoffte mir dass es sich von selbst regelte. Das, was ich dem Phönixkönig und Ultuhan allgemein vorwarf wurde von mir genauso begangen. Ich war Träge und wollte nicht aktiv handeln.
    Mein Plan endete mit Verbannung oder der Flucht aller die sich offen zu meinem Plan bekannten. Auch wenn ich es nicht will, so sage ich doch die Zahl jener die sich in Estalia zu damaliger Zeit befanden hatte. Wir waren fünfhundertvierunddreißig Hochelfen, dreihundertachtundsiebzig Waldelfen und sechshundertzwanzig Dunkelelfen. Ja, es gab und gibt mehr Dunkelelfen als Hochelfen in dieser neuen Kolonie. Und es funktionierte. Doch wie gesagt das reichte nicht. Also kam mein zweiter Plan zu Stande wo ich zentral die Bewunderung der Menschen hervorheben muss. Durch sie und nur durch sie, werden wir als Weltreich wiederauferstehen. Und Estalia war der Anfang.
    Geschrieben von Daleszin, hochverehrter Krieger und Berater des Phönixkönigs, gefallener und verbannter, wieder aufgenommener durch seine Taten für den Erhalt des Elfen Geschlechts.
    Geändert von Forget (13. June 2017 um 19:29 Uhr)
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

  5. #55
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    also ich muss jetzt hier mal einen komentar da lassen:
    SUPER !! mir fällt gerade kein höheres lob ein, um zu sagen
    wie gut ich diese geschichte finde!!
    es kommt mir so vor als ob ich einen guten alten freund wieder
    getroffen habe: nämlich das gute alte warhammer fantasy setting!
    ich habe von anfang an mich sofort dort wiedergefunden, und so wie
    du die story weitergeschrieben hast (nach sturm des chaos, zwerge
    wollen ihr reich zurückerobern, bürgerkrieg in bretonia usw) kam es mir
    beim lesen immer mehr so vor, dass das hier quasi die "offizielle" story
    ist, die einfach weitergeschrieben wurde!
    DANKE! es hat super spaß gemacht und dank der vielen angefangenen
    heldengeschichten hab ich einfach nur noch lust mehr zu erfahren!
    das war die letzte geschichte? :-( ich kanns vom aufwand her verstehen,
    aber ich will schon wissen, wie es weitergeht ...

    hast du noch mehr geschichten geschrieben? dein schreibstil ist super
    und falls du es noch nicht getan hast, dann schreib weiter!! so eine begabung
    darf nicht einfach so verkommen lassen!

    noch mals: besten dank für diese super tolle und lange story!!

    gruß iceland

  6. #56
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    Vielen Dank, du glaubst gar nicht wie sehr mich dein Kommentar gefreut hat!
    Um vorweg zu nehmen, die Geschichte selbst geht noch weiter. Sie wird zwar gekürzt werden, da ich mir einen größeren brocken zusammengedacht habe als das ich ihn auch schreiben könnte.
    Aber ich möchte es endlich hinter mich bringen und nicht halbfertige Geschichten hinter mir sammeln.
    Ich versuche einfach jeden Dienstag einen neuen teil zu posten bis das ende in Sicht kommt.

    Nochmals herzlichsten dank für dein Kommentar
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  7. #57
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    am Dienstag gehts weiter?!?! also heute!! juhu!!!

  8. #58
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    Standard Da große Chef

    Jörk hatte sein finsteres Gesicht aufgesetzt. Nicht dass er ein Liebenswürdiges hätte Aufsetzen könnte. Das funktionierte einfach nicht mit seinem Gesicht. So gesehen lag es den Orks in der Wiege grimmig dreinzuschauen. Doch es gab die ganz leichte Grenze zwischen finster und verdrießlich. Im Moment war sie Finster. Wirklich finster. Eigentlich hätte sein Kriegszug jetzt stattfinden müssen. Mehr als Siebzigtausend Spalta, was eine gewaltige Menge war. Es war etwas weniger wie vorhergesagt, doch das war klar. Es blieben immer Orks auf der Strecke. Mit dieser Kampfkraft hatte er das wohl größte Orkheer im Weltangebirge. Sein Problem war nur das er irgendwo im Norden herumhing. Genau zwischen Karkz dingsbums oder wie die Stadt der Zwerge hieß und der Festung vom alten Grimgork. Die Orks nannten sie immer noch so, auch wenn der Eisenpelz sich schon lange nicht mehr hat blicken lassen. Jedenfalls hatte er das größte Ork Heer. Die Gobbos zählte Jörk nicht mit. Nicht weil er sie nicht wichtig fand, nur gab es keinen anderen dem das wichtig war. Schamanen mit eingeschlossen. Also hatte es ihm genügt einen Blick auf das Goblin Lager zu werfen. Nach seiner Einschätzung war es ein riesiger Haufen. Zusammen mit den neuen Nachtgoblins hatte er allein mit ihnen eine Streitmacht um dem gesamten Imperium ganz schön Angst einzujagen. Aber die Menschlinge Interessiertn Jörk nicht. Er wollte mehr. Nur was wollte er? Das war eine Frage die er sich ungern stellte.
    Zuerst war er einfach nur der Boss gewesen und war zufrieden damit. Doch was sollte er jetzt weiter tun? Er könnte einfach drauflos Plündern und alles zerlegen. Doch genau das machten die weniger Intelligentn Orks auch. Er wollte etwas machen was seinem Volk im Gedächtnis blieb. Wo man Rückblickend meint „Ja, dat war Jörk der hat dat und dat gemackt un ordentlick gemoscht“. Die Menschn würden sagen er wollte bewundert werden. Einfach weil etwas tat was noch kein Ork getan hatte. Am nächstliegenden war ihm da eine Zwergenfestung eingefallen. Und zwar nicht nur irgendeine. Die Hochburg wo die komischen Stumpn mit Roten Sicheln auf den Kopf herkamen. Wenn er es schaffen würde, das einzunehmen, dann hätte er alles erreicht. Egal was alles passieren würde, seine Taten wären unvergessen. Deswegen hatte er alles zusammengesammelt was er hatte und brauchte. Von Ogern bis zu den Nachtgoblins. Riesen hatte er keine gefunden, die hatten die Gegend schon vor mehr als dreißig Jahren verlassen. Dafür hatte er wieder ein paar Schamanen gefunden. Was jetzt aber auch keine große Kunst war. Sie wurden von großen Orks und Goblin Massen angelockt wie Fliegen von einem Haufen Trolldung. Wenn Gork und Mork auf ihn herabblicken würden, auf diesen ehemals kleinen schwächlichen Moscha, der die Zwerge aus ihren Festungen trieb, dann würde er für ewig im Grünen Reich als mächtige Wargghhboss existieren. Nur gab es ein ganz kleines Problem, das er nie so wirklich beachtet hatte. Die Jungz wollten alle Moschen und waren schon ganz heiß darauf endlich loszulegen. Wenn er also nicht gleich anfing den Kriegszug auszurufen, würde es unter seinen Leuten viel Blut fließen. Gleichzeitig wollte sich aber keiner wirklich in Bewegung setzen da auch niemand wusste wohin. Er hasste sich selbst dafür, aber er hatte keine Ahnung wie er die Festung der Stumpen angreifen konnte. Er hatte sich gedacht sie einfach in die Zange nehmen würde schon klappen. Die Orks griffen zusammen mit den Ogern das Tor an. Und unterirdisch versuchten die Nachtgioblins sich durchzubeißen. Jetzt wo es soweit war kam er aber darauf dass eigentlich niemand genaueres wusste. Weder wo das Tor war oder geschweige die Stärke. Nicht einmal die Nachtgoblins wie sie in die Zwergenstollen kamen. Und die lebten praktisch in ihnen. Jörk gab es ungern zu, doch er hatte Angst. Es schien so als würde seine ganze Unternehmung darauf auslaufen dass er es genauso machte wie seine ganzen Vorwarrrghhchefz. Dämlich hinlaufen und mal gucken ob sie durchkamen.
    Jörk wollte das nicht. Wollte nicht sein wie die Dummköpfe die er sein ganzes Leben verachtet hatte. Und bewundert wenn er ehrlich war. Ja er wollte auch der große Ork sein der ohne Probleme einen Jungen Baum durchbiss weil er einfach Lust hatte. Ihm selbst blieb aber nur zu versuchen niemals zu nahe zu kommen, da ihn sonst die anderen Orks niederkloppen würden. Durch Zufall und Glück hatte er es geschafft ein Orkchef zu werden. Kein großer und auch kein wichtiger. Aber er hatte es geschafft das Orks die zwei Köpfe größer waren als er ihm gehorchten. Aber was hatte es ihm gebracht? Wäre diese merkwürdige Frau nicht aufgetaucht, dann hätte er niemals einen wirklichen Kriegszug einleiten können. Dann wäre er einfach nur ein kleiner Schwächling in seinem Versteck gewesen. Jetzt war er es nicht mehr und konnte sich endlich beweisen. Aber wie sollte er das schaffen? Es fühlte sich nicht richtig an wie andere Orks einfach einen Frontalangriff zu befehlen und anzugreifen. Er wollte anders sein und genau das zum Tragen bringen was ihn bis hierher gebracht hatte. Sein Cleverer Verstand. Nur wie machte er das den anderen Orks klar dass er zuerst noch mehr Wissen über die Wehrstadt sammeln wollte bevor es den Stumpen an den Kragen ging?
    Gar nicht war die Antwort. Dafür waren seine Artgenossen einfach fiel zu Blöd. Zu dumm um zu kapieren das man auch auf andere Wege siegen konnte, sogar so dass es wirklich Spaß machte. Und nicht das man den halben Stamm Opfern musste um nur einen blöden Felsen zu erobern. Das war die wohl größte Schwäche in seinem Volk, das einfach alle zu belämmert waren um zu kapieren das sie sich in den Tod warfen. Jörk rieb sich genervt die Nasenwurzel. Solche Gedanken hatten immer schon in ihm gebrodelt und nun fanden sie endlich hinaus. Nur kam er drauf das es niemanden gab die er sie hätte erzählen können. Entweder es würde niemanden interessieren oder sie waren zu doof um ihm zu folgen. Jörk hatte sich selten so einsam gefühlt. Seufzend hob er sich aus seinem Thron der immer noch ein ungeschlachtes Stück Holz war und verließ das Zelt. Vielleicht würde ihm ja ein bisschen Bewegung auf andere Gedanken bringen. Sobald er die Plane seines Zelts aufriss kam ihm der geballte Gestank des Orklagers entgegen. Ein süßlicher Geruch der irgendwie Aggression mittrug. Jörk wusste das unter den Goblins das Gerücht kursierte das es unter den Menschen brauch war Orks Lebendig zu verbrennen. Die Knochen die davon überblieben wurden dann zermahlt und zu Pulver verarbeitet. Scheinbar schnupften die Menschen Krieger es dann um die Kampfkraft und Wut der Orks zu erhalten. Das war aber genauso eine Geschichte wie die vom Goluk Goblinstamm der in einer Nacht einen ganzen schlafenden Riesen vertilgt hatte. Der dann erst dann aufwachte als er nur noch aus einem Kopf bestand. Jörk weigerte sich deswegen so einen Schwachsinn zu glauben. Das Körnchen Wahrheit das dahintersteckte war das die Ork Ausdünstungen Aggressionen verbreiteten. Ob bei Tieren, intelligenten Lebewesen oder sogar Pflanzen. Ihm kamen die Brennesel die überall im Lager aufbrachen etwas bösartiger und juckender vor als die normale Variante. Aber vermutlich bildete er sich das nur ein.
    Da Orks an sich nicht viel von Organisation hielten waren meist auch die Lager ein riesiger Saustall. Wenn sie wenige waren. Durch die Dominanz eines einzigen Orsk wurden die meisten gezwungen halbwegs ordentliche Lager aufzuschlagen. Das funktionierte auch dadurch dass sich die größeren Orks in der Nähe des Chefs ansiedelten. Danach kam es ringweise zu Abstufungen bis schlussendlich die schwächsten Orks drankamen. Die Goblins waren eine Ausnahme. Da sie kein Ork wirklich ernst nahm siedelten sie sich einfach Wild im ganzen Lager an. Da sie aber dadurch Gefahr liefen bei den täglichen Kloppereien zerquetscht zu werden blieben die meisten unter sich und bildeten eigene Lager. Dank seinen Bemühungen war das ganze halbwegs ansehnlich. Da der Platz trotzdem zu knapp war hatte er ein paar neben Lager begründet die auch das Hauptlager abschirmen sollten. Niemand konnte ihn angreifen ohne sich zuvor von mehreren tausend Orsk aufhalten zu lassen. Und dann käme schon der Gegenangriff. Jörk war mehr als Stolz auf sich die schwäche eines großen Orkheeres ausgemerzt zu haben. Verwirrung und Überraschung waren zwei Sachen die der Orkverstand meistens mit Aggression begegnete. Da war den meisten egal was sie kloppten und wenn es die eigenen Leute waren. Jörk hatte das zu oft erlebt als das er das Risiko eingehen wollte. Es hellte sein Gemüt auf das er schon jetzt gezeigt hatte dass er klüger war als die anderen Warrghhchefs. Nicht das er es nicht wusste, aber die Bestätigung tat gut.
    Das Lager selbst war gerammelt voll. Zwar war gut die Hälfte unterwegs und jagte und sammelte irgendetwas, der Rest aber saß einfach da und würfelte oder hörte einem Ork zu der mit seinen Fäusten ein paar Trommeln schlugen. Und zwar so als wäre er mitten in seine Schlacht und die Trommeln seine am Boden liegende Feinde. Dabei war meistens ein Ork der ein Holz hielt an dem Trollhaare gespannt waren. Wer glaubte dass sein Volk nur zum Prügeln auf der Welt war hatte sie noch nie musizieren sehen. Mehre seiner Artgenossen die ihn bemerkten folgten ihm. Zuerst hatte Jörk das Verhalten argwöhnisch beäugt und die ganze Zeit auf einen Spalta in seinem Rücken aufgepasst. Bis er sich erinnerte das die orks an sich ihren Anführern immer hinterherliefen. Das gehörte einfach dazu. Er glaubte das sie es nicht einmal absichtlich taten sondern einfach hinterherrannten weil der Trieb es ihnen befahl. Am Ende folgten ihm am jeden Tag mehre dutzende bis über hundert Orks. Eine durchgehende Leibwache die sich selbst organisierte und Imme rum ihm herum war. Jörk hörte gerade mehre Herrscher vor Neid schreien. Er hatte veranlasst das durch das Lager mehre große Wege führten. Die Streifen waren komplett Zelt frei und von tausenden Füßen niedergetreten worden. Es gab fünf davon die allesamt von seinem zelt ausgingen. Sie machten zwar Biegungen und wurde mal schmäler oder breiter. Jeder von ihnen führte aber dann aus dem kleinen Tal hinaus und führte zu den nächsten Pässen. Fernmelder hatten so die Möglichkeit schnell zu ihm zu gelangen und mussten sich so nicht nur einen Zelt Wald kämpfen. Ziellos entschied sich Jörk für den Pfad in den Süden. Langsam schwelgte er in seine Gedanken und musterte den klaren blauen Himmel. Es war ein schöner Tag, mitten in den Sommermonaten. Hier im Norden mitten im Gebirge war es nicht so heiß wie in den tiefer gelegenen Ländern Kislevs oder des Imperiums. Hitze hatte er noch nie gemocht. Schwitzen war etwas was Orks nicht so ganz beherrschten. Manche konnten es, die meisten bekamen nur ein paar Tropfen und manche konnten es gar nicht. Jörk gehörte zu der zweiten Gruppe, oder hatte dazu gehört. Seit seiner Verwandlung hatte sich auch da verändert. Seitdem war er nie ins Schwitzen gekommen obwohl er sich durchgehend Heiß anfühlte. Es war keine reine Körperwärme, es war wirklich Hitze. Als hätte jemand ein Feuer in ihm angefacht und würde durchgehend Holz nachschmeißen. Es tat ihm nicht weh, doch es war eigen. Er blieb mit seinen Gedanken an den Moment hängen wo sich alles für ihn verändert hatte. Diese merkwürdige Frau hat ihn verändert. Doch warum hatte sie das getan? Jörk war einfach zu intelligent als das er es als glücklichen Zufall abtun würde. Egal was sie ihm zu trinken gegeben hatte, es musste etwas sehr selten sein. Behutsam führte er seine gewaltige Pranke zu dem kleinen Beutel an seinen Gürtel. Darin befanden sich die restlichen zwei Gläser, gerade noch groß genug das er es mit zwei Fingern halten konnte. Ob sie ihn genauso verändern würden wie das erste konnte er nicht sagen.
    Schließlich war er jetzt um einiges größer und monströser als zuvor. Aber das war auch egal, er hatte nicht vor noch eins von den Dingern zu nehmen. Sie hatte ihm diese Geschenke gebracht damit er stark genug war um einen Warrrghh heraufzubeschwören. Genauso wie er jetzt gerade sich vor Jörk aufbaute. Aber warum wollte sie das? Sie hatte ihm keine befehle gegeben, keine direkten. Was hieß das sie schon ungefähr wissen musste was tun würde. Dass er ein Orkheer aus dem Boden stampfen würde war von Anfang an klar gewesen. Aber gegen wenn er es richtete sicherlich nicht. Oder war das sogar egal? War es einfach nur wichtig das er dort stand wo er stand? Jörks Kopf begann zu Hämmern. Er war es nicht gewohnt über jemanden nachzudenken dessen Handlungen nicht absehbar waren. Was wollte diese Frau? Und wer steckte dahinter? Jörk war diesen Fragen meistens ausgewichen weil er sich einfach keinen Reim darauf machen konnte. Es passte einfach nicht zusammen und war auch ein Grund weswegen er sich so zierte den Waarrrghh auszurufen. Er wollte keine Marionette sein, er wollte vor Gork und Mork als wahrer Ork stehen. Gork und Mork akzeptierten keine Orks die für andere Götter kämpften. Selbst wenn sie es nur unbewusst taten. Aber sie mochten noch viel weniger Zweifler und Weicheier. Egal wer dahintersteckte, er musste weitermachen. Also blieb nur noch die Frage wohin mit seiner Grünen Flut. Wenn er die Sichel Stumpen herausforderte brauchte er bessere Informationen über sie. Alles andere half nichts. Er könnte aber auch Richtung Rotaugenberg ziehen. Dort die Goblin Stämme unter sich bringen und dann weiter nach Kislev du ins Imperium stoßen. Menschen waren leichtere beute. Weniger starke Festungen, weniger gefährliche Feuerdinger, dafür aber viel mehr zum Moschen. Und man würde sich an ihn auch erinnern wenn er ganz Kislev platt machen würde. Nur befriedigte ihn das nicht einmal ansatzweise so wie wenn er die Stumpen Festung einnehmen würde.
    Es war ein einziges Dilemma.
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

  9. #59
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    Golmak rieb sich sein Wundes Hinterteil und marschierte beleidigt den Hügel hinauf. Hinter hallte es immer noch vom Gelächter seines Chefz. Kalgi war ein großer Ork und auch einer der wenigen die der Waarrrghhbozz zu seinen besseren Jungz zählte. Deshalb bekam er auch den Platz gleich neben der Bergkette wo er mit seinem Haufen den Übergang bewachen sollte. Golmak gehörte zu seinem Haufen und war auch ein großer Ork, nur eben nicht so groß wie sein Chef. War ja auch klar, sonst wär er ja der Chef und nicht Kalgi. Dann hätte er auch ihn auf diesem verdammten hang geschickt und ihm ordentlich mit einem Spalta den Hintern versohlt. Golmak hatte nur kurz seinen Blähungen freien Lauf gelassen. Genau in dem Moment wo Kalgi gerade einen neuen Späher schicken wollte. Und nun musste Go0lmak das machen. Er war sauer. Und beleidigt. Die anderen Jungz würden sich über ihn lustig machen. Und alle konnte er nicht kloppen ohne dass ihn dann Kalgi eine kloppen würde. Dat leben is nich gerecht hatte mal ein Kumpel von ihm gesagt. Und der hatte verdammt recht, jawohl, das hatte er.
    Auf seinen Weg nach oben trat der aufgebrachte Ork immer wieder Steine aus dem Weg die die Größe eines ausgewachsenen Orkschädels besaßen. Für einen ausgewachsenen Orkfuß war das mit zugehörigen Lederstiefeln mit eisen Nieten kein Problem. Das dabei kleine Lawinen losgelöst wurden die lautstark in das Tal hallten war ihm egal. Verstohlenheit war ohnehin nie eine Stärke von Orks gewesen und würde es vermutlich auch nie sein. Brachte sich also auch nichts sich da irgendwie zu bemühen. Golmak erreichte den Hang und trat noch einmal einen besonders großen Brocken auf dem weg. Dabei riss ihn eine Eisenverstärkung und seine drei größeren Zehen bekamen Bekanntschaft mit dem massiven Stein. Fluchend sprang er auf einen Bein. Dabei rutschte er aus und machte sich wieder klar wie hart der Spalta seinen verlängerten Rücken behandelt hatte. Halb jammernd, halb Fluchend nahm er den Stein und schmiss ihn soweit er hinunter wie es ging. Keine Zehn schritt ging der Felsbrocken nieder. Es machte ein leises plop, der Stein blieb einfach dort liegend. Wutschnaubend brüllte Golmak auf und rannte auf den Spähposten zu. Seine Wut an dinge auszulassen die nicht lebten war ziemlich langweilig und unbefriedigend. Diese Tatsache hatte Golmak rasch kapiert. Also beschäftigte er sich nicht mehr mit dem gefühllosen Stein sondern kümmerte sich stattdessen um die Wachposten die eine Prügel dringend nötig hatten.
    Mit der Angriffs Wut eines mit Pfeilen gespickten Bären rannte er in das Lager hinein, bereit dem nächsten Volldeppen das Hirn zu Brei zu hauen. Er sprang neben das Feuer, das flackernde Licht erhellte nur teilweise seine Tierischen und Diabolischen Züge. Er holte tief Luft, sammelte all seine Kraft in den Tiefen seines Körpers. Ein Ork sah ihn belämmernd dabei zu. Er saß gemütlich neben einen Stein und hatte den Mund weit geöffnet. In Golmaks Hirn machte es einen Knall und der Ork sprang nach vorn. Genau dorthin wo sich eine dickflüssige Flüssigkeit gesammelt hatte. Kurz wandelte sich die aufgestaute Wut in Überraschung. In einer Atemberaubenden Bewegung rutschte er aus und knallte mit voller Kraft auf den Felsen. Es trieb ihm die Kraft aus der Lunge und ließ ihn eine Zeitlang aussehen wie ein Fisch am Land. Mit Fangzähnen und einem Mund, so groß, um einen Reh den Kopf abzubeißen. Nichtdestotrotz machte er keinen heldenhaften Eindruck. Es gab nur eine begrenzte Anzahl von Dingen die ein Ork erleben konnte ohne dabei durchzudrehen und alles wegzumoschen. Das war einfach so und würde sich vermutlich nie ändern. Doch selbst sein vom Zorn vernebeltes Hirn fragte sich verdutzt woher diese glitschige Pfütze kam. Benommen hob er sich also hoch und blickte nach unten. Grünes Blut bedeckte den gesamten Boden. Seinen Ursprung nahm es aus dem offenen Brustkorb des Wachpostens. Dank der Dunkelheit hatte Golmak nicht bemerkt das sein Artgenosse schon das Zeitliche gesegnet hatte. Jetzt wo er es bemerkte kam auch der Geruch nach frischem Orkblut hinzu, mitsamt einem weiteren widerlichen Gestank. Golmak hatte ihn schon oft gerochen und jedes Mal wuchsen seine Adern an. Es roch nach Rattenmenschen. Grunzend zog er seinen Spalter und blickte sich um. Das Feuer flackerte vor sich her und verwandelte den Schatten in Lebendige Wesen. Langsam bewegte sich Golmak nach vorne. Die Knie leicht gebeugt, den Kopf gesenkt. Seine linke Faust war erhoben und schirmte seinen Kopf von links ab. Er hatte keinen Schild, also musste seine Hand seinen Schädelschützen. Er durchwanderte das gesamte Lager und fand insgesamt sieben Tote Orks. Im Gegensatz zu dem einen den er gefunden hatte waren ihnen allesamt mit einer schmalen Klinge die Kehle geöffnet worden. Einem hatte man mit einem Dolchstoß ins Auge getötet.
    In Golmaks Schädel arbeitete es, doch er kam nicht dahinter was das sollte. Rattenmenschen trieben sich nicht mehr oft in der Gegend umher. Als die Oger angerannt kamen hatten sie die meisten ehemaligen Bewohner verschlungen. Und als nicht mehr genug da war hatten sie angefangen in den Höhlen die Skaven plattzumachen. Die meisten Oger waren umgekommen oder zu Rattenogern verwandelt worden. Doch mehren Hunderte hatten sich in den Kavernen in der tiefe eingenistet und waren gefürchtete Rivalen der Skaven. Und da gab es noch diesen Schlächter mit den Verschlingern. Riesige Kreaturen die leise durch die Dunkelheit huschten und ganze Clans der Rattenmenschen verschlangen. Golmak war ein Ork wie es sich gehörte. Was viele aber nicht wussten das Orks auch sehr gerne miteinander redeten. Und gerade Geschichten übers kloppen kamen bei den Jungz immer gut an. Da diese riesigen Pelzträger aber größtenteils vertrieben worden waren gab es nicht mehr oft kontakt zu ihnen. Nur der Züchterklan prügelte sich hier und da noch am Rotaugenberg. Doch seitdem Eisenpelz nicht mehr da war hatte auch die Moscherei dort größtenteils aufgehört. Aber was wollten die dann hier? Golmak fand keinen der Skaven mehr vor. Nur die sieben Toten. Er prüfte noch einmal die Luft indem er zu schnüffeln anfing. Der dreckige Geruch dieser hässlichen Kreaturen war da, unverkennbar. Und er konnte sogar ihre Spur wittern. Einer von ihnen musste gerade einen neuen Pelz bekommen und ließ überall seine vom Sekret verklebten haare hinter sich. Selbst die Menschaz würden dem Geruch folgen können. Und erst recht ein Ork. Kalgi würde echt sauer sein wenn er hörte dass sieben seiner Jungz einfach so von den Ratten gemoscht wurden. Und das würde er an Golmak auslassen. Er ließ die Schultern sinken und spürten wie sein Hintern und sein Fuß zu pochen begangen. Allein der Gedanke an die Schmerzen machte seine Verletzten stellen wieder bemerkbar. Und er würde nicht einmal eine Skave mitbringen können um seinen Chef zu besänftigen. Dabei war es so einfach den Ratten hinterherzurennen, aber allein wäre das kein guter Moscher. Die würden ihn einfach in Stücke reißen und ihn fressen wie sie es mit allen toten taten.
    So machte sich der blöde Ork zum Abstieg und machte sich auf eine weitere Tracht Prügel gefasst. Als hätte sich jedoch ein barmherziger Gott erbarmt, keimte in Golmak ein Gedanke auf. Und mit ihm die Idee wie er sich davor bewahren konnte von dem Chef plattgemacht zu werden.


    Eine sternenklare Nacht im Weltangebirge. Südlich des Rotaugenberges schiebt sich eine lange Karawane aus flinken, nervös wirkenden Wesen Zwischen die Täler. Es war selten dass sie aus dem dunklen der Tiefe hervorkamen und selbst das Mondlicht war ihnen schon fast zu grell. Es waren knapp Tausend, keine große Streitmacht, aber genug um ein Geschenk zu überbringen. Zwischen zwei der letzten großen Kriegsklans im nördlichen Weltangebirge herrschen Verhandlungen. Beide stehen dem Züchterklan unter der den Macht Verlust der Rattenmenschen im Weltangebirge geschickt ausgenutzt hatte. Nun war er der stärkste Klan, mit mehr als ein Dutzend Kriegerklans die ihm die Treue geschworen hatten. Der Norden der Alten Welt gehörte ihnen und auch in ihrer Hauptstadt in den Zombiesümpfen hatten sie am meisten zu sagen. Doch die Skaven waren ein launisches Volk und bekriegte sich gerne untereinander. Um die Macht zu erhalten mussten die Klans unter ihnen zusammenhalten. Deswegen war einer der Klans dafür bezahl worden Frieden mit einem alten Feind zu führen. Mehre Wagen voller warpstein waren dem Klan geführt worden. Die zuvor aus dem Land der Trolle gewonnen warpsteinbrocken wurden nun freudig von dem Klan verschlungen. Im genug eskortierte er eines der kostbarsten dinge der Skaven. Es war ein riesiges Wesen, fast so groß wie ein Rattenoger. Doch es bestand nicht aus Muskel sondern vielmehr aus fett und einem übergroßen Mund. Einen Schwanz besaß es nicht mehr, den schnitten die Rattenmenschen schon in der Kindheit ab. So sah das Wesen wie ein übergroßer Hamster aus, aufgedunsen mit dutzenden offenen Stellen. Es war kein junges Geschöpf mehr, würde aber sicherlich noch einige tausend Rattenmenschen zur weltbringen.
    Es gab nur wenige weibliche Skaven, jeder Klan besaß nur einige dutzend. Diese verdrehten Kreaturen konnten innerhalb kürzester Zeit Nachwuchs auf die Welt bringen. Alles was sie verlangen war genug Nahrung und Warpstein. Der Verkehr mit ihnen war nicht ungefährlich, schnell kam es vor das man zerquetscht oder zerbissen wurde. Und ohnehin durften sich nur die stärkeren Gruppen Mitglieder damit paaren. Natürlich kamen auch alle anderen angelaufen wenn niemand hinsah. So bekamen die weiblichen Skaven immer Frischfleisch und die männlichen die Gelegenheit trotz ihres schwachen Körpers sich zu vermehren. Dank ihrer Seltenheit waren sie ein kostbares Geschenk. Und mehr als genug um Frieden zwischen zwei Klans herzustellen. Vorausgesetzt sie kamen auch an.
    Ein lautes Brüllen erklang, vollgefüllt mit Aggression und Zorn. Auf einen Schlag wurden die kleinen Rattenmenschen ruhig und blickten erschrocken in die Richtung woher der Laut gekommen war. In der aufkommenden Stille hörte man das Getrampel von hunderten Füßen und ausbrechen von Ästen und Zweigen. Die Skaven verfielen in Panik und stürzten umher um entweder zu fliehen oder zu kämpfen. Dann kamen sie schon über sie. Große ungeschlachte Bestien, die schwere Klumpige Schwerter in die Hände hielten und damit auf die kleinen Kreaturen einschlugen. Die ersten wurden völlig überrannt, genauso wie alle zu spät geflohenen und sogar die als erstes weggerannt waren. Nur eine Handvoll der Rattenmenschen schafften es zu fliehen. Sie würden so schnell wie möglich zu ihrem Klan zurückkehren und ihm berichten dass ihr Geschenk nicht angekommen war. Die Skaven Mutter die sie mit hatten wurde gerade von einer Rotte Orks zu blutigen Brei verarbeitetet. Denn Rattenmenschen würde nichts anderes überbleiben als noch eine Rattenmutter zu schicken um den Frieden zu gewährleisten. Das würden sie aber nie tun da sie zu selten waren. Genauso wenig konnten sie sich von ihren Warpstein trennen. Es war wirklich schön wenn man sah wie ein Plan aufging. Was hieß das es nur einen Weg für den Klan gab sich aus der Schlinge zu ziehen.
    Eine einsame Gestalt saß auf einen Hügel, nicht weit weg von dem Gemetzel im Tal. Sie nahm ihre immer noch mit grünen und roten Blut verschmierte Klinge und wischte sie langsam ab. Dabei summte sie leise vor sich hin. Einige schritt neben ihr lag die Leiche eines Rattenmenschen. Sein gesamter Unterkörper war gehäutet. Er hatte noch gelebt als man ihm das Fell abgezogen hatte. Das stärkte den Sekret Geruch so stark dass selbst ein Geruchloser es durch das brenne in seinen Augen bemerken würde. Die Söldnerin war mehr als zufrieden. Und ihr Auftraggeber würde es noch viel mehr sein.
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

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    Standard Von Piraten und einer Zwergin

    „Bist du nervös“? Das war die wohl dümmste Frage die er seit langem gehört hatte. Und sie kamen ausgerechnet aus dem Mund wo er bis jetzt noch nie Blödsinn gehört hatte. M’buhl gehörte zu den überlegensten und weisesten Männern die jemals unter seinem Kommando gesegelt waren. Immer am Nachdenken was das Beste war und wie er sein Ziel am besten erreichen konnte. Und wie möglichst alle damit zufrieden sein konnte. Ein wahrer Ehrenmann und weise. Aber gerade eben könnte er dem riesigen Mann seinen dunklen Schädel nehmen und gegen die Tischplatte schlagen. Marzeus würde das nicht tun, schließlich war der dunkelhäutige Südländer beinahe zwei Meter groß und mehr als nur Muskulös. Also warf er ihm einfach einen bösen blick zu während seine Hand unentwegt auf die Tischplatte trommelte. Er hoffte nur sich keinen Schiffer einzufangen in dem alten verwitterten Holz. Soweit er wusste hatte man es aus Strandholz zusammengebaut. Genauso wie den gesamten Rest von dem Haus wie es ihm schien. So im Nachhinein fragte er sich schon warum er ausgerechnet das wohl billigste und hässlichste Bordell von Sartosia zu seiner Unterkunft gewählt hatte. Obwohl die Antwort klar war. Er war nicht reich genug, hatte Männer mit wenig Ansprüchen und die restlichen Bordelle waren im Großen und Ganzen von den Piraten besetzt die erfolgreicher waren. Er war zwar berühmt, aber das allein füllte einem nicht den Geldbeutel. Er hatte bei dutzenden Überfällen und unzähligen Schatzsuchen und Grabungen teilgenommen. Was er meistens mitgenommen hatte war sein Leben und das von einigen seiner Männer. Trotzdem hatte es Marzeus immer wieder hinausgetragen, immer auf der Suche nach etwas. Heute konnte das erste Mal in seinem Leben sein das er wirklich etwas tat was ihm auch längerfristig was brachte. Solange es stimmte das Zwerge die ehrenvollen Geschöpfe waren, wie man ihnen nachsagte. Nach dem Gemetzel vor Zwei Tagen war er da nicht mehr ganz sicher. Allein durch die Kämpfe mit den schwer gepanzerten Zwergen waren hunderte gestorben. Dabei dachte er nicht einmal an all die Toten aus dem Hafen. Jedoch mit ihrer Salve aus Kanonen und mit was sie noch alles geschossen hatten, zeigten sie Marzeus was es hieß die überlegene Feuerkraft zu besitzen.
    Er wusste nicht ob sie es genauso geplant hatten um auch die Piratenkönigin loszuwerden, wenn ja dann war es der Best durchgeführte Plan den er je gesehen hatte. So ziemlich die miesesten und bösesten Piraten mitsamt ihren Männern waren dort umgekommen. Danach war es einfach gewesen. Alle zusammengetrieben die noch überlebten, letzte Widerstände brechen und die Herrschaft über die Stadt übernehmen. Derzeit wartete nur jeder angespannt was passieren würde. Die Piraten waren den Zwergen Zahlenmäßig weit überlegen. Die hatten aber alle Strategischen Punkte in der Stadt eingenommen. Vom Hafen bis zum Palast und noch weiter die Mauer. Alle großen Plätze wurden von ihnen überwacht und hatten eine Garnison. Die Überwachung verhinderte nicht nur einen Aufstand sondern auch dass gewisse Handels Praktiken nicht mehr so durchgesetzt werden konnten wie früher. Nicht das die Zwerge das wirklich wussten, aber sie reagierten sehr empfindlich auf gezogene Messer und Schwerter. Was dafür sorgte das die schwächeren Kreise in Sartrosia, Fischer, Handwerker und Händler, die Zwerge ziemlich lieb gewannen. Und das nur nach zwei Tagen. Auch wenn ein Haufen Piraten auf der Insel und besonders in der Stadt lebten, der Großteil waren Menschen die die üblichen berufe ausübten. Am Land gab es dutzende Dörfer und Bauernhöfe die allesamt unter der Knechtschaft der Piratenkönigin gestanden hatten. Was nicht so schlimm war wie man glauben sollte. Die Königin hatte wenig Interesse an das Inland gehabt und sich sowieso eher auf die Piraten konzentriert. Es hat einfach eine gewissen Soll gegeben und wenn der nicht überbracht wurde sendete sie ein paar Raubeinige Draufgänger die das änderten. Die Menschen am Land waren deswegen durchgehend in einer Leibeigenschaft. Die einzige Möglichkeit diese zu durchbrechen war nach Sartrosia zu gehen und selbst Pirat zu werden. Jedenfalls glaubten sie alle das und die Piraten hatten sie in diesem Glauben nur bestärkt. So hatten sie durchgehend frische Rekruten die als Kanonenfutter dienen konnten. So im Nachhinein kam Marzeus drauf dass er ganz schöne Schwierigkeiten nach seinem Tod bekommen würde. Es gebe wohl wenige Götter die mit seinen Taten zufrieden waren. Und die, die es waren, die wollte wiederum Marzeus nicht kennenlernen.
    Aber vielleicht würde es sich ja heute ändern. Er war kein übler Kerl weil er es so wollte oder weil es ihm Spaß machte. Marzeus war einfach mehr oder weniger hineingeschlittert und bevor er es bemerkt hatte war er ein Plündrer der Meere. Er seufzte kurz und hielt seine rechte Hand fest. Es würde keinen guten Eindruck machen wenn er so zitterte. Obwohl, das wäre wohl sein kleinstes Problem. Die Zwerge führten ein hartes Regiment. Und zwar nu7r gegen die Piraten. Alle anderen erhielten mehr Freiheiten. Es gab sogar Gerüchte das die Zwerge versuchen wollten Sartrosia zu einer Handelsstadt umzufunktionieren. Marzeus glaubte das nicht. Es waren nur die Hoffnungen von eine paar optimistischen Fischern die hofften mehr zu werden als sie derzeit waren. Dafür würde es aber mehr brauchen als ein paar Zwerge mit riesigen Stählernen Schiffen. Ein scharfes hartes Klopfen erklang gegen die schwere Doppeltür. Sofort machten zwei seiner Männer, Antonius und Lepitus, die Flügel auf. Dahinter kam Marlena zum Vorschein, ein junges Mädchen von sechzehn Jahren und die erste Tochter der Hausherrin. Soweit er wusste versuchte ihre Mutter schon einige Zeit sie an einen Kapitän zu verheiraten. Sie wollte nicht dass sie ebenso ihren Körper hergeben musste wie sie oder das Bordell übernehmen musste. Was irgendwann aufs Gleiche hinauslief. Sie war etwas außer Atem und er sah den Schweiß auf ihrer Stirn. „Sie sind da“, schaffte sie es schließlich zu Keuchen. Marzeus nickte und bedeutete ihr mit seiner linken wegzugehen. Sie ging unverzüglich weg, stellte sich aber gleich neben einer alten Truhe hin und machte sich klein. Sie wollte mitschauen und das konnte Marzeus nicht verdenken. Er hätte ihr gern ein Wort des Dankes entgegengebracht, doch er musste gerade all seinen Mut sammeln um überhaupt die Sprache zu finden.
    Mit einem schwachen, aber immer noch hörbaren Stampfen betrat sie die Kaschemme. Es gab viele Vorstellungen der Menschen wie Zwerge aussahen. Die meisten glaubten das sie einfach kleine dicke Menschen mit etwas stärkerem Bartwuchs waren. Aber das war nicht ganz die Wahrheit. Man sah Ähnlichkeiten, doch die gab es mit den Elfen auch. Bei den Elfen sah man es an die Ohren, den feineren Gesichtszügen und auch daran dass ihre Haut irgendwie anders schien. Als würde sie glänzen. Bei den Zwergen waren es andere Dinge die man betrachten musste. Sie hatten im Großen und Ganzen eher rundliche Gesichter, doch man konnte die massiven Knochen darunter deutlich erkennen. Die Nase war eher lang und auch breiter als bei den meisten Menschen. Die Augen waren das eher auffälligste im Gesicht. Sie besaßen zwar verschiedene Augenfarben wie Menschen, doch ihre Iris war meist nicht einfarbig sondern gemischt. In denen von Urd aus Barak Varr die gerade den Raum betreten hatte, sah man ein starkes braun das durchdrungen war von dutzenden blauen Punkten. Es variierte sehr stark, bei ihr war es sehr auffällig. Doch es gab auch Zwerge die öfters Goldfarbene Augen hatten, oder beinahe Kohlrabenschwarze. Es war auch die Pupille innen drinnen anders. Irgendwie größer und etwas Oval. Soweit er wusste besaßen sie mehr Zähne als Menschen und auch wesentlich breiter und kräftiger. Selbst die Schneide und Eckzähne waren sehr Flach und breit. Die Hände waren überportioniert groß zum Körper. Und man sah auch dass die Finger wesentlich dicker waren, aber auch länger. Einfach übergroß zu dem Körper. Was den restlichen Körper anging wusste er wenig bescheid. Was er in den Büchern der Imperialen gelehrten gelesen hatte war auch der Rest anders gebaut. Die Lungen waren weitaus größer und manche Zwerge besaßen sogar einen dritten Lungenflügel. Das Herz war nicht so groß wie das eines Menschen und die Rippen schlossen sich über den gesamten Brustkorb bis auf eine. Alle anderen fanden in der Mitte zusammen und bildeten das Brustbein. Dieses zog sich bei den Zwergen bis fast zum Bauchnabel was erklärte warum sie selbst harte Schläge mit Orkschwerten in die Magen Gegend ohne Probleme hinnehmen konnten. Ihre Organe waren weitaus besser geschützt als die von Menschen. Geschlechterspezifisch kannte sich Marzeus nicht wirklich aus und wollte es auch nicht wissen. Außerdem war es alles andere als gesund für ihn. Würde Urd wissen dass er Bücher über sezierte Zwerge besaß wäre er sowas von Tod.
    Die Zwergin betrat mit einem starken Selbstbewusstsein den Raum und setzte sich einfach mal gegenüber von ihm. Sie war allein, was Marzeus mehr als überraschte. Er hatte mindestens ein halbes Dutzend richtig fiese Eisenbrecher erwartet. Oder sogar einen von den Ogern die auf den Schiffen der Zwerge waren. Was die kleinen Bergwühler mit den riesigen Fressmaschinen zu tun hatten war ihm ein Rätsel. Sie schaute ihn direkt und unverwandt an. Im Gegensatz zu den Zwergen mit denen er sonst zu tun hatte achtete sie kein bisschen auf Höflichkeit. Dabei war das gerade bei ihnen ein unverzeihlicher Knackpunkt der bei diesen Kreaturen leicht einen Groll hervorrufen konnte. Das hieß entweder Urd aus Barak Varr gehörte zu einen der wenigen wirklich unverschämten Zwerge oder aber sie hatten schon öfters mit Menschen gehandelt. Gerade Piraten gaben sehr wenig auf Höflichkeit bei einer Unterredung. Man hatte gewisse Dinge die man dem anderen schmackhaft machen wollte. Mehr stand nicht dahinter. Das hieß es war an ihm Respekts Bezeugungen zu machen. Gerade weil sie hier die starke war und er der Bettler. Blöd nur das er eigentlich keine Ahnung hatte wie man das machte. Etikette war nie seine Stärke gewesen. Und gerade bei Zwergen wusste er nicht was sie von ihm verlangten. Also tat er einfach das was er wusste das bei den Arabiner half. Er erhob sich und verbeugte sich mit seinem Oberkörper soweit das sein Kopf den Tisch berührte. Dabei versuchte er solange wie möglich Augenkontakt zu der Zwergin zu halten. Danach setzte er sich.
    Die Zwergin lachte kurz auf und wedelte kurz mit ihrer Hand. Mit einer rauen, belustigten Stimme sagte sie zu ihm: „Ich bin nicht hier damit mir ein weiter Piraten Kapitän die Füße küsst. Bis jetzt bist du der neunte Kapitän der mir sagte er habe etwas Wichtiges für mich. Und der einunddreißigste den ich seit der Eroberung getroffen habe. Wirklich jeder einzelne hatte einen Haufen Begründungen warum er nicht sterben sollte und warum er am besten dazu geeignet wäre die Interessen der Zwerge in Sartrosia zu vertreten. Was meinst du dazu Marzeus Digermo? Hast du etwas was mich sosehr interessiert dass es rechtfertigt dass du meine Zeit stiehlst? Damit du es weißt, deine Vorgänger hatten es nicht und ich habe ihnen auch klar gemacht dass mir das nicht sehr gefallen hat. Also, machen wir es kurz, was hast du für mich und was verlangst du dafür“?
    Marzeus war mächtig eingeschüchtert. Natürlich hatte er nicht erwartet der erste Kapitän zu sein der mit ihr reden wollte. Das es aber halb Sartrosia vor ihm getan hatte kotzte ihn etwas an. Damit gehörte er einfach zu einem riesigen Haufen von Möchtegern Partnern. Gerade jetzt entschieden sich seine Stimmbänder sich ineinander zu verknoten so das er ein kein einziges Wort hervorbringen konnte. M‘buhl räusperte sich und gab das vereinbarte Zeichen an Antonius und Lepitus. Die beiden machten sich sofort auf den Weg zu einer Nebentür wo die Küche und einige Lagerräume lagen. Marzeus Mund war immer noch furchtbar trocken und kein Wort wollte zwischen seinen Lippen entstehen. Trotzdem war er furchtbar dankbar das M’buhl ohne langes Warten ihre Trumpfkarte spielte. Bei diesem Gegenspieler half es nichts zu bluffen. Die Zwergin sah sie nur als Zeitverschwendung an und mehr nicht. Marzeus räusperte sich und schaffte es endlich den Knoten in seinem Hals zu lösen. Mit einer seltsam belegten Stimme begann er seinen auswendig gelernten Vortrag. „was ich anbieten kann sind zwei Dinge. Die erste sind Informationen über die Königin die einen pak“… „Einen Pakt mit den Elfen wo niemand genau weiß wofür er da war. Doch die Elfen haben mehre Berater auf der Pirateninsel gehabt und haben euch mit Informationen von Schiffen versorgt, die sehr kostbare Fracht geladen haben. Ob Betronen, Tilea oder auch Arabiner. Im Gegenzug hat die Piraten Königin sich zu etwas versichert was Ähnlichkeiten mit einem Verteidigungsbündnis aufwiesen. Falls die, nennen wir sie beim Namen, Hochelfen in eine Kriegs Lage geraten, wäre es die Pflicht der Piraten gewesen sie zu unterstützen. Ich habe sogar allerlei Dinge gehört gegen wenn die Kriegszüge gehen würden. Von den Betronen bis zu Norsca und dem Imperium. Sogar Expeditionskriege nach Lustria oder in den Osten wären denkbar gewesen. Einer der Kapitäne, ein kleiner Kerl mit Schnurbart hat mir sogar erklärt dass man die Flotte gegen die Dunkelelfen schicken wollte. Und ein weiter hat mir auch erklärt das es auch gewisse Artefakte gab nach denen die Piraten suchen sollten um sie zurück zu den ehemaligen Besitzern zu bringen“. Urd lachte kurz auf und sagte mit belustigter Stimme: „Irgendein erbärmlicher Wicht wollte uns sogar weismachen das sie es auf die Phönixkrone abgesehen hatten die sich in Karaz-A-Karak befindet. Als ob wir nicht wüssten das die Elfen sie unbedingt zurückhaben wollten. Sie schicken schließlich alle paar Jahre wieder eine Delegation um es mit uns auszuhandeln“. Sie lachte laut auf und schlug mit der Faust auf den Tisch. Marzeus kehle hatte sich wieder soweit zugeschnürt das ihm nicht einmal mehr das Atmen möglich war. Nun doch, sonst wäre er längst vom Stuhl gefallen. Aber viel fehlte nicht mehr. Die Befehlshaberin der Zwerge wischte sich immer noch lachend eine Strähne aus dem Gesicht und sah ihn ungeduldig an. Irgendwie überkam ihm das Gefühl das er schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen war. Wenn er sich recht erinnerte war das damals noch mit der Piratenkönigin gewesen. Schien so als würde es weit mehr beängstigende Frauen auf der Welt geben als man glauben wollte.
    Als würde sie seine Gedanken erraten hörte sie schlagartig auf zu lachen. Ihr ernster Gesichtausdruck kehrte zurück und sie wirkte auf einmal erschöpft. Mit einer Stimme in der Marzeus einen Hauch Mitleid heraushören konnte redete sie weiter: „Weißt du, ich kann verstehen das ihr euch allesamt Mühe gibt euch mit uns zusammenzutun. Nicht weil ihr uns mögt oder überzeugt seid von unseren Zielen. Bei den Ahnengöttern, ihr wisst ja noch nicht einmal was unsere Ziele sind. Alles was ihr versucht ist solange vor uns zu Buckeln damit ihr Überlebt und so gut wie möglich bei dieser ganzen Geschichte abschneiden könnt. Ich habe bis jetzt noch keinen einzigen Piraten kennengelernt der Sauer auf uns war. Ich rede gar nicht von Wut oder Groll, sondern einfach nur sauer. Selbst das fand ich bei keinen einzigen von euch. Warum? Ich kann es mir nur soweit erklären dass ihr keinen Zusammenhalt habt. Und das weit über tausend von euch gestorben sind, das kümmert euch einfach nicht. Deswegen bin ich mehr als nur angewidert von euch. Eure gesamte Art zu leben entspricht das Gegenteil der Zwerge. Keine Sorge, ich werde meine Gefühle nicht an dir auslassen oder deiner Mannschaft. Keinen von denen die bei mir eine Audienz oder ein treffen beantragt haben wurden bestraft. Ich hatte gehofft wirklich irgendwelche Informationen zu bekommen, doch scheinbar ist das alles ein blinder Stollen. Ich erwarte euch in zwei Tagen im Hafen. Ihr werdet euch auf anderer Art und Weise bei uns Eindruck schinden müssen als durch Speichelleckerei“.
    Sie rückte den extra für sie abgesägten Stuhl weg und stand auf. Sie drehte sich gerade um als Marzeus laut: Halt! Schrie. Das stimmte, er sagte es nicht, er schrie. Mit einer lauten von Zorn bebender Stimme. Irgendwo, tief in seinem inneren bebte etwas. Es war selten dass er die Beherrschung verlor. Und selbst dann war er noch weit ruhiger als manch anderer. Doch was sie gerade gesagt hatte fraß sich in ihm tief hinein. Verletzte ihn an einer Stelle die er eigentlich geglaubt hatte nicht mehr zu besitzen. Seine Ehre und die seiner Mitstreiter. Urd drehte sich überrascht um und sah ihn mit einer Mischung aus Neugier und Unmut an. Marzeus stimme war leise, fast flüsternd, doch in ihr bebte die Kraft eines Vulkans. „Mir war von Anfang an klar dass es kein leichtes Unterfangen wird sich bei euch beliebt zu machen. Das wussten alle. Trotzdem versuchen wir es, und wisst ihr warum? Angst. Als Seeräuber gehört man keinem Staat an, hat einen vereinenden Glauben, gehört zu einem Volk oder hat sonst irgendeine Verbindung. Das einzige was uns gleich macht ist der Drang zum Reichtum zu kommen und sich irgendwo in seiner Heimat wieder Niederzulassen. Das hört sich nichtig an, oder? Nur ein Haufen gieriger Abschaum der gelernt hatte zu navigieren. Tileaner, Arabiner, Betronen, Norse, Imperiale, Kislevsiten, Waldelfen, Hochelfen, Oger und auch Zwerge. Und das ist nur ein Bruchteil der Völker die sich als Piraten von Sartrosia bezeichnen. Und keiner von ihnen ist auf die Welt gekommen um Pirat zu werden. Sie wurden es weil es keine anderen Möglichkeiten gab. Alles was wir wollen ist eigentlich solange Überleben um das zu bekommen was wir verloren haben. Unsere Häuser die durch einen Krieg zerstört wurden. Familien wiedersehen die einfach so auseinandergerisssen wurden. Es gibt hunderte gründe. Aber eine Sache vereint alle. Es gibt niemanden hier der wirklich von sich aus Pirat werden wollte. Und die, die das jetzt glauben haben einfach nur vergessen dass sie einst woanders herkamen. Sie werden brutaler, bösartiger und zeigen ihre schlechtesten Seiten. Die ganzen bösartigen Arschlöcher werden auch die besten Kapitäne und gefürchtetsten Freibeuter. Allen voran die Königin. Von Anfang an muss man lernen zu kriechen da man sonst noch in der nächsten Lagune ertränkt wird. Einfach weil man eben kein Speichellecker ist. Jetzt, vor nicht einmal zwei Tagen, hat sich alles gewandelt. Hunderte berühmte Piraten Tod. Die Königin verreckt zusammen mit den Elfen die uns aus unserer Lage befreien konnten. Ich schätze ihr Zwerge wisst gar nicht dass wir seit Jahren mit einer Rezession zu kämpfen haben. Das Plündern wird schwieriger und es gibt genug Konkurrenten. Wir gingen langsam zugrunde und waren kurz davor in die Bedeutungslosigkeit zu versinken als die Elfen kamen und uns diesen Handel unterbreiteten. Dank euch, ist das jetzt alles nichtig. Keine Elfen, keine Königin, gar nichts!“ Die letzten Worte schrie er wieder hinaus. Seine Brust hämmerte und ihm wurde schwindlig von der wenigen Luft die er während seinem Redeschwall eingeatmet hatte.
    Etwas tippte zaghaft auf seiner Schulter. Marzeus drehte rasch den Kopf nach hinten. M’buhl sah ihn mit großen Augen an. Er sagte nichts, doch sein Gesichtsausdruck machte klar dass er alles andere als begeistert davon war das Marzeus dieser bärigen Schlampe seine Meinung sagte. Eine immer lauter werdende stimme in seinem Hinterkopf sagte ihm das es jetzt besser ward en Mund zu halten. Doch die weitaus größere und auch blödere Stimme meinte das Marzeus erst richtig loslegen sollte. Und das tat er. „Ihr meint wir während Ehre los weil wir uns so leicht beugen. Ihr meint wir wären feige weil wir euch nicht angreifen. Ihr meint wir wären schwach,. Ihr sagt es nicht, denkt es aber. Nun sage ich auch, dass es nicht stimmt. Wir trauern genauso um unsere Toten. Nur können wir es uns nicht leisten Gedanken an sie zu verschwenden. Und wieso? Weil eine riesige Flotte voller blutdürstiger Zwerge uns ohne jegliche Vorwarnung angegriffen hat. Und da wundert ihr euch dass wir teilweise zu allen Mitteln greifen um nicht Tod an irgendeinen Fahnenmast zu baumeln? Würdet ihr uns alle Töten wollen, dann würden wir kämpfen. Wenn ihr uns gefangen nehmen wollt, dann würden wir kämpfen. Aber so sehen wie eine Möglichkeit aus diesem Schlamassel herauszukommen ohne das die Hälfte von uns dabei sterben muss. Denn in aller erster Linie machen wir das alles nur weil uns keine andere Wahl bleibt“. Seine Stimme wurde trocken und er begann heißer zu krächzen. Das schien jedoch seine Wut nur noch stärker macht über seine Worte zu verleihen. „Deswegen können auch Kreaturen wie ihr niemals verstehen wer wir sind. Ihr lebt ein leben das sich von uns Unterscheidet wie ein Wal zu einem Berg. Also lasst mich euch sagen, wir werden es akzeptieren das wir uns nun unter eurer macht befinden, doch wir werden keinen Moment lang freundliche Gefühle euch gegenüber hegen. Und in einem schwachen Augenblick werdet ihr ausgeweidet wie ein frischer Fisch am Hafenplatz“.
    Merzeus konnte geradezu spüren wie sich M‘buhls Augen in seinen Rücken brannten. Und er konnte auch Marlenas Blick spüren die einerseits entsetzt als auch überwältigt war. Würde sein Leben nicht gerade an der Klippe hängen wäre er mehr als nur stolz auf sich. Die Wut die ihm bis jetzt Kraft gegeben hatte war fast völlig verlogen. Und nun kam ihm geschossen was er da gesagt hatte. Er hatte gerade der Kommandantin der Zwerge damit gedroht jeden einzelnen von ihnen auszuweiden wenn sie ihm den Rücken zudrehten. Das war mehr als nur dämlich, das war Selbstmord. Ihm dämmerte das es wohl sein Todesurteil war. Einmal die Kontrolle verloren und nun schon so gut wie tot. Marzeus hätte bitter aufgelacht wäre sein Hals nicht Staubtrocken. Doch gerade als die Zwergin zur Erwiderung ansetzte zehrten Antonius und Lepitus sein Geschenk herein. Sie hatte sich gewehrt und versucht sich zu befreien. Die aufgeplatzte Lippe und das Blut das ihr aus der Nase lief bewiesen das. Die beiden Piraten schleiften sie beinahe in den Raum. Was nicht nur daran lag das die beiden sie zuerst verprügelt hatten. Marzeus hatte ihr seid ihrer gefangenahme jegliche Nahrung verwehrt und ihr gerade mal ein paar Schluck Wasser gegeben. Am liebsten hätte er sie einfach verschnürt und rumliegen lassen. Aber auch Elfen hatten hier und da mal was loszuwerden. Und Marzeus war kein so übler Kerl das er seine Gefangenen in ihren eigenen Exkrementen liegen ließ. Außerdem musste er ihr dankbar sein. Ohne sie hätte er es sich niemals leisten können so mit der Zwergin zu sprechen.
    Die Zwergin sah abwechselnd zu ihm und der Elfin die kraftlos ihren Blick begegnete. Plötzlich riss die Elfin die Augen auf und wehrte sich. Antonius und Lepitus waren völlig überrascht. Der erste bekam den Ellbogen in den Magen, der zweite wurde am rechten Arm gepackt und mit einem Schulterwurf zu Boden gezwungen. In einer Form vollendeten Bewegung die man ihr niemals zugetraut hätte packte sie den Degengriff von Lepitus und zog das Schwert heraus. Sie richtete sich gerade auf als ihr ein Stuhl mit brachialer Kraft gegen den Kopf geworfen wurde. Das Geschoss brachte sie aus dem Gleichgewicht und ließ sie nach hinten einknicken. Die Elfin hatte gute Lehrmeister gehabt, den sie versuchte noch im Moment der Benommenheit sich nach links zu drehen und das Schwert zu heben. Bevor es jedoch dazu kam war M’buhl schon heran und seine Faust krachte ihr gegen die Schläfen. Ohne einen weiteren laut brach sie zusammen und blieb reglos liegen. Eine stille lag über den Raum der nur von dem stöhnen von Antonius überlagert wurde. Lepitus war noch viel zu verblüfft als das er etwas sagen konnte. Lag aber vermutlich auch an die Schmerzen im Kreuz. So ein Wurf nahm einem die gesamte Kraft zum Atmen. Deswegen ging Marzeus auch zu ihm und hob ihn hoch. Aufrecht stehen bog er ihn nach hinten so dass er besser atmen konnte. Urd trat näher und besah sich die bewusstlose Elfin aus nächster Nähe. Dabei legte sie auch ein paar Fingern an ihren Hals. Mit einem zufriedenen Nicken hob sie die Hand wieder hoch und nahm den Stuhl den sie geworfen hatte und setzte ihn wieder an den richtigen Platz. Dann machte sie sich auf dem Weg zu Tür. Als sie an der Schwelle stand rief sie nach hinten: „Bringt sie in zwei Stunden in den Hafen. Dort werden wir auch über die Belohnung sprechen und auch darüber was wir Zwerge besser machen können um euch Piraten besser zu behandeln“.
    Dann war sie weg. Von einem Moment auf den nächsten war sie verschwunden und Marzeus blieb nicht anders übrig ihr wie ein Hund nachzulaufen. Nur das er anstatt eines Knochens eben eine Elfin hatte. Es hätte ihn eigentlich wütend machen müssen so zu behandelt werden, aber irgendwie glaubte er das sie ihm damit sogar eine Ehre erwies. Aber das würde sich noch zeigen. Er gab M‘buhl den Befehl die Elfin zu fesseln und zu knebeln. Was sie eigentlich von Anfang an hätte sein sollen. Nur hatten Antonius und Lepitus wohl kein Interesse gehabt sie zu tragen. Und sich von ihrer Schwäche und den miesen weigerungsversuchen einlullen lassen. Er überlegte sie auszupeitschen, aber das würde ihm nichts bringen. Einerseits waren sie dann für Tage nicht zu gebrauchen und andererseits waren die zwei seine besten Männer. Gleich nach M’buhl natürlich. Er entschied sich das ganze einfach zu übersehen und dankbar zu sein das es so glimpflich ausgegangen war. Er leichtert und erschöpft zugleich wollte er in die Küche, wurde aber auf den Weg dorthin von Marlena überrascht. Mit tränen die über ihren Wangen liefen vergrub sie Gesicht In seine Schultern und heulte herum das sie solche Angst um ihn gehabt hatte. Komplett überrumpelt fiel ihm nichts besser ein als ihr seinen linken Arm um sie zu legen und versuchte so distanzvoll wie möglich damit umzugehen. M’buhls leichtes Grinsen ignorierte er einfach. Es war auch so ein harter Tag, ohne das er sich über Nichtigkeiten aufregte.
    Man sollte denken das die Intelligenten am längsten leben.
    Und trotzdem sterben die Zwerge und nicht die Orks.

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