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Ergebnis 11 bis 13 von 13
  1. #11
    Miniaturenrücker
    Avatar von MisterG
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    Puh, endlich ist der Wettbewerb vorbei und ich kann mich auch mal zu Wort melden, ohne Angst zu haben, mich selbst zu verraten
    Es war auf jeden Fall ein spannender Wettbewerb, gerade weil ich es sehr interessant fand, was alles in meine Geschichte hineininterpretiert wurde.
    Also dann, beantworten wir mal ein paar der offenen Fragen hierzu...

    @SHOKer
    So, wie er hier beschrieben wird (kräftig, aber ungeschickt, redet nicht usw), erinnert er mich stark an einen Barbaren oder eine ähnliche geistig stumpfe Hau-Drauf-Figur, die einer Halbelfendame sicherlich kaum ein geeigneter Partner sein kann. Vor allem im Vergleich zum reichen, mächtigen und anscheinend auch sehr talentierten Protagonisten.
    Also diese Liebe und erst recht der dadurch verursachte Freitod konnten mich nicht wirklich überzeugen. Auch die Weise, wie die Halbelfe beschrieben wird, wirkt auf mich nicht wie jemand, der sich für einen Geliebten selbst das Leben nimmt.
    Zuerst einmal ist dies ein Problem der Erzählperspektive. Natürlich erfährt man nicht viel von Olaf - na hallo, wer hat denn in einer Schlacht noch Zeit, sich gegenseitig seine Lebensgeschichte vorzutragen. "Hallo, ich bin der Fürst vom Norden, schreib bitte auf meinen Grabstein, dass ich so reich war, dass ich von goldenen Tellern essen konnte, lass uns jetzt kämpfen!" ist irgendwie äußerst unpassend. Auch ein Vorstellen durch Lilja hätte mir doch niemand im Ernst abgenommen... Ja sicher, ein gehässiges "das ist mein Neuer, er ist soviel besser als du, egal in welcher Beziehung" wäre vielleicht noch drin gewesen, aber das hätte einer hochgeobrenen Dame auch nicht angestanden.
    Zum Anderen muss ich zugeben, dass ich mir an dieser Stelle auch nicht viele Gedanken darüber gemacht habe. Für mich war nur wichtig, dass sie einen Geliebten hat. Ich habe noch kurz darüber nachgedacht, dass Gegensätze sich ja anziehen sollen, aber das war es dann auch schon wieder. Ich wollte Olaf nicht weiter ausarbeiten. Für mich war er das schweigsame, kriegerische Raubein, zu dem sie sich hingezogen fühlt und das war's.

    @Sistermarynapalm
    Die Schlacht selbst zeichnet ein recht surreales Bild. Auch, wenn die Beschreibungen klar und verständlich sind, hatte ich bisweilen Probleme, dem ganzen Verlauf zu folgen. Die Schlachtbeschreibung wirkt trotz der Nähe des Protagonisten irgendwie weit entfernt, wie eine neblige Vergangenheit, an die sich der Charakter nur recht undeutlich erinnert.
    Dadurch kommen einige für mich unverständliche Szenenwechsel in die Geschichte, die mich irgendwie stutzen lassen. Hier einmal der von mir realisierte Ablauf: Der Protagonist reitet auf den Gegner zu, kämpft ein bisschen im „dichtesten“ Getümmel, wird bedrängt, wird gerettet, steht plötzlich da, wo niemand mehr ist (da alle tot) (und lächelt dabei grimmig – ist er Spartaner?), sieht vor sich die Infanterie, hört, wie die Ritter gesammelt werden, bricht in die Flanke des Gegners (mitten unter seinen Rittern – wie ist er da denn hingekommen?), reitet den Feind nieder, jubelnde Schwertkämpfer aus seinen Reihen (da frage ich mich – wo sind die jetzt plötzlich hergekommen? Ich denke, da waren Speerträger vorne?), wird ausm Sattel gehoben, weil sein Pferd eine Lanze/Hellebarde küsst (wobei ich mich jetzt frage – wer ist denn so intelligent, mitm Pferd Lanzenträger zu attackieren? Das ist ja, als wenn man als Messerkämpfer versucht, eine 2cm-Vierlingsflak im Sturmangriff zu nehmen), steht auf, kämpft plötzlich wieder in Mitten seiner Schwertkämpfer, sieht seine Alte aufm Felsen stehen, schreit sie an, alles sprengt auseinander, er geht zu ihr, wird beleidigt, dann kommt ihr Champion und in diesem Moment ist offensichtlich alles verstummt.
    Du störst dich hier an einem der Kernpunkte, die ich darstellen wollte. Wenn die Schlachtreihen aufeinanderprallen, dann war es das mit Übersicht. Besonders, wenn man mittendrin steckt. Da kann man sich auch nicht mehr aussuchen, vielleicht doch noch mal umzudrehen und lieber die Schwertkämpfer als die Hellebardenträger anzugreifen, auf die man auf einmal stößt. Es sollte surreal wirken. Siehe die Stelle
    Wer keine Schlacht überlebt hat kennt diese Augenblicke nicht, kurz bevor die Linien aufeinanderprallen. Alles was geschieht scheint gleichzeitig unendlich weit weg und doch unmittelbar zu sein. Ich weiß, dass ich mein Schwert ziehe und es auf die Reiter richte, die ich durch die Sehschlitze erkenne, ich weiß, dass ich den Rappen mit den Sporen zu höherem Tempo ansporne und ich weiß, dass Ingeaban und meine Ritter mir folgen. Und doch scheint es irgendwie unwirklich. Schreie künden vom Auftreffen der Armbrustbolzen in der Mitte von Liljas Reihe, als ich den ersten ihrer Kavalleristen erreiche. Und plötzlich, mit einem Schlag, wird die Welt zu einem sehr kleinen Ort.
    Ich weiß nicht, ob du schon mal in einer Schlägerei gesteckt hast, oder schon mal in einem "Massengefecht" bei einer Re-Enactementveranstaltung gestanden hast, aber es ist wirklich so. Man konzentriert sich nur noch auf das, was gerade geschieht, ohne es wirklich wahrzunehmen. Da blinkt auf einmal ein Schwert auf, und ohne darauf zu reagieren, wendet man das gelernte an und blockiert mit der eigenen Klinge. Und Übersicht...Naja, sagen wir mal, die kommt in dem Moment, da man plötzlich alleine dasteht und sich fünf anderen gegenübersieht, da der Rest der eigenen "Mannschaft" "niedergemacht" wurde. Vorher ist's damit Essig.
    Es ist immer noch ein Ich-Erzähler, der nichts beschreibt, als das, was er gerade erlebt. Dementsprechend habe ich auch nicht groß ausgeführt, wie die Schwertkämpfer zu ihm stoßen, jedoch haben mir meine Probeleser alle (keine Angst, keiner davon ist in diesem Forum angemeldet) bestätigt, dass es auf den zweiten Blick logisch nachvollziehbar war. Dementsprechend habe ich da keinen Änderungsbedarf gesehen.
    Das es um ihn herum still wird, ist subjektiv. Er konzentriert sich nur noch auf Lilja, respektive Olaf. Der Rest ist ihm in diesen Augenblicken egal.
    Warum er nicht von den Umstehenden angegriffen wird? Sieh dir Troja an. Ein Kampf unter Champions. Da halten sich die Anderen raus. Ob das realistisch ist - keine Ahnung, aber dramatisch

    das Nehmen des Rappen an der Kandare – solche Perversitäten stelle ich mir jetzt wirklich nicht vor.
    Ich weiß nicht, was du dir darunter vorstellst - aber es ist nichts anderes als die Zügel eines Pferdes anziehen, um es am Ausbrechen zu hindern. Die Kandarre ist die Bissstange, die man an den Zügeln anbringt, um zusätzliche Kontrolle über das Pferd zu bekommen.

    @Blackorc
    Wenn ich raten darf, gehe ich davon aus, dass die Geschichte gekürzt wurde, da sie haarscharf am Wortlimit vorbei schrammt. Es ist natürlich immer schade wenn das passiert, aber leider eine notwendige Rahmenbedingung in diesem Wettbewerb. Dennoch - was zählt ist das Resultat welches wir hier zu Lesen bekommen und dem bescheinige ich starke, atmosphärische Schilderungen einerseits, eine unzureichend ausformulierte Liebesgeschichte andererseits. Ich schätze mal, es wird auf 4 Punkte von meiner Seite hinaus laufen.
    Aye...Ich hab ne Menge gekürzt, inklusive zweier Rückblenden, die die Beziehung zwischen Torwald und Lilja besser geschildert hätten. Aber wie so oft, wollte ich leider zu viel hineinpacken. Auf der anderen Seite wollte ich dann auch nicht herauskürzen, dass Torwald nicht allein ist, sondern seine Hauptleute hat, mit denen er auch eine zwischenmenschliche Beziehung führt. Naja, vielleicht hätte ich die Schwerpunkte anders setzen können, aber das ist jetzt müßig - "was wäre wenn" funktioniert nicht

    @Auxo
    Was mich weiterhin stört, sind die "Aphorismen" oder sagen wir "Weisheiten" dieser Geschichte, die ich allesamt als unglücklich bezeichnen möchte.

    Dieser Gedanke umfasst jedoch weniger, dass ein Erbadeliger, nur weil er ein paar Sachen anders gemacht hat, die an dieser Stelle auch nicht bennant werden, etwas radikal Anderes sein kann.
    Kommen wir zu einem Hauptpunkt dieses Stücks. Ich habe diese Geschichte um vier Zitate herum aufgebaut. Zitate, aus dem erzählerisch absolut genialen "Max Payne 2: The Fall of Max Payne".
    Diese vier lauten:

    There are no choices. The illusion comes afterwards, when you ask 'why me?' and 'what if?'. When you look back, see the branches, like a pruned bonsai tree or a forked lightning. If you had done something differently, it wouldn't be you, it would be someone else looking back, asking a different set of questions.

    The Genious of the Hole: No matter how long you spend climbing out, you can still fall back down in an instant.

    This is love. Love hurts.

    The only true reason, why man fight war: Love.


    Ich liebe dieses Spiel, besonders die bemerkenswerten, wenn auch düsteren, "Lebensweisheiten". Ich wollte sie in einer Geschichte umsetzen, und dies ist das Ergebnis. Ich muss sagen, ich finde es auch erstaunlich, was du da alles hineininterpretiert hast. Natürlich würde Torwald kein Bauer werden, nur weil er es wollte. Er ist in seinen Stand geboren. Aber er hätte anders handeln können, er hätte nicht ins Feld ziehen können. Er hätte es auf sich beruhen lassen können. Er hätte sich eine andere Frau suchen können. Er hätte sich mehr auf Handel, als auf Krieg konzentrieren können. Er hätte sein Fürstentum schon längst durch irgendeinen Fehler seinerseits verlieren können.
    Was wäre wenn...Aber er hat nichts davon getan, er ist die Person, die in diesem Moment auf die Hügel blickt und die burg seiner ehemaligen Verlobten betrachtet, die er demnächst angreifen wird.
    Mehr war damit nie gemeint. Dass du da so viel Spielraum reinlegst, ist ja gut, aber deutlich zu viel des Guten.

    @TheMadWarlock
    Ich bin erstaunt...Du hast im Großen und Ganzen exakt das erfasst, was ich herüberbringen wollte. Dankeschön, es gibt also noch mehr Leute, die so denken wie ich
    "Wer die erste Salve überlebt, wird noch einmal erschossen!"
    (Credo des neunten tanorischen Grenadierregiments)
    Geschichtenwettberb: http://www.gw-fanworld.net/forumdisplay.php?f=301
     

  2. #12
    Tabletop-Fanatiker
    Avatar von Blackorc
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    Zitat Zitat von MisterG Beitrag anzeigen
    Aye...Ich hab ne Menge gekürzt, inklusive zweier Rückblenden, die die Beziehung zwischen Torwald und Lilja besser geschildert hätten.
    Dachte ich´s mir doch - wie schade
    Vielleicht magst du ja die Langfassung noch im Storyforum posten - interessieren würde es mich schon.

    Zitat Zitat von MisterG Beitrag anzeigen
    Ich habe diese Geschichte um vier Zitate herum aufgebaut. Zitate, aus dem erzählerisch absolut genialen "Max Payne 2: The Fall of Max Payne".
    Geile Idee - ich krieg schon wieder Gänsehaut, wenn ich nur die Zitate lese. Max Payne 2 war wirklich brilliant.
    Natürlich merkt man sowas als Leser nicht, wenn man nicht direkt mit der Nase drauf gestoßen wird, aber ich finde es immer wieder toll, zu erfahren, welche Gedanken sich die Autoren so zu ihren Geschichten gemacht haben.
     

  3. #13
    Miniaturenrücker
    Avatar von MisterG
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    Ich versuch mal, diesem Wunsch in der nächsten Woche zu entsprechen. Ich muss nur noch schauen, welche Version von den dreien, die ich hier auf dem Rechner habe, jetzt die war, die alles enthielt.
    Bin nur grad wieder im Prüfungsstress, deshalb kann's bisschen dauern.
    "Wer die erste Salve überlebt, wird noch einmal erschossen!"
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    Geschichtenwettberb: http://www.gw-fanworld.net/forumdisplay.php?f=301
     

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