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    Codexleser
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    Eremias - Embra Segment

    Eremias verließ sein Arbeitszimmer und die Tür schloss und verriegelte sich hinter ihm mit einigem Getöse, das noch eine Weile im leeren Gang vor ihm nachhallte. Er ging gemächlich und nachdenklich durch die engen Gänge des Experimenta Segments in Richtung Astartes Unterkünfte. Die Hände hatte er unter die Kutte gesteckt und seine Rechte umfasste den kühlen Griff der Laserpistole, die er dort verbarg. Noch leicht benommen durch die Medikamente versuchte er seine Gedanken zu ordnen. Er hatte einen Plan, doch der kam ihm ebenso verzweifelt wie verrückt vor.
    Beim Imperator wie soll ich das bewerkstelligen? Der erste Versuch ist gescheitert, noch so eine Gelegenheit wird sich mir schwerlich präsentieren. Keiner außerhalb des Kill-Teams wird den Dschungel jetzt noch betreten. Ohne die Kenntnis über die Szenario-Optionen kann ich den weiteren Verlauf nicht beeinflussen. Wie soll ich verhindern, dass sie es finden? Warum hat der Captain ausgerechnet dieses Trainingsziel gewählt? Dieser Parcours war so lange inaktiv und wir waren fast am Ziel. Weiß er etwas? Unmöglich. Er hätte kein Team von Rekruten geschickt, wenn er einen erhärteten Verdacht hegt. Wie nur komme ich an sie ran?
    Er würde nun jedes Mittel nutzen müssen, das ihm zur Verfügung stand, keine Zurückhaltung mehr.

    Im Embra Segment angekommen sah er sich um. Er ging die wenigen Gänge entlang, die das Segment umfasste und bestätigte seine Vermutung. Keine Pictsensoren hier. Man wollte die Privatsphäre und Sicherheitsstufe der Astartes nicht verletzten. Er stellte sich in das Zentrum des Segments, lehnte sich lässig gegen eine der grauen Wände und machte sich darauf gefasst eine Zeit lang zu warten. Seine Geduld wurde nicht sehr lange strapaziert und ein Wartungsservitor schritt auf seinen sechs spinnenartigen Gliedern auf ihn zu. Noch fünf Schritt von ihm entfernt bracht Eremias den mehr als mannshohen Knecht zum Stehen.

    Der Alte deutete auf die Buchse in der Wand gleich neben ihm und gab dem Servitor einen knappen Befehlt: "Anschließen".
    Der Kopf des feingliedrigen Gebildes ruckte vor und das bionische Auge, das weit aus dem verzerrten Kopf der Kreatur heraus ragte, scannte den Xenologen mit klickendem Zwinkern. --Autorisation Genesis : Zugriff gewährt-- plärrte es aus der Brust des Spinnenwesens. Einer seiner fünf Arme entfaltete sich, das mechanische Handgelenk wirbelte herum und der Servitor führte einen seiner Rezeptoren in die Datenbuchse ein.
    Eremias blickte sich um, ob sie alleine waren. Um diese Uhrzeit war nicht mit Kammerdienern zu rechnen und sämtliche Astartes aus diesem Segment waren entweder unten im Trainingsgelände oder auf Einsatz, aber man konnte nie sicher genug sein. Im Befehlston fuhr er fort:
    "Index Exercum - Szenario 42. Zugriff auf Missionsoptionen" Sein Zeigefinger spielte mit dem Abzug der Laserpistole und liebkoste ihn wie eine Geliebte. Er versuchte seine Anspannung mit Konzentration zu überlagern, während der Servitor röhrte und klapperte.
    --Index Exercum : freigegeben | Szenario 42 : blockiert--
    Eremias biss die Zähne zusammen und brummte ungehalten.
    "Übersicht Szenarioreihe 40, auflisten"
    --Szenarioreihe vierzig, Element 40 : Zugriff gesperrt, Element 41 : Zugriff gesperrt, Element 42 : Zugriff gesperrt, Eleme- --
    "Ich hab's verstanden, ich hab's verstanden!" der Alte war erbost. Warum waren die Trainingsszenarien verschlüsselt worden?
    "Wer hat die Verschlüsselung der Daten angeordnet?"
    --Titus Strome : Ordenspriester--
    Dieser blöde Hund!
    Sollte diese Mission scheitern, weil ein Ordenspriester übervorsichtig geworden war? Er brauchte nicht fragen, seit wann die Verschlüsselung bestand, er schätzte das Datum ungefähr auf den Zeitraum seiner Versetzung nach Erioch. Ihm kam eine neue Idee.
    "Index Strategio - Trainingszentrale - Zugriff auf Komkanäle"
    Der Servitor scannte ihn erneut, um sicher zu gehen, dass seine Befugnisse entsprechend waren. Ein abweisendes Brummen ertönte aus dem Lautsprecher des Spinnenwesens und eines seiner vielen Glieder schoss vor. Eine Handbreit vor Eremias Brust entknotete sich einer der Arme und nach mehrmaligem Falten und Rattern formte sich eine Ziffernkonsole vor dem Alten.
    --Zugriffscode-- plärrte es ihm entgegen und ein stetes Ticken erklang aus den Eingeweiden des Servitor; ein Countdown.
    Beim faulenden Leichnam des Allmächtigen, wann hab ich zum letzten Mal diesen Code benutzt?
    Eremias hätte sich in diesem Moment am liebsten für sein altersgeplagtes Gedächtnis geohrfeigt. Geholfen hätte es natürlich nichts.
    Seine Finger flogen über das Tastenfeld und er drückte zaghaft die leuchtende Eingabetaste --Abgelehnt-- schrie es ihm aus dem Bauch der Spinne entgegen --Zugriffscode-- Das Ticken beschleunigte sich. Eremias kramte in seinem Gedächtnis. Abermals tippte er einen elf-stelligen Code in die mechanische Extremität und wieder fauchte das Ungetüm --Abgelehnt : Zugriffscode-- Der Alte bildete sich ein, dass die Stimme mit jedem Mal aggressiver wurde. Das Ticken erklang nun im Takt seines rasenden Herzschlags und auf Eremias Stirn sammelte sich eine Schweißperle, die ihm langsam den Nasenrücken hinunter floss. Seine linke Hand schwebte über dem Ziffernblock, seine rechte verkrampfte sich um den Griff der Pistole unter seiner Kutte.
    Dieser beschissene... Ah! Natürlich!
    Das Klicken wurde heller und das bionische Auge des Servitors wechselte die Farbe von sanftem Grün auf leuchtendes Blutrot. Eremias tippte zum dritten Mal den Code ein und hämmerte auf die Eingabetaste. Die Welt schien für einen Moment still zu stehen. Er hielt den Atem an und sah dem Servitor in sein verbliebenes blindes menschliches Auge.
    --Gewährt--
    Der alte Mann atmete heftig aus und entspannte sich. Seine Finger zitterten und er zwang sich den Griff um die Pistole zu lösen.
    --Zugriff auf KomSchnittstelle : S1 inaktiv, S2 inaktiv, S3 aktiv - Trainingskanal Astarteskennung--
    Genau was Eremias wollte. Er konnte sich schlecht neben Watchcaptain Veneck stellen, während er seine Arbeit machte.
    "Zugang einrichten und umleiten auf Gemächer E37. Verschlüsseln und auf Standby setzen. Ausstöpseln" Nun würde er sehen, ob er noch etwas an den Geschehnissen ändern konnte. Er wusste noch nicht genau an wen er sich wenden würde, aber er hatte da schon eine Idee.
    --Bestätigt-- Der Servitor trennte die Verbindung zum Datennetz und sein mechanisches Glied fuhr mit Wirbeln und Knirschen wieder in seine Ausgangsstellung.
    "Fein", Eremias sah seinen Job hier als getan. Er legte einen heitereren Ton an, nun da die Anspannung von ihm abgefallen war, "Zugriff auf internen Speicher. Protokoll der letzten 5 Minuten löschen."
    --Blockiert : Zugriff auf internen Speicher nur durch Personal des Mechanicum--
    Na das hatte ich mir gedacht. Lexandro, du machst deinen Job zu gründlich.
    Eremias setzte ein Lächeln auf während seine rechte Hand unter der Kutte hervor schwang. Ohne irgendeine Reaktion des Servitors richtete er die Laserpistole auf dessen Stirn.
    Das primitivste Zeugnis der Evolution eines jeden Lebewesens, Selbsterhaltungstrieb. Du bist schon lange tot mein Guter.
    Der Alte schüttelte etwas traurig den Kopf und drückte ab. Der Schuss schnitt widerstandslos durch den Schädel des Servitors und bohrte ein münzgroßes Loch in Mainboard und Festplatte, die unter der Hitze miteinander verschmolzen. Die sechs Glieder gaben unter dem Gewicht des Servitor nach und er stürzte scheppernd zu Boden. Wie ein riesiger mechanischer Seestern lag er dort am Boden, alle Extremitäten von sich gestreckt und von gelegentlichem Funkensprung geschüttelt. Das blinde Auge glotzte auf die abgetretenen Metallplatten des Fußbodens.
    Eremias verbarg seine Waffe wieder und entfernte sich, dorthin zurück, von wo er gekommen war. Den Servitor würde früher oder später jemand entdecken, aber wem wollte man etwas anhängen? Die Astartes zerschlugen gelegentlich einen Servitor, um sich abzureagieren, es würde niemanden stutzig machen.

    Er fuhr sich mit den dürren Fingern durch sein Haar. Auf dem Weg durch die Gänge des Experimenta Segments stimmte er pfeifend eine fröhliche Melodie an. In seiner Kammer leuchtete das Standby-Signal seiner KomEinheit. Zeit einen neuen Freund zu gewinnen.
    Geändert von Ominus (29. August 2014 um 14:04 Uhr) Grund: Formatierung

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