Ich stelle prinzipiell mal eine These auf: In Unis gibt es keine Didaktik. Teilweise wird der Stoff durchgerattert, dass es schlimmer nicht mehr geht. Man ist vermeintlich mit dem Stoff fertig geworden, aber das ist einfach nur ein Irrglaube. Die Studierenden lernen weite Teile des Stoffs zuhause nach, sie haben während des Unterrichts häufig wenig mitgenommen. Schön dass man alles angesprochen hat, aber das gleiche Ergebnis hätte man, wenn man nur die Hälfte gelehrt hätte, das aber richtig, und die andere Hälfte zum Selbststudium aufgegeben.
Hier sind wir bei der Zielgebung, was ist die Intention einer Vorlesung? Nicht wirklich, dass Studierende was lernen, denn das müsste man anders aufziehen, sondern dass man ein Themenkomplex vorgestellt hat. Das funktioniert an Unis, da dort die Schüler autonomes Lernen gewohnt sind... in anderen Schulen ist das fatal.
Mal ehrlich an einer Uni ist Didaktik auch nicht nötig. Oder sagen wir mal eine andere Didaktik als in der Schule. Denn das Lernen an einer Uni ist etwas Anderes als in der Schule. Methoden, die in der Uni angebracht sind, sind es in der Schule nicht und umgedreht. Denn im Idealfall sollte der Student sich seinen Bildungshorizont selbstbestimmt aneignen. Das heißt, er lernt an der Uni, wie man wissenschaftlich arbeitet und sich in Themengebiete einliest, so dass am Ende ein Resultat herauskommt. Da gehört es eben auch dazu,als Student selbstständig zu entscheiden, ob man eine Vorlesung besucht oder sich lieber die Literatur selbst zusammensucht und durcharbeitet. Wenn der Dozent nämlich einen schlechten Vortrag hält, der einschläfernd und demotivierend ist, dann ist die Lernkurve beim Selbststudium an Stelle des Vorlesungsbesuches bestimmt steiler. Meine Erfahrung ist auch die, dass ich den größten Erkenntnisgewinn eben weniger durch Vorlesungen und Seminare hatte, sondern durch das selbstständige Verfassen einer Hausarbeit mit Literatursuche- und lektüre, Quellenstudium usw. Das ist auch nur bedingt vermittelbar. Wer sich ernsthaft mit einem wissenschaftlichen Problem auseinandersetzt, weil es ihn interessiert, liest nicht nur die unmittelbar notwendige Literatur, sondern grast auch Themengebiete ab, die das Seinige nur tangieren. Der wird sich nicht damit zufrieden geben, wenn eine Googlesuche nur magere EWrgebnisse liefert, sondern auch anfange, sich selbst Recherchestrategien zurechtzulegen, die vielleicht über Umwege doch zu brauchbaren Ergebnissen führen, obwohl der direkte Weg eine Sackgasse war.

Man kann Studenten in grundlegende Methoden und Standardwerke einweisen. Das Arbeiten damit wird aber erst die Grenzen aufzeigen und dazu nötigen, zu dem vorzustoßen, wohin ein Studium im Idealfall hionführen soll. Zum eigenverantwortlichen Lernen und kritischem Reflektieren. Du hast einen wichtigen Aspekt angesprochen. Der Zeitmangel. Man benötigt Zeit, um auch mal nach rechts oder links zu schauen. Ein Studium ist immer das, was man selbst draus macht. Ein schlechter Professor ist keine Ausrede.

Anders hingegen Schule. Sie soll zumindest mal die Wissensgrundlagen legen, die zumindest beim Abitur später zu einem selbstständigen Studium befähigen. Und hier geht es schon los. Was ist relevantes Wissen? Konsens dürfte darüber bestehen, dass ein Abitur allgemeinbildend sein sollte. Die Frage ist hier aber, wie tiefgehend sollen die Kenntnisse in den einzelnen Fächern gehen? Und meines Erachtens gehen sie allzuoft schon zu tief, auf Kosten der Qualität.

Nehmen wir mal das Stichwort Kompentenz. Es gab mal eine Zeit in Sachsen, da bestand eine Abschlussprüfung in Mathematik an der Fachoberschule aus einer Kurvendiskussion für eine Exponentialfunktion dritten Grades von Hand. Also das volle Programm über Nullstellenberechnung, Minimum, Maximum usw. Das hat genau die Hälfte der Prüfungszeit in Anspruch genommen. Der Rest war analog dazu analytische Geometrie.

Vorteil war, die Schüler haben zumindest mal sicher eine Kurvendiskussion von Hand vornehmen können und in der Regel auch die Mathematik dahinter verinnerlicht.

Heutzutage macht dies alles der Taschenrechner. Fokus liegt jetzt darauf, Lösungswege für Sachaufgaben zu finden. Die Rechnerei erledigt der Rechner. Ist ja gut und schön. Aber, das führt dazu, dass einerseits mittlerweile wesentlich mehr Mathematik in kürzerer Zeit vermittelt wird. n- dimensionale Vektoren und Matrizenrechnung kam z.B früher erst im Studium dran. Andererseits führt das dazu, dass die hinter Rechneranwendungen stehende Mathematik nur noch halb begriffen wird und folglich auch Fehler in der Anwendung erfolgen.

Ich würde mich zum Beispiel nicht darauf verlassen, dass jeder Wissenschaftler, der mit statistischen Methoden hantiert, sie auch richtig anwendet oder auch nur versteht. Gerade in Fächern, wo mathematische Methoden eher selten genutzt werden.

Und das war nur auf die Mathematik bezogen.

In Geschichte gab es Lehrer, die ihren Unterricht komplett auf Schülervorträge gestützt haben, so wie an der Uni. Das Resultat sah dann so aus, dass 3/4 aller Vorträge grottenschlecht waren, weil eben nicht nur die Geschichtsintersierten im Leistungskurs sitzen und die restlichen Vorträge dann von Geschichtfanatikern, die sich dann 90 min. austoben konnten, während der Rest der Klasse Bahnhof verstanden hat.

Viele denken leider, dass ausufernde Gruppenarbeiten, ellenlanges Stationslernen oder dümmliche Lernspiele mit Didaktik gleichzusetzen ist.
Ich kann mich an einen Vortrag über Bourdieu erinnern, der in Stationsraten gipfelte. Ich habe viele böse Blicke im Seminar geerntet, als darauf hingewiesen habe, dass man bei der Wahl der Methode auch im Blick haben sollte, welches Auditorium die Zielgruppe ist. (Sondernpädagogen wollte halt mal ihre Methoden ausprobieren)

Ich würde aber trotzdem einwenden, dass es weniger einer wissenschaftlichen Evaluation bedarf, um festzustellen, ob die Lerhmethode funktioniert. Ich meine, man kann durchaus an einer Klausur erkennen, ob das Wsentliche hängengeblieben ist oder nicht. Man erkennt, ob ein Fehler aus Schlampgkeit und Schusseligkeit eine Aufgabe verhauen hat oder sie nicht verstanden hat. Man kennt doch seine Pappenheimer. Und letztlich sollte ein Fachlehrer immer so selbstkritisch sein, sich einzugestehen, dass sein Fach nicht der Nabel der Welt ist.
Lehren zwar erlernbar, aber nicht von Jedem. Wer keinerlei Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis besitzt, dem werden auch Fragebögen oder sonstige Diagnosemethoden nicht helfen. Genau das wird aber teilweise in Seminaren suggeriert.