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Thema: Terra Nostra

  1. #51
    Aushilfspinsler

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    Er wollte gerade weiter reden, doch in diesem Moment wurde eine der Türen, die in den Raum führten, aufgestoßen und ein untersetzter Mann betrat den Raum, seine Uniform war sauberer als alles, was Anton in den letzten 24 Stunden gesehen hatte und der Mann strahle diese unangenehme Form von Autorität aus, die nicht aus Führungsqualitäten entstehen sondern von Menschen gelebt werden, die ihre eigene Inkompetenz mit Strenge überspielen müssen.
    Der kleine, dicke Mann sah sich kurz im Raum um, rümpfte die Nase, und ging dann zielstrebig auf Anton zu, neugierig aber distanziert beobachtet von den Verloren, die wieder anfingen ihre Wunden zu versorgen.
    Als wäre ein Bann gebrochen worden, ging Sebastian jetzt leise von einem zum anderen und gab Tipps oder legte selbst Hand an und Anton sah andere, die sich, zögerlich und distanziert, gegenseitig Verbände anlegten.
    Die Hacken zusammen schlagend blieb der untersetzte Mann vor Anton stehen und Anton sah auf. Ein Kurzer Blick auf die Schulterklappen des Mannes machten Anton ein wenig schlauer aber er war nicht wirklich so versiert mit den Dienstgraden des Bundeswehr, vermutete aber, dass dieser hier der ranghöchste Soldat in der Einrichtung sein könnte.
    „Sind Sie dieser Zivilist? Rieder?“, schnauzte er.
    „Ja, Rieder, das bin ich.“, stammelte Anton. Was sollte denn das? Was hatte er falsch gemacht?
    „Was maßen Sie sich eigentlich an, den von mir verhängten Gewahrsam aufzuheben?“, es fehlte nicht viel, und der Dicke hätte gebrüllt. Offenbar war er mit seinen Nerven am Ende und sein Doppelkinn zitterte.
    „Ich..“, begann Anton.
    „Und wie kommen sie darauf, dass sie hier überhaupt Zutritt haben? Dies ist eine militärische Einrichtung! Zeigen Sie mir ihren Ausweis!“, herrschte er Anton an.
    „Aber, wie wissen doch wie ich heiße...“, versuchte Anton es wieder.
    „Einen Scheiß weiß ich!“, jetzt schrie der Mann tatsächlich. Anton konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie einige der Soldaten im Rücken des Dicken bestätigend nickten.
    „Sie halten sich hier unbefugt auf!“
    Speichel sprühte in Antons Richtung der sich unwillkürlich fragte, ob das, was der Dicke Mann hatte, wohl ansteckend war.
    „Ich lasse sie einsperren!“, brüllte er weiter und gestikulierte wild in Antons Richtung. „Ergreift den Mann und sperrt ihn in den Keller!“
    „Wie Sie uns auch weggesperrt haben, Zeller?“, fragte ein Soldat keck, während er sich mit Alkohol einen Schnitt am Bein desinfizierte und scharf die Luft einzog.
    „Der gleiche Keller, Zeller? So behandelt man doch keine Gefangenen und noch weniger seine Gäste. Waren sie da mal unten? Eine Riesensauerei sag ich ihnen.“
    „Herr Oberst Zeller, Herr Stabsgefreiter“, blaffte der Dicke während er abwechselnd rot und weiß wurde. Seine Kiefer mahlten.
    In diesem Moment erklang ein Schuss. Dann noch einer und während alle noch lauschten drang ein Ruf durch die Fenster zum Innenhof.
    „Alarm! Angriff! Wir werden angegriffen!“
    Hin- und hergerissen stand der Dicke da, dann riss er sich aus der Situation los und stampfte nach draußen auf den Flur.
    Anton konnte sehen, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren, aber er war noch ganz benommen von dem Gebrüll des Dicken.
    „Was ist los?“, er blinzelte erschreckt als wiederum Schüsse zu hören waren.
    „Wir werden angegriffen.“, Rob sah ihn forschend an und suchte nach einer Schwäche, die er bei ihm wohl ohnehin vermutete.
    „Sollten wir uns nicht verteidigen?“, sein Ton war lauernd.
    „Ähr ist die Alphatier, Lulatsch.“, brummte Seymon drohend. „Du 'ast es sälbs' gesag.“
    „Najaa“, meinte der Lange jetzt gedehnt, während er Seymon musterte. „Ich...“
    „Ruhe jetzt!“, Anton war aufgestanden. Alle Augen wandten sich wieder ihm zu und er konnte ihnen ansehen, dass sie eine Entscheidung erwarteten.
    Er atmete einmal tief durch während draußen die Schüsse häufiger wurden, dann nickte er in die Runde.
    „An die Waffen.“
    Anton sah ein paar Männer aus seinem 'Rudel' verhalten grinsen, dann waren sie auf den Beinen.

    Es war nicht so, dass Anton noch nie gestandene Männer geführt hätte. Er war Cheftürsteher im Paradiso gewesen und hatte für zwei Jahre fast ein dutzend Männer durch die guten und schlechten Zeiten im Rotlicht geführt. Er hatte Verletzungen verursacht und war selbst verletzt worden, hatte blutende Kollegen zum Krankenwagen getragen und mehr als ein paar Mal vor der Polizei ausgesagt. Aber nichts was er erlebt hatte, kam an das hier heran.
    Die Soldaten wussten was zu tun war und wussten es besser, als Anton. Es dauerte ein paar wenige Minuten bis sich die Männer bewaffnet hatten, denn es erschwerte die Sache, dass sich keiner der Männer weiter als ein dutzend Meter, oder etwas mehr, von Anton entfernen wollte. Immer wieder sah er einen, der sich zu weit von ihm weg wagte und plötzlich apathisch erstarrte, sich lauernd duckte oder krampfhaft die Hände öffnete und wieder schloss. Doch jedes Mal war einer der Kameraden zur Stelle, packte den Unglückseligen am Arm oder kurzerhand am Kragen und schleifte ihn, so schnell ihn die Beine trugen, zurück zu Anton.
    Das Sammelsurium an Waffen und Ausrüstung, das die Soldaten in den Zimmern des Versorgungszentrums fanden war bunt, aber zweckmäßig, und als sie sich entschlossen, sich dem Kampf anzuschließen, hatte die meisten der Soldaten klobige Schutzwesten gefunden und irgendeine Waffe zur Hand. Bloß einen der Soldaten sah Anton, ein kleiner, wieselartiger Mann, der bloß einen Klappspaten in der Faust hatte, doch darüber machte er sich gerade die wenigsten Gedanken denn jemand hatte auch ihm eine Schutzweste übergestülpt und ein schwerer, ballistischer Helm schaukelte auf seinem Kopf herum, und gerade zog ihn die Masse mit sich auf das Haupteingangsportal zu. Rasselnd, scheppernd und donnernd waren Maschinengewehrsalven zu hören, dann wurde das Portal von Robert aufgestoßen und sie befanden sich am Rand eines Schlachthauses.
    Gerade zogen sich eine handvoll Soldaten durch das Hoftor, dass hinaus zu Straße wies zurück. Sie hatten dort eine Sandsackstellung verteidigt, die jetzt unter den zu Klauen gekrümmten Händen der Angreifer wankte und zerfiel. Anton konnte durch den schmalen Spalt sehen, dass die Angreifer, obwohl es alles Menschen waren, unterschiedliche Verhalten an den Tag legten. Manche standen aufrecht, offenbar sich selbst und ihrer Umgebung bewusst, und brüllten und stachelten die anderen an. Andere gebärdeten sich wie Berserker in einem Blutrausch, rannten aufrecht herum, die Muskeln zuckend, und mit wilden Augen, während die letzten wie Tiere geduckt oder auf allen Vieren durch den Schmutz krabbelten, geiferten und schnappten und jeden Tritt, den sie bekamen, mit einem Biss oder einem Kreischen beantworteten.
    Die Soldaten hatten gerade den schmalen Tunnel des Tores verlassen, als schon die ersten Schützen, der im Hof postierten Maschinengewehrstellungen, ihre Salven in die ankommende Masse hämmerten und Anton war froh, den Helm zu tragen, so schrecklich laut donnerte es durch den geschlossenen Hof.
    Schockierte starrte Anton auf das Grauen, das eine automatische Waffe einer Menschenmenge antun konnte als Männer und Frauen, denn auch die waren unter den Angreifern, in sich zusammen klappten oder steif fielen wo sie standen, durchbohrt von den Geschossen.
    Er sah, dass sich diejenigen der Verrückten vor dem Tor, die offenbar noch halbwegs klar denken konnten, vor dem Tor zurückzogen, doch er konnte keine Angst erkennen, während die eher tierischen Angreifer weiter ungestüm gegen das Tor anrannten. Auch der ein oder andere Berserker war darunter, brüllend vor Zorn und furchtlos, doch kurz darauf tot, schoben sich die irren Massen immer näher an den Hof heran und benutzten teilweise die Leichen ihrer Gefallenen als Deckung. Eine lausige Deckung, dann die Geschosse der Maschinengewehre durchschlugen mehrere Körper und verletzten und töteten auch noch durch mehrere Schichten der Toten hindurch. Und trotzdem, wider Erwarten, kroch dieser Wall aus Toten und Sterbenden dem Tor entgegen. Blut spritzte bis an die Decke des Durchganges, ein grausiges Miasma des Todes.
    Und obwohl Anton sich sicher war, schier taub von dem Waffenlärm zu sein entging ihm doch eines nicht: Das Klirren von brechendem Glas.
    Die Fenster!
    „Oberst Zeller!“, brüllte Anton, als er den dicken Offizier an einem der Fenster zum Hof stehen sah, doch der Mann hatte ihm den Rücken zugewandt und gestikulierte aufgebracht, während er Männer in die verschiedenen Gänge und Zimmer schickte. Er hatte die Gefahr wohl auch bemerkt und ergriff bereits Maßnahmen. Kurz darauf merkte einer der Soldaten an einer der inneren Barrikaden auf, fasste sich konzentriert an die Stelle des Helmes, an der sein linkes Ohr war, nickte und brüllte dann einige unverständliche Sätze während seine Soldaten schon auf dem Weg zurück in das Hauptgebäude waren. Schulterzuckend sah sich der Mann um, offenbar unzufrieden, eine befestigte Stellung während des Gefechts aufzugeben, als sein Blick Anton traf. Der nickte schnell und rannte, ohne weiter abzuwarten, auf den Mann und seine Stellung zu, während der andere sichtlich erleichtert seinen Männern in das Gebäude folgte.
    Überall um sie herum waren jetzt Schüsse zu hören und das Blutige Rudel verteilte sich selbstständig im Hof und hinter den Barrikaden, keinen Moment zu früh, denn der Berg auf Leichen, der durch das Tor geschoben wurde kippte jetzt um und plötzlich war der Hof voller rennender Gestalten und die anwesenden Soldaten eröffneten fast zeitgleich das Feuer.
    Krachend und vibrierend, der Putz platzte von den Wänden und Staub, Splitter und Querschläger füllten die ersten Meter vor dem Tor als die Wilden starben, wie die Fliegen. Schon dutzende waren gefallen und es wurden immer mehr, doch jetzt erreichten die ersten unter ihnen die vorgeschobenen Sandsackwälle und stolperten darüber und dahinter, in einen grausamen Nahkampf mit den Verteidigern verstrickt.
    Die Geschütze der Radpanzer, die mitten auf dem Hof standen, hämmerten laufende Gestalten nieder.
    Männer schossen, schlugen mit Gewehrkolben, schlugen mit einem Klappspaten, und langsam verebbte der Strom der Angreifer.

    Anton war schwindlig. Sein Kopf fühlte sich schwer und geschwollen an. Gehirnerschütterung und schwerer Helm. Er halb taub von den Schüssen und immer wieder würgte ihn der Geruch nach Blut, der übermächtig im Hof zu stehen schien. Er schmeckte bittere Galle.
    Die Soldaten sahen sich unruhig um, offenbar ratlos, was sie tun sollten, denn Zeller war nicht da um Kommandos zu geben und so harrten sie weiter aus, unterdessen aus dem Gebäude noch vereinzelte Schüsse zu hören waren.
    Der Blutgeruch wurde stärker und Anton schüttelte benommen den Kopf. Ihm war schlecht. Jemand schrie. Wo war eigentlich Anna?
    Scheiße!
    Anna?
    „Anna!“, brüllte er, sodass Seymon, der nicht von seiner Seite gewichen war, zusammen zuckte und sich die Soldaten an seiner Seite unruhig ansahen.
    „Das Mädchen ist weg?“, zischte einer. „O-ooh!“
    „Was soll das heißen?! O-ooh!“, Anton konnte sich kaum beherrschen vor Angst und Sorge. „Was willst du damit sagen!“, schrie er, als er den Kerl am Kragen packte und schüttelte, und ihn dann genauso schnell wieder los lies und mit brennenden Augen das Gebäude musterte.
    „Dass sie ziemlich weit weg von ihm ist.“, murmelte der gebeutelte Soldat leise und sah seine Kameraden hilfesuchend an. „Und weit von ihm weg kann nicht gut sein..“.

    Wenige Minuten später hatten sich seine Männer vor dem Eingangsportal zum Gebäude versammelt und warteten nur auf ihn. Obwohl er hätte schreien können vor Sorge, hatte er sich die Zeit nehmen müssen um sich zu vergewissern, dass der Hof auch ohne ihre Unterstützung zu halten sein würde. Er wagte nicht zu schätzen, wie viele Tote sich im Hof stapelten, doch München hatte noch viele, viele tausend Einwohner mehr gehabt. Und bei Verstand waren davon wohl nur noch die wenigsten.
    Gerade waren ein paar der Geschützmannschaften dabei, einige der Leichen vom Tor weg zu zerren, um sich für den nächsten Angriff ein freieres Schussfeld zu schaffen. Die Männer schwitzten, mit angeekelten Mienen, während sie immer wieder zusammen zuckten, wenn Blutstropfen von der Decke des Durchgangs auf sie hinunter fielen.
    Anton ging zurück zur doppelflügligen Eingangstür und Robert Dohm nickte ihm zu, bevor er, sein Gewehr mit einer Hand im Anschlag haltend, lauernd die Türe aufdrückte. Anton hatte kein gutes Gefühl, ihm war schlecht und er fühlte sich krank, aber er schob es auf das viele Blut und den schier überwältigenden Gestank nach dieser und anderer Körperflüssigkeiten. Außerdem wurde im Gebäude immer noch geschossen, es war nicht klar, ob diese Schüsse jemandem innerhalb des Gebäudes galten, oder auf die Straße nach draußen abgefeuert wurden.
    Seine Männer, er schalt sich kurz einen Idioten denn das waren nicht „seine“ Männer, drängten sich daher auch vor ihm zusammen, um ihm ein Höchstmaß an Schutz bieten zu können, als sie jetzt langsam, den Flur zur Linken entlang, vorrückten.
    Von dort kamen die Schüsse. Anton sah seine Befürchtungen bestätigt, die ersten Toten lagen auf dem Gang vor ihnen.
    Der Feind hatte es in das Gebäude geschafft, während es ihnen noch gelungen war den Hof zu halten!
    Aufmerksam sondierten sie jeden Raum, an dem sie vorbei kamen, aber alles lag verlassen da. Dass die Fenster gefallen waren und der Feind im Gebäude war, war das eine, aber so wie es aussah waren den Verrückten just in dem Moment die Männer ausgegangen, als sie die Verteidigung überwunden hatten.
    Was hatten sie doch für ein verdammtes Glück gehabt, dass sich die meisten der Wilden auf den Hof gestürzt hatten!
    So verdammt viel Glück!
    Ein Schuss! - nah vor ihnen, meinte Anton - Und einer der Soldaten drängte Anton in eines der Zimmer zu ihrer Rechten, als weitere Schüssen brachen, sich näherten, und gleichzeitig ein viehisches Heulen erklang, dass den Männer die Haare zu Berge stehen ließ.
    Trappelnde, rennende Schritt durchdrangen die lastende Angst. Und auch eine neue, schreiende Stimme. Weiblich. Anna!
    Anton stürmte auf den Gang und riss einen der jungen Bundeswehrsoldaten mit sich, als dieser im letzten Moment noch versuchte, ihn zu halten.
    Er kam zeitgleich mit Oberst Zeller auf den Flur, der gerade am hinteren Ende des Ganges um die Ecke gerannt kam. Sein fetter Bauch schwankte von einer Seite auf die Andere, sein Uniformhemd war aufgerissen und blutbesudelt und sein Gesicht zeigte die Fratze eines Teufels, bösartig verzogen, mit Schatten wo keine sein sollten und beinahe glühenden Augen.
    Er kam gerade den Gang hinunter gejagt, auf sie zu, und schwenkte dabei eine Pistole; in der andere Faust hielt er einen dicken Zopf von Annas Haaren.
    Gottlob!, stieß Anton in Gedanken hervor, „Sie lebt!“, denn Anna wand und bockte hinter dem fetten Offizier, der sie über den Boden hinter sich her schleifte als wäre sie bloß eine Puppe.
    Ungebremst raste Oberst Zeller auf sie zu und brüllte wie ein Stier! Die Augen weit aufgerissen und die Pistole vor sich gestreckt konnte Anton gerade noch den bösen und rasenden Blick sehen, den Zeller ihm zu warf, dann riss es den Kopf des Fetten herum und den Mann von den Beinen, gerade als Anton den Schuss hörte und der irre Sprint des Obersts jäh gestoppt wurde. Ein Soldat mit den Abzeichen eines Panzergrenadiers ließ gerade grimmig die Waffe sinken, doch es war noch nicht vorbei.

    Das Ende des Ganges schien dunkler zu werden, sich zu winden und zu verschwimmen, und dann kam ein Wesen um die Ecke, das Anton sich in seinen Alpträumen nicht schlimmer hätte ausmalen können.
    Es war groß, größer als ein sehr großer Mann und muskulös, obwohl es dürr wirkte. Seine Haut leuchtete hellrot und lange Hörner entsprossen einer hässlichen Monsterfratze aus deren offenem, zahnbewehrtem Maul eine lange, violette Zunge peitschte. Das Ding hatte einen langgezogenen Kopf und als es jetzt geschmeidig auf sie zu zu gehen begann, da knickten seine Beine. Ganz unnatürlich und wiederwärtig sah das aus, dachte Anton, morbide fasziniert, als hätte dieses Ding die Beine einer Ziege. Robert neben ihm drückte ab, andere ebenfalls, und Schüsse peitschten in das Wesen, sodass Blutnebel hinter ihm durch den Gang wirbelte, doch das Ding zuckte nur und schien grunzend zu lachen als es den Arm ausstreckte und ein meterlanges, brutales, von einer Vielzahl Zacken gesäumtes Schwert in seiner Teufelspranke erschien. Der Geruch nach altem Blut und Eingeweiden wallte übermächtig stark durch den Gang und zwei Soldaten übergaben sich lautstark. Anton schluckte bittere Galle, dann nahm er all seinen Mut zusammen, sprang vor und dann, als er Anna zu fassen bekam, drehte er sich um und rannte um sein Leben.
    Er rannte, so schnell er konnte. Der Gang war nicht lang, gleich würde er im Hof sein! Vor Angst hämmerte sein Herz wie verrückt kurz wallte ein schwarzer Schleier vor seinen Augen auf, als ihm der Kreislauf wegsackte.
    Was war das gewesen? Ein Tier? Oder war es ein mutierter Mensch?, er schnappte nach Luft während er sich an einem steinernen Geländer festhielt.
    Das war ein Alien!, er schüttelte den Kopf, Mach dich nicht lächerlich!
    Sein Blick klarte langsam auf und er sah die stumm starrenden Gesichter mehrerer Soldaten ein paar Stufen unter ihm. Er war im Hof! Er hatte es geschafft!
    Doch der rote Teufel brach in diesem Moment durch die Tür, die Anton hinter sich ins Schloss geworfen hatte und Fleischfetzen, Blut und Uniformfetzen wirbelte durch die Luft, als er mehrere Männer hinter Anton in Stücke schlug.
    Die Welt kippte um ihn, er vom Schwung des Angriffs über die Kante der Treppe getrieben wurde und schlug hart auf, doch war ihm alles recht, solange es ihn aus dem Gefahrenbereich dieses Schwertes brachte, dass wie ein wischender Schemen seine Kontur verloren zu haben schien. Männer starben, einer nach dem anderen, als wären sie Kerzen im Wind, und Anna hing wie eine willenlose Puppe an Antons Arm.
    Krachend donnerte es von den Wänden wieder, als mehrere Maschinengewehre, von den Lafetten der Panzerwagen, das Feuer eröffneten und den gesamten Portalbereich des Gebäudes in Staub hüllten. Anton sah das rote Ding von Treffern geschüttelt – sechs, sieben, bald ein dutzend Mal spritze sein Blut auf die Wand hinter ihm und hinterließ rauchende und blasen werfende, schwarze Flecken – dann unternahm der Teufel einen gewaltigen, monströsen Sprung und schlug mit Körper und Schwert in dem ihm am nächsten stehenden Panzerwagen ein.
    Er durchschlug ihn, mit seiner Klinge, vom Dach bis zum Boden.
    Anton meinte einen panischen Schrei zu hören, aber vielleicht war es auch das gepeinigte Metall.
    Dann war das Ding weg, verschwunden, durch den Boden gebrochen oder in Rauch aufgegangen.
    Einfach weg.

    Taub und stumm, mit schwarzem Pulverschmauch und Betonstaub im Gesicht, hockte Anton auf dem Boden. Er spürte, wie Anna sich an seinem Arm zu regen begann. Doch der Schock saß zu tief und Anton saß nur da, den Kopf leer und alle Angst verbraucht.
    Hinter ihm fiel irgendwo klappernd eine Waffe auf den Boden und Anton hörte einen der Soldaten ein erschöpftes „Oh Gott!“ murmeln.
    Die Schmerzen seiner Gehirnerschütterung kehrten zurück.
    BUMM BUMM.
    BUMM BUMM.
    Mit letzter Kraft stand Anton auf, taumelte und ging dann die Treppe nach oben, um sich nach dem fallen gelassenen Sturmgewehr zu bücken. Schwer und ungewohnt lag es in seiner Hand und er brauchte einen Moment, um den ihm unvertrauten Riemen über die Schulter zu legen. Dann ging er zu Anna, hob sie hoch.
    „Bist du vom Blutigen Rudel?“, fragte er einen Soldaten, der nur verständnislos glotzte, und ließ ihn stehen.
    „Und du?“, fragte er den nächsten, dessen Gesicht blau und geschwollen war, „Bist du vom Blutigen Rudel?“
    Der Soldat vor ihm nickte stumm, und sein Gesicht verschwamm vor Antons Augen als seine Kopfschmerzen stärker wurden. Doch eine neue Entschlossenheit hatte von ihm Besitz ergriffen: Er würde das überleben! Und Anna auch! Und Seymon! Und das bedeutete, selbst zu handeln, und sein Leben nicht in die Hände von Leuten zu legen, die genauso wenig wussten, wie es weiter gehen sollte, wie er selbst.
    „Hol die anderen her!“, nuschelte er, als die Welt kurz kippte und der Verlorene ihn geistesgegewärtig am Arm packte – dann hatte Anton sich wieder unter Kontrolle.
    „Sie sind alle da!“, flüsterte der Mann mit dem entstellten Gesicht, „Wir waren nie weit weg!“
    Langsam kamen auch die anderen im Hof zu ihm: Seymon, dessen Shirt zerrissen war und den Blick auf einen langen aber oberflächlichen Schnitt in seiner Brust freigab, Vasili, der aus dem Gebäude getreten war und offenbar aus einem Flügel desselben kam, der bei dem Ansturm nicht gefallen war, Robert Dohm, Sebastian Träubner und der lachende Soldat vom Eingangstor, der sich einen Schritt hinter Vasili hielt und ein dutzend anderer. Anton hörte „Blutiges Rudel“, wie eine Parole, von einigen der Soldaten. Er nickte grimmig, und provozierte damit neue Kopfschmerzen.
    „Vasili! Wir müssen hier weg. Wir brauchen einen Ort, den wir sicher machen können..“
    Der Oberfeldwebel nickte knapp.
    „Wir nehmen den Radpanzer!“, entschied Vasili und er begann, die Leute einzuteilen und Befehle zu geben. Anton seinerseits ging ein paar Schritte zur Seite, stolpernd durch das Geröll, dass überall auf dem Boden lag und befingerte unsicher das Sturmgewehr, das vor seiner Brust baumelte, als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte. Es war der Sanitäter, Sebastian.
    „Ich zeige dir, wie das Ding funktioniert.“, bot er sich mit einem leisen Lächeln an, wobei einige seiner eingetrockneten Verletzungen im Gesicht wieder aufrissen. „Sieht ja aus, als ob die ruhigen Zeiten dann mal vorbei sind.“.





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    Ich muss euch leider mitteilen, dass ich den ganzen April über außer Landes bin. Keine Fortsetzungen also über diese Zeit
    Hoffe, ich kann mit diesem neuen Teil die Spannung hoch halten!

    Cheers!

    Flat

  2. #52
    Aushilfspinsler
    Avatar von Avdnm
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    Zitat Zitat von Flatnose McKnife Beitrag anzeigen
    Ich muss euch leider mitteilen, dass ich den ganzen April über außer Landes bin. Keine Fortsetzungen also über diese Zeit
    Dann komm ich vielleicht ja doch mal zum arbeiten...

  3. #53
    Aushilfspinsler
    Avatar von Tregiew
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    Aaaargh wann ist der April endlich rum?

  4. #54
    Aushilfspinsler

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    Hi Jungs!
    Ich bin wieder da und dran zu schreiben! Aber ich bräuchte ein wenig Hilfe.

    Es kostet mich unheimlich viel Zeit, Details im Wahrhammer Lexicanum zu recherchieren. Das betrifft Dinge, die mir nicht immer ganz geläufig sind, hauptsächlich Ausrüstung und Materialbestand der WH40k Fraktionen betreffend.
    Wenn sich jemand bereit erklären könnte, mir bei Fragen zur Verfügung zu stehen (z.b. welche Flugzeuge benutzt das Adeptus Sororitas gemeinhein bei Landungen auf Planeten, welche Flugzeuge und Fahrzeuge sind die gebräuchlichsten bei der Imperialen Armee, etc.), dann wäre ich sehr verbunden!

    Danke Schreibt mir einfach ne PM!

  5. #55
    Aushilfspinsler

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    Huhu MC Knife

    Ich wollte mal fragen ob du dieses Projekt nach einem Jahr noch weiter verfolgst? Wäre echt schade, denn das Thema und die Geschichte bis jetzt machen schon verdammt lust auf mehr und das Szenario mit unserer Welt finden ich echt klasse.

  6. #56
    Blisterschnorrer
    Avatar von Joman
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    Wooow hab gerade erst angefangen zu lesen und bin hellauf begeistert!

  7. #57
    Aushilfspinsler

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    bin auch für eine Wiederbelebung

  8. #58
    Blisterschnorrer
    Avatar von Joman
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    So bin durch und möchte mehr!

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