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    Episode II

    "Dein richtiger Name ist Lyra Akasa, nicht wahr?", fragt sie mich als erstes mit einer sehr melodisch anmutenden Stimme.

    "Das ist nicht korrekt, Herrin. Mein Nachname lautet Askana.", erwidere ich weiterhin in devoter Haltung verharrend.

    "Oh, da hat wohl jemand bei Gericht deinen Namen falsch notiert", meint meine Herrin in einem neutralen Tonfall.

    "Dem ist wohl so, Herrin", schließe ich mich ihren Verdacht an.

    "Du darfst bequem stehen, Lyra!", befiehlt sie mir und ich lasse meine Arme frei zur Seite baumeln und wage es, sie direkt anzusehen. Mir ist bewusst, dass ich nicht gerade fotogen aussehen dürfte in meinem verschwitzten Tankshirt und der kurzen Sporthose. Beides ist mir inzwischen zu klein, aber die Arena gibt nur am Anfang Kleidung aus und die wird nicht mehr ausgetauscht bis zum Zeitpunkt des großen Bietens. Die wenigsten Mörder sind Kinder wie ich, deswegen falle ich durch das Raster. Ich bin durch das Training und dem Kampf gegen den Übungsdroiden vollkommen verschwitzt und mein kahlgeschorener Kopf sieht bestimmt sehr hässlich aus. Jedenfalls fühle ich mich hässlich ohne meine schönen Haare.

    "Nicht schlecht für ein Mädchen", meint sie schließlich in einem eher bitteren Tonfall, nachdem sie mich eine recht unangenehme Zeitspanne schweigend gemustert hat. Da sie mir nicht gestattet hat zu reden oder dies eine Frage war, schweige ich zu der Feststellung. Wobei ich den eher negativen Tonfall in dem Zusammenhang nicht nachvollziehen kann. "Mein Vater hat das immer zu mir gesagt, wenn ich Aufgabe erfüllt, in einem Test sehr gut abgeschnitten oder einen Preis gewonnen habe. Bei meinen drei größeren Brüder hieß das dann immer: Gut gemacht, Junge. Aber bei mir was es halt nur: Nicht schlecht für ein Mädchen. Auch wenn ich bessere Platzierungen in Wettbewerben und bessere Noten wie meine Brüder bekommen habe." Mir ist nicht klar, was sie mit dieser Rede bezwecken will. Nach ihren Worten scheinen die Falleen ein eher rückständiges Rollenverhältnis zu haben, was unterschiedliche Geschlechter anbelangt. Nicht viele Welten haben eine so fast vollkommene Gleichberechtigung in allen Bereichen wie Corellia. Ich schweige weiter, da sie mir keine Frage gestellt hat. Auch eine Lektion, die ich nach einem Peitschenhieb mit der Neuralpeitsche verinnerlicht habe.

    "Du fragst dich sicher, warum ich in aller Welt dich ausgewählt habe, nicht wahr?", fragt sie schließlich.

    "In der Tat, Meisterin", erwidere ich sofort wahrheitsgemäß, da ich mich das wirklich frage. Noch weiß ich nicht, was ich von der Frau halten soll. Aber da sie mich noch nicht angeschrien oder mir irgendwelche Drohungen an den Kopf geworfen hat, werte ich das mal als gutes Zeichen. Bis jetzt haben mich alle Aufseher immer angeschrien, bedroht oder auch beim kleinsten Anlass geschlagen. Normalerweise mit einem massiven dicken Stock und insgesamt fünf mal mit der Neuralpeitsche.

    "Du bist zu jung, zu klein und zu schwach. Das ist der allgemeine Tenor, den ich von allen zu hören bekommen habe, die dich begutachteten. Ich habe 99 von 100 Anteilen für nicht mal 2000 Credits erworben. Die Hutten der Roten Arena waren froh, dich noch irgendwie los zu bekommen und dich nicht als vollkommenen Totalverlust abzuschreiben. Toter Ballast nennt man solche wie dich hier, wenn eine Arena ein komplettes Kontingent übernehmen muss. Ich bin sicher, die Hutten sind sauer, dass du so lange überlebt hast."

    "Das dürfte im Bereich des möglichen liegen, Herrin!", erwidere ich. Am Anfang gab einige recht heikle Trainingseinheiten, welche die schwachen, langsamen und viel zu alten Delinquenten aussortiert haben. Der Begriff Toter Ballast trifft es ziemlich gut. Einige der Übungen habe ich nur durch Glück überlebt. Und vielleicht, weil es der Wille der Macht war. Aber momentan bin ich etwas sauer auf die Macht, da ihr Plan äußerst schmerzhaft ist und ich mir wirklich verdammt große Sorgen um meine kleine Schwester Eloy mache. Aber meine eigentliche Frage hat sie nicht wirklich beantwortet, sondern nur bewiesen, dass sie sich dessen bewusst ist, was sie da eingekauft hat.

    "Die Hutten sehen in dir nur Toten Ballast, aber ich sehe ein gewaltiges Potential eines Mädchens, dass bald zur Frau wird. Du hast neun Monate Grundausbildung überlebt. Siebenunddreißig andere sind gestorben, du nicht. Ich habe dich kämpfen sehen, du kämpfst für mehr, als nur zu überleben. Ich sehe in dir eine wahre Kriegerin, die noch im Körper eines Kindes gefangen ist. Aber die Zeit wird das ändern. Was treibt dich genau an?" Die Falleen sieht mich intensiv an. Versucht sie schon mich zu manipulieren? Soll ich die Wahrheit sagen? Habe ich etwas davon, wenn ich lüge?

    "Ich kämpfe, um zu überleben, um eines Tages meine Schwester Eloy zu retten, Herrin", rutscht es mir mehr oder weniger freiwillig heraus. Das ich auch darauf hoffe, dass mein Vater mich irgend wann retten wird, verschweige ich lieber.

    "Du hast also eine Schwester. Ich nehme an, du bist die Ältere?"

    "Das ist korrekt, Herrin", erwidere ich und merke, wie sehr ich Eloy vermisse. In der kleinen Wohnung habe ich sie innerlich oft verflucht, weil sie eben so klein, so nervig und so anhänglich war. Aber erst wenn einem etwas genommen wird, kommt die Erkenntnis, wie sehr ich Eli eigentlich geliebt habe.

    "Und du weißt, dass die Wahrscheinlichkeit in die Freiheit entlassen zu werden, sehr gering ist?" Die Fallen sieht mich fragend an, während ihr Tonfall neutral bleibt.

    "Das ist mir durchaus bewusst, Herrin. Aber wir Corellianer sind für unseren grenzenlosen Optimums bekannt, Herrin", bestätige ich ihre Worte. Die einzige Möglichkeit für einen zum Tod in der Arena verurteilen Gladiator legal in die Freiheit zu kommen, in einem Battle Royal zu triumphieren. Der Finale Endkampf, wenn man zwölf Standardjahre in der Arena überlebt hatte. Die Anzahl der Teilnehmer war immer unterschiedlich, aber unter einem Dutzend waren es normalerweise nie. Und nur der Sieger kommt frei, der Rest stirbt. Und manchmal vereendet auch der Sieger, wenn er zu schwere Blessuren im Kampf davon getragen hat. Wenn man es überlebt, wird man begnadigt und in die Freiheit entlassen. Ein kleines Fünkchen Hoffnung, um die Illusion eines Auswegs aufrecht zu erhalten.

    "Wie ich sehe, ist die sprichwörtliche corellianische Arroganz kein Klischee", erwidert sie lachend. Ich erwidere nichts darauf, da dies nur eine Feststellung gewesen ist.

    "Du bist eine Mörderin, wie ist es dazu gekommen?", wechselt die Falleen das Thema.

    "Nach dem Tod meiner Mutter versuchte ich unseren Vater zu kontaktieren. Ich hatte die Adresse eines Kontaktmannes, aber der ist ein paar Tage vorher aufgeflogen und die Kopfgeldjäger setzten einen Gewürzsüchtige ein, um eventuell weitere Dissidenten von Corellia dingfest zu machen. Sie sperrte uns in eine kleine Küche, aber wir versteckten uns und täuschten eine Flucht durch den Lüftungsschacht vor. Leider wurden wir trotzdem entdeckt und in Notwehr tötete ich die Frau mit einem Küchenmesser, weil sie mit einem Blaster auf mich schoss. Die zwei Kopfgeldjäger waren mir leider über, so dass wir gefangen genommen wurden", erzähle ich wahrheitsgemäß meine Geschichte. Wahrscheinlich steht das eine oder andere sogar so in meiner Akte und ich sehe keinen Vorteil darin, darüber zu lügen.

    "Das deckt sich mit den mir bekannten Fakten. Dein Vater lebt demnach noch und ist im Untergrund?" Damit bestätigt meine neue Herrin, dass dies wohl gerade ein Test meiner Aufrichtigkeit war.

    "Ich denke, dass mein Vater noch lebt, Herrin", hoffe ich, da ich ja schon länger keinen Kontakt mehr mit ihm habe und ich nicht weiß, ob er überhaupt noch lebt. Wenn ja, scheint er nicht besonders Erfolgreich nach mir gesucht zu haben.

    "Xesh, hole uns doch bitte eine Karaffe Wasser und zwei Gläser aus der Küche", befiehlt meine Herrin wohl dem Protokolldroiden.

    "Wie ihr wünscht, Prinzessin Xira", bestätigt der Protokolldroide mit einer angedeuteten Verbeugung und watschelt davon. Meine Herrin wartet, bis die Tür sich hinter ihm geschlossen hat, dann stellt sie ein Gerät auf den Schreibtisch, dass ich nicht kenne und aktiviert es. Außer das eine Leuchte anfangt zu blinken passiert nichts erkennbares. Die Adlige, nach ihrem Titel wohl die Tochter eines der vielen Herrscherhäuser von Falleen, winkt mich zu sich her und beugt sich vor.

    "Diene mir vier Jahre nach bestem Kräften und ich verspreche dir, dass ich eine Möglichkeit finde, dich ich die Freiheit zu entlassen und wenn dein Vater noch lebt, dich ihn zu übergeben. Was hältst du davon, Lyra?", fragt sie mich. Ich bin irritiert und überrascht zugleich über ihren Vorschlag, der in meinen Augen nicht wirklich Sinn ergibt. Zu neunundneunzig Prozent gehöre ich ihr ja schon und ich bin ihre Sklavin, mit der sie fast alles tun und lassen kann, was ihr in den Sinn kommt. Warum dieses Angebot, dass sie so nicht nötig hat?

    "Das wäre Toll, Herrin. Aber ich verstehe nicht, warum ihr mir dieses Angebot unterbreitet", erkläre ich ehrlich meine Verwunderung über diesen unerwarteten Vorschlag.

    "Damit du mit all deiner Kraft für mich kämpfst. Ich brauche dich als Partnerin, die mit jeder Faser ihres Seins mit mir am gleichen Strang zieht. Kämpfe für mich vier Jahre in der Arena mit all deiner Kraft und ich schenke dir die Freiheit, mein Wort darauf, kleine Kriegerin. Kann ich mich auf dich verlassen, Lyra?" Mit diesen Worten reicht sie mir ihre gepflegte Hand mit kunstvoll bemalten Fingernägeln, die eher schon Krallen sind. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich komme mir vor wie ein Rancor, auf dem Zeichentrickfigur Tricky Trixi sitzt und mir ein Nuna an einer Angelleine vor die Nase hält. So das ich für eine gewisse Zeit dazu gezwungen bin, dem Köder vor meiner Nase zu jagen. Puschel hatte alle Staffeln der Serie in seinem Speicher und ich habe alle Episoden mehrmals angesehen, weil die kleine trickreiche Corellianerin die meisten Probleme mit ihrem scharfen Verstand gelöst hat, was mir sehr imponiert hat.

    Nakagos wirre Gedanken

    Ich finde die Falleen als Rasse recht faszinierend. Leider haben sie es nicht in den jetzigen Kanon geschafft.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  2. #12
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    Episode III

    "Du fragst dich sicher, ob ich nicht nur mit dir spiele und ob du mir vertrauen kannst. Dessen kannst du dir nicht sicher sein und egal was ich sage, es wird daran nichts ändern. Du kannst es nur darauf ankommen lassen und darauf hoffen, dass ich dich nicht hintergehe, Lyra", versucht meine Herrin Xira mich zu überzeugen. Mit ihren Worten hat sie durchaus recht, ich werde nie sicher sein können, ob sie Wort hält oder nicht. So was nennt man wohl Vertrauen.

    "Na gut, Prinzessin Xira!" Mit einem Handschlag bekräftigen wir unser Abkommen. Ist ja nicht so, dass ich groß eine Wahl habe. Sie setzt sich wieder bequem hin und der Droide kommt mit einem Tablett durch die sich öffnende Tür gewankt. Protokolldroiden sind keine Butlerdroiden, dass merkt man gleich. Da nehme ich dem Droiden lieber das Tablett ab, bevor noch was zu Bruch geht. Unaufgefordert schenke ich uns beiden ein Glas Wasser ein.

    "Das wäre ja dann geklärt. Nun bist du mein Besitz und wir haben noch drei arbeitsreiche Monate vor uns. Morgen früh beginnt dein Training. Trink aus und begebe dich in deine Zelle!", befiehlt meine Herrin. Ich befolge dem Befehl und folge schließlich einem schwebenden Droiden in den Zellenblock, der sich im oberen Geschoss befindet.

    Meine Einzelzelle ist winzig und in einem sanften Grün gehalten. Die eine Hälfte wird von einer Schlafnische und die dazu gehörenden Einbaufächer eingenommen. Der Rest wird noch einmal durch eine Hygienezelle geteilt. Aber dafür ist alles sauber und wirkt neuwertig. Ich schaue mich nach Überwachungsgeräten um, kann aber keine entdecken. An der Decke gibt es zwei Öffnungen für die Lüftung und einen Lichtgloben, den ich sogar an und aus machen kann. Ich blicke in die Verschläge und Schubladen. Zu meiner Überraschung finde ich darin saubere Trainingskleidung. Überall steht mein Kennung, aber auch mein realer Name darauf, auch wenn der Nachname falsch geschrieben ist. Auf der Brust findet sich ein Wappen in Form eines schwarzen Kreises mit einem roten, auf der Spitze stehenden Dreieck darin. Wahrscheinlich ist dies das Wappen dieses Gladiatorenstalls.

    Ich zieh mich aus und probiere die Hygienezelle aus. Auch im großen Gemeinschaftsraum hatte es Hygienezellen gegeben, aber die hatten muffig gerochen und wirklich richtig funktioniert haben sie nie. Die hier ist neu und hat viele Funktionen, von denen ich einige gleich ausprobiere. Eine Seite dient als Spiegel und ich kann mich seit langer Zeit wieder selbst betrachten. Mein Gesicht wirkt hager, ausgezehrt und man sieht mir die Strapazen und den Stress der letzten Monate an. Ich erschrecke etwas über meinen Anblick, der mehr einem Totenschädel als einem lebendigen Mädchen gleicht. Ich hasse meinen Anblick ohne Haare. Mein Körper ist so durchtrainiert, dass sich auf meinem Bauch sogar die Muskulatur deutlich abbildet. Überall habe ich blaue Flecken in den verschiedensten Farben und viele Schrammen. Dann drehe ich mich um und schaue über meine Schulter blickend meinen Rücken an. Fünf hässliche Narben sind dort zu sehen, jeder kündet von dem Hieb mit einer Neuralpeitsche. Die stammten vom ersten Monat meiner "Ausbildung", als ich noch versuchte, ein Rest Würde und Stolz zu bewahren. Aber dieser Anfall von corellianischen Trotz ging schnell vorbei.

    So sauber wie seit über neun Monaten nicht mehr ziehe ich einen richtigen Schlafanzug an. Meine alte Kleidung werfe ich in einen Müllbehälter, der sich in einer der Ausziehbaren Fächer befindet. Etwas befremdet lege ich mich in die Schlafnische und entdecke mehrere Regler, wo ich Temperatur der Zelle steuern kann. Mein Herrin verwöhnt mich. Ich denke über meine jetzige Situation nach. Für eine Sklavenhalterin scheint Herrin Xira ja recht umgänglich zu sein. So ziemlich jeder hat mich in den letzten Monaten eigentlich nur angeschrien und meist dann seine Worte mit dem einen oder anderen Stockhieb Nachdruck verliehen. Das sollte uns für den Kampf abhärten. Da ist Xira eine wohltuende Abwechslung. Ich scheine ihr am Herzen zu liegen, jedenfalls hat sie das recht gut vermittelt. Ob sie mir nur was vorgespielt hat, als sie mich quasi zur "Partnerin" gemacht hat, kann ich nicht sagen. Will sie so meine Loyalität erringen? Braucht sie die überhaupt? Ich gehöre ihr ja schon zu neunundneunzig Prozent. Dieses ganze Gerede hätte sie so gar nicht gebraucht. Ob sie mir wirklich eine Möglichkeit verschaffen wird, nach vier Jahren hier aus der roten Arena irgendwie zu entkommen? Ich habe keine Ahnung. Warum ausgerechnet vier Jahre?

    Ich habe viele Fragen und so gut wie keine Antworten. Diffus kann ich mich an die Geographie Lektion über die Kultur der Falleen erinnern, dass es unter gut begüterten Falleen üblich ist, dass sie in ihrer ersten Erwachsenenjahren eine Reise antreten, um die Galaxis kennen zu lernen. So eine Art Pilgerreise um sich letztendlich selbst finden und Lebenserfahrung zu gewinnen. Ich schätze meine Herrin als vergleichsweise jung ein. Und offensichtlich ist sie sehr vermögend. Ihre Manieren, ihre Sprache, diese Einrichtung, alles deutet darauf hin, dass sie zur herrschenden Oberschicht gehört. Ist das ihre Pilgerreise? Warum dabei aber einen eigenen Gladiatorenstall zu errichten? Ich finde darauf keine Antwort.

    Irgendwann übermannt mich der Schlaf. Als ich aufwache, weiß ich einen Moment nicht, wo ich überhaupt bin. Dann fällt mir alles wieder ein. Die Beleuchtung brennt und ein durchdringendes Gepiepse ertönt. Offensichtlich habe ich die letzten elf Stunden durchgeschlafen. Ich stelle den Alarm ab und eine automatische Stimme erklärt mir, dass ich eine Viertelstunde habe, mich zu richten und hier alles ordentlich zu hinterlassen. Da ich gelernt habe, die Anweisungen meiner Herren geflissentlich umzusetzen, mache ich das auch und nach genau fünfzehn Minuten öffnet sich zischend die Zellentür und ich warte in devoter Haltung auf weitere Befehle.

    Ich werde von einem kleinen schwebenden Droiden hinunter geleitet in einen kleinen Konferenzraum. Nun sehe ich zum ersten mal meine neuen Kameraden, die ich alle schon kenne, da wir aus der gleichen Klasse stammen. Offensichtlich ist dieser Stall entweder ganz Neu oder alle anderen Gladiatoren sind auf dem roten Sand gefallen. Wir sind gerade mal drei Stück. Die anderen beiden sind eine Rodianerin und eine sehr stark vernarbte Sakiyan aus der Unterwelt von Nar Shaddaa. Arlak heißt die Sakiyan der Haut aussieht, als hätte ein Kind versucht, aus verschiedenen Stoffresten künstliche Haut für eine Puppe herzustellen und ist kläglich dabei gescheitert. Die Frau stammt aus den Düsterlanden, wie Teile der Unterwelt von Nar Shaddaa passend genannt werden. Deswegen ist ihre grüne Haut fast ausgebleicht und ihre Augen sind sehr lichtempfindlich. Nur die härtesten und gemeinsten Kreaturen überleben in den Düsterlanden, die für ihre psychotischen Banden aus Kannibalen und Menschenfresser berüchtigt sind. Viele ihrer Narben und Verbrennungen sind ritueller Natur. Mit der ist nicht gut Bolbifrüchte essen, dass habe ich schon früh gelernt, da sie in einem Übungskampf einen Gegner so verstümmelt hat, dass dieser "entsorgt" werden musste. Die erwachsene Rodianerin ist mir vorher nie wirklich aufgefallen und hört auf den Namen Kobia.

    Unsere Trainerin entpuppt sich ebenfalls eine Sakiyan mit sehr vielen Narben. Aber die sind von unzähligen Kämpfen. Ihre Augen sind künstlich, ebenfalls ihr Arme. Die Cyberware sieht optisch sehr hochwertig aus und vielleicht ist das sogar freiwilliger Ersatz, da künstliche Gliedmaßen durchaus mehr Kraft übertragen können als ein natürliches Gliedmaß.

    "Willkommen im Haus Triangulum! Mein Name ist Meisterin Tokora. Ich bin nun eure Trainerin. Wenn ihr überleben wollt, tut das, was ich sage. Und nur das!"

    Nakagos wirre Gedanken

    Keine Angst, jetzt kommt keine Kapitel über Training oder ähnliches. Im nächsten Kapitel geht es dann direkt vor Lyras Debütkampf.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  3. #13
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    Episode IV

    "Das war wohl nix!", murmle ich, während der Holoprojektor des gänzlich in Rot gehaltenen Aufenthaltsraum mir äußerst detailreich zeigt, wie eine schwarze Stoßzahnkatze die bedauernswerte Arlak äußerst brutal in Stück zerreißt. Die Sakiyan hatte nie wirklich eine Chance gegen dieses vernarbte und kampferfahrene Kreatur mit dem bezeichnenden wie auch etwas irreführenden Namen "Reißwolf" gehabt, die inzwischen 37 Kämpfe in der Roten Arena überlebt hat. Stoßzahnkatzen sind als domestizierte Reittiere so weit in der Galaxis verbreitet, so das keiner mehr sagen kann, von welchem Planeten sie ursprünglich stammen. Auf vielen dünnbesiedelten Planeten lebt auch eine wilde Population dieser Wesen, Nachfahren von entlaufenen Reittieren, die als gefürchtete Raubtiere sich oft an die Spitze der Fresspyramide gekämpft haben.

    Ich sitze mit Meister Tokara auf einer der im Raum verteilten Sitzgelegenheiten und starre entsetzt auf das live übertragene Bild aus dem Oval der Roten Arena. Die blassgrüne Arlak hatte immer so selbstsicher gewirkt, als gäbe es nichts in der Galaxis, was ihr irgend etwas anhaben könnte. Wirklich Nahe standen wir uns trotz der drei Monate gemeinsames Training nie, trotzdem tut es mir schon fast körperlich weh, die Sakiyan so sterben sehen zu müssen.

    "Damit hat auch die zweite Gladiatorin aus dem neu aufgestellten Haus Triangulum ihren Debütkampf nicht überlebt. Weiter geht es nun mit...", verkündet der Stadionsprecher mit deutlicher Häme in der Stimme, aber ich höre seine weiteren Worte nicht mehr. Meine Gedärme sind verknotet, mein Mund ist trocken, mein Herz rast und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. So fühlt sich also Todesangst an. Kein schönes Gefühl.

    "Halte dich an das, was ich dir beigebracht habe, Askana und du wirst da draußen überleben", versucht die Sakiyan mir Mut zu machen.

    "Genau das habt Ihr Kobia und Arlak auch gesagt, Meisterin Tokara!", erwidere ich mit Bitterkeit in der Stimme, die ich nicht zu verschleiern suche. Die Rodianerin Kobia habe ich durchaus gemocht, da diese doch recht umgänglich war. Die arme Rodianerin wurde von einem wolfartigen Raquar´daan von der Wüstenwelt Sriluur getötet. Von Arlak habe ich mich immer fern gehalten, weil die Sakiyan doch sehr ätzend war.

    "Die Anderen haben letztendlich auch nicht das gemacht, was ich ihnen beigebracht habe!", verteidigt sich meine Meisterin und ich muss ihr durchaus recht geben. Die tödlichen Fehler, die meine Kameradinnen bei ihrem Kampf gemacht haben, waren bekannt und hätten vermieden werden können. Aber Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe. Und im Eifer des Gefechtes kann man schon mal was vergessen.

    "Da mögt ihr Recht haben." Ich bin zwar noch nicht wirklich überzeugt, aber vielleicht geht es bei mir ja besser. Wobei das eigentliche Problem eher sein dürfte, dass unsere zugelosten Gegner jeweils die erfahrensten Kreaturen ihrer Klasse sind. Dieses "Losverfahren" scheint durchaus manipuliert gewesen zu sein. Irgendjemand muss ja die erfahrensten Kreaturen abbekommen, aber wenn ein Stall jeweils die berüchtigte Kreatur ihrer Kategorie zugelost bekommt, ist das eine statistische Anomalie, die eigentlich nur den Schluss zulässt, jemand hat da im Hintergrund massiv manipuliert. Über das Warum kann ich nur grobe Vermutungen anstellen. Sei es, dass jemand den Stall sofort zerschlagen will, dass meine Herrin alte Feinde hat, die nun mit ihr auf diese Weise abrechnen oder jemand meine Herrin ruinieren will. Letztendlich ist das rein akademisch, da nur die Tatsache zählt, dass ich in wenigen Minuten gegen einen Massiff kämpfe, der in über zwanzig Kämpfen nicht ein einziges mal besiegt worden ist. Diese Kreaturen stammen von Geonosis, haben sich aber inzwischen recht weit in der gesamten Galaxis als Wachtiere verbreitet. Dieser spezielle Massiff trägt den Namen: "Blutreißer" und ist der mit Abstand gefährlichste aller Massiffs, welche die Rote Arena zur Verfügung hat. Nicht gerade der originellste Name für eine Bestie, aber durchaus aussagekräftig.

    "Es geht gleich los! Mach dich bereit!", befiehlt meine Trainerin und ich stehe auf. Für einen Moment schwanke ich, weil die Welt sich um mich zu drehen scheint. Mein Blick verschleiert sich und für einige Augenblicke kann ich meine Umwelt nur noch durch einen Grauschleier wahrnehmen. Meine Trainerin packt mich und hält mich fest, sonst wäre ich wohl gestürzt.

    "Mut! Glaube an dich und du wirst überleben! Besinne dich auf deine Stärken und zeige es ihnen da draußen!", versucht Meisterin Tokara mir Mut zuzusprechen und lässt mich los.

    "Corellia! Freiheit oder Tod!", flüstere ich und versuche mich zu straffen. Ich fühle mich immer noch dem Tode geweiht, aber wenn ich sterbe, dann im Kampf. Wir Corellianer sind dafür bekannt, niemals aufzugeben, auch wenn alles gegen einen spricht. Und ich habe nicht vor, heute mit Aufgeben anzufangen. Mehrmals atme ich bewusst ein und aus, fokussiere mich auf mein innerstes selbst und finde meinen Mut zum Überleben wieder. Und ich kämpfe nicht nur für mich, sondern auch für Eloy, die nun ein ganzes Jahr in Gefangenschaft ist. Weiß die Macht, wo sie nun sein mag. Und ein kleiner Teil von mir fragt sich berechtigt, ob meine Schwester überhaupt noch lebt. Einzelne kleine Kinder in ihrem Alter haben einen recht geringen Wert. Aber ich versuche mir einzureden, dass meine Schwester hübsch genug ist, dass man sie am leben lässt. Und vielleicht hat ja auch mein Vater sie schon längst gerettet.

    "Überlebe und Siege!" Mit diesen Worten überreicht meine Meisterin mir meinen Vibrospeer. Die Waffe ist auf mich und meine Art zu kämpfen angepasst. Seit gut zweieinhalb Monaten habe ich jeden Tag damit trainiert und mich mit dieser Waffe durchaus vertraut gemacht. Meine Handflächen sind so klitschnass vom Schweiß, dass sie mir beinahe aus den Händen flutscht. An einem Tuch reibe ich sie trocken und halte den Speer dann so fest, dass meine Knöchel deutlich hervor treten. An dieser Waffe hängt mein Leben. Genau genommen ist sie mein Leben. Den Speer zu verlieren ist gleichzusetzen mit meinem Tod. Und ich will, darf noch nicht sterben. Nicht nur für mich, mein Überleben kämpfe ich, sondern auch für Eloy, meine kleine Schwester. Ich habe geschworen, sie zu beschützen oder blutig zu rächen.

    Der Kampf in der roten Arena, zwischen einem stämmigen Nikto und einer doppelt so großen grauen Bestie mit zwei Hörnern am Kopf neigt sich dem Ende entgegen. Dieses mal kann der Gladiator sein Debüt gewinnen. Möge mir das auch gelingen. Ich bin die übernächste, werde jetzt aber schon von zwei schwer gepanzerten Sicherheitsdroiden dazu genötigt, einen der Beobachterdroiden zu folgen. Es ist nicht weit vom Aufenthaltsraum, der nur noch mäßig besetzt ist, mein Kampf wird der letzte der Debütkämpfe für heute sein.

    "Glaub an dich!", ruft mir Meister Tokara ein letztes mal hinter her, dann betrete ich einen Gang. So fühlt es sich also an, wenn man zum Schafott geführt wird. Meine Beine scheinen aus Wachs zu sein. Jeder Schritt kostet Überwindung, trotzdem schreite ich zwischen den Droiden mit erhobenen Haupt einher. Ich habe gesehen, wie einige der Todeskandidaten regelrecht in die Arena geschleift wurden. Widerstand ist sinnlos und schwächt einen nur für den eigentlichen Kampf in der Roten Arena.

    Eine Schleuse öffnet sich, ich folge dem Droiden, während die beiden Wachen zurückbleiben. Nun bin ich in der Kammer ohne Wiederkehr, wie das so schön genannt wird. Schmucklos ist sie, auch wenn der Durastahl gebürstet ist, aus dem die Kammer besteht. Mehrere Minuten verharre ich in der Kammer, versuche mir ins Gedächtnis zu rufen, was ich die letzten Wochen gelernt habe. Der Speer in meiner Hand vibriert leicht, was es mir leichter machen wird, durch das Fleisch meines Gegners zu schneiden. Sein vertrautes Gewicht gibt mir durchaus Mut. Meisterin Tokara hat mich gut vorbereitet, mich sehr viel gelehrt in den Wochen, die wir zusammen verbracht haben.

    Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Waffen hat sich der Vibrospeer als die Beste für mich geeignete Waffe herauskristallisiert. Ich bin aufgrund meines Alters nun mal kleiner und schwächer als die meisten Gladiatoren. Was im Umkehrschluss schlicht bedeutet, die meisten sind größer und stärker. Je länger ich lebe, wird sich dieser Nachteil verringern, aber momentan brauche ich eine Waffe, für die man wenig Kraft braucht und den Reichweitenvorteil meiner Gegner minimiert. Viele Bestien greifen nicht nur mit ihrem mit Reißzähnen bewehrten Maul an, sondern auch mit Klauen an den Enden meist recht langer Extremitäten. Ein Speer ist eine zweihändige Waffe, so dass ich deutlich mehr Kraft übertragen kann, als durch ein einhändiges Schwert. Ein Axt kann zwar auch zweihändig geführt werden, braucht aber auch entsprechende Stärke. Ein zweihändiges Schwert wäre auch eine Lösung gewesen und habe damit einen ganzen Tag geübt. Aber letztendlich gibt ein Speer die größere Reichweite und eine große Bandbreite an Manövern. Durch die lange gebogene Klinge am Ende, sind nicht nur Stiche möglich, sondern auch Hiebe, sind viele tödliche Kombinationen möglich. Ich hoffe, dass sich meine Wahl heute als Vorteil herausstellt.

    In den letzten drei Monaten bin weitere vier Zentimeter gewachsen und habe sechs Kilo zugelegt. Deutlich zeichnen äußerst unweiblich die Muskeln unter meiner Haut ab. Bis auf einen sehr knapp bemessenen Lendenschurz, auf dem das Wappen von Triangulum aufgedruckt ist, bin ich nackt. Da ich noch keine Brüste habe, empfinde ich das nicht als so schlimm.

    Nun beginnt ein Countdown zu zählen, ich straffe mich, gehe in eine siegesgewisse Pose und schon öffnet sich die die vordere Schleuse. Zu bewegen brauche ich mich nicht, denn die Plattform auf der ich stehe wird ausgefahren und überbrückt den gut zwölf Meter tiefen Graben der Schande, wie die Barriere rund um das Oval des Kampfplatzes genannt wird. Auf dem Grund befinden sich unzählige Dornen aus Durastahl, auf dem sich jeder aufspießt, der das Pech hat, in die Grube zu fallen. Oder hinein zu springen. Es gibt sogar die Möglichkeit darauf zu wetten, ob ein Gladiator bei seinem Debüt freiwillig in die Grube springt. Bei manchen Gegnern ist das sicherlich eine Alternative. Aber Selbstmord kommt für mich nicht in Frage. Ich muss leben, da ich meine Schwester finden und retten muss.

    Die Rote Arena hat wirklich beeindruckende Ausmaße. Sie gehört zu den zehn größten Arenen auf Nar Shaddaa und umfasst angeblich eine halbe Million Plätze. Die Ränge wirken gut besucht, Debütkämpfe sind besonders bei Wettern beliebt, da es oft Überraschungen gibt. Es wird nicht nur auf Sieg oder Niederlage getippt, sondern es gibt viele Kategorien, zum Beispiel wie lange der Kampf dauert oder wie viele Treffer für einen Sieg notwendig sind. Wobei ich mich schon Frage, wie krank man sein muss, ein Kind in die Arena zu schicken und dann darauf zu wetten. Aber ich bin nun mal eine Mörderin und deren Schicksal ist es, in der Arena zu sterben, egal wie alt sie sind. Ich spüre den namengebenden roten Sand unter meinen bloßen Füßen, als ich mich auf meine Startposition begebe. Der rote Sand hat seine Farbe, von dem vielen Blut, dass hier vergossen wird. Der Legende nach, ist er noch nie ersetzt worden. Der Stadionsprecher redet die ganze Zeit über, aber ich höre nur ein stetiges Rauschen.

    Nun habe ich meine Startposition erreicht und über einen Fahrstuhl wird mein Gegner ausgefahren. Ein normaler Massiff hat eine Schulterhöhe von einem dreiviertel Meter. Der hier ist deutlich größer, seine gepanzerte Oberseite ist mit einem dichten Narbengewebe durchzogen. Dieses Ding hat schon viele Kämpfe überlebt. Für einen Moment droht die Todesangst überhand zu gewinnen, aber mir gelingt es gerade noch, mich zu fokussieren, bevor ich eine ernsthafte Panikattacke bekomme. Genau genommen werde ich sogar vollkommen ruhig, scheine meinen Geist von meinem Körper abzukoppeln. Ich bin bereit! Möge die Macht mir sein.

    Nakagos wirre Gedanken

    Mögen die Spiele nun beginnen.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  4. #14
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    Episode V

    "Ein Massiff ist ein Rudeltier. Ein Raubtier, dass nur eine Taktik wirklich gut beherrscht. Den frontalen Angriff aus der vollen Bewegung heraus. Auch wenn man ihm mit Geduld ein paar Tricks antrainieren kann, letztendlich verfällt ein Massiff immer in sein instinktives und seit Jahrtausenden bewährtes Angriffsmuster. Das ist dein Ansatzpunkt!", höre ich die Stimme wieder in meinem Kopf erschallen. Eine der ersten Lektionen, die mir Meisterin Tokara beigebracht hat. Der Trick ist, den Massiff nicht sein Ding machen zu lassen. Ihm die Initiative zu nehmen und selbst in den Angriff zu gehen, bevor er das tun kann.

    Also setze ich mich sofort in Bewegung und renne auf die Echsenartige Kreatur zu, die eigentlich von Geonosis stammt, aber inzwischen auf vielen Welten und auch von Truppen des Imperiums als Wachkreatur eingesetzt wird. Niemand bei klaren Verstand legt sich freiwillig mit einem Massiff an, dessen Gebiss im Verhältnis zu seiner Größe zu einem der mit der kräftigsten in der bekannten Galaxis gehört. Das Gebiss ist darauf ausgelegt, schon beim ersten Biss schon eine ordentliche Menge Fleisch aus seinem Opfer herauszureißen. Trifft er mich nur einmal richtig, bin ich tot. Der Trick ist nun, ihn zu treffen, bevor er mich treffen kann. Durch meinen Speer habe ich die höhere Reichweite, kann ihn auf Distanz halten. So jedenfalls die Theorie.

    Schnell verringern wir unter dem Gejohle der Zuschauer, die ihre blutige Show wollen, die Distanz. Von meinem Angriff wirkt die Kreatur nicht irritiert, da er diese Gegentaktik schon öfters erlebt haben muss. Normalerweise weicht man dann links oder rechts aus und versucht dann den Speer in den Unterleib zu rammen, da dieser nicht durch einen Panzer aus flexiblen Knochenplatten geschützt ist. Das Problem dabei ist, dass ein Massiff durchaus wendig ist und dadurch, dass er ursprünglich von einer Welt mit ausgedehnten Sandwüsten stammt, prädestiniert ist, auch auf rutschigen Sand einen sicheren Halt zu finden. Obendrein wird diese Taktik so ziemlich jeden Anfänger beigebracht, so das ein so erfahrener Gegner wie "Blutreißer" mit diesem Manöver also vertraut ist. Also springe ich über ihn drüber. Leider bin ich nicht so schnell und gelenkig um ihn beim Überflug meinen Speer hinein zu rammen. Im letzten Moment versucht er noch hoch zu steigen, aber seine Zähne schlagen nur harmlos in die Luft. Ich komme hinter ihm auf, rolle mich ab und bin sofort wieder auf den Beinen. Dieses Manöver habe ich die letzten Wochen buchstäblich bis zum umfallen geübt.

    Der Massiff wird langsamer und dreht dann um. Seine dunklen Augen fixieren mich ein weiteres mal, als ob er mich neu einschätzen würde. Sofort nimmt er wieder Geschwindigkeit auf und ich renne ebenfalls mit voller Kraft auf ihn zu. Der Massiff ist nun deutlich langsamer und zeigt mir, dass er lernfähig ist. In seinen kleinen Knopfaugen vermag ich schier etwas wie Intelligenz schimmern zu sehen. Aber wahrscheinlich ist das nur eine Reflektion von Licht und ich interpretiere da mehr hinein, als wirklich ist.

    Ich tu so, als wollte ich wieder wie vorhin über ihn drüber springen und der Massiff steigt sofort hoch, sein Maul mit den scharfen Reißzähnen weit aufgerissen. Aber ich bremse nun stattdessen ab, stoße meinen Speer vor und treffe die von mir anvisierte Stelle präzise von vorne, da ich dahin ziele, wo der Hals sein wird und nicht dahin, wo er am Beginn meiner Bewegung ist. Dieses Manöver habe ich in den letzten Monaten sicherlich mehrere tausend mal geübt, bis es mir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Fast widerstandslos fährt die vibrierende Klinge durch die zähe Haut in das darunterliegende Gewebe des empfindlichen Halses. Der Speer gräbt sich tief in das Fleisch hinein und ich lasse den Schaft los, da ich sicher bin, ihn tödlich getroffen zu haben. Mit einem Sprung nach hinten bringe ich mich aus dem Bereich des im Todeskampf sich hin und her wälzenden Massiff. Schnell werden seine unkontrollierten hektischen Bewegungen langsamer, als seine Lebenskraft aus ihm hinaus fließt. Der Jubel des Publikums ist äußerst verhalten, als ich meine Faust in die Höhe recke und auf Orys Corellisi heraus schreie: "Corellia! Freiheit oder Tod!" Ehrlich gesagt kann ich auch nicht viel mehr als diese Worte auf der alten indigenen Sprache von Corellia sprechen. Vielleicht hört das jemand und eventuell wird die Corellianische Befreiungsfront darauf aufmerksam. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar verschwindend gering, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Der Massiff ist nun tot und ich ziehe den Speer wieder hinaus.

    Mein Abgang erfolgt unter wütenden Buhrufen, da die meisten wohl auf meinen Tod gewettet haben und da die Quote dafür ziemlich niedrig, aber dafür sicher erschien, wohl viele nun ihr Geld verloren haben dürften. Manchmal ist es eben cleverer, auf den Außenseiter zu wetten und nicht auf den vermeintlichen Sieger. Erhobenen Hauptes verlasse ich die Arena, während ein Droide den Kadaver des Massiff aus der Arena befördert.

    "Das hast du gut gemacht, Askana!" Anerkennend legt Meister Tokara eine ihrer Cyberhände auf die Schulter.

    "Ihr habt mich viel gelehrt, Meisterin Tokara, Danke!", erwidere ich ehrlich dankbar, denn mir ist klar, dass ich ohne ihre Erfahrung, ihre Fähigkeit ihr Wissen zu vermitteln und ihren Trainingsplan ich nun zu Bestienfutter verarbeitet würde und nicht der Massiff. Auf Nar Shaddaa wird nichts verschwendet. Warum jemanden bestatten, wenn man ihn auch an die Kreaturen verfüttern kann? Sie nickt mir noch einmal anerkennend zu und ich darf zurück in meine Zelle. Mehr Worte braucht es nicht, letztendlich ist alles gesagt.

    In meiner Zelle wartet als Überraschung auf mich ein Kleid, ein Paar Stiefel und etwas Modeschmuck. Dazu übermittelt mir ein Droide, dass meine Herrin mich erwartet, sobald ich mich frisch gemacht habe. Viel zum ausziehen habe ich ja nicht, als ich in die Hygienezelle steige. Während der Schweiß und der Sand von meiner Haut abgespült wird, beginne ich zuerst zu zittern, dann sinke ich in mich zusammen und fange an hemmungslos zu weinen. Mit meinen Armen umklammere ich meine an meinen Körper heran gezogenen Beinen und wiege mich vor und zurück. Ich weine um meine Mutter, meine verschleppte Schwester und ich würde lügen, wenn ich leugnen würde, dass ich mich auch selbst bedauere. Ein Jahr lang lebe ich nun in Todesangst in dem Wissen, eines Tages in der Arena zu sterben. Ob meine Herrin wirklich einen Weg finden wird, mich in knapp vier Jahren zu befreien, halte ich für eher unwahrscheinlich. Natürlich hoffe ich, dass die Prinzessin mich nicht anlügt, aber ich werde es erst wirklich wissen, wenn ich tot oder von hier entkommen konnte.

    Schließlich beruhige ich mich, wische mir die Tränen vom Gesicht und dusche mich. Die Hygienezelle trocknet mich ab und sich schlüpfe in frische Unterwäsche. Das Kleid passt mir wie angegossen. Kleider und Röcke waren nie so mein Ding und ich habe schon als kleines Kind Hosen bevorzugt. Aber in dem hier fühle ich mich wohl, was auch an den passenden Stiefeln liegen dürfte, die mir ebenfalls gut passen. Als letztes lege ich den Schmuck an und fühle mich zum ersten mal seit langem wie ein weibliches Wesen. Normalerweise sollte bei mir so langsam die Pubertät einsetzen, aber noch rührt sich da nicht viel.

    Nach einer Weile werde ich dann zum essen abgeholt. Wieder schwebt der kleine Droide vor mir her und führt mich in die privaten Gemächer, die ich nun zum zweiten mal betrete. Der Speisesalon ist luxuriös eingerichtet, hat aber wie auch das Arbeitszimmer nichts protziges an sich. Auf dem großen Tisch befinden sich nur drei Gedecke. Eines für meine Herrin, die Prinzessin Xira, meine Trainerin Tokara und eines für mich. Da beide Damen schon sitzen, weiß ich, wo ich platz zu nehmen habe.

    "Gratulation zum Sieg, Lyra", begrüßt mich die Prinzessin mit einem huldvollen Nicken.

    "Ich habe Euch zu danken, Prinzessin Xira. Und natürlich auch Meisterin Tokara, ohne deren Rat und Tat ich nicht überlebt hätte", erwidere ich von ehrlicher Dankbarkeit erfüllt. Von noch 81 Debütanten des heutigen Tages haben nur 32 überlebt. Eine Verlustquote von 50 Prozent ist Normal, die heutige war überdurchschnittlich.

    "Es war mir ein Vergnügen, Askana", meint meine Meisterin durchaus gut gelaunt und ich schätze, die beiden Ladys haben schon deutlich ein alkoholisches Getränk konsumiert, da die Karaffe aus geschliffenen Kristall nicht mal mehr halb voll ist.

    "Die anderen haben es nicht geschafft", meine ich durchaus betrübt über den Verlust meiner Kameradinnen.

    "Jede hatte eben sehr starke Gegner", stellt die Prinzessin in einem neutralen Tonfall fest.

    "Als ob da jemand etwas gedreht hätte, Herrin!", stelle ich mal meinen Verdacht in den Raum und warte gespannt auf ihre Antwort.

    "In der Tat, meine Brüder haben da sicherlich einige Hutten mehr als nur großzügig bestochen", erwidert die Prinzessin, während ein Butlerdroide als erster Gang eine Suppe aufträgt, in einem Tonfall, als hätte sie nichts anderes erwartet.

    "Eure Brüder, Herrin?", wage ich nachzuhaken, da diese angedeutete Familienfehde ganz direkt mein Leben bedroht.

    "Du musst wissen, mein geliebter Vater hat einen Wettbewerb darüber ausgerufen, wer ihm auf den Thron folgen darf. Jedem ist ein Startkapital zur Verfügung gestellt und wer nach vier Jahren den höchsten Gewinn erwirtschaftet hat, der wird Kronprinzessin", erzählt mir Prinzessin Xira frei heraus. Und nach ihrer Wortwahl scheint sie sehr von sich überzeugt zu sein. Offensichtlich ist etwas von meiner corellianischen Arroganz auf sie abgefärbt.

    Nakagos wirre Gedanken

    Damit ist der Kampf nun zu Ende und das nächste Kapitel beinhaltet einen Zeitsprung von vier Jahren. Der Massiff ist wirklich von Geonosis und ein Großteil der Dinge, die Lyra darüber erzählt, sind kanonisch.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  5. #15
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    Episode VI
    Vier Jahre diene ich nun Haus Triangulum. 134 Kämpfe auf Leben und Tod habe ich gewonnen, meist gegen Bestien, aber auch gegen intelligente Spezies. Es ist kurz vor dem Mittagessen, als ich vom Laufband herunter geholt werde, nachdem ich schon über zwanzig von den geforderten fünfundzwanzig Kilometer herunter gespult habe. Heute Morgen steht Ausdauertraining auf dem Plan.

    "Ein Fantreffen?", hake ich nach, da dies ein eher ungewöhnlich knapper Termin ist. Normalerweise werden solche Treffen in den Abendstunden nach dem Training abgehalten. Es gibt immer wieder Fans, die viel Geld dafür bezahlen, um ein paar Minuten mit mir verbringen zu dürfen. Normalerweise ist es genau das, nach dem es sich anhört. Aber meine Herrin hat nie zugelassen, dass ich mich prostituieren musste. Ein Umstand, für den ich meiner Prinzessin sehr dankbar bin.

    "Ja, ein Fantreffen! So was soll durchaus vorkommen, Askana!", blafft mich meine Meisterin recht barsch an. "Mach dich frisch, zieh dir was hübsches an und dann ab mit dir!"

    "Jawohl, Meisterin!", bestätige ich ihren Befehl und will mich umdrehen, dass legt sich ihre Cyberhand auf meine Schulter.

    "Ich bin Stolz auf dich, Askana. Erinnere dich immer, was ich dir beigebracht habe und du wirst es weit bringen." Mit diesen Worten dreht sie sich brüsk um und ich kann nicht nachvollziehen, warum sie das zu mir gesagt hat. Irgend etwas oder jemand muss sie verärgert haben, anders kann ich mir ihr komisches Verhalten nicht erklären. Wie befohlen gehe ich in meine Zelle, mach mich frisch und zieh mich schick an. Dann gehe ich in Richtung der Sicherheitsschleuse, da solche Treffen in gesonderten Räumen außerhalb der Ställe stattfinden. An diesen Treffen verdient die Arena deutlich überproportional über ihren Anteil mit, da sie die Räume zur Verfügung stellt. Hutten wissen, wie man Credits verdient.

    Auf dem Weg treffe ich die Prinzessin. Es ist selten, dass Xira sich in der Trainingshalle aufhält. Wahrscheinlich will sie die Neuzugänge unter die Lupe nehmen. Sie nickt mir zu und lächelt kurz, während ich mich respektvoll vor ihr Verbeuge und sie dann passiere. Hinter der Schleuse nehmen mich zwei Wachdroiden in Empfang und eine der "Beobachter" führt mich durch die Gänge zu einem Turbolift. Inzwischen bin ich sechzehn Jahre alt und mein Körper ist nun der einer Frau. Kind war ich schon lange nicht mehr. Eigentlich war ich seit der Flucht von Corellia schon eine kleine Erwachsene im Körper eines Kindes. Der Imperator hat mir nicht nur meine Heimat gestohlen, meine Mutter und meine Schwester, sondern letztendlich auch meine Kindheit.

    Es dauert fast eine Viertelstunde, bis wir den Raum erreichen, in dem das Fantreffen stattfinden soll. Meine Fans sind noch nicht da, also warte ich in dem durchaus protzig luxuriös eingerichteten Raum auf der roten Sitzecke, welche mit Banthaleder bezogen ist. Die Luft ist hier mit aromatischen Stoffen angereichert, was süßlich schwer riecht. Im hinteren Teil des Zimmers gibt es ein Bett und in der Anrichte daneben gibt es Schubladen mit Spielzeugen ganz besonderer Art.

    Etwas nervös fahre ich durch meine Haare, die ich wieder in meiner gewohnten Zöpfchenfrisur trage. Eines der vielen Privilegien, die ich aufgrund meiner Siege und Status als Champion des Hauses Triangulum genieße. Ich weiß nie, was für Fans mich erwarten. Manche fragen mir ein Loch in den Bauch, andere bekommen kaum ein Wort heraus. Andere wollen nur, dass ich Autogrammkarten signiere, um diese dann weiter zu verkaufen. Andere Gladiatoren müssen für den Fanservice viel weiter gehen, ihre Hüllen fallen lassen und sich prostituieren. Anders kann man das nicht bezeichnen.

    Die Tür fährt auf und zwei schwarz gekleidete Frauen in bodenlangen und hochgeschlossenen Gewändern betreten den Raum. Eine ist komplett verschleiert, von der anderen ist ihr gelbes Gesicht zu sehen. Sie trägt Tätowierungen in geometrischen Formen. Um die Schulter hat sie große, reich mit metallenen Ornamenten verzierte Handtasche gehängt. In der anderen Hand trägt sie eine Rolle. Ich schätze, ich habe zwei Mirialanerinen vor mir. Mirial ist eine trockene und heiße Welt am Äußeren Rand. Während dem Klonkrieg waren sie auf der Seite der Separatisten. Und damit erschöpft sich mein Wissen. Der Sektor will mir partout nicht mehr einfallen, letztendlich ist diese Welt auch nicht wirklich wichtig. Ich weiß aber, dass die Mirialaner sich ihr Gesicht und Körper tätowieren lassen und jedes Symbol hat eine spezielle Bedeutung, so dass jemand, der die Zeichen zu lesen vermag, sehr deutlich sieht, was der andere alles erlebt oder erreicht hat. Dieses Detail fand ich damals bemerkenswert und hab es mir entsprechend gemerkt.

    "Ah, da ist sie ja! Champion des Hauses Triangulum. Lyra, das Speermädchen! Ich bin ja so glücklich, dich zu sehen!", ruft die eine unverschleierte enthusiastisch aus. Aus der Rolle zieht sie einen Stapel mit kleinen Postern von mir. Sieht ganz so aus, als stünde eine arbeitsreiche Autogrammstunde vor mir. Mit einem gequälten Lächeln stehe ich auf und frage mich, warum diese quirlige Frau sich an blutigen Kämpfen mit einer Jugendlichen ergötzt. Was mag bei ihr Falsch gelaufen sein?

    Wir setzen uns und die Unverschleierte schiebt den nicht ganz dünnen Stapel an Postern mit meinem Abbild in verschiedenen Posen zu mir rüber. Dazu ein Stift. Die Vollverschleierte setzt sich einfach schweigend hin. Irgendwas stimmt mit der nicht, aber ich kann nicht genau sagen, was. Ist es ihre Art sich zu bewegen? Ihre Vollverschleierung? Ihre Schweigsamkeit? Bevor ich das ausführlich analysieren kann, beansprucht die andere Mirialanerin meine volle Aufmerksamkeit. Sie trägt ein recht aufdringliches Parfüm, dass sie wie Duftwolke umgibt.

    "Es wäre so Toll, wenn du die signieren könntest. Ich habe alle deine Kämpfe gesehen und ich kann gar nicht genug davon bekommen", meint die Mirialanerin aufgedreht. Sie sagt mir die Widmung und ich schreibe sie auf das Poster. Als ich das Poster zur Seite legen will, besteht sie darauf, dass ich es nach unten in den Stapel schiebe. Offensichtlich werde ich wohl einige Zeit damit beschäftigt sein, Widmungen für eine schier unendliche Anzahl an Freundinnen dieser Mirialanerin zu schreiben. Während die eine ununterbrochen quasselt, ist die andere vollkommen still und regungslos. Das geht etwa zehn Minuten so, dann straft sich die Mirialanerin auf einmal und unterbricht ihren Redefluss für einen Moment, bevor sie in veränderter Tonlage ein ernstes Wort an mich richtet.

    "Lyra Askana, Tochter von Manan und Hylia Askana. Schwester von Eloy Askana. Dein Vater schickt mich. An deinem vierten Geburtstag ließ dein Vater dich zum ersten mal an das Steuer seines Gleiters und du flogst eine lange Kehre. Ich bin Kayleen von der CBF. Mein Auftrag ist es, dich hier hinaus zu schaffen. Hast du das verstanden?", fragt mich die Frau nun in einem sehr ernsten Tonfall.

    "Diese Räume sind überwacht", erwidere ich unsicher, was ich von der ganzen Situation halten soll. Die Fakten über meine Familie stimmen und auch das mein Vater mit mir am Abend meines vierten Geburtstages eine Runde mit seinem Flitzer gedreht hat. Ich saß auf seinem Schoß und durfte das Fahrzeug steuern. Das war immer unser großes Geheimnis, dass keiner außer uns zwei wusste. Meine Mutter hätte sicherlich sehr mit ihm geschimpft, hätte sie davon gewusst. Also kann ich ihr glauben, dass sie von der Corellianischen Befreiungsfront ist und meinen Vater kennen muss. Sieht so aus, als hätten die mich nach fünf Jahren Sklaverei gefunden. Momentan bin ich zu erstaunt, um irgend etwas anderes als Verwirrung über diese plötzliche Veränderung meiner Lage zu fühlen. Auch realisiere ich im ersten Moment nicht, dass mein Vater noch lebt. Nach drei Jahren in der Arena war ich zu dem Schluss gekommen, dass mein Vater tot sein musste, weil er mich sonst schon längst aus der Roten Arena befreit hätte.

    "Keine Angst, die Aufnahmen sind nun in einer Endlosschleife, deswegen wollte ich, dass du die Poster immer nach unten in den Stapel legst."

    "Wenn das stimmt, habt ihr aber verdammt lange gebraucht, bis ihr mich gefunden habt", mache ich auf den Umstand aufmerksam, dass ich seit schier endlosen fünf Jahren hier gefangen gehalten werde.

    "Ich habe keine Zeit für große Erklärungen und brauche deine Mithilfe!" Beschwörend sieht sie mich an.

    "Und wer ist das?", frage ich immer noch zu verwundert, um klar denken zu können.

    "Das bist du, sozusagen", meint Kayleen und lüftet den Schleier. Darunter kommt eine schwebende Droideneinheit zum Vorschein, welche über mehrere frei schwebende Komponenten verfügt, die es ihr erlauben, einen Humanoiden Körper in einem Kleid zu simulieren. - Das ist schon raffiniert -, denke ich von diesem technischen Einfallsreichtum beeindruckt.

    "Nun gut, wie sieht der Plan aus? Und was ist mit dem?", frage ich und zeige dann auf meinen Sklavenring. Der kann nicht nur schmerzhafte Stromschläge verteilen, sondern auch meine Vitalwerte messen, meinen Standort bestimmen und auch einen Alarm absondernd, falls etwas nicht stimmen sollte.

    "Wir haben nun zwanzig Minuten Zeit, von hier zu verschwinden. Wir machen jetzt ein paar Aufnahmen mit dieser Holocam, als ob du dich von uns verabschieden würdest. Und los!" Wir brauchen drei Anläufe, bis Kayleen zufrieden ist. Sie platziert unter der Decke einen Holoprojektor, der sich auf den ersten wie auch auf den zweiten Blick fast nahtlos in den Stuck der Decke einfügt und vorher eines der vielen aufwendig gestalteten Ornamente auf ihrer Tasche war. Offensichtlich ist dieses Unternehmen sorgfältig vorbereitet. Es ist seltsam, ein Hologramm von mir auf dem Sofa sitzen zu sehen. Sollte jemand dieses ansprechen, wird der Schwindel sofort auffliegen.

    Dann stellt Kayleen eine Verbindung zum örtlichen Netzwerk her, in dem sie aus dem Boden der Tasche einen Stecker samt Kabel in einen Datenanschluss an der Wand einführt. Dann steckt sie einen weiteren Stecker hinten mein Halsband ein.

    "Das wird etwa eine Minute dauern, bis unsere Hacker das Halsband umprogrammiert haben." Sie erwähnt nicht, falls was schief geht, ich wahrscheinlich einen tödlichen Stromstoß abbekomme. Jedenfalls wurde uns Neulingen das beim Anlegen des Halsbandes klar gemacht, dass eine Manipulation des selben tödliche Konsequenzen haben würde. Ob das nun eine leere Drohung war oder wirklich so ist, kann ich nicht sagen. Stromschläge kann das Band auf alle Fälle abgeben, habe in den ersten Neun Monaten meist mehrere täglich zusätzlich zu den Stockschlägen abbekommen. Und so denke ich, dass die Drohung kein Bluff war. Entsprechend besorgt bin ich, dass etwas schief gehen könnte.

    "So, dass wäre geschafft!" Mit einem hörbaren klicken rastet der Verschluss auf und nach fünf Jahren kann ich diesen Ring endlich abnehmen. Im ersten Moment erscheint mir irgend etwas wichtiges zu fehlen. Aber das Gefühl verflüchtigtet sich gleich und das Halsband verschwindet unter einem Kissen direkt neben dem Holo von mir.

    Als nächstes ziehe ich das Kleid über. Die Komponenten des Droiden sind so geformt, dass ich diese als Kopfbedeckung, Arm- und Beinschienen tragen kann. Probehalber bewege ich mich und empfinde das Gewicht als kaum störend. Trotzdem bin ich etwas skeptisch, ob ich so an all den Wachen und Scannern vorbei komme und teile Kayleen meine Bedenken mit.

    "Keine Sorge, wir von den Shellys Gundarks haben gute Hacker im Team, welche alle Sicherheitssysteme die uns betreffen, unter Kontrolle haben", erklärt mir Kaylee in einem ruhigen Tonfall.

    "Shellys Gundarks?", hake ich neugierig nach.

    "Das ist der Name unserer Zelle, da Gruppe 77 der CBF doch eher langweilig klingt."

    "Mein Vater ist dann Mitglied der Zelle 77? Und wo ist er?", frage ich aufgeregt weiter, da so langsam der Schock über diese plötzlichen Veränderungen abklingt und realisiere, dass mein Vater irgendwo da draußen sein muss und noch lebt.

    "Er leitet den Einsatz und wartet draußen auf dich. Und ja, dein Vater ist Leutnant und damit Zugführer. Wie auch immer, konzentriere dich auf den Plan. Bewege dich ganz normal, passe dich meiner Geschwindigkeit an und sag besser kein Wort. Überlasse das reden mir. Hast du das Verstanden?"

    "Ich soll mich unauffällig verhalten und die Klappe halten", erwidere ich, Kayleens Worte zusammenfassend.

    "Genau so!", meint Kayleen und drapiert mich nun neben sich auf die Garnitur, um die Position der Verschleierten einzunehmen. Nachdem sie etwas an mir herum gezupft hat, beginnt sie die Holoaufnahme abzuspielen.

    "Wir verlassen die Schleife in drei, zwei, eins... Das hast du Toll gemacht! Ich bin ja so froh, dass du alle Poster hast signieren können!" Es folgt ein kleiner, schon vorher aufgenommener Smaltalk mit meinem Holo und wir verabschieden uns. Mein Holo flegelt sich jetzt auf der Couch, während wir zwei Besucherinnen zur Tür gehen und Kayleen drückt den Türknopf. Nach einem Augenblick, der nicht länger als ein Herzschlag gedauert hat, sich aber für mich wie ein Äon angefühlt hat, öffnet sich surrend die Tür. Und ich blicke anschließend in die Mündung zweier Blaster.

    Nakagos wirre Gedanken

    Damit nimmt das Ganze nun eine dramatische Wendung. An dem Fluchtplan habe ich recht lange getüftelt. Ein aggressives Vorgehen erschien mir aufgrund der Umgebung nicht opportun. Ich habe hier die Möglichkeiten des Setting ausgereizt. Der schwebende Droide, der eine humanoide Person emulieren kann, habe ich erfunden, sollte aber mit der Hochtechnologie was Miniaturisierungsgrad und die Möglichkeiten der Antigravitationstechnologie zu realisieren sein. Die getarnte Holoeinheit gibt es dort tatsächlich. Auch das Sklavenhalsband ist kanonisch.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
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  6. #16
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    Episode VII

    Für einen ganz kurzen Moment erschrecke ich, dann wird mir klar, dass die Blaster auf das Holo und nicht auf mich unter dem Schleier zielen. Eigentlich ist dies das übliche Procedere, dass ich aber noch nie so empfunden habe, weil ich eben immer recht weit weg vom Eingang saß. Kayleen schreitet äußerlich vollkommen unbeeindruckt an den beiden droidischen Wachen vorbei in den Gang und ich folge ihr auf den Fuß. Mein Herzschlag beruhigt sich wieder und ich versuche mich ganz unauffällig zu verhalten.

    "Und sind Eure Erwartungen erfüllt worden?", fragt ein blauer Twi´lek, der sehr charmant wirkt und gutaussehend ist. Er trägt einen weißen Körperanzug, der deutlich die Schauwerte des sportlich trainierten Mannes gut zur Geltung bringt. Die Kundin ist hier wirklich Königin.

    "Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie!", erwidert die Mirialanerin in einer schier albern hochgeschraubten Stimme. Und danach lässt sie den Twi´lek gar nicht mehr zu Wort kommen, während dieser uns gemessenen Schrittes durch die Anlage führt. Zuerst einen langen Gang entlang, dann betreten wir einen Turbolift. Ich denke, dass Kayleen mit ihrer aufdringlichen und durchaus kindischen Art ihr Gegenüber so nervt, dass der gar nicht merkt, dass ich gar nichts sage. Die Tür des Turbolifts öffnet sich und wir betreten eine Lounge, ausgestattet mit bequemen Sitzgruppen und an den Wänden links und rechts ziehen sich lange Theken entlang. Links werden Getränke von hauptsächlich droidischen Barkeepern ausgeschenkt, rechts scheinen Fanartikel verkauft zu werden. Wir müssen irgendwo oben am Gebäude sein, denn die gegenüberliegende aus Transpariglas bestehende Wand eröffnet einen freien Blick auf die Spitze der umliegenden Gebäuden. Alles hier nur vom feinsten und äußerst protzig, was den Huttischen Geschmack gut widerspiegelt.

    "Es freut mich außerordentlich, dass der Service der Roten Arena ihren Geschmack getroffen hat", unterbricht der Steward den stetigen Redefluss von Kayleen und setzt mit eine paar Floskeln den Endpunkt für seine Zuständigkeit. Es steht uns frei, uns hier noch aufzuhalten, etwas zu trinken oder noch einzukaufen. Der Twi´lek verlässt uns dann überstürzt und kümmert sich um die nächsten wartenden weiblichen Besucher. Es ist wenig los, da die nach meiner Erfahrung die Termine in der Regel nach dem Abendtraining stattfinden, weil dann die Preise günstiger sind. Kayleen schlendert nun angemessen schnell den Verkaufstheken entlang, betrachtet die Auslagen, als hätte sie alle Zeit der Welt. Ich derweil bin inzwischen ein reines Nervenbündel. Jeden Augenblick kann entdeckt werden, dass da nur noch ein Hologramm von mir im Zimmer ist. Auf einen Fluchtversuch steht als Strafe ein äußerst schrecklicher Tod in der Arena. Beliebt ist, den Delinquenten an einem Seil in eine Bestiengrube mit ausgehungerten Kreaturen herunter zu lassen. Die Geschwindigkeit ist dabei sehr langsam und irgendwann kommt man dann in Reichweite der Bestien, die anfangen, springend nach dem Opfer zu schnappen. Eine Zeitlang kann man versuchen, die Beine anzuziehen, aber entweder verlassen einem dann bald die Kräfte oder man hängt irgendwann einfach zu tief, um noch entkommen zu können. Stück für Stück wird man dann lebendig gefressen. Ein wirklich schrecklicher Tod.

    Schließlich erreichen wir durch eine Sicherheitsschleuse das Landedeck für Besucher. Besonders an der Schleuse stehen einige bewaffnete Sicherheitsdroiden herum, deren Kopf an den einen B1 Klappergestells aus den Klonkriegen erinnert, während der Unterleib den eines Hutten gleicht. Langsam, aber dafür sehr schwer gepanzert und jeder trägt ein Blastergewehr. Ich habe das Gefühl, dass jeder mich anstarrt und die Blastermündungen in meine Richtung wandern. Mein Herzschlag rast, mein Mund ist trocken und in meinem Gedärmen ist ein Knoten. Kayleen hält nun zielstrebig auf einen langgezogenen schwarzen Gleiter zu. Auf dem noblen Chassis des G35 "Silberwolke" der Marke CIG ist ein buntes Logo, dass ich nicht kenne. Lautlos schwingt eine Einstiegsluke auf und offenbart das luxuriöse Innere.

    In dem Moment packt mich Kayleen am Arm und schreit: "Los!" Im gleichen Augenblick kommt deutlich Leben in die bisher stoisch herumstehenden Wachdroiden der Plattform. In der Luke des Gleiters tauchen zwei Mündungen auf, die sofort das Feuer auf die Droiden eröffnen. Von einem in der nähe vorbei fliegenden Gleiter wird ebenfalls auf die Plattform gefeuert. Einen Augenblick später fallen ein halbes Dutzend dieser Droiden funkensprühend einfach in sich zusammen. Nur einen Herzschlag danach springe ich in den Gleiter und Kayleen fällt halb auf mich drauf, als der Gleiter sofort sehr schnell fahrt aufnimmt.

    "Such dir einen Platz und schnalle dich an!", befiehlt Kayleen, nachdem sie sich aufgerappelt hat, nun mit ihrer normalen Stimme und ich tu, was sie mir sagt. Ich suche mir einen freien Sessel, schnalle mich an und hoffe das Beste. In der Kabine befinden sich zwei Männer in Kampfmontur, die beide schwere Blastergewehre haben. Das gleiche DLT-19 Modell, welche auch die imperialen Truppen verwenden. Der Gleiter fliegt derweil mit sehr hoher Geschwindigkeit weg und wir gewinnen sehr schnell Abstand. Der Pilot macht einige gewagte Flugmanöver, die das Chassis des Gleiters knirschen lassen. Dann fädelt er sich in den Verkehrsstrom von Nar Shaddaa und der ist verdammt dicht. Ich kann sehen, wie sich inzwischen die Farbe des Gleiters gewechselt hat. Offensichtlich hat dieser hier irgend eine Technologie, um die Farbe ändern zu können.

    "Das war jetzt einfacher als gedacht", meint Kayleen und schlüpft aus dem Kleid. Darunter trägt sie einen hautengen Anzug, der aber deutlich gepanzert ist. Dann beginnt sie sich abzuschminken und heraus kommt eine gutaussehende brünette Corellianerin von vielleicht Mitte Zwanzig.

    "Das war einfach gute Arbeit!", meint einer der Schützen, nach Akzent und Aussehen ebenfalls ein Corellianer.

    "Gute Vorbereitung, ein guter Plan und der Rest läuft von selbst", bestätigt der Andere, ohne seinen Blick von der Umgebung zu lassen. Auf einmal gewinnt der Gleiter schnell an Höhe und wir fliegen jetzt mit sehr hoher deutlich über den Sternenkratzern von Nar Shaddaa. Unter mir breitet sich ein grandioses Panorama aus. So schön habe ich diese Welt noch nie gesehen. Hinter uns sind zwei weitere Gleiter, die ich als CAV-11 "Kondor" erkenne. So einer hat mein Vater früher besessen. Vor uns erscheint nun ein YV-100 Raumfrachter, dessen hintere Luke zwischen den vier Triebwerken offen steht. Unser G35 fliegt in den offenen Lagerraum des Frachters und landet, die beiden anderen Gleiter folgen. Kaum sind sie drin, schließt sich die Frachtluke. Ich kann hören, wie die Triebwerke hoch fahren und der YV-100 gewinnt spürbar an Geschwindigkeit. Die Baureihe YV ist relativ neu und eine Nummer größer als YT Frachter der Corellianischen Ingenieursgesellschaft. Gehört zwar immer noch zu den kleinen Raumfrachtern, hat aber eine größere Passagierkapazität und einen großen Hauptfrachtraum.

    "Dein Vater ist auf der Brücke. Ich bring dich zu ihm", meint Kayleen und lotst mich durch die Gänge zur Brücke. Alles wirkt aufgeräumt und ordentlich. Aber dafür habe ich kaum einen Blick. Der Boden unter meinen Füßen vibriert leicht, ich kann die Triebwerke arbeiten hören, dass säuseln der Lebenserhaltungssysteme und das nachhallen unserer Schritte auf den Bodenpaneelen. Der typische Geruch von aufbereiteter Luft umgibt uns.

    Ich sehe meinen Vater nun nach über sechs Jahren wieder. Vor sechs Jahren war er mal für ein paar Wochen da gewesen, bevor er wieder zurück in den aktiven Dienst ging. Vor meiner Verhaftung habe ich ihn dann nur auf einem Holoprojektor gesehen, meist aufgezeichnete Botschaften, ohne die Möglichkeit, mit ihm interagieren zu können. Schließlich steht er vor mir und ich erkenne ihn kaum wieder. Er wirkt auf mich so klein, was wohl daran liegt, dass ich seit unserem letzten Abschied etwa einen halben Meter in die Höhe geschossen sein dürfte. Nun ist er nur noch unwesentlich größer als ich. Bekleidet ist mein Vater wie ein Zivilist mit weißem Hemd, schwarzer Weste, grauer Hosen und schwarzen Stiefeln. Bewaffnet ist er mit einer Blasterpistole im Tiefziehhalfter. Und mein Papa hat einen Bart, so dass ich ihn erst auf den zweiten Blick erkenne. Offensichtlich lebt er wirklich noch und meine Gefühle könnten widersprüchlicher nicht sein. Auf der anderen Seite grenzenlose Erleichterung und Freude, ihn lebend wieder zu sehen. Auf der anderen ein gewaltiger Zorn auf ihn, weil er mich fünf Jahre lang auf sich hat warten lassen.

    "Du bist groß geworden, Lyra", meint mein Vater schließlich, als wir uns eine halbe Minute nun schweigend anstarren. In dem Moment gibt es einen Ruck, als wir den Hyperraum betreten. Mein Blick wandert kurz zu dem blauen Tunnel, durch den wir nun rasen, dann wieder zurück zu meinem Vater. Die Vibrationen werden deutlich weniger und der Geräuschpegel leiser, da die Unterlichttriebwerke nun nicht mehr laufen. Oft in den letzten Jahren habe ich mir ausgemalt, wie es wohl sein würde, wieder vor meinem Papa zu stehen. Je nach Laune bin ich ihm entweder dankbar um den Hals gefallen oder habe ihn angeschrien, weil meine Rettung so verdammt lange auf sich warten gelassen hat. Nun beginnen Tränen über meine Wangen zu rollen und das einzige was ich noch artikulieren kann ist: "Papa!"

    Nakagos wirre Gedanken

    Anfangs habe ich mir noch überlegt, eine rasante Verfolgungsjagd durch die Straßenschluchten von Nar Shaddaa zu designen. Aber ich denke, die äußere Sicherheit ist eher darauf ausgelegt, abzuschrecken und weniger darauf, einen Gleiter zu verfolgen. Das ganze Konzept dürfte darauf ausgelegt sein, dass ein potentieller Flüchtling gar nicht so weit kommen kann.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
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  7. #17
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    Episode VIII

    "Lyra!", meint mein Vater und dann liegen wir uns in den Armen. Wir klammern uns aneinander, als würde unser Leben davon abhängen. Zum ersten mal seit sehr langer Zeit fühle ich mich geborgen. Ein gefühlte Ewigkeit verharren wir so in dieser Pose. Letztendlich habe ich mich so lange nach einer Wiedervereinigung mit meiner Familie gesehnt, dass ich schon fast meine ganze Hoffnung verloren habe. Dann wird mir klar, dass jemand wichtiges fehlt. Ich löse mich von meinem Vater und stelle die Frage, die ich als erste hätte stellen müssen.

    "Wo ist Eloy?", frage ich nun, da ich sie hier nicht sehe.

    "Ich hatte gehofft, du könntest mir darüber Auskunft geben", erwidert mein Vater mit krächzender Stimme, nach einem Räuspern.

    "Ich habe keine Ahnung, wo sie nun ist", erwidere ich, einer weiteren Hoffnung beraubt. Manchmal habe ich gedacht, dass vielleicht mein Vater meine Schwester schon längst aufgespürt hat. Aber dem ist wohl nicht so. Ich fühle grenzenlose Enttäuschung. Und entsetzen darüber, was das für meine kleine Schwester bedeutet. Entweder ist sie schon längst tot oder seit fünf endlosen Jahren eine Sklavin. Ich mag gar nicht daran denken, was sie alles hat erleiden müssen. Ich fange wieder an zu weinen.

    "Komm, lass uns in meine Kabine gehen und alles in Ruhe besprechen", schlägt Papa vor und ich nicke bejahend. Er führt mich in eine Nahe gelegene Kajüte, die spartanisch eingerichtet ist. Es gibt eine Tür zur Hygienekabine, zwei Schlafnischen und in der Mitte stehen ein Tisch und zwei halbwegs bequeme Sessel.

    Ich setze mich auf einen hin und kann es irgendwie noch gar nicht fassen, dass ich hier bin. Noch nicht mal vor einer Stunde war ich eine zum sterben verdammte Gladiatorin in der Roten Arena und jetzt bin ich frei. Irgendwie habe ich das noch gar nicht richtig realisiert. Nie würde ich mein Leben mehr auf dem mit Blut durchtränkten Sand in der Roten Arena riskieren müssen. Aber ich würde auch nie wieder Prinzessin Xira oder meine Meisterin Tokara sehen können. Beide haben sich in den letzten Jahren für mich als solide Bezugspersonen entwickelt, denen ich letztendlich mein Leben verdanke. Hätte Prinzessin Xira mich damals nicht gekauft, ich wäre wortwörtlich vor die Hunde gegangen. Und wäre Meisterin Tokara nicht immer so geduldig und taktisch so versiert gewesen, ich wäre schon längst in einem der vielen Kämpfe gefallen. Den größten Anteil an meinen Siegen dürfte Meisterin Tokara gehabt haben. Sie hatte jeden Gegner erfolgreich analysiert und darauf eine erfolgreiche Taktik entwickelt, die ich dann in der Arena umgesetzt habe.

    "Wie hast du mich gefunden?", frage ich meinen Vater, da mich diese Frage interessiert. Und natürlich auch, warum das fünf Jahre gedauert hat. Immerhin habe ich nach jedem Kampf das Motto meiner Heimatwelt heraus geschrien und mein realer Vorname war auch mein "Künstlername".

    "Das ist eine lange Geschichte...", antwortet mein Vater vage.

    "Ich hab Zeit, Papa. Nach fünf Jahren hab ich endlich Zeit." Eigentlich wollte ich meinen Vater damit nicht konfrontieren, aber so langsam kocht es doch wieder in mir hoch. Meine Befreiung war nicht wirklich das Problem, habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen. "Was hat so verdammt lange gedauert?"

    "Lass mich am Besten am Anfang beginnen. Ich habe erst nach zwei Wochen vom Tod deiner Mutter erfahren. Durch einige unglückliche Umstände sind wohl mehrere untergetauchte Familien aufgespürt worden", beginnt mein Vater.

    "War es nicht eher Zufall?", erwidere ich etwas irritiert, da ich bisher immer gedacht hatte, der IG-86 wäre rein zufällig auf meine Mutter getroffen.

    "Was genau passiert ist, wissen wir selbst heute nicht wirklich. Auf alle Fälle wurden einige untergetauchte Dissidenten innerhalb kürzester Zeit aufgespürt. Ob Verrat im Spiel war oder alles nur ein unglücklicher Zufall war, wir wissen es schlicht nicht. Deine Mutter konnte jedenfalls einen der Jäger ausschalten, ist dabei aber zu Tode gekommen." Die Stimme meines Vaters bricht und auch ich beginne schon wieder zu weinen, als vor meinem geistigen Auge die Ereignisse von damals wieder hochkommen. Es ist, als wäre es gestern gewesen.

    Meine Wut wegen der späten Rettung verfliegt so schnell, wie sie hoch gebrodelt ist. Aber wenn man sehr lange Zeit auf ein Ereignis wartet und Tag für Tag aufs neue Enttäuscht wird, sammelt sich im laufe der Jahre eben eine gewisse Portion von Frustration an. Und Frust schlägt eben schon mal in Wut um.

    "Ein Trupp unserer Zelle flog so schnell wie möglich nach Nar Shaddaa, aber da wart ihr zwei Kinder schon längst untergetaucht. Mein Team hat versucht, euren Weg zu rekonstruieren, aber wir haben euch schon kurz nach dem Einkaufszentrum verloren. Eure Mutter hat da recht clever ein Route ausgesucht, der wir nicht folgen konnten", erklärt mein Vater mit ruhiger Stimme. Das war natürlich immer ein Risiko gewesen, wenn man seine Spuren so gut verwischt, wie Mama es für uns geplant hatte. Das die eigentliche Gefahr am Ziel unserer Reise sein könnte, hatte sie nicht in ihre Planung mit einbezogen.

    "Ich habe mich so gut wie möglich an das Protokoll gehalten, dass mir Mama beigebracht hat. Wir haben ohne Probleme das Hotel erreicht, wo wir auf Mama warten sollten. Da habe ich dann entdeckt, dass Mama von einen IG-86 erschossen worden war. Da bin ich dann mit Eloy zum Kontaktmann gefahren, der wohl ein paar Tage vorher ebenfalls aufgeflogen sein muss. Auf alle Fälle war das eine gemeine Falle." Ich erzähle Papa, wie wir überlistet wurden, was ich alles probiert habe und wie ich am Ende die Frau erstochen habe. Und dann, wie die zwei Kopfgeldjäger uns voneinander trennten. "Seit dem habe ich Eloy nicht mehr gesehen. Ich weiß noch nicht mal, ob sie überhaupt noch lebt." Wieder übermannen mich meine Emotionen und ich muss noch stärker weinen. Mein Papa legt mir unbeholfen seine schwere Hand auf die Schulter. Ich weiß seine tröstende Geste durchaus zu schätzen. Schließlich beruhige ich mich wieder und wische meine Tränen von den Wangen.

    "Nun ja, wir taten alles, was in unserer Macht stand, haben euch aber nicht gefunden."

    "Hättest nur die die offiziellen Daten der Hutten durchforsten müssen", merke ich etwas schnippisch an. Ich stell mir das jetzt nicht so schwer vor. Gut, in meinen Akten hatte sich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen, trotzdem hätte man das durchaus überprüfen können. Lyra ist nun nicht so ein weit verbreiteter Vorname auf Nar Shaddaa.

    "Manchmal übersieht man das offensichtlichste eben. Ich sehe dich an und kann nicht glauben, dass du mit elf Jahren eine erwachsene Frau erstochen hast."

    "In Notwehr, um Eloys und mein Leben zu schützen", rechtfertige ich mich, da ich mich durch die Worte meines Vaters etwas angegriffen fühle.

    "Tut mir Leid, dass ich dir nicht schon früher helfen konnte", wechselt mein Vater nun das Thema, dass offensichtlich für uns beide äußerst unangenehm ist. Normalerweise wäre es wohl angebracht, meinem Papa zu versichern, dass dies alles nicht so schlimm ist, dass ich gut zurecht gekommen bin. Aber es war schlimm und ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich Todesangst hatte. Ich habe zwar alle kämpfe überlebt und wurde nicht verstümmelt, aber manchmal war es verdammt knapp.

    "Also, Papa, wie hast du mich nun gefunden?", frage ich nach, da mich dieses durchaus interessiert, ohne auf seine Entschuldigung einzugehen.

    "Ehrlich gesagt, wurde diese Information über deinen Aufenthalt in der Roten Arena über dubiose Kanäle zugespielt. Es gab einige Stimmen, die das ganze für eine perfide Falle des ISB hielten. Aber die Daten waren real und auch die aufgezeigten Möglichkeiten, dich zu befreien, waren korrekt", erklärt mein Papa stockend.

    "Moment, willst du mir etwa sagen, du hast nicht weiter nach mir gesucht? Das keiner auf mich Aufmerksam wurde?", hake ich etwas ungläubig nach und bin unglaublich enttäuscht.

    "Als ich nach drei Monaten keine konkrete Spur gefunden habe, musste ich die Mission auf Nar Shaddaa abbrechen. Ich hielt euch für Tod, Agenten des ISB waren uns auf den Fersen und da habe ich losgelassen." Auf der einen Seite bin ich Froh, dass mein Vater ehrlich zu mir ist, auf der anderen Seite bin ich entsetzt, dass er nicht weiter gesucht hat. Aber es hat schon seinen Grund, warum auf Nar Shaddaa viele Dissidenten Unterschlupf suchen. In der Masse von 85 Milliarden Lebewesen kann man gut untertauchen und die Hutten sind sehr nachlässig, wenn die Credits stimmen.

    "Ich verstehe", erwidere ich etwas reserviert. Ich kann die Handlungsweise meines Vater nachvollziehen, aber wirklich verzeihen tu ich ihm das nicht. Jedenfalls jetzt noch nicht. "Und woher kamen nun die Daten, die zu meiner Befreiung führten?"

    "Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht. Es lief letztendlich über einen Schwarzmarkthändler, der die Daten einer anderen Zelle der CBF übergab. Die leiteten das Datenpaket an mich weiter, da es an mich adressiert war. Da stand drin, wo du dich aufhältst und wann die Sicherheit der Anlage besonders niedrig ist, dazu noch ein paar Codes, um die Brandmauer der Sicherheitsanlage zu umgehen."

    Bei seinen Worten wird mir nun endlich klar, wem ich meine Befreiung zu verdanken habe. Prinzessin Xira hat tatsächlich Wort gehalten. Ich habe ihr vier Jahre lang treu gedient und sie hat einen Weg gefunden, mir die Freiheit zu schenken. Momentan kann ich aber ihre Beweggründe nicht nachvollziehen. Was hat sie davon gehabt? Bei all ihrer Freundlichkeit und Umgänglichkeit habe ich gelernt, dass Prinzessin Xira nichts ohne Grund tut und sie immer ihren Schnitt dabei macht. Das erklärt auch das seltsame Verhalten meiner Meisterin Tokara und die Anwesenheit der Prinzessin in der Trainingshalle vorhin. Jetzt ergeben deren Worte erst wirklich Sinn. Sie haben sich von mir verabschiedet, weil sie wussten oder zumindest ahnten, dass meine Befreiung unmittelbar bevorstand. Aber warum hat Xira das getan? Warum hat sie mir damals versprochen, mich nach vier Jahren gehen zu lassen? Ich könnte mir vorstellen, um mir Hoffnung zu geben, in einen absehbaren Zeitpunkt wieder in Freiheit zu gelangen. Über Sieg oder Niederlage entscheidet oft der Wille zu siegen. Und nach einer gewissen Zeit resignieren viele Gladiatoren und zerbrechen, suchen freiwillig den Tod. Soweit war es sinnvoll, von der Prinzessin, mich das glauben zu lassen. Aber das sie letztendlich auch noch Wort gehalten hat, dass ist das Mysterium, welches ich nicht begreifen kann.

    "Und wie ist es dir so ergangen, Papa? Du bist jetzt Leutnant, hat mir Kayleen erzählt", wechsle ich ein weiteres mal das Thema, da mir die Rettung wie ein Wunder vorkommt.

    "Das stimmt, ich habe mich im laufe der Jahre etwas in der Hierarchie hocharbeiten können und bin bekleide inzwischen den Rang eines Leutnant. Und, na ja, ich habe vor einem Jahr wieder geheiratet." Den letzten Satz sagt mein Vater in einem Tonfall, als würde ein Junge eine Dummheit gestehen. Und ich muss sagen, seine Worte schneiden tief.

    "Aha!", äußere ich mich so neutral wie möglich, während ich innerlich durchaus aufgewühlt bin. Für mich kommt das wie ein Verrat an seiner eigentlichen Familie vor. Nicht nur, dass er seine Töchter aufgegeben hat, mein Vater hat sich auch einen Ersatz für seine Frau, meine Mutter, gesucht. Ich muss mir auf die Lippen beißen, um ihn nicht meine Gedanken laut in sein Gesicht zu schreien. Andererseits ist mir klar, dass mein Vater durchaus das Recht hat, sich nach immerhin vier Jahren Trauerzeit eine neue Frau zu heiraten. Meine Mutter, seine Frau ist tot, dass ist Fakt und ebenso geht das Leben eben weiter. Meine Gefühlcocktail aus Trauer, Zorn und Resignation kämpft gegen meine Liebe zu meinem Papa und dieser Kampf dürfte sich wohl noch etwas hinziehen.

    Anfangs in meiner Gefangenschaft habe ich mir oft ausgemalt, wie ein Wiedersehen mit meinem Papa verlaufen könnte, aber keines meiner Szenarien war auch nur dieser niederschmetternden Realität nahe gekommen. Und das allerschlimmste für mich ist, dass Eloy definitiv nicht in Sicherheit ist. Bis zum heutigen Tag hatte ich immer das Quäntchen Hoffnung, dass meine kleine Schwester in Sicherheit gebracht wurde. Aber dem ist nun definitiv nicht so. Mir ist einfach nur zum heulen zumute.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  8. #18
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    Episode IX

    Der Flug an Bord des Frachters der YV-100 Baureihe vergeht buchstäblich wie im Flug. Die neusten Entwicklungen in meinem Leben wirken wie ein Schock auf mich. Nach fünf Jahren bin ich endlich frei, mein Vater lebt, hat neu geheiratet und meine kleine Schwester Eloy ist noch immer spurlos verschwunden. Meine Gefühlslage wechselt in Minutentakt von Erleichterung, Freude, Wut und Trauer. Erleichterung darüber Frei zu sein und darüber, dass mein Gefangenschaft in der Roten Arena zu Ende ist. Freude, dass mein lange totgeglaubter Vater noch lebt. Wut darüber, dass er es fünf Jahre lang nicht geschafft hat, mich aus der Roten Arena zu retten. Erst durch Hinweise, die meine Besitzerin ihm gegeben hat, ist er in die Gänge gekommen. Und da ist Trauer und Sorge über meine kleine Schwester Eloy. Eine Zeitlang habe ich mir eingeredet, dass mein Vater sie sicher schon längst gerettet hat. Es war ein durchaus logisches Szenario, dass Papa versucht, die deutlich jüngere Eloy aus den Fängen der Sklavenhändler zu retten. Eine Hoffnung, an die ich mich lange geklammert habe. Und jetzt erfahre ich, dass er gerade mal drei Monate nach uns gesucht hat. Die rationale, erwachsene Seite in mir kann das durchaus nachvollziehen. Aber gefühlsmäßig fühlt sich das für mich wie Verrat an.

    Und das Papa nun auch noch einmal geheiratet hat, macht es nicht besser. Seine Frau kenne ich schon, es handelt sich dabei um Kayleen, die dieses kleine Detail bei unserem ersten Treffen gekonnt unterschlagen hat. Wäre sicherlich auch nicht hilfreich gewesen, sich als meine Stiefmutter vorzustellen, besonders da sie erst Anfang zwanzig ist. Mein Vater ist fast doppelt so alt wie sie. In Kriegszeiten relativiert sich das vielleicht etwas, aber auch das fällt mir schwer einfach so zu akzeptieren. Meine "Eltern" lassen mir genug Freiraum, um diese ganzen neuen Tatsachen erst einmal zu verdauen.

    Nach wenigen Augenblicken und einem Äon treten wir wieder aus dem Hyperraum heraus. Momentan habe ich kein Zeitgefühl und keine Ahnung, wie lange der Transfer wirklich gedauert hat. Ich bin wieder auf der Brücke und kann einen Blick auf mein neues zukünftiges Zuhause werfen. Im freien Raum schwebt eine massiv modifizierte L-2783, eine vollständig autarke Abschleppeinheit für im freien Weltraum havarierte Raumschiffe. Diese zeigt sogar noch die alte Kennung des Allgemeinen Corellianischen Raumschiff Club: ACRC. Solche Schiffe werden dazu eingesetzt, um liegengebliebene kleinere Raumschiffe einzusammeln und sie wieder Instand zu setzen. Diese Anlagen sind aber auch in der Lage, größere Raumschiffe im freien Raum wieder flott zu bekommen oder abzuwracken. Allerdings wurden schon in der Vergangenheit diese Schiffe von Piraten auch als Träger für Jägerflottillen eingesetzt. Das Trägerschiff hat die Ästhetik eines fliegenden Backsteins, aber dieses Schiff ist als eines der wenigen Raumfahrzeuge aus corellianischer Produktion nicht auf Geschwindigkeit hin optimiert. Mehrere stark modifizierte YT-1300 sind angedockt. Zusätzliche Geschütztürme sorgen für Nahverteidigung und unten scheint eine starr nach vorn ausgerichtete schwere Turbolaserbatterie montiert worden zu sein, was das Schiff eine beeindruckende Feuerstärke verleiht. Die ganzen Details bekomme ich von meinem Vater erklärt, der einige der Veränderungen wohl mit geplant und wohl auch ausgeführt hat. Unser YV-100 dockt oben an.

    Mein Vater geht voraus, ich bin in der Mitte und meine Stiefmutter läuft hinter mir durch die oberen und doch recht engen Gänge des Tenders. Wir sind hier in dem eigentlichen Mannschaftsbereichen, alles ist sauber und in gutem Zustand. Mit einem Turbolift fahren wir auf die Ebene, wo sich ein Kommandozentrum befindet.

    "Das ist Commander Shelly, die Leiterin der 77. Zelle der Corellianischen Befreiungsfront, genant Shelly Gundarks", stellt mein Papa mich seiner obersten Anführerin vor. Commander Shelly ist eine brünette Frau in den Vierzigern und trotz des martialischen Namens hat sie etwas mütterliches an sich. Sie wirkt nicht wie eine knallharte Rebellenoffizierin. Überraschenderweise werde ich mit einer herzlichen Umarmung empfangen. Im ersten Moment bleibe ich überrascht stocksteif stehen, dann erwidere ich die Umarmung.

    "Du bist groß geworden!", meint sie und dann erfahre ich, dass Shoreh Shelly eine Cousine meiner Mutter ist. Ich kann mich Dunkel an sie erinnern. Einmal hab ich sie auf der Hochzeit meiner Tante, der jüngeren Schwester meiner Mutter gesehen. Das war ein Jahr vor dem Streik und ich hab mit ein paar anderen Mädchen Blütenblätter verstreuen dürfen. Das war spaßig. Ich erzähle davon und wir setzen uns.

    "Das ist wirklich bedauerlich, dass der Suchtrupp dich damals nicht gefunden hat. Wir haben während dem Nar Shadda Massaker viele Angehörige verloren. Die 77. allein über zwanzig Frauen, Kinder und Nichtkämpfer. Dem ISB muss es irgendwie gelungen sein, in das Netzwerk der CBF einzudringen. Um so mehr freut es mich, dich heute wohlbehalten hier zu haben. Du muss schreckliches erlebt haben." Den letzten Satz interpretiere ich als Aufforderungen, etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich berichte zuerst von unserem doch behüteten Leben mit unserer Mutter in den Wohnblock. Wie dann der IG-86 unsere Mutter tötete und wir in den Untergrund gingen. Und das so gut, dass nicht mal unser eigener Vater uns folgen konnte. Dann die Falle am Ende und unsere Gefangennahme durch die Kopfgeldjäger.

    Dann erzähle ich von meiner Verurteilung zum Tod in der Arena und mein Leben als Gladiatorin des Hauses Triangulum. Wie viel ich meiner Besitzerin und meiner Trainerin verdanke. Ohne sie wäre ich auf dem Roten Sand gestorben.

    "Es ist natürlich, dass du für deine Ausbeuter etwas empfindest", merkt Commander Shelly an.

    "Prinzessin Xira hat mir das Leben gerettet, als sie alle frei verkäuflichen Anteile erworben hat. Und Meisterin Tokara hat mich durch ihre ausgefeilten Taktiken durch jeden Kampf geführt. Ohne sie hätte den ersten Kampf schon nicht überlebt", erwidere ich heftiger, als beabsichtigt. Mir ist klar, dass ich da nur eine zum Tode verurteilte Sklavin war, trotzdem empfinde ich viel für diese beiden Frauen und darunter sehr viel Dankbarkeit. Commander Shelly und Papa tauschen nur Blicke aus, was mir zeigt, dass sie meinen Worten keine Bedeutung beimessen. Also wechsele ich das Thema von der Vergangenheit in die Zukunft.

    "Und was passiert nun mit mir?", frage ich, da es mir unklug erscheint, gleich mit Forderungen zu beginnen.

    "Du bleibst natürlich hier", meint mein Vater.

    "Unser Protokoll bezüglich nicht kämpfender Angehöriger hat sich nach dem Nar Shaddaa Massaker deutlich geändert. Nicht kämpfende Familienangehörige leben und arbeiten auf dem Basisschiff."

    "Und wenn ich mich der Befreiungsfront anschließen möchte?", erwidere ich.

    "Das kommt gar nicht in Frage!", blockt mein Vater sofort ab.

    "Warum?", frage ich und verschränke meine Arme vor meiner Brust.

    "Das ist zu gefährlich für dich", versucht mein Vater sich zu erklären. Ich lache bitter auf und fühle mich nicht ernst genommen.

    "So gefährlich, wie auf Nar Shaddaa zu bleiben? So gefährlich wie 134 Kämpfe auf Leben und Tod in der Roten Arena zu bestehen? Falls du es noch nicht gemerkt hast, ich bin kein kleines Kind mehr, sondern eine ausgebildete und kampferfahrene Gladiatorin!", argumentiere ich ruhig, aber mit schärfe in meiner Stimme.

    "Du bist immer noch minderjährig und ich bin dein Vater! Und ich erlaube es nicht", versucht mein Vater einen auf autoritär zu machen, was ihm aber nicht wirklich gut gelingt.

    "Biologisch gesehen, ja! Aber Papa, in meinen Augen hast du jedes Recht verloren, in irgend einer Art über mich zu bestimmen. Noch einmal, ich bin kein kleines Kind mehr!"

    "Lyra ist in der Tat kein kleines Kind mehr, Many", bekomme ich überraschend von Kayleen Unterstützung. Das irritiert mich doch etwas und weiß nicht, was ich davon halten soll. Will sie sich damit bei mir gut Freund machen? Immerhin ist sie meine Stiefmutter, auch wenn ich diese Tatsache immer noch äußerst befremdlich, wenn nicht gar abstoßend empfinde. Ich denke Kayleen ist in Ordnung, aber es käme mir wie Verrat an meine Mutter vor, sie jetzt gleich in mein Herz zu schließen.

    "Lyra ist sechzehn und damit alt genug, um zum Rekrutentraining zugelassen zu werden", wirft auch Commander Shelly ein.

    "Ich will dich nicht wieder verlieren, Lyra", wechselt mein Vater nun seine Taktik.

    "Hast du so wenig Vertrauen in mich? Ich habe fünf Jahre in der Roten Arena überlebt. Und ich habe nicht vor, zu sterben."

    "Das hat niemand, trotzdem haben wir Verluste", argumentiert mein Papa und ich sehe, dass er sich wirklich Sorgen um mich macht.

    "Ein Restrisiko bleibt wohl immer", meine ich dazu nur. "Aber es ist mein Leben und damit meine Entscheidung!"

    "Ich habe vergessen, wie unglaublich Dickköpfig du sein kannst", erwidert mein Vater mit einem Seufzer und fährt sich nachdenklich über seinen Bart. "Es gefällt mir zwar nicht, aber wir können wohl jeden brauchen, der in der Lage ist einen Blaster in die richtige Richtung zu halten. Nun gut, wenn du unbedingt in den Krieg willst, kann ich dich wohl nicht wirklich aufhalten. Versuche aber bitte nicht den Helden zu spielen und denke daran, es ist besser auch noch Morgen zu kämpfen", gibt mein Vater schließlich nach.

    "Danke, Papa!", meine ich und fühle obwohl ich meinen Willen durchgesetzt habe keinen Triumph.

    "Dann willkommen in der Rebellion, Rekrut Askana", meint Commander Shelly und scheint sich darüber zu freuen, dass ich mich den Rebellen angeschlossen habe.

    "Und was machen wir nun in Bezug auf Eloy?", spreche ich ein weiteres heikles Thema an.

    "Hast du eine Ahnung, wo sich deine kleine Schwester befindet?", fragt Commander Shelly.

    "Wir wurden vor fünf Jahren getrennt und Eloy wurde von einem Kopfgeldjäger in die Sklaverei verschleppt. Ich habe keine Ahnung, ob sie überhaupt noch lebt", erzähle ich niedergeschlagen. Commander Shelly und mein Vater beginnen mich nach Details auszufragen. Nach fünf Jahren ist viel nur noch verschwommen.

    "Puschel!", meine ich schließlich, mich an etwas wichtiges erinnernd. Alle Erwachsenen im Raum wiederholen irritiert nachfragend dieses Wort.

    "Puschel war mein Unterhaltungsdroide, den ich schließlich Eli überlassen musste. Der Sakiyan hat unsere Rucksäcke mitgenommen und darin war Puschel. Da der ziemlich wertvoll ist, hat er ein Ortungssystem, falls er mal gestohlen wird oder Eloy ihn verliert. Das hat Mama damals installiert. Vielleicht ist es noch aktiv."

    "Das wäre eine Chance, aber es ist fraglich, ob Puschel noch im Besitz des Kopfgeldjägers ist. Der wird den weiter verkauft haben", gibt mein Vater zu bedenken.

    "Nicht unbedingt. Der wollte damals heiraten. Vielleicht hat er das teure Spielzeug für seine Kinder behalten", erinnere ich mich an einen weiteren Umstand.

    "Gut, dem können wir nachgehen. Ich werde bei nächster Gelegenheit deinen Vater und ein Suchteam nach Nar Shaddaa schicken, welche diese Spur verfolgen wird. Aber nicht heute, es gibt noch andere Dinge in diesem Krieg, die erledigt werden müssen. Und du, Lyra, wirst schön hier bleiben und die notwendigen Grundlagen erlernen", sagt Commander Shelly in einem bestimmenden Ton. Für mich ist Pflaster wohl momentan auf dieser Welt zu heiß. Aber diese Zelle scheint über genug Personal zu verfügen und es freut mich, dass mein Commander sofort Leute darauf ansetzt. Natürlich wäre ich am liebsten selbst auf die Suche gegangen, aber meine Flucht aus der Roten Arena hat sicherlich einiges an Staub aufgewirbelt.

    Nakagos wirre Gedanken

    Die ACRC habe ich erfunden und ist als Homage an den ADAC zu verstehen, der mir schon mehrmals aus der Patsche geholfen hat.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  9. #19
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    Episode X
    Ich bin unglaublich wütend. Mein Schwester ist noch irgendwo da draußen und statt nach ihr zu suchen, stehe ich an einem Becken und wasche Teller ab. Ich, die 134 Kämpfe auf Leben und Tod überstanden habe, verplempere ich meine Zeit mit Tellerwachen. Am liebsten würde ich jedes einzelne Stück Geschirr an die Wand werfen, bis nur noch ein Haufen Scherben davon übrig bleiben. Als Commander Shelly von den Grundlagen gesprochen hat, habe ich mir etwas anderes als Teller abwaschen darunter vorgestellt.

    Auf der einen Seite kann ich Froh sein, dass die CBF überhaupt jemanden darauf ansetzt, meine Schwester zu finden, aber dass soll erst in einigen Wochen geschehen, da momentan einige Einsätze anstehen. Was genau, weiß ich nicht. Familie ist wichtig, aber den Krieg zu gewinnen wohl wichtiger.

    Auch bin ich deshalb wütend, dass man, statt mich sofort zur vollwertigen Soldatin auszubilden, ich erst drei Monate damit verbringen muss, verschiedene untergeordnete Arbeiten zu erledigen. Normalerweise dauert diese Phase bei den meisten Rekruten ein halbes bis ein ganzes Jahr, bis es zur Kampfausbildung kommt. Aber ich bin in einer hervorragenden körperlichen Verfassung und durchaus kampferprobt. Arenakämpfe haben sicherlich wenig mit einem realen Gefecht mit Blastern auf einem Schlachtfeld zu tun. Aber wenn ich etwas wirklich gut kann, dann ist es töten.

    In dem Moment stellt sich eine Person an die Spüle neben mir und nimmt sich einen Teil meiner Arbeit vor. Überrascht blicke ich Kayleen an, meine neue Stiefmutter.

    "Ich brauche deine Hilfe nicht!", blaffe ich sie rein reflexartig schon aus Prinzip an, obwohl ihre Hilfe durchaus willkommen ist. Ich bin immer noch wütend, dass mein Vater einfach so wieder geheiratet hat und dazu noch eine Frau, die deutlich jünger als er ist.

    "Ich weiß", erwidert Kayleen und macht unverdrossen weiter. Ein kurzen Moment überlege ich, ob ich was nach ihr werfen oder sie einfach nur anschreien soll, dann wird mir bewusst, wie kindisch und unreif das wäre. Genau so kindisch, wie über all das hier wütend zu sein. Ich weiß es und ich kann trotzdem nicht anders. Gestern war ich noch der Champion des Hauses Triangulum, nun bin ich ein Küchenmädchen. Das ist überaus frustrierend.

    "Ich werde dir dafür nicht danken!", meine ich, weiter in meiner unreifen Haltung verharrend. Statt mich weiter in Selbstmitleid baden zu können, fängt Kayleen obendrein auch noch ein fröhliches Liedchen an zu summen, ohne weiter auf meine Worte einzugehen. Ich überlege kurz, ob ich einfach gehen soll, aber damit würde ich nur eingestehen, nicht reif für die kämpfende Truppe zu sein. Verbissen und immer noch wütend schrubbe ich Teller ab und stelle mir vor, dass mit jedem sauberen Teller ein Sturmtruppler stirbt. Stoisch schweigend bringe ich meine Arbeit zu Ende und räume die nun sauberen Teller in die dafür vorgesehenen Staufächer. Kayleen hilft mir dabei immer noch unverdrossen vor sich hinsummend. Wie ich sie dafür hasse, dass sie es mir so schwer macht, sie zu hassen!

    "Du bist wütend", meint sie schließlich, als wir fertig sind und ich mir unwirsch die Handschuhe von den Hände ziehe.

    "Ja!", erwidere ich kurz angebunden, da dieser Fakt wohl zu offensichtlich ist, um ihn auch nur ansatzweise abstreiten zu können.

    "Ich wäre das an deiner Stelle auch. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was du in den letzten Jahren alles hat durchmachen müssen. Ich bin mit der Familie meiner Tante damals auch nach Nar Shaddaa geflohen. Im Gegensatz zu dir, war ich die letzte Überlende meiner Familie. Ich kam bei netten Verwandten unter, die mich quasi adoptiert haben und mich wie eines ihrer drei Kinder behandelt haben. Wir hatten Glück und flogen nicht auf. Du warst gerade mal elf, als deine Mutter ermordet wurde und du die alleinige Verantwortung für deine Schwester übernommen hast. So eine große Aufgabe und du hast gerade deine Mutter verloren, während dein Vater sonst wo gekämpft hat. Das muss dich unglaublich überfordert haben. Dann diese schreckliche Falle und die Trennung von deiner Schwester. Schließlich fünf Jahre lang in der Hölle einer huttischen Arena gefangen zu sein. Tag für Tag auf Rettung hoffend und um dein Leben kämpfend, dass muss hart für dich gewesen sein", fasst Kayleen überraschend präzise meine letzten Jahre zusammen. Ihr Tonfall ist dabei sachlich.

    "Und?", frage ich unwirscher, als ich wirklich bin. Aber Kayleen ist meine Stiefmutter und irgendwie fühle ich mich aus irgend einem irrationalen Grund dazu verpflichtet, sie zu hassen. Aber ich muss gestehen, wirklich gelingen tut mir das nicht, was mir wie ein Verrat an meine Mutter vorkommt. Das ist die Neue von meinem Vater, die er geheiratet hat, kaum dass sie tot war. Wenn man vier Jahre als kaum bezeichnen mag.

    "Dein Vater hatte es auch nicht leicht. Getrennt von seiner geliebten Familie. Es war mein erster Auftrag als Soldatin der CBF deinen Vater als ortskundige Führerin auf Nar Shaddaa zur Seite zu stehen. Wir waren nur ein kleines Team von vier Personen, mehr konnte Commander Shelly damals nicht entbehren. Sie hat einer der besten Hacker der Zelle mitgegeben, trotzdem konnten wir nichts finden. Dein Vater hat sehr emotional darauf reagiert..." An der Stelle unterbreche ich sie mit einem geblafften: "Wie gut, dass du zur Stelle warst, um ihn zu trösten." Aber sie fährt fort, als hätte ich sie nie unterbrochen. "Er hat viel von seiner Frau und seinen Kindern erzählt. Jeden Tag hat er gelitten und gehofft. Leider haben wir damals versagt. Die Hutten im Gericht haben deinen Namen falsch geschrieben, wie ich heute erfahren habe, deswegen schlug das Suchprogramm wohl nicht an."

    "Lyra ist kein sehr häufiger Name. Eine kleine Überprüfung wäre vielleicht nicht so verkehrt gewesen!", gebe ich zu bedenken.

    "Da wäre ein sorgfältigeres Vorgehen sicherlich angebracht gewesen. Aber die Zeiten waren hart. Uns waren Agenten des ISB auf der Spur und mussten oft unseren Standort wechseln. Einmal verloren wir einen erheblichen Teil unserer Ausrüstung. Auch haben wir noch nach anderen Verschollenen gesucht und uns dadurch sicherlich verzettelt. Fehler wurden gemacht, Friktion fand in immer stärkeren Maße statt und die Operation war ein vollkommener Fehlschlag. Heute würden alle Beteiligten anders vorgehen. Aber damals wussten wir es eben nicht besser. Das alles tut mir so unendlich Leid und ich hoffe, du kannst eines Tages deinem Vater und vielleicht auch mir verzeihen", erklärt Kayleen ruhig die damalige Situation und ich merke, wie meine Wut langsam aber sicher verraucht. Stattdessen ist da nur noch Leere und Traurigkeit. Dann kommen die Tränen, die sicherlich schon seit sehr langer Zeit überfällig waren. Spontan umarmt mich Kayleen tröstend und ich weiß das zu schätzen. Zum ersten mal habe ich das Gefühl, zu Hause und in Sicherheit zu sein.

    Nakagos wirre Gedanken

    Damit wäre ein weiterer Schritt in Lyras Entwicklung vollbracht. Nächstes Update gibt es ein wiedersehen mit einem kanonischen Charakter. Anfangs wollte ich ja keine offiziellen Charaktere einbringen, aber da dies ja einst als eigenständiger Band geplant war, hat sich das nun geändert
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
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  10. #20
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    Episode XI

    Das letzte dreiviertel Jahr ist wie im Flug vergangen. Drei Monate ziviler Durchlauf durch die meisten Stationen der "Gundark", wie das massiv modifizierte L-2783 Raumschiff heißt, waren recht lehrreich. In der Zeit konnte ich bei meiner neuen "Familie" eingewöhnen. Anfangs habe ich die ganzen verschiedenen Aufgaben des Durchlaufes als Zeitverschwendung aufgefasst, aber dann wurde mir klar, dass ich dadurch zum einem viele verschiedene Fertigkeiten rudimentär habe erlernen können. Zum anderem konnte ich mich an mein neues Leben in Freiheit gewöhnen. Während dieser Zeit hat mir Kayleen sehr geholfen und inzwischen kann ich sie als meine Stiefmutter akzeptieren, auch wenn sie nie den Platz meiner leiblichen Mutter in meinem Herzen einnehmen wird.

    Dann drei Monate Grundausbildung zum Soldaten. Dann weitere drei Monate allgemeine Kampfausbildung. Ich habe nun das notwendige Rüstzeug, um ein vollwertiges kämpfendes Mitglied von "Shellys Gundarks" zu werden. Da ich durch meine Zeit in der Arena schon sehr fit war, fiel es mir recht leicht, die Ausbildung zu bestehen. Aber mir ist klar, dass ich in vielen Bereichen noch am Anfang stehe. Meine Fähigkeiten mit dem Blaster lassen noch sehr zu wünschen übrig.

    Die Rekrutenausbildung fand nicht auf diesem Schiff statt, sondern bei der Zelle 23. Die haben einen stark modifizierten Gozanti Kreuzer mit dem Namen "Lehrreich". Auf zehn Rekruten kam ein Ausbilder und insgesamt gab es sechs Gruppen. Die eigentliche Feldausbildung fand auf einen Namenlosen Planeten statt. Wir nannten ihn intern einfach "Übungswelt". Wahrscheinlich hat die Welt schon einen Namen, aber der war wohl zu geheim. Jedenfalls gab es dort mehrere Stützpunkte und auch weitere Ausbildungseinheiten der Zelle 23, dessen primärer Zweck wohl die Ausbildung von Rekruten und weiterführende Kampfausbildung für andere Zellen sein dürfte.

    Der Tonfall war sicherlich streng, aber immer sachlich. Niemand wurde gedemütigt oder zur Schnecke gemacht. Schließlich waren wir alles Freiwillige, wild entschlossen für die Freiheit aller Völker und Rassen zu kämpfen. Die Gruppen waren so eingeteilt, dass es die gleichen Stärken wie auch Schwächen gab. Wir von Gruppe Esk waren alle körperlich Fit und hatten Nahkampferfahrung, aber keiner konnte wirklich mit einem Blaster umgehen. Also hatten wir verstärkt Training mit der Blasterpistole, dem Blasterkarabiner und dem Blastergewehr.

    Die meisten Trainingseinheiten waren darauf angelegt, dass nur Teamarbeit zum Erfolg führt. So lernt jeder Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Das war für mich lehrreich, da ich bisher als zum Tode verurteilte Gladiatorin immer nur eine Einzelkämpferin war. Es hat natürlich etwas gedauert, bis wir ein Team wurden, aber dann lief es ziemlich gut. Wir waren zwar nicht die Besten bei der Abschlussprüfung, aber zweiter Platz ist trotzdem ein Erfolgserlebnis.

    Nach einem viel zu frühen Wecken gab es Morgensport, dann Zeit zum frisch machen und die Bude auf Hochglanz zu bringen, um die übliche Inspektion ohne Strafeinheiten wie Liegestütze zu überstehen. Dann ein reichhaltiges Frühstück. Bis zum Mittagessen gab es theoretischen Unterricht wie allgemeine militärische Rituale und Gepflogenheiten, Rangabzeichen, Fahrzeugkunde, Waffenkunde und viel militärische Theorie. Oder wie baue ich meinen Blaster auseinander, wechsel ein defektes Teil und bastle ihn wieder zusammen. Nach dem Mittagessen ging es dann auf den Parcours. Das ist ein Trainingsaufbau, den man ablaufen muss und einige Hindernisse darauf sind nur durch koordinierte Teamarbeit zu überwinden. Die ersten zwei Wochen machten wir das in Sportkleidung, dann in voller Montur. Nach vier Wochen kam ein Tornister hinzu. Anfangs nur mit leichten Gewichten beladen, bis er schließlich das normale Kampfgewicht aufwies. Und im letzten Monat der Grundausbildung gingen wir mit regulärer Bewaffnung und Ausrüstung auf den Parcours.

    Darauf folgten dann verschiedene Trainingseinheiten wie Waffenloser Nahkampf, Kampf mit dem Messer oder Knüppel. Oder es ging auf den Schießstand. Oder weitere Sporteinheiten zum verbessern der körperlichen Kondition. Manchmal auch Mannschaftsspiele wie Schlagball.

    Nach fünf regulären Tagen ging es für zwei immer ins Gelände. Wir fingen mit zehn Kilometer Geländemarsch an, dazwischen gab es verschiedene Übungsszenarien. So Sachen wie Scharfschützenangriff aus dem Hinterhalt, Artillerieschlag oder robben durch das Gelände. Dann wurde ein Lager aufgebaut, also Zelte aufstellen, Schützenlöcher ausheben und Perimetersicherung installieren. Nach einer Übernachtung mit verschiedenen Diensten ging es dann wieder zu einem Marsch ins Gelände. Mit jeder Woche wurden die Distanzen länger und die Aufgaben anspruchsvoller.

    Die Abschlussprüfung war dann ein Marsch von fünfzig Kilometern, auf dem es zehn besondere Aufgaben zu meistern gab. Das hat den ganzen Tag gedauert und wir waren am Ende entsprechend fertig. Aber nun waren wir keine Rekruten mehr, sondern Soldaten. Das war ein sehr erhebendes Gefühl. Trotzdem war uns allen klar, dass dies nur der erste Schritt war, dass waren nur die Grundlagen. Nun kamen weitere drei Monate Kampfausbildung. Hier wurden nun reale Gefechtssituationen trainiert. Stellungskampf, Bewegungskampf, Abwehr, Angriff, offenes Gelände, schwieriges Gelände, Gebäudekampf, Entermanöver und viele verschiedene Szenarien. Auch hier gab es dann einen Parcours, nur war der jeden Tag etwas aufgebaut. Mal zusätzliche Hindernisse oder ein Ausbilder galt als Verwundeter und das Ziel war, ihn unbeschadet von Start zum Ziel zu tragen. Oder wir wurden die ganze Zeit dabei beschossen, mussten uns aufteilen, eine Gruppe rannte zur nächsten Deckung, die andere gab Deckungsfeuer. Wir wurden nun darauf vorbereitet, dass nichts so ist, wie es scheint.

    Informationen der Aufklärung verlieren sehr schnell an Wert. Schon eine Viertelstunde später ist eine gesicherte Information nur noch zu 95% korrekt und je mehr Zeit vergeht, desto mehr kann sich geändert haben. Eine leicht verteidigte Stellung kann gerade massive Verstärkung erhalten haben. Truppenverbände haben sich umgruppiert. Das einzige sichere im Krieg war, dass nichts sicher war. Und darauf wurden wir nun vorbereitet. Die CBF war nicht groß genug, um jetzt das Imperium eine offene Feldschlacht zu liefern, aber irgendwann würde der Zeitpunkt kommen, wo wir mehr als kleine Nadelstiche setzen würden. Deswegen wurde dann im letzten Monat der Fokus auf die Art von Missionen gelegt, die wir momentan am häufigsten machen. Infiltration, Gefangenenbefreiung, Rettungsmissionen und Sabotage.

    Die Abschlussprüfung dieses zweiten Lehrganges zog sich dann über zwei Tage hin und insgesamt mussten über 70 Kilometer zu Fuß zurück gelegt werden. Auch hier gab es dann verschiedene Aufgaben zu meistern. Darunter auch ein befestigtes Nachtlager aufzubauen, zu sichern und es dann schnell unter Feindfeuer zu evakuieren. Das war schon deutlich anspruchsvoller, aber auch das konnten wir dank unserer guten Ausbildung meistern. Nun waren wir so gut es eben ging auf den Ernstfall vorbereitet. Aber uns war allen klar, wirkliche Erfahrung würden wir nur im richtigen Einsatz sammeln können. Die Ausbildung dient nur dazu, um uns in die Lage zu versetzen, unser ersten Kontakt mit dem Feind zu überleben.

    Mit neun anderen frisch gebackenen Soldaten stehe ich nun in meiner neuen grauen Uniform vor Commander Shelly und nehme als Zeichen der Aufnahme in die CBF aus ihrer Hand ein Vibromesser entgegen, dessen Griff aus dem Horn eines Gundarks besteht. Ein erhebender Moment, der mich mit Stolz erfüllt. Meine Euphorie verfliegt, als ich erfahre, dass ich Commander Shelly als Adjutant zugeteilt werde. Ich hatte eigentlich auf einen aktiven Posten bei einer der Kampfeinheiten gehofft, für die man mich ausgebildet hat. Stattdessen bekomme ich einen Schreibtischposten.

    "War das deine Idee?", frage ich meinen Papa nach der Beendigung der Zeremonie in einem scharfen Tonfall. Nach feiern ist mir nun nicht mehr zumute, als alle anderen zur Cantina strömen, um auf ihr neues Leben mit einem Glas corellianischen Whiskey anzustoßen.

    "Nein, ich habe nichts mit der Entscheidung unseres Commanders zu tun", erwidert mein Vater und hebt beschwichtigend die Hände. Ich schaue ihn prüfend an und komme zu dem Schluss, dass er mir die Wahrheit sagt.

    "Warum kommt unser Commander auf die Idee, mich auf einen Schreibtischposten abzuschieben?", frage ich ihn etwas ruhiger.

    "Weil dein Commander findet, ein sechzehnjähriges Mädchen sollte erst noch einige wichtige Dinge lernen, bevor es in den Krieg zieht", höre ich hinter mit die Stimme von Commander Shelly, die offensichtlich sehr leise zu uns getreten ist.

    "Ich habe 134 Kämpfe in der Roten Arena überlebt und bin auch bald siebzehn. Ich kann gut auf mich aufpassen!", wiederhole ich mal wieder meine Argumente, warum ich in die kämpfende Truppe gehöre.

    "Das mag sein. Aber ich bin nicht Prinzessin Xira und auch kein Jedi, der eine Jugendliche in einen blutigen Konflikt schickt. Ich weiß, du hast gut in der Ausbildung abgeschnitten und deine Ausbilder sind voll des Lobes. Betrachte dies alles als Chance, um dich weiter zu entwickeln und nicht als Strafe. Übe weiter mit dem Blaster und wenn du das goldene Blasterabzeichen errungen hast, reden wir weiter."

    "Jawohl, Commander Shelly!", bestätige ich den Befehl, da weiterer Widerstand meinerseits mir nicht zielführend erscheint. Mein kommandierender Offizier hat sich meine Argumente angehört und anders entschieden. Das habe ich nun als Soldat von "Shelly Gundarks" zu akzeptieren. Und natürlich bin ich auch erfreut über die Tatsache, dass ich mit Erringen des goldenen Blasterabzeichens die Sache selbst in die Hand nehmen kann.

    Der Dienst an sich entpuppt sich als relativ angenehm, auch wenn es mir nach etwas Handfesterem steht. Unsere Einheit operiert momentan am Äußeren Rand in der Nähe von Zygerria. Diese Welt hat sehr vom Aufstieg des Imperiums profitiert und ist eine Drehscheibe des Intergalaktischen Sklavenhandels geworden. Zelle 77 hat den Auftrag, den Warenverkehr durch die Kaperung und Übernahme von Sklaventransportern oder, falls möglich von Sklavenjägern zu behindern. Dadurch sollen dem Markt Sklaven, Fänger und Transportkapazität entzogen werden. Gleichzeitig werden so neue Raumschiffe gekapert und potentielle Rekruten für den Widerstand gewonnen. Natürlich wäre ich lieber bei den Entermannschaften, welche die Schiffe stürmen und nicht hier an einem Schreibtisch mit organisatorischen Arbeiten beschäftigt.

    Eine meiner Aufgaben ist es, Besucher zu empfangen und mit um deren Wohlergehen zu kümmern. Hin und wieder besuchen uns Vertreter anderer Zellen oder Boten von der Führungsebene, welche neue Befehle bringen oder Statusmeldungen entgegen nehmen.

    "Lyra, es hat sich ein Gast angekündigt. Eine Agentin der Alderaaner mit dem Codenamen Fulcrum. Nimm sie bitte im Haupthangar Empfang und führe sie in mein Büro."

    "Zu Befehl, Commander!" Mit diesen Worten stehe ich auf und eile in den Hangar, wo gerade ein kleiner YT-1760 landet. Diese kompakten und sehr schnellen Raumschiffe sind primär Shuttles für betuchte Reisende. Diese schnittige Baureihe wird auch für Kurierdienste verwendet. In unserer Zelle gibt es mehrere Exemplare davon, die zu Waffenstarrenden Kanonenbooten ausgebaut wurden. Aus der Luke hinten am Rumpf tritt eine verhüllte Gestalt. Sie ist deutlich größer als ich. Die graue Robe mit dem über den Kopf gezogenen Kapuze verhüllt die Person fast vollkommen, so dass ich nicht erkennen kann, ob ich nun einen Mann oder eine Frau vor mir habe. An der Ausformung der Kapuze kann ich aber sehen, dass ich vor mir keinen Mensch habe.

    "Willkommen an Bord der Gundark, Fulcrum. Ich bin beauftragt, Euch zu Commander Shelly zu führen. Wenn Ihr so freundlich wärt, mir zu folgen?", sage ich mein für diese Situation übliches Sprüchlein auf und gehe voran. Der Agent folgt mir auf dem Fuß. Ich führe Fulcrum direkt in das Büro meines Commanders und frage: "Brauchen Sie mich noch?"

    Jetzt wo wir nur noch zu dritt sind, schlägt die Gestalt ihre Kapuze zurück und darunter kommt eine Togruta zum Vorschein. Eine humanoide Rasse von der Welt Shili. Ich bin mir nicht sicher, in welcher Region diese Welt liegt. Statt Ohren haben diese Wesen sogenannte Montrals, mit denen sie gut hören. Besonders feine Sinne erhalten sie durch ihre Lekku, die aber deutlich kürzer sind als bei den Twi´lek. Eine berühmte Jedimeisterin und ein ebenso berüchtigter Padawan stammen von dieser Welt. Und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich genau diesen berüchtigten Padawan mit dem Namen Ahsoka Tano vor mir.

    "Von Ihnen hatte ich mal ein Actionfigur und einen rot weiß lackierten Delta-7 Aethersprite, der fernsteuerbar und flugfähig war!", stoße ich aufgeregt hervor. Erst danach wird mir klar, wie unangebracht diese Bemerkung war und ich spüre, wie ich knallrot werde. Am liebsten würde ich vor Scham im Boden verschwinden. Aber Lady Tano lacht nur.

    "Da gebe ich mir solche Mühe, meine Identität geheim zu halten und jetzt erfahre ich, dass von mir Spielzeug zu kaufen gibt", meint die ehemalige Jedi durchaus gut gelaunt. Aber dann fährt sie mit ernsterem Tonfall fort: "Ich hoffe, ich kann auf deine Diskretion zählen?"

    "Aber selbstverständlich, Lady Tano. Ich werde niemanden etwas davon erzählen!", verkünde ich und meine es auch so. Bevor es noch peinlicher wird, fliehe ich schier aus dem Büro. Draußen halte ich inne und muss an mich halten, nicht wie ein kleines Kind vor Begeisterung quietschend auf und ab zu hüpfen. Ich habe eine Leibhaftige Heldin meiner Kindheit kennen gelernt, wer kann so was schon vor sich behaupten?

    Nakagos wirre Gedanken

    Ich habe die militärische Ausbildung von Lyra mit ein paar Sätzen zusammen gefasst, da ich das Militärgedöns nicht zu sehr auswalzen wollte. Wir erreichen nun den Zeitpunkt, wo sich im alten Kanon die Rebellenallianz mit der Erklärung von Corellia bildet. Momentan gibt durch Solo eine gewisse Diskrepanz, da Enfy Nest in ihrer Rede schon deutlich früher von einer Allianz spricht. Aber auf der anderen Seite dürfte es schon früh hier und da Zellen gegeben haben, die überregional zusammen gearbeitet haben dürften. Wie auch immer, da fand ich es einfach sinnig, Ahsoka Tano als Emissär von Bail Organa auftauchen zu lassen. Im nächsten Kapitel taucht dann ein weiterer kanonischer Charakter auf.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

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