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  1. #71
    Hintergrundstalker
    Avatar von Nakago
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    Forn

    Schließlich brechen wir auf und schon beim aufsteigen merke ich, wie ich diesen Drachen hasse und er mich. Mir fehlt ein Lenker, eine Bremse und ein Beschleunigungshebel. Ich bin ziemlich unglücklich auf dem Rücken von diesem Ding. Spaß ist etwas anderes. Schon nach zehn Minuten tut mir der Hintern weh, nach zwanzig Minuten habe ich ein äußerst unangenehmes ziehen in den Oberschenkeln und nach einer halben Stunde schmerzt mein Rücken. Zwar versucht Edna mir ein paar Tipps zu geben, aber wirklich verbessern tut dies meine Lage nicht.

    Meine Laune hebt sich, als wir endlich auf ein paar Rancore treffen. Ich ziehe das Jagdgewehr aus dem Futteral, entsichere es, lege an und ziele. Der Laufdrache hält wenigstens still und ich kann in Ruhe das Ziel zentrieren. Da visiere ich einfach mal den größten Rancor an und schieße auf seinen Kopf, in der Hoffnung, seine große Klappe zu treffen. Sauber ziehe ich ab und der Schuss bricht. Das große Kaliber hat trotz der Rückstoßdämpfung immer noch einen unangenehmen Rückstoß. Der Lauf wandert gerade hoch und fällt genau dorthin zurück, wo ich vorher gezielt habe. Ein sauberer Schuss und sofort ziehe ich ein weiteres mal ab. Schnell hinter einander erziele ich mehrere Wirkungstreffer und die Kreatur bricht in sich zusammen. Leider sind die anderen Jäger nicht so versiert wie ich. Scav klammert sich krampfhaft hinter Lyn an deren Sattel fest, währen die orangene Twi´lek die Landschaft mit wild herumfliegenden Projektilen pflastert. Die Bäume tun mir wirklich Leid. Shaka leistet ihr dabei gute Schützenhilfe und ist dabei auch nicht schlechter als der Großteil der sogenannten Jagdgesellschaft, die eher Deckungsfeuer zu geben scheint. Leider bin ich die einzige, die einen Rancor zu Boden geschickt hat. Da er noch um sich schlagend auf dem Boden hin und her wälzt ist nicht sicher, ob der nun am Gift sterben oder sich erholen wird. Ich sag ja, Raketenwerfer ist die einzige für einen Rancor geeignete Jagdwaffe.

    Die Rancore stapfen frohgemut auf das zu, was sie für ihr Mittagsbuffet halten. Und damit sind wir gemeint. Der Jagdleiter gibt das Zeichen zum Rückzug, bevor es zum Massaker kommt. Und mit Massaker sind ebenfalls wir gemeint. Der Reitdrache reitet nun endlich genau in der Geschwindigkeit und in die Richtung, die auch ich will. Leider wird das nicht ausreichen. Ich beginne nun zur Route zu kreuzen, um so einen Schuss während dem reiten auf die verfolgenden Bestien abgeben zu können. Auch Edna benutzt diese Taktik und wir geben Sperrfeuer nach hinten. Das verlangsamt die Bestien etwas und lässt den Vorsprung der anderen wachsen. Schließlich wird einer der jungen Reiter abgeworfen und der Jagddrache hält es aus irgend einem Grund für eine gute Idee sich mit Kreaturen anzulegen, die deutlich größer sind als er. Nun ja, der Drache greift an und wird innerhalb von Augenblicken in Stücke gerissen, was die Rancore aber zum Stillstand bringt. Der Jagdmeister rettet derweil den jungen Reiter und zieht ihn auf sein Tier hoch. Inzwischen habe ich verschossen und wir treten einen geordneten Rückzug an.

    Das ganze war irgendwie als Lehrstück für die Jugend gedacht. Ich muss gestehen, den wirklichen Sinn und Zweck des ganzen geht über meinen corellianischen Horizont. Je mehr ich von dieser Kultur sehe, desto mehr erkenne ich, wie sehr diese Gesellschaft sich von der der Neuen Republik im Allgemeinen und der von Corellia im Speziellen unterscheidet. Wenigstens gab es bei diesem Unsinn keine Toten oder richtig Verletzte. Mein Hintern ist trotzdem wund, meine Oberschenkel ein Krampf und mein Rücken ein einziger Schmerz. Es hat schon seinen Grund, warum Corellianer Swoopbikes und keine Laufdrachen haben.

    Wir bekommen Gelegenheit uns Frisch zu machen und uns auf die Abendgesellschaft vorzubereiten. Genau genommen will ich hier nur noch weg. Diese ganzen Komplikationen haben mich wieder von Khador getrennt, falls er es denn wirklich war. Statt weiter nach meiner Schwester zu suchen, hänge ich hier herum und versuche mich in einer Welt zurecht zu finden, die mir gänzlich fremd ist. Und ich die ich mich auch nicht intrigieren will. Es heißt zwar, bist du auf Coruscant, dann gib dich wie ein Coruscanter, aber diese Kultur mit seinen ganzen hohlen Ritualen und sinnlosen Prunk widert mich durchaus an.

    Abendgarderobe wird mir gestellt und ich sehe richtig schick in dem vorne wie auch hinten tief ausgeschnittenen Kleid aus. Leider habe ich im Gegensatz unserer Twi´leks nicht die Körbchengröße, um den Ausschnitt wirklich zu füllen. Tja, man kann nicht alles haben, auch wenn sich meine Zofe wirklich alle Mühe gibt, mich hübsch zu verpacken. Zum Abendessen gibt es frischen Rancor serviert. Zähes Fleisch, schmeckt aber besser als auf Anduras. Wahrscheinlich der Rancor, den ich angeschossen habe und der als einziger sichtbar zu Boden gegangen ist. Sonst hat ja keiner einen sichtbaren Wirkungstreffer gelandet. Ich versuche mich in etwas Smalltalk. Ich bekomme etwas mehr heraus als von meiner Zofe. Das einzige neue ist, dass die Ducha von Calfa auch nicht sehr von den ganzen Entwicklungen mit dem Imperium um Thorne angetan ist. Allerdings steht die gute Frau unter massivem Druck, weil sie einen neuen Kampfdrachen der königlichen Flotte zur Verfügung stellen muss. Da scheint ja General Gale mal was richtig gemacht zu haben. Seit dem Attentat mit den Retroviren habe ich einen ziemlichen Hals auf die Hapaner im allgemeinen und Haus Fyria im besonderen. Ich bin nicht der Typ, der wegen so was jetzt mit Granaten herum hantiert wie Shaka auf Quaria. Trotzdem bin ich immer noch sauer deswegen und kein Geld der Galaxis kann das wirklich kompensieren.

    Ich tauche ein in die ziemlich komplizierte Familienpolitik des Systems von Calfa. Auf den vier Monden herrschen die vier mächtigsten Familien von Calfa, die hinter dem eigentlichen Herrscherhaus der Ducha von Calfa, Evolyn Safia stehen. Das Haus Virin herrscht auf dem Mond Vir und gelten als großindustrielle Unternehmerfamilie. Die sitzen also nicht nur in ihren Prunkschlössern herum, sondern machen wirklich was aus ihrer Zeit. Das Haus Zacha regiert auf Zach und das Haus Skyris herrscht über den Mond Skyra. Bald schwirrt mein Kopf vor vielen neuen Informationen und ich beginne, die Namen wild durcheinander zu werfen.

    Bei der ersten Gelegenheit entschuldige ich mich und gehe in meine Zimmerflucht. Dort nehme ich noch mal ein entspannendes Schaumbad, aber die Wut über die ganzen Umstände brodelt immer noch in mir. Die Fyris haben uns nach Strich und Faden verarscht. Anders kann man das nicht ausdrücken. Sie haben uns mit ihrem Verhalten klar gemacht, dass wir total entbehrliche Diener in ihren Augen sind. Fremdweltler, nicht der Rede wert, wenn die drauf gehen, auch wenn sie erfolgreich in ihrer Mission sind, so sparen die Fyris das Geld. Hätten wir nicht drei "Gäste" des Hauses als Faustpfand gehabt, wäre es wohl sehr eng geworden. Jedenfalls ist das nicht die Grundlage für ein vertrauensvolles Geschäftsverhältnis.

    Das Bett ist sehr stabil und gut gefedert. Also tu ich etwas, dass ich nicht mehr getan habe, seit dem ich Corellia als kleines Kind habe verlassen müssen. Und dabei ist es mir egal, ob das eventuell von irgendwelchen Überwachungsgeräten aufgezeichnet wird. Im Schlafanzug bekleidet klettere ich auf das Bett und beginne zu hüpfen. Das ist vielleicht ein Spaß! Sicherlich verdammt kindisch, aber mir ist das so was von egal.

    Der Morgen kommt und wir können endlich abreisen. Wir bekommen tatsächlich 30 000 Credits ausgehändigt. Dazu noch ein Handelszertifikat des Hauses Fyris, was uns nun den Handel im Hapes Konsortium ermöglicht. Leider gab es gerade ein Bombenattentat auf die Ducha Leonin Skyris von dem Mond Skyra. So ist es momentan nicht möglich die Botschafterin der Republik zu kontaktieren. Ducha Leonin Skyra war eine von jenen, welche der Contra Imperiumsfraktion angehört haben. Womöglich genau genommen höchst wahrscheinlich, war der Anschlag politisch motiviert. Das pikante daran ist, dass auch der Kronprinz und einzige Sohn Sylas beim Attentat ums leben kam und es keine Töchter gibt. Die Thronfolge der Herrscherfamilie von Skyra ist also momentan offen, da mehrere Leute nun Ansprüche auf den Thron anmelden können.

    Nun ja, auf Calfa herrscht gerade Chaos und vielleicht ist es möglich, dort ein paar lukrative Aufträge an Land zu ziehen. Endlich können wir diesen Ort hier verlassen. Eigentlich war der Aufenthalt angenehm, die Gastgeber freundlich, die Belohnung angemessen und die Jagd durchaus interessant, wenn auch von der Gesamtkonzeption äußerst seltsam. Trotzdem glimmt in mir immer noch der Zorn über den "Verrat" auf Quaria. Wirklich vergeben und vergessen kann ich das noch nicht. Aber das ist nicht eine Zelle der Schwarzen Sonne, die wir mal kurz im Alleingang auslöschen können. Und Rache ist nicht lukrativ und führt nicht auf die Spur zu meiner kleinen Schwester zurück. Also verschließe ich meinen Zorn in meinem dunkelsten innersten und kümmere mich um aktuelle Probleme, nämlich schnell viel Geld zu verdienen. Und nach Quaria zurück zu kommen, um dort noch einmal Khador aufzuspüren und ihn mir zur Brust zu nehmen. Also blicke ich nun wieder nach vorne und halte mich nicht mit unnützen Rachegedanken auf.

    Nakagos wirre Gedanken

    Die Jagd war schon etwas seltsam. Fällt in die Rubrik verpasste Gelegenheit um was richtig geiles draus zu machen.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  2. #72
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    Grek

    Zurück an Bord unseres Schiffes machen wir alles klar für einen Start und heben so schnell wie möglich ab. Der Transfer zur Freihandelsstation Calfa Prime verläuft ohne Probleme, ebenso die Formalitäten. Das Zertifikat das Hauses Fyris ist wirklich von Nutzen. Wir hören uns in den einschlägigen Cantinas der Station um, was es denn gerade für lukrative Geschäftsmöglichkeiten gibt.

    Ein etwas dubioser Auftrag würde uns zurück in den Raum der Neuen Republik führen und zwar zur Mynaros Station. Die dortige Kommandantin der Station stellt sich dem freien Handel mit Gütern des Hapes Konsortium in den Weg. Im Klartext, die momentanen Summen sind für die gute Frau nicht verlockend genug. Also wird jemand gesucht, der ihr klar macht, nicht zu gierig zu sein. Da wir selbst da gesucht werden, ist unsere Verhandlungsposition nicht gerade die Beste, um das mal vorsichtig zu formulieren. Also lehnen wir dankend ab.

    Auf Cyphera ist der Künstler Thald Krudd in der Traumwelt verschollen und seine Mäzene sind darüber äußerst besorgt, da wohl eine Vernissage bevorsteht. Nun ja, die Traumwelt ist kein Ort, wo wir gerne hin möchten. Also nein.

    Am Stadtrand von Calfa Stadt befindet sich ein Lager mit zur Verbrennung vorgesehenen Schmugglergüter, die nicht besonders gut bewacht sind. Da sprechen mehrere Gründe dagegen, erstens wollen wir uns gerade erworbenes Handelszertifikat des Hauses Fyris nicht riskieren. Zweitens, wie transportieren wir die aus ihrem Gefängnis befreite Ware dann bitte ab? Schließlich können wir mit der "Vanguard" nicht offiziell dort landen und für ein heimliches Eindringen in diesen Luftraum haben wir nicht die notwendige Ausrüstung an Bord unseres Schiffes. Also auch nicht.

    Aufgrund der sich am Horizont sich abzeichnenden politischen Verwerfungen versuchen einige Leute heikle Dinge in Sicherheit zu bringen. Wir bekommen vier Angebote für verschiedene Transfers. Drei wären zur Vol Yunkai Station und einer nach Quaria, wo wir eh hin müssen. Allerdings müssen wir die Fracht, bzw. die eigentlichen Kunden auf der Oberfläche von Calfa einsammeln. Das hört sich vielversprechend an und wir nehmen das nächste Shuttle nach Calfa Stadt.

    Der Transfer in dem solide eingerichteten Shuttle einer mir gänzlich unbekannten regionalen Baureihe verläuft ohne Komplikationen. Wir können beim Anflug einen schönen Blick aus dem Fenster auf die sehr weitläufige Stadt werfen. Im Zentrum ist der Königspalast, der noch prächtiger und noch kitschiger aussieht wie der Stammsitz des Hauses Fyris. Ein gewaltiger Park mit malerischen Seen und lieblichen Wäldchen umgibt das Schloss. Einige Segmente sind naturbelassen, andere ein Prachtstück regionaler Gartenarchitektur. Darum gruppieren sich in großzügigen Anwesen die Adelshäuser. Darauf folgt ein weiterer Park und dann ein Gürtel aus einem Mischgebiet aus Lagerhäusern, Fabriken und Bürokomplexen. Normale Leute leben hier nicht. Des Rätsels Lösung ist, dass sich fünf Ebenen unter der Oberfläche befinden. So wie auf Coruscant, aber eben nur fünf und keine tausende von Ebenen. Wer hier nicht von Adel ist, hat kein leichtes Leben.

    Als lizenzierte Händler ersparen wir uns lästige Formalitäten und werden quasi durchgewunken. Nun gut, dieses Handelszertifikat erweist sich als äußerst praktisch und ein großer Teil meines Zorns verraucht. Mit den Twi´leks im Schlepptau fallen wir auf wie bunte Banthas. Am Raumhafen ist es leichter in in den Untergrund, sprich in die unteren Ebenen zu kommen als in die eigentliche oberirdische Stadt. Da unsere Kunden eh dort unten sind, spielt das keine Rolle.

    War die Luft oben frisch und natürlich, herrscht unten ein ziemlicher Mief. Die Untergrundstadt besteht aus kreisförmigen langgezogenen Gewölben und ist etwas anders strukturiert als Coruscant. Wohnhabs schrauben sich aber hier bis zur Decke hoch. Durch die geordnete Struktur dienen die wahrscheinlich auch als zusätzliche Stützen für das langgezogene Gewölbe. In den Erdgeschossen befinden sich Fachläden, kleinere Reparaturwerkstätten, Cantinas und einschlägige Etablissements. Auf einigen Plätzen befinden sich noch Marktstände, die sich bis in die Straßen hinein ziehen. Zweigleisige Monorailbahnen befinden sich auf einer Stützenkonstruktion über der Hauptstraße. Es ist viel los auf den Straßen, da viele Leute Hamsterkäufe tätigen. Manche Lebensmittelläden wirken leer gekauft und viele Leute tragen ziemlich prall gefüllte Beutel mit Lebensmitteln mit sich herum. Ordnungshüter, denen Rüstungen fatal an die von Sturmtruppen erinnern, sorgen für Recht und Ordnung auf den Straßen. Eigentlich sind nur einige unwesentliche Details anders und die Helme sind eher die eigentlichen Imperialen Armee nachgebildet. Aber sonst könnten das durchaus Imperiale sein. Der Einfluss und die Veränderungen haben auch die unteren Ebenen schon erreicht. Kein gutes Zeichen.

    Wir treffen unsere Kunden in verschiedenen Cantinas und holen Angebote ein. Nach den ersten drei ist unser Frachtraum eigentlich schon ausgebucht, trotzdem suchen wir den vierten Kunden auf der dritten Ebene auf. Ein Turbolift bringt uns dort hin. Hier ist es deutlich schäbiger als auf der obersten Ebene. Hier befinden Produktionsstätten, Halden, Lagerhäuser, Gewerbeparks und Strukturen, deren Sinn und Zweck ich auf dem ersten Blick nicht erkennen kann. Es gibt hier auch Slums in Ruinenbereichen, wo versehrte Bettler dahinvegetieren. Keine gute Gegend und meine Hand ruht demonstrativ auf dem Griff meiner Blasterpistole.

    Der Ort den wir aufsuchen müssen schimpft sich hochgestochen Repositorium. Ein Repositorium ist meines Wissens ein verwalteter Ort zur Aufbewahrung von Dokumenten, die öffentlich oder einem beschränkten Nutzerkreis zugänglich sind. Auf alle Fälle ist dieses gedrungen wirkende Gebäude durch ein Wachhäuschen mit Schranke geschützt, in dem ein vierschrötiger Kerl sitzt und Gesindel abschreckt. Wir tragen unser Anliegen vor und werden von einem alten Mann mit Bart in Empfang genommen. Er trägt eine dunkle Robe und führt uns in ein Hinterzimmer. Die Fracht besteht aus einer einzelnen Kiste mit jeweils Anderthalb Schritt Seitenlänge und ähnlicher Höhe, die etwa einen Zentner wiegt.

    "Diese Kiste ist ungeöffnet auf direkten Weg unverzüglich zu einer Position an der Vol Yunkai Station zu bringen." Misstrauisch beäuge ich die Kiste. Ich kann an der Seite im oberen Bereich sehr viele kleine Löcher entdecken. Darin soll ganz klar eine Person geschmuggelt werden, entweder eine kleine Frau, ein Kind oder ein kleineres Alien. "Dort wird ein Schiff die Fracht übernehmen und Sie bekommen 10 000 Credits." Für eine Kiste ist das ein ziemlich stolzer Preis. Besonders da wir uns nicht mit der Sicherheit auf der Vol Yunkai Station herum schlagen müssen. Allerdings ist Menschen oder Alienschmuggel immer so eine Sache.

    "15 000 Credits und keine weiteren Fragen!", meint der Archivar auf einige Rückfragen von uns. Nun gut, dass ist eine stolze Summe und ich weiß schon jetzt, dass wir uns jeden einzelnen Credit hart verdienen müssen. Oder wieder mal übers Ohr gehauen werden.

    "Wir müssen uns kurz beratschlagen", meine ich und wir bilden in einer Ecke mal wieder einen Kreis. Uns ist allen mehr oder weniger klar, dass wir eine lebende Person schmuggeln. Shaka ist von vorne rein strickt dagegen, noch bevor wir das Für und Wider erörtern. Nach etwas hin und her beschließen Scav, Lyn und ich, dass wir den Auftrag annehmen werden. Aber bevor wir die Kiste an der Vol Yunkai Station übergeben, werden wir den Behälter öffnen und der Person darin die Wahl lassen, ob diese unser Schiff verlassen will oder irgendwo anders hin möchte. Auch auf die Gefahr hin, nicht dafür bezahlt zu werden.

    "Wir nehmen an!", erkläre ich dem alten Archivar. Ein kleines Problem ist, dass wir nicht einfach so mit der Kiste weg fliegen können. Im Vorfeld muss eine ganze Reihe von Sensoren manipuliert werden, weil die Ware einen Sender hat, der nicht deaktiviert werden kann. In einem Gespräch auf Fyria habe ich erfahren, dass Adligen ein Sender implantiert wird, welche Entführungen erschweren soll. Die sind so angebracht, dass man sie nicht einfach herausschneiden oder mit dem abtrennen eines Körperteils austricksen kann. Auch ein Droidenkracher wirkt nicht, da sich der eigentliche Sender in einer EMP geschützten Kapsel befindet. Also haben wir einen jungen Adligen in der Kiste. Ich halte den Archivar nicht für einen kriminellen Entführer und auch nicht für jemand, der mit seiner jugendlichen adligen Freundin vorhat, durchzubrennen. Angeblich kam der Kronprinz bei dem Bombenattentat ums leben. Aber vielleicht befindet sich dieser auch in der Kiste oder wird sich darin befinden, wenn wir ein Route ausgekundschaftet haben.

    Also tun wir das, eine Route an die Oberfläche vorbereiten. Der Archivar schickt einen Gehilfen mit, der uns zeigt, wo die ersten Sensoren sich befinden, auf welche Art sie arbeiten und wie man sie temporär ausschalten kann. Das wird nicht einfach werden. Während wir eine Route aussuchen, die so wenig Sensoren wie möglich hat, gehen wir auf einen Markt, wo wir uns entsprechendes Werkzeug besorgen. Noch während Shaka mit dem Händler verhandelt, werde ich auf einmal von einer weiß berobten Gestalt angerempelt, die eine silbermetallene Maske trägt. Ein ganzer Pulk von diesen seltsamen Kultisten bewegt sich auf den Zentrum des Marktes zu und baut ein kleines Rednerpult auf. Dann betritt ein Kerl mit einer goldenen Maske die Bühne und hält eine Ansprache. Shaka wird endlich Handelseinig und wir machen, dass wir Abstand zu diesen vermummten Rassisten bekommen, denn genau darum handelt es sich. Die Rede trieft vor Hass und ist gegen alle Fremdweltler und ihren ach so verderblichen Einfluss gerichtet. Offensichtlich gefällt ihnen die Gedanken nicht, welche die Neue Ordnung des Imperiums ihnen über die Hintertür bringt. Allerdings geht es hier direkt gegen jeden Nichthapaner und nicht nur gegen Aliens.

    Ohne aufgehalten zu werden, können wir den Marktplatz verlassen und uns um unsere Aufgabe kümmern. Vier Sensoren müssen wir ausschalten. Die sind meist an sehr unzugänglichen Orten angebracht. Ich klettere hoch und Scav gibt mir aus der Ferne Anweisungen, was ich zu tun habe. Der Rest steht dabei mehr oder weniger erfolgreich Schmiere.

    "Da kommt jemand!", heißt es auf einmal von Lyn, als schon ein paar Leute um die Ecke biegen. Toll, hat die orangefarbene Twi´lek Bolbifrüchte vor den Augen? Ich tu so, als wäre es ganz normal, in mehreren Metern Höhe an einem Schaltkasten herum zu hantieren. Besonders in meinen teuren Klamotten. Auf eine solche Aktion waren wir ja nicht vorbereitet. Wir wollten hier Aufträge an Land ziehen und nicht einen Adligen hier heraus schmuggeln. Dafür bin ich wirklich falsch angezogen. Aber mit meiner inzwischen schon ziemlich mitgenommenen Rüstung würde ich auch keinen Staat machen.

    Schließlich haben wir alle Sensoren geblendet, ohne das die örtliche Sicherheit aufmarschiert ist. Gut, dann können wir die "Ware" ja mal abholen. Schon in der Nähe des Repositorium hören wir Lärm. Weißberobte Kultisten haben den Wachmann aus seinem Wachhäuschen gezerrt und treten von allen Seiten auf ihn ein. Einige tragen Blasterpistolen, andere nur Eisenstangen oder Metallschläuche mit gezackten Kugeln an der Spitze. Der Wachmann sieht schon ziemlich ramponiert aus. Ich mag es nicht, wenn eine Übermacht auf einen schon am Boden liegenden Mann eintritt. Und noch weniger mag ich Rassisten. Und als drittes mag ich Credits und ich schätze mal, die wollen uns unsere 15 000 Credits streitig machen. In der Summe gesehen: Verdammt großer Fehler!

    Nakagos wirre Gedanken

    Nun kommen wir zu den Schattenseiten von Calfa. Da kann man mal sehen, was alles passieren kann, wenn man etwas Fracht aufnehmen möchte.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
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  3. #73
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    Herf

    "He, ihr Scheißkerle!", rufe ich ihnen zu und einer schießt auf mich. Damit ruiniert er meinen neuen schönen Umhang samt Jacke, da er nur meine Schulter trifft. "Fierfek!" Im Gegenzug ziehe ich meine Blasterpistole in einer glatten Bewegung, mache einen seitlichen Schritt um von einem dort stehenden Müllcontainer etwas Deckung zu bekommen und verpasse dem Schützen ein drittes Auge in seiner Stirn. Das Tibanagas brät seine weiche Birne ziemlich gut durch und mit kochenden Augäpfel geht er zu Boden. Hat er nun davon, dieser rassistische Mistkerl. Shaka spricht uns allen Mut zu, Lyn geht schießend ebenfalls in Deckung und Scav schwingt voller Enthusiasmus seine Fäuste, da er seine klobige Vibroaxt auf dem Schiff gelassen hat. Wie gesagt, wir wollten Kunden treffen und keinen Krieg vom Zaun brechen. Ich beziehe weiteres Feuer, aber der Container hält den Einschlägen gut stand. Ich erschieße in schneller Folge zwei weitere dieser schießwütigen Robenträger, Lyn einen und Scav schlägt gleich zwei zu Brei. Ein Blick auf dem Wachmann macht mir klar, dass wir für ihn leider zu spät gekommen sind. Wir haben die Kuttenträger nur von weiterer Leichenschändung abgehalten. Das ist natürlich äußerst bedauerlich, aber leider nicht zu ändern.

    Wir rücken weiter vor und eine Gruppe von Kultisten kommt uns entgegen, da sie den Kampflärm wohl gehört haben. Ich gehe in einer Nische in Deckung, da zwei der Angreifer Blasterkarabiner dabei haben und die können ziemlich weh tun. Eine Blasterpistole natürlich auch, aber die noch mehr. Ich erschieße beide Schützen, die anderen werden von meinen Kameraden zusammen geschossen. Als erstes schnappe ich mir einen der Karabiner. Unbekannte Bauart mit viel unnötigen Verzierungen. Nicht nur der Adel scheint hier auf überflüssige Dekoration zu stehen. Ich brauche einen Moment, um mich mit den Bedienelementen vertraut zu machen und dann kann es weiter gehen. Mit der notwendigen Eile, aber doch vorsichtig von Deckung zu Deckung sich bewegend, rücken wir in das Repositorium vor.

    Zuerst finden wir einen toten Gehilfen vom Archivar, dann den alten Mann selbst in seinem Büro. Mehrere Einschüsse sind in seiner Brust zu sehen und es riecht nach verbranntem Fleisch. Die Kiste ist offen und leer. An der Wand ist ein Stapel von Büchern und Aktenordnern umgefallen und gibt nun einen schmalen Durchgang frei. Dahinter ist ein schmaler Gang, aus dem Rufe heraus schallen. Nun gut, wer immer in der Kiste war, ist wohl im Gang und noch nicht in der Hand dieser Mörderbande.

    Mit der Waffe im Anschlag rücke ich als Erste in den schmalen, von einer Reihe von Leuchtgloben an der Decke erhellten Gang vor. Der endet an einer Treppe aus porösem Permabeton nach unten. Wir folgen deren Verlauf und kommen in ein mit unverputzten Permabeton verkleideten Gewölbe. Hier stehen Maschinen auf festen Sockeln, deren Sinn und Zweck ich nicht einschätzen kann. Aber die sind Momentan eh nur dazu da, um unsere Annäherung an die Bande von Kultisten zu erleichtern. Durch das Gewölbe fließt in einem Kanal eine große Menge an Abwasser, jedenfalls riecht so kein gutes Frischwasser. Über diesen Kanal ragt ein Kranarm, an dem sich eine Junge von etwa zwölf Jahren klammert. Er trägt gute Kleidung und macht einen beherzten Eindruck. Auf die andere Seite ist es noch ein gutes Stück und aus dieser Position unmöglich zu erreichen. Sechs Kultisten sind hier zu sehen. Vier sind am Sockel des Krans und zwei klettern gerade hinter dem Jungen her. Zwei haben Blasterkarabiner, der Rest Pistolen. Ich erschieße einen mit einem Blasterkarabiner, Lyn pflückt den Kultisten vom Kran, der dem Jungen schon gefährlich Nahe gekommen ist. Shaka erledigt den anderen auf dem Kranausleger und Scav läuft in den Nahkampf. Das Gefecht ist schnell zu Ende und jetzt gilt es den Jungen wieder auf den sicheren Boden zurück zu bringen. Inzwischen hält er sich krampfhaft am Ausleger fest und schaut uns misstrauisch entgegen.

    "Der Archivar des Repositorium hat uns beauftragt, Euch nach Vol Yunkai zu bringen, wo ein weiteres Schiff Euch in Sicherheit bringen wird, Eure Majestät", erkläre ich dem Jungen und klettere ebenfalls an den Kran hoch, um dem Jungen bei der Rückkehr auf sicheren Boden zu helfen. Misstrauisch mustert der Knabe uns. Da er nicht abstreitet der angeblich tote Kronprinz zu sein, liege ich wohl mit meiner Vermutung diesbezüglich richtig.

    "Woher weiß ich, dass ich euch trauen kann?", erwidert er durchaus berechtigt. Schließlich kennt er uns nicht und befindet sich in einer äußerst prekären Situation.

    "Gar nicht, Eure Majestät. Aber wir haben einen Auftrag angenommen und der Deal steht noch. Euch bleibt nichts anderes übrig, als es darauf ankommen zu lassen. Und in den Fluss zu springen bringt Euch nur um, dass ist keine Lösung", erkläre ich und der mutmaßliche Thronfolger lässt sich nun von mir nach unten auf den Boden helfen. Das wäre geschafft. Aber unsere Probleme sind noch nicht zu Ende.

    Der kleine Kronprinz heißt Sylas und er vermutet mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass einer seiner Onkel hinter dem Bombenattentat steckt. Und der will Nägel mit Köpfen machen und den Jungen beseitigen, damit er selbst bestimmen kann, wer in Zukunft die Macht über sein Haus hat. Andere wiederum würden alles geben, um Sylas in ihre Finger zu bekommen und mit einer ihrer ledigen Töchter zu verheiraten, die damit dann die nächste Ducha wäre. Also haben sehr viele Leute momentan ein großes Interesse den Jungen in ihre Hände zu bekommen. Ein anderer Onkel würde ihn bei Vol Yunkai an Bord seines Schiffes nehmen und der hat angeblich genug Macht, um diesen Schlamassel wieder gerade zu biegen. Ich hoffe mal für Sylas, dass dies auch den Tatsachen entspricht.

    Der Junge tut mir schon Leid, da ich genau weiß, wie es ist, die Mutter durch Gewalt zu verlieren und auf der Flucht zu sein. Auch wenn es eine Ewigkeit her ist, manchmal ist es für mich wie nur ein Tag her, als wäre Eloy noch an meiner Hand. Also hat der kleine Sylas meine vollste Unterstützung. Aber wir machen ihm klar, dass der Preis für den sicheren Transfer immer noch 15 000 Credits beträgt, die ausgemachte Summe. Natürlich könnten wir auch auf einen hohen Risikozuschlag bestehen, aber das wäre doch etwas daneben. Leben retten geht immer vor Leben nehmen!

    Zuerst schlage ich vor, dass wir einfach die Kutten der Kultisten anziehen, um unerkannt mit dem Jungen weg zu kommen. Ist er halt ein kleiner Kultist. Leider zeichnen sich die Lekku der Twi´lek zu deutlich unter den Roben ab. Mein Scherz, die Tentakel einfach abzuschneiden kommt bei den Mädels von Ryloth nicht gut an und muss mir böse Morddrohungen anhören. Ich merke mir, keine Witze mehr über die Lekku anderer Leute zu machen. Trotzdem nehme ich eine der Kutten mit, wer weiß, für was die noch gut sein kann.

    Da bleibt uns letztendlich wohl nichts anderes übrig, als seine Hoheit in die Kiste zu stopfen und diese durch die Gegend zu tragen. Als kleine Rache lasse ich die beiden Twi´leks beim tragen ordentlich schwitzen, da ich sie rein zufällig an die Stellen bugsiere, die am schwersten zu tragen haben.

    Wir kommen recht gut vorwärts. Kluge Leute hätten sich natürlich ein Skiff besorgt. Aber warum bequem, wenn man zwei Twi´leks zum Kisten schleppen hat? Wir kommen bis zur ersten Unterebene, als die planetare Regierung uns ein Strich durch die Rechnung macht.

    "Ausgangssperre! Unverzüglich tritt eine Ausgangssperre in Kraft! Kehren sie zu ihren Behausungen zurück und bleiben sie dort!", quäkt es allenthalben aus Lautsprechern. Das sind keine guten Nachrichten. Es gibt ein ziemliches Gedränge und Geschiebe auf den Straßen und Plätzen der Untergrundstadt. Es liegt auf der Hand, dass die Ausgangssperre mit unserem blinden Passagier in der Kiste zusammen hängen muss. Damit dürfte auch der Shuttleservice nach Calfa Prime entweder streng überwacht oder eingestellt sein. Wahrscheinlich werden wir die Kiste öffnen müssen und damit wären wir geliefert. Eine kurze Diskussion später setze ich mich mit meiner Idee durch, zum Repositorium zurück zu kehren, in das Untergeschoss zu gehen und aus herumliegenden Material ein Floß zu bauen, auf dem wir auf dem Kanal herum fahren können. Der Plan ist zwar der reine Wahnsinn geboren aus Verzweiflung, aber momentan das, was am Besten funktionieren dürfte.

    Nakagos wirre Gedanken

    Ein netter kleiner Kampf für Zwischendurch. War dadurch knifflig, da keiner seine normalen Kampfwaffen dabei hatte. Auch war Lyra nur mit ihrer guten Kleidung gerüstet, die zum Glück trotzdem recht gut mit Verteidigung von eins und Absorption von eins ist. Man wird etwas schwerer getroffen, kann aber nicht so viel Schaden wie üblich kompensieren.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
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  4. #74
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    Isk

    Also lassen wir uns mit dem Menschenstrom treiben und erreichen schließlich tatsächlich das Schlachtfeld wieder. Einige Leichen sind schon deutlich geplündert, aber Ordnungskräfte haben sich hier noch keine blicken lassen. Das ist wirklich eine üble Gegend. Auf dem Weg sammeln wir einiges an Materialien ein. Einiges kaufen wir uns auch zusammen, wie Seile und fünfzig leere fünf Liter Flüssigkeitsbehälter mit einem großen Griff. Aus weiteren herumliegenden Verbundwerkstoffen von Verpackungen oder Baumaterial machen wir auch mit Hilfe der Kiste ein Floß, dass uns trägt. Mit dem Vibromesser zugeschnittene Bretter dienen als Ruder und Stangen benutzen wir zum manövrieren. Schon das Wassern des Floßes ist ein kniffliges Unterfangen, da die Strömung reißend ist. Kaum sind wir an Bord, geht die Fahrt auch schon los. Scav und ich übernehmen als die stärksten im Team das steuern, durch die reißende Strömung braucht Momentan niemand zu rudern.

    Ich denke, ich bin die einzige, die Spaß bei dem Ritt durch den Untergrund hat. Wir schießen bald in eine riesige Röhre hinein und nur eine einzige Taschenlampe sorgt für etwas Licht. Schließlich geht es eine Schräge hinunter in ein großes Sammelbecken. Die meisten kreischen dabei, ich vor Freude, der Rest teilt meine Begeisterung wohl nicht so. Die wo weiter vorne sitzen, werden richtig durchgeweicht, ich krieg ganz hinten nur ein paar Spritzer ab. Vom Becken geht ein großer Strom weiter. Die Strömung hier ist deutlich geringer und es ist angesagt, etwas zu rudern. Schließlich erreichen wir eine Struktur aus Permabeton, die ich für eine Kläranlage halte. Es gibt eine Anlagestelle, die vollkommen verlassen ist. Hier ist Endstation für unser Floß, dass nicht mehr ganz so den stabilsten Eindruck nach dem Ritt durch den Kanal macht.

    Wir verlassen das Floß und suchen einen Aufgang nach oben. Unterwegs halten wir in einem Bereich, der gut zu verteidigen ist. Wenn mich nicht alles täuscht, müssen wir uns schon jenseits der Peripherie von Calfa Stadt sein. Jetzt ist die Frage, wie es weiter geht. Edna als Einheimischer zählt mehrere Optionen auf.

    Erstens können wir darauf warten, dass der Trubel sich von selbst legt. Zeit ist aber für mich ein kritischer Faktor. Ich habe keine Ahnung, wie lange der Pirat und Sklavenhändler Khador sich noch im Roten Turm auf Quaria aufhält. Auch haben wir keinerlei Vorräte und ich schiebe jetzt schon Kohldampf.

    Zweitens könnte Edna bei seinen ehemaligen Kameraden der Calfa Dragoner umhören. Wir bekommen zu hören, dass er einst dieser Einheit angehörte und sich aufmachte, den Machenschaften der Imperialen in seiner Heimat zu untersuchen. Dabei verschlug es ihn ins Imperium und dann bei uns. Je mehr Leute involviert sind, desto wahrscheinlicher ist Verrat. So ziemlicher jeder Calfaner würde davon profitieren, den kleinen Sylas in die Hände zu bekommen. Familie geht immer vor Freundschaft. Deswegen halte ich das für keine gute Idee.

    Drittens gibt am Rand mehrere Militärposten, die unter anderem auch kleinere Hyperraumtaugliche Shuttles und Patrouillenboote im Fuhrpark haben. Da diese wohl momentan eher unterbesetzt ist, wäre das durchaus eine Möglichkeit. Nach kurzer Diskussion wählen wir auch die von mir favorisierte Möglichkeit drei.

    Da Edna als indigener Hapaner nicht so auffällt, bricht er auf, um eine geeignete Basis zu finden. Ich nutze die Zeit etwas, um mich mit Sylas zu unterhalten und ihn auch etwas zu trösten. Dann ist es Zeit, eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Schließlich kehrt Edna erfolgreich zurück und wir können uns durch verlassene Versorgungsschächte, Kanalisationsschächte und Wartungstunnel auf eine angemessen kurze Distanz an das Ziel annähern. Der Posten ist gerade mal von drei Soldaten besetzt. Der Rest sucht wohl den kleinen Kronprinzen. Die Anlage besteht aus einem repräsentativen Wachhaus mit Büroarbeitsplätzen und einem umzäunten Areal, auf dem mehrere Flugmaschinen stehen, darunter auch ein Hyperraum fähiges Shuttle aus hapanischer Produktion. Das Gebäude hat eine nicht verspiegelte Glasfront, deswegen kann man es gut von außen einsehen, wie die auch gut nach draußen in jede Richtung schauen können. Das ist hier mehr ein bewachter Parkplatz als ein Stützpunkt. Ich habe keine Ahnung, warum sich diese Anlage mitten im Nirgendwo befindet. Hier ist nur offene Landschaft aus Gras und Bäumen. Vielleicht ist das auch ein Jagdgebiet eines Adligen, vielleicht sogar der Ducha von Calfa und die Soldaten sollen mit ihrer Präsenz Wilderer abschrecken. Verteidigen tun die hier jedenfalls nichts.

    Den Zaun lautlos zu überwinden ist für meine Kameraden bis auf Edna ein unüberwindbares Problem. Die Twi´lek Mädels haben nicht genug Muskelkraft, um ihre Körbchengröße über die tückischen Drahtsperren oben am Zaun zu wuchten. Scav ist schlicht zu schwer und würde den Zaun einreißen, statt ihn zu erklettern. Auch unser kleiner Prinz ist dafür nicht wirklich geeignet. Unser Plan ist relativ einfach. Ich klettere als erstes hoch und schalte den Strom aus. Keine Kommunikation, kein Alarm und ganz wichtig, kein Licht. Hapaner sehen im Dunkeln bekanntlich nur wenig und momentan hat einer der vier Monde Neunmond und der andere sichtbare spendet nur wenig Licht. Scav öffnet den Zaun, alle gehen durch zum Shuttle und dann ab durch die Mitte. So ist mal der Plan.

    Ich näher mich durch das hohe Gras unbemerkt an und klettere dann Geschwind am Zaun hoch und überwinde den scharfen Drahtverhau an der Krone problemlos. Ich lande fast lautlos auf der andere Seiten und flitze zu einem Mast, wo sich die Kabelstränge der ganzen Elektronik treffen. Die Infrastruktur so offen zu präsentieren ist schon verdammt sträflich. Dieser Posten gehört zwar dem Militär, hat aber definitiv keine militärische Funktion. Die sich mehrere Meter über den Boden befindlichen Kästen sind mit massiven Schlössern gesichert und es kostet mich mehrere Minuten um die zu öffnen, nachdem ich da hochgeklettert bin. Da ich nicht lesen kann, was in den Kästen überhaupt ist, muss ich sie alle öffnen, bis ich beim letzten tatsächlich den Schrank finde, der den Strom lahmlegt. Als ich gerade die Sicherungen entfernen will, gibt der Kasten nach, auf dem ich gerade stehe. Der macht mit Karacho einen Abflug und ich hänge am anderen Schrank. Ich will mich gerade stabilisieren, als auch der einfach abkracht. Schlagartig gehen alle Lichter und elektrischen Geräte aus und ich knalle mit großer Wucht auf den Permabeton des Bodens. Au! Das hat jetzt verdammt weh getan. Und war auch nicht gerade leise. Leise vor mich hin fluchend richte ich mich auf und taste mit schnell ab um zu sehen, ob was gebrochen ist.

    Scav öffnet derweil schon mal den Zaun, während ich Rufe der verwirrten Soldaten höre. Ich rapple mich auf und bin froh, dass ich nichts gebrochen habe. Da wurde gerade mehr als nur mein Stolz verletzt. "Fierfek!", fluche ich verhalten, nehme den Blasterkarabiner von der Schulter, den ich auf Betäubung geschaltet habe und eile humpelnd zum Shuttle, dass leider verschlossen ist. Aber Scavanger Bot überwindet das Schloss mit dem Hackertool. Shaka und ich sichern die Eintsiegsluke, während Scav das Sicherheitssystem im Shuttle überwindet. Die drei Soldaten haben inzwischen gemerkt, dass sie unerwünschten Besuch haben und haben ihre Blasterpistolen gezogen. Aber bevor sie in Stellung gehen können, springen die Triebwerke auch schon an. Ich schließe die Eingangstür und schon heben wir ab.

    Ich eile ins Cockpit und nehme den Platz des Copiloten ein. Die Anordnung und Design stimmt natürlich nicht mit der Corellianischen Industrie Norm über ein, so das ich eine gewisse Zeit brauche, um herauszufinden, was ich da eigentlich genau vor mir habe. Recht schnell werden wir auf allen Kanälen angefunkt und zur Aufgabe aufgefordert. Scav hat derweil schon unseren Transponder deaktiviert und berechnet den Kurs zur Vol Yunkai Station. Auf dem Radardisplay erscheinen drei Kontakte, die schnell näher kommen.

    "Jagddroiden!", meint Edna und hat recht. Es gibt eine fernsteuerbares Lasergeschütz unter der Kanzel. Ich fuchse mich in die Bedienung hinein und richte die Kanone nach hinten aus. Schnell kommen die Jagddroiden auf Feuerdistanz heran. Vom Design erinnern sie etwas an die Geierdroiden aus Klonkriegen, sind aber schnittiger und reich verziert. Lyn beginnt wilde Ausweichmanöver zu fliegen, was nicht nur unseren Verfolgern das zielen ungemein erschwert. Ich eröffne trotzdem das Feuer und erwischen den links außen fliegenden Droiden mit der ersten Garbe. Ein guter Anfang. Unsere Pilotin fliegt einen sogenannten Koiogran, also eine vertikale Kehre mit Drehung und ich muss das Geschütz um 180° drehen. Ich visiere das nächste Ziel an und erledige auch dieses. Leider schießt der dritte Jagddroide ebenfalls, trifft und unser Deflektorschild ist Geschichte. Noch ein Treffer und wir können darauf wetten, ob wir in der Luft auseinander brechen oder erst am Boden zerschellen. Da ich das nicht herausfinden möchte, ziele ich und gebe dem Droiden Zunder.

    "Getroffen!", mache ich meiner Anspannung Luft, als der Gegner auseinanderbricht.

    "Hu! Das war knapp!", meint Shaka zu recht und ich gebe Lyn einen High Five. Wir leben noch und steigen nun von weiteren Jägern unbehelligt in den freien Raum auf. Scav hat die Berechnungen schon beendet und wir springen bei der ersten Gelegenheit in den Hyperraum. Das war jetzt hart gewesen. Ich lasse meine Wunden von Scav verarzten und fühle mich gleich wieder besser. Unserem kleinen Passagier geht es auch gut und ich wuschle ihm durch die Haare. Wann kann man schon einem leibhaftigen Kronprinzen die Frisur durcheinander bringen?

    Sitzung gespielt am: 26.05.2018
    Anwesende Spieler: Lyra, Shaka, Scav, Lyn
    Erfahrungspunkte: 25 25 Investiert in Talent Hingabe aus dritte Spalte, fünfte Ebene Talentbaum Attentäter/Kopfgeldjäger.

    Beute: 30000 Credits Belohnung, 2 Blasterkarabiner, 5 Blasterpistolen

    Getötete Gegner: etwa 18? Kultisten? 3 fliegende Jagddroiden abgeschossen, wahrscheinlich 1 Rancor getötet

    Gruppenwert:
    Diplomatie: 50
    Schmuggel/Handel: 160
    Militär: 150

    Resümee: Es gab mal wieder ein paar haarige Momente, wo die Würfel einfach nicht wollten. Zu Stürzen ist tödlich. Die Entschlüsselung des Chips am Anfang verlief äußerst unglücklich. Aber wir wissen jetzt etwas mehr. Die Planungen zur Rückeroberung von Nilfax Station waren Umfangreich und haben bis jetzt nur zur Erkenntnis geführt, dass wir momentan noch nicht in der Lage dazu sind.

    Der Verrat des Hauses Fyris an uns war schon ein Schockmoment. So sollte man nicht mit seinen Leuten umgehen. Aber wie sagte Tobias Beckett (Der wohl einzige volle Name in Star Wars den mein Rechtschreibprogramm nicht moniert ) in Solo so schön? Traue niemandem! Aber immerhin gab es 30 000 hart verdiente Credits für uns und damit 3000 für jeden von uns.

    Die Rancorjagd fand ich etwas seltsam. Die Reitdrachen waren so gesehen cool, auch wenn Lyra ihren Pilotenwurf grandios in den Sand gesetzt hat. Das Jagdwild war es dagegen nicht. Ist ja nicht so, dass die Bücher nicht mit Kreaturen für jeden Geschmack zugeballert wären. Da gibt es eine große Auswahl an Bestien für jeden Zweck, man muss halt nur etwas suchen. Da hätte man auch was gefährliches finden können, dass einen nicht mit einem Schlag in zwei Hälften reißt und dessen Panzerung so hoch ist, dass man mit konventionellen Waffen unter einem E11s oder Raketenwerfer nicht durchkommt.

    Die Abenteuer auf Calfa liefen etwas zäh an, besonders da es eine kurze, aber dafür emotionale Auseinandersetzung mit dem Spieler von Shaka gab, der den Auftrag mit dem Paket nicht annehmen wollte, weil moralisch grenzwertig. Nicht, dass irgend eine Aktion von uns nicht in der Grauzone wäre. Dafür war dann die Action gut. Besonders die Fahrt auf dem Floß durch die Kanalisation. Das war Spaß pur! Jedenfalls für mich.

    Das Koiogran-Manöver gibt es Offiziell, ist praktisch ein irdischer Immelmann.

    Die Kletterei auf dem Mast war hoch kein Problem, aber es gab dann Friktion beim öffnen und um Ende ist dann alles samt Lyra auf den Boden gekracht. Und das tat richtig weh.

    Lyras Entwicklung: Mit den 25 Punkten konnte ich eine genaue Punktlandung hinlegen, um Hingabe zu bekommen. Lange Zeit war ich hin und her gerissen, welches der sechs Attribute ich erhöhen sollte. Für Kopfgeldjäger sind die Attribute in folgender Reihenfolge wichtig. Gewandtheit, Stärke, List, Intelligenz, Charisma, Willenskraft. Gewandtheit hat Lyra 4, Stärke 3 und der Rest ist auf 2. Eine Fokussierung auf Gewandtheit wäre in Frage gekommen, Fünf Würfel sind schon eine Wucht. List ist auch nicht verkehrt, Intelligenz momentan nicht so wichtig. Stärke ist wichtig für den Nahkampf, die Schadensreduzierung und die Traglast. Letztendlich erscheinen mir 4 Punkte Stärke wichtiger als ein weiteren Würfel in Gewandtheit oder List. So kann Lyra mehr Schaden absorbieren, mehr Traglast tragen und besser im Nahkampf austeilen. Ich denke mal, eine Ausgewogenheit ist besser als eine Fokussierung ein ein Attribut, auch wenn das besonders in Bezug auf Gewandtheit mit seinen überproportional vielen Fertigkeiten vielleicht viele Proben deutlich erleichtert. Aber das setze ich erst einmal an dritter Stelle.

    Die neue gepanzerte Kleidung mit seiner Verteidigung von Eins ist nicht schlecht. Absorption von Eins aber allerdings nur die Hälfte, was eine Faserrüstung zu bieten hat. Aber dafür ist sie richtig Schick.

    Am Rande des Imperiums: Die Talente

    Was sehr wichtig in diesem System ist, sind die Talente. Man kann sie grob in drei Kategorien einteilen, Offensiv, Defensiv und Unterstützend. "Erstschlag", also ein zusätzlicher Verstärkungswürfel beim ersten Schuss auf ein Ziel, dass noch nicht dran war, ist ein offensives Talent. Ausweichen, also die Aufwertung eines feindlichen Angriffs ist ein defensives Talent. Ein Unterstützendes Talent wäre zum Beispiel Pirscher, immer einen Verstärkungswürfel pro Talentrang bei jeder Probe auf Heimlichkeit oder Körperbeherrschung.

    Jede Spezialisierung einer Charakterklasse hat zwanzig Talente in vier Spalten und fünf Ebenen. Die erste Ebene kostet 5 Punkte, jede weitere 5 Punkte mehr bis zum Maximum von 25. Jeder Talentbaum ist etwas anders angelegt. Manche gehen auf eine Spalte komplett von oben nach unten. Andere verzweigen sich oder winden sich hin und her. Dann gibt es noch Spezialisierungen, die drei komplett voneinander isolierte Verzweigungen haben. Da man immer, außer auf der ersten Ebene, das vorherige haben muss, wird so ein gewissen Balancing erreicht, da nicht jedes Talent gleich praktisch ist. Manche kommen bei jedem Kampf zum tragen. Manche bei jeder Spielsitzung mehrmals. Andere bringen sehr wenig oder sind nur in sehr außergewöhnlichen Situationen wirklich von belang. Zum Beispiel "Kreatives Töten" hört sich cool an, reduziert aber nur die notwendigen Vorteile für einen kritischen Treffer mit einer improvisierten Waffe. Das man mit so einer Waffe überhaupt kämpft, kommt schon sehr selten vor. Und wenn, sind das meist Schlägereien in einer Cantina, die unser SL eh nur mit einer einzigen Probe abhandelt.

    Durch die spezifische Auswahl an Talenten ist jede Spezialisierung einzigartig. Manche Talente kommen häufig vor, andere gibt es nur für diese eine einzige Berufsspezialisierung. Manche Spezialisierungen haben eine Anhäufung von guten Talenten, bei anderen steige ich nicht ganz durch, was das soll. Die sind recht spezifisch, dass sie eigentlich nur in besonderen Szenarien oder Kampagnen brauchbar sind. Andere dagegen haben eine ausgewogene Mischung, wo man in den meisten Situationen irgendwas sinnvolles beitragen kann.

    Mir gefällt, dass man auch später im Spiel so ziemlich alles werden kann, auf was man Lust hat. Man kann als Arzt starten und dann auf Gunslinger umsatteln, wenn man den darauf Bock hat. Das macht das System ziemlich flexibel und hält auch den Neidfaktor niedrig. Willst du das auch haben, kauf dir doch die Spezialisierung. Kann dann jeder für sich selbst entscheiden, ob das einem das Wert ist. Finde ich einfach gut. Jede Spezialisierung kostet die nun neue Anzahl davon mal zehn Erfahrungspunkte. Ist also nicht so viel, so lange man es nicht übertriebt. Nimmt man die Spezialisierung eines komplett neuen Berufes, kostet das dann zehn Punkte Extra. Wer nun unbedingt Rosinen picken betreiben will, kann das tun, zahlt dafür aber auch einen sehr hohen Preis.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

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