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Thema: Eine Geschichte zweier Schwestern – A Star Wars Story

  1. #211
    Hintergrundstalker
    Avatar von Nakago
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    Zitat Zitat von Khraal Beitrag anzeigen
    Gut geschrieben. Die Geschichte gefällt mir. Von Star Wars habe ich nicht so viel Ahnung, aber die Geschichte an sich gefällt mir.
    Danke für das Lob!

    Zitat Zitat von Khraal Beitrag anzeigen
    Auch schön das es mal so eine Art Happy-End gibt. Klar, sicherlich durch den Spielverlauf so vorgegeben. Aber trotzdem nett. Die Hinrichtung von Thorne ist schön schräg und würde so wohl auch ins Wh40k Universum passen. Schön sind auch die vielen kleinen Details was Kleidung und Ausrüstung angeht. Schön beschrieben.
    Star Wars ist da in vielen Punkt ziemlich gut ausgearbeitet.

    Zitat Zitat von Khraal Beitrag anzeigen
    Auch schön das die Schwester am Ende überlebt. War schon gut gemacht, vom Beginn als sie Kinder waren bis zum Ende.
    Wäre traurig gewesen wenn nicht.

    Zitat Zitat von Khraal Beitrag anzeigen
    Manchmal hatte ich allerdings beim Lesen die Orientierung verloren. Wo sind die nochmal? Was macht welche Waffe genau? Aber ok, das sind Kleinigkeiten. Zudem konnte ich ja nochmal nachlesen.

    Fazit: Gefällt mir sehr.
    Danke für das Lob und deine Anmerkungen.

    Season II
    Mit der "Vanguard" quer durch die Galaxis
    Episode XXVII/Besh
    Karminrote Dämmerung
    Herf

    "Eloy, wir sind zuhause!", meine ich, als wir unsere neue Wohnung in der Südspindel der "Nilvax Station" betreten. Zwei Monate laufen jetzt schon die Arbeiten am südlichen Teil der Spindel und nähern sich so langsam ihrem Abschluss. Es gibt zwar noch viel Innen zu tun, aber alles ist wieder stabil miteinander verbunden und es gibt keine tödlichen Bereiche mehr, wo Weltraumverhältnisse herrschen. Unsere Wohnung ist geräumig. Ein kleines, durchaus vorzeigbares Foyer führt rechts zu unserem gemeinsamen Arbeitszimmer und geradeaus in den sogenannten Großen Raum der komfortablen Wohneinheit. Links ist ein abgetrennter Bereich für offizielle Essen mit bis zu zwölf Personen. Im Zentrum stehen sich zwei mit Nerfleder überzogene Sofas gegenüber, dazwischen ein ovaler Tisch mit einer Platte aus Transparistahl. Rechts gibt es eine Entertainmentzone mit einem Dejarikbrett. Fünf weitere Türen gehen hier ab, eine in die geräumige Küche mit Thekeninsel, zwei in die "Kinderzimmer", eines in das große "Schlafzimmer" und eines in eine kleine Hygienezelle für Gäste.

    Das große Schlafzimmer ist zu einem Trainingsraum umgestaltet. Das dazugehörige Ankleidezimmer, quasi ein riesiger Wandschrank, ist mit einer Werkbank ausgerüstet, um unser Waffenarsenal zu warten. Während die Kinderzimmer nur mit einem geräumigen Wandschrank und einer geräumigen Hygienezelle aufwarten, gibt es hier ein richtiges Badezimmer mit einer Wanne. Diese Wohnung ist wirklich hochklassig und ich freue mich wie ein kleines Kind.

    "Ziemlich groß für uns zwei, oder?", meint Eloy etwas verhalten, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Während ich am liebsten wie ein kleines Kind kreischend durch die Wohnung rennen würde und alles anfasse möchte, bleibt sie vollkommen distanziert. Das ist einer der Momente wo mir nur zu deutlich bewusst wird, dass sie mit einem Bein immer noch nicht im Jetzt angekommen ist.

    "Letztendlich gehört mir ein Teil dieser Station und das sollte auch nach außen hin transportiert werden", erkläre ich die geräumige Wohneinheit mit der durchaus mondänen Einrichtung. Dies ist nicht nur eine Wohnung, sondern auch ein Arbeitsbereich, wo ich Geschäftspartner zu bewirten denke. Also sollte es schon nach was aussehen.

    "Mama würde es hier bestimmt gefallen", meint Eloy und setzt sich auf eines der bequemen schwarzen Sofas.

    "Das glaube ich auch. Ich habe versucht, mich am Stil unseres alten Hauses auf Corellia zu orientieren", erkläre ich und Eli meint nur "Hm." dazu. Sie kann sich nicht an unser altes Haus erinnern, da sie als Baby von dieser Welt floh. Nach dem Aufstand wurden alle Dissidenten enteignet und in unserem Haus wohnte die Familie eines Beamten der Imperialen Administration. Ich war zugegen, als die trauende Witwe und die weinenden Kinder in einen Gleiter gezerrt wurden. Irgendwie taten sie mir Leid, aber genau diese Art von Leuten waren die Parasiten, die durch die "Neue Ordnung" reich wurden, während irgendwo anders ganze Planeten verödeten, Nichtmenschen verhungerten. Nun wohnt meine Stiefmutter da drin und mein Halbbruder Han, benannt nach General Han, dem großen Corellianischen Helden der Befreiungskriege. Selber hat mein Vater seinen Sohn nicht mehr zu Gesicht bekommen, obwohl er wusste, dass er noch einmal Vater werden würde.

    "Irgendwie kann ich noch immer nicht glauben, dass ich hier bin. Eigentlich dachte ich, mein Schicksal würde fest stehen. Aber nun ist alles offen. Manchmal macht mir das richtig Angst", meint Eloy und bläst ihre Backen auf. Eine Angewohnheit, die sie schon als kleines Kind hatte.

    "Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird. Aber ich denke, wir können hier was bewirken und noch viele Credits verdienen", erwidere ich und setze mich ihr Gegenüber.

    "Wäre es nicht das Vernünftigste, alles zu nehmen und nach Corellia zurück zu kehren?", spricht Eloy einen interessanten Punkt an.

    "Das wäre es wohl. Aber ich habe mich an ein Leben am Rand der Neuen Republik inzwischen gewöhnt und ich denke, hier heraus kann sich noch einiges entwickeln. Und noch gibt es ein paar offene Enden, die zu schließen sind. Die Hinterlassenschaften von Darth Varak sind noch nicht zerstört und so lange der Rote Kristall sich einsatzbereit auf Xios befindet, ist es noch nicht vorbei. Und da ist noch die Sache mit der Mynaros Station und dessen Kranken. Das würde ich auch noch gerne erledigen", erkläre ich und unterstreiche einige Worten mit eindeutigen Gesten, um zu verdeutlichen, wie wichtig es mir ist, die Hinterlassenschaft dieses Sith-Lords aus der Geschichte zu tilgen.

    "Im Gegensatz zu mir bist du so ein guter Mensch. Du warst schon immer so stark", meint Eloy mit einem traurigen Tonfall. "Ich habe dich immer bewundert, wie du immer auf dem Spielplatz versucht hast, Streitereien zwischen den Kindern zu schlichten und den Schwächeren beigestanden hast. Das hat mir imponiert und ich wollte immer so sein wie du." Es stimmt zwar, dass hier und paar kleinere Kinder vor größeren beschützt habe, aber das war nur das, was mir meine Mutter gelehrt hatte.

    "Du bist auch stark, du bist clever und du hast dir dein gutes Herz bewahrt. Du hast diese unmenschliche Ausbildung überlebt und diesen Wahnsinn. Du hast dich angepasst, um zu überleben. Hake die Vergangenheit ab und schau in die Zukunft", versuche ich meine kleine Schwester etwas aufzumuntern.

    "Das ist nicht so einfach. Ich wünschte, Mama wäre nie gestorben und der Kopfgeldjäger hätte sie nie aufgespürt." Ihr Stimme klingt dabei so unendlich traurig und beinahe denke ich, sie wird gleich anfangen zu weinen.

    "Ja, dass wünschte ich auch. Mama ist eben ein Risiko eingegangen und hat auch uns den Preis bezahlen lassen", meine ich etwas bitter.

    "Wie meinst du das?", hakt Eli mit fragenden Tonfall nach.

    "Ich denke, Mama hat nicht wie sie uns immer gesagt einfach Überstunden gemacht oder Essen mit Kunden gehabt. Damals hat sich das für uns Kinder logisch angehört. Mama hatte einen guten Job und da muss man manchmal eben mehr tun als seine Zeit im Büro abzusitzen. Inzwischen denke ich, Mama war auch auf Nar Shaddaa für die CBF aktiv."

    "Wie kommst du darauf?" Ihr Tonfall ist zweifelnd und Eloy schaut mich mit leicht schrägen Kopf an, was meine kleine Schwester schon früher immer getan hat, wenn sie dachte, ich würde sie verarschen. Was ich hin und wieder auch durchaus mal getan habe, um sie zu ärgern.

    "Als Kind sind mir viele Kleinigkeiten nicht so aufgefallen und mir hat schlicht das Wissen gefehlt, gewisse Anzeichen richtig zu deuten. Aber nach meinen Erfahrungen mit verdeckten Operationen denke ich im nach hinein nun, Mama war eine Agentin und sehr wohl aktiv. Hat das aber wohl selbst Papa verheimlicht. Einmal war sie spät nach Hause gekommen, Geschäftsessen hat sie mir gesagt, dass war etwa ein Vierteljahr vor ihrem...", meine Stimme stockt leicht, ich räuspere mich und fahre dann fort. "...Tod. Sie war im Bad und hatte eine schmale Verletzung am Oberarm, die sie da gerade versorgt hat. Es war ihr gar nicht recht, dass ich sie so gesehen haben. Ihr Ausrede war, dass käme von einem Arbeitsunfall, aber heute denke ich, dass war ein Streifschuss aus einem Blaster."

    "Du meinst, der Droide hat sie deshalb aufgespürt, weil sie aktiv war?", fragt Eloy in einem ungläubigen Tonfall und beugt sich vor.

    "Niemand konnte mir sagen, was da eigentlich auf Nar Shaddaa schief gelaufen ist. Fakt ist, zu der Zeit wurden viele Angehörige von Kämpfern der CBF aufgespürt und liquidiert. Ob es einen Verräter gab? Keine Ahnung. Ob unser Mutter einen fatalen Fehler begangen hat?" Ich schüttle energisch den Kopf. "Ich denke nicht, dann hätte man sie wahrscheinlich eher in ihrer Wohnung liquidiert. Wir werden wohl nie herausfinden, was es war. Aber ganz unabhängig davon denke ich, dass Mama aktiv für die CBF gearbeitet hat."

    "Findest du das nun gut oder schlecht?"

    "Ich weiß es ehrlich gesagt nicht wirklich. Auf der einen Seite kann ich das nicht gut heißen, da sie sich dabei sicherlich auch in Gefahr gebracht hat. Auf der anderen Seite verdient sie durchaus Hochachtung, dass sie für ihre Überzeugungen bereit war, alles zu riskieren", erkläre ich, von meinen Empfindungen hin und her gerissen.

    "Unsere Mutter war eine mutige Frau", stellt Eloy mit fester Stimme fest.

    "Und sie hat zwei mutige Töchter hervorgebracht", setze ich noch einen drauf. Unsere Mutter war sehr mutig, aber ich bin nicht sicher, ob ich ihr Verhalten gutheißen kann. Immerhin hatte sie zwei Kinder zu versorgen. Und wir haben ja alle gesehen, wie weit wir alleine gekommen sind. Nicht sehr weit!

    "Iiiih, Eigenlob stinkt!", Eloy hält sich theatralisch die Nase zu und wir müssen dann beide laut lachen, was die düstere Stimmung etwas vertriebt.

    Nakagos wirre Gedanken

    Diese Szene haben wir nicht ausgespielt, aber ich fand es passend, die sich entwickelnde Beziehungen zwischen den beiden Schwestern näher zu beleuchten. Immerhin ging es ja fast 600 Seiten darum, Eloy zu finden.

    Der Titel für Season II war lange vakant, da ich eigentlich immer noch nicht so ganz weiß, um was es hier eigentlich genau geht. So passt der Titel nun ganz gut, da wir mit der "Vanguard" mehrmals schon die Galaxis durchquert haben. Es warten noch einige haarsträubende Abenteuer auf uns. Dranbleiben lohnt sich.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  2. #212
    Hintergrundstalker
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    Standard

    Isk

    Ein zaghaftes Klopfen an der Tür reißt mich aus meinen Träumen oder besser gesagt einen Albtraum über einen realen Einsatz, der nicht so gut geendet hat. Bei einem solchen Traum bin ich nicht sauer, wenn ich daraus geweckt werde. Für einen kurzen Moment weiß ich nicht, wo ich bin. Dann wird mir klar, dass ich mich in meinen Schlafzimmer in meiner neuen Wohnung befinde. Im Gegensatz zu meiner sechs Quadratschritt großen Kabine ist dieses Zimmer riesig, auch wenn es nur das "Kinderzimmer" der Wohnung ist. Da sich nur Eloy in der Wohnung befindet und bei einem Alarm eine andere Lautstärke angebracht wäre, kann es sich nur um mein kleines Schwesterchen handeln.

    "Lyra, bist du wach?", höre ich meine kleine Schwester leise rufen.

    "Jetzt schon!", erwidere ich etwas sarkastisch und seufze leise. Mir ist klar, dass Eloy nicht an meine Tür klopfen würde, wenn es nicht wichtig wäre. "Komm doch bitte herein, durch die Tür sich zu unterhalten ist etwas umständlich." Während die Tür sich öffnet, mache ich das Licht an. Eloy huscht nur in knapper Unterwäsche bekleidet in mein Zimmer. Auch ich schlafe gewohnheitsmäßig in meiner Unterwäsche und ziehe keine extra Nachtwäsche dafür an. Das war früher immer praktischer und hat ein paar Sekunden Zeit gespart, wenn es einen Alarm gab.

    "Kann ich zu dir ins Bett?", fragt meine lange verschollene Schwester mich und ich fühle mich an meine Kindheit erinnert. Wenn Mama nicht da war, kam sie oft an meine Schlafnische und wollte dann bei mir schlafen. Meist habe ich nachgegeben, weil sie sonst anfing zu weinen. Und ehrlich gesagt hatte ihre Anwesenheit auch für mich etwas tröstendes.

    "Hüpf rein", gebe ich die Freigabe, auch wenn wir keine Kinder mehr sind.

    "Ich kann nicht schlafen", meint Eloy nun und ich frage mich, ob meine kleine Schwester auf einmal wieder fünf Jahre alt ist. Das sicherlich nicht, aber wenn es nicht wichtig wäre, dann hätte sie mich nicht geweckt.

    "Ich jetzt auch nicht mehr", erwidere ich mit einem leicht sarkastischen Unterton, auch wenn ich das gar nicht will. Dann reiße ich mich zusammen und frage im fürsorglichen Tonfall: "Sind die Stimmen wieder gekommen?"

    "Nein, dass ist es nicht", druckst die ehemalige Schwarze Gardisten herum.

    "Hattest du eine Machtvision?", bohre ich etwas weiter, um sie etwas aus der Reserve zu locken.

    "Nein, das ist es nicht. Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf. Was soll nur aus mir werden?" In ihrer Stimme ist durchaus ein leichtes zittern zu hören.

    "Du bleibst erst einmal bei mir und dann sehen wir weiter."

    "Ich fühle mich so nutzlos", murmelt Eloy so leise, dass ich sie kaum verstehen kann.

    "Das bist du nicht", widerspreche ich ihr und überlege, was ich tun kann, um sie mehr zu beschäftigen. In den letzten Wochen ist sie mir meist hinter her gelaufen und hat mich moralisch bei der Renovierung unterstützt. Inzwischen haben wir auch einen neuen ominösen Geldgeber. Zuerst hatten wir ja ein paar Leute an Land gezogen, um den einwandfreien Zugang zur Station auch in Zukunft zu gewähren. Eine Frau mit dem Namen Silvara war aufgetaucht und hat alles klar gemacht. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, hier Leute an Bord zu haben, von denen ich rein gar nichts weiß. Nur soviel, dass sie das notwendige Know How haben, die Nilvax Station groß heraus zu bringen.

    "Nun gut, wie wäre es mit dem Posten der Sicherheitschefin?", frage ich sie spontan. Mir ist klar, dass Eloy sich etwas unterfordert fühlen muss. Aber ich denke, dieser Posten dürfte genau das Richtige für sie sein.

    "Sicherheitschefin?", fragt sie etwas ungläubig nach.

    "Klar, warum nicht? Du hast die notwendigen Kampffertigkeiten, kennst die Station und schon viele der Leute. Ich wüsste nichts, was dagegen spricht", bestätige ich. Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee. Das ist zwar Vetternwirtschaft wie sie im Buche steht, aber so einen wichtigen Posten besetzt man mit jemanden, dem man absolut vertraut.

    "Meine Vergangenheit eventuell?", bringt Eloy durchaus einen wunden Punkt ins Spiel.

    "Weiß ja niemand, was du früher getan hast."

    "Du weißt es aber", weißt meine kleine Schwester mich auf diesen Umstand zurecht hin. Ich weiß es in der Tat, was meine Schwester getan hat. Wir haben uns vieles erzählt und Eloy hat schlimme Dinge im Namen des Imperiums getan. Aber auch ich habe einige Sachen im Namen der Allianz gemacht, auf die ich nicht Stolz bin. Nur Narren glauben, dass es einen sauberen Krieg gibt. So etwas ist eine Illusion und niemand kommt mit weißer Weste daraus hervor.

    "Stimmt! Und ich komme klar damit. Niemand, der je in einem Krieg gekämpft hat, kommt ohne Schaden da wieder raus. Was immer du auch in deiner Zeit beim Imperium gemacht hast, ist Schnee von Gestern. Was passiert ist, dass ist nun mal passiert. Das können wir nicht mehr ändern. Aber was wir können, ist nach vorne zu schauen, aus unseren Fehlern zu lernen und es in Zukunft besser zu machen", erkläre ich Eloy.

    "Mama hätte es nicht besser formulieren können", meint Eloy.

    "Wer weiß?", meine ich lachend, wobei ich mich durchaus über das Lob freue.

    "Willst du mal Kinder haben?", wechselt meine Schwester abrupt das Thema.

    "War bisher kein Thema", wiegle ich ab.

    "Warum nicht?" Ich kann ihrer Stimme deutlich die Neugier hören.

    "Ich war damit beschäftigt, einen Krieg zu gewinnen und dann meine kleine Schwester zu retten", erkläre ich ihr und berühre ihre Nasenspitze, wie ich es als Kind oft getan habe, was sie auch heute noch zum lachen bringt.

    "Warum warst du so versessen darauf, mich retten zu wollen?", fragt sie weiter nach.

    "Ich habe es dir versprochen. Entweder ich beschütze dich oder räche dich blutig", erinnere ich sie an unseren Kleinfingerschwur.

    "Das hast du wirklich ernst genommen?" Ich kann einen gewissen Unglauben in ihrer Stimme hören.

    "Corellianer halten ihr Wort. Manche haben Papa und mich für verrückt erklärt. Schon damals nach den fünf Jahren meiner Gefangenschaft in der Roten Arena war es für viele einfach nur Zeitverschwendung weiter nach dir zu suchen. Tot oder es wäre besser, wenn die Kleine tot wäre, haben sie uns gesagt. Aber Papa hat nie aufgegeben und ich auch nicht. Ich hatte immer nur Angst, dass du mich hassen könntest, weil ich dich in Stich gelassen habe", erzähle ich ihr ehrlich. Wir haben zwar über gewisse Aspekte unserer Vergangenheit geredet, aber dieses Thema kam bisher noch nicht zur Sprache, weil ich das bewusst ausgeklammert habe.

    "Mein zweiter Besitzer hat mir gesagt, das die Hutten dich zum Tode verurteilt haben und du in der Arena sterben wirst. Das habe ich zwar anfangs nicht glauben wollen, aber ich habe nicht damit gerechnet, dich jemals wieder zu sehen. Zwar habe ich oft davon geträumt, dass Papa und du mich retten kommen würdet, aber wirklich gerechnet habe ich damit ehrlich gesagt schon lange nicht mehr. Und ich hasse dich deswegen garantiert nicht. Du konntest ja nichts machen und mir war klar, dass auch du damals auch nur ein Kind warst."

    "Es muss hart für dich gewesen sein", merke ich an, da mir nichts sinnvolleres darauf einfällt.

    "Ich wusste damals so wenig, dass ich gar nicht begriffen habe, was alles mit mir hätte passieren können. Mama, Papa und du haben dafür gesorgt, dass ich wohlbehütet aufgewachsen bin. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, ich wäre wahrscheinlich vor Angst gestorben. Aber so war es teilweise ein riesiges Abenteuer. Ich war oft mit gleichaltrigen Kindern zusammen und haben uns gegenseitig Trost gespendet. Wir bekamen ausreichend zu essen und hatten Zeit miteinander zu spielen. Wie gesagt, ich wusste damals nichts von Fleischhäusern oder Kinderprostitution. Oder was Sklaverei wirklich bedeutet. Ich war ein Ware und wurde deswegen pfleglich behandelt. Auch wenn wohl einige meine Besitzer nicht wirklich viel mit mir anfangen konnten und ich immer weiter verkauft wurde, bis ich dann auf Machtsensitivität getestet wurde. Da hat sich dann alles geändert...", ihre Stimme wird wieder leiser, als ob längst vergessene Bilder an die Oberfläche drängen würden.

    Nakagos wirre Gedanken

    Wieder ein Kapitel, welche die ferne Vergangenheit etwas aufarbeitet.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

  3. #213
    Hintergrundstalker
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    Jenth

    "Was war das für ein Gefühl, wenn man erfährt, dass die Macht in einem ist?", frage ich nach, als Eloy schweigt.

    "Es war ein Schock. Ich wusste nur wenig von der Macht und den Jedi. Mama war zwar ein Anhängerin der Kirche der Macht und hat viel erzählt, aber ich wusste nie, was war jetzt ein Märchen oder eben die Wahrheit. Auf alle Fälle war ich verängstigt, besonders da man mir gesagt hat, dass auf so was die Todesstrafe steht. Dann ging es alles recht schnell und auf einmal war ich auf Xill mit neunundneunzig anderen Kindern. Am Anfang war es richtig Toll, wie in einem Ferienlager im Holovid, wie es sie früher gab. Wir lernten die Wege der Macht, dass war cool. Una Batri war Anfangs sogar richtig nett zu uns. Aber das war nur Fassade. Nach einem Jahr Training und Ausbildung ging dann das eigentliche Auswahlverfahren los. Die ersten starben bei Prüfungen. Ich versuchte zu helfen, weil ich dich als Beispiel nahm. Die Starken müssen die Schwachen beschützen, so wie Mama und du das immer vorgelebt haben. Aber ich bin furchtbar gescheitert!" Ihre Stimme bricht, ihre Lippen beben und sie schließt die Augen. Wahrscheinlich durchlebt sie gerade eine äußerst unangenehme Erinnerung. Tröstend küsse ich sie auf die Wange, wie wir das als Kinder gemacht haben. Eine Geste der schwesterlichen Liebe.

    "Ich habe sie nicht beschützen können! Ich konnte es einfach nicht! Genau wie du uns nicht hast schützen können. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass ich niemanden retten kann", erzählt Eloy traurig und ein Träne rinnt ihre Wange herab.

    "In Una Batris Aufzeichnungen stand einiges über dich drin. Was du getan hast, war ihr ein Dorn im Auge und damit hast du bewiesen, dass du eine echte Corellianerin bist. In ihren Aufzeichnungen stand auch, dass sie das nächste mal keine Querulanten mehr tolerieren würde. Du hast also das Richtige getan, auch wenn du letztendlich kein Erfolg hattest. Manchmal ist man eben Machtlos. Aber du hast es trotz allem versucht und das ehrt dich", erkläre ich Eloy und füge hinzu: "Du weißt gar nicht, wie unglaublich stolz ich auf dich war, als ich das gelesen habe."

    Meine kleine Schwester schaut mich ungläubig an. Aber ich kann auch sehen, dass meine Worte sie durchaus erreichen.

    "Ja, wirklich! Da wusste ich, dass es noch Hoffnung gab, die Sache ohne Gewalt aus der Welt zu schaffen. Auch wenn Una Batri dich mit meinem Tod durch deine Hand unumkehrbar in die Dunkelheit stürzen wollte, so wusste ich doch, dass da irgendwo drin noch meine kleine Schwester Eli ist", erkläre ich und Eloy lächelt, als ich ihren Kindername nenne.

    "Ich hab dich lieb, große Schwester!", meint sie nun und gibt mir einen Kuss auf die Wange.

    "Und ich hab dich auch lieb, kleine Schwester!", erwidere ich und gebe ihr ebenfalls einen Kuss auf die Wange. "Es ist spät und wir sollten schlafen. Morgen beginnt dein Dienst bei der Stationssicherheit. Da solltest du ausgeschlafen sein."

    "Kann ich heute Nacht bei dir schlafen, Lila?", frage Eloy mich bei meinem alten Kosenamen und ich bin nicht sicher, ob sie mich jetzt aufzieht oder wirklich hier bei mir in meinem Bett schlafen möchte.

    "Wie du möchtest, Eli", antworte ich deshalb lächelnd und Eloy bleibt tatsächlich neben mir liegen. Ich lösche das Licht und bald kann ich an ihrem Atem hören, dass sie nun eingeschlafen ist. Auch ich sinke wieder in den Schlaf und in dieser Nacht habe ich keine weiteren Albträume.

    Wir stehen gewohnt früh auf und trainieren miteinander. Zuerst etwas laufen wir eine Stunde auf einem Fitnessgerät, dann eine halbe Stunde Workout mit verschiedenen Übungen und dann etwas Nahkampf. Meine kleine Schwester ist eine verdammt gute Nahkämpferin und ich bin froh, dass wir nie richtig miteinander kämpfen mussten. Ich bin wirklich nicht sicher, ob ich in der Lage gewesen wäre, Eloy niederzukämpfen. Danach geht es unter die Dusche und in die Rüstung. Nach einem nahrhaften, von unserem Butlerdroiden zubereiteten Frühstück, dass wir an der Theke unserer Küche zu uns nehmen, kann es losgehen.

    Die reguläre Stationssicherheit der Nilvax Station ist nicht besonders groß und auch nicht besonders professionell. Es handelt sich dabei hauptsächlich um 25 je mit einer Blasterpistole bewaffnete Techniker, welche im falle eines Angriffs die Geschütze der Station oder Kommandozentrale bemannen. Dazu kommen noch ein gutes Dutzend "Zöllner" welche die relevanten Gebühren eintreiben. Für die eigentliche öffentliche Ordnung sorgen momentan die "Sechs Brüder", also die Dralls, die wir auf Cyphera als Söldner für die Rückeroberung der Nilvax Station vor scheinbar langer Zeit angeheuert haben. Die meisten Probleme lösen die Bewohner unter sich selbst. Aber wenn Gäste involviert sind, ist das ein Thema für die Stationssicherheit, die momentan zu klein ist. Zur Verteidigung stehen einige bewaffnete Banden bereit, die Nilvax mehr schlecht als recht kontrolliert. Momentan hebe ich eine Miliz aus, nachdem die Kirche der Macht diesbezüglich nicht mehr zur Verfügung steht. Denen gefällt es auf Anduras I wohl zu gut, da die Gamorraner inzwischen das Vergängliche Labyrinth verlassen haben. Zusammen mit der "Vantika" scheinen die wohl immer noch damit beschäftigt zu sein, den Krustenknacker zu reaktivieren. Ich bin wirklich froh, dass ich damit nichts zu tun habe.

    Ich frage niemanden groß, ob ich überhaupt berechtigt bin, eine neue Chefin der Stationssicherheit zu installieren. Das tu ich einfach. Die "Sechs Brüder" reagieren etwas verhalten auf meine Ankündigung, dass es ab heute einen Hauptmann gibt. Meine kleine Schwester tritt vor und stellt sich vor. Dann arbeiten wir gemeinsam grob ein neues Sicherheitskonzept aus, um die Sicherheit etwas effizienter zu gestalten. Schnell wird mir klar, dass Eloy recht gut in der Lage ist, selbst ein Konzept zu erarbeiten und lasse sie dann schnell selbstständig agieren.

    Dann machen wir eine Runde über die Märkte, wo Eloy sich den Händlern, Wirten und Dienstleistern vorstellt. Schließlich sind wir in Nilvax Bar, wo routiniert meine kleine Schwester ihr Sprüchlein aufsagt. Von einem der Tische steht ein riesiger Mensch auf. Er trägt unter der massiven Flackweste keine Hemd und seine Arme strotzen vor Muskeln. Ich wage zu behaupten, dass meine Oberschenkel einen geringeren Durchmesser als seine Oberarme haben. Sein Hände gleichen eher Schaufeln.

    "Bist du nicht etwas zu klein dafür? Komm, ich kauf dir einen Lolli und dann kannst du zurück mit deinen Puppen spielen gehen, Kleine", tönt der Mann selbstsicher und baut sich vor uns auf, wo er mit seinen sicher zwei Metern Größe uns weit überragt.

    "Bleib bloß friedlich, Großer, sonst könnte es sein, dass dir jemand deine große Klappe stopft", erwidert Eloy ungerührt.

    "Du hast es so gewollt, Kleine! Normalerweise schlage ich ja keine Frauen, aber manchmal muss den Leuten einfach ihren Platz zeigen und deiner ist ganz unten!" Mit diesen Worten holt er aus und eine riesige Faust rast auf Eloys Gesicht zu. Kurz vor dem Aufschlag, explodiert sie regelrecht. Sie packt das Handgelenk des Angreifers, nutzt dessen Schwung um ihn über ihre Schulter zu werfen, packt im Flug mit übermenschlicher Geschwindigkeit seinen Kopf und hämmert diesen auf einen Tisch. Die Möbel in Nilvax Bar sind sehr massiv und äußerst stabil, da Schlägereien hier öfters vorkommen. Hab ja selber mal eine vom Zaun gebrochen, was inzwischen auch schon wieder eine Ewigkeit her ist. Die massive Duroplastplatte des Tisches gibt nach und der Hüne landet KO auf dem Boden.

    "Schätze mal, du hast deinen Platz gefunden, nämlich ganz unten auf dem Boden!", meint Eloy trocken und ich bin so unglaublich stolz auf meine Schwester. Am liebsten würde ich sie sofort an mich drücken und einen Kuss auf die Stirn geben. Ich habe wahrhaftig Tränen in den Augen. Der Rest der Gäste erkennt die Zeichen der Zeit und respektieren nun, dass Nilvax Station eine kleine, aber kampferprobte Chefin der Stationssicherheit hat. Auch der zwei der Drallbrüder, die uns auf unserer Runde begleitet haben, schauen nun ihre neue Anführerin mit ganz anderen Augen an. Ich gebe meiner Schwester ein High Five, als wir raus gehen.

    "Das war eine klasse Aktion, Eloy", meine ich dazu.

    "Ich weiß!", erwidert meine kleine Schwester mit einem breiten Grinsen.

    Nakagos wirre Gedanken

    Hier kommen wir nun wieder zu den ausgespielten Szenen dieses Abends.
    Das Schwinden, die ersten drei Bände:
    http://www.gw-fanworld.net/showthread.php?t=133515

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