Episode XII

Die letzten Tage waren recht hektisch, da die "Gundark" zu einem Gipfeltreffen der Anführer der Corellianischen Befreiungsfront und des Alderaaner Widerstands ausersehen wurde. Die Gerüchteküche brodelt, angeblich soll es zu einer Allianz zwischen verschiedenen Organisationen und Gruppen kommen. Die Corellianische Befreiungsfront ist ja nicht die einzige Widerstandsgruppe in der Galaxis, welche dem Imperium den Kampf angesagt hat. Auch wenn wir wahrscheinlich eine der größten sind. Bis jetzt gab es nur ein loses Netzwerk von Zellen, die meist autark operiert haben. Hier und da schlossen sich Zellen für bestimmte Ziele zusammen, egal ob es nun Zellen der CBF oder einer anderen Gruppe von Rebellen handelte. Aber jetzt soll es ein richtiger Zusammenschluss werden.

Eine der Vertreter des Alderaaner Widerstands soll eine gewisse Prinzessin Leia sein, die Tochter des Vizekönigs und Senators Bail Organa. Und Commander Shelly offenbart mir, dass ich als Ordonanz der lieblichen Prinzessin eingeteilt bin, so lange sie sich an Bord der "Gundark" aufhält. Da alles besser ist als Commander Shellys Botenmädchen zu spielen, bin ich recht begeistert über diese Abwechslung. Es ist zwar kein Kampfeinsatz, aber ich freue mich über diese besondere Aufgabe.

Mein erster Gedanke beim Anblick der Prinzessin ist, dass es wohl auf Alderaan üblich ist, Gardinen für den Stoff von Kleidern zu verwenden. Die Prinzessin, die schätzungsweise so alt ist wie ich, ist deutlich kleiner und hat eine recht verkünstelte Frisur aus Zöpfen. Als kleines Mädchen hatte ich mal ein ähnlich aufwendig geflochtene Frisur. Damals habe meine Zöpfchen geliebt. Inzwischen habe eine schicke, wenn auch militärisch passende Frisur, für die ich nur wenig Aufwand betreiben muss und die einfach praktischer ist. Dadurch habe ich dann mehr Zeit, um mich auf dem Schießstand mit dem Blaster zu perfektionieren.

"Willkommen an Bord der Gundark, Eure Majestät. Ich habe das Privileg, als Eure Ordonanz dienen zu dürfen. Mein Name ist Askana." Dieses Sprüchlein sage ich voller ernst und ohne Ironie auf. Ein leibhaftige Prinzessin einer so alten und angesehenen Welt wie Alderaan begegnet man nur selten im Leben. Immerhin ist Alderaan eines der ältesten Mitglieder der Republik und gilt als Hort der Demokratie. Die Prinzessin lächelt huldvoll und ich darf sie zum Konferenzsaal begleiten, vor dem ich nun warten darf. Dieser Teil meiner Mission ist nun wirklich äußerst langweilig. Die Debatten ziehen sich wohl recht lang hin und der Prinzessin wird es wohl ebenfalls langweilig, da sie schließlich vor Ende der Zusammenkunft vor mir steht. Auch scheint sie ebenfalls hungrig zu sein.

"Ich habe schon viel über Ryhscate gehört. Wäre es denn möglich, davon etwas zu bekommen?", fragt mich die Prinzessin.

"Natürlich, Eure Hoheit. Ich werde Euch sofort ein Stück Ryhscate bringen", bestätige ich ihren Befehl. Ryhscate ist ein süßes Gebäck mit Vweilu Nüssen und einem ordentlichen Schuss corellianischen Whisky. Das wird traditionell zu Feiertagen und Geburtstagen serviert. Auf Nar Shaddaa hat meine Mutter immer viel Aufwand betrieben, um an die Vweilu Nüsse heran zu kommen, die es nur in speziellen Läden im Corellianischen Sektor auf Nar Shaddaa gab. Das war jedes mal ein Risiko gewesen und vielleicht haben dadurch die Kopfgeldjäger die Gruppe corellianischer Dissidenten entdeckt. Das ist eine Theorie von vielen, welche das Nar Shaddaa Massaker erklären würde.

"Nicht nötig, gehen wir doch in die Cantina und essen gemeinsam ein Stückchen davon", meint die Prinzessin gut gelaunt.

"Wie ihr wünscht, Eure Hoheit", erwidere ich.

"Wie wäre es, wenn du mich Leia nennst? Und wie heißt du mit Vornamen?", fragt sie mich und mir wird klar, wie jung wir beide eigentlich sind.

"Mein Name ist Lyra", erwidere ich.

"Du bist ziemlich jung für eine Soldaten", meint sie eher neugierig als herablassend.

"Ich fühle mich alt genug für den Krieg." Wir haben die Cantina erreicht, die um diese Zeit nur dünn besucht ist. Es riecht nach Spülmitteln, frisch aufgebrühten Kaf und einigen brutzelnden Buletten aus Banthahackfleisch. Ich ordere zwei Stücke Rhycaste und zwei Tassen Kaf. An einem der vielen freien Tische setzen wir uns gegenüber.

"Warum hast du dich der Rebellion angeschlossen?", fragt Prinzessin Leia mich, bevor sie ein Stückchen von dem Gebäck probiert. "Lecker!", ruft sie nach dem ersten Bissen aus.

"Meine Mutter wurde vom Imperium ermordet", erkläre ich etwas kurz angebunden, da dieses Thema schmerzliche Erinnerungen weckt. In solchen Augenblicken merke ich ganz deutlich, wie sehr mir meine Mutter doch fehlt. Ebenso wie Eli, von der ich nicht mal weiß, ob sie überhaupt noch lebt.

"Sind deine Beweggründe dann Rache?", hakt Leia nach und nimmt einen weiteren bissen. Ich kann ihr ansehen, dass ihr das Gebäck wirklich schmeckt und nicht nur aus Höflichkeit so tut. Vweilo Nüsse sind nicht jedermanns Geschmack. Für mich schmeckt Rhycaste nach geborgener Kindheit auf meiner Heimatwelt Corellia, als alles noch so war, wie es sein sollte. Als wir noch eine Familie waren.

"Nein, ich sinne nicht nach Rache. Selbst wenn ich alle Imperialen und den Imperator persönlich töten würde, meine Mutter wird dadurch nicht wieder lebendig. Es ist eher so, dass mir der Gedanke unerträglich ist, dass wenn wir am Ende nicht gewinnen, dass dann meine Mutter vollkommen sinnlos gestorben ist. Meine Familie hat durch die Rebellion fast alles verloren und das darf einfach nicht vergeblich gewesen sein." Meine Mutter ist tot, Eli in der Sklaverei verschollen und wir sind in einem Krieg gefangen, der kaum zu gewinnen ist.

"Wie alt warst du, als das passiert ist?", fragt sie weiter und schaut mich dabei mit einem mitfühlenden Gesichtsausdruck an.

"Elf. Mit meiner Schwester Eloy tauchte ich dann unter und wurden dann von Kopfgeldjägern aufgespürt, weil unser Kontaktmann aufgeflogen war. Wie so viele andere corellianische Dissidenten um diese Zeit. Ich wurde von meiner kleinen Schwester getrennt, die seitdem in der Sklaverei verschollen ist", erzähle ich und merke, wie ich beim letzten Satz anfange zu weinen. Das mit Eloy ist so unendlich traurig und kann einfach nicht anders, als zu weinen.

"Das tut mir leid!", meint Leia und legt mir tröstend ihre Hand auf die meine.

"Ich mache mir große Sorgen um Eloy. Damals war es meinem Vater nicht gelungen, sie aufzuspüren und erst jetzt hat er sich auf die Suche nach Eloy gemacht. Seit zwei Wochen sind nun er und ein kleines Team im Untergrund von Nar Shaddaa unterwegs. Ich wünschte, ich könnte dabei sein. Leider muss ich hier auf der Gundark bleiben", erzähle ich der Prinzessin von meiner Frustration. Ich wäre so gerne nach Nar Shaddaa mitgegangen, aber mein Commander wie auch mein Vater haben mir das verboten. Es wäre strategisch nicht sinnvoll, dorthin persönlich zurück zu kehren. Womöglich suchen die Hutten der Roten Arena nach mir. Offiziell gibt es zwar kein Kopfgeld, da meine Flucht nie nach außen hin bekannt wurde. Auch könnte mich eventuell jemand erkennen. Das war zwar unwahrscheinlich, aber eben auch nicht gänzlich auszuschließen, da ich doch ein paar Fans hatte. Ich könnte mich zwar verkleiden, aber irgendwie traut man mir da in dieser Beziehung recht wenig zu.

"Dann hoffe ich, dass die Macht deinen Vater leitet", versucht die Prinzessin mir Hoffnung zu geben.

"Hoffnung ist alles, was mir bleibt, Leia", erwidere ich und kämpfe erfolgreich meine Tränen nieder. Ich will gar nicht wissen, was für entsetzliche Dinge Eloy die letzten Jahren widerfahren sein könnten. Deswegen wechsele ich wieder das Thema. "Natürlich gibt es noch andere Gründe, gegen das Imperium zu kämpfen. Meine Heimat Corellia muss sehr unter der imperialen Besatzung leiden. Alle Unternehmen sind verstaatlicht, die Gewerkschaften zerschlagen und die Löhne sind so weit unten, dass eine arbeitende Familie kaum noch über die Runden kommt, trotz Überstunden. Ich habe gehört, dass viele Kinder statt auf die Schule gehen, in Diebesbandes das wenige stehlen, was die besser gestellten Wohlhabenderen noch haben. Ich habe Bilder von der Stadt gesehen, wo wir einst gelebt haben. Ich habe anfangs nicht glauben können, dass dies meine Heimatstadt ist. Alles ist so schmutzig geworden. Die Neue Ordnung des Imperiums bringt nur Leid und Tod. Nicht nur für Nichtmenschen, sondern auch für Menschen. Nur die profitieren, die sich dem System anbiedern und willfährige Gehilfen sind. Das Imperium verursacht mit seinem Unrecht, mit seiner Gier und seinem Anspruch auf absolute Herrschaft nur unsägliches Leid. Jedem aufrechten Wesen in dieser Galaxis bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als aufzustehen und das Imperium zu bekämpfen!"

"Hast du keine Angst vor dem sterben?", fragt Leia mich.

"Das einzige was ich fürchte, ist, dass die Rebellion scheitert", erwidere ich. Wir schauen uns an und dann fangen wir beide gleichzeitig an zu lachen. Nicht mal ich selbst würde mir diesen pathetischen Unsinn abkaufen. "Natürlich habe ich Angst zu sterben, verstümmelt zu werden oder lebend den Imperialen in die Hände zu fallen. Sie sollen spezielle Droiden für die Folter haben. Und Drogen, die den Willen brechen und Zunge lockern sollen. Das macht mir schon Angst. Aber ich denke, jeder Beitrag zählt, um den Imperator zu stürzen und die Republik wieder herzustellen. Und wie sieht es bei dir aus, Leia. Hast du Angst vor dem Tod?", wage ich zu fragen und hoffe, dabei nicht zu weit gegangen zu sein.

"Ich sehe es so ähnlich wie du. Mich graust der Gedanke, einem Ekelpaket wie Großmoff Tarkin oder dem Dunklen Ritter Vader in die Hände zu fallen, falls mein Doppelspiel jemals auffliegen sollte. Mein Name und Status schützt mich zwar noch und mein Schlachtfeld ist die Politik. Darauf wurde ich mein ganzes Leben vorbereitet. Und wenn die einzelnen Rebellenfraktionen sich zusammen schließen, haben wir auch eine Chance. Die Macht wird mit uns sein!"

"Möge die Macht mit uns sein! Immer!", wiederhole ich und fühle mich etwas zuversichtlicher als zuvor. In dem Moment fällt eine kleine Horde lärmender junger Männer und Frauen in die Cantina ein. Eine unserer Patrouillen ist wohl zurückgekehrt, den es handelt sich dabei um Piloten und Crewmitglieder von Kanonenbooten und Sternenjäger. Die meisten sind Corellianer, aber es gibt auch eine Twi´lek und mehrere Duro darunter. Einer der jungen Piloten ist das Ass Jona Dren, gutaussehend, mit coolen Dreitagebart und einfach gut gebaut. Kurzum, er ist so unglaublich heiß, dass ich schmelze. Dazu ist Dren noch unser Ass mit den meisten Abschüssen, bis heute hat Jona siebenundzwanzig feindliche Jäger, acht Bomber und drei Angriffsshuttles im Raumkampf abgeschossen. Habe ich schon erwähnt, wie gut er aussieht? Und wie süß er ist? Und wie drahtig und durchtrainiert? Und wie groß er ist? Und das seine Haare immer etwas zerzaust sind, was ihn noch viel süßer aussehen lässt?

"Hach! Ist der süß!", seufze ich und registriere, dass Leia mich breit grinsend ansieht.

"Ist da jemand verliebt?", fragt sie mich und ihr lächeln scheint noch breiter zu werden.

"Oh ja, etwas. In Jona Dren", hauche ich und spüre, wie ich rot anlaufe. Hoffentlich sieht Jona das nicht, ich würde vor Scham sterben.

"Der schneidige Corellianer mit den zerzausten Haaren", fragt Leia, die ungeniert auf den Tisch der Piloten blickt.

"Nicht hinschauen!", zische ich peinlich berührt und schlage meine Hände vors Gesicht. Ich muss schrecklich aussehen, da ich ja gerade erst geweint habe.

"Keine Angst, die erzählen sich gerade gegenseitig ihre letzten Heldentaten. Die würden uns nicht mal sehen, wenn wir splitterfasernackt auf dem Tisch tanzen würden", erwidert Leia und wirkt köstlich amüsiert. Ich dagegen bin schockiert. Dann wird mir klar, wie unreif mein verhalten ist und das sich Leia zu recht über mich lustig macht. Aber mit Zwischenmenschlichen Beziehungen habe ich eben keine Erfahrung. Die einzigen Vertreter des männlichen Geschlechts in den letzten vier Jahren saßen entweder unglaublich weit entfernt auf der Tribüne oder haben versucht, mich in der Roten Arena umzubringen. Oder saßen schüchtern mir gegenüber, während ich Autogramme gegeben habe.

"Der ist schon irgendwie süß. Ich muss gestehen, ich hab was übrig für Corellianer. Sie wirken immer so, als würde ihnen die Galaxis gehören und haben ein Selbstvertrauen von der Größe eines Sternenzerstörers der Sieges Klasse. Und sie sind so schneidig!", erzählt Leia kichernd und mir wird klar, dass wir beide noch Teenager sind und sie wohl auch keine große Erfahrung in der Liebe haben dürfte. Ich will sie schon darauf ansprechen, dann wird mir klar, dass wir uns für ein solches Thema nicht gut genug kennen. Das ganze wird nun für mich immer peinlicher. Aber wenigstens fühle ich, dass ich nicht mehr so rot wie eine Warnleuchte bin. Wir werden immer noch vollständig von den Piloten ignoriert, was in meiner momentanen Verfassung kein Fehler ist. Da mir das Thema äußerst peinlich und unangenehm ist, wechsele ich es, nachdem ich der Prinzessin noch ein weiteres Stück Rhycaste gebracht habe.

Nakagos wirre Gedanken

Rhycaste wird im Supplement "Sonnen der Verheißung" als corellianische Spezialität erwähnt. So ziemlich das einzige feste Lebensmittel, dass im ganzen Spiel "Am Rande des Imperiums" beschrieben wird.

Mit Prinzessin Leia ist nun ein weiterer kanonischer Charakter aufgetaucht. Ich hoffe, ich habe sie halbwegs gut getroffen. Ein paar ihrer Aussagen sind natürlich sehr prophetisch.