Der im Raum hängende Staub vergoldete diesen als Sonnenlicht durch das Ostfenster hereinfiel und die Szenerie hätte eine ganze Heerschar Memoratoren zum Weinen und fiebriger Aktivität gebracht. Sanguinius selbst hätte wohl vielleicht Fulgrim erlaubt die sich bietende Szenerie auf Leinwand festzuhalten wäre er sich dessen bewusst und dieser vor Ort gewesen. Ein kurzes Zucken der riesigen Flügel brachte den Staub dazu tanzende Wirbel zu formen während der Engel ein letztes Mal mit einer Feile die marmornen Konturen nachging ehe er mit schiefgelegtem Kopf einen Schritt zurücktrat. Eine farbige Skizze auf der Werkbank verdeutlichte das Aussehen der Marmorstatue. Dunkles lockige Haar das bis auf die Schultern fiel, ein kleiner Mund mit sanft gewölbten Lippen, dunkle Augen, ein eher schmales ja leicht ovales Gesicht, dazu fließende Roben und ein weites Kopftuch. Sich nähernde Schritte hallten von den Wänden wieder und der Geflügelte Primarch wandte den Kopf nur um seinen Vater neben sich stehen zu sehen. Nicht als jene strahlende Lichtgestalt mit pechschwarzem Haar und goldenen Augen sondern als einen Mann durchschnittlicher Größe und ebensolcher Statur, weder besonders schmächtig noch kräftig. Mit langem dunklem Haar und mäßig gebräunter Haut. Auch das Gesicht harmonierte mit dem Rest, alles zusammen ergab eine so unscheinbare Person das sich auf deren Antlitz nicht der geringste Charakterzug erkennen ließ. Selbst die Augen waren so, weder grau noch braun, weder blau oder grün sondern eine Mischung aus allen Irisfarben. Sanguinius wusste dass sein Vater soetwas wie ein wahres Gesicht oder Gestalt nicht besaß aber dies hier kam dem am Nächsten. Das einzig Auffällige war das was in diesen Augen zu sehen war. Güte, Weisheit und etwas Uraltes das Befremdlichkeit und Demut zugleich weckte. Zumindest war dies bei den bisherigen Malen so gewesen, nun jedoch zeigten sie etwas was ihm durch Mark und Bein ging. So tiefe Traurigkeit dass man meinen könnte selbst die Tiefe des Warp wäre nicht ausreichend sie zu fassen. „Du hast sie hervorragend getroffen.", sagte der Imperator leise ohne den Blick von der Frauenstatue zu nehmen. „Ich sah sie einmal in einer flüchtigen Vision. Sie.. schien mir so vertraut. Wer ist sie?" Der Herr der Menschheit sagte nichts aber sein Schweigen brachte die Grundfesten des Zimmers beinahe zum Beben ehe er sich langsam abwandte. „Jemand der mir einst nahe zur rechten Seite stand." Den Blick zu Boden richtnd wandte er sich ab. „Eine meiner Töchter."

Sanguinius legte unwillkürlich die Flügel zusammen und brachte seinen Gefieder zum Rascheln als er sie aneinanderrieb, plötzlich hatte er einen trockenen Mund. Er war sich sicher, dass in früheren Gesprächen Andeutungen gewesen waren, ihr Vater sei... Etwas die Schultern hochziehend senkte er den Kopf und kaute leicht auf seiner Unterlippe...der Vater von richtigen Kindern gewesen, welche die er auf die alte Art gezeugt hatte statt über die neue Art. Indem er sich DNA aus dem Körper zog und diese in ein Reagenzglas steckte. Und rein von der Logik her war es bei der Lebensspanne nur natürlich, dass er ganze Armeen aus Nachkommen gezeugt haben könnte. Mit einem Blinzeln stellte er fest, dass er vorher nie über dieses Thema nachgedacht hatte, obwohl ihn seine Brüder und was ihr Vater ihnen über sie erzählte mit der Nase draufgestoß war. Der Imperator lehnte sich gegen die Werkbank, den Blick wieder auf das Bildnis gerichtet. Ein leises Seufzen hallte durch den Raum. „Es war eine der Zeiten in der ich im Grunde ein Normadenleben führte, auch wenn es nicht immer ereignisreiche waren, so gab es nie genug Zeit länger an einem Ort zu bleiben, als für das Werk unbedingt nötig. In jenen Tagen gab es viele Reiche, dass in dem sie aufwuchs schmückte sich mit der Bezeichnung 'Imperium'. Für jene die nur das Heute und die nähere Vergangenheit kennen... eine eitle kindische Bezeichnung. Aber damals nicht zu unrecht. Lange Zeit wusste sie nicht wer und was sie war und ich ließ ihr dies, besuchte sie nur selten. Ihr Leben als Prostituierte führte schließlich zu einem Ereignis in dessen Zuge ich sie schließlich über alles aufklären musste. Danach half sie mir, mal tatkräftig, mal lediglich beratend, bei meiner Aufgabe. Für diese half sie eine gewisse Lehre zu verbreiten, was ihr recht viel Verehrung und Berühmtheit einbrachte." Sein Gesicht wurde düster. „Doch diese Lehre wurde sich selbst entfremdet und zersplittert. Es bekam dem Wohl der Menschheit hinderlich, sodass ich sie und damit das Andenken an Sie vernichten musste." Sanguinius umspielte mit einer Fingerspitze eine seiner Federn während ihm die Gedanken im Kopf kreisten. „Und wie...?" „Genug." Die Stimme des Imperator war leise aber scharf und knapp. „Rühren wir nicht weiter an der Bitternis des Kelchs den ich mir selber zusammengebraut habe!" Kurz schien ein weißes Leuchten von ihm auszugehen und die Statue zu berühren ehe er raschen Schrittes den Raum verließ. Sanguinius blieb mit ihr zurück. Nach einer Weile betrachtete er sie nachdenklich und stellte fest dass seine Arbeit verändert war. Eine einzelne, schwarze Träne prangte nun im Marmor auf der Wange der Frau. Der Engel strich sich flüchtig über die Eigene und als ob es ein Atem wäre der aus großer Tief heraufkam, überfiel ihn ein leichter Schauer.