Die Tyraniden: Theorien zum Hintergrund im Licht der modernen Biologie

Darius4118

Aushilfspinsler
Invasionsphase 2: Die Landung

Nun beginnt die eigentliche Invasion mit „Luftlandetruppen“. Die Schwarmschiffe werfen Millionen von Tyrannozyten und ähnlichen Landesporen ab, deren Inneres prall mit Kriegerorganismen gefüllt ist.

Wir wissen nicht genau, wie das funktioniert, z.B. aus welcher Höhe diese Sporen abgeworfen werden, ob sie irgendwie geschützt gegen das Verglühen in der Atmosphäre sind, oder warum sie beim Aufprall nicht mitsamt ihrer „Besatzung“ zerstört werden. Modell-Designs deuten darauf hin, dass es sich bei den Landungssporen um kleinere Versionen (und eventuell durch Sprossung hervorgebrachte „Knospen“) der Schwarmschiffe handelt. Sie haben gemischte Charakteristika von Pflanzen (blattartige Strukturen) und Tieren (fleischige Tentakel). Jedenfalls scheinen sie über ein rudimentäres Bewusstsein zu verfügen und in der Lage zu sein, ihren Flug in begrenztem Umfang zu steuern und ihren Aufprall zu bremsen. Letzterem Zweck könnten fallschirmartige Membranen dienen, vielleicht aber auch chemische Reaktionen, die zu einem Gas-Ausstoß als Bremsschub führen. Zudem scheinen die Landungssporen eine gepanzerte und dennoch bis zu einem gewissen Grad flexible Außenhaut zu besitzen, wahrscheinlich in der Konsistenz von Hartgummi (sklerotisiertes Chitin?). Es ist aber auch möglich, dass manche Arten von Landungssporen am Boden einfach aufplatzen und sterben, wobei sie die Kriegerorganismen aus ihrem Innern freisetzen. Sie wären dann billige „Einweg“-Organismen, genau wie die Sporenminen. Wieder andere (wie die Sporenzysten) setzen bei der Landung Sporenminen frei, bleiben dann stehen und bilden eine Art stationäre Artillerie mit Waffenbiomorphen. Vermutlich gibt es auch hier wieder zig unterschiedliche, für verschiedene Zwecke gezüchtete Typen.

Aus den Landungssporen ergießen sich nun Schwärme von Ganten, die die erste Welle der Bodeninvasion bilden und sich zu Massen aus wimmelnden Körpern vereinigen. Da Hormaganten Eier legen können, ist es nicht ausgeschlossen, dass auch Landungssporen voller Eier niedergehen, die erst vor Ort schlüpfen, was den Transport großer Mengen von Ganten sehr viel rationeller machen würde. Vermutlich werden aber auch Brutorganismen abgesetzt, die z.B. Termaganten hervorbringen wie der Tervigon. Wir wissen nicht, ob es noch weitere organische Brutmaschinen gibt, die möglicherweise einen Teil der Invasionsstreitmacht erst am Boden ausbrüten und damit Transportkapazitäten sparen.

Mit den Ganten werden schnelle Sturm-Organismen wie die Venatoren und auch erste Synapsenkreaturen abgesetzt, die den Vormarsch koordinieren und zähere Widerstandsnester ausheben sollen. Das dürften vor allem Tyranidenkrieger sein, die mit ihrer mittleren Größe (ca 3 Meter), ihrer Intelligenz und ihren komplexen Waffenbiomorphen auch spezialisierte Aufgaben erledigen können. Mengenmäßig kommt wahrscheinlich ein Tyranidenkrieger auf mehrere hundert Ganten bzw. eine Kriegerrotte auf mehrere tausend. Sie führen den Sturm auf dicht besiedelte oder befestigte Regionen.

Nun kommt es darauf an, wieviel Widerstand die „Beute“ leistet. Ländliche Gebiete mit verstreuten Siedlungen werden vermutlich einfach mit Ganten „überschwemmt“. Aber auch Makropolen ohne erhebliche Militärpräsenz können wahrscheinlich relativ problemlos von ihnen eingenommen werden. Man sollte Ganten nicht unterschätzen. Ein Hormagant ist etwa menschengroß, sehr agil und beweglich, kann hervorragend rennen, klettern und springen, besitzt ein Maul voller scharfer Zähne nebst Sensenklauen – und kommt grundsätzlich in Massen. Gerade dicht bebaute Regionen oder hive cities mit mehreren Höhenebenen, in denen größere Kriegerorganismus wie Carnifexe sich kaum bewegen könnten, sind buchstäblich ein gefundenes Fressen für die Ganten: Sie sind klein und beweglich, passen durch Fenster und Türen, können durch Luftschächte und Abwassertunnel kriechen und eine Makropole wahrscheinlich in kürzester Zeit „durchseuchen“ wie ein Rattenschwarm.

In bestimmten Regionen allerdings wird sich der militärische Widerstand konzentrieren, wobei solche Gebiete einzelne Garnisonen oder Städte, aber auch ganze Makropol- oder Industrieregionen und eventuell sogar Kontinente umfassen können. Hier müssen die Tyraniden buchstäblich „schweres Geschütz“ auffahren, um sich mit verteidigten Festungen, Bunkeranlagen, Panzerschwadronen, Artilleriestellungen und Massen an mehr oder weniger gut ausgerüsteter feindlicher Infanterie auseinanderzusetzen. Dabei können regelrechte Schlachten und Belagerungen entstehen, die eine veränderte Strategie erfordern.

Nun ist es an der Zeit für die „großen Jungs“. Spezialisierte Landeorganismen von einigen Dutzend bis zu hunderten Metern Größe segeln auf die Beutewelt herab und entlassen wahre Monster aus ihrem Inneren: Rotten haushoher Carnifexe, die als Panzer- und Bunkerbrecher eingesetzt werden; lebende Kanonen wie die Biovoren, Pyrovoren und Exocrinen; dazu Tunnelgräber wie Morgons und Trygons, die sich unter feindlichen Befestigungen hindurchgraben, im Rücken der Verteidiger auftauchen und Infiltrationswege für Gantenrudel freimachen. Wenn auf der Gegenseite superschwere Panzer oder gar Titanen stehen, können noch größere und stärkere Kriegerorganismen mobilisiert werden. Der Tyrannofex z.B. ist ein lebendes Geschütz, dessen Kapselkanone selbst Titanen zusetzen kann (im Spiel: Stärke 14). Auch verfügen einige Schwarmflotten selbst über „Biotitanen“, hochhausgroße Giganten, die laut Hintergrund während des Raumfluges in „Biostase“ gehalten werden, was wohl eine Art Winterschlaf oder Zustand mit reduziertem Stoffwechsel andeuten soll.

Auf Seiten der Verteidiger wird in diesem Stadium wahrscheinlich nur noch aus Zorn oder Verzweiflung, aus blindem Glauben, aus Pflichtbewusstsein oder aus Angst vor dem Kommissar im Rücken gekämpft. Eine wirkliche Chance dürfte es kaum mehr geben, zumal bei planetenweitem Kollaps der Wirtschaft natürlich auch der Nachschub zum Erliegen kommt. Munition, Material und Verpflegung werden knapp. Harpyien überfliegen die Stellungen und werfen Sporenminen ab; Ganten und Venatoren branden in sich überschlagenden Wellen gegen die Befestigungswerke; Carnifexe reißen Mauern ein und legen Panzer lahm. Zudem sind bereits seit Beginn der Invasion Infiltrations-Organismen im Geheimen tätig: Nicht nur Genestealer, sondern auch Liktoren, die sich hervorragend tarnen können und feindliche Befehlshaber oder wichtiges technisches Personal ausschalten.

Es kommt also, wie es kommen muss: Am Ende erliegt auch der letzte imperiale Soldat der Übermacht, und die letzten Zivilisten, die vielleicht noch in irgendeinem Luftschutzkeller ausharren, sterben an der sporenverseuchten Luft.
 
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Darius4118

Aushilfspinsler
Invasionsphase 3: Absorption

Streng genommen beginnt die Absorption schon in Phase 1, mutmaßlich durch Mikroorganismen, die organische Stoffe zersetzen. Die eigentliche Fress-Arbeit aber obliegt den Absorbern (=Rippern), den spezialisierten Verdauungs-Organismen der Tyraniden. Sie sind wahrscheinlich bereits in großer Zahl während der Phase 2 gelandet und haben begonnen, im Hinterland alle Biomasse zu vertilgen. Wenn der Widerstand der Beutewelt endgültig gebrochen wurde, vermehren sie sich zu riesigen Massen und schwärmen über den ganzen Planeten aus. Sie fressen nahezu alles: Gefallene Verteidiger und gefallene Tyraniden, Tiere und Pflanzen, lebendes wie totes organisches Material und vermutlich sogar Humusschichten des Bodens, die ja voller Pflanzenreste, Mikroorganismen, Würmer und dergleichen sind. Absorber haben einen relativ kurzen Lebenszyklus und vermehren sich schnell, da sie bereits mit reifen Eiern im Körper geboren werden. Auch ist es denkbar, dass von den Schwarmschiffen statt fertig geschlüpften Absorbern eine Art von „Eier-Bomben“ abgeworfen wird, die zigtausende Eier enthalten und sie beim Aufprall in alle Richtungen verspritzen. Anders wäre es wahrscheinlich kaum möglich, die ungeheure Zahl von Absorbern zu erzeugen, die für die Aneignung einer vollständigen planetaren Biomasse nötig wäre.

Nehmen wir als Beispiel mal die Erde. Ihre geschätzte Biomasse beträgt circa 1,8 Billionen Tonnen, wovon der Löwenanteil auf die Pflanzen entfällt, ein weiterer Teil auf Mikroorganismen und etwa 2- 2,5 Milliarden Tonnen auf Tiere einschließlich des Menschen. Absorber sind relativ kleine Kreaturen, deren Größe in verschiedenen Quellen mit 40-120cm angegeben wird. Nehmen wir optimistisch an, dass ein Absorber sich mit 10 Kilo Biomasse vollstopfen kann (wobei man berücksichtigen muss, dass er keine Möglichkeit hat, irgendetwas auszuscheiden). Um die Biomasse der Erde komplett aufzufressen, wären dann sagenhafte 185 Billionen Absorber nötig. So viel könnten selbst die Tyraniden nicht in fertig geschlüpftem Zustand auf der Planetenoberfläche absetzen. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie sich a) sehr schnell vor Ort weitervermehren und b) tyranidische Mikroorganismen bei der Absorption helfen. Solche Mikroorganismen könnten viele zähe Materialien schon im Vorfeld auflösen, während die Absorber dann nur noch die entstandenen Bakterienmatten abzuweiden brauchten.

Wenn ein Absorber sich bis kurz vor dem Platzen vollgefressen hat, stürzt er sich instinktiv in einen „Verdauungsteich“, wo er mitsamt seinem Mageninhalt aufgelöst wird. Was sind nun diese Verdauungsteiche? Offenbar handelt es sich um Ansammlungen flüssiger Sekrete mit hohem Anteil an Säuren und Verdauungsenzymen, ähnlich unserer Magensäure, aber noch stärker. Es scheinen sich nämlich auch die Knochen, Zähne und Chitinplatten der Absorber vollständig aufzulösen; andernfalls wäre so ein Teich schnell verstopft, wenn tausende Absorber sich hineinstürzen. Das ist aber keineswegs unrealistisch. Zum Beispiel sind viele Pilze in der Lage, hochaggressive Verdauungsenzyme in ihre Umwelt abzugeben, die zum Beispiel Holz, Horn und Leder, Keratin von Nägeln, Krallen und Haaren und noch zähere Substrate auflösen können. Die verflüssigten Nährstoffe werden dann vom Pilz aufgenommen und weiterverwertet. Eine solche „externe Verdauung“ (also: außerhalb des eigenen Körpers) betreiben auch Spinnen, die ihrer Beute Verdauungsenzyme injizieren, um nachher die verflüssigten Eingeweide herauszusaugen. Bei den Tyraniden müsste es natürlich Organismen geben, die solche Verdauungssekrete schnell und in großen Massen produzieren könnten, damit sie „Teiche“ bilden. Dabei ist es nicht unbedingt erforderlich, dass solche Organismen auf den Planeten herabgelassen werden und die Teiche vor Ort ausspeien. Denkbar wären auch niedrig fliegende Schwarmschiffe mit riesigen Speichern, die das Zeug auf die Oberfläche herabregnen lassen, oder Bomben voller Sekret, die beim Aufprall zerplatzen, die Flüssigkeit freigeben und so einen Teich bilden.

Die Verdauungsteiche müssten sich während der Absorptionsphase immer weiter ausdehnen, um die unglaublichen Mengen an Absorbern aufnehmen zu können. Wahrscheinlich fließen sie irgendwann zu größeren Seen zusammen und verbinden sich früher oder später auch mit natürlichen Gewässern des Planeten, die so nach und nach „angesäuert“ und selbst zu Verdauungsorganen werden. Dabei würde so ein Verdauungs-See praktischerweise gleich noch Nährstoffe aus dem Boden lösen, den er bedeckt, und gegebenenfalls Wasserlebewesen töten. Auf jeden Fall wären ungeheure Mengen an Sekret nötig; Milliarden von Litern. Nach einiger Zeit wachsen dann aus den Seen die berühmten „Kapillartürme“. Dabei handelt es sich um feste, möglicherweise verholzte Strukturen, die allmählich immer höher werden und irgendwann bis in den Orbit des Planeten hinaufreichen. Dort drängen sich dann die Schwarmschiffe wie blutsaugende Insekten um die Öffnungen der Kapillartunnel und pumpen die verflüssigte Biomasse hinauf, um sie zu speichern.

Auch hier haben wir es wieder mit nahezu unvorstellbaren Mengen zu tun. Zu 1-2 Billionen Tonnen Biomasse kämen bei einem Planeten wie der Erde noch schlappe 1,4 Milliarden Kubik-Kilometer Wasser. Denn die Tyraniden saugen auch sämtliche Meere und Gewässer leer. Wasser ist zwar an sich keine Biomasse, wird aber für das weitere Wachsen des Schwarms benötigt, da Lebewesen nun einmal zum größten Teil aus Wasser bestehen. Vermutlich gibt es spezialisierte Speicher-Schwarmschiffe, die in ihrem Inneren Milliarden Tonnen von Biomasse oder Wasser transportieren können. Am Ende der Absorptionsphase wird selbst die Atmosphäre des Planeten abgesaugt; vermutlich, um Sauerstoff und einfache Kohlenstoffverbindungen wie Kohlendioxid oder Methan weiterzuverwerten.

Was aus den Tyraniden auf der Planetenoberfläche wird, wissen wir nicht genau. Sicher werden die meisten, vor allem größere und synapsenfähige Kreaturen irgendwie auf die Schwarmschiffe zurückgebracht. Die Absorber terminieren sich selbst durch Sprung in die Verdauungsteiche. Möglicherweise folgt ihnen aber auch ein Teil der entbehrlichen Ganten und anderen kleineren Organismen. Ihre Biomasse geht der Schwarmflotte dadurch ja nicht verloren, und es werden Transportkapazitäten eingespart.

Wenn die Tyraniden den Planeten schließlich verlassen und in den interstellaren Raum zurückkehren, bleibt nur ein kahler Felsen zurück. Es gibt Berichte imperialer Kommandeure und Inquisitoren, außerdem bildliche Darstellungen solcher geplünderten Welten: Nichts Lebendes bleibt auf ihnen zurück; nicht einmal Bakterien. Fruchtbare Bodenschichten sind weggefressen, Tiere und Pflanzen verschwunden, alle Gewässer staubtrocken, die Atmosphäre aufgelöst. In der allgegenwärtigen Wüste erheben sich nur noch unverdauliche Überreste einstiger Zivilisation: Gebäuderuinen, zerfallene Industriekomplexe, Fahrzeuge und militärisches Gerat; alles verwüstet und verstaubt, teils unter verwehrter Erde begraben. Nur die riesigen Kapillartürme der Tyraniden sind noch da und erheben sich wie gigantische Finger aus der Wüste. Offenbar haben sie für die Tyraniden keinen Wert und werden einfach zurückgelassen; vielleicht, weil sie aus irgendwelchen unverdaulichen Polymeren bestehen. In der Anfangszeit, vor der Entdeckung der Tyraniden, waren imperiale Beobachter ratlos angesichts solcher verlassenen Welten, die laut Register eigentlich blühende Kolonien sein sollten. Erst später fand man heraus, was es mit solchen Welten auf sich hatte: Der Große Verschlinger hatte sie heimgesucht.
 

Haakon

Tabletop-Fanatiker
Es ist nicht bekannt, ob der „Schatten im Warp“ ein absichtlich von den Tyraniden ausgelöster psionischer Effekt ist, der die Beutewelt isolieren soll, oder ob es sich um ein natürliches Phänomen handelt, das automatisch durch die Annäherung der Schwarmflotte entsteht.
Klares ja, zu beidem. Ich meine gelesen zu haben, dass der Schatten im Warp ein Nebeneffekt der Tyranidenkommunikation ist. Sie überlasten quasi das Netz.
Der Effekt auf die Beutewelten ist damit eher ein Nebenprodukt. Die Biologie erlaubt manchmal diese Trennung gar nicht erst.

Zur Koordinierung der Schwarmflotte gibt's noch vergleichsweise neuen Hintergrund aus Devastation of Baal. Hier wird beschrieben, dass Schwarmflotte möglicherweise sogar zu so etwas wie Emotionen fähig sind. Immerhin verfolgt die Schwarmflotte die Blood Angels in für sie selbst ungünstige Raumgebiete. Nun könnte das tatsächlich ein "menschliches Gefühl" sein...oder die Schwarmflotte strebt zwar nach Biomasse, aber auch nach Evolution. Und "intelligente Lebensformen", sind dahingehend möglicherweise interessanter.
 

Darius4118

Aushilfspinsler
Klares ja, zu beidem. Ich meine gelesen zu haben, dass der Schatten im Warp ein Nebeneffekt der Tyranidenkommunikation ist. Sie überlasten quasi das Netz.
Der Effekt auf die Beutewelten ist damit eher ein Nebenprodukt. Die Biologie erlaubt manchmal diese Trennung gar nicht erst.

Zur Koordinierung der Schwarmflotte gibt's noch vergleichsweise neuen Hintergrund aus Devastation of Baal. Hier wird beschrieben, dass Schwarmflotte möglicherweise sogar zu so etwas wie Emotionen fähig sind. Immerhin verfolgt die Schwarmflotte die Blood Angels in für sie selbst ungünstige Raumgebiete. Nun könnte das tatsächlich ein "menschliches Gefühl" sein...oder die Schwarmflotte strebt zwar nach Biomasse, aber auch nach Evolution. Und "intelligente Lebensformen", sind dahingehend möglicherweise interessanter.
Aaah ok! Das mit dem Schatten klingt plausibel, ich wusste das nicht.

Tja, die Sache mit den Blood Angels ... ja, hinter irgendetwas sind die Tyraniden dabei her. Gensaat von Marines für weiteres Self-Improvement? Komplexere Motivationen oder "menschliche" Gefühle traue ich ihnen eher nicht zu; ehrlich gesagt wäre ich sogar ein bisschen enttäuscht, wenn sich etwas Derartiges herausstellen würde. Ich tippe daher auf deinen Vorschlag: Evolution.
 

Wargrim

Große Brennessel
Moderator
Sehr viel Arbeit die du dir gemacht hast und sehr interessant die Querverweise zur Realen Biologie zu sehen.

Zum Chitinpanzer hattest du ja geschrieben dass Tyraniden dort vermutlich auch über Kalkeinlagerungen arbeiten. Ich meine mich erinnern zu können, das GW in einigen Publikationen angeführt hat das die Panzer (und Klauen etc.) auch gezielt über Einlagerung von verschiedenen Mineralien und Metallen modifiziert werden.


Auch wenn du natürlich von der real-wissenschaftlichen Seite rangehen willst, ist da natürlich immer das Problem das Tyraniden eben eine sehr warplastige Spezies sind. Dass das Genom deswegen nicht gigantisch sein müsste, sondern auch aus dem Hivemind runtergeladen werden könnte, hast du ja schon geschrieben. Das bietet natürlich immer die Erklärung das der Warp es war, auch wenn dein Ansatz interessanter ist.
 

Haakon

Tabletop-Fanatiker
Sie warten, damit sich die Symbionten von Planet zu Planet ausbreiten und lohnende Ziele für sie quasi „markern“ können. Auf unbekannte Weise senden die Symbionten dann Signale zur Schwarmflotte – mutmaßlich psionisch? – und zeigen damit die Lage potenzieller Beuteplaneten an.
Vermutlich machen die Symbiontenkulte da mit, andererseits haben Tyraniden möglicherweise auch einfach einen Warpsinn. Folgt man den Hinweisen dazu ist anzunehmen, dass die Benutzung des Pharos während der Horus Heresy die Tyraniden angelockt hat. Das Licht des Pharos hat dabei beispielsweise dazu geführt, dass Legionen Macragge in den Warpstürmen mit Terra verwechselten. Gleichzeitig wird immer wieder angedeutet, dass die Tyraniden auf Terra, also in Richtung Astronomican vordringen. Nun hat im 40k Universum eine Seele eine Verbindung in den Warp. Eine Makropolwelt leuchtet also möglicherweise deutlich heller als eine ländliche Welt, ähnlich zu nächtlichen Satellitenaufnahmen.
Dem entgegen steht aber klar das Handeln gegenüber den Blood Angels (Rachedurst?/Genetisches Potenzial der Blood Angels?) als auch die Tatsache, dass die Tyraniden Wesen mit geringerer Warpverbindung wie Tau oder Votann angreifen.
 

beetlemeier

Malermeister
@Darius4118:

Wahnsinn, was Du da für Arbeit in das Thema steckst!(y)

Eine Frage ist mir (als biologischer Laie) beim Lesen des Beitrags zum Thema "Absorption" gekommen: Ist es nicht langfristig für eine "Spezies" wie die Tyraniden gefährlich bis selbstgefährdend, wenn man bei der Nahrungsaufnahme KOMPLETT "verbrannte Erde" hinterlässt?
Wenn man davon ausgeht, dass die auf irgend einem einzelnen Planeten ihren Ursprung genommen haben, dann kann das doch damals eigentlich kein evolutionärer Vorteil gewesen sein, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt?🤔;)
 

Dragunov 67

Tabletop-Fanatiker
Wenn man davon ausgeht, dass die auf irgend einem einzelnen Planeten ihren Ursprung genommen haben, dann kann das doch damals eigentlich kein evolutionärer Vorteil gewesen sein, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt?🤔;)
Außer es wird in galaktischen Maßstäben "gefarmt", vlt ist der Planet in einer/ein paar Mio Jahren wieder lebensfähig.🤷
Dann kann man ja noch mal vorbei schauen, oder ab in die nächste Galaxie..🤔
 

Haakon

Tabletop-Fanatiker
@beetlemeier Wirts- und Lebensraumschutz sind in der Gleichung "Evolution" nicht vorhanden, sondern wenn sie existieren Nebenprodukte. Den Sonderfall Mensch bespreche ich unten einmal. Fangen wir vorne an..

Beispiel 1... Ebola ist eigentlich ein echt effizientes Virus, was allerdings unter seiner eigenen Tödlichkeit leidet.

Beispiel 2... Einige Bakterien können Sauerstoff für die Zellatmung nutzen und viel Energie bereit stellen oder Gärung betreiben und weniger Energie bereit stellen. Wenn die Zellen Sauerstoff nutzen wachsen sie besser. Gären die Zellen jedoch vorher setzen sie auch weiter darauf, weil es einen kurzfristigen Wachstumsvorteil bringt. Dafür sterben sie schneller, weil Säuren gebildet werden.

Hier liegt ein klassischer Fall von "Moral Hazard" vor. Der kurzfristige Vorteil wird genommen, weil die Nachteile erst später davon entkoppelt und für andere Individuen auftreten.

Ob wir Menschen das mit dem Ressourcenschutz nun also besser als unsere bakteriellen Freunde hinbekommen bezweifel ich noch.

In der Evolution zählt nur eines... Fitness. Also möglichst viele Nachkommen. Der Rest ist egal. Du kannst auch wie einige Schmetterlinge ohne Verdauungssystem auskommen und quasi ein fliegender Penis sein, solange deine Larvenform Ressourcen sammelt und du dich fortpflanzen kannst.
 

Darius4118

Aushilfspinsler
Vermutlich machen die Symbiontenkulte da mit, andererseits haben Tyraniden möglicherweise auch einfach einen Warpsinn. Folgt man den Hinweisen dazu ist anzunehmen, dass die Benutzung des Pharos während der Horus Heresy die Tyraniden angelockt hat. Das Licht des Pharos hat dabei beispielsweise dazu geführt, dass Legionen Macragge in den Warpstürmen mit Terra verwechselten. Gleichzeitig wird immer wieder angedeutet, dass die Tyraniden auf Terra, also in Richtung Astronomican vordringen. Nun hat im 40k Universum eine Seele eine Verbindung in den Warp. Eine Makropolwelt leuchtet also möglicherweise deutlich heller als eine ländliche Welt, ähnlich zu nächtlichen Satellitenaufnahmen.
Ich muss gestehen, dass ich nicht sehr "warp-fit" bin, diesen Aspekt des 40k-Universums nie so ganz durchblickt habe und deshalb wahrscheinlich dazu neige, seine Bedeutung zu unterschätzen. Jetzt, wo du es formulierst, könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass die Tyraniden Beutewelten psionisch ausmachen. Dann sehen sie also das Universum so ähnlich wie eine Satellitenaufnahme der Erde, wo die Ballungszentren besonders hell leuchten? Hm. Unerklärlich, aber irgendwie bildlich überzeugend ;) Dann wäre das Astronomican so etwas wie eine Laterne, die die Insekten anzieht. Vielleicht muss man da wirklich mal die Naturwissenschaften beiseite lassen und sich auf die "Metaphysik" des Warp einlassen. Da hab ich definitiv Nachholbedarf.
 

Darius4118

Aushilfspinsler
@Darius4118:

Wahnsinn, was Du da für Arbeit in das Thema steckst!(y)

Eine Frage ist mir (als biologischer Laie) beim Lesen des Beitrags zum Thema "Absorption" gekommen: Ist es nicht langfristig für eine "Spezies" wie die Tyraniden gefährlich bis selbstgefährdend, wenn man bei der Nahrungsaufnahme KOMPLETT "verbrannte Erde" hinterlässt?
Wenn man davon ausgeht, dass die auf irgend einem einzelnen Planeten ihren Ursprung genommen haben, dann kann das doch damals eigentlich kein evolutionärer Vorteil gewesen sein, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt?🤔;)
Gute Frage :) Ich hab ja im Kapitel "Möglicher Ursprung" eine Art Urgeschichte zu konstruieren versucht und glaube, dass sie ihren eigenen Planeten nicht kahlgefressen haben - aber seitdem jeden weiteren danach. Und es stimmt halt schon, was Haakon sagt, dass dabei der kurzfristige Vorteil zählt. Ich glaube, den Gedanken, dass sie irgendwann das ganze Universum leergefressen haben und verhungern könnten, kann ein Tyranidengehirn einfach nicht fassen. Sie sind für Tiere sehr intelligent, aber dieses abstrakte "Im-Großen-Zusammenhang"-Denken traue ich ihnen irgendwie doch nicht zu. Wahrscheinlich wären dazu genau die Eigenschaften nötig, die nur Kultur-Spezies auszeichnen: Selbstreflexion, Selbstkritik, Distanzierung von den eigenen Bedürfnissen. Wenn Heuschreckenschwärme in Afrika Getreidefelder kahlfressen, juckt es sie ja auch nicht, dass die Bauern vielleicht ihre Höfe aufgeben, in die Städte abwandern und die Felder im nächsten Jahr kahl bleiben. Es ist wohl ein wenig wie bei schnellen Geschäften in der Wirtschaft: Der Vorteil von heute wird eingesteckt, auch um den Preis des möglichen Crashs von übermorgen.

Ich finde aber gerade das irgendwie so schön "gruselig" an den Tyraniden: Dass so etwas wie ein langfristiger Sinn ihres ganzen Tuns fehlt. Sie wollen nicht kolonisieren, nicht herrschen, keine dauerhaften Strukturen aufbauen, nicht einmal ihre Nahrungsversorgung sichern (wie es. z.B. Menschen durch Ackerbau und Viehzucht hingekriegt haben). Stattdessen ist ihr Vorgehen, bei aller Planung und Effizienz im Einzelnen, letztlich ein sinnloser Kreislauf, der nirgendwo hinführt: Wozu Biomasse ernten? Um neue und bessere Kriegerorganismen hervorzubringen. Und wozu das? Um besser Biomasse ernten zu können. Es fehlt ein "Mehrwert", ein Zuwachs an Sinn, also gerade das, was eigentlich Kultur ausmacht. Eben darin liegt für mein Gefühl der Horror, dass damit ein gewisser seelenloser, "maschineller" Aspekt der Evolution überhaupt abgebildet wird: Nicht Sinn setzt sich durch, sondern nur Praktikabilität; nicht das Bessere, sondern bloß das Funktionelle.
 

Haakon

Tabletop-Fanatiker
Die Frage ist auch, wie sich "Rücksicht auf Ressourcen" überhaupt genetisch und evolutionär durchsetzen sollte? Wenn du nicht frisst, frisst ein anderer. Heißt, Ressourcen übrig zu lassen ist meistens sogar nachteilig, weil sich Konkurrenten durchsetzen könnten. Man unterscheidet dabei r-Strategen, die auf Reproduktion, also Vermehrung setzen von k-Strategen, die sich der Kapazität des Lebensraums anpassen. Beides sind keine absoluten Begriffe, sondern ein "von bis".

Eher zu den k-Strategen gehören Säugetiere mit ihrem Investment in ihre nachkommen. Es ist einfach deutlich mehr zu tun, als bei einer Fruchtfliege. Viele Säugetiere vermehren sich einmal im Jahr und damit ist die Option auf großartige Schwankungen im Lebensraum zu reagieren einfach nicht da. Bei einem r-Strategen wäre das anders, aufgrund des geringeren Investments in die Brutpflege kann der schnell auf sowas reagieren.

Deine Beute ist in diesem Spiel so etwas wie dein Gegenspieler. Eichen haben beispielsweise sogenannte Mastjahre. Da übertreiben die es mit den Eicheln ein wenig. Keine Wildschwein Population könnte da entsprechend schnell drauf reagieren, das sichert natürlich einigen Nachkommen der Eiche das Überleben. Die nächsten Jahre gibt's dann aber deutlich weniger Eicheln - also auch weniger Nahrung. Das wiederum bedeutet Probleme für die Wildschweinpopulation. Würden sie von vornherein allerdings auf einem Level in ihrer Populationsgröße festgelegt sein, die von den Eicheln in einem schlechten Jahr definiert wird, würden sie die überschüssigen Ressourcen liegen lassen und jemand anderes könnte sie nutzen. Disclaimer an dieser Stelle... Wildschweine sind natürlich ziemliche Generalisten was Nahrung angeht - was eben auch eine Anpassung darstellt, um mit solchen Problemen umzugehen.

Das Spiel heißt einfach, greife zu oder du verlierst. Das lässt sich auch ziemlich gut auf die Wirtschaft übertragen. Je nach Beispiel könnte die Ressource hier etwas anderes sein... Nehmen wir die Nachfrage nach Modellen wie dem Tervigon oder der Landungsspore in der 5. Edition, wo diese im Codex waren, es aber keine Modelle gab. GW hat diese Nachfrage nicht befriedigen können und damit nicht genutzt. Drittanbieter für die Modelle sind aufgekommen.

Von daher darf man es verschiedenen wirtschaftlichen Akteuren nicht einmal verdenken, sondern muss Bedingungen schaffen, in denen nicht der Ätzendste sich durchsetzt.
Dann sehen sie also das Universum so ähnlich wie eine Satellitenaufnahme der Erde, wo die Ballungszentren besonders hell leuchten? Hm. Unerklärlich, aber irgendwie bildlich überzeugend ;)
Naja... Das war nun ein sehr frei gewählter Vergleich. So wirklich abwegig finde ich eine Art Warpsicht nun gar nicht. Man muss sich eben nur auf die Tatsache einlassen, dass Wesen eine Art Warpverbindung haben. Den Rest regelt ein Sinnesorgan. Tiere die Fährten aufnehmen können dir in der Regel auch sagen, wo viele und wo weniger Individuen der Beute zu finden sind.
 

Darius4118

Aushilfspinsler
Naja... Das war nun ein sehr frei gewählter Vergleich. So wirklich abwegig finde ich eine Art Warpsicht nun gar nicht. Man muss sich eben nur auf die Tatsache einlassen, dass Wesen eine Art Warpverbindung haben. Den Rest regelt ein Sinnesorgan. Tiere die Fährten aufnehmen können dir in der Regel auch sagen, wo viele und wo weniger Individuen der Beute zu finden sind.
Neinnein, ich fand den Vergleich sehr gut! :) Darunter konnte ich mir wirklich (beinahe zum ersten Mal) etwas vorstellen, was den Warp betrifft. Ansonsten blieb das für mich immer sehr abstrakt.
 

Darius4118

Aushilfspinsler
Die Tyraniden als Erfindung: Kulturelle und historische Aspekte

Ich möchte jetzt noch kurz in eine ganz andere Richtung abbiegen. Frage: Was hat Games Workshop da eigentlich erfunden, und von welchen Voraussetzungen lebt diese Erfindung? Zu welchen historischen und menschheitlichen Erfahrungen hat sie einen Bezug? Das ist jetzt vielleicht für viele nicht mehr so interessant, aber mich persönlich fasziniert die Frage.


„Sie sind wie Wanderheuschrecken…“

Seit der Sesshaftwerdung erster menschlicher Kulturen vor ca. 10.000 Jahren („neolithische Revolution“) veränderten sich Prioritäten und Wertvorstellungen, aber auch Ängste und Feinde der Menschheit. Die Erfindung des Ackerbaus ermöglichte eine langfristige Nahrungssicherheit für größere Kollektive durch planmäßigen Anbau und Vorratshaltung, was zur Grundlage aller entwickelten Hochkulturen wurde. Mit der neuen Lebensweise waren aber auch Nachteile verbunden. Vor allem gab es nun etwas, das mit allen Mitteln beschützt werden musste: Der bebaute Boden und die Ernte. In Jäger-und-Sammler-Zeiten konnte man bei Dürren, Überschwemmungen oder Überfällen noch in andere Habitate ausweichen; nun kam das nicht mehr in Frage. Stattdessen mussten die kostbaren Felder und Siedlungen eingehegt, mit Zäunen und Wällen umgeben, instandgehalten und verteidigt werden.

Bestimmte Feinde aber ließen sich durch keine solche Maßnahme fernhalten. Schon in den frühesten Zeiten der Zivilisation waren es vor allem Wanderheuschrecken, deren massenhaftes Auftreten als Naturkatastrophe, oft sogar als Gottesstrafe empfunden wurde. Normalerweise leben Heuschrecken eher als Einzeltiere; bei bestimmten Arten jedoch wird ab einer bestimmten Populationsdichte ein Schwarmverhalten ausgelöst: Sie vereinigen sich dann zu Schwärmen von einigen tausend bis zu hunderten Millionen von Tieren, die wie riesige Wolken über Land ziehen und sich bevorzugt über menschliche Getreidepflanzungen hermachen, denn die dichten Monokulturen wirken wie Magneten auf sie. Ein einziger Schwarm kann mehr als 1000 Tonnen pflanzliches Material pro Tag vertilgen, also die Ernte ganzer Regionen.

Bis heute hat jeder eine gewisse Assoziation, wenn er von Wanderheuschrecken hört, obwohl kaum jemand diese Tiere wirklich aus dem Alltag kennt. Sie sind zu einem Topos der Kulturgeschichte geworden. Bereits in der Bibel (Exodus 10, 12) gehören sie zu den Plagen, mit denen Gott den ägyptischen Pharao demütigt. In der Offenbarung des Johannes werden für die Endzeit ebenfalls Heuschreckenplagen angekündigt, wobei die Tiere sogar Panzer aus Eisen tragen und Stacheln wie Skorpione haben sollen (Offb. 9, 11).

Es ist belegt, dass Heuschreckenplagen seit Jahrtausenden ganz Eurasien vom Mittelmeerraum bis nach China heimsuchten. Sie stellten eine ständige Bedrohung aller agrarischen Kulturen dar, vernichteten Ernten und lösten Hungersnöte aus. Auch in Mitteleuropa sind noch bis um 1750 verheerende Heuschreckenplagen dokumentiert. Zu dieser Zeit versuchte man die Tiere zwar bereits zu bekämpfen, etwa mit Dreschflegeln und Feuer, doch wurden immer noch „Bittgebete“ empfohlen, weil man ihr Auftauchen als Strafe Gottes ansah.

Meine These: Bewusst oder unbewusst zitiert die Erfindung der Tyraniden bei Warhammer 40k das jahrtausendealte Motiv der Wanderheuschrecken. Es geht um gefräßige Schädlinge, die menschliche (Agrar-)Kulturen überfallen, vollständig abweiden und verwüstete Landschaften zurücklassen. Folgende Charakteristika haben die Tyraniden mit den Wanderheuschrecken gemeinsam: Sie sind Insekten bzw insektenartig; sie leben nomadisch (ziehen umher); sie sind zahllos und treten in Schwärmen auf; sie fressen alles kahl und vernichten dadurch menschliche Existenzen; sie werden von Kulturland wie „magisch“ angezogen; und man kann sie weder abwehren noch mit ihnen verhandeln wie mit „gewöhnlichen“ Feinden.

In dem Film „Independence Day“ (1996) wird dieser Topos sogar ausdrücklich im Zusammenhang mit außerirdischen Invasoren zitiert. Dort heißt es über die Aliens:
„Sie sind wie Wanderheuschrecken. Sie ziehen von Planet zu Planet, ihre gesamte Zivilisation. Wenn alle natürlichen Ressourcen ausgebeutet sind, ziehen sie weiter.“


Räuberische Nomaden

Ein weiteres, ganz ähnliches kulturgeschichtliches Trauma spielt außerdem noch mit: Die Erfahrungen sesshafter Hochkulturen mit Nomadenvölkern.

Schon in frühester Zeit bestand eine heikle Beziehung zwischen sesshaften und nomadischen Völkern, die teils von Handel und friedlichem Austausch, öfter aber von Krieg und Plünderung gekennzeichnet war. Dabei waren die Nomaden meist im Vorteil, weil sie mobiler waren, blitzartig zuschlagen und sich mit ihrer Beute in unwirtliche Gebiete zurückziehen konnten, während die Bauern durch verbrannte oder geraubte Ernten ihre gesamte Lebensgrundlage verloren.

Seit etwa 1000 v.Chr. drangen nomadische Reitervölker aus Mittelasien in Europa ein, wobei ihr Auftauchen regelmäßig von Krieg und Plünderung begleitet war. Anfangs waren es iranischssprachige Ethnien wie die Kimmerier, Skythen und Sarmaten, später gemischte Gruppen wie die Hunnen und Awaren, noch später Turkvölker wie die Petschenegen und zuletzt (im 13. Jahrhundert) die Mongolen. Der Grund für diese regelmäßigen Eroberungs-„Wellen“ war geografischer Natur, denn quer durch Eurasien zieht sich ein tausende Kilometer langer Steppengürtel, der vom Donautal bis an die Grenzen Chinas reicht. In diesem Naturraum mit seinen trockenen Steppen war kaum Ackerbau möglich, dafür aber Weidewirtschaft, was zur Folge hatte, dass praktisch alle dort lebenden Ethnien nach und nach zu einem Leben als nomadische Viehhirten übergingen. Zudem lebten in der Steppe Wildpferde, die gezähmt wurden und den Nomaden als Reittiere dienten. So entstanden trotz ethnischer Verschiedenheit sehr ähnliche Kulturen, die in Zelten und auf beräderten Wagen lebten, als Reiterkrieger kämpften und als Hauptwaffe den weitreichenden Kompositbogen führten.

Für die angrenzenden sesshaften Agrarkulturen – vor allem Europa, Nahost und China – bedeuteten die Einfälle der Reitervölker wiederkehrende Eroberungswellen, die als traumatische Überfälle fremdartiger Mächte erlebt wurden. In China zeugt noch heute die große Mauer davon. Was im kollektiven Gedächtnis zurückblieb, war ein Klischeebild plündernder Invasoren, die über friedliche Bauerndörfer herfielen, raubten und töteten, die Felder zertrampelten und die Hütten in Brand setzten. Oft wurden die Eindringlinge entmenschlicht, als Barbaren und halbe Tiere, als mit ihren Pferden verwachsene Zentauren, als Plagen und Gottesstrafen oder als Sendlinge der Hölle dargestellt (Beispiel: „Tataren“ wurde uminterpretiert zu „Tartari“, also „die aus der Unterwelt“). Der Hinweis, dass die Steppenvölker in Wahrheit keineswegs „wild“ oder barbarisch waren, sondern eine teils hochstehende Kunst und Kultur hatten, sollte sich erübrigen.

Der Bezug zu den Tyraniden dürfte klar sein. Auch sie sind „Nomaden“, die ohne festen Wohnsitz umherziehen und von Krieg und Raub leben. Das Konzept dieser Fraktion greift uralte Ängste und traumatische Erfahrungen auf. Damit man mich recht versteht: Ich glaube nicht, dass irgendjemand bei GW so etwas bewusst im Sinn hatte. Aber Fantasy lebt davon, dass sie – bewusst oder nicht - existenzielle Themen, Urängste und Archetypen der menschlichen Kollektivpsyche aufgreift und verarbeitet.

Bei den Tyraniden ist das sogar besonders gut gelungen. Der Horror, der von ihnen ausgeht, besteht ja gerade darin, dass sie die Sehnsucht des Menschen nach festen Ordnungen, Verlässlichkeit und existenzieller Sicherheit nicht nur bedrohen, sondern ad absurdum führen, indem sie die kalte Effizienz eines scheinbar regellosen, räuberischen Nomadentums dagegensetzen. Die „Botschaft“, die von ihnen ausgeht, ist zivilisationskritisch: Was ihr Menschen euch da mit so viel Mühe und Opfern als „Kultur“ zusammengebastelt habt, ist letztlich auch nur hübsch geschmückte Biomasse. Wir hassen euch nicht; ihr seid nicht unsere Feinde – Wir finden einfach, dass ihr gut schmeckt.


Das Grauen des Kollektivismus

Das Universum von Warhammer 40.000 ist nicht nur eine dystopische, sondern auch sozialkritisch konzipierte Welt. Ein ständiges Leitmotiv ist der Kollektivismus als ultimative Bedrohung der menschlichen Freiheit und Individualität. So ist zum Beispiel das Imperium, bei aller Verschiedenheit einzelner Welten, eine weitgehend gleichgeschaltete Gesellschaft mit totalitärer Ideologie und allgegenwärtiger Vereinnahmung des Einzelnen für das Ganze. Einen etwas anderen, aber nicht wirklichen sympathischeren Kollektivismus zeigen die T’au. Auch bei ihnen hat der Einzelne wenig Bedeutung, sondern fügt sich in seine Kaste und hat ausschließlich dem „höheren“ (Gemein-) Wohl zu dienen. Hinter alldem stehen natürlich die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts mit Faschismus und Ostkommunismus.

Kollektivistische Dystopien haben in England, der Heimat von Games Workshop, eine gewisse Tradition. Vor allem britische Schriftsteller haben dazu beigetragen. Zu nennen wären „Brave New World“ von Aldous Huxley (1932) und natürlich „Nineteen Eighty-Four“ von George Orwell (1948). In „Brave New World“ ging es vorrangig um eine gentechnische Kasten-Determination: Menschen werden für ihre jeweiligen gesellschaftlichen Aufgaben planmäßig gezüchtet. Bei George Orwell lag der Fokus mehr auf Überwachung, Propaganda und Gehirnwäsche, deutlich gemünzt auf den zeitgenössischen Stalinismus.

Mit den Tyraniden hat Games Workshop eine dritte kollektivistische Fraktion ins 40k-Universum eingeführt. Sie nämlich sind der perfekte Ameisenstaat und im Unterschied zum Imperium eine wirklich funktionierende Kollektivgesellschaft. Das ist es gerade, was sie so unheimlich macht. Sie brauchen das Individuum nicht zu unterdrücken, denn es gibt bei ihnen keine Individuen. Sie haben weder Indoktrination noch Gehirnwäsche nötig; alles funktioniert reibungslos; jedes Geschöpf kennt seinen Platz und erfüllt ohne innere Konflikte seine Aufgabe. Gerade das ist der „Horror“ bei den Tyraniden, denn keine noch so gewaltsame Unterdrückung des Einzelnen könnte der Schreckensvision gleichkommen, dass es in einer Gesellschaft gar keine Einzelnen mehr gibt, dass das Subjekt sich vollständig in der Masse auflöst. Niemand ist mehr als seine Funktion: Der eine ein lebender Panzer, der andere ein lebendes Geschütz, der dritte ein lebender Brutkasten. Für Menschen ist diese Vorstellung erschreckend, weil wir uns gerade durch das definieren, was an uns nicht funktional ist, sondern unabhängig und einzigartig. Niemand möchte ein bloßes Rädchen im Getriebe, ein austauschbares Werkzeug sein. Genau das aber sind die Tyraniden, und bei ihnen greifen die vielen Rädchen so perfekt ineinander, dass sie den komplexeren Individualgesellschaften anderer Fraktionen sogar meistens überlegen sind. Sie mögen Verluste dabei einstecken, aber es kümmert sie nicht, denn jedes Einzelteil im Superorganismus ist entbehrlich. Am Ende triumphieren sie womöglich, weil ihr Gesellschaftskonzept in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Evolution steht: Der Einzelne ist wertlos und sein Überleben gleichgültig; nur auf das Überleben der Art kommt es an.

Die Tyraniden als Erfindung werfen eine gruselige Frage auf: Könnte es sein, dass ein perfekter Kollektivismus am Ende den Sieg über Gemeinschaften autonomer Individuen davonträgt? Und zwar nicht durch eine revolutionäre (=politische), sondern evolutionäre (=natürliche) Entwicklung: weil es schlicht besser funktioniert. Wenn gleichgeschaltete Systeme sich als wirtschaftlich oder militärisch effizienter erweisen, wäre der Selektionsvorteil auf ihrer Seite. Das denkende Subjekt, ursprünglich selbst ein Produkt der Evolution, könnte untergehen, weil es in der Konkurrenz mit dem perfekt angepassten Schwarmwesen unterliegt. Die Menschheit könnte vergehen – Ameisen könnten überdauern. Diese Drohung verkörpern die Tyraniden.
 

Dragunov 67

Tabletop-Fanatiker
Und jetzt hätt ich gerne einen Physiker, der mir die Technologie der Nekrons erklärt 😅
Materietransfer,Antigrav uä hat Haku Michio in Bezug auf Star Trek erklärt (wäre mit der passenden Energiequelle heute schon einiges machbar), an Nanotechnologie wird schon gearbeitet,nur mit der Desintegration von Materie (haben Necrons das noch) wäre es nicht so toll,das wäre wohl an beiden Enden kein tolles Erlebnis.🤷
 

beetlemeier

Malermeister
Mir sind noch zwei Fragen eingefallen, die beide in Richtung (individuelle) Intelligenz/Kommunikation gehen (auch hier: Wenn das schon besprochen wurde, hab ich es übersehen):

-"Spiegeltest": Wie würde das bei den Tyraniden ausschauen? Besteht den keiner? Oder alle? Kann mir einerseits nicht vorstellen, dass sowas für die normalen "Krieger" gilt, aber manche Organismen dürften da doch aufgrund der taktischenn/strategischen Notwendigkeiten auf einem Schlachtfeld/einem Krieg/einem Feldzug ein gewisses Eigenbewusstsein haben?! 🤔

-Kommunikation: Müsste bei so einer Spezies wie den Tyras nicht doch irgend eine grundlegende Verständigung (im Sinne von "Ich verstehe Deine verbalen/non-verbalen Botschaften", NICHT im Sinne von "Wir verhandeln über einen Waffenstillstand")möglich sein? Handzeichen wie bei "Koko" (falls das alles so stimmte...) zB?
 
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