So, auch wenn ich mir mehr Feedback wünschen würde, mach ich mal weiter, ich glaube, ich sollte meine👎 Leser nicht so lange warten lassen.
In den Bergen
Altar der Absoluten Dunkelheit; westliches Naggaroth
2567 IC; 7. Abnehmender Mond
Langsam klärte sich die Schwärze und wich einem Licht. Sisrall schlug die Augen auf. Über sich konnte er einen leicht gräulichen Himmel sehen und die Sonne schien auf ihn hinab. Doch irgendwie lag seine Umgebung im Schatten. Der Assassine konzentrierte sich auf seinen Körper. Sein Rücken schmerzte vom Aufprall auf den Fels und zahlreiche Muskeln waren gezerrt. Doch alles in allem schien er glimpflich davon gekommen zu sein. Er erinnerte sich noch gut an die Ereignisse im Schattenreich und den Kampf danach. Er bereute seine Dummheit, Tar’atris mit dem Schlüssel abzustechen. Aber der verdammte Häuptling hat es eindeutig verdient. Wer mich erst in seinen Dienst zwingt und mich verurteilt, weil ich mich gegen seine verräterischen Söhne gewehrt habe, brauch nicht auf Gnade zu hoffen. Nun schmort er an meiner statt im Reich der ewigen Dunkelheit.
Sisrall stemmte sich mühsam hoch. Er brauchte unbedingt eine Pause. Die letzten zwei Tage hatten nur aus Läufen und Kämpfen bestanden. Doch er hatte eine Aufgabe. Khaine selbst erwartete von ihm, dass er mithalf, die Druchii zu retten. Und die Auserwählten, die Statuen um den Altar, wollten, dass er einer der ihren wurde. Das war auch sein Ziel. Khaine hatte von etwas namens Marilim gesprochen, doch Sisrall hatte keine Ahnung, was das sein sollte.
Als erstes muss ich aus diesen Bergen, dachte er. Er sah sich um. Nicht weit entfernt lag hinter einigen Felsen eine Wolke aus schwärzester Dunkelheit, wie ein Loch in der Welt. Er hatte den Altar der absoluten Dunkelheit zerstört. Die einstmals mächtigen Obelisken waren zu Staub geworden und er wusste nicht mehr, durch welches der drei Tore sie gekommen waren und durch welches er geflohen war. Aber es spielte keine Rolle. Auch wenn er fühlte, dass die Schatten seine Verbündete waren, wollte er nicht überprüfen, was geschehen würde, sollte er in die Dunkelheit treten. Nein, der Weg war ihm versperrt. Also wandte er sich in die andere Richtung und setzte sich in Bewegung. Viel Auswahl gab es nicht. Am Anfang wurde er schmale Weg auf beiden Seiten von hohen Felswänden begrenzt und später ging die linke in eine bodenlose Schlucht über.
Sisrall schätzte, dass er etwa nach Osten wanderte, doch genau wusste er es nicht. Er wanderte in einem gleichmäßigen Tempo, das er lange durchhalten konnte, ohne zu langsam zu werden. Auf der anderen Seite der Schlucht sah er ebenfalls hohe, steinerne Wände, die schnell in zerklüftete Gipfel übergingen. So verging die Zeit recht eintönig. Irgendwann nach einigen Stunden Wanderung endete die Schlucht neben dem Weg und wechselte sich übergangslos mit einer weiteren Felswand ab. Während des Marsches sah er weder Tiere noch Bäume oder Büsche. Nur einige Moose und Flechten klammerten sich in Risse im Gestein.
Als die Dunkelheit über die Berge hereinbrach und Sisrall völlig im Schatten der hohen Berge wanderte, übersah er beinahe die Höhle in der östlichen Felswand. Er kehrte um und sah noch einmal genauer hin. Tatsächlich! Dort klaffte ein Spalt im Gestein, kaum breit genug für zwei Druchii nebeneinander. Es war ein dunkles Loch und Sisrall wünschte sich eine Fackel. Er überlegte. Der Weg hatte inzwischen die Richtung geändert und führte ihn nach Süden, tiefer ins Eisengebirge. Aber dort gab es nichts, was ihn interessiert hätte. Er wollte seinem Volk beistehen und die Schlachten würden im Osten, im Herzen von Naggaroth, ausgetragen werden. Also betrat er vorsichtig das dunkle Loch. Indem er sich mit einer Hand an der Wand entlang tastete, folgte er dem Verlauf der Höhle tiefer ins Gestein.
Nach einiger Zeit ging ihm auf, dass die Moose in den Wänden der Höhle ein sanftes Licht verbreiteten, gerade genug für seine empfindlichen Augen, um Umrisse zu erkennen. Er dankte seinen Ausbildern, dass sie darauf bestanden hatten, den Tempel dunkel zu halten, um die Novizen an derartige Verhältnisse zu gewöhnen. Für Sisrall verlor die Zeit jede Bedeutung, als er immer tiefer ins Dunkel wanderte, immer einen Schritt vor den anderen setzend, bis er müde und erschöpft von den Kämpfen der letzten Tage zu Boden sank und sich an eine Wand lehnte. Er schloss die Augen, war aber viel zu nervös, um schlafen zu können. Er wusste, dass er das dringend nötig hatte, doch er konnte sich nicht dazu zwingen. Also entspannte er seine Muskeln und dachte nach. In den letzten zwei Tagen war einfach zu viel passiert.
Die wichtigste Frage war, was er jetzt tun sollte. Er hatte eine Aufgabe, aber keine Idee, wo oder wie er anfangen sollte. Er hatte sich entschlossen, nach Osten zurück zu kehren und die Eisenberge zu verlassen. Aber war das richtig? War es vielleicht ein Fehler gewesen, den Altar zu vernichten? Das war in jedem Fall ein Fehler gewesen, da es ihn fast das Leben gekostet hatte. Er beschloss, keine Trübsal zu blasen. Viverla’atar war wahrscheinlich tot, aber er hatte sie gerächt. Khaine und seine Auserwählten hatten etwas Besonderes in ihm gesehen, sonst hätten sie ihm die Aufgabe nie gegeben. Also musste es einen Weg geben. Die Zerstörung des Altars ließ sich nicht rückgängig machen, aber womöglich war das auch nicht nötig. Er würde schon einen Weg finden.
Ein Geräusch riss ihn aus seinen Überlegungen. Ein leises Grollen und Schnüffeln. Es klag gar nicht so fern und sehr bedrohlich. Sisrall erhob sich und schlich den Gang entlang, der weg vom Urheber des Geräuschs führte. Seine Schritte machten keinen Laut, doch das Schnüffeln hinter ihm machte ihm klar, dass das Wesen, das dort in der Dunkelheit lauerte, andere, feinere Sinne hatte. Sisrall trat plötzlich gegen einen kleinen Stein, der krachend gegen die Wand flog. Sofort hörte das Schnüffeln auf und das leise Grollen wurde durch ein markerschütterndes Brüllen abgelöst. Während Sisrall so schnell rannte, wie ihn seine müden Beine trugen und dabei hoffte, nicht gegen die Tunnelwand zu knallen, ertönten hinter ihm schwere, donnernde Schritte. Sie kündeten von beträchtlicher Masse und Kraft. Und sie kamen immer näher. Sisrall sah nicht über die Schulter. Er blickte angestrengt in die Finsternis voraus. Das schwache Licht der lumineszierenden Moose ermöglichte es, die Umrisse der Höhle zu erkennen, sodass er wenigstens den Weg fand. Aber offenbar war er nicht der einzige. Seine Verfolger schlugen zwar immer wieder geräuschvoll gegen den Stein, doch der Assassine vermutete, dass sie das eher mit Schwänzen oder ihren Rümpfen taten als mit dem Kopf voran.
Immer, wenn Sisrall an eine Abzweigung kam, wählte er ohne zu zögern, doch er konnte die Wesen hinter ihm nicht abhängen. Aus dem Klang ihrer Schritte hatte er inzwischen geschlussfolgert, dass es mehrere sein mussten. Sisrall war kein schlechter Läufer und die Rüstung behinderte ihn nicht. Er kam sich wahnsinnig schnell vor, wie er durch die Höhle rannte, und wollte lieber nicht daran denken, was geschehen würde, sollte er in der Geschwindigkeit gegen die Felswand prallen. Doch seine Geschwindigkeit reichte offenbar nicht. Seine Verfolger holten stetig auf und ermüdeten im Gegensatz zu ihm nicht. Es waren wirklich gefährliche Jäger.
Sisralls Beine wurden immer schwerer. Jeder Atemzug brannte in seiner Lunge. Offenbar war die Luft in der Höhle staubig. Außerdem fühlte er die Erschöpfung. Die letzten Tage waren zu viel gewesen. Und dann geschah, was er befürchtetet hatte. Mit einem Scheppern krachte er gegen stabilen Fels und seine Verfolger konnten keine fünfzig Schritt mehr entfernt sein, so deutlich klag ihr dröhnender Atem. Sisrall betastete panisch das Hindernis vor ihm. Eine Wand ragte quer durch den Tunnel. Halt! Nicht ganz. Dort war ein schmaler Spalt, kaum groß genug für einen Elfen. Er bezweifelte, dass er dort mitsamt der Rüstung schnell genug durchkommen würde, doch er hatte keine Wahl. Aufgeben und den unbekannten Höhlenbestien zum Opfer fallen, wollte er nicht. Er schob zuerst einen Arm hindurch. Die Barriere war nicht dick, er würde sich nicht lange hindurch quetschen müssen. Also ließ er schnell das Bein folgen und zwängte sich in die Lücke, doch er kam nicht weit. Ohne über die Schulter zu blicken, änderte er seine Vorgehensweise und steckte zuerst den Kopf hindurch und ließ den Körper dann folgen. Das ging, doch die Verfolger waren inzwischen unangenehm nah. Noch einmal würde er nicht umdrehen können. Er zog sich mühsam mit den Händen voran und schaffte die Beine durch den Spalt. Doch seine Füße waren noch auf der anderen Seite und der linke Stiefel klemmte fest. Er zog und zerrte, doch ohne zu sehen, woran der Fuß hing, hatte er keine große Hoffnung. Dann hörte er das Brüllen der Verfolger keine zwei Schritt hinter sich. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm schlugen die schweren Wesen gegen die Felsbarriere und schnappten auch nach seinem Fuß. Er fühlte eine heiße Schnauze, die nach seinem Stiefel zuckte. Der Treffer ließ ihn keuchen, die Wesen hatte wahrlich eine teuflische Kraft. Doch der Fuß war frei gekommen und nur gestreift. Die Zähne der Bestie hatten ihn nicht zu fassen bekommen. Sisrall zog sich schwer atmend weiter. Schnell stand er wieder auf. Seine Verfolger schlugen lautstark gegen die Felsbarriere. Sie rochen ihre Beute und wurden wahnsinnig, weil sie ihn nicht erreichten.
Da Sisrall nicht daran zweifelte, dass sie früher oder später durchbrechen würden, beeilte er sich, Abstand zu gewinnen. Hier gab er keine leuchtenden Moose mehr, doch er setzte schnell einen Schritt vor den anderen. Aber er kam nicht weit. Ohne Vorwarnung ging ein Schritt ins Leere, als der Boden nicht mehr vorhanden war. Er verlor den Halt und stürzte vornüber. Zu seinem Glück fiel er nicht tief. Schon nach einem Meter tauchte er mit einem Klatschen in kaltes Wasser. Obwohl er oben kein Plätschern gehört hatte, war die Strömung gewaltig. Sisrall kämpfte sich an die Oberfläche, hatte aber keine Chance, seine Richtung zu verändern. In haltlosem Tempo ging es abwärts und der Assassine wurde gnadenlos mitgerissen. Er konnte nichts sehen und das Rauschen des unterirdischen Baches übertönte alle anderen Geräusche. Nur einmal glaubte, das Brüllen seiner wütenden Verfolger zu hören. Doch er war keineswegs gerettet. Er kannte weder die Richtung des Wassers, noch wusste er, ob er nicht im nächsten Moment gegen einen Felsen geschleudert werden würde.
Er konnte nur hoffen und zu Khaine beten.
Unterweltmeer; Unterwelt
2567 IC; 8.Neumond
Während Yetail die ältere Zauberin, die sich gerade als ihre Mutter offenbart hatte, nur anstarren konnte, wurde die Stille um sie herum jäh zerrissen. Ein wütendes Zischen ertönte, als Armbrustbolzen durch die Luft fegten, achtern erklangen Schreie. Schwerter wurden gezogen und Befehle gebrüllt. Doch für all das hatte Yetail keinen Blick. Denn plötzlich sackte Erlais nach vorn und warf sie beinahe um. Nur mit Mühe gelang es der jungen Hexe, die Erzzauberin zu halten. Sie spürte, wie ihn eine warme Flüssigkeit durch die Finger rann und auf die dunklen Planken tropfte. Rasch holte sie ihre Lichtkugel dichter. Aus Erlais‘ Rücken ragte ein gefiederter Bolzen. Sie wollte danach greifen, doch es war schon zu spät. Das Herz der Druchii hatte aufgehört zu schlagen und auch die Lunge war in Mitleidenschaft gezogen worden. Erlais war innerhalb eines Augenblicks tot gewesen und Yetail wusste, dass niemand ihr mehr helfen konnte. Sie retten vielleicht nicht, aber sie zu rächen, ist noch möglich.
Sie spürte die Hitze des Zorns in ihr und konzentrierte sich darauf, zog Kraft daraus. Im Schein der Feuer sah sie eines der Piratenschiffe, das sich neben ihres legte. Die Schützen in den Mastkörben luden bereits ihre Armbrüste nach. Yetail breitete die Arme aus und zog Magie aus der Umgebung ab. Schlagartig wurde es kühler, doch das war ihr egal. Ihr Körper brannte förmlich. Sie sammelte jeden Funken arkaner Kraft, den sie zu fassen bekam und sandte die Energie in ihre Fingerspitzen, die sie zusammenpresste. Als sie sie wieder löste, schlugen gleißende Flammen zwischen den Kuppen umher, die immer heller und dünner wurden, je weiter Yetail ihre Hände trennten.
Dann machte sie eine Bewegung, als wolle sie mit beiden Händen Steine werfen. Als ihre Finger in Richtung des feindlichen Schiffes zeigten, genügte ein einziger mentaler Befehl. Bögen aus gleißenden Flammen peitschten durch die Luft und schlugen funkensprühend in Planken und Leiber. Sie konnte sehen, wie der Mann am Heck noch einen Abwehrschirm erzeugte, der jedoch wie Glas unter dem Treffer des Feuers zerbarst. Mit aufgerissenen Augen wurde der Hexer getroffen und verbrannte zu Asche. Das ganze Schiff brannte inzwischen, doch Yetails Zauber hatte noch immer Kraft.
Plötzlich ertönte wieder dieser Klang aus der Tiefe, der ihre Knochen vibrieren ließ. Ein Schatten schoss durchs Wasser und dann schnellte ein riesiges Wesen durch die Oberfläche. Yetail hielt den Atem an. Es war ein Drache der Tiefe und er warf sich zwischen sie und das Piratenschiff. Dann griff er an. Mit titanischer Kraft rammte er das überladene Schiff. Etliche gingen über Bord, doch es war noch nicht vorbei. Mit einem Schlag seiner gewaltigen Flossen katapultierte sich das Wesen aus dem Wasser. Als er über dem Schiff hing, konnte Yetail rot funkelnde Schuppen und messerscharfe Zähne erkennen. Trotz seines Gewichts schnellte das Wesen über ihr Schiff hinweg und zerschmetterte den mittleren Mast als wäre er ein dünner Zweig.
Die junge Zauberin lenkte voller Verzweiflung die feurigen Bögen, die noch immer aus ihren Finger schossen, gegen das Untier. Es dröhnte vor Schmerz und etliche Schuppen schmolzen unter der Hitze. Mit Schrecken sah Yetail, wie einer der Bögen direkt ins Maul der Bestie schlug und dort verheerenden Schaden anrichtete. Dann erlosch ihr Zauber und sie fühlte sich ausgelaugt. Einige Bögen hatten ein weiteres Schiff angesengt, doch die Piraten hatten die drei verfolgten Schiffe aufgebracht und enterten sie. Als einige der Seeräuber vorsichtig auf sie zukamen, zog Yetail ihr Schwert.
Sie trat zu Erlais Leichnam und riss ihr das Amulett vom Hals. Sie wusste, dass sie es nehmen sollte. Sie steckte es in eine Tasche und spürte dort das kleine Buch. Doch die Seedrachen beherrschen mit ihren Flossen die Elemente, besonders natürlich das Wasser, wie kein zweites Wesen. Deshalb wird auch ein Stück einer eben dieser Flossen benötigt. Sie blickte sich um. Neben dem Mitteldeck des Schiffes trieb der Seedrache. Er rührte sich nicht mehr. Yetail packte ihr Schwert fester und rannte los. Sie trat einem der Piraten gegen das Knie und wehrte den Hieb eines anderen ab. Den dritten ließ sie einfach stehen. Sie stürzte sich ins Gemenge auf dem Hauptdeck und versuchte, zur Reling zu kommen. Sie drückte Druchii beiseite und stach hin und wieder zu. Mehrmals entging sie nur knapp einem Treffer, aber sie schaffte es. Sie blickte nicht nach unten, sondern sprang einfach. Etwas unsanft prallte sie auf die Schuppenhaut des regungslosen Seedrachens. Sie war sich sicher, dass er nur bewusstlos war, wollte also nicht zu viel Zeit auf ihm verbringen. Rasch rannte sie zur Rückenflosse. Es war wie bei einem Fisch eine dünne Membran, jedoch ungleich größer und kräftiger. Dicke Adern hoben sich deutlich vor der blassen Oberfläche ab. Yetail hob ihr Schwert und trennte ein Stück aus der Flosse. Sie war so dick wie ihre Finger und obwohl das Stück klein war, lag es schwer in der Hand. Sie steckte es ebenfalls in eine Tasche.
Mit einem Klatschen landete sie im Wasser, als sich der Seedrache aufbäumte. Er stieß erneut einen dröhnenden Laut aus, der von Schmerz kündete und schlug um sich. Die Kälte des Wassers sandte kribbelnde Krämpfe durch Yetails Körper und vor Überraschung und Schock öffnete sie den Mund. Sie schluckte eisiges Wasser und kam prustend und würgend wieder an die Oberfläche. Als sie ihre Atmung wieder unter Kontrolle hatte, sprach sie einen Zauber gegen die Kälte und blickte zurück. Die Schiffe wurden geentert und das eine der Piraten war nur noch ein Wrack. Dann bemerkte sie mit Entsetzen, dass der Seedrache verschwunden war. Sie entschied sich für eine Richtung und schwamm los. Obwohl sie kräftig war, ließ sie die Kälte und die Erschöpfung, sowie die Trauer über Erlais‘ Tod sie schnell ermüden. Außerdem keuchte sie noch immer vom Wasser, das sie geschluckt hatte.
Hinter ihr hörte sie ein leises Plätschern und beschleunigte ihre Schwimmzüge. Doch sie sah weder ein Ufer noch ein anderes Ziel, das ihr Rettung geboten hätte. Sie wusste, dass sie es nicht mehr schaffen würde. Dennoch schwamm sie weiter. Nach mehreren langen Minuten kam ihr der Verdacht, dass der Seedrache sie womöglich gar nicht verfolgte. Er hätte sie doch schon längst erreichen müssen. Oder spielte er mit ihr? Der Gedanke ließ sie schnell weiter schwimmen. Doch dann hörte sie den seltsamen Laut der Drachen aus der Tiefe. Er kam direkt von unten.
Völlig in Panik strampelte Yetail um sich und erwischte dabei etwas Festes mit den Fingern. Land! Sie schwamm näher und fühlte eine Kante. Sie war nicht hoch. Yetail wollte sich hochziehen, doch sie war am Ende. Ihr Zauber war immer schwächer geworden und nun kroch die Kälte unbarmherzig in ihre Gliedmaßen. Sie schaffte es nicht mehr, sich auf den Fels zu ziehen. Der Seedrache würde sie gleich packen. Sie konnte schon die Wirbel im Wasser spüren, die seine Annäherung verrieten. Doch selbst die Furcht vor dem Tod konnte ihr keine Kraft mehr geben. Ihre Finger rutschten von der rettenden Kante und sie sank ins Wasser. Kälte schlug über ihr zusammen und sie schluckte. Ihre Lungen brannten und sie sank langsam tiefer.
Ein letzter Gedanken zuckte ihr durch den Kopf. Verzeih mir, Mutter.