Natriks finsterste Schublade

Fettmann

Aushilfspinsler
Cathay, Himmelsberge, 1124IC




I.


Pochen. Jemand hämmerte mit einem Eisenschlegel von innen gegen seinen Schädel. Er hatte seine Augen geschlossen und Sterne tanzten in der Dunkelheit umher. Der Schnee klebte an seinem Umhang und kaltes Wasser sickerte durch den groben Stoff. Nicht, das es ihm etwas ausgemacht hätte. Sein Fell war ohnehin nass und angefroren. Wenigstens hatte das ewige Gehen ein Ende. Sie waren nun schon seit drei Tagen fast ununterbrochen auf den Beinen und stiegen den endlosen Berg hinauf. Ihr Meister hatte sie hierher geführt. Er sagte ihnen, am Dach des Himmels findet man den Willen zu töten. Nun, zumindest den Tod hatten einige gefunden. Den Hass auf den Meister gab es jedoch für alle gratis dazu. Fünfzehn Brüder waren sie gewesen. Jetzt waren nur noch Sieben übrig.
Stahl berührte seine Kehle und Natrik riss die Augen auf. Meisterassassine Kizzak beäugte ihn. „Wer schläft der stirbt, Narr“ flüsterte er mit seiner ihm typischen Singsang Stimme. „Möchtest du sterben Ratte? Der Weg ist noch weit... ja sehr weit-weit und deine Brüder sind hungrig.“ Er grinste und entblößte eine Reihe spitzer scharfer Zähne. Ohne eine Antwort abzuwarten zog er die Klinge zurück, wandte sich ab und stapfte durch den Schnee davon. „Es geht weiter Faulpelze!“ herrschte er die am Boden liegenden Skaven an.
Sie alle erhoben sich und gaben sich alle Mühe, ihre Müdigkeit und Schwäche voreinander zu verbergen. Kizzak hatte keine Essensvorräte für die fünf tägige Reise mitnehmen lassen und jeder wusste, was das bedeutete.
Natrik reihte sich in die Kolonne der Assassinenadepten ein. Das Wetter wurde schlechter und ein kalter Wind wirbelte den am Boden liegenden Schnee auf. Die Skaven hüllten sich in ihre langen, dunkelbraunen und schwarzen Leinenmäntel. Über ihnen, halb verborgen und düster von der grauen Wolkendecke war ihr Ziel in Sicht. Das Dach der Welt, wie Kizzak es nannte. Kizzak behauptete, es sei der höchste Berg in Cathay, auf dem sie je stehen würden. Natrik hatte keine Grund, ihm nicht zu glauben.
Der Aufstieg hatte ewig gedauert, aber nun hatten sie den größten Teil des Weges hinter sich gebracht. Zu Anfang war der Weg unbeschwerlich gewesen. Die Adepten eilten voller Eifer dem Gipfel entgegen, den alten Meister stets im Rücken. Zu diesem Zeitpunkt gingen sie auch noch davon aus, dass es Pausen geben würde. Als die Sonne am ersten Tag untergegangen war, hatte Dretzlik gefragt, wann sie das Nachtlager aufschlagen würden. Kizzak antwortete, dass er rasten darf, wenn er erfroren war.
Seitdem waren sie ununterbrochen auf den Beinen. Mühsam schleppten sie sich die Schneehänge hinauf, überquerten Sättel, über denen der eiskalte Wind peitschte und kletterten steile Klippe hinauf. Flinkwurm war dabei nach unten gestürzt, nachdem ihm ein Stein auf den Kopf gefallen war. Natrik hielt es allerdings für unwichtig den anderen mitzuteilen, dass er es war, der den Stein aus Versehen gelöst hatte. So etwas behielt man besser für sich.
Er wühlte sich weiter durch den hüfthohen Schnee, auf eine etwa vierzig Meter hohe Steilklippe zu. Die Aussicht, bei diesem Wind den eisglatten Stein hinaufzuklettern erfüllte Natrik mit Unbehagen. Er warf einen Blick hinüber zu Skartz. Der Skaven schob mit seinen kräftigen Armen den Schnee beiseite und achtete nicht auf seinen Bruder links neben ihm. Die Situation nutzend, wandte sich Natrik nach rechts und nutzte Skartz' Elan für sich selbst, indem er hinter ihm die vorgefertigte Laufspur nutzte. Auf diese Weise gelangte er ohne größere Anstrengung zu der Klippe.
Die Skaven des Eshin Clans sammelten sich an der Felswand. Schweigend und sich gegenseitig misstrauisch beäugend streiften sie sich ihre Kletterhandschuhe über. Das dünne Leder der Handschuhe war besetzt mit schwarzen Stahlhaken, welche sich zum klettern als auch zum kämpfen bestens eigneten.
Jeder der Skaven wählte einen Aufstiegsort, möglichst weit Abseits der Anderen. Niemand war darauf aus, plötzlich einen Stein auf den Kopf zu bekommen.
Natrik krallte sich in den zerfurchten Stein und fing an zu klettern. Schon nach kurzer Zeit brannten ihm Arme und Beine von der Anstrengung. Er verfluchte sich selbst und vor allem Meister Kizzak und konzentrierte sich auf seine Bewegungen, entschlossen durchzuhalten.
Plötzlich hörte er einen quiekenden Schrei, er drehte den Kopf zur Seite und sah ein wedelndes Bündel aus Gliedmaßen, Fell und schwarzem Mantel an sich vorbei sausen. Der Skaven, Natrik konnte nicht erkennen um wen es sich handelte, schlug dumpf in dem Schnee auf und rollte mit erstaunlicher Geschwindigkeit den Schneeabhang am Fuß der Klippe hinunter. Ähnlich hatte sich auch der Körper von Flinkwurm verhalten stellte Natrik grübelnd fest. Er schob seine abschweifenden Gedanken beiseite und widmete seine Kraft wieder dem Stein. Den Blick konzentriert nach oben gerichtet, schob er sich Zoll um Zoll an der Wand nach oben, bis seine Hände plötzlich eine Kante zu fassen bekamen. Vor Überraschung hätte er fast losgelassen, entschied sich aber dann doch anders und zog sich unbeholfen über den Rand der Klippe.
Er hob den Blick und sah seinen Meister im Schnee sitzen. Neben ihm wartete bereits Skartz. Aus der Art und Weise, wie Skartz dort im Schnee lag und schnell atmete, konnte Natrik darauf schließen, dass er nicht viel langsamer als sein Bruder gewesen war.
Mit dem letztem Stück Eleganz das ihm geblieben war, erhob sich Natrik aus dem Schnee und setzte sich ein paar Schritte neben seinem Meister in den Schnee. Er wartete einige Minuten und beobachtete den Rand der Schlucht. Eine Hand tauchte aus dem Nichts auf, tastete blind umher und krallte sich schließlich in eine Spalte. Eine zweite Hand gesellte sich hinzu und schließlich erschien Dretzliks Kopf und bald darauf sein Körper. Dretzlik kroch auf allen Vieren, völlig erschöpft vom Abgrund weg. Meister Kizzak hob missbilligend eine Augenbraue, sagte jedoch nichts.
Sie warteten gemeinsam weitere Zehn Minuten. Niemand kam.
Schließlich erhob sich Kizzak langsam und blickte seine drei verbliebenen Schüler an. „Ich wusste, dass die anderen es nicht mehr schaffen. Sie waren schon unten völlig kraft-kraftlos, kaum imstande durch den Schnee zu laufen.“ Seine Stimme hob und senkte sich zum Rhythmus des pfeifenden Windes. „Ihr drei dort, erhebt euch jetzt wieder. Wir haben es bald geschafft, oben auf dem Dach werden wir gemeinsam meditieren. Wenn die Gehörnte Ratte euch mit Einsicht gesegnet hat, werdet ihr vielleicht Weisheit finden.“ Kizzak schaute noch einmal den am Boden liegenden Dretzlik an, dann wandte er sich ab und ging sicheren Schrittes den Abhang hinauf. Natrik und Skartz folgten, Dretzlick erhob sich zitternd aus dem Schnee und trotteten dem Trio hinterher.
Der Weg war nun bei weitem nicht mehr so steil wie zu Anfang stellte Natrik fest. Graue Felsen erhoben sich aus dem nun seichter gewordenem Schnee. Der Wind wehte nach wie vor sehr stark und pfiff zwischen den Steinen. Die Vier Gestalten bahnten sich einen Weg durch den umher tanzenden Schnee, den Blick stets nach vorne gerichtet. Schließlich blieb Kizzak stehen und deutete mit einer Klaue zu einem etwa zwanzig Meter hohen, zylinderförmigen Felsen. Halb zu seinen Schülern gewandt erklärte er: „Das Horn der Ratte, kleine Skaven“ er kicherte, „Der höchste Punkt in Cathay. Ihr habt ihn erreicht.“ Und mit einem spöttischen Blick zu Dretzlik fügte er hinzu: „Unser Nachtlager.“






II.


Sie suchten sich eine Stelle, die weniger stark vom Schnee bedeckt war, teilweise sogar kahl, so dass der schwarze Felsen sichtbar war. Im Halbkreis, mit einem Abstand von etwa drei Schritten zueinander errichteten sie sich jeder einen Schneehaufen, um sich vor der Witterung zu schützen. Natrik zog die Beine an den Körper und hüllte sich in seinem nassen Umhang ein. Er gab vor, die Augen zu schließen, ließ seine Lieder aber einen winzigen Spalt offen um seine Brüder beobachten zu können.
Skartz fummelte eine Weile mit den Händen an seiner Kapuze herum und kam schließlich in einer ähnlichen Position wie Natrik zur Ruhe. Sein Meister saß im Schneidersitz, in sich zusammengefallen mit dem Blick nach unten vor seinem Schneehaufen. Dretzlik saß vor seinem behelfsmäßigem Unterstand und hatte die Augen geschlossen. Er wiegte sich langsam vor und zurück und kam nach einigen Minuten zum stehen. Seine Brust hob und senkte sich sanft und seine Schnauze zuckte unregelmäßig.
Natrik warf einen Blick zu Skartz. Skartz starrte zurück. Ein kurzer Blick zu Kizzak. Der Meister hatte sich unbemerkt im sitzen aufgerichtet und beobachtete das Geschehen aufmerksam. Er nickte fast unmerklich und verharrte dann in seiner Position, die wachen Augen auf seine Schüler gerichtet.
Natrik und Skartz erhoben sich lautlos, die Augen auf den schlafenden Dretzlik gerichtet. Ihre Umhänge flatterten im Wind und der Schnee tobte um sie herum.
Skartz zog einen Dolch aus seinem Umhang hervor und Natrik bewaffnete sich mit einem Wurfmesser. Sie schlichen auf Dretzlik zu, kreisten ihn ein. Mit einem quitschenden kratzen von Krallen auf nacktem Stein sprang Skartz vorwärts. Das Geräusch war genug, um Dretzlik aufzuwecken. Er schlug die Augen auf und war sofort hellwach. Zu spät für ihn, Skartz flog auf ihn zu und versenkte den Dolch in Dretzliks Bauch. Dieser kreischte auf und schlug mit seinen Krallen bewehrten Handschuhen um sich, fuhr Skartz einmal über das Gesicht und stieß ihn so zurück. Jetzt, da die Sicht frei war schleuderte Natrik sein Messer auf den sich erhebenden Dretzlik. Das Messer fand zielsicher seinen Weg in die Kehle des Skaven und schleuderte ihn zu Boden. Dretzlik wälzte sich auf dem Boden hin und her und gab schreckliche Geräusche von sich.
Skartz hatte sich derweil aufgerappelt, Hass loderte in seinen Augen auf und Blut lief ihm aus tiefen Schnitten quer über das Gesicht. Ein Stück seines Ohres fehlte. Er sprang erneut auf Dretzlik zu und stach wild auf ihn ein.
Natrik rannte vorwärts, um sich seinen Teil der Beute zu holen, auf einmal fuhr Skartz herum, das blutverschmierte Messer in der Hand und fauchte ihn an. Natrik sprang zur Seite, zog im Flug ein weiteres Messer, rollte sich auf dem Boden ab und kam zwei Schritte neben Skartz wieder auf die Füße. Ein Tanz folgte, wie ihn nur ausgebildete Assassinen führen konnten. Sie stachen Aufeinander ein, die Hiebe waren größtenteils Finten, Versuche, den Gegner hervorzulocken und seine Deckung zu entblößen. Geschickt wichen sie sich gegenseitig aus, duckten sich unter den Stichen hinweg oder sprangen zu Seite.
„GENUG!“ donnerte Kizzak mit fester Stimme. Sofort hielten die Adepten inne, brachten einen gehörigen Abstand zwischen sich und richteten ihren Blick auf ihren Meister. Kizzak hatte sich erhoben, ein langes, leicht gekrümmtes und messerscharfes Schwert in der Hand. Natrik hatte nicht gewusst, dass sein Meister eine solch große Waffe bei sich führte. „Spart eure Kräfte ihr Narren“, fauchte der Meisterassassine. „Euer Bruder ist tot, er war zu schwach um lebend vom Berg herunterzukommen. Ihr hattet das Recht ihn zu töten, jetzt stillt euren Hunger und wartet den Morgen ab.“ Langsam setzte sich der alte Skaven wieder und sank in sich zusammen, fast als hätte er das eben geschehene vergessen.
Die beiden Adepten näherten sich misstrauisch ihrem totem Bruder, ließen sich nieder und begannen die bereits auskühlende Leiche zu verspeisen, den Gegenüber nie aus den Augen lassend.




III.


Natrik schlug die Augen auf. Der Sturm war vorüber und der Himmel war fast klar. Er blickte um sich, sah die Knochen von Dretzlik und ihm kamen die Bilder der vergangen Nacht schlagartig in Erinnerung. Er musste eingeschlafen sein, Natrik verfluchte seine Unachtsamkeit. Er erhob sich und blickte sich nach seinen Gefährten um. Nachdem Skartz und er den toten Skaven gegessen hatten, war er selbst wieder zu seinem Hügel gekrochen. Er hatte sich vorgenommen, nicht zu schlafen, aus Angst, Skartz könnte ihn anfallen. Letztendlich müssen aber Müdigkeit und Erschöpfung gesiegt haben.
Natrik war dennoch froh darüber, er fühlte sich so kräftig wie lange nicht mehr. Der Adept drehte sich einige Male im Kreis und versuchte die anderen Skaven ausfindig zu machen. Skartz schien ebenfalls zu schlafen, er lag zusammengerollt hinter seinem Schneehaufen. Vom Meister fehlte jedoch jede Spur. Natrik drehte sich um und ging auf das Horn der Ratte zu. Er blieb wie angewurzelt stehen und starrte den glatten Felsen an. Sein Meister stand in Zwanzig Meter Höhe über ihm auf dem Steinbrocken. „Größter aller Assassinen“, rief Natrik und benutzte die respektvolle Anrede, „Wie... wie seid ihr da hoch gekommen, Eure Tödlichkeit?“ Kizzak drehte sich auf dem Felsen um. „Mit Händen und Füßen dumme Ratte“ erklärte er, glitt den glatten Stein hinunter und rollte sich gewandt am Boden ab. Skartz gesellte sich zu ihnen, das Gesicht voller getrocknetem Blut. „Eure Tödlichkeit“ begann er und warf Natrik einen Seitenblick zu, „Was gedenkt ihr nun mit uns zu tun?“. Kizzak begutachtete den Sonnenaufgang unter ihnen am Horizont. „Wir werden hier-hierbleiben“ sagte er und verfiel wieder seinem Singsang. „Nachdenken über dies und das, wichtige Dinge wenn ihr so wollt. Alles, worüber man auf dem Dach nachdenkt ist wichtig“ erklärte er mit einem vielsagendem Blick.
„Ihr sagtet, wir finden hier oben den Willen zu Töten“ warf Natrik ein.
Kizzak deutete auf die Überreste von Dretzlik. „Und den habt ihr gefunden. Aber ihr habt keinen Verstand gefunden dumme Schüler-Skaven. Deswegen bleiben wir hier. Schaut euch den Weg der Sonne an wenn ihr Lust habt. Sie ist unser Feind und Freund zugleich. Eure Brüder sind Feind und Freund zugleich“ erläuterte Kizzak und deutete auf die Wunden, die Skartz Gesicht bedeckten. „Wenn ihr lange genug sitzt, wird euch die Geduld und Weisheit eines Assassinen von selbst in den Kopf fallen.“ Damit endete Kizzak seine Lektion und stapfte davon.
Natrik und Skartz standen eine Weile im Schnee, unsicher was sie jetzt tun sollten. Schließlich wandte sich Skartz ab, ging davon und ließ sich auf einem Steinbrocken nieder. Natrik tat es ihm gleich, nur ging er in die entgegengesetzte Richtung, dorthin wo die Sonne aufging. Er setzte sich im Schneidersitz auf einen kühlen Felsen und blickte zum Horizont und zur aufgehenden Sonne.
Die verbliebenen Wolkenfetzen des gestrigen Sturms wurden von unten golden angestrahlt und leuchteten mystisch im halbdunklen der Morgendämmerung. Natrik hörte auf seinen eigenen Atem. Ungeduld machte sich in ihm breit und er wollte wieder aufstehen. Er ermahnte sich selbst und rief sich die Worte seines Meistern in den Sinn. Der Adept atmete tief durch, schloss die Augen und öffnete sie als Assassine.
 

yinx

Erwählter
Diese (Kurz-)Geschichte gefällt mir deutlich besser, als deine zu erst geschriebene. Beschreibungen sind deutlich stimmungsvoller, der Stil wirkt gefestigter und die Handlung ist interessanter. Auch sind weniger Tippfehler drin. Tatsächlich nicht mehr viele.
Vielleicht liegt der das Wildnis-Setting besser als die Stadt?
Da der Name der Geschichte nicht wirklich zur Handlung passt, denke ich mal, hier kommt vielleicht eine Fortsetzung? Ich bin nur selten ein Freund von Kurzgeschichten, da sie einfach wenig Platz für Charakterisierung und komplexere Handlungen bieten. Lange Geschichten fesseln auch mit der Zeit immer mehr und mehr Leser und verleihen dir eine größere Anhängerschaft (obwohl das, in diesem relativ dünn besetzten Unterforum generell etwas schwierig scheint.)
Solltest du nur bislang (vielleicht zur Übung) nur Kurzgeschichten schreiben, könntest du sie trotzdem in einem Thread sammeln und im ersten Post alle verlinken. Das wäre übersichtlicher und würde auch mehr Leser anlocken. (Denn wenn man ehrlich ist, geht es doch eigentlich nur darum! ;) )
Würde ich zumindest machen, solange es sich um Skaven - also um die gleiche Thematik handelt. (in etwa).

Zur Geschichte.
Die Beschreibung der Berge, des Schnees, der Kälte etc. weiß zu gefallen und ist sehr stimmig gelungen.
Der Oberassassine scheint mir sehr, sehr mächtig und kaum noch regelkonform! ;-)
Den Rattenmenschen (zumindest den Assassinen) eine sehr meditative, chinesisch angehauchte Selbstfindung zu verpassen, ist meiner Erkenntnis nach auf jeden Fall neuartig. Ich sehe es zwar ein bisschen skeptisch, aber eigentlich wird der Zweifel von der gelungenen Darstellung überschattet und wiegt daher kaum.
Ziemlich fies, wie sie mit dem armen Dretzlik umgehen, aber erwartungsgemäß!
Irgendwo war wieder so ein sonderbares, modernes Wort. Ah ja, am Anfang: gratis.

Insgesamt ziemlich gut.

Liebe Grüße
yinx
 

Fettmann

Aushilfspinsler
Auch für diese Kritk herzlichen Dank!
Wie schon im anderen Thema gesagt, hierauf werden in jedem Fall Fortsetzungen folgen. Der Name der Geschichte ist sehr wahllos und spontan gewählt (genauso wie mein Nutzername), da mir nichts wirklich brauchbares eingefallen ist.

Zu den Shaolin Skaven: Der Clan Eshin lebt weitab seiner Verwandten im fernen Cathay. Soweit abgeschnitten von der alten Welt und Skavenblight hielt ich es für möglich, dass sie sich etwas anders entwickelt hatten als ihre Artgenossen. Wie man weiß, ist der Clan Eshin bekannt für seine Assassinen, welche sehr gut im lautlosen töten sind. Ratten und Skaven sind von Natur aus sehr nervöse, ungeduldige und sprunghafte Wesen, es schien mir nur passend, dass ein Meister des Tötens seine Ungeduld überwinden muss um im Erstfall auf sein Opfer warten zu können.
Das nicht jeder Skaven den Willen dazu hat ist klar, deswegen auch die radikale Auslese der Schwachen auf dem Weg zur Bergspitze. Es kann halt nicht jeder Assassine werden :D

Ziemlich fies, wie sie mit dem armen Dretzlik umgehen, aber erwartungsgemäß!
In der Tat, aber so sind Skaven. Ein gewissen Teil der rücksichtslosen und brutalen Gesellschaft der Skaven wollte ich aufrecht erhalten - als Augleich zu der "meditativen, chinesisch angehauchten Selbstfindung" :)
 
Zuletzt bearbeitet:

Fettmann

Aushilfspinsler
Eine sehr schöne, stimmungsvolle Geschichte von Mord und Totschlag.

Mir gefällt die Idee des Ungeduld überwindens sehr gut. Alles in allem sehr gelungen.:)
Sehr freundlich, Danke :)

Hier nun der zweite Teil der Leseprobe. Bei Bedarf gibt es mehr.


Cathay, Himmelsberge, 1124IC


I.


Sie erreichten die Klauenpforte am Abend des fünften Tages. Die alte Burg krallte sich am Rande einer Hunderte Meter tiefen Schlucht in den Felsen. Unter ihr erstreckte sich ein weit auslaufendes Tal. Die untergehende Sonne brach durch die tiefhängenden Wolken und ließ die unzählbaren Flüsse und Bäche, die sich durch das Tal wandten glitzern.
Die „Burg“, die Clan Eshin besetzt hatte war mehr ein ummauerter Bergfried als eine Festung. Erbaut von Menschen in der Absicht ihre Landesgrenze zu sichern, hatte sie im Lauf der Jahrzehnte etlichen Völkern und Wesen Unterschlupf gewährt. Zuletzt hatten Nachtgoblins darin gehaust. Kizzak hatte dem Schamanen der sie anführte den Kopf abgehackt, daraufhin haben sich die restlichen Goblins einen neuen Unterschlupf gesucht. Seit nun etwa zehn Jahren war sie im Besitz des großen und mächtigen Clan Eshin. Die wahre Größe der Klauenpforte war von Außen nicht erkennbar. Im Keller des steinernen Bergfrieds, den ehemaligen Verliesen befand sich ein etwa zehn Schritt breiter Tunneleingang, von dem aus sich zahlreiche Gänge in den Fels erstreckten.
Man hatte damals Einhundert ihrer weniger talentierten Schattenläufer gegen einen Warpbohrer des Skryre Clans eingetauscht. Scheinbar agierte der Techniker Clan nicht weniger unehrlich. Nicht nur, dass die dazu gelieferten angeblichen Warlocks keinen blassen Schimmer davon hatten, wie ihr Höllenapparat funktionierte, er ging auch noch nach recht kurzer Zeit zu Bruch.
Obwohl die Benutzung des Bohrers dadurch nur eingeschränkt möglich war, war es den Technikern nach einiger Zeit gelungen ein beeindruckendes Tunnelsystem zu errichten. In den insgesamt etwas über einen Kilometer langen Gängen und Höhlen lebten die etwa Dreihundert Untertanen von Meisterassassine Kizzak.
Beim näherkommen betrachtete Natrik den vertrauten Wehrgang. Die etwa drei Meter hohe Mauer war an einigen Stellen behelfsmäßig mit Holz überdacht, aber die verfaulenden Bretter boten nur wenig Schutz vor Regen, Schnee oder dem Wind, der unablässig durch das Tal pfiff. Zahlreiche Schattenläufer, die niedersten Krieger des Eshin Clans hockten zwischen den zerfurchten Zinnen und musterten die drei näher kommenden Skaven.
Die Novizen, welche das Tor der Burg bemannten öffneten das Fallgitter. Natrik, Skartz und Meister Kizzak traten hindurch und kamen auf dem verschneiten und schlammigen Burghof heraus. Die Skaven, welche soeben noch auf dem Hof herumlungerten warfen sich sofort zu Boden und begrüßten den Meisterassassinen mit unterwürfigem Geheule. Natrik grinste und genoss den Ruhm, der von Kizzak auf ihn abfärbte.
Von Stolz erfüllt durchquerte er zusammen mit seinen Gefährten den Hof. Ein Sklave eilte aus einer Ecke hervor, murmelte etwas wie „Willkommen zurück, Eure Tödlichkeit“ und öffnete die schwere Tür des Bergfrieds. Sie traten ein. Dutzende Paare Roter Augen funkelten in der Dunkelheit und folgten den drei Gestalten, die durch den gespenstisch Stillen Innenraum des Bergfrieds schritten. Sie bogen nach Rechts ab, passierten einige rostende Metallkäfige und traten durch ein eisenbeschlagenes Portal in einen etwa Sechs Schritt breiten und mit Fackeln erleuchteten Korridor. Am Ende des Ganges befand sich die Treppe, welche hinunter zu den Verliesen führte und schließlich im Eingang zu den Höhlen mündete.
Alte, rostige Menschenrüstungen, verschönert mit Bildern der Gehörnten Ratte, säumten den Gang und bunte Wandbehänge schmückten die Wände. Ein wohliges Gefühl machte sich in Natrik breit, als er die altbekannten Zeichen und Symbole des Eshin Clans und der Gehörnte Ratte musterte. Ein weißes Messer auf schwarzem Grund, durchzogen von grellen, roten Punkten, ein riesiger gehörnter Rattenschädel von dunkelgrauer Farbe, welcher auf einem grünlich blassem Stoff prangte und andere Schönheiten zierten den Raum.
Plötzlich erhob sich lautes Stimmengewirr vor ihnen. Er richtete den Blick nach vorne und eine Gruppe von Skaven kam hastig die Treppe hinauf. Kizzak blieb stehen und musterte die Neuankömmlinge misstrauisch.
„Meister Kizzak!“ der führende Skaven redete sehr schnell auf die drei Assassinen ein, während er näher kam. „Meister Kizzak“, wiederholte er „Willkommen-kommen zurück in eurer Klauenpforte.“ fiepste er aufgeregt. Der Skaven blieb stehen und seine Begleiter, Zehn hochgewachsene Sturmratten in schweren, Rot bemalten Rüstungen bauten sich hinter ihm auf. „Ihr werdet sehen, oh großartigster aller Meister, dass ich auf eure Burg acht gegeben habe, während ihr weg-weg wart. Alles ist so, wie ihr es-“
-“Ihr kamt bestimmt bestens zurecht Kriet Kopfzähler.“ unterbrach Kizzak seinen Untergebenen.
Der Häuptling zuckte missbilligend mit seinem Schwanz, sagte jedoch nichts.
„Ich werde mich in meine Gemächer zurückziehen“ fuhr Kizzak fort und wollte eben seinen Weg fortsetzen, als Kriet mit hoher Stimme erneut anfing zu reden.
„Ich fürchte, ihr werdet euch später ausruhen müssen, mächtigster aller Töter, denn es wartet viel arbeit auf euch.“ Kriet hastete neben dem Meisteassassinen her. „Es kam Nachricht aus Finsterstern.“
„Was für eine Art von Nachricht?“ verlangte Kizzak zu wissen und warf dem Häuptling einen abschätzenden Seitenblick zu.
„Sehr, sehr gute Nachrichten, oh großer Assassine“ beeilte sich Kriet zu erklären. Es war üblich, den Überbringer von schlechter Kunde zu rösten, weshalb Boten stets versuchten, die Briefe mit unguter Kunde auf andere abzuwälzen.
Kriet fuhr fort: „Der mächtige Nachtherrscher schickt Botschaft vom Rat der Dreizehn. Die allwissende Präsenz der Gehörnte Ratte wünscht die Dienste unseres Clans.“
Sie hatten nun die Treppe erreicht und stiegen die zersplitterten Stufen hinunter. Das Licht wurde nun trüber und der vertraute Geruch nach nassem Pelz, Schweiß und Moder stieg Natrik in die Nase.
„Und mit welcher Art von Diensten darf ich dem mächtigen Rat zur Hilfe eilen? Erklärt euch, Kopfzähler!“
Häuptling Kriet leckte sich über die Schnauze und kramte in einer Tasche an seinem Gürtel herum. „Ich weiß es nicht, bitte vergebt mir meine Unwissenheit. Mir wurde gesagt-sagt, ich solle euch dieses Stück Papier geben.“ plapperte Kriet nervös. Kizzak riss ihm das Pergament aus der Hand und betrat lesend den Tunneleingang.
„Skartz und Natrik, kommt mit in mein Gemach, ich werde euch Aufträge erteilen“ sagte Kizzak nach kurzer Zeit und stopfte sich den Brief in seinen Mantel. „Kriet, ihr werden Fünfzig unserer besten Krieger sammeln. Wir ziehen morgen nach Skavenblight.“ Kizzak entblöste grinsend die Reißzähne und kicherte über seine wie angewurzelt stehen gebliebenen Untertanen.
 
Zuletzt bearbeitet:

yinx

Erwählter
Auch das wieder ein guter Teil. Im Gegensatz zu deiner ersten Kurzgeschichte mit dem toten Imperator, gefällt mir die hier sehr gut. Die Burg ist gut beschrieben, auch wenn ich die Anführungszeichen an der Stelle weggelassen hätte und ein anderes Wort genommen hätte (Ruine oder so) und erzeugt eine stimmige, kalte, nasse, matschige, baufällige.... whatever Atmosphäre.
Die Groß- und Kleinschreibung ist immer noch nur semi-gut, da gibt es noch ein paar Fehler. Zum Kontrolllesen: Auch wenn es hart ist, besser den neuen Teil immer so ein- zwei Tage ruhen lassen und dann noch mal drüber lesen, dann hat man die meisten Formulierungen nicht mehr 100%ig im Kopf und liest wieder richtig, anstatt nur zu überfliegen. Ansonsten rechtschreiberisch aber ohne auffallende Macken.
Was noch fehlt sind halt starke Bezüge zu den Charakteren, die sich aber erst mit der fortlaufenden Geschichte herausbilden können. Es dauert also ein bisschen, bis die Handlung wirklich fesselnd wird.

Was mir auffällt: Meister Kizzak spricht meistens ohne die skaventypischen Doppelungen-lungen. Liegt das in seiner besiegten Ungeduld begründet? Ansonsten - wie wird es eigentlich generell damit gehandhabt? Wählst du die Doppelungen zufällig aus, oder gibt es da ein Schema?

Längere Teile wären besser.
Ansonsten freue ich mich auf den nächsten. ;)

Grüße
yinx
 

Fettmann

Aushilfspinsler
wie wird es eigentlich generell damit gehandhabt?
Ein System gibt es nicht, ich verdopple einfach an passenden Stellen Verben oder Adjektive. "Sie gingen-gingen nach unten" oder dergleichen. Das Meister Kizzak "normal" redet ist eigentlich nicht unbedingt gewollt, hat sich aber in den jeweiligen Situationen so ergeben. Bei sehr kurzen Sätzen finde ich es auch nicht unbedingt nötig, dass die Charaktere "skavisch" reden.

Längere Teile wären besser.
Ansonsten freue ich mich auf den nächsten.
Der zweite Teil ist in Word etwa zwei Seiten lang, der erste genau vier.
Am Anfang habe ich einfach drauf los geschrieben aber mitlerweile glaube ich, dass ein grobes Gesamtkonzept für den weiteren Handlungsverlauf nicht nachteilhaft wäre. Ich habe in den vergangenen Tagen einige gute Ideen sammeln können und bin guter Dinge, dass es bald weitergeht.
 

Fettmann

Aushilfspinsler
Cathay, Himmelsberge, 1124IC


I.


„Wir müssen morgen in aller Frühe losmarschieren“ erklärte Meister Kizzak seinen beiden verbliebenen Schülern. Natrik, Skartz und der alte Meisterassassine saßen im Halbkreis um eine Karte der Welt, die Kizzak auf dem erdigen Boden ausgebreitet hatte. Die kreisrunde Höhle die das Gemach des Meister darstellte maß lediglich knappe Sechs Schritt Durchmesser. Zusätzlich ließen die rot und gelben Wandbehänge den Raum noch kleiner wirken, als er ohnehin war.
„Der Weg ist sehr weit und wir müssen uns sputen, der Rat der Dreizehn braucht uns dringend...ja sehr-sehr dringend wie mir scheint.“
„Welchen Weg werden wir gehen, Meister?“ wagte Natrik zu fragen.
„Wir werden uns natürlich nach Westen wenden.“ Kizzak strich mit einer Klaue über die Karte und malte die Route nach. „Zuerst müssen wir die Himmelsberge überwinden-winden, dann können wir weiter nach Süden durch die Skaventunnel zur Seestadt der Menschlinge. Kriegsherr Han Mono wacht-wacht dort über unseren Außenposten-posten.“ Kizzak hielt in seinem Singsang inne und betrachtete die Karte.
Skartz unterbrach die Stille: „Meister Kizzak,wir sind nur sehr wenige Skaven Krieger. Wie können wir mit so kleiner Zahl-Zahl dem Rat zu Diensten sein?“
„Es werden mehr kommen. Der große Nachtherrscher selbst schickt aus Finsterstern etliche Hundert Schattenläufer nach Westen. Kriegsherr Termek wird sie an-anführen und einige Assassinen werden ihn begleiten. Han Mono wartet in Seestadt auf uns und wird uns von dort an mit seiner mächtig-großen Armee begleiten.“
Kizzak hob den Blick und betrachtete einen von der Decke hängenden Teppich, der die Tür zu seinem Schlafgemach darstellte. „Wenn wir in Seestadt sind werde ich euch Ziele zuteilen“ Er löste sich von dem Teppich und musterte nun seine vor ihm hockenden Schüler. „Es gibt viele Menschen zu töten-töten“ grinste er, und seine Augen funkelten böse.
Mit einem Handstreich rollte er die Karte und zusammen und schickte Natrik und Skartz weg. „Ihr müsst euch nun ausruhen dumme Skaven“ murmelte er und erhob sich von seinem Kissen.
Die beiden Assassinen standen auf und verließen grübelnd die Höhle des Meisters.


II.


Völlig erschöpft von der anstrengenden Reise rollte sich Natrik dankbar auf dem Stroh zusammen, welches seine Schlafkammer bedeckte. Die Höhle die er sein Eigen nenne durfte war bei weitem nicht so pompös ausgestattet wie die von Meister Kizzak. Lediglich ein hölzerner Ständer für seine Waffen lehnte an der Wand, ansonsten war der Raum leer. Natürlich mit Ausnahme des klammen Strohs auf dem er nun lag.
Natrik schloss die Augen und der Schlaf übermannte ihn. Wirre Träume spukten in seinem Kopf herum. Er sah sich selbst, wie er an der Spitze von Han Monos Armee auf einem gigantischen Rattenoger ritt. Der Kopf des Kriegsherrn baumelte an einer Kette von seiner Standarte. Er führte die Skavenarmee in die Menschenstadt. Sie strömten aus Kanaleingängen in die Straßen und Häuser und ein wildes metzeln begann, plötzlich bemerkte Natrik die tiefen Narben, die den Kopf seines Ogers bedeckten und er hielt verwirrt inne. Der Rattenoger verdrehte den Kopf zu ihm hinauf und grinste ihn an. Der kräftige Arm des Untiers schnellte hervor und riss Natrik hinunter in den Dreck der Straße. Natrik schaute nach oben, die gigantischen Ausmaße des Monsters zeichneten sich am Sternenhimmel ab.
Er riss die Augen auf. Eine schwarze Gestalt stand vor ihm und blickte ihn an, Natrik war sofort hellwach, sprang auf und wirbelte umher. „NEEIIIIIIIN!“ Die Gestalt warf sich zu Boden und strampelte mit den Beinen „Bitte tötet mich nicht, großer Herr!“ heulte der kleine Skaven und wälzte sich jammernd auf dem Boden hin und her. Natrik stierte finster auf den im Staub liegenden Sklaven. „Ich sollte dir die Kehle durch-durchschneiden, dafür dass du meine Schlaf gestört hast“ fauchte er. Der Sklave hob den Kopf und blickte den über ihm aufragenden Assassinen an. „Bi-Bi-Bitte tut dies nicht, eure Tödlichkeit, ich bringe euch Nachricht vom mächtigen und großen Kizzak“ stotterte er hastig und machte Anstalten sich zu erheben. „Der Meister aller Töter wünscht, dass ihr zu ihm nach oben kommt.“
Mit einem Angst einflößendem Zischen entließ Natrik den Sklaven und sammelte seine Habseligkeiten zusammen. Er hing sich seinen schwarzen Wollmantel um, befestigte den Ledergürtel an seiner Stoffhose und platzierte verschiedene, mit Mordinstrumenten gefüllte Taschen daran. Zuletzt trat er vor den Waffenständer und nahm sein Schwert in die Hand. Die Anderthalb Meter messende Klinge, gefertigt aus wertvollem Stahl lag leicht in seinen Fingern.
Goldene Symbole des Eshin Clans schmückten den dunklen Holzgriff und er passte somit zur Scheide, die aus dem selben Material gemacht war.
Natrik hing sich den Ledergurt des Schwertes um die Schulter, verließ seine Höhle und machte sich auf nach oben. Die Skaven an denen er vorbei eilte, wichen hastig aus oder verbeugten sich gar vor ihm. Jetzt, da er sich einen Assassinen nennen durfte, fürchteten ihn seine Artgenossen mehr denn je und zollten ihm eine Menge Respekt. Natrik genoss jeden Tropfen davon und sonnte sich selbstzufrieden im neu erworbenen Ruhm.
Er erreichte die Verliese, durchquerte den Bergfried und trat hinaus. Im halbdunklen der Morgendämmerung standen die fünfzig auserwählten Krieger im schlammigen Hof. Kriet Kopfzähler stand auf einer verzierten Holzsänfte, getragen von seinen Leibwächtern und tat so, als würden die Anwesenden in Wahrheit ihm gehorchen und nicht dem Meisterassassinen.
Kriet hatte scheinbar eine Rede vorbereitet, ein Teil der Skaven hatte sich um die Sänfte versammelt und folgte mehr oder minder aufmerksam den Ausführungen des Häuptlings.
„Fürchtet euch nicht meine Untertanen. Ich werde euch sicher in die alte Welt führen.“ Er fuchtelte mit einem Stock umher und nach einem nervösen Seitenblick zu seinem Vorgesetzten fügte er hastig hinzu: „Ach und dem mächtigen Meisterassassinen Kizzak könnt ihr selbstverständlich-ständlich auch vertrauen.“
Kizzak stand etwas abseits, eine Gruppe von Gossenläufern hatte sich um ihn geschart und lauschten seinen Befehlen. „...haltet also nach Feinden Ausschau und berichtet mir regelmäßigä-mäßig, jetzt geht ihr Narren.“ Natrik gesellte sich zu seinem Meister und die Gossenläufer stoben in Richtung Torhaus davon.
„Seine Tödlichkeit hat mich rufen lassen?“ Natrik verbeugte sich.
„In der Tat. Wir werden bald los-loslaufen, natürlich musst du dabei anwesend sein, dumme Ratte.“ Kizzak drehte sich um, ging davon und ließ seinen Schüler im Schlamm stehen.
Skartz erschien in der Tür des Bergfrieds und musterte grimmig die draußen Stehenden. Er nickte Natrik knapp zu und setzte sich in eine dunkle Ecke des Hofes. Plötzlich fiel Natrik der Traum ein den er gehabt hatte und er starrte die Narben an, die Skartz Gesicht verunstalteten. Er beschloss seinen Bruder von nun an nicht mehr aus den Augen zu lassen.


III.


Es war ein klarer Tag, den Kizzak sich für seine Reise ausgesucht hatte. Nur ein paar wenige weiße Wolkenfetzen hingen am blauen Himmel und die grelle Sonne ließ den Schnee erstrahlen. Mit zusammengekniffen Augen bahnte sich die kleine Armee einen Weg durch den eingeschneiten Bergpfad, der sich durch das Gebirge schlängelte.
Nachdem sie die Klauenpforte unter den Blicken der zurückgeblieben Skaven verlassen hatten, hatten sie sich nach Westen gewandt und sind im Schatten der Berge schnell vorangekommen. Nun jedoch war es bald Mittag und die hohen Berge boten keinen Schutz mehr vor der unerträglich hellen Sonne. Fast blind stolperten die Skaven den schmalen Pfad entlang, doch Kizzak ließ sie nicht rasten und die Nacht abwarten. „Wenn wir am Tage und bei Nacht laufen, können wir mehr Weg zurücklegen“ hatte der Meister ihnen erklärt und sie alle mussten schweigend weiter durch die weiße Landschaft stapfen.
Nach einigen Stunden erreichten sie einen höher gelegenen Pass und Natrik schirmte die Augen mit seiner behandschuhten Pfote ab um sich umzuschauen. Schon längst war die Klauenpforte nicht mehr sichtbar. Zahlreiche Berge verdeckten den Blick auf die alte Burg. Doch nicht das was hinter ihnen lag interessierte Natrik, vielmehr das Unbekannte neue Land, welches sich vor ihnen erstreckte zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Der Assassine blieb stehen und und ließ seinen Blick über den Horizont schweifen. Berge. Nichts als schneebedeckte, graue Berge, die sich zwischen den tiefen Tälern erhoben. Wollte Kizzak tatsächlich über jeden dieser Giganten klettern? Sie würden eine Ewigkeit brauchen! Natrik legte den Kopf schief und überlegte angestrengt. Nein, es schien ausgeschlossen, dass ihr Anführer sie über das Gebirge führte. Viel eher würde es unter den Bergen hindurch gehen. So würde es ein wahrer Skaven machen sagte sich Natrik und reihte sich beruhigt in die Kolonne ein. Durch Tunnel würden sie jede Menge Zeit einsparen können und rechtzeitig in der alten Welt ankommen. Jedoch wusste Natrik nicht, wo sich der nächste Tunneleingang befand. Die Skaven hielten ihre Wege in der Regel geheim und der Eshin Clan machte so einen gewaltigen Hehl daraus, wie man das Himmelsgebirge unterirdisch überwinden kann, dass selbst die Meisten ihrer Anhänger nicht über jeden Eingang Bescheid wussten.
Schließlich verschwand die Sonne hinter den golden strahlenden Bergen und das Laufen fiel den Skaven schlagartig leichter. Mit neuer Kraft und Motivation erfüllt marschierte die Streitmacht den Pfad entlang und die im Wind wehenden schwarzen Mäntel boten einen beeindruckenden Anblick. Voller Wohlbehagen eilte Natrik die schneebedeckten Abhänge hinunter, den Blick auf die im orangen Dämmerlicht verblassenden Gebirgszüge gerichtet.
Nach kurzer Zeit erschienen die ersten Sterne am dunkelblauen Himmel und der Mond ging auf. Meister Kizzak führte seine Armee an einem zugefrorenen Bergbach entlang durch eines der endlosen Täler.
Große Felsen säumten den vereisten Bach und versperrten stellenweise den engen Pfad. Häuptling Kriet musste unter den erleichterten Blicken seiner Leibwächter und Diener die klobige Sänfte zurücklassen, auf der er bisher geritten war. Mit grässlichen Flüchen reihte er sich zwischen seinen Sturmratten ein und stakste durch den kniehohen Schnee.
Den abschüssigen Weg folgend kamen die Skaven schnell voran und hatten viele Meilen zurück gelegt als die Dämmerung schließlich anbrach und die Sonne sich erneut zeigte. Meister Kizzak ließ seine erschöpfte Armee am Fuße des Tals rasten.
Im Windschutz der grauen Felsen kauerten sich die Krieger des Eshin Clans auf den Boden. Rund um sie erhoben sich knorrige, einzeln stehende Nadelbäume und dornige Büsche wuchsen zwischen den Steinen.
Natrik und die anderen Skaven dösten in der Sonne und erholten sich von dem anstrengenden Marsch der Vornacht. Es war noch ein weiter Weg bis nach Skavenblight.

IV.


Weit nach Mittag gab Meister Kizzak den Befehl zum weitermarschieren. Die Skaven erhoben sich und setzten mit steifen Gliedern ihren Weg fort.
„Was glaubst du, wen müssen wir töten?“ Skartz war aus dem Nichts neben Natrik aufgetaucht und musterte mit seinen wachen, bernsteinfarbenen Augen den Assassinen.
„Kizzak sprach von Menschen“ erwiderte Natrik vorsichtig.
„Das hat er ja, aber ich glaube wir werden uns nicht nur auf die einfältigen Mensch-Menschlinge beschränken müssen.“ Skartz blickte nun auf den Weg vor seinen Füßen und fuhr mit rauchiger Stimme fort: „Ich denke wir werden andere Skaven umbringen.“
„Andere Skaven?“ Natrik schielte rüber zu Skartz. „Wieso? Gibt es Krieg zwischen den Clans?“
„Den gibt es immer. Die Frage ist nur, wer uns bezahlen kann“ endete Skartz und beschleunigte seinen Schritt.
Natrik blieb grübelnd zurück. Krieg zwischen den Clans... sie sollten sich lieber auf den Krieg gegen die Stumpen und die Menschlinge konzentrieren, da gab es mehr zu hohlen entschied er und malte sich aus, wie er einen Zwergenkönig umbrachte um anschließend seine Schatzkammern zu plündern.
Natrik! Komm hierher-her!“ Kizzaks Stimme unterbrach den Tagtraum unsanft und Natrik eilte zur Spitze der Kolonne.
„Womit kann ich dienen-dienen?“ keuchte er als er seinen Meister erreicht hatte.
„Wir haben bald unser erstes Zwischenziel erreicht“ erklärte Kizzak mit bedeutungsvollem Blick. „In ein paar Meilen sollten wir einen Tunneleingang erreicht haben. Vielleicht-leicht wird er bewacht. Ich möchte jedenfalls nicht, dass wir unnötige Überraschungen erleben.“
„Soll ich die Bewacher töten?“ Natrik hoffte inständig, dass Kizzak dies bejahen würde.
„Natürlich nicht!“ rief Kizzak entsetzt. Er senkte die Stimme und fuhr fort: „Schau nur nach, ob jemand da ist. Du wirst den Eingang leicht finden können. Folge dem Bach nach unten. Irgendwann wird er eine Klippe hinunterfallen, hinter dieser Klippe liegt die Höhle. Der einfachste-einfache Trick den es gibt und er klappt immer-immer“ kicherte der schwarze Skaven, drückte ihm einen Enterhaken in die Pfote und gab Natrik mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er sich auf den Weg machen soll.
Er eilte der Streitmacht voraus, sprang geschickt über Geröll und dornige Hecken und folgte dem Bach. Dieser Tag war wärmer als der vergangene stellte Natrik fest, Schnee und Eis schmolzen. Sogar der Bach war an einigen Stellen wieder sichtbar und das schwarz wirkende Wasser rauschte neben ihm den Berg hinab. Knorrige Nadelbäume wiegten sich sanft im Wind und beobachteten den schwarz gekleidete Skaven, der an ihnen vorbei huschte. Nach einigen Meilen wurde das Rauschen des Wasser lauter und Natrik verlangsamte seinen Schritt.
Geduckt schlich er vorwärts, nutzte dabei die Deckung der tiefhängenden, mit dunkelgrünen Nadeln bewehrten Äste. Wenn jemand hier ist wird er schon von Kizzaks Armee wissen, vermutete Natrik und warf sich unter ein Gebüsch, zwanzig Schritt vom Abgrund entfernt. Niemand war zu sehen.
Er musterte die vor ihm liegende Landschaft. Rechts neben ihm, in kurzer Entfernung fiel der Bach neben einem Felsmassiv die Klippe hinunter, Links daneben schlängelte sich der Pfad an einem etwa dreißig Meter hohen Steinbrocken das Tal hinunter. Natrik robbte vorwärts und wagte einen Blick über den Abgrund. Zu seiner Erleichterung war der Wasserfall nicht sehr tief, lediglich Zehn Meter unter ihm stürzte das Wasser auf graue Felsblöcke. Der Bergpfad stieß einige Meter danach wieder auf den Bach und führte steil abfallend zwischen den spitzen Felsen ins Tal hinab. Das Tal selbst war überraschend breit, weißes Flachland, unterbrochen von braunen und grünen Flecken erstreckte sich in etlichen Kilometern unter ihm.
Angespannt zuckte er mit dem Schwanz und nahm den Enterhaken von seinem Rücken. Mit zittrigen Fingern befestigte er ihn in dem zerfurchten, nassen Stein auf dem er lag. Er schloss die Augen und versuchte seinen Atem zu beruhigen, dann schwang er sich hinunter. Das tosende Wasser kam näher, Natrik verzog in stillem Entsetzen das Gesicht. Eine kalte Hölle brach über ihm zusammen.



Leider bin auch ich nicht von der allgemeinen Schulpflicht ausgeschlossen, und habe somit weniger Zeit dieses Werk fortzuführen. Ich versuche dennoch in regelmäßigen Abständen (einmal pro Woche) weitere Teile zu posten. Tut mir Leid, dass der letzte so lange gedauert hat.
:) Gruß, Fettman
 
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yinx

Erwählter
Leider bin auch ich nicht von der allgemeinen Schulpflicht ausgeschlossen, und habe somit weniger Zeit dieses Werk fortzuführen.
Hahaha, das mag sehr überheblich und viel erwachsener klingen, als ich es eigentlich bin, aber ich wünschte ich hätte mal wieder so viel Zeit wie damals in der Schule! ;-)

Ansonsten sind das vier nette Teile, viel gibt es eigentlich nicht zu sagen. Mit der Handlung geht es ja nicht wirklich voran, der einzige spannend/ myteriöse Punkt ist die Unterhaltung zwischen Natrik und Skartz.
Die Beschreibung der Bergwanderung hätte ich mir noch ein klein bisschen mehr ausgestaltet gewünscht, aber an sich ist das schon ganz gut.
Als Natrik so beschreibt, dass es bei Menschen und Zwergen mehr Beute zu holen gibt, habe ich mich gefragt, woran Skaven eigentlich interessiert sind? Wie der Handel funktioniert etc. (ich habe bezügl. Skaven kaum Ahnung vom Fluff.) Ich kann mir wenig vorstellen, dass gerade ein Clan wie Clan Eshin, wirklich an Dingen wie Gold und Wertsachen interessiert ist. Die Beute die man bei anderen Skaven holen kann ist doch sicher viel einträglicher - Waffen, Kleidung, Erfindungen, Warpkram, Sklaven, Macht, Ruhm, noch mehr Warpkram etc. ?

Für den Stil gibt es nur die Schulnote 2. Glatt. Für eine eins muss da noch mehr Atmosphäre rein. Vielleicht ein paar gelungene Metaphern etc.
Aber er ist auf jeden Fall solide und enthält nur wenige Fehler, die den Lesefluss aber in keiner Art und weise stören und daher für eine Forum-Fortsetzungsgeschichte unerheblich sind.

Abgesehen davon: Das WHF-Story Forum scheint zur Zeit ein sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr verschlafener Ort zu sein. Um ein bisschen Leben hinein zu zaubern, magst du (und alle deine anderen Leser, die hier sicher nicht posten ;) ) dir vllt ein bisschen Zeit nehmen, auch mal eine der anderen Geschichten lesen und deinen Senf dazugeben!

Dann mal gutes Gelingen für die Fortsetzung. Jetzt ist ja Wochenende! ;)

Grüße
yinx
 

yinx

Erwählter
Welche Art von Fehlern meinst du? Stilistische oder Rechtschreibung/Grammatik etc?
Klang wohl ein wenig komisch, weil ich vorher von Stil gelabert hab, aber ich meinte Rechtschreibfehler. Von Stilfehlern direkt kann man wohl kaum sprechen. ;)
Ist ja immer alles eine Meinungsfrage. Der Stil ist zwar mMn noch ausbaubar, aber schon gut auf jeden Fall und mit der Zeit wird das besser und besser werden.
Denke ich... :)
 
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