40k Endzeit

Fischig

Testspieler


„Das auferlegte Ziel der Inquisition ist es, die Menschheit vor allem Bösen zu schützen. Die Xenos und das Chaos zu bekämpfen und in den Feuern ihrer selbst ernannten Rechtschaffenheit zu verbrennen.
Und ich frage dich: Warum?“
„Es ist unsere Pflicht dem Imperator gegenüber!“, krächzte der Inquisitor und spie dabei erneut blutigen Speichel.
„Warum?“, wiederholte der vermummte Mann, scheinbar ohne jede Anteilname.
„Du wirst dies niemals verstehen, elender Ketzer!“ Mit aller Kraft begehrte er gegen die rostigen Ketten auf, die ihn eng an die Wand des Kerkers fesselten, doch das Resultat war nur ein schmerzhafter Husten, der ihn erschlaffen ließ.
„Ketzer? Du nennst mich einen Ketzer? Verstehst du auch nur ihm Ansatz worum es hier geht?“
Die Gestalt bebte vor unterdrücktem Zorn.
„Du bist genauso blind wie jeder in diesem toten Imperium!“
„Aus deinem Mund quillt das Chaos, Ketzer!“ Die Stimme des Inquisitors war zu einem Röcheln abgesunken.
„Wir alle sind das Chaos. Ihr selbst nährt es, obwohl ihr glaubt es zu vernichten!“, schrie sein Peiniger und schlug nach dem Gefesselten.
„Schweig Bastard!“, brüllte dieser heißer zurück, plötzlich wieder voller Leben, angetrieben durch wilden Hass.
„Oh nein, ich werde nicht schweigen!“ Der Vermummte trat ein paar Schritte zurück, nun wieder ganz ruhig. „Ihr alle verliert das eigentliche Ziel aus den Augen, dass der Gott-Imperator uns gegeben hat: Sein heiliges Werk muss fortbestehen!
Die Menschheit steht am Abgrund, an den sie euer ignorantes, nihilistisches Weltbild geführt hat!
Eines Tages wird die Galaxie ein Ort des Friedens sein. Eines fernen, glücklichen Tages!
Das ist die Vision die uns doch alle tief im Herzen antreibt, die uns gegen unsere unendlichen Feinde standhalten lässt!“







Endzeit


1. Der Fall von Plython



DER HIMMEL WEINTE.
Das hieß es zumindest später über den Tag, der ein weiteres, blutiges Mal in den Annalen der Menschheit hinterlassen sollte.
In Wirklichkeit weinte er aber gar nicht.
Der Himmel war so trocken und wolkenlos wie an jedem der langen Tage auf Plython.
Der grenzenlose Ozean aus Sand, der den Planeten bedeckte, flimmert unwirklich in der Hitze des roten Riesen Vaunah II, dessen erstes, ungeliebtes Kind er war.
Der ewige Wind fuhr gnadenlos über die Wüste hinweg, ließ sich die Sandkörner durch die Finger gleiten und schichtete sie zu gigantischen Dünen auf.
Und dazwischen marschierten eine halbe Million Imperiale Soldaten.
Eine halbe Million Totgeweihte.







993.992999.M41, Plython, Inquisitor Wisbert


SIE WAR WUNDERSCHÖN.
Inquisitor Wisbert gönnte sich einen Augenblick, indem er das Bild der Stadt in sich aufsog, innerlich zur Ruhe kam.
Bald würde sie brennen.
Lange bevor Imperiale Freihändler die Welt entdeckt hatten, war sie von Generationen von Wüstenbewohnern aus dem Sand der ewigen Wüste gestampft worden.
Zweiundzwanzig Gewaltige Türme, mit unzähligen Stegen miteinander verbunden, thronten majestätisch über tausenden, kleinen Häusern, Palästen und Minaretten die sich schutzsuchend in den Schatten der verschachtelten Konstrukte duckten.
Vor hunderten von Jahren war dies eine belebte Oase gewesen.
Die Nomaden die durch die Dünen wanderten trafen sich hier um zu rasten, zu handeln und Neuigkeiten auszutauschen.
Der Inquisitor sah vor seinem inneren Auge die Menschen in bunten Tüchern durcheinander wimmeln,
die Zelte die überall aufgeschlagen waren, ganze Kamelherden die in Pferche getrieben wurden, umgeben von dem ihnen anhaftenden Gestank. So musste es gewesen sein.
Dann kam das Imperium.
Die Nomaden wurden ihrerseits in Pferche getrieben, getötet oder rekrutiert.
Das Adeptus Mechanicus nahm sich der Stadt an, um aus ihr eine standhafte Festung zu machen. Die Türme wurden mit FLAK-Geschützen gespickt,
die Stadtmauer zu einem mit Stacheldraht gekröntem Wall ausgebaut und aus Palästen und Zelten wurden Kasernen und Werkstätten.
Der Imperator fragt nicht nach Schönheit.

Doch diese Stadt war nun in den Händen des Feindes.
Inqusitor Wisbert wandte sich von ihrem Anblick ab und überblickte stolz das Aufgebot, dass er gegen diese Festung führen würde.
Eine halbe Million Soldaten, aus dem gesamten Subsektor zusammen gezogen, standen in Reih und Glied zwischen Kolonnen an Panzern.
Tausende Fahnen in den Farben der Regimenter flatterten in dem beständigen, trockenen Wind.
Zudem wartete eine komplette Kompanie Space Marines vom Orden der Red Talons auf den Einsatzbefehl.
Auf der Seite ihrer Gegner standen etwa hunderttausend Kultisten, die sich zwischen den Häusern verkrochen hatten.
Aufklärern zufolge handelte es sich nur bei einem Drittel davon um ausgebildete Soldaten,
während der Rest lediglich Bürger waren, denen man ein Lasergewehr in die Hand gedrückt hatte.
David gegen Goliath.
Wisbert hielt die große Übermacht allerdings für unabdingbar, da er genau genommen nicht wirklich wusste mit was er es zu tun hatte.
Die Häresie war vor wenigen Monaten ausgebrochen, ausgelöst durch ein geheimnisvolles Individuum, bekannt unter dem Namen Visionär.
Seine ketzerischen Predigten und Weltanschauungen waren von vielen einfachen Bürgern und Militärs mit offenen Armen aufgenommen worden.
Offiziell leugnete der Kult jegliche Verbindung zu den verdorbenen Mächten des Chaos und beteuerte seine Treue zum Imperator,
die er lediglich anders lebte als es die Ekklesiarchie vorschrieb.
Doch dergleichen konnte nicht geduldet werden!
Als die Inquisition mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln begann, gegen die Verräter vorzugehen, flohen viele der enttarnten Ketzer hierher, nach Plython.
Hier würde es das erste große Aufeinandertreffen von Imperium und dem Kult des Visionärs geben.
Und es würde das letzte sein.
Wisbert war sich sicher, dass sich der geheimnisvolle Anführer der Sekte hier befand.
Er würde ihn töten, und damit diese kleine Rebellion im Keim ersticken, bevor sich ihre giftigen Wurzeln ausbreiten konnten.

Die schweren FLAK-Geschütze verhinderten einen Luftschlag gegen die Stadt, was unweigerlich zu langen Straßenschlachten führen würde.
Der Plan sah vor, dass fünfundzwanzig elitäre Einsatztrupps vorstießen und die ihnen zugeteilten Missionsziele,
in Gestalt der Türme und wichtigsten Punkte im Inneren der Stadt, einnahmen.
Diese ehrenvolle Aufgabe fiel den Astartes, den besten der Imperialen Armee, sowie Wisbert selbst und seinen Inquisitiosgardisten zu.
Daraufhin sollte die Masse der Soldaten mit den Panzern alles sichern und dadurch den Luftraum für die Bomber zu öffnen.
Soweit der Plan.
Doch der Inquisitor wusste, wie schnell sich dieser in Rauch auflösen konnte, wenn Blut zu fließen begann.
Er führte persönlich die erste Welle auf die Außenmauer.
Doch die Kultisten leisteten nur halbherzig Widerstand und hatten dem konzentrierten Feuer der Red Talons und Gardisten nichts entgegen zu setzen.
Die Straßen dahinter würden dagegen viel leichter zu halten sein.
Inquisitor Wisbert machte sich auf eine lange Schlacht gefasst.
Der Imperator beschützt.







993.992999.M41, Plython, Wonthan Ridikul

NICHTS HATTE IHN DARAUF VORBEREITET.
Bolterrattern vermischt mit dem Zischen von Lasergewehren. Explosionen im Sekundentakt. Einstürzenden Häuser, Schutt, Staub, Qualm. Und die Schreie.
Nie würden die Schreie ihn loslassen. Schreie geboren aus unvorstellbaren Schmerzen, aus Wut und Hass.
Er wurde Zeuge von der brutalen Macht der Astartes. Wie rot gepanzerte Kriegsgötter, so kamen die Red Talons ihm vor.
Umgeben von Schauern aus Blut und Eingeweiden stürmten sie durch die Straßen, gnadenlos die Wahrheit des Imperators durch setztend.
Ihre Körper bestanden zum großen Teil nur noch aus Stahl und Mechanik, denn
wie ihre genetischen Väter, die Iron Hands glaubten sie an das Mantra Fleisch ist schwach.
Wie schwach es war zeigten sie den glücklosen Kultisten die ihnen in die Arme liefen.
Wonthan Ridikul sah wie seine Kameraden enthauptet, zerrissen und zerfetzt wurden.
Bilder die er nie würde verbannen können.
Die Engel des Todes. Die Retter der Menschheit.

Schließlich gelang es ihm sich in ein kleines Haus zu flüchten und er verkroch sich unter einem Tisch.
Lauthals begann er zu schluchzen und zu weinen.
Warum? Warum musste das alles hier geschehen?
Er hatte alles gehabt. Ein ruhiges, geordnetes Leben als Dozent an der Universität in Arkenbourg, wo seine größten Sorgen unaufmerksame Schüler
und kaputte Holo-Projektoren waren.
Bis er von den Gedanken des Visionärs gehört hatte.
Plötzlich waren ihm die Augen aufgegangen.
Er hatte alles verstanden. Den Sinn des Lebens. Die Zukunft des Imperiums. Das Schicksal der Galaxie.
Und wenn Wonthan von etwas überzeugt war, dann war er bereit eine ganze Menge dafür zu tun.
Er hatte sich dem Kult angeschlossen und war schließlich, als dieser verboten wurde nach Plython geflohen.
Aber nichts hatte ihn darauf vorbereitet.
Er übergab sich immer wieder.

Doch es dauerte nicht lange bis die Kämpfe auch das Haus erreichten.
Zwei seiner Kameraden stolperten herein. Der eine stützte den anderen, der fast ein Bein verloren hatte.
Stöhnend ließ er sich neben Wonthan fallen und krümmte sich auf dem sandigen Boden, Schaum vor dem Mund.
Das ist also Krieg.
Der andere duckte sich neben die Tür und steckte hastig eine neue Energiezelle in sein Lasergewehr,
Wonthan hatte seine Waffe schon vor einiger Zeit verloren.
Gerade als er sich wieder begann zu fangen zuckten plötzlich Energiestrahlen durch die Tür und das Fenster.
Zuerst dachte er, es wären nur verirrte Querschläger, bis er aus nächster Nähe scharf gebrüllte Kommandos hörte.
Ein Großteil ging in Detonationen unter, aber das Wort „stürmen“ reichte, um ihm klar zu machen,
dass er um sein Leben kämpfen musste.
Der Doktor griff sich die Pistole des Verwundeten, der mittlerweile fiebrig vor sich hin murmelte, und machte sie klar.
Es war ein fast schon archaisches Modell mit einer dicken Trommel.
6 Patronen.
Er richtete sie auf die Tür.
Der Imperator beschützt.






993.992999.M41, Schild von Terra, über Plython, Admiral Darkass

DIE SCHLACHT LIEF GUT.

Admiral Darkass verfolgte unter Spannung jede der Aktionen auf Plython.
Er stand vor einem gewaltigen Holo-Tisch im Strategium der Schild von Terra.
Auf ihm war ein beeindruckendes, dreidimensionales Bild der Stadt auf dem Sand Planeten zu sehen. Überall blinkten die Lichter von Explosionen und Rauchfahnen stiegen auf.
Die Positionen der Zweiundzwanzig Stoßtrupps waren in großen Symbolen angezeigt, um eine bessere Übersicht zu haben.
Vierzehn Missionsziele waren bereits gesichert und Verstärkung war dorthin unterwegs. Der Widerstand schien zu bröckeln und die Moral der Rebellen sank.
Lediglich Inquisitor Wisbert steckte fest.
Natürlich hatte er den Angriff auf die gegnerische Kommando-Zentrale selbst führen müssen, anstatt ihn den stärkeren Astartes zu überlassen.
Alter Dickkopf.
In diesem Moment wurde der Admiral aus seinen Gedanken gerissen..
„Sir, da gibt es etwas das sie sehen sollten“, sprach ihn ein geschniegelter Adjudant mit beflissener Stimme an.
Widerwillig hob Darkass des Kopf.
„Ja?“, fragte er schneidend.
„Wir sind nicht mehr alleine im System!“
Der junge Offizier versuchte dadurch, dass er den Satz überzogen betonte, möglichst dramatisch zu klingen, kam aber bloß lächerlich herüber.
Trotzdem verfehlten die Worte ihre Wirkung auf den Admiral nicht.
Er sprang auf, stieß den Adjudanten unsanft beiseite und eilte zum Ortungsstand.
Der Kult hatte über keinerlei bewaffnete Flotte verfügt, nur über die nicht warpfähigen Transporter, mit denen sie hergekommen waren.
Es war ein leichtes gewesen den Orbit von Plython mit seinen schweren Kreuzern zu übernehmen.
Hatten die Rebellen versteckte Reserven aktiviert?
Alle möglichen Reaktionen, Manöver und Taktiken gingen ihm durch den Kopf, doch das, was ihn erwartete war selbst für ihn völlig überraschend.
Der Kapitän der Schild von Terra war bereits beim Ortungsstand und redete wild auf die Astrophaten ein, verstummte aber als der Admiral hinzukam.
„Es gab mächtige Erschütterungen im Immaterium, Sir, wir sind noch dabei die Transitutionen zu zählen, Sir“, quäkte einer der Psioniker aufgeregt.

„Identifizieren sie die Ankömmlinge so schnell wie möglich“, ordnete Darkass mit bebender Stimme an.
Auf einem der großen Bildschirme baute sich langsam ein Bild auf, dass die Sensoren des Schiffs durch ihre Abtastungen generierten.
Als sich klare Formen heraus zu kristallisieren begannen, tauschten der Admiral und der Kapitän einen Blick.
Ein Blick voller Entsetzen und Wissen.
„Volle Gefechtsbereitschaft. Alarmstufe Rot für alle Sektionen.“






993.992999.M41, Plython, Inquisitor Wisbert

STERBT KETZER!
Von oben bis unten mit Blut und Schlimmeren bedeckt kämpfte sich Inquisitor Wisbert unerbittlich vorwärts.
Schritt um Schritt.
Ketzer um Ketzer.
Jeder seiner Muskeln schmerzte vor Anspannung, doch sein Wille, geformt aus Hass und Treue zum Imperator, hielt ihn auf den Beinen, ließ ihn töten.
Wieder und immer wieder.
Der Palast war fast gesichert.
Hier hatten die Rebellen ihre Kommando-Zentrale aufgeschlagen und er, Inquisitor Wisbert würde sie vernichten.
Nach einer halben Stunde intensiven Feuergefechten hatten er und seine Männer die Mauer überwinden können.
Es folgten zähe Nahkämpfe in den engen Fluren und Korridoren des Hauptgebäudes, bis schließlich alle verbliebenen Verräter ins Freie flohen und in den ehemaligen Gesindehäusern Schutz suchten.
Ihr Fehler.
Jetzt waren sie gefangen zwischen den kunstvoll verzierten Palastmauern.
Leichte Beute.

Ein Sturmtrupp der Red Talons kam mit flimmernden Sprungmodulen über den Wall geflogen um die Inquisitionsgardisten zu unterstützen.
Nein, das hier ist mein Sieg!
Wisbert enthauptete entschlossen den nächsten Gegner.
Der Hof wurde zu einem Schmelztiegel des Schlachtens.
Die Astartes metzelten die einfachen Menschen wie Ratten nieder.
Ratten. Das waren diese Verräter auch. Und irgendwo hier war ihr Anführer.
Der Inquisitor stürmte vorwärts auf die Gesindehäuser zu, zu allem entschlossen.
Stolz bemerkte er, dass seine persönliche Garde sofort an seiner Seite war.
Er bedeutete ihnen das erste Haus vor ihnen unter Feuer zu nehmen, als plötzlich hinter ihnen einige gewaltige Detonationen ertönte,
als einer der gigantischen Türme in einem Schauer aus Trümmern spektakulär in sich zusammen brach.
Gegen den Lärm anbrüllend befahl er: „Lohren, Ansag mitkommen! Wir stürmen das Gebäude!“

Der Widerstand fiel geringer aus, als erwartet.
Neben der Tür kauerte einer der Ketzer, in der Hand ein Lasergewehr.
Er reagierte aber viel zu träge um dem erfahrenen Kämpfer gefährlich zu werden.
Ein horizontal geführter Streich mit dem Schwert ließ den Schuss nutzlos die Wand treffen.
Der Rebell versuchte die Waffe zu seinem Schutz hoch zu reißen, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzten auf den Rücken.
Wisbert traf genau sein Herz.
Der zweite Verräter war praktisch schon tot, der Unglückselige hatte ein Bein verloren und machte keine Anstalten sich zur Wehr zu setzten.
Der Inquisitor erlöste ihn.
Doch der letzte Gegner schoss panisch nach den Angreifern.
Ansag wurde mehrfach getroffen und ging röchelnd in die Knie.
„Dreckskerl!“, fluchte Wisbert und hechtete vor.
Einen Augenblick sah er dem Ketzer ins Gesicht.
Es war verschmiert mit Blut, Rotz und Erbrochenem.
Aus den Augen sprachen Grauen, Abscheu und Ungläubigkeit.
Er schlug nach dem Rebell, der allerdings knapp ausweichen konnte.
Gerade wollte er nachsetzten, als sein Opponent ihm unverwandt die leere Pistole an den Kopf warf.
Einen Moment schwankte er, spürte den warmen, roten Lebenssaft von seiner Schläfe herunter rinnen und sich mit dem Schweiß vermischen.
Diese verdammte Hitze.
Als sich Inquisitor Wisbert wieder fing, war der hinterhältige Ketzer längst verschwunden.
Egal, er stirbt heute trotzdem noch.

Die Mitglieder seines Trupps rückten nach und sicherten das Haus.
Für Ansag kam jedoch jede Hilfe zu spät.
Gerade wollte der Inquisitor den Befehl zum weiteren Vorrücken geben, als er einen Funkspruch über sein Kom erhielt.
Es war der Leitende Kommunikations-Offizier seines Angriffsverbandes.
„Sir, die Flotte meldet dass... Krchhhhhhhhh“ Das Signal wurde verzerrt.
„Wiederholen sie bitte Leutnant!“, rief Wisbert gegen den Lärm in der Nähe aufflammender Gefechte an.
Doch das Signal war verloren.
Etwas beunruhigt verließ er mit seinen Männern das Haus.
Stimmte im Orbit etwas nicht?
Hatten die Ketzer doch eine Flotte, die sie erst jetzt mobilisiert hatten?
Unwillkürlich sah er nach oben. Und erstarrte.
Der Himmel weinte.






993.992999.M41, Plython, Aushan`Ui

TEUFELSROCHEN SCHWIMMEN LEISE.
Die Transporter flogen in perfekter Phalanx-Formation, bis sie zehn Kilometer vor der gewaltigen Stadt waren, deren Türme in der Ferne aus der Wüste aufragten.
Hier schwärmten sie aus, und schwenkten auf ihre vorgegebenen Ziele ein.
Shash`Ui Vior`la Aushan Mont`yr, kurz Aushan`Ui, beobachtete durch den kleinen Bildschirm, wie die menschlichen Bauten näher kamen.
Er war kein Experte auf dem Gebiet der Architektur, aber selbst seine ungeschulten Augen konnten erkennen, wie plump und ungeschickt sie errichtet worden waren.
Wieder einmal fragte er sich, wie es diese Wesen so weit hatten bringen können.
Und wiedereinmal wusste er keine Antwort.
„Noch zwei Minuten bis zur Ankunft am Zielort“, drang Roncha`Uis vertrautete Stimme durch seine Helmlautsprecher.
Er löste sich von dem Monitor und ging an seinem wartenden Trupp vorbei zum Cockpit des Teufelsrochen, wo die hübsche Pilotin saß und den Flieger steuerte.
Als sie ihn kommen hörte, verzog sie ihr Gesicht zu einem warmen lächeln.
Während seines mittlerweile schwer vernarbt war, war das ihre immer noch so glatt und jung wie damals, vor etlichen Tau`cyr,
als sie beide noch zusammen auf der Akademie von Vior`la studiert hatten.
Er war mittlerweile ein erfahrener Krieger, erprobt in dutzenden Schlachten gegen Orks und Menschen, während sie zu den Piloten der Feuerkaste gegangen war.
Doch die ganze Zeit waren sie sich gute Freunde geblieben, die ihren Landurlaub häufig zusammen verbrachten.
„Viel Glück da unten“, sagte sie ohne den Blick von den komplizierten Kontrollen zu lassen.
„Wenn wir Glück brauchen würden, hätte uns der Commander nicht angreifen lassen“, erwiderte er ebenfalls lächelnd.
„Wir beide wissen, dass das nicht so ist. Das ist Krieg. Krieg mit Menschen. Wir wissen nicht was geschehen wird...“
„Ich werde überleben. Das hier ist nichts.“, meinte er selbstbewusst.
„Was wissen wir über die Menschen mit denen wir uns verbündet haben? Können wir ihnen trauen?“, hakte sie nach während sie entgegenkommendem FLAK-Feuer auswich.
„Sie sind irrelevant. Wir haben uns nicht mit ihnen verbündet, sie sind lediglich Mittel zum Zweck.“
„Aushan`Ui?“
„Ja, meine Gute?“
„Viel Glück da unten.“

Er ging zurück zu seiner Einheit, die nun alle ihre rot gestreiften Helme aufsetzten und die Pulsgewehre entsicherten.
„Ankunft in 20 Sekunden“, hallte es nun durch den Rochen.
Innerlich spannte er sich an. Die Schlacht stand kurz bevor.
Die Ruhe vor dem Sturm.
„Shash`la!“, rief er in die Runde.
„Unser Ziel ist klar: Wir sichern die Kommandozentrale der rebellierenden Menschen.
Ich will dabei keinen von euch verlieren, verstanden? Diese Schlacht ist bereits gewonnen und keiner hat sein Leben aufs Spiel zu setzen!
Für das höhere Wohl!“
Er spielte mit dem Gedanken ihnen wie Roncha`Ui „Viel Glück“ zu wünschen, verzichtete aber darauf.
Sie würden kein Glück brauchen.

„Einsatz in fünf Sekunden!“
Der Teufelsrochen landete direkt auf dem Hof des Palastes.
Tau von anderen Welten hätten eventuell eine andere Vorgehensweise bevorzugt, aber diese hier kamen von Vior`la. Sie sahen ihren Feinden direkt ins Auge.
Die Landerampe klappte herunter. Grelles Licht flutete Aushan`Ui entgegen und blendete ihn einen Augenblick, bis die Sensoren seines Visiers es abdämpften.
Sein Trupp führte das hundert mal geübte Manöver der Landung durch:
In Zweierreihen rannten sie mit Schussbereiten Waffen den Steg herunter, wobei sie abwechselnd nach rechts, links oder durch die Mitte ausscherten.
Das Pflaster des Hofes war bedeckt mit Massen an toten Menschen.
Grauenhaft verstümmelte Soldaten und Rebellen, die hier Seite an Seite, in ihrem eigenen Blut zur letzten Ruhe gefunden hatten.
Die Feuerkrieger ordneten sich neu und stürmten in geschlossener Formation auf die kleine Häusersiedlung im inneren der Palastmauer zu, in der immer noch heftig gekämpft wurde.
Für das höhere Wohl.
Die ersten Menschen starben mit grenzenlosem Erstaunen im Gesicht.
Der Trupp agierte wie ein Mann: Von einem Augenblick zum anderen teilten sie ihr Feuer auf oder fokussierten es auf auftauchende Bedrohungen.
Die Tau rückten entschlossen vor, sich selbst Deckung gebend und blitzschnelle Ausfälle führend.
Eine perfekte Tötungsmaschine, die keinen Fehler machte. Nur Tötete.
Nichts schien sie aufhalten zu können.





993.992999.M41, Plython, Inquisitor Wisbert

WIR SIND VERLOREN.
Der Satz geisterte ihm durch den Kopf, seit er die Armada an Landungschiffen am Himmel gesehen hatte.
Er wusste nicht, wie der verdammte Visionär die Xenos auf seine Seite hatte bringen können. Klar war nur, dass er ihn unterschätzt hatte. Trotz aller Vorkehrungen.
Wir sind verloren.
Das einzige, was ihm jetzt blieb, war so viele der elenden Ungläubigen wie möglich im Namen des Imperators mit ins Grab zu nehmen.

Es gelang ihm einen kleinen Haufen halbwegs unverletzter Krieger zu sammeln, darunter einen der gewaltigen Red Talons, die schwere Verluste durch das Einstürzen von drei der Türmen hatten hinnehmen müssen.
Dies ist also mein letztes Gefecht.
Ohne Zeit an inspirierende Reden zu verlieren führte er sie direkt in den Kampf.





993.992999.M41, Plython, Aushan`Ui

ES WAR FAST VOLLBRACHT.
Die Tau trieben die Menschen zu Paaren.
Jedes heulen eines Pulsgewehrs hatte einen Todeschrei zur Folge.
Doch vor den Mauern des Palastes formierte sich ein letztes Quäntchen Widerstand.
Aushan`Ui kam nicht umhin sie dafür zu bewundern.
Jeder dieser Streiter kämpfte bereits seit Stunden. Stand seit Stunden unter Adrenalin. Immer an der Schwelle zum Tod.

Sie trafen auf einem kleinem Platz mit einem ausgedörrtem Brunnen aufeinander.
Keiner der Menschen hatte noch Munition. Stattdessen stolperten sie mit schartigen Messern und Schwertern vorwärts. Vollkommen erschöpft und ausgelaugt.
Was treibt sie bloß an?

So starben sie einer nach dem anderen im gnadenlosen Feuer der Feuerkrieger, Gebete an ihren Gott-Imperator auf den aufgesprungenen Lippen.
Der letzte der fiel war Inquisitor Wisbert, nachdem er aus unzähligen Wunden blutend noch zwei der Tau erschlagen hatte.
Ein Heldentot.

Der Imperator beschützt.





Als die Sonne unter zu gehen begann, waren die Imperialen endgültig geschlagen.
Die Dünen verfärbten sich Blutrot und die schmalen Gassen der Stadt wurden von Schatten verhüllt, die die Massen an Toten versteckten die dort gefallen waren.
Der Wüstenwind begann an zu schwellen und verteilte den Geruch von Schweiß, Blut und Rauch, der immer noch von etlichen Bränden aufstieg.
Vor der Stadtmauer war eine riesige Fläche mit zerstörten Panzerwracks bedeckt, vernichtet mit einem Kilometer großen Bombenteppich.
Unter Tonnen von Trümmern begraben lag ein Großteil der stolzen vierten Kompanie der Red Talons. Ihre Gensaat würde für immer verloren sein.

Mit der Dunkelheit kamen die Geier. In ganzen Schwärmen machten sie sich auf zu dieser reichlich gedeckten Festtafel um ihren gewaltigen Hunger zu stillen.

Während sich die Aasfresser begannen an den Gefallenen zu laben, kroch eine dreckige Gestalt aus einem dunklen Loch.
Eine dreckige Gestalt mit Doktortitel.
Doch der nützte Wonthan wenig, als er völlig ausgedörrt und schlapp vorwärts robbte, auf der verzweifelten Suche nach Wasser.
So fanden ihn seine Kameraden.
Etwa zwanzig Tausend von ihnen hatten den imperialen Zorn überlebt, aber es gab keine Siegesfeier. Nur Traurigkeit, Schmerz und unendliche Müdigkeit.

Es war eine Vision. Eine Vision von einer besseren Galaxis.


















So, ich hoffe es hat euch Spaß gemacht bis hier her zu lesen :)

Das war der Auftakt zu einer Geschichte, die ich einfach just 4 fun angefangen habe zu schreiben.
Eine Geschichte über eine Vision, die in einem barbarischen, nihilistischen Universum zum grausamen Scheitern verurteilt ist.

Bis dahin: Vielen Dank fürs Lesen!
Ich freue mich über alle Kommentare, ob Lob oder Kritik.












 
Zuletzt bearbeitet:

Nakago

Grundboxvertreter
Wirklich gut geschrieben. Zwar etwas minimalistisch was die Beschreibungen der Umgebung und der Protagonisten angeht, aber dafür sehr dynamisch.

Was mich etwas stört, ist wie schnell die Tauflotte ins System eindringt. Normalerweise dauert das Tage, bis ein Schiff vom Austrittspunkt eine Welt im Innern eines Systems erreicht. Durch die Gravitationskräfte können Schiffe nicht besonders tief eindringen. Also würde es Tage dauern, bis die Tau eingreifen könnten. Auch frage ich mich, warum die Stadt nicht einfach mit Orbitalschlägen dem Erdboden gleich gemacht wird. Laut Beschreibung stehen da nur Flakgeschütze herum, keine Raumabwehrgeschütze. Es ist sicherlich ein Settingbedingtes Dilemma. Die meisten Autoren lösen es mit einem Schutzschild, was einen Bodenangriff erforderlich macht. Dann ist mal von fünfundzwanzig Stoßtrupps die Rede, beim Admiral auf einmal nur noch zweiundzwanzig. Auch macht der Plan in meinen Augen recht wenig Sinn, die Türme zu erobern, um Bombern den Anflug zu ermöglichen. Wenn man die Türme hat, hat man doch die Stadt, oder? Auch Frage ich mich, warum kein Artillerie bereit steht.
 

Fischig

Testspieler
Vielen Dank Nakago.Zu deiner Kritik:
Die Charakterisierung der einzelnen Personen kam hier in der Tat sehr kurz, was daran liegt, dass das nur eine Art Prolog ist und die eigentlichen Protagonisten die Bühne noch nicht betreten haben.
Die Umgebungsbeschreibung habe ich in dieser Schlacht in der Tat der Dynamik geopfert, weil das hier kein Roman werden soll, sondern eine eher kurze, temporeiche Geschichte, die man zwischen durch am Pc lesen kann.


Was die Logik der Strategie angeht - Hier sind wirklich einige Fehler, und das ganze ist etwas wirr, da muss ich dir recht geben.
Das nächste mal muss ich mir das definitiv vorher überlegen und nicht später beim Planlos-drauf-losschreiben dann alles mehr schlecht als recht zurecht biegen.


Allerdings hat es seinen Sinn, dass die Tau gelandet sind:)
 

flask03

Blisterschnorrer
Kann mich Nakagos Lob nur anschließen. Es ist alles spannend und flüssig geschrieben, dein Stil ist mal etwas erfrischend anderes. Die eher fragmentarische Erzählweise schafft eine verstörende Atmosphäre. Gefällt mir sehr gut.

Neben dem überraschend schnellen Eingreifen der Tau, hat mich vor allem die Leichtigkeit stutzen lassen, mit der selbst imperiale Eliteverbände hinweggefegt werden. Hier und da hätten die Tau ruhig ein paar Verluste haben dürfen.
 

Fischig

Testspieler
Auch dir vielen Dank flask!

Ich merke schon man kann seine Geschichten hier nicht wie in unrealistischen Hollywood-Heroric-Filmen inszenieren. Ihr habt natürlich recht, das hier ist Warhammer und nicht Star Wars! ;)
 

Lavellan

Testspieler
Die Geschichte hat mir ziemlich gut gefallen.
Ich fand besonders den Wechsel zwischen den Protagonisten gut, das macht
die Geschichte abwechslungsreicher.

Tau ftw!
 

Fischig

Testspieler
Das folgende Kapitel wurde aus der Geschichte gestrichen, d.h. alle Informationen und Ereignisse darin sind für den Fortgang der Geschichte nicht mehr wichtig.

„Der Kampf auf Plython war ein voller Erfolg!“, ereiferte der Diener sich, während er ein Kristallglas mit erlesenem Loreen-Wein vor seinen Meister stellte.
Herb und trocken.
„War er das?“, fragte dieser gelangweilt und nippte an dem Getränk.
„Oh, ja – mit Hilfe der Tau haben wir das Imperium geschlagen!“
„Es ist verdammt nochmal nicht meine Absicht das Imperium zu schlagen! Ganz im Gegenteil!“, blaffte der Herr und machte eine wegwerfende Geste in Richtung seines Untergebenen, wobei er viel des kostbaren Tropfen verschüttete.
„Aber das wird so eine niedere Ratte wie du sowieso nicht verstehen!“
Eingeschüchtert machte die niedere Ratte einige Schritte rückwärts.
„Aber das Bündnis mit den Tau hat sich doch ausgezahlt“, lispelte er vorsichtig.
„Sie sind irrelevant. Wir haben uns nicht mit ihnen verbündet, sie sind lediglich Mittel zum Zweck.“, meinte der Meister und besah sich die letzte Bodendecke in seinem Glas.
„Aber etwas macht euch doch sorgen, Herr?“, wagte der Diener sich vor.
Der Herr sah auf.
„Ein alter Freund!“, murmelte er abwesend.
„Warum habt ihr Angst vor einem alten Freund?“
„Ein alter Freund ist der schrecklichste Feind, mein Sohn.“





2. Arkenbourg




99300.M41, Arkenbourg, Inquisitor Sazar Narioth

DIE SUCHE BEGINNT.
Die Landerampe des Gleiters fuhr unter Ächzen herunter und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf der kleinen Landeplattform auf.
Die erste Person, die ausstieg war ein wahrer Hüne. Zwei Meter, muskelbepackt und mit einem wilden, roten Vollbart.
Er trug einen langen, schweren Waffenrock und hohe Lederstiefel.
Auf seinen Rücken war ein klobiges Boltergewehr geschnallt, und an seinem Gürtel baumelte eine zweischneidige Axt.
Er war praktisch das Ebenbild dessen, was auf der früheren Erde als Barbar bezeichnet worden war.
Unter seinen buschigen Augenbrauen hervorschauend, überblickte er erst misstrauisch die Plattform, bevor er mit schweren Schritten den Steg herunter donnerte.
Die zweite Person stand in krassem Gegensatz zu dem ungehobelten Riesen:
Es war ein Mann in den besten Jahren, mit langen, schwarzen Haaren und einem eleganten Schnurrbart über einem Mund der nie mit dem Grinsen aufzuhören schien.
Sein athletisch anmutender Körper war in wallende, blaue Tücher gehüllt.
Auf den ersten Moment schien er unbewaffnet, als er grazil dem Hünen folgte.
Der letzte, der den Gleiter verließ war ein alter Mann.
Gebückt von sechshundert Jahren Dienst am Imperator, hinkte er langsam, auf seinen Stock, gestützt die Rampe herunter.
Es verletzte immer noch Lord-Inquisitor Sazar Narioths Stolz, dass er auf eine Krücke angewiesen war. Doch sein Körper wollte einfach nicht mehr, wie er wollte.
Unzählige Implantate fingen in seinem zähen Fleisch an zu verrotten, und die lebensverlängernden Hrud-Drogen, denen er einige Zeit etwas zu sehr zugesprochen hatte, begannen ihren Tribut zu fordern.
Drei Jahre noch. Vielleicht vier.
Aber er gedachte nicht, diese Zeit untätig zu verbringen.

„Nun, zumindest ein kleines Empfangskomitee hatte ich mir schon vorgestellt“, meinte der Alte mit gespielter Enttäuschung als er zu seinen beiden Helfern trat.
Er sah sich auf der leeren Plattform um.
„Was erwartest du? Das sie dir einen roten Teppich ausrollen und Blumen auf deinen Weg werfen?“, fragte Maris sarkastisch.
„So etwas in der Art“, murmelte der Inquisitor, während er seinen altmodischen Fellmantel zu recht rückte.
Maris war ein Meister der Infiltration und Recherche. Er hatte ihn auf irgendeinem Agrarplaneten aufgelesen, wo er als Arbitrator bei den Twinks ebenso gefürchtet, wie
bei den Frauen der Adligen beliebt war.
Er vereinte Schläue mit körperlicher Überlegenheit und Mut.
Sein fähigster Diener.
„Ich mag diesen Planten nicht“, grunzte Orska.
In körperlicher Stärke und Mut stand der Hüne Maris in nichts nach, nur sein Geist hinkte manchmal etwas hinter her.
„Ich kann dich gut verstehen“, pflichtete ihm der Inquisitor bei während er hinaus auf Arkenbourg blickte.
Der gesamte Planet war eine einzelne Stadt.
Einst, als die ersten imperialen Siedler mit der Kolonialisierung begonnen hatten, hatte es nur ein kleines Dorf gegeben.
Doch aufgrund der günstigen Lage im östlichen Spiralarm, errichteten hier alsbald einige Handelshäuser Stützpunkte.
Das Geschäft lief gut und mit dem Reichtum explodierten auch die Siedlungen.
Die Häuser begannen sich zu gewaltigen Wolkenkratzern zu stapeln und riesige unterirdische Gangsysteme wurden angelegt um den sich ständig vermehrenden Menschen Platz zu bieten.
Majestätische Kathedralen und Schlösser entstanden neben dreckigen Mietskasernen und Müllhalden auf denen sich die armen Kinder um die Essensreste der Aristokraten stritten.
All das Elend der notleidenden Bevölkerung, die auf engstem Raum zusammengepfercht war, blieb dem Inquisitor durch die Giftwolken aus Abgasen verborgen, die Unheil verkündend über Arkenbourg schwebten.

„Hier zeigt sich das Imperium tatsächlich von seiner hässlichsten Seite, Orska!“, ergänzte er sinnierend und stellte sich neben den Riesen.
In seiner Jugend war dieser ein Aspirant der Space Wolves gewesen.
Am Anfang arbeitete er sich durch seine Brutalität und Wildheit schnell empor.
Bis er sechs seiner Kameraden aus Langweile zerfleischte.
Das Oberkommando verbannte ihn von Fenris und er war gezwungen ein undankbares Leben als Söldner zu führen.
So traf er auf den Inquisitor.
Nachdem er das Gemüt Orskas etwas abgekühlt hatte, wurde er zu einem der stärksten Teile seiner Garde.
Heute hatte er ihn mit nach Arkenbourg genommen, weil er wusste wie schwach er mittlerweile selbst war, wenn es hart auf hart kam.
Jetzt war er schon auf andere angewiesen.

„Da kommt endlich jemand!“, rief Marius in diesem Moment und deutete auf eine Schott in dem Turm, in dem die Landeplattform verankert war und der sich geöffnet hatte.
„Wie ein Haufen kreischender Mädchen sieht das aber nicht aus!“, murrte der Inquisitor grinsend.
Es war ein fetter, schmieriger Zollbeamte, gefolgt von zwei Servitoren.
Alles an ihm schrie nach schamlos zur Schau gestelltem Reichtum und Dekadenz: Der alberne, quitsche gelbe Dreispitz mit einer grünen Feder, der silberne Parade-Säbel an seinem Gürtel und der schwere, teure Brokatmantel, auf den mit Goldfaden das Wappen des Handelshauses gestickt war, das das Recht hatte hier den Zoll zu kassieren.
Alfrunash.
Der Inquisitor hatte bereits einiges in den Datenbanken der Inquisition über seinen Einsatzort nachgelesen, denn er war auch nach sechshundert Jahren noch der Überzeugung, dass sorgfältige Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg war.
Das Haus Alfrunash war das erste gewesen, dass sich auf Arkenbourg angesiedelt hatte und bei weitem das mächtigste.
Es kontrollierte große Teile des Imports auf den Planeten und hatte beträchtlichen Einfluss auf die Aristokratie, ja man munkelte sie würden den Planeten sogar indirekt regieren.
Er sollte es sich mit ihnen nicht verderben.
Der Zollbeamte watschelte ihnen entgegen, auf dem aufgedunsenen Gesicht ein übertrieben freundliches, aufgesetztes Lächeln.
„Willkommen auf Arkenbourg!“, rief er den Ankömmlingen entgegen.
Er spukte beim Reden.
„Vielen Dank“, erwiderte der Inquisitor etwas reservierter und schüttelte ihm die mit Wurstfingern bestückte Hand.
Von jedem der Goldringe könnte ein einfacher Bürger ein Jahr leben.
„Wie heißen wir denn?“, erkundigte der Beamte sich in albern väterlichem Ton.
„Mein Name ist Morgen“, stellte sich Sazar unter falschem Namen vor.
Er operierte incognito.
„Und das sind meine beiden Helfer Orska und Marius.“
Niemand würde sie kennen.
„Reizend“, der Mann deutete eine Verbeugung an, verzichtete aber mit Blick auf Orskas Pranken darauf, auch ihnen die Hand zu schütteln.
„Und was wünschen die Herren auf unserem wuu-hunderbarem Planeten zu tun?“, flötete er.
„Ich bin Händler“, stellte der Inquisitor fest, jetzt ziemlich kühl angesichts der Show die sein Gegenüber abzog.
Er hatte tatsächlich einige Waren dabei, um seine Maskerade nicht platzen zu lassen.
„Händler... Mit was handeln wir denn?“ Man konnte sehen wie der Beamte sich im Geiste die Hände rieb.
„Alles Mögliche, Krimskrams und so…“
Er hatte sich für diesen Einsatz extra das Sammelsurium eines fliegenden Schrotthändlers zugelegt und zu vielen der Einzelteile sogar Geschichten darüber auswendig gelernt, wo er sie gefunden hatte.
Gründliche Vorbereitung war alles.
Doch der Beamte schien seine Worte falsch zu deuten.
„Schon gut“, sagte er und zwinkerte dem Inquisitor zu.
Dann wartete er eine Weile und zwinkerte nochmal.
Als der Andere dann immer noch nicht reagierte zog der dicke Mann geräuschvoll die Nase hoch, warf sich den Mantel über die Schulter und drehte sich schwungvoll auf dem hohen Absatz seiner glänzend polierten Schuhe um.
„Durchsucht das Schiff und fertigt eine Liste sämtlicher Güter an“, herrschte er die beiden Servitoren an und marschierte energisch zurück in den Turm.

„Warum war der denn plötzlich so beleidigt?“, fragte Orska ratlos.
„Vielleicht wollte er bestochen werden“, gab Sazar ebenfalls etwas irritiert zurück.
„Natürlich wollte er das“, meinte Maris mit gespielt altkluger Stimme „Wo hast du nur deine Manieren Inquisitor?“
Daher die teuren Kleider.
Nun ja, von Korruption stand in den Berichten über Arkenbourg natürlich auch eine Menge.
„Nun gut…“ Der alte Mann drehte sich seinen beiden Begleitern zu.
„Maris – du tauchst jetzt schon unter, und schaust ob du an irgendwelche Kontakte hie kommen kannst“, ordnete er an, mit einer unüberhörbaren Müdigkeit in der Stimme.
Nach 600 Jahren hatten sich die Methoden immer noch nicht geändert.
Doch Maris schien sich regelrecht über den Auftrag zu freuen.
„Sir, Jawohl Sir“, sagte er grinsend und salutierte.
Alter Spaßvogel.
„Ich und Orska werden unser Quartier aufsuchen und uns einrichten“, fuhr der Inquisitor fort.
„Und bitte seid alle vorsichtig. Ihr wisst was mit Inquisitor Waknert passiert ist, der hier nach dem Visionär gefahndet hat…“





99300.M41, Arkenbourg, Nuyne

DIE ERSTE PERSON DIE AUSSTIEG, WAR EIN WAHRER HÜNE.
Plump, ungeschickt und hässlich.
Der zweite gefiel mir schon viel besser.
Es war ein attraktiver, eleganter Mann, neben dem der Riese noch viel unförmiger wirkte.
Meine geschulten Sinne nahmen jede seiner flüssigen Bewegungen genau war.
Orska und Maris.
Ich ließ sich kurze Personenbeschreibungen auf ihre Linsen projizieren.
Ein Wolf und ein Frauenheld.
Über die dritte Person hatte ich bereits alles gelesen.
Inquisitor Sazar Narioth.
Ein Veteran unzähliger Schlachten.
Ein Verfechter des Willens des Imperators.
Ein Henker unzähliger Ungläubiger.
Ein Held.
Das war er gewesen.
Doch nun war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Alt. Schwach.
Dennoch hatte er darauf bestanden sich persönlich um diese Aufgabe hier auf Arkenbourg zu kümmern: Den Visionär zu stellen.
Und er würde nicht scheitern. Dafür würde ich sorgen.

Der Körper den ich angenommen hatte, bereitete mir immer noch Probleme.
Der Zollbeamte wog das Vierfache meines eigenen Gewichts, und die Massen an schwabbeligem Fleisch ekelten mich.
Daran, die Genitalien eines Mannes zu tragen, hatte ich mich allerdings mittlerweile gewöhnt, viel mehr hatte ich etwas gegen die widerwärtigen Kleider in die ich mich gezwängt hatte
Aber eine Callidus Assasine war einiges gewohnt.
Zwar stand ich erst am Anfang meiner Laufbahn, aber zu Trainingszwecken hatte die Droge Polymorphin schon Mutanten, Eldar und sogar Space Marines aus mir gemacht.
Es benötigte einige Übung um sich in fremden Körpern nicht völlig daneben zu benehmen. In erster Linie war schauspielerisches Einfühlsvermögen gefragt - und darin war ich wahrlich eine Meisterin!
Ich war selbst überrascht wie gut ich den aufgesetzten, schmierigen Beamten hinbekam.
Nur fast etwas übertrieben.

Ich hatte erwartet, dass der Inquisitor ihr Bestechungsangebot ablehnte. Ich wusste, was für ein ehrbarer, geradliniger Mann er war.
Als Ich mich im Folgenden, den Beleidigten miment, schwungvoll umdrehte wäre ich fast auf meinen dicken Hintern gefallen.
Wäre lustig gewesen.
Aber das hier war keine Komödie.
Ganz und gar nicht.





99300.M41, Arkenbourg, Inquisitor Sazar Narioth

ARKENBOURG WAR SCHLIMMER ALS ERWARTET.
Ein kostspieliges Taxi brachte den Inquisitor und Orska zu ihrem reservierten Quartier im unteren Teil der Hafenstadt.
Der schrobige Fahrer hätte genauso gut Kampfpilot in der Armee sein können, so hetzte er das kleine, kompakte Antigrav-Fahrzeug über die gewaltigen Hauptstraßen.
Die Menge des Verkehrs, der durch den dreckigen Smog jagte, beeindruckte selbst den alten Inquisitor, der schon auf Planten Necromunda oder Dakar gewesen war.
Der Fahrer manövrierte die Maschine in waghalsigen Manövern um große, schwer bewachte Lastzüge und pompöse Ausflugsbarken der Adligen.
Wenn es sich zu sehr zu stauen begann, riss er den Steuerknüppel herum und bog in einer scharfen Kurve ab, in das Gewirr an engen, dreckigen Seitenstraßen.
Sazar sah wie unwohl Orska war, der sich nur auf seinen eigenen Beinen sicher fühlte.
Der Riese musste sich ducken um überhaupt in das Gefährt zu passen.
Er zuckte bei jeder Bremsung wie ein kleines Kind zusammen und als ihr Fahrer während dem irren Trip auch noch aus einer Dose eingemachter Bohnen zu essen begann, fing er an aus allen Poren zu schwitzen.
Dem Inquisitor machte es nicht so viel aus.
Er trommelte mit den Fingern im Rhythmus zu der rauen Musik, die das Taxi erfüllte auf seine Knie und sah nachdenklich zum Fenster heraus.
Panzerglas.
Arkenbourg war alles andere, als ein sicherer Ort.
Sazar erlebte die Metropole nun von ganz unten.
Die gewaltigen Hochhäuser erhoben sich in so schwindelerregende Höhen, dass man ihre Spitzen von ihrem Fuß nicht sehen konnte.
Über ihm verästelten sie sich durch ein Netz an Stegen, Brücken und Plattformen auf denen neue Häuser wuchsen.
Die Stadt schien wie ein kunterbunter Mix aus den unterschiedlichsten Architekturstilen: Gotische Kirchen wechselten sich mit barrocken Palästen ab. Kalte, glatte, ergonomisch perfekt geformte Stahltürme standen neben Mittelalterlichen Steinburgen und zwischen den großen Wohnanlagen gab es immer wieder kleine Siedlungen aus Holz-, oder Müllhütten, den Ghettos.
Alles schien voller Leben.
Bürger und Kolonnen an Servitoren hasteten durch die Gassen und gingen ihrem Tagwerk nach. In Hauseingängen lungerten überall zwielichtige Gestalten und an jeder Ecke hatte irgendein Händler einen provisorischen Stand aufgeschlagen, wo er Plunder und billige Snacks feilbot, sich allerdings sofort aus dem Staub machte, wenn einer der allgegenwärtigen Arbites-Trupps sich näherte.
Dem Inquisitor fiel auf, dass die Regierung wohl vor einiger Zeit ein Programm zur Verschönerung der Stadt gestartet hatte: Etliche Pflanzenkübel und Beete waren aufgestellt und eingerichtet worden, aber die Gewächse waren in den Abgasen Arkenbourgs zu einem grausamen Tod verurteilt.
Es würde schwer werden hier die Spur des Visionärs zu finden.
Verdammt schwer.
Plötzlich wurden seine Gedanken unfreiwillig zurück auf die Straße gelenkt.
Es war zwar nicht ihr rasender Fahrer der den Unfall verursachte, allerdings konnte man auch nicht sagen, dass sein Fahrstiel den Fahrgästen zu Gute kam.

Die Planetaren Streitkräfte verschoben viele ihrer Truppen über das normale Straßennetz. Das Gefährt, das in einiger Entfernung vor dem Inquisitor herfuhr erinnerte an eine große stählerne Raupe. An Deck standen in Reih und Glied stramm etliche Soldaten in Lederrüstungen, jeder mit einem archaischen Breitschwert am Gürtel und einem Lasergewehr auf dem Rücken. Die Türkisen Flaggen am Transporter wiesen sie als Mitglieder des 3. Wachregiment Arkenbourgs aus, das im Moment den Fürsten der Ekklesiarchie unterstellt war und deren weihraucherfüllte Hallen vor dem Pöbel beschützte.
Später wusste keiner mehr genau wie es gekommen war, aber urplötzlich geriet irgendein kleiner, privater Flieger ins Trudeln und kollidierte bei voller Fahrt mit dem Transporter.
Er traf ihn am Heck, wo eine Art Ruderflosse montiert war.
Der kleine Gleiter wurde dabei völlig zerquetscht und stürzte unkontrolliert in den Weg der folgenden Fahrzeuge.
Wie ein Papierflieger wurde er aufgewirbelt und das dünne Blech gnadenlos zerteilt.
Das Chaos war perfekt.
Der große Transporter war zunächst ohne erhebliche Schäden, und die Soldaten mit dem Schreck davon gekommen, die Wucht des Aufpralls, und wenn sie noch so klein war, brachte den Koloss aber aus seiner geradlinigen Bahn.
Er zerquetschte einen kleinen Eskort-Panzer vom Typ Leman Russ der neben ihr her gerollt war fast zur Hälfte. Die Raupe wurde so auf der einen Seite total abgebremst und der Schwung bewirkte, dass sie sich quer zur Fahrbahn stellte.
Zwei Sekunden Später explodierte sie.
Die folgenden Flieger und Fahrzeuge krachten wie Geschosse gegen sie, brachten den Koloss in gefährliche Schieflage.
Soldaten fielen wie welke Blätter schreiend von der Ladefläche.
Das Chaos begann um sich zu greifen: Viele der Folgenden versuchten auszuweichen, kollidierten dabei miteinander oder touchierten Hauswände.
Die Straße war erfüllt von Schreien, Getöse und dem hässlichen Geräusch von Metall, dass zerdrückt wurde.
Ihrem Fahrer fielen die Bohnen auf den Schoss.
Mit einem wüsten Fluch auf den verschmierten Lippen riss er unser Gefährt hoch und manövrierte uns haarscharf zwischen zwei schlingernden Fliegern hindurch.
Orska kämpfte gegen den Drang an sich zu übergeben.
Einem übereifrigen, entgegenkommenden Löschflugzeug wich er geschickt mit einer Rolle aus.
Die Luftwaffe hatte wirklich einen ausgezeichneten Piloten in ihm verloren.
Doch all das Geschick nützte ihm nichts.
Er geriehten in Dichten Qualm, der es unmöglich machte etwas in weiter als drei Meter zu erkennen. Dabei touchierte er ein Frack, dass rauchend auf der Straße lag.
Der Aufprall raubte Sazar für einen Augenblick das Bewusstsein.
Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen alten Körper und forderte den maroden Implantate eine heftige Zerreißprobe ab.
Das Gefährt überschlug sich mehrfach, bis es gegen die Überreste des Armeetransporters schlug und liegen blieb.
Dem Inquisitor verschwamm alles vor Augen.
Wie aus einem anderen Universum drangen Stimmen an sein Ohr.
Stimmen die fluchten.
Arkenbourgische Flüche vermischt mit Fenrischen Flüchen.
Orska stemmte die zerdellte Wagentür auf während der Taxifahrer versuchte Sazar heraus zu helfen.
Er war etwas zittrig auf den Beinen als er auf seinen Leibwächter aufgestützt auf den Asphalt der Straße trat.
Wie durch ein Wunder schienen sie sonst unverletzt.

Das Schlammassel hatte sich indes etwas beruhigt. Nur noch vereinzelt ertönten Explosionen, doch der gesamte Straßenabschnitt stand in Flammen, die munter knisternd die Überreste der Fahrzeuge und ihrer Insassen verschlungen.
Die in Windeseile angerückten Löschmannschaften wagten sich jedoch mutig in die Hitze und rückten dem Feuer mit Schläuchen voller Schaum zu Leibe.
Arbites Trupps waren ebenfalls schon vor Ort um den Eingeschlossenen zu helfen.
Dem Inquisitor drängte sich der Verdacht auf, als wäre das alles nicht mehr als Routine hier.
Doch er hatte noch einen anderen Verdacht.
Vielleicht war er auf seine alten Jahre auch bloß paranoid geworden, aber seiner Meinung nach, war dieser Unfall keine Unfall gewesen, sondern ein Anschlag.
Ein Anschlag auf ihn.


Etwa vier Stunden später, war Sazar endlich in seinem gebuchten Quartier angekommen.
Vier Stunden, in denen er unfreundlichen Arbites Beamten nutzlose Fragen beantwortet hatte und sich dann mittels Benutzung der gnadenlos überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel und langen Fußmärschen bis hier her durchgeschlagen hatte.
Er hatte Arkenbourg bereits jetzt gründlich satt.

Ihre Unterkunft war eine dreckige, spartanisch eingerichtete Wohnung in einem der großen Hotels, in denen Reisende, Händler und Schiffsbesatzungen unterkamen.
Es lag an einem kleinen Marktplatz, von dem ständig das Geschrei der Verkäufer zu ihnen emporstieg.
Noch unangenehmer war der Geruch der den Leichen entströmte, die dort an mittelalterlichen Holzgalgen erhängt worden waren.

Der alte Inquisitor nahm gerade sein Abendessen zu sich.
Irgendeine undefinierbare braune Pampe ohne großen Geschmack.
Aus der Dusche hörte er Orska Fenrische Kriegsgesänge schmettern.
Er hatte den Hünen dazu genötigt ein Bad zu nehmen, da er bis zu Himmel gestunken hatte.
Sazar surfte während dem Essen etwas in dem planetaren Netzwerk und schmökerte durch alle möglichen Berichte, Studien und Stadtpläne.
Er war noch etwas unentschlossen bezüglich des Vorgehens.
Es galt eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden.
Einem Heuhaufen von der Größe eines Planeten.
Natürlich hatte er schon einige Kontakte und Mittelsmänner auf Arkenbourg ausfindig gemacht, aber ein zu übereifriges Vorgehen konnte alles zu Nichte machen.
Noch drei Jahre.
Genug Zeit um den Visionär zu fangen.
Wer auch immer er war.






99300.M41, Arkenbourg, Maris

DU TAUCHST JETZT SCHON UNTER.
Untertauchen war Maris Spezialgebiet. Innerhalb kürzester Zeit konnte er sich in nahezu jede Gesellschaftsschicht eingliedern, ohne dass irgendjemand es merkte.
Er hatte über Freundesfreunde bereits einige mögliche Anlaufstellen hier gefunden.
Schwierig war es allerdings, da er keine Ahnung hatte wo der Visionär zu finden war.
War er ein Twink aus dem Drogenmillieu?
War er ein nobler Graf aus der Oberschicht?
War er ein Soldat der Imperialen Armee?
War er überhaupt ein Mensch?
Es würde eine wahre Herausforderung werden, ihn ausfindig zu machen.
Und Maris liebte Herausforderungen.

Die Vermutung, dass er sich auf Arkenbourg aufhielt war begründet auf ein Dichtes Netz an Hinweisen in dessen Mitte der Stadtplanet lag.
Von hier waren die Ranken des Verrates ausgegangen.
Inquisitor Waknert war dem Gejagten hier bereits gefährlich nahe gekommen.
Möge er in Frieden ruhen.
Doch aus dem bruchstückhaften Bericht, den dieser kurz vor seinem Verschwinden gesendet hatte war eines klar hervorgegangen: Er war hier.
Und der Schlüssel sollte in der berühmten Universität Arkenbourgs liegen.
Diese Fährte würde Sazar selbst verfolgen, während Maris an jedem anderen Platz jedem noch so kleinen Hauch nachgehen würde, der nach Ketzerei roch.

Der Ex-Arbitrator folgte dem Zollbeamten mehr aus Routine als aus einem bestimmten Verdacht.
Vielleicht war er bestochen worden und gab sofort die Meldung über ihre Ankunft weiter, oder er erfuhr irgendetwas anderes Nützliches.
Man konnte nie wissen.
Ihn zu finden war nicht schwer: Maris folgte einfach dem unverwechselbaren Geruch des süßlichen Parfüms, vermischt mit dem Schweiß des dicken Mannes.
Er verließ die Landeplattform durch den Schott durch den der Beamte auch gekommen war, während der Inquisitor hinter ihm noch dabei war ein Taxi zu rufen.
Dahinter lag ein dunkles, verschachteltes Treppenhaus.
Nach allen Seiten gingen Türen zu mit Spinnenweben verhangenen Lagerräumen ab.
Wie ein Hund schnüffelnd, pirschte Maris sich langsam nach oben.
Ratten. Der ganze Turm war voller Ratten.
Schließlich erreichte er eine große Abstellkammer in der Reihen an alten Kisten mit konservierten Bohnen standen.
Durch ein offenes Fenster fiel das dreckige Licht Arkenbourgs herein.
In dem Lichtkegel tanzten die Staubkörner.
Jemand hatte sie aufgewirbelt.
Jemand war hier.
Der Zollbeamte.
Vorsichtig, jedes Geräusch vermeidend, glitt Maris hinein.
Eng an eine der Kisten gepresst schob er sich bis zum Rand um ein freies Blickfeld auf die andere Seite des Raums zu haben.
Dort stand er.
Der Fettleibige Beamte machte sich gerade an einer unscheinbaren Truhe zu schaffen.
Er konnte ihn schnaufen hören, während er mit den ungeschickten Fingern etwas herausholte.
Was machte er da?
Der Beobachtete förderte ein kleines Fläschchen zu Tage.
Es bestand aus Adamantium.
Das wird ja immer brisanter.
Seine Spürnase hatte ihm wieder einmal gute Dienste geleistet.
Der Dicke schüttelte den Inhalt erst gründlich, dann stellte er es zur Seite und begann sich zu entkleiden.
Maris Augen wurden Groß vor Überraschung.
War dieser Typ verrückt?
Würde er gleich mit irgendeinem diabolischen Ritual beginnen?
Als Untergebener eines Inquisitors hatte er da einige ziemlich unglaubliche Geschichten gehört.
Das einzige, was er sicher wusste war, dass der Anblick des speckigen, runzligen Mannes völlig nackt kein schöner war.
Doch er zwang sich weiter hinzusehen um heraus zu finden, was hier gespielt wurde.
Der Beamte griff sich die Flasche, schraubte den Verschluss auf und trank.
Einen Augenblick stand er bloß da und schaute ins Nichts.
Dann fiel er zu Boden.
Er begann sich unnatürlich zu verrenken und zu krümmen. Er schrie unterdrückt, aber voller Schmerzen. Schaum quoll ihm aus dem Mund. Seine Hände klammerten sich krampfhaft um die Flasche.
Die Hände.
Sie begannen als erste sich zu verformen.
Das Geräusch, das die Verwandlung machte, war das schrecklichste was Maris je gehört hatte.
Das Kacken von Knochen, das Schrumpfen und Gezerrt werden von Haut, das Gluckern von Blut, dass mit brachialer Gewalt durch den Körper gedrückt wurde.
Nun beherrschte er seine Schreie nicht mehr.
Laut und gepeinigt hallten sie in dem Raum wieder.
Er zuckte unkontrolliert und rollte wild über den Boden.

Maris konnte nicht mehr hinschauen.
Er zog den Kopf hinter den Kasten zurück und wartete.
Wartete, bis die Schreie verstummten.
Die folgende Stille war fast noch lauter als das Gebrüll.
Dann ein Schluchzen. Ein leises Schluchzen.
Das Schluchzen einer jungen Frau.

Vorsichtig sah Maris um die Ecke.
Ihm blieb die Luft weg.
Splitternackt lag sie auf den teuren Kleidern des Beamten.
Die blasse Haut glänzte vor Schweiß und sie räkelte sich nun erschlaffend, nachdem sie die Schmerzen hinter sich gelassen hatte.
Doch plötzlich straffte sie sich, als würde sie sich zusammen nehmen und erhob sich noch etwas unsicher.
Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass der Ex-Arbites eine Frau nackt sah, aber trotzdem konnte er seinen Blick nicht von ihr abwenden, geschweige denn sich rühren.
Ihre sonst makellosen Rundungen wurden jedoch von mehreren Implantaten aufgebrochen, deren kaltes Metall in ihrer ebenmäßigen Haut geradezu krankhaft fehl am Platze schienen.
Und die Implantate ließen keinen Zweifel zu: Dieses wunderschöne Geschöpf war eine Killermaschine.
An Sicherheit gewinnend griff sie erneut in die Kiste, und verstaute das Fläschchen wieder.
Polymorphin.
Dann förderte sie einen sorgsam gefalteten Lederanzug zu Tage.
Flink schlüpfte sie in den eng anliegenden Stoff, schnallte sich einen Gürtel um und befestigte einige kleine Geräte in angebrachten Halterungen.
Nachdem sie alles umständlich zu recht gezupft hatte warf sie ihr langes, kastanienbraunes Haar zurück und schloss die Truhe.

„Hallo Maris!“, sagte sie freundlich und drehte sich zu ihm um.
Zugegeben, selbst er, der sich rühmte mit allem zu rechnen, nie auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, war überrascht.
Im Unterschied zu anderen Leuten, fing er jetzt aber nicht an, etwas Dummes zu stammeln oder seine Unsicherheit zu zeigen.
Nein, er blieb nie eine Antwort schuldig.
„Guten Abend, meine Schöne!“, erwiderte er ebenso freundlich.
Er trat aus seiner Deckung hervor und verneigte sich tief.
„Was kann ich für euch tun, Madame?“
Sie lächelte zuckersüß und kam mit fließenden Bewegungen auf ihn zugeschwebt.
Er kam nicht umhin, sie für ihre Körperspannung zu bewundern.
„Das werden wir sehen…“
Sie hatte dunkle, tiefe Mandelaugen.
„Dürfte ich euren Namen erfahren?“, erkundigte er sich höflich und zupfte sich unwillkürlich den Schnurrbart zu Recht.
„Ich heiße Nuyne“
Sie zwinkerte ihm mit ihren geschwungenen Augenbrauen zu.
Und hatte plötzlich ein Schwert in der Hand.
Es war eine lange, dünne, elegante Klinge mit vergoldetem Griff.
„Was haltet ihr von einem kleinen Übungskampf?“
Sie sprach die Worte wie ein unschuldiges Mädchen.
„Eine hervorragende Idee, das regt den Appetit auf das Abendessen an.“
Auch Maris griff unter seine Kleidung und zog einen ausfahrbaren Säbel hervor.
„Allerdings finde ich das Ambiente hier ein wenig langweilig…“
„Langweilig?“, sie schürzte ihre Lippen spitzbübisch. „Ich wüsste da etwas…“


Das Duell, das sich der Inquisitions Diener und die Callidus Assassine hoch oben über dem nächtlichen Arkenbourg auf wackeligen Stegen, Kränen und Simsen lieferten, verlangte beiden körperlich alles ab.
Im Sekundentakt klirrten ihre Klingen gegen einander. Finten, Ausfälle und Paraden reihten sich nahtlos aneinander.
Sie sprangen wie Affen zwischen den Balken hin und her, balancierten auf Seilen und kletterten Fassaden blitzschnell hinauf.
Keiner zeigte irgendwelche Ermüdungserscheinungen, beide fochten verbissen.
Schließlich gelangten sie wieder auf der Landeplattform an, auf der der Inquisitor angekommen war.
Sich einen kurzen Moment der Ruhe gönnent, umkreisten sich die Kontrahenten wie zwei hungrige Löwen.
Sie sahen sich tief in die Augen.
Mandelbraun und Himmelblau.
„Du kämpfst nicht schlecht Süße…“, keuchte Maris etwas außer Atem.
„Mein Job…“, sie stieß probeweise nach seinen Füßen, doch er trat elegant zur Seite und traf ihren Degen so, dass sie kurzzeitig ohne Deckung dastand.
Er schnellte vor, doch sie wich mit einer Flugrolle nach hinten aus.
„Und gut in Form bist du auch… Wir würden gut zueinander passen…“, grinste er.
Sie erwiderte sein Lächeln liebeswürdig.
Dann eröffnete die Assassine eine Reihe von blitzschnellen Schlägen auf den Ex-Arbitrator, doch der hatte bereits damit gerechnet und parierte fehlerlos, wurde aber zurückgedrängt.
„Sorry, Baby, aber ohne schmutzige Tricks krieg ich dich nicht geschlagen!“, rief Maris und griff mit der freien Hand unter seine Kleidung.
Für einen Augenblick sah er Unsicherheit in ihren Augen.
Sie wartete darauf, dass er eine Pistole, einen Wurfdolch, oder etwas Ähnliches zog.
Doch er hatte in Wirklichkeit nur geblufft, hatte ihre Aufmerksamkeit stören wollen.
Er nutzte es gnadenlos aus.
Wie ein Tänzer drehte er sich um ihre ausgestreckte Waffe, entwand sie ihren Händen und stieß sie zu Boden.
Maris setzte ihr den Säbel an den Hals.
„Bis zum Tod…“, sagte sie leise und sah ihm wieder in die Augen.
„Ich kann keine Frau so töten…“
„Ich weiß.“
Sie lächelte wieder.
„Aber ich habe nicht solche Hemmungen bei Männern.“
Sie zog ihm beide Beine unter dem Körper weg.
Noch während er fiel sprang sie auf und war über ihm.
Die Assassine setzte sich auf ihn, nun mit Maris Schwert in der Hand.
Fast schon zärtlich streichelte sie mit der Spitze seine Halsschlagader.
„Hey Süße, wir sollten nichts überstürzen… Ich glaub wir könnten vielleicht so was wie einen Handel schließen?“
Das erste Mal schien er tatsächlich etwas besorgt.
„In der Tat… Ein Handel…“





99300.M41, Arkenbourg, Nuyne

ICH WEINTE.
Ich war eine Callidus Assassine, ich war trainiert die größten Schmerzen zu ertragen.
Ich war eine Musterschülerin des Tempels gewesen.
Schneller, geschickter, tödlicher als die anderen.
Ich habe etliche ohne Reue getötet, habe mit dem Tod gespielt.
Ich liebte das Risiko, liebte den Nervenkitzel gefährlicher Aktionen und Kämpfe.
Trotzdem weinte ich hemmungslos in das raue Kissen des gemieteten Zimmers.
Ich war eine Mörderin. Eine Tötungsmaschine.
Ich war ein verletzliches Mädchen.
Allein in der Dunkelheit spürte ich es immer noch deutlich.
Kein Anzug hinter dem du dich verbergen kannst. Kein fremdes Gesicht dass du annehmen kannst.
DU BIST DU SELBST.
Und ich selbst war ein schüchternes Mädchen, dass eigentlich nur jemanden wollte, hinter dessen Rücken es sich verstecken konnte.
Mein Herz zog sich vor Furcht zusammen.
Furcht vor der Einsamkeit.
Furcht sich selbst zu verlieren.

Ich stieg aus dem Bett und fröstelte in meinem dünnen Nachtkleid.
Die Wohnung lag in Dunkelheit. Durch das halb heruntergelassene Rollo fielen die Lichter der Stadt herein.
Eine schreckliche Stadt.

Heute hatte ich meinen ersten Plan in die Tat umgesetzt: Ich hatte einen der Vertrauten des Inquisitors für mich eingenommen.
Über Maris würde ich dem Inquisitor leicht Informationen und Tipps zu kommen lassen und ihn leiten können.
Wenn er den Visionär fand, dann war es nicht sein Verdienst, sondern meiner.
Doch erfahren würden davon nur meine Auftraggeber.
Ein Assassine erntet keinen Ruhm.
Ruhm war auch das letzte was ich wollte.

Ich ging zu dem Tisch am Fenster und trank einen Schluck von dem lauwarmen Wasser, noch erstickt vor mich hin schluchzend.
Eine Weile starrte ich heraus, auf einen unbestimmten Punkt.
Langsam wurde mir wieder warm.
Der Moment der Unsicherheit ließ nach.
Es ist meine Plicht dem Imperator gegenüber.
In diesem grausamen Universum wird Schwäche nicht verziehen.
EIN SCHÜCHTERNES MÄCHDCHEN HAT HIER KEINEN PLATZ.












Erneut vielen Dank für´s lesen!
Ich plane die Geschichte in etwa 6-8 Kapitel lang werden zu lassen, also insgesamt ziemlich kurz...
 
Zuletzt bearbeitet:

Nakago

Grundboxvertreter
Diesmal bin ich von dieser Geschichte nicht überzeugt. Das erste Kapitel war deutlich besser. Diesem hier hätte es gut getan, es ein paar Tage ruhen zu lassen und dann noch mal in aller Ruhe zu bearbeiten.

99300.M41, Arkenbourg, Inquisitor Sazar Narioth


Ein offizielles Imperiales Datum besteht aus sieben Ziffern. Die erste ist die Astropathische Kontrollnummer, die nächsten drei sind der Tag, resultierend aus einem Jahr geteilt durch tausend und die letzten drei sind das Jahr an sich.


DIE SUCHE BEGINNT.
Die Landerampe des Gleiters fuhr unter Ächzen herunter und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf der kleinen Landeplattform auf.
Die erste Person, die ausstieg war ein wahrer Hüne. Zwei Meter, muskelbepackt und mit einem wilden, roten Vollbart.
Er trug einen langen, schweren Waffenrock und hohe Lederstiefel.
Auf seinen Rücken war ein klobiges Boltergewehr geschnallt, und an seinem Gürtel baumelte eine zweischneidige Axt.


Ein Bolter ist eine sehr seltene Waffe und erregt Aufmerksamkeit. Für eine Infiltration wo man den harmlosen Händler mimen will, denkbar ungeeignet. Versuch mal mit einer zweischneidigen Axt, die am Gürtel baumelt, normal zu gehen. So was trägt man lieber in der Hand. Schrotflinten sind verbreiter, fallen dadurch weniger auf und machen durch ihre große Munitionsauswahl auch ziemlich viel Schaden.

Unzählige Implantate fingen in seinem zähen Fleisch an zu verrotten, und die lebensverlängernden Hrud-Drogen, denen er einige Zeit etwas zu sehr zugesprochen hatte, begannen ihren Tribut zu fordern.
Drei Jahre noch. Vielleicht vier.
Aber er gedachte nicht, diese Zeit untätig zu verbringen.


Nach sechshundert Jahren wird auch das Fleisch nekrotisch. Imperiale Implantate halten normalerweise tausende von Jahren und haben viele Träger.

In seiner Jugend war dieser ein Aspirant der Space Wolves gewesen.
Am Anfang arbeitete er sich durch seine Brutalität und Wildheit schnell empor.
Bis er sechs seiner Kameraden aus Langweile zerfleischte.
Das Oberkommando verbannte ihn von Fenris und er war gezwungen ein undankbares Leben als Söldner zu führen.
So traf er auf den Inquisitor.


"Wer bist du?"
"Jemand der aus Langeweile seine Kameraden umbringt!"
"Klasse! So jemand brauche ich für mein Gefolge! Recherche ist unglaublich interessant für jemand, der weder lesen noch schreiben kann und überall Fehl am Platz wirkt! Du wirst dich also ganz und gar nicht langweilen!"
Ne, nicht wirklich, oder? Und ich würde mal sagen, selbst auf Fenris wird man für sechsfachen Mord nicht einfach verbannt. Und welches Oberkommando???

Da gibt es viele Möglichkeiten, einen Schergen glaubwürdiger einzuführen.

Es war ein fetter, schmieriger Zollbeamte, gefolgt von zwei Servitoren.
Alles an ihm schrie nach schamlos zur Schau gestelltem Reichtum und Dekadenz: Der alberne, quitsche gelbe Dreispitz mit einer grünen Feder, der silberne Parade-Säbel an seinem Gürtel und der schwere, teure Brokatmantel, auf den mit Goldfaden das Wappen des Handelshauses gestickt war, das das Recht hatte hier den Zoll zu kassieren.
Alfrunash.


Auch im Bezug auf spätere Wendungen, hier wäre weniger mehr gewesen.
Der Inquisitor hatte bereits einiges in den Datenbanken der Inquisition über seinen Einsatzort nachgelesen, denn er war auch nach sechshundert Jahren noch der Überzeugung, dass sorgfältige Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg war.

...
„Schon gut“, sagte er und zwinkerte dem Inquisitor zu.
Dann wartete er eine Weile und zwinkerte nochmal.
Als der Andere dann immer noch nicht reagierte zog der dicke Mann geräuschvoll die Nase hoch, warf sich den Mantel über die Schulter und drehte sich schwungvoll auf dem hohen Absatz seiner glänzend polierten Schuhe um.
„Durchsucht das Schiff und fertigt eine Liste sämtlicher Güter an“, herrschte er die beiden Servitoren an und marschierte energisch zurück in den Turm.

„Warum war der denn plötzlich so beleidigt?“, fragte Orska ratlos.
„Vielleicht wollte er bestochen werden“, gab Sazar ebenfalls etwas irritiert zurück.


Wow! Wenn den obigen Absatz liest und dann das untere verhalten kommt man sich vor wie in einer Parodie. Akribische Vorbereitung und dann ein solches stümperhaftes Verhalten??? Will in meinen Augen einfach nicht zusammen passen.

Ich hatte erwartet, dass der Inquisitor ihr Bestechungsangebot ablehnte. Ich wusste, was für ein ehrbarer, geradliniger Mann er war.


Der einen weitgereisten Händler versucht zu mimen und schon bei der ersten Probe total gescheitert ist.

Als Ich mich im Folgenden, den Beleidigten miment, schwungvoll umdrehte wäre ich fast auf meinen dicken Hintern gefallen.
Wäre lustig gewesen.
Aber das hier war keine Komödie.
Ganz und gar nicht.


Bin ich mir nicht mehr so sicher...
:lol:

Der Fahrer manövrierte die Maschine in waghalsigen Manövern um große, schwer bewachte Lastzüge und pompöse Ausflugsbarken der Adligen.
Wenn es sich zu sehr zu stauen begann, riss er den Steuerknüppel herum und bog in einer scharfen Kurve ab, in das Gewirr an engen, dreckigen Seitenstraßen.


Warum fliegt er nicht einfach drüber???


Die Stadt schien wie ein kunterbunter Mix aus den unterschiedlichsten Architekturstilen: Gotische Kirchen wechselten sich mit barrocken Palästen ab. Kalte, glatte, ergonomisch perfekt geformte Stahltürme standen neben Mittelalterlichen Steinburgen und zwischen den großen Wohnanlagen gab es immer wieder kleine Siedlungen aus Holz-, oder Müllhütten, den Ghettos.


Bei solch dichtbesiedelten Planeten wandern Ghettos und Slums in den Untergrund, also wirklich unter die Erde, weil jeder Baugrund genutzt wird.

Alles schien voller Leben.
Bürger und Kolonnen an Servitoren hasteten durch die Gassen und gingen ihrem Tagwerk nach.


Servitoren sind teuer und machen meist arbeiten, die Menschen recht schnell töten würden oder körperlich einfach zu schwach sind.

In Hauseingängen lungerten überall zwielichtige Gestalten und an jeder Ecke hatte irgendein Händler einen provisorischen Stand aufgeschlagen, wo er Plunder und billige Snacks feilbot, sich allerdings sofort aus dem Staub machte, wenn einer der allgegenwärtigen Arbites-Trupps sich näherte.


Arbites kümmern sich nicht um Straßenhändler oder Kleinkriminalität. Dafür gibt es örtliche Justicar Beamte.

Der große Transporter war zunächst ohne erhebliche Schäden, und die Soldaten mit dem Schreck davon gekommen, die Wucht des Aufpralls, und wenn sie noch so klein war, brachte den Koloss aber aus seiner geradlinigen Bahn.
Er zerquetschte einen kleinen Eskort-Panzer vom Typ Leman Russ der neben ihr her gerollt war fast zur Hälfte. Die Raupe wurde so auf der einen Seite total abgebremst und der Schwung bewirkte, dass sie sich quer zur Fahrbahn stellte.
Zwei Sekunden Später explodierte sie.


OK, die Szene kann ich nicht nachvollziehen. Da kriecht ein riesiges Raupenfahrzeug der Straße entlang, auf der Truppen stehen. Also kann es nicht schneller als fünf Stundenkilometer fahren, weil sonst die Leute nicht mehr freihändig darauf stehen könnten. Dann kommt ein kleines Objekt, kollidiert und reißt den wahrscheinlich viele hundert Tonnen schweren Schlepper aus der Bahn, der einen Leman Russ einfach halb zerquetscht, dass Teil wiegt ja nur 60 Tonnen und hat mindestens eine Panzerung von 150mm und dann bricht der Schlepper aus und explodiert, weil er gegen die Wand knallt?????? Passt irgendwie nichts zusammen.

Mit einem wüsten Fluch auf den verschmierten Lippen riss er unser Gefährt hoch und manövrierte uns haarscharf zwischen zwei schlingernden Fliegern hindurch.


Hier wird mit "uns" der Erzählstil gewechselt.

Orska kämpfte gegen den Drang an sich zu übergeben.
Einem übereifrigen, entgegenkommenden Löschflugzeug wich er geschickt mit einer Rolle aus.


Die haben eine Reaktionszeit, da kann sich unsere Feuerwehr aber mal ne Scheibe abschneiden...

Die Luftwaffe hatte wirklich einen ausgezeichneten Piloten in ihm verloren.
Doch all das Geschick nützte ihm nichts.
Er geriehten in Dichten Qualm, der es unmöglich machte etwas in weiter als drei Meter zu erkennen. Dabei touchierte er ein Frack, dass rauchend auf der Straße lag.


Vor ein paar Sekunden ist er noch hochgestiegen und hat dazu noch eine Rolle gemacht.


Doch er hatte noch einen anderen Verdacht.
Vielleicht war er auf seine alten Jahre auch bloß paranoid geworden, aber seiner Meinung nach, war dieser Unfall keine Unfall gewesen, sondern ein Anschlag.
Ein Anschlag auf ihn.


Wohl kaum, dann hätte man ihn einfach direkt gerammt, statt den Schlepper und die Sache wäre erledigt gewesen. Oder wie normale Attentäter eine RPG oder was ähnliches benutzt.

Noch unangenehmer war der Geruch der den Leichen entströmte, die dort an mittelalterlichen Holzgalgen erhängt worden waren.


Ein bisschen moderner darf es dann doch sein.

Würde er gleich mit irgendeinem diabolischen Ritual beginnen?
Als Untergebener eines Inquisitors hatte er da einige ziemlich unglaubliche Geschichten gehört.


Und wahrscheinlich auch erlebt.
:lol:

Maris konnte nicht mehr hinschauen.
Er zog den Kopf hinter den Kasten zurück und wartete.


Echt? Wäre das nicht die Möglichkeit dem Spuk ein Ende zu bereiten? Wer weiß, was sich da gerade tut.
Erst schießen, weiter drauf halten, als letzter schießen und dann keine Fragen stellen ist im Imperium ein weit verbreites Konzept, um unklare Situationen zu klären.

Das Duell, das sich der Inquisitions Diener und die Callidus Assassine hoch oben über dem nächtlichen Arkenbourg auf wackeligen Stegen, Kränen und Simsen lieferten, verlangte beiden körperlich alles ab.
Im Sekundentakt klirrten ihre Klingen gegen einander. Finten, Ausfälle und Paraden reihten sich nahtlos aneinander.


Erinnert mich an Fluch der Karabik. Sehr Chineastisch, aber im gesamtkontext doch eher in Richtung Komöde gehend.

Schneller, geschickter, tödlicher als die anderen.
Ich habe etliche ohne Reue getötet, habe mit dem Tod gespielt.
Ich liebte das Risiko, liebte den Nervenkitzel gefährlicher Aktionen und Kämpfe.
Trotzdem weinte ich hemmungslos in das raue Kissen des gemieteten Zimmers.
Ich war eine Mörderin. Eine Tötungsmaschine.
Ich war ein verletzliches Mädchen.


Ein etwas zu krasser Gegensatz. Dieser Charakter passt in dieser Form einfach nicht zu dem, was in einem imperialen Assassinen Tempel passiert. Auf jede ausgebildete Assassine kommen tausende von gescheiterten Aspiranten. Wer diese Prüfungen und Auswahlverfahren überlebt, ist eine Tötungsmaschine, kein verspieltes Kind das unnötige Risiken eingeht. Sorry!

Dieser Teil ist von der Qualität ein sehr großes Stück vom ersten Kapitel entfernt. Auch das erste Kapitel hat einige Logiklücken, aber hier sind es einfach zu viele geworden. Du schreibst gut, der Stil stimmt, nur an Logik und Nachvollziehbarkeit hapert es teilweise doch sehr heftig. Die Gegensätze sind teilweise von den Handlungen zu krass zu dem, was die Personen darstellen sollen. Ich würde dir raten, den Teil noch einmal zu überarbeiten. Lass Texte immer erst ein paar Tage lang ruhen, bevor du sie postet und lese sie dann nochmal aus der notwendigen Distanz durch. So mache ich es jedenfalls und überdenke dann die Szenen immer auf physikalische Begebenheiten, Setting, Logik, Nachvollziehbarkeit und die Charaktere. Ich habe schon ganze Kapitel löschen müssen, weil mir dann irgend ein Punkt zu sehr aufgestoßen ist, dem ich beim schreiben einfach übersehen habe.
 

Fischig

Testspieler
Vielen Dank Nakago, dass du meinen Text so akribisch durchgearbeitet hast.Ich denke ich muss nicht zu jedem deiner Kritikpunkte einzeln Stellung beziehen.
Auch wenn ich nicht mit allem was du gesagt hast einverstanden bin, stimmt das meiste natürlich.
Ich bin mittlerweile ziemlich froh, dass ich angefangen habe hier eine Geschichte zu veröffentlichen.
Ich habe den Text meiner Familie vorgelesen (ok, sie wussten zwar nicht mal, was die Inquisition ist) und außerdem einem Freund geschickt, der sich auch mit W40k auskennt, und keiner hat einen der Fehler bemerkt.
Daher freut es mich, dass ich hier direkt darauf hingewiesen werde.


Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich diese Geshichte fortsetzten will, denn in der geplanten Handlung sind auch schon einige Logiklücken, in denen ich mich dann warscheinlich verstricken werde.
Warscheinlich ist es besser, in einem neuen Setting etwas neues anzufangen.


Ps: Ich arbeite mich grade durch das Schwinden. Gaaaanz großes Kino! :)
 

Nakago

Grundboxvertreter
Vielen Dank Nakago, dass du meinen Text so akribisch durchgearbeitet hast.Ich denke ich muss nicht zu jedem deiner Kritikpunkte einzeln Stellung beziehen.

Bitte schön. Passt schon.

Auch wenn ich nicht mit allem was du gesagt hast einverstanden bin, stimmt das meiste natürlich.
Ich bin mittlerweile ziemlich froh, dass ich angefangen habe hier eine Geschichte zu veröffentlichen.
Ich habe den Text meiner Familie vorgelesen (ok, sie wussten zwar nicht mal, was die Inquisition ist) und außerdem einem Freund geschickt, der sich auch mit W40k auskennt, und keiner hat einen der Fehler bemerkt.
Daher freut es mich, dass ich hier direkt darauf hingewiesen werde.

Ich weiß aus leidvoller Erfahrung das Freunde keine guten Kritiker sind.

Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich diese Geshichte fortsetzten will, denn in der geplanten Handlung sind auch schon einige Logiklücken, in denen ich mich dann warscheinlich verstricken werde.
Warscheinlich ist es besser, in einem neuen Setting etwas neues anzufangen.

Das meiste bisherige kann man ehrlich gesagt ohne große Probleme kitten:

Barbar: Lass ihn aus reiner Neugierde ins Reich der Sterne aufgebrochen sein. Er ist groß, stark, kommt von einer bekannten Welt, der findet immer arbeit im "Sicherheitsgewerbe". Auf Fenris wird ja trotz allem interstellarer Handel betrieben und es gibt eine Insel mit industrieller Infrastruktur und einem Raumhafen.

Die Assassine: Muss es unbedingt eine Callidus sein? Diese Welt ist voll entwickelt, dicht besiedelt, was organisiertes Verbrechen logisch erklären läßt. Organisiertes Verbrechen bedeutet freischaffende Killer, welche Probleme aus der Welt schaffen, die man seinen eigenen Leuten nicht auftragen kann, wie lästige Familienmitglieder umzunieten oder Konkurrenten während einer Friedensperiode. Wenn sie sich verwandeln können soll, es gibt noch andere Möglichkeiten. Von wirklich aufwendigen Körperersatz bis hin zu Archäotech Holoprojektoren in Ringform. Nuyne würde von ihrem Auftreten und Einstellung mehr Sinn machen als einheimische freischaffende Auftragsmörderin, die ihr Ausrüstung von ihrem Vater oder Mutter geerbt hat und von ihnen ihre Ausbildung erhalten hat. Das gibt dir viel mehr Freiraum als jetzt eine Callidus Assassine zu nehmen, die durch sehr viel offizielles umfangreiches Hintergrundmaterial recht bekannt ist. Auch wäre die Annährung und ihr Verhalten so halbwegs sinnig nachvollziehbar und logisch erklärbar. Gute Ausrüstung, gut ausgebildet, auf sich alleine gestellt, aber wenig Erfahrung und nicht konditioniert. So was ist zum einen eher unverbraucht und gibt dir alle notwendigen Freiraum, eigene Ideen settinggerecht in die Geschichte einzubetten. Die Kleine ist ja schon recht gut ausgearbeitet, nur als Callidus ist sie halt total unglaubwürdig. Als freischaffende Killerin würde es passen.

Die Attentatszene: Lass das Taxi lieber in großer Höhe direkt gerammt werden. Der Pilot ist ja super, lass ihn seine Fähigkeiten demonstrieren und ihn eine gelungene Bruchlandung hinlegen. Das gibt Raum für spektukläre rassante Action. Den Pilot kann man gleich dann noch eventuell fürs Gefolge anwerben, da er ja von hier und fähig ist.

Ich weiß natürlich jetzt nicht, was es sonst für Logiklücken gibt, aber aus eigener Erfahung lässt sich einiges im Vorfeld berichtigen. Es wäre Schade, wenn das Projekt jetzt eingestellt werden würde. Das Grundszenario ist noch recht unverbraucht. Ich würde mich auch als Betaleser anbieten. :lol:

Ps: Ich arbeite mich grade durch das Schwinden. Gaaaanz großes Kino! :)

Danke schön!
 

Sistermarynapalm

Blisterschnorrer
Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich diese Geshichte fortsetzten will, denn in der geplanten Handlung sind auch schon einige Logiklücken, in denen ich mich dann warscheinlich verstricken werde.
Warscheinlich ist es besser, in einem neuen Setting etwas neues anzufangen.

Ich muss zugeben, ich habe die Geschichte nur überflogen, denn leider geht mir seit einiger Zeit ebensolche von dannen, daher kommentiere ich meist nur noch die Kommentare (wenn überhaupt), aber hierzu muss ich dann doch meine Meinung kundtun. Ah, wehe, wehe, des Autoren Leid ist zumeist die künstlerische Freiheit.

Vor einigen Jahren hat mir ein deutscher Science-Fiction-Romanautor (das war zu einer Zeit, als ich begonnen habe, meine eigenen Universen zu entwickeln), einen Tipp gegeben, den ich ganz gerne weitergeben möchte

1. Schreib eine Geschichte immer für dich. Freunde, Familie und andere können diese Geschichte gerne lesen, aber es sollte nicht das Ziel sein, die Geschichte für SIE zu schreiben. Wenn du später unzufrieden bist, hast DU was falsch gemacht, nicht sie. Womit wir bei Punkt 2 wären:
2. Schreib zuende, was du angefangen hast. Wenn du die Geschichte jedes Mal neu beginnst, weil du auf Hindernisse stößt, dann wird sich deine Idee irgendwann in etwas auflösen, mit dem du überhaupt nicht mehr zufrieden bist, was dann wieder zu Punkt 1 führt.

Aus meiner eigenen Sicht (und mit Berücksichtigung der bisherigen Kommentare): Bisher scheint das ganze Konzept doch gut anzukommen. Fehler schleichen sich überall ein. Herr auf dem Thron - das ist nun mal so. Wenn du alles perfekt machen würdest, dann wäre doch irgendwo der Grundgedanke des sich-selbst-verbesserns hinfällig. Und ich glaube, für einen Autor ist das das Schlimmste, was passieren kann. Denn wenn man sich nicht mehr verbessern kann, kann man sich nur noch verschlechtern.

Also gib das Konzept nicht auf, nur weil du jemanden wie Nakago gefunden hast, der sich mit dem Setting auseinandersetzt und dir wirklich helfen kann (und will - nehme ich mal an *lach*). Schau dir die Ungereimtheiten an und überleg, ob du sie ändern kannst/willst oder ob du vielleicht ganze Gedankengänge verwirfst und sie neu gestaltest. Was meinst du, wie oft ich so was schon gemacht habe - und andere Autoren sehen das, denke ich, genauso.

Es ist nun mal nicht alles perfekt.

Und wenn du mal gar nicht mehr vorwärtskommst - hier gibt es genügend Schreiber und Leser, die gerne bereit sind, dir Ideen und Tipps zu geben. Und mit Nakago als Beta-Leser kann man - zumindest bei 40k - nicht viel falsch machen (Wie es bei anderen Szenarios wäre, kann ich nicht sagen).

Das sind meine 5 Throne dazu.


Mavet Me'shamaim!

Die Sista


P.S.: Ich merke - in letzter Zeit fehlen mir immer öfter Buchstaben. Ich sollte schneller Schreiben und langsamer denken ... oder beides kombinieren ...
 
Zuletzt bearbeitet:

Fischig

Testspieler
Zweiter Versuch

Hallo Leute :)
Wahrscheinlich haben die meisten gedacht, dass hier nichts mehr kommt, aber in den Ferien habe ich mich zu guter Letzt doch noch aufgerafft.
Ich habe mehrere schlechte Versuche gemacht das 2. Kapitel zu überarbeiten, bin dann aber zu dem Schluss gekommen es besser ganz neu schreiben (incl. Charaktere). Also vergesst bitte alles, was ihr aus der ersten Version wisst :) (Ich lasse sie der Vollständigkeit halber aber stehen).
Die Rahmenhandlung bleibt zwar die Selbe, aber für das Kapitel wird erst einmal deutlich das Tempo herausgenommen.
Viel Spaß beim Lesen :)

Ps: Für die die Lust haben, passend zum Thema etwas Musik: http://www.youtube.com/watch?v=ppwRCoxScls

… Für Fans von Symphonic-Metal ein wahres Meisterwerk, für die anderen immer noch tolle Stimmungsmusik zum Thema Inquisition :D








ALLES IST VERLOREN.
Der enge Gang hallte wider von schweren Soldatenstiefeln und dem Geklirr von Rüstungen.
Noch ein halbes Dutzend von Inquisitor Asmus Elite-Gardisten war am Leben, der Rest war einer nach dem anderen auf der langen Flucht quer durch den Stadtplaneten Arkenbourg gefallen.
Einzig die schützende Hand des Imperators, so schien es, hatte es ihnen ermöglicht sich bis hier her durchzuschlagen.
Das unterste Ende von Arkenbourg.
Die Kanalisation.
Es war die letzte Möglichkeit des Inquisitors gewesen, sich in dem Irrgarten an Gängen und Kanälen zu verstecken, und darauf zu warten – ja worauf eigentlich?
Asmus machte sich keine Hoffnungen.
Alle schienen sich gegen ihn verschworen zu haben.
Hier unten würde er sterben.
Zwischen Dreck und Scheiße.








2. Arkenbourg



337.99300.M41, Arkenbourg, Rogal Herrest

ICH VERSTEHE GAR NICHTS MEHR.
Die gewaltigen, versilberten Türflügel des Thronsaals öffneten sich.
Rogal schirmte seine Augen mit den Fingern gegen das helle Licht ab, das in die Halle flutete. Der Gouverneur verlangte stets ein dämmriges Halbdunkel in den Räumen, in denen er sich aufhielt.
Eine Gestalt zeichnete sich als Umriss in der Helligkeit ab, die zielstrebig und mit großen Schritten näher kam.
Lord-Inquisitor Daedric.
Im Saal herrschte eine angespannte, fast schon furchtsame Stille, die lediglich durch die Schritte des Ankömmlings durchschnitten wurde, die wie Donnerschläge von den Wänden hallten.
Er trug eine schmucklose, unlackierte Servorrüstung, deren Gewicht tiefe Schrammen in den marmornen Boden kratzte. Nur auf der Brust prangte unheilverkündend das aus Knochen geschnitzte Inquisitions-Symbol.
Hinter ihm erschienen im Laufschritt gut zwanzig Gardisten mit den Waffen im Anschlag.
Rogal bemerkte wie der Lakaie neben ihm nervös an seinen Fingernägeln kaute.
Das offen feindselige, ehrfurchtsgebietende Auftreten des Inquisitors ließ dem Hofstaat den kalten Schweiß ausbrechen.
Der Torhüter trat zitternd Daedric in den Weg, entschlossen seine Aufgabe zu erfüllen.
„Sir, bitte legen sie und ihre Leute die Waffen nieder, bevor sie sich seiner Majestät, dem Gouverneur Ekklas III. nähern“, brachte er unsicher heraus.
Einen Augenblick sah ihn der Inquisitor durch sein Visier von oben an.
Er war gut zwei Köpfe größer.
Der Diener schien unter seinem Blick noch weiter zu schrumpfen, wollte sich irgendwie aus der Situation winden.
Dann lachte Maedric dumpf hinter seinem Helm und schlug den Unglücklichen wie eine lästige Fliege aus dem Weg.
Der Torhüter fiel mit einem Keuchen auf den Boden, wo er liegen blieb und sich stöhnen den Bauch hielt.
Der Inquisitor ging noch einige Schritte auf den Thron zu, dann blieb er stehen und nahm seinen Helm ab. Es kam ein streng geschnittenes, ebenmäßiges Gesicht zum Vorschein. Sein Alter war schwer einzuschätzen, seine Haut war noch so glatt wie die eines jungen Mannes, doch durch die dunklen Augen, mit denen er unter seinen buschigen Augenbrauen hervor die Anwesenden musterte, konnte man die etlichen Jahre sehen, in denen er bereits Dienst am Imperator verrichtete.
Einen Augenblick schien er die ehrfürchtige, angstvolle Stille zu genießen und ließ seinen Blick über Ekklas und seinen Hofstaat schweifen.
Der Herrscher Arkenbourgs war eine dünne, bleiche Gestalt.
Zahlreiche Schönheitsoperationen hatten sein Gesicht in eine groteske Fratze verwandelt, mit der er als einziger dem Inquisitor gleichgültig entgegen starrte.
Er thronte in einer lächerlich überdekorierten Offiziers-Uniform auf einem ausladenden Sofa zwischen riesigen Seidenkissen und zwei schlanken, halbnackten Mädchen, die ihn beständig mit Wein und Speisen versorgen zu schienen.
Dekadenz wie sie im Buche steht.
Um ihn herum stand eine Gruppe aus Leibwächtern. Gekleidet in schmucke Uniformen, mit Pfauenfedern auf den goldenen Helmen und den unhandlichen Paradegewehren in den parfümierten Händen wirkten sie allerdings so, als hätte keiner von ihnen je ein Schlachtfeld gesehen.
Zu Seiten des Inquisitors hatten sich niederere Würdenträger und gemeine Bedienstete versammelt, die sich hinter die Marmor-Säulen des prunkvollen Barock-Saals drückten.
„Vielen Dank für die freundliche Begrüßung“, sagte Maedric humorlos mit seiner tiefen Bassstimme und brach damit die Stille.
Dabei sah er dem Gouverneur geradewegs in die Augen, doch der schien sich nicht angesprochen zu fühlen.
Ein Mann der zu seiner Rechten gestanden hatte räusperte sich und trat vor.
An der Statur und einigen alten Narben im Gesicht konnte man erkennen, dass er früher wohl im Militär gedient haben musste, doch nun schien er eine Art Berater Ekklas zu sein. Er trug eine unscheinbare, graue Robe und einen spitzen, weißen Kinnbart. Rogal wusste, dass der Gouverneur sich selbst schon lange nicht mehr für die Regierungsgeschäfte interessierte, sondern einen großen Stab an Beratern an seiner statt über die Arkenbourg herrschen ließ.
Merdor Asgat hatte als General in der planetaren Armee gedient und war nach seiner Pension in die direkten Dienste Ekklas getreten. Im Zuge seines Auftrags hatte Rogal einige Nachforschungen über die höchsten Berater betrieben und war zu dem Schluss gekommen, dass Merdor keines falls der mächtigste Mann am Hofe war, auch wenn er nach außen hin so dargestellt wurde. Die, die die Fäden wirklich in der Hand hatten, zeigten sich kaum in der Öffentlichkeit.

Als einfacher Beamter hatte er allerdings recht wenige Möglichkeiten noch tiefer in die Führungsebene einzudringen. Allerdings war er sich sicher, dass Inquisitor Asmus noch weitere Spitzel in höhere Posten eingeschleust hatte. Wie wichtig es war, dass die V-Leute sich gegenseitig nicht kannten war zu Tage getreten, als Maedric vor rund 24 Stunden auf Arkenbourg aufgetaucht war und den Befehl gegeben hatte Asmus zu töten.
Rogal konnte sich das alles immer noch nicht erklären.
War Asmus ein Verräter?
Oder Maedric?
Oder war alles nur ein fürchterliches Missverständnis?
„Ich heiße sie im Namen des Gouverneurs von Arkenbourg, Ekklas III., herzlich willkommen“, begann Merdor.
Der ehemalige General schien beeindruckend ruhig, angesichts seines Gegenübers.
„Kann der nicht selber sprechen?“, fragte der Inquisitor grob.
„Er… fühlt sich heute nicht gut…“, antwortete Merdor.
Maedric blickte an ihm vorbei hinauf zu Ekklas, der gerade von einer Dienerin mit Tortenstückchen gefüttert wurde und schnaubte verächtlich.
„Sir, ich verlange von ihnen eine Erklärung für die Blockade, die sie über unseren Planten verhängt haben. Sie müssen wissen, wir sind ein wichtiger Handelsstützpunkt, ein derartiges Embargo wird sich auf den gesamten Subsektor auswirken, Ich…“, fuhr Merdor fort wurde aber durch den Inquisitor unterbrochen.
„Sie verlangen von mir?“ Er lachte erneut humorlos. „Glauben sie mir, wer auch immer sie sind, das ist keine gute Idee.“
Er trat noch einige Schritte vor und ließ erneut den Blick über die Anwesenden schweifen.
„Ich stelle alle hier im Namen des Imperators unter Arrest!“, rief er mit lauter, hallender Stimme.
„Keiner darf den Palast ohne meine Erlaubnis verlassen! Jeder hat sich eingehender Befragungen zu unterziehen! Bis ich es verfüge, ist der Gouverneur allen Ämtern enthoben und ich leite die Regierungsgeschäfte!“
Im Saal brach entsetztes Raunen aus.
„Dazu haben sie keinerlei Befugnis!“, rief Merdor.
Der Inquisitor ignorierte ihn, drehte sich um und lief wieder auf den Eingang zu, durch den gerade neue Gardisten marschiert kamen.
Ekklas trank gelangweilt einen Schluck Wein.

Ich verstehe gar nichts mehr.
Rogal Herrest kämpfte die Panik nieder, die in ihm aufstieg.
Jeder hat sich eingehender Befragungen zu unterziehen.
Hoffentlich war die fiktive Vergangenheit, die er sich zu gelegt hatte, überzeugend genug.












Auszug aus einem Einsatzbericht von Inquisitor Asmus

4.289.99300.M41

Arkenbourg
Inquisitor Asmus
Einsatzbericht Operation
*Violetter Himmel*
Sicherheitsstufe: B


Sehr geehrter Lordinquisitor Maedric,

seit gut einem Monat befinde ich mich nun im Einsatz auf Arkenbourg, um den Ketzer, der unter dem Namen *Visionär* bekannt ist ausfindig zu machen und zu neutralisieren.
Ich befolge strikt das vom letzten Konzil beschlossene Einsatzschema (Anhang: [Protokoll des Konzils]), jedoch beginne ich nach fortgeschrittenen Ermittlungen an dessen Sinn zu zweifeln.
Nach dem Beschluss wurde ich angewiesen *Informationen über jedwede Form und Ausbreitung der Häresie […] auf Arkenbourg durch nachrichtendienstliche Mittel zu sammeln* und *Nach Erfassung der Ausmaße alle Verdächtigen Medien durch hinzuziehen der planetaren Armee aus zu löschen*, sowie *den Planeten gegebenenfalls unter Kriegsrecht zu stellen, um die öffentliche Sicherheit zu wahren […] und so lange im zu Einsatz bleiben bis die Überreste der Häresie alleine durch die planetarischen Sicherheitsorgane neutralisiert werden können.*
Um meine folgende Einschätzung der Lage nachvollziehen zu können, bitte ich sie, sich kurz mit der Form der Häresie auseinander zu setzen:
Der *Visionär* veröffentlichte erstmals 260.99300.M41 einige ketzerische Schriften über das planetare Netzwerk Arkenbourgs, in denen er den kompletten Aufbau des Imperiums, der imperialen Gesellschaft und vor allem das Vorgehen ihrer Exekutiv-Organe, insbesondere der Inquisition, auf widerwärtige Weise denunzierte. Unglücklicherweise wurde die davon ausgehende Bedrohung weit unterschätzt, da der *Visionär* weder zum Aufstand gegen das Imperium noch gegen den Imperator hetzte. Ich habe ihnen hier einige Auszüge aus seinen Schriften beigelegt, die möglicherweise die Kernphilosophie der Häresie näher beleuchten: [Anhang 2] Da sich diese Rebellion wesentlich von bekannten Schematas unterscheidet könnte es für sie recht interessant sein.

Wie sie wissen, hatten wir bereits einen Inquisitor 2.327.99299.M41 mit Untersuchungen auf Arkenbourg beauftragt, der jedoch spurlos verschwand.
Ich habe bereits einige Hinweise diesbezüglich gesammelt, kann allerdings noch von keiner wirklichen Spur reden.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch keinerlei Angriffe auf meine Person zu verbuchen, auch wenn ich damit rechne, dass dem Feind meine Anwesenheit bewusst ist. […]

Um zum eigentlichen Grund dieser Nachricht zu kommen: Ich sehe mich nicht in der Lage, der Rebellion durch die mir zur Verfügung gestellten Mittel bei zu kommen.
Ursprünglich wurde vom Konzil angenommen, dass praktisch alle militanten Aufständischen 2.982.99299.M41 von Arkenbourg vertrieben wurden. Die fehlgeschlagene Offensive auf Python durch Inquisitor Wisbert vernichtete einen Großteil von ihnen, der Rest ist erwiesener Maßen nicht nach Arkenbourg zurück gekehrt (Aufenthaltsort ungewiss).
Der Samen des Verrats ist nach unserer ersten Intervention noch weiter aufgegangen. Viele haben die Worte des *Visionärs* weiter interpretiert und auf neuen Wegen veröffentlicht.
Die Anhänger finden sich in jeder Gesellschaftsschicht, ob bei Twinks, Adeligen oder Soldaten.
Die abscheulichen Theorien werden hier, trotz der Ächtung durch die Inquisition, völlig offen diskutiert.
Zwar gibt es immer noch eine nicht geringe Schar treuer Diener des Imperators auf Arkenbourg, die nach den Gesetzen der Ekklesiarchie lebt, aber da, wie oben erwähnt, sich diese Häresie nicht gegen das Imperium an sich richtet, wird sie auch von diesen im allgemeinen akzeptiert. […]

Aus diesen Gründen bitte ich sie nun um Rat bezüglich meines weiteren Vorgehens.

Im Namen des heiligen Imperators,
hochachtungsvoll

Nigor Asmus




Gedanke des Tages:
*Schmerz ist der Wein in den Kelchen der Helden beim Abendmahl.*










223.99300.M41, Arkenbourg, Inquisitor Asmus

DIE STADT WAR EIN MOLOCH.
Asmus war vor gerade drei Stunden erst angekommen und schon hatte er Arkenbourg gründlich satt. Der gesamte Planet war von einem einzigen großen Dschungel an Häusern, Straßen und Plätzen bedeckt.
Und hier sollte er den Visionär finden.
Nachdenklich betrachtete er die Arbeiter, die schwitzend die großen Kisten mit seiner Hightech-Ausrüstung in das geräumige Apartment schleppten.
Der Inquisitor hatte sich die Wohnung in der 207. Etage eines zentral gelegenen Wolkenkratzers gemietet, um hier seine Einsatzzentrale einzurichten.
Dank der großzügigen Mittel, die er zur Verfügung gestellt bekommen hatte verfügte er über ein ganzes Heer an Spitzeln, dass er von hier dirigieren würde.
Er trat an die große Fensterfront der Suite, die auf den Solar-Macharius-Platz hinaus zeigte.

Der Platz war mit seinen 25 km² zwar bei weitem nicht der größte auf Arkenbourg, aber definitiv ein wichtiges Zentrum in der Struktur des Planeten.
In der Mitte wurde er dominiert von einer gigantischen, goldenen Macharius-Statue, die den wohl größten Feldherren des Imperiums seit dem großen Bruderkrieg in voller Kriegsmontur und mit erhobenem Schwert zeigte.
Sie schien allerdings in relativ maroder Verfassung, denn der Steinerne Sockel und das rechte Bein waren in ein Stahl-Gerüst eingepackt, auf dem sich winzige Punkte hin und her bewegten.
Um den Fuß des Generalfeldmarschalls war eine beweglich, manneshohe Stahlbarrikade errichtet worden hinter der das Adeptus Arbites ein provisorisches Sicherheitszentrum eingerichtet hatte.
Dies war notwendig, da vor wenigen Tagen eine Pilgerflotte eingetroffen war, die auf ihrem Weg nach Terra auf Arkenbourg Halt machte.
Zu tausenden strömten die Gläubigen in ihren weißen Tuniken in die Stadt um für eine knappe Woche den engen Korridoren ihrer Kreuzer zu entkommen.
Viele von ihnen kamen auf den Solar-Macharius-Platz um dort den Helden mit ihren Gebeten zu ehren.
Die Arbites waren unverzüglich mit einer großen Zahl an Sicherheitskräften angerückt um die Massenpaniken präventiv zu unterdrücken, die mit einer solchen Anzahl an Menschen einher gingen.
Die Ordnungshüter hatten den Platz mit den beweglichen Stahlbarrikaden unterteilt, um so Gänge für die Pilger zu erschaffen, und ihre Menge durch Blockabfertigung zu regulieren.
Da Arkenbourg am Rande des Segmentum Solar zum Segmentum Ultima lag hatten die Meisten dieser frommen Menschen nun den Großteil ihrer Reise zurück gelegt und näherten sich dem Ziel ihrer heiligen Quest.
Terra.

Abseits der Massen war der Platz eigentlich ein Markt.
Durch die Nähe eines großen Raumhafens kamen die Crews vieler Schiffe hier her, um ihren Landgang dazu zu nutzen, sich mit so vielen Verköstigungen einzudecken, wie ihr Sold es erlaubte.
An hunderten kleinen Ständen wurde alles von Rum und Gewürzen bis Kleidung und Elektronik feilgeboten. Wenn man wusste wo und wie gab es außerdem Waffen aller Arten und sogar Sklaven zu kaufen.

Auf der gegenüberliegenden Seite wurde der Platz von einem riesigen, vollkommen glatten Wall eingegrenzt, der eine Kaserne der Arkenbourgischen Armee umgab.
Die ersten Fenster waren erst auf fünfzig Meter Höhe angebracht.
Hoch oben auf der Krone der Mauer stand ein ganzer Wald an Flaggen und Standarten, zwischen denen Scharfschützen emsig patrouillierten.
Daneben ragte ein Wolkenkratzer empor, der unten noch herkömmlich aus Stahl und Glas gebaut war, oben aber zu einer verschachtelten Holzkonstruktion wurde. Hunderte Meter über dem Boden war dort ein Ghetto entstanden, zusammengezimmert aus Müll, das mit der Zeit immer weiter nach oben wuchs.
Diese krasse Differenz zwischen Neu und Alt, zwischen Arm und Reich war überall zu finden.
Barocke Paläste, Wellblech-Slums, riesige Glaskuppeln und gotische Kathedralen reihten sich unkontrolliert aneinander und bildeten eine kunterbunte Mischung aller nur erdenklichen Stilrichtungen.

Eine Stimme riss Asmus aus dem Anblick.
„Sir?“
Er drehte sich um und erblickte Gravius Gobrecht, den Hauptmann seiner Garde.
Gravius war ein recht kleiner, drahtiger Mann mit Hang zur Selbstironie.
Er hatte bei den Elysianischen Sturmtruppen gedient, bevor er für die Inquisition rekrutiert worden war und einer der besten Schützen, die Asmus je gesehen hatte.
„Sir, wir haben unsere Quartiere bezogen, und die Wachen eingeteilt.“
„Gut. Ich will dass sich zu jeder Zeit mindestens zwanzig von euch hier in Bereitschaft sind.“
Der Inquisitor hatte die gesamte Etage des Hotels gemietet.
„Kenyetta dürfte bald fertig mit den Überwachungsgeräten sein…“, sagte der Soldat und blickte auf den Berg an Kisten, der sich auf dem Fußboden der Suite stapelte.
„…Aber sie hat wohl trotzdem noch einiges zu tun…“
„Ach, das macht ihr doch Spaß“, antwortete der Inquisitor grinsend und sah sich nach einer bequemen Sitzgelegenheit um.
„Und ob es das tut…“, ertönte es von der Tür des Apartments.
Die Stimme klang mechanisch, aber trotzdem auf eine seltsame Art angenehm.
Mit vier Armen, die in Greifern und ganzen Batterien an Kabeln und Adaptern endeten, einer starren Maske und dem langen, roten Mantel der Bruderschaft des Mars, war die Person, die den Raum betrat nur äußerst schwer als Frau zu erkennen.
Kenyetta Biever war eine Adeptin des Adeptus Mechanicus, die Asmus als persönliche Technikerin unterstützte. Sie war eine seiner ältesten Gehilfen und mittlerweile fast so etwas wie eine Freundin für ihn geworden,
wobei er dies nicht so genau sagen konnte, da ihr Körper zu Großteilen aus unzähligen, hochmodernen Implantaten bestand und er manchmal nicht recht wusste ob er mit einem Mensch oder einer Maschine sprach.
„Inquisitor, das Sofa auf dem sie sitzen müssen wir leider als erstes in die Ecke schieben, wir brauchen den Platz…“, ordnete sie geschäftig an, während sie an Gravius vorbei lief.
Asmus erhob sich seufzend wieder.
„Natürlich. Ich denke wir werden den ganzen Raum sowieso komplett umkrempeln müssen.“
„In der Tat. Ich bin, wie Mr. Gobrecht so Eben gesagt hat, fertig mit den Sicherheitssystemen. Alle Räume und Gänge sind videoüberwacht, alle Fenster mit Allarmanlagen gesichert und alles auf Wanzen überprüft.“, verkündete sie und begann schon damit die Kisten zu öffnen.
„Gute Arbeit, Kenyetta. Gravius, du kannst gehen. Aber schärfe deinen Leuten nochmal ein, dass sie, wenn sie in die Stadt gehen Zivil tragen und keine auffälligen Waffen mitnehmen und vor allem: Dass sie keinen Ärger machen!
Ich werde mit Sicherheit keinen aus dem Gefängnis holen, wenn er sich eine Prügelei mit irgendeinem Einheimischen liefert!“, sagte der Inquisitor.
„Aber Sir, mit Verlaub, unterschätzten sie meine Männer doch nicht so.
Keiner von ihnen würde sich von einfachen Sicherheitskräften fangen lassen“, grinste der Hauptmann, salutierte und verließ die Suite.

Eine Stunde später war der Raum nicht wiederzuerkennen.
Einen Großteil der Möbel hatte Kenyetta an die Wand gestapelt, um Platz für ein riesiges Sammelsurium an Computern, Bildschirmen und Armaturen zu machen die sie auf dem breiten Esstisch aufgestellt hatte.
Faustdicke Kabelbündel verliefen über den gefliesten Boden und in einem angrenzenden Raum stand sogar ein kleines Notfallaggregat, das die Maschinen am Laufen halten würde, sollte die Stromversorgung des Hotels zusammen brechen.
Die gesamte „Führungsriege“ des Inquisitors hatte sich inzwischen im Apartment eingefunden, um ihre neue Kommandozentrale in Augenschein zu nehmen.
Neben Kenyetta gehörten noch zwei weitere Spezialisten zu dem Kreis der engsten Vertrauten von Asmus:
Serina Colombe, eine Schwester des Adeptus Sororitas, die ihm fast schon so lange wie die Mechanikerin diente. Als Inquisitor des Ordo Hereticus hatte er zwar uneingeschränkten Zugriff auf die Dienste der Schwestern, bevorzugte jedoch Gardisten als Leibwache, da sie in einfachen Armeerüstungen oder sogar Zivil viel weniger Aufsehen erregten.
Serina aber war ihm mit ihrer direkten, aufrichtigen Art stets eine gute Beraterin gewesen und, wenn es hart auf hart kam war sie den meisten Männern zudem körperlich überlegen.
Das war eine Eigenschaft, die man vom dritten Anwesenden nicht behaupten konnte, denn Castro Cabeza war kaum einen Meter groß.
Der Halbling war Asmus weißbärtiger Gelehrter.
Im Alter von vierzehn Jahren hatte er sich das Meme-Virus eingefangen, das ihn dazu verdammte alle Informationen zu sammeln, die ihm unter die Augen kamen.
Das, gepaart mit seinen unglaublichen Computer-Kenntnissen, machten ihn ideal für die Aufgabe, das planetare Netzwerk Arkenbourgs mit Hilfe ausgefeilter Programme bis in die letzten Winkel nach etwaigen Spuren zu untersuchen.

Der Inquisitor war zuversichtlich den Visionär noch innerhalb dieses Jahres aufspüren zu können.
Über 2000 Spitzel hielten bereits draußen in den Straßen des Planeten ihre Ohren offen, um ihm über jedes Anzeichen der Häresie zu berichten.
Asmus würde den Ketzer aufspüren und er würde mit all den Seinen brennen!

Das Böse würde keine Chance haben.








… so das war Kapitel 2. Wie immer vielen Dank fürs Lesen :D
Ich habe es jetzt eher als „Einleitung“ nach dem Actionreichen 1. Kapitel genutzt, um die Situation zu beschreiben, auch wenn dann halt nicht viel passiert…
Außerdem weiß ich dass die Charaktere (vor allem Asmus) bis hier hin sehr vage und flach bleiben, werde aber versuchen sie dann besser herauszuarbeiten wenn sie „was zu tun“ bekommen :)

 
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