Historisch 🥇[Lion Rampant] A Winter of Discontent

☺️ Danke, lieber Bulweih – und auch allen anderen Daumengebern!

Ich schiebe hier mal ein kleines WIP ein, das mit der bisherigen Richtung erstmal nichts zu tun hat.

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Das ist die "commemorative miniature" der Perrys für Richard III. von England, veröffentlicht anlässlich der Wiederentdeckung seines Grabs 2012. Zum einen ist der – über Shakespeare – Spender des Threadtitels. Zum anderen gebe ich gerade ein Seminar zu ihm und lobe die Figur als Preis für die beste studentische Projektarbeit aus. Semesterende naht, also muss ich mal in die Puschen kommen 😓
 
Back to topic.
Als Letztes schuldig bin ich noch die Plänkler. Um sie optisch von den Burgundern abzusetzen, tragen alle Armbrüste – auch wenn das (historisch belegbte) Banner eine Feuerwaffe zeigt. Na ja, umso mehr Grund, später noch ein paar Büchsenschützen anzumalen.

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Fernkampfwaffen waren die absolut dominierende Ausrüstung in den Aufgeboten des Spätmittelalters. Wie in den USA heute scheint damals fast jeder, der was auf sich hielt, irgendein Schießgerät im Haus gehabt zu haben. Anders als z. B. Stangenwaffen nahm das nicht viel Platz weg und ließ sich auch bei zivileren Anlässen – Stichwort Schützenfest – recht gefahrlos mitführen und einsetzen. Im Krieg wiederum kamen Feldschlachten sehr selten, Belagerungen oder Scharmützel in besiedeltem Gelände dagegen häufig vor. Die Erwartung für viele war also, den Kampf aus "sicherer" Entfernung zu führen.

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Armbrüste hatten dabei noch recht hohen Wartungsbedarf: Die Sehne konnte porös werden, das Holz sich verformen, der Abzugsmechanismus sich verklemmen oder bei unsachgemäßer Behandlung sogar der Bogen brechen. Vor allem auf Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit reagierten die verbauten Materialien übellaunig. Deshalb tragen die Schützen hier ihre Bolzen in wasserabweisenden Fellköchern, und einer puhlt seine Waffe gerade erst aus dem Wetterschutz. Insgesamt scheinen bei den historischen Eidgenossen Feuerwaffen ungleich beliebter gewesen zu sein, wie in den Schilling-Chroniken dupzigmal zu sehen.

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Figurenmäßig gibt's keine Überraschungen: alles Perry-Kits. Dabei ist mir mal wieder der blöde Fokus der Reihe auf England in die Quere gekommen. Gerade die Plastiksets sind mit Ausrüstung vollgestopft, die für Kontinentaleuropa nur so halb passend ist. Hier trägt einer der Schützen ein Steppwams, das vielleicht noch für Flandern oder Nordfrankreich durchgeht, sonst aber ziemlich "fremdländisch" gewirkt haben dürfte. Ich rechtfertige es für mich damit, dass die Eidgenossen nach jedem Sieg über die Burgunder hinreichend Gelegenheit hatten, Leichen und Lager des Gegners zu plündern und daher auch solchen Kram erbeuten konnten. – Man weiß es nicht.

Zum vorläufigen Abschluss noch mal der Haufen im Zusammenhang:

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Eine immer noch bescheidene Truppe. Für meine Verhältnisse aber eine Mammutaufgabe, die ich mir da vom Tisch geputzt habe.

Demnächst dann weiter mit ein paar Ehrenrunden. Danke fürs Schauen!
 
Vielen Dank, Ihr Lieben, für die netten Rückmeldungen. Geht klar runter wie Öl 😀

Größte Baustelle sind und bleiben die Fotos. Da muss ich nochmal ran ans grundlegende Setup. Die wechselnden Hintergrundfarben haben das schon verraten.

Aber: kein Post ohne was zu Gucken! Hier drum der wiederauferstandene Richard III., fertig basiert und schon in seinem kleinen (naja, etwas überdimensionierten) Glaskasten. Nicht die schönste Figur, die ich je bemalt habe – was auch an dem eher … impressionistischen Sculpt liegt –, aber wird ihren Zweck sicher erfüllen. Allernächst wandert dieser "Pokal" dann zu einem meiner Studiteams.

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Danke nochmal an alle, die bis hierher durchgehalten haben. Es geht weiter mit ein paar Addons – oder DLCs? 🤔
 
Zuletzt bearbeitet:
"Sehr impressionistischen Sculpt..." 🤣👍.
- Den fand ich einfach super, wollte das nur kurz anmerken.

Davon ab, sehr cool geworden der Preis. Schlägt jeden schnöden Pokal um Längen.
Von der Umsetzung mal ab, finde ich die Idee der Mini schon top.

Lasse mich gerne überraschen mit was es schließlich weitergeht, es wird gebührend gewürdigt werden.
 
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Vielen Dank an @Bulweih und alle anderen fleißigen Liker ☺️ Dann will ich mal nicht lumpen lassen und mit den Nachreichungen weitermachen.
Nicht wirklich obligatorisch, aber einfach nice to have sind berittene Plänkler. Die Eidgenossen müssen die Vorfeldaufklärung auch ziemlich drauf gehabt haben, so regelmäßig wie sie die Burgunder überrumpeln konnten. Ausgangsmaterial von den Perrys, wie gehabt.

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Hier mag ich die großen Bases wieder mal besonders, weil ich mich bei Auswahl und Aufstellung der Figuren richtig austoben kann. Außerdem liegt in dem Thema auch ein bisschen Bastelpotential. Also flugs die Bitzbox geplündert und ein paar Taschen an die Sättel gehängt. Denn, wenn man schon mal auf Erkundung ist, kann man vermeintlich herrenlose Wertsachen auch gleich einsacken.

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Daneben gibt's ein paar einfache Modellierarbeiten: die gefranste Gugel, eine typisch "deutsche" Mode, und ein bisschen Schmuck fürs Sattelzeug, damals sehr beliebt. Geschnitzt wurde auch: Der Schütze zu Fuß ist ein Spießträger, dem ich den Kopf verdreht habe, und den "zottechten hut" (braucht wohl keine Übersetzung) habe ich einem Beja-Krieger aufgesetzt, dessen Frise auch gut in die spätmittelalterliche Schweiz passt.

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Der Hund schließlich begleitet eigentlich die Konquistadoren von Wargames Atlantic. Entsprechend umgefärbt gibt er aber auch einen passablen Vorfahren von Bernhardiner, Sennenhund & Co. ab. Die waren unter den Bauern so üblich, dass sich der Zürcher Bürgermeister Hans Waldmann (der auch im Kampf gegen Burgund führend mitgemischt hatte) tödlich unbeliebt machte, weil er sie einsammeln und erschlagen ließ – was ihn mittelbar selbst den Kopf kostete. (Oben die Illustration aus der Luzerner Chronik von 1513.)

Genug der Märchenstunde für heute. Demnächst wird's wieder etwas ziviler.
 
Gibt es denn mal wieder ein Bild der ganzen Armee?😇

Der Pikenhaufen ist ja gar nicht viel weiter oben zu sehen. Und das Foto war schon ein Krampf. Die Lust dazu kommt und geht, daher mag ich nix versprechen.
Meine Ausrede ist eh immer, dass nichts wirklich fertig ist 😄
 
  • Party
Reaktionen: UrielVentris
Wie angekündigt, geht's mit etwas Alltag weiter.
Bin überhaupt kein Fan von sterilen und gleichförmigen Spieltischen. Deshalb hab ich mir selbst die Pflicht auferlegt, zu jeder Tabletop-Truppe immer etwas passendes Beiwerk zu zimmern. Die ist hier zwar schon erfüllt (siehe hier und hier). Aber mehr ist bekanntlich mehr gut.

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Wie schon das Bauernhaus weiter vorn hat auch diese Kapelle ihr Leben als Plastikset von The Tabletop Workshop (nicht TWS!) begonnen. Günstiger ist nur selbstgedruckt oder gleich ganz selbstgebaut. Fürs eine fehlt die Ausstattung, fürs andere das Talent. Drum sind die Kunststoffkästchen für mich ideales Ausgangsmaterial.

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Ich hab nur ein paar Details verändert oder ergänzt. Unverputzte ("steinsichtige") mittelalterliche Gebäude sind großteils romantische Fantasie des 19. Jahrhunderts. Also hab ich etwas Spachtelmasse aufgeschmiert – absichtlich zu grob, um dem Ganzen etwas optische Struktur zu erhalten. Die rosarot abgesetzten Elemente könnten entweder aus Sandstein oder bemalt sein.

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Etwas schade finde ich die spitzbogigen Fenster. Die schieben das Gebäude ziemlich eindeutig in die Gotik, also das 13. Jahrhundert aufwärts. Ich hatte überlegt, sie durch Um- und Anbauten zu kaschieren. Das war mir aber doch zu viel Aufwand. Von der Idee übriggeblieben ist die kleine Holzhütte an der Rückseite. Ich hab sie aus einem Block Styrodur, etwas Pappe und Rührstäbchen zusammengewurstelt. Die Steine obenauf sind billiger Ersatz für Dachdeckernägel, vor allem im Alpenraum beliebt. Zur Vollständigkeit: Bank und Becher sind von Victrix, der Korb von Baueda.

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Quelle (Diebold Schilling, upload Adrian Michael, Public domain, via Wikimedia Commons )

Die Inspiration hat wieder mal eine schweizer Chronik geliefert: Zu sehen ist hier Niklaus von Flüe (1417–1487). Der wollte nach seiner Militär- und Politikkarriere eigentlich ein zurückgezogenes Dasein als Eremit führen. Allerdings wurde er ständig von seinen Exkollegen mit Fragen genervt. Die Antworten waren dann offenbar so gut, dass er heute als schweizer Nationalheiliger verehrt wird. Der Traum jedes Politikberaters!

Weil das Gebäude allein ja etwas verlassen wirkt, folgt die Belebung auf dem Fuße. Muss aber erst Fotos machen.
Danke fürs Gucken 🙂
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh Mann, was man aus so einem kleinen Plastikbausatz doch alles machen kann. Vor allem die historische Einordnung der einzelnen Elemente ist mal wieder super. Habe mich direkt gefragt, was es mit den Steinen auf der Hütte auf sich hatte und bekam direkt die Erklärung. Top und die Vorlage super getroffen. 1 mit Sternchen 😊👍