Hintergrundgeschichte
Lesedauer: 5-7min
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Das Signal schnitt durch die Dunkelheit wie eine Klinge.
Sergeant Vardon Hale kehrte ins Bewusstsein zurĂŒck wie ein Ertrinkender, der an die OberflĂ€che reiĂt â mit einem harten, rasselnd gezogenen Atemzug, der ihm zeigte, dass er noch lebte.
Asche rieselte auf ihn herab. Feine graue Partikel, still und gleichgĂŒltig wie der erste Schnee eines toten Winters, setzten sich in die Fugen seiner RĂŒstung. Er blinzelte. Versuchte zu begreifen.
Dann kam der Schmerz.
Rippen. Schulter. Flanke. Er lieĂ ihn kommen, lieĂ ihn sprechen. Kadetten der Schola Progenium lernten frĂŒh: Panik ist ein Rechenfehler. Schmerz ist bloĂ Information. Er arbeitete sich durch die Inventarliste seines eigenen Körpers. Finger. FuĂ. Arm. Alles antwortete. Alles gehorchte. Ein verbogener StahltrĂ€ger lag quer ĂŒber ihm, schwer wie das Urteil des Imperators â aber ĂŒberwindbar.
Er schob ihn zur Seite. Richtete sich auf.
Und erkannte sofort, dass sein Visier gebrochen war. Risse durchzogen das transparente Komposit wie ein Spinnennetz, das HUD nur noch ein Flackern bedeutungsloser Datenfragmente. Er löste die HelmverschlĂŒsse. Zog ihn ab.
Der erste ungefilterte Atemzug traf ihn wie ein Faustschlag. Asche. Verbranntes Material. Metall. Der bittere, beiĂende Geschmack einer Welt, die gerade gestorben war. Er lieĂ den Helm fallen.
Instinkt ĂŒbernahm das Kommando. Seine Hand fuhr zur HĂŒfte â leer. Zum RĂŒcken â leer. Die Plasmapistole und das Energieschwert waren verschwunden, verschluckt vom Wrack oder begraben unter Tonnen zerschmetterter Raffinerie. Zehn Meter entfernt lag ein gefallener Scion auf dem RĂŒcken, die Augen offen und blind gegen den ascheverhangenen Himmel gerichtet, das Hochenergie-Lasergewehr noch fest in den erstarrten HĂ€nden. Hale kniete neben ihm nieder. Kadetten der Schola Progenium lernten frĂŒh, Besitz zu teilen. Besonders im Tod. Er löste die Waffe aus den steifen Fingern, prĂŒfte die Energiezelle â halb geladen â und erhob sich wieder.
In Deckung öffnete er seine Brustpanzerung. Blut hatte sich im Polster gesammelt, dunkel und geronnen. Er arbeitete methodisch: Koagulationsserum, Kompressionsverband, Stimulans. Der Schmerz blieb. NatĂŒrlich blieb er. Aber er war nun geordnet. Eingehegt. Handhabbar.
Hale stand auf und sah sich die Welt an, die um ihn herum existierte.
Asche trieb in dĂŒnnen grauen Schleiern ĂŒber das TrĂŒmmerfeld, getragen vom heiĂen WĂŒstenwind, der durch die zerschmetterten Knochen der Raffinerie pfiff. Irgendwo tief im Komplex stöhnte Metall â das langsame, gequĂ€lte GerĂ€usch einer Struktur, die noch nicht akzeptiert hatte, dass sie bereits tot war. Hale bewegte sich nicht. Nicht sofort. Er scannte zuerst, wie man es ihm beigebracht hatte. Links. Rechts. Höhenlinien. Die Schattenlinien zwischen zerbrochenen Strukturen, wo Dinge lauern konnten. Erst als er sicher war, dass nichts ihn aktiv jagte, erlaubte er seinem Blick, nach unten zu wandern.
Und dann sah er die Kabel.
Sie lagen zwischen zersplitterten Betonplatten und verdrehten BewehrungsstĂ€ben â aber sie gehörten nicht hierher. Nicht die dicken, gepanzerten Versorgungsleitungen, die einst die Pumpstationen der Raffinerie gespeist hatten. Diese waren dĂŒnner. Sauberer. Frisch verlegt, mit einer Sorgfalt und Absicht, die der Explosion ringsum vollkommen gleichgĂŒltig gewesen zu sein schien. Sie verliefen mit einem Zweck durch den Schutt, der Hale den Nacken kalt werden lieĂ, und verschwanden schlieĂlich unter gebrochenem Boden.
Er presste zwei Finger gegen das Leitungsrohr.
Warm.
Er folgte dem Kabel, bis er den Rand eines freigelegten Wartungsschachts fand. Warme Luft strömte aus der Tiefe empor â sĂŒĂlich, fremd, ohne die Schwere des Raffinerie-Gestanks. Er lieĂ sich lautlos hinab.
Vier Gestalten arbeiteten zwischen den Leitungen.
Zivilkleidung. Werkzeug. Schweigen. Hale blieb im Schatten und beobachtete, und in dem Moment, in dem sein Auge die Proportionen der dritten Gestalt erfasste, wurde ihm kalt. Ein Arm zu lang. Ein Arm zu viel. Die Gelenke artikulierten falsch, mit einer PrĂ€zision, die beim Menschen nie vorhanden war. Eine der Gestalten hielt inne. Wandte den Kopf, ohne sich zu bewegen â als wĂŒrde sie lauschen.
Hale erkannte die Silhouette.
Die ĂŒberstreckte Schulter. Den falschen Gelenkwinkel. Diese Gestalt hatte auf ihn gefeuert.
Kein Mob. Keine panischen Ăberlebenden. Die Angreifer selbst â und sie arbeiteten koordiniert, prĂ€zise, wortlos, mit der ruhigen Effizienz einer Einheit, die keine Befehle brauchte, weil sie sich auf eine Art verstand, die tiefer reichte als Sprache.
Eine Struktur. Kein Chaos.
Er hĂ€tte sie ausschalten können. DreiĂig Schuss in einem engen Schacht, keine Deckung, keine Rettung. Er hĂ€tte es getan â bis er sich daran erinnerte, was Scions beigebracht wurde: Wer zu frĂŒh schieĂt, stirbt gut informiert.
Hale zog sich zurĂŒck.
Er bewegte sich ĂŒber das TrĂŒmmerfeld â durch treibenden Sand, durch verdrehten Stahl, unter dem milchig-grauen Licht einer Sonne, die die Asche kaum zu durchdringen vermochte â bis er das Wrack des Taurox fand. Der Truppentransporter lag aufgerissen wie ein Tier, das Innere nach auĂen gestĂŒlpt, die Panzerplatten von innen herausgesprengt. Hale durchwĂŒhlte den Schutt mit schnellen, geĂŒbten HĂ€nden.
Das Vox-Modul. BeschÀdigt. Aber nicht tot.
Er riss es heraus, zwang es zur Ăbertragung, sprach in den Statikrauschen hinein, als wĂŒrde er dem Imperator persönlich Meldung erstatten: âHier spricht Tango-3-Mike. Tango-Kompanie ausgefallen. Raffinerie Ferrion kompromittiert. Unterirdische mutierte Arbeitszellen operieren in strukturierter Koordination. Nutzung imperialer Infrastruktur bestĂ€tigt."
Statik.
âAlpha-Null-Alpha, bestĂ€tigen."
Nichts. Vielleicht war es durchgekommen. Vielleicht sprach er in die Leere eines toten Ăthers.
Hale blieb in dem zerstörten Taurox sitzen und lauschte.
Nicht dem Vox. Der Raffinerie.
Wind fuhr durch aufgeplatzte Rohrleitungen und spielte auf ihnen wie ein TotengrĂ€ber auf Knochen. KĂŒhlendes Metall tickte im Rhythmus einer Uhr, die niemand mehr brauchte. FĂŒr einige Sekunden war das alles, was existierte â Wind, Metall, Stille.
Dann kam der Laut.
Er trug sich ĂŒber den gesamten Komplex, ein GerĂ€usch, das sich keiner Kategorie fĂŒgen wollte. Zu anhaltend fĂŒr Schmerz. Zu organisch fĂŒr jede Maschine, die Hale je gehört hatte. Er zuckte nicht zusammen. Er wertete aus. Der Laut war keine Panik, kein Hilferuf, kein zufĂ€lliges Echo. Es war eine Antwort â ein Signal, das zurĂŒckgegeben wurde.
Als es verstummte, folgte Bewegung.
Am Rand des TrĂŒmmerfeldes löste sich eine Gestalt aus dem Schatten, so ruhig und unvermeidlich wie ein Gedanke. Eine zweite erschien auf einem zerbrochenen Laufsteg. Dann eine dritte. Eine vierte. Sie eilten nicht. Sie positionierten sich, mit der kalten Effizienz von Wesen, die schon zu oft gejagt hatten, um noch Hast zu kennen. Manche von ihnen hĂ€tte man auf den ersten Blick fĂŒr Menschen gehalten â bis das Auge die Details registrierte. GliedmaĂen eine Spur zu lang. Gelenke, die eine Spur zu weit bogen. Eine BewegungsqualitĂ€t, die sich nicht einordnen lieĂ, die aber etwas in Hales tiefsten Instinkten in helle, kalte Alarmbereitschaft versetzte.
Sie sprachen nicht. Sie mussten es nicht.
Hale trat aus dem Wrack des Taurox hervor und legte das Lasergewehr an die Schulter. DreiĂig Schuss. Er zĂ€hlte sie innerlich, wie er immer zĂ€hlte, wie man es ihm beigebracht hatte â jeder Schuss ein Urteil, das nicht reversibel war.
Hinter ihm löste sich eine Gestalt von einem zerbrochenen GitterrosttrĂ€ger und landete mit einer PrĂ€zision, die kein Sturz war, sondern eine Platzierung. Das Vox-Signal war nicht unbemerkt geblieben. Er wurde nicht mehr fĂŒr tot gehalten. Er war einkalkuliert worden â eine Variable, die nun in ihr Muster integriert wurde.
Kadetten wurden gelehrt, in Kontingenzen zu denken. Scheitert die Tarnung: erzeuge InstabilitÀt. Zwinge sie zur Reaktion.
Hale drehte sich um und feuerte.
Die Gestalt fiel. Die anderen passten sich an â nicht mit Panik, nicht mit Wut, sondern mit der gleichen kĂŒhlen, wortlosen Koordination wie zuvor. AbstĂ€nde verĂ€nderten sich. Winkel verengten sich. Das Muster um ihn herum verschob sich wie ein lebendes Ding, das ihn einatmete, und er sah, was es beabsichtigte: Ein einziger Korridor durch das zerbrochene Stahl und Beton blieb offen. Der Rest constriktierte. Sie drĂ€ngten ihn nicht. Sie engten ihn ein.
Ein Schuss traf Stahl nah an seiner Schulter. Splitter schlugen ĂŒber seine RĂŒstung, heiĂ und scharf.
Hale begann sich zu bewegen â bedĂ€chtig, kontrolliert, den FuĂ immer dort platzierend, wo er ihn haben wollte, nicht dort, wo die Situation ihn haben wollte. Hinter ihm rĂŒckten die Gestalten nach. Nicht chaotisch. Nicht rasend. Ausgerichtet, prĂ€zise, unvermeidlich wie das Urteil des Imperators â nur dass dieses Urteil, so vermutete er, kein kaiserliches war.
Und so begann die Jagd.
Sergeant Vardon Hale kehrte ins Bewusstsein zurĂŒck wie ein Ertrinkender, der an die OberflĂ€che reiĂt â mit einem harten, rasselnd gezogenen Atemzug, der ihm zeigte, dass er noch lebte.
Asche rieselte auf ihn herab. Feine graue Partikel, still und gleichgĂŒltig wie der erste Schnee eines toten Winters, setzten sich in die Fugen seiner RĂŒstung. Er blinzelte. Versuchte zu begreifen.
Dann kam der Schmerz.
Rippen. Schulter. Flanke. Er lieĂ ihn kommen, lieĂ ihn sprechen. Kadetten der Schola Progenium lernten frĂŒh: Panik ist ein Rechenfehler. Schmerz ist bloĂ Information. Er arbeitete sich durch die Inventarliste seines eigenen Körpers. Finger. FuĂ. Arm. Alles antwortete. Alles gehorchte. Ein verbogener StahltrĂ€ger lag quer ĂŒber ihm, schwer wie das Urteil des Imperators â aber ĂŒberwindbar.
Er schob ihn zur Seite. Richtete sich auf.
Und erkannte sofort, dass sein Visier gebrochen war. Risse durchzogen das transparente Komposit wie ein Spinnennetz, das HUD nur noch ein Flackern bedeutungsloser Datenfragmente. Er löste die HelmverschlĂŒsse. Zog ihn ab.
Der erste ungefilterte Atemzug traf ihn wie ein Faustschlag. Asche. Verbranntes Material. Metall. Der bittere, beiĂende Geschmack einer Welt, die gerade gestorben war. Er lieĂ den Helm fallen.
Instinkt ĂŒbernahm das Kommando. Seine Hand fuhr zur HĂŒfte â leer. Zum RĂŒcken â leer. Die Plasmapistole und das Energieschwert waren verschwunden, verschluckt vom Wrack oder begraben unter Tonnen zerschmetterter Raffinerie. Zehn Meter entfernt lag ein gefallener Scion auf dem RĂŒcken, die Augen offen und blind gegen den ascheverhangenen Himmel gerichtet, das Hochenergie-Lasergewehr noch fest in den erstarrten HĂ€nden. Hale kniete neben ihm nieder. Kadetten der Schola Progenium lernten frĂŒh, Besitz zu teilen. Besonders im Tod. Er löste die Waffe aus den steifen Fingern, prĂŒfte die Energiezelle â halb geladen â und erhob sich wieder.
In Deckung öffnete er seine Brustpanzerung. Blut hatte sich im Polster gesammelt, dunkel und geronnen. Er arbeitete methodisch: Koagulationsserum, Kompressionsverband, Stimulans. Der Schmerz blieb. NatĂŒrlich blieb er. Aber er war nun geordnet. Eingehegt. Handhabbar.
Hale stand auf und sah sich die Welt an, die um ihn herum existierte.
Asche trieb in dĂŒnnen grauen Schleiern ĂŒber das TrĂŒmmerfeld, getragen vom heiĂen WĂŒstenwind, der durch die zerschmetterten Knochen der Raffinerie pfiff. Irgendwo tief im Komplex stöhnte Metall â das langsame, gequĂ€lte GerĂ€usch einer Struktur, die noch nicht akzeptiert hatte, dass sie bereits tot war. Hale bewegte sich nicht. Nicht sofort. Er scannte zuerst, wie man es ihm beigebracht hatte. Links. Rechts. Höhenlinien. Die Schattenlinien zwischen zerbrochenen Strukturen, wo Dinge lauern konnten. Erst als er sicher war, dass nichts ihn aktiv jagte, erlaubte er seinem Blick, nach unten zu wandern.
Und dann sah er die Kabel.
Sie lagen zwischen zersplitterten Betonplatten und verdrehten BewehrungsstĂ€ben â aber sie gehörten nicht hierher. Nicht die dicken, gepanzerten Versorgungsleitungen, die einst die Pumpstationen der Raffinerie gespeist hatten. Diese waren dĂŒnner. Sauberer. Frisch verlegt, mit einer Sorgfalt und Absicht, die der Explosion ringsum vollkommen gleichgĂŒltig gewesen zu sein schien. Sie verliefen mit einem Zweck durch den Schutt, der Hale den Nacken kalt werden lieĂ, und verschwanden schlieĂlich unter gebrochenem Boden.
Er presste zwei Finger gegen das Leitungsrohr.
Warm.
Er folgte dem Kabel, bis er den Rand eines freigelegten Wartungsschachts fand. Warme Luft strömte aus der Tiefe empor â sĂŒĂlich, fremd, ohne die Schwere des Raffinerie-Gestanks. Er lieĂ sich lautlos hinab.
Vier Gestalten arbeiteten zwischen den Leitungen.
Zivilkleidung. Werkzeug. Schweigen. Hale blieb im Schatten und beobachtete, und in dem Moment, in dem sein Auge die Proportionen der dritten Gestalt erfasste, wurde ihm kalt. Ein Arm zu lang. Ein Arm zu viel. Die Gelenke artikulierten falsch, mit einer PrĂ€zision, die beim Menschen nie vorhanden war. Eine der Gestalten hielt inne. Wandte den Kopf, ohne sich zu bewegen â als wĂŒrde sie lauschen.
Hale erkannte die Silhouette.
Die ĂŒberstreckte Schulter. Den falschen Gelenkwinkel. Diese Gestalt hatte auf ihn gefeuert.
Kein Mob. Keine panischen Ăberlebenden. Die Angreifer selbst â und sie arbeiteten koordiniert, prĂ€zise, wortlos, mit der ruhigen Effizienz einer Einheit, die keine Befehle brauchte, weil sie sich auf eine Art verstand, die tiefer reichte als Sprache.
Eine Struktur. Kein Chaos.
Er hĂ€tte sie ausschalten können. DreiĂig Schuss in einem engen Schacht, keine Deckung, keine Rettung. Er hĂ€tte es getan â bis er sich daran erinnerte, was Scions beigebracht wurde: Wer zu frĂŒh schieĂt, stirbt gut informiert.
Hale zog sich zurĂŒck.
Er bewegte sich ĂŒber das TrĂŒmmerfeld â durch treibenden Sand, durch verdrehten Stahl, unter dem milchig-grauen Licht einer Sonne, die die Asche kaum zu durchdringen vermochte â bis er das Wrack des Taurox fand. Der Truppentransporter lag aufgerissen wie ein Tier, das Innere nach auĂen gestĂŒlpt, die Panzerplatten von innen herausgesprengt. Hale durchwĂŒhlte den Schutt mit schnellen, geĂŒbten HĂ€nden.
Das Vox-Modul. BeschÀdigt. Aber nicht tot.
Er riss es heraus, zwang es zur Ăbertragung, sprach in den Statikrauschen hinein, als wĂŒrde er dem Imperator persönlich Meldung erstatten: âHier spricht Tango-3-Mike. Tango-Kompanie ausgefallen. Raffinerie Ferrion kompromittiert. Unterirdische mutierte Arbeitszellen operieren in strukturierter Koordination. Nutzung imperialer Infrastruktur bestĂ€tigt."
Statik.
âAlpha-Null-Alpha, bestĂ€tigen."
Nichts. Vielleicht war es durchgekommen. Vielleicht sprach er in die Leere eines toten Ăthers.
Hale blieb in dem zerstörten Taurox sitzen und lauschte.
Nicht dem Vox. Der Raffinerie.
Wind fuhr durch aufgeplatzte Rohrleitungen und spielte auf ihnen wie ein TotengrĂ€ber auf Knochen. KĂŒhlendes Metall tickte im Rhythmus einer Uhr, die niemand mehr brauchte. FĂŒr einige Sekunden war das alles, was existierte â Wind, Metall, Stille.
Dann kam der Laut.
Er trug sich ĂŒber den gesamten Komplex, ein GerĂ€usch, das sich keiner Kategorie fĂŒgen wollte. Zu anhaltend fĂŒr Schmerz. Zu organisch fĂŒr jede Maschine, die Hale je gehört hatte. Er zuckte nicht zusammen. Er wertete aus. Der Laut war keine Panik, kein Hilferuf, kein zufĂ€lliges Echo. Es war eine Antwort â ein Signal, das zurĂŒckgegeben wurde.
Als es verstummte, folgte Bewegung.
Am Rand des TrĂŒmmerfeldes löste sich eine Gestalt aus dem Schatten, so ruhig und unvermeidlich wie ein Gedanke. Eine zweite erschien auf einem zerbrochenen Laufsteg. Dann eine dritte. Eine vierte. Sie eilten nicht. Sie positionierten sich, mit der kalten Effizienz von Wesen, die schon zu oft gejagt hatten, um noch Hast zu kennen. Manche von ihnen hĂ€tte man auf den ersten Blick fĂŒr Menschen gehalten â bis das Auge die Details registrierte. GliedmaĂen eine Spur zu lang. Gelenke, die eine Spur zu weit bogen. Eine BewegungsqualitĂ€t, die sich nicht einordnen lieĂ, die aber etwas in Hales tiefsten Instinkten in helle, kalte Alarmbereitschaft versetzte.
Sie sprachen nicht. Sie mussten es nicht.
Hale trat aus dem Wrack des Taurox hervor und legte das Lasergewehr an die Schulter. DreiĂig Schuss. Er zĂ€hlte sie innerlich, wie er immer zĂ€hlte, wie man es ihm beigebracht hatte â jeder Schuss ein Urteil, das nicht reversibel war.
Hinter ihm löste sich eine Gestalt von einem zerbrochenen GitterrosttrĂ€ger und landete mit einer PrĂ€zision, die kein Sturz war, sondern eine Platzierung. Das Vox-Signal war nicht unbemerkt geblieben. Er wurde nicht mehr fĂŒr tot gehalten. Er war einkalkuliert worden â eine Variable, die nun in ihr Muster integriert wurde.
Kadetten wurden gelehrt, in Kontingenzen zu denken. Scheitert die Tarnung: erzeuge InstabilitÀt. Zwinge sie zur Reaktion.
Hale drehte sich um und feuerte.
Die Gestalt fiel. Die anderen passten sich an â nicht mit Panik, nicht mit Wut, sondern mit der gleichen kĂŒhlen, wortlosen Koordination wie zuvor. AbstĂ€nde verĂ€nderten sich. Winkel verengten sich. Das Muster um ihn herum verschob sich wie ein lebendes Ding, das ihn einatmete, und er sah, was es beabsichtigte: Ein einziger Korridor durch das zerbrochene Stahl und Beton blieb offen. Der Rest constriktierte. Sie drĂ€ngten ihn nicht. Sie engten ihn ein.
Ein Schuss traf Stahl nah an seiner Schulter. Splitter schlugen ĂŒber seine RĂŒstung, heiĂ und scharf.
Hale begann sich zu bewegen â bedĂ€chtig, kontrolliert, den FuĂ immer dort platzierend, wo er ihn haben wollte, nicht dort, wo die Situation ihn haben wollte. Hinter ihm rĂŒckten die Gestalten nach. Nicht chaotisch. Nicht rasend. Ausgerichtet, prĂ€zise, unvermeidlich wie das Urteil des Imperators â nur dass dieses Urteil, so vermutete er, kein kaiserliches war.
Und so begann die Jagd.
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