Mont'yr'Tol - Die die Gestrandeten
Kapitel 1: Das Erwachen
Cryo-Bucht 04 – Flaggschiff Or’es Kau’yon
Dunkelheit.Kein Gefühl für Zeit. Kein klares Bewusstsein. Nur ein Impuls, tief in meinem Geist, ein Funke, der langsam durch die Kälte drang.
Dann – ein Geräusch.
Ein scharfes, rhythmisches Zischen. Irgendwo in der Schwärze lösten sich Druckventile, gefrorener Frost verdampfte in der Schwerelosigkeit. Datenströme flimmerten, Sensoren scannten meinen Körper. Muskeln, die sich seit Jahren nicht bewegt hatten, wurden reaktiviert.
Mein Geist kehrte zurück. Langsam öffnete ich die Augen.
Ein Moment völliger Stille.
Mein Körper fühlte sich fremd an. Schwer, unbeweglich, als würde er nicht mehr zu mir gehören. Jeder Atemzug war ungewohnt, jeder Muskel schrie nach Bewegung. Ich spannte die Finger, ließ das Gefühl in meine Glieder zurückkehren.
Wie lange war ich fort?
Eine ruhige, analytische Stimme durchbrach das Schweigen.
„Vitalfunktionen stabil. Muskelgewebe regeneriert. Erhöhte neuronale Aktivität. Erwachensprozess abgeschlossen.“
Or’vesa.
Meine treue Gefährtin. Meine persönliche KI, mein digitaler Schatten, meine unveränderliche Konstante. Ich hatte mich nie viel mit den Gedanken an KI-Persönlichkeiten beschäftigt, doch nun, nach Jahren der Stille im Cryoschlaf, war ihre Präsenz wie ein Signalfeuer in der Dunkelheit.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich Erleichterung empfinden würde, eine KI zu hören. Und doch war es so.
Ich atmete tief ein. Die Kälte des Cryoschlafs war endgültig verschwunden.
„Shas’O Tash’Var, willkommen zurück. Dein Ruheschlaf ist beendet.“
Ich richtete mich langsam auf. Die kybernetischen Stützen meiner Cryo-Kapsel zogen sich zurück, Schläuche lösten sich, die mich an die Lebenserhaltungssysteme gekoppelt hatten. Ein schwerer Atem entwich meiner Lunge, als die Kälte meiner Vergangenheit von mir abfiel.
Ich fokussierte meinen Blick auf die Dunkelheit vor mir.
„Wie lange?“
Ein kurzer Moment des Zögerns. Dann die Antwort.
„Zehn T’au’cyr seit deinem letzten Einsatz. Fünf davon in vollständiger Cryostase.“
Zehn Jahre. Für einen Krieger konnte das eine halbe Ewigkeit sein.
Kapitel 2: Das erste Gefecht
Taktische Kommandozentrale – Flaggschiff Or’es Kau’yon
Ich saß im zentralen Kommandoraum der Or’es Kau’yon. Die Holographien vor mir flimmerten im gedimmten Licht, während das taktische Netzwerk Sensordaten und Gefechtsprotokolle übertrug.Ich hatte Fragen.
Ich war zu spät erwacht, um selbst Teil dieser Schlacht gewesen zu sein. Aber ich musste wissen, was geschehen war – was wir verloren hatten.
„Or’vesa, gib mir den Bericht über das erste Gefecht.“
Meine KI aktivierte sich sofort.
„Verstanden, Commander. Starte Gefechtsanalyse von Eliath-eshar.“
Das Hologramm zeigte eine alte imperiale Ruinenstadt – Eliath-eshar. Zerfallene Türme, Sandverwehungen zwischen den geborstenen Mauern und mittendrin ein verlorenes Relikt.
Eliath-eshar – Die erste Konfrontation
„Primärziel der Mission war die Sicherung eines Relikts, das möglicherweise Daten über das Webway oder eine Fluchtroute aus diesem System enthält.“Ich sah die simulierten Bewegungen unserer Truppen. Stealth-Teams schoben sich lautlos in die Ruinen, Pathfinder sicherten Korridore, während Breacher-Teams sich für den Vorstoß bereitmachten.
Doch die T’au waren nicht die Einzigen, die nach Wissen suchten.
„Feindkontakt erfolgte früh. Die Aeldari waren bereits vor Ort.“
Eine Verzerrung im Hologramm. Eine Welle aus psionischer Energie, und dann – eine plötzliche Materialisation.
„Psionische Signaturen! Feindkontakt direkt bei der Einsatzgruppe!“
Runenleser und Seher von Ulthwé erschienen mitten unter unseren Truppen. Warpblitze zuckten über das Schlachtfeld, die Tarnfelder unserer Stealth-Anzüge brachen zusammen.
„Stealth-Team Nebelschritt vollständig ausgeschaltet.“
Ich sah die Markierungen ihrer Biosignaturen verlöschen. Kein Entkommen. Keine Überlebenden. Die Aeldari hatten nicht nur auf uns gewartet, sie hatten die perfekte Falle vorbereitet.
Der Gegenangriff – Ein Kampf um jeden Meter
„Striking Scorpions gingen in den Nahkampf über. Ihre Kettenschwerter durchtrennten die zweite Stealth-Einheit.“Ich sah, wie Shas’Ui Vior’Kais versuchte, das Blatt zu wenden. Sein Tarnfeldgenerator flackerte auf, er markierte die Eldar-Bikes für das Crisis-Team.
Doch er kam nicht weit.
„Seine letzte Übertragung brach abrupt ab.“
Ich kannte diesen Moment. Die Erkenntnis, dass der Gegner nicht nur taktisch überlegen war – sondern schneller, tödlicher, gnadenloser. Die Mont’yr'Tol-Flotte war in ein Schlachtfeld geraten, das nicht ihres war.
Doch sie kämpften weiter.
„Shas’Vre Ren’Vash, Ghostkeel-Pilot, führte den ersten Gegenangriff an.“
Ich beobachtete die Simulation.
Seine Ionenkanone lud sich auf, ein hochenergetischer Schuss durchbrach die Schutzfelder eines Serpents. Das Eldar-Fahrzeug explodierte in einer Flammensäule.
Doch die Aeldari hielten nicht inne.
Die Schatten der Vergangenheit
Vespiden-Schwärme stießen aus der Luft herab, feuerten ihre Neutronenblaster auf die Gardisten der Eldar.Doch es war nicht genug.
„Trefferquote zu niedrig. Eldar weichen aus.“
Die Phantomdroiden setzten zum Gegenangriff an.
Ich sah, wie sich unsere Crisis-Krieger in Stellung brachten. Shas’Vre Tor’Mal, Shas’Vre Vash’Ria, Shas’Vre Dal’Rym – jeder von ihnen ein erfahrener Krieger.
Sie feuerten koordiniert, ihre Burst-Kanonen entluden Mikro-Plasma-Impulse mit hoher Feuerrate, die durch die Reihen der Eldar-Bikes schnitten.
Doch während wir vorgingen, bewegte sich der wahre Feind.
Der Rückzug – Die bittere Realität
„Feindliche Einheiten in Bewegung. Rückzug eingeleitet.“Die Vespiden wurden aufgerieben. Die letzten Fire Warriors rannten zur Evakuierungszone.
Shas’O Kais’Raik deckte den Rückzug mit seinem Crisis-Team.
Ich sah, wie er aus der Luft operierte, Markerlights setzte, Feuer konzentrierte. Doch die Aeldari ließen ihn nicht entkommen.
Die Phantomdroiden schoben sich weiter vor.
„Die letzten Breacher-Teams wurden aufgerieben.“
Das letzte Opfer
„Shas’Vre Ren’Vash stand alleine gegen die Phantomdroiden.“Ich sah sein Ghostkeel-Symbol, schwer beschädigt, Funksysteme versagten.
Er hätte fliehen können. Aber das tat er nicht.
„Ziel erfasst. Letzte Salve abfeuern.“
Seine Ionenkanone feuerte noch ein letztes Mal. Dann kam der Runenprophet der Aeldari.
Ich sah die Energiepulse, die durch die Simulation zogen, das psionische Gewitter, das sich über den Ghostkeel entlud.
Er hatte keine Chance. Sein Reaktor überlastete.
Eine letzte Explosion. Ein Lichtblitz. Und dann – Stille.
Doch es gab einen letzten Funkspruch.
„Evakuierungssystem aktiviert… Fallschirm entfaltet…“
Er hatte überlebt. Aber wir hatten verloren.
Eine Lektion aus Blut
„Das Artefakt wurde nicht geborgen. Die Mont’yr'Tol-Truppen mussten sich unter schweren Verlusten zurückziehen. Die Aeldari haben gesiegt – aber ihr Sieg war nicht ohne Preis.“Ich ließ den Blick auf den Holographien ruhen. Wir hatten einen ersten Einblick in die Stärke unseres Feindes bekommen. Ich wusste, dass die Aeldari gefährlich waren, doch diese Schlacht hatte bewiesen, dass sie nicht nur taktisch überlegen waren, sondern auch bereit, jeden Preis zu zahlen, um uns aufzuhalten.
Ich atmete tief ein. Mein Krieg hatte gerade erst begonnen.
Kapitel 3: Das gestrandete Erbe
Ich dachte an die Lehren aus dem Krieg. Ein überhasteter Vorstoß führte oft in die Falle des Feindes. Eine taktisch gesetzte Feuerschneise hingegen zwang ihn, sich unseren Bedingungen anzupassen. Wir hätten dasselbe Prinzip auf diese Technologie anwenden sollen – vorsichtige Tests, kontrollierte Schritte. Doch stattdessen hatten wir einen Sprung ins Ungewisse gewagt. Und wir hatten den Preis dafür bezahlt.Technische Analysekammer – Flaggschiff Or’es Kau’yon
Ich stand vor dem Holographie-Interface der Analysekammer. Die Daten liefen in klaren, blauen Bahnen über das Display – fragmentierte Protokolle, Sensormessungen, Trümmeranalysen.Ich hatte lange genug gerätselt. Jetzt wollte ich Antworten.
„Or’vesa, ich will eine vollständige Rekonstruktion. Wie kam es dazu, dass wir gestrandet sind?“
Meine KI reagierte ohne Verzögerung.
„Bestätigt, Commander. Starte Simulationsrekonstruktion…“
Das Licht in der Kammer dimmte. Das zentrale Hologramm formte sich neu. Vor mir entstand das Bild eines gewaltigen Tyraniden-Antriebs – fremdartig, biomechanisch, pulsierend.
Projekt Shas’kar’va – Der gespaltene Pfad
„Die Mont’yr’Tol-Flotte war Teil eines wissenschaftlichen Großprojekts – bezeichnet als Shas’kar’va. Ziel war die Entwicklung eines neuen Antriebssystems, das die Grenzen der herkömmlichen T’au-Technologie überwindet.“
Ich kannte das Problem.
Das Sternenreich war technologisch fortschrittlich – aber es hinkte in einer entscheidenden Kategorie hinterher: Überlichtreisen.
Die Imperiale Menschheit hatte den Warp. Die Aeldari hatten ihr Webway. Die Tyraniden bewegten sich durch psionische Strömungen, ohne eine einzige bekannte Warptor-Technologie zu nutzen.
Ich betrachtete das pulsierende Hologramm des Antriebs.
„Wir haben also versucht, Tyraniden-Technologie für unsere eigene Fortbewegung zu nutzen?“
„Korrekt. Die Idee basierte auf der Theorie, dass Tyraniden-Flotten durch ein biologisch erzeugtes, interdimensionales Resonanzfeld reisen – ohne direkten Warpeinfluss. Unsere Forscher versuchten, dieses Prinzip nachzubilden.“
Wissenschaftlicher Zwist – Die Zweifel der Erdkaste
Das Bild änderte sich. Ich sah eine Versammlung von T’au-Wissenschaftlern, einige in den eleganten Roben der Bork’an-Schulen, andere in pragmatischerer Arbeitskleidung. Ihre Gestik war gespalten.„Nicht alle Wissenschaftler der Erdkaste waren überzeugt, dass der Antrieb sicher war. Während die führenden Forscher von Bork’an und Ke’lshan das Potenzial sahen, warnten andere vor unvorhersehbaren biologischen Wechselwirkungen.“
Ich konnte es mir vorstellen. Die Debatte zwischen reiner T’au-Technologie und fremder Biomechanik hatte schon immer existiert.
Ich sah Fragmente alter Übertragungen. Ein Wissenschaftler, die Stimme angespannt:
„Wir verstehen den biologischen Aspekt dieses Antriebs nicht vollständig. Es ist keine Maschine, es ist ein lebendiges System!“
Ein anderer, entschlossen:
„Aber es funktioniert! Die Simulationen zeigen stabile Sprungfelder!“
Der erste Sprung – Der Fehler, der alles veränderte
Ich konnte bereits ahnen, was passiert war.„Zeig mir die Daten vom Sprungversuch.“
Das Hologramm flackerte. Ein digitaler Countdown lief.
Ich sah, wie die Mont’yr’Tol-Flotte sich in einer perfekten Formation sammelte.
Der Tyraniden-Antrieb aktivierte sich. Ein Energiefeld wuchs. Unnatürlich. Flüssig. Pulsierend.
Dann – Verzerrungen.
„Anomalien erkannt. Energielevel steigt auf 120 %... 150 %...!“
Die Daten sprangen wild hin und her. Dann kam das Schreien.
Kein mechanisches Fehlersignal. Nicht die KI-Systeme. Etwas anderes.
Ich fühlte, wie meine Muskeln sich anspannten, obwohl ich nur eine Simulation betrachtete.
Ich kannte diesen kalten Hauch psionischer Präsenz. Das war kein einfacher technischer Fehler.
Der Antrieb war lebendig.
„Systeminstabilität erreicht kritischen Punkt. Notabschaltung unmöglich. Sprung wird ausgeführt…“
Das Bild explodierte in Datenchaos.
Gestrandet – Der Moment der Erkenntnis
Das nächste Bild, das sich formte, war schmerzlich vertraut.Schiffstrümmer trieben im Nichts. Sternenkarten waren leer. Kein Kontakt mit dem Sternenreich.
Die Flotte war verloren.
Ich atmete langsam aus.
„Wir haben also unser eigenes Grab geschaufelt…“
Or’vesa schwieg einen Moment. Dann sprach sie ruhig:
„Wir haben eine Grenze überschritten, die wir nicht verstanden haben, Commander.“
Kapitel 4: Stimmen der Führung
Strategiedek – Flaggschiff Or’es Kau’yon
Die Türen der Kommandozentrale glitten lautlos zur Seite. Vor mir lag der Strategiedek, das Herz der Flotte. Holographische Displays schwebten über den zentralen Tischen, taktische Karten flimmerten über den Projektoren.Am Ende des Raumes warteten sie bereits.
Shas’O Nem’Lah.
Und mit ihm die drei Himmlischen der Mont’yr’Tol-Flotte:
Aun’Shi’ar, der Visionär, dessen Gedanken oft weiter reichten als die meisten T’au akzeptieren wollten.
Aun’El Bork’an Sha’Rel, der Stratege, ruhig, analytisch, immer auf die langfristigen Konsequenzen bedacht.
Aun’El Vior’la Kais’Nan, der Kriegsrufer, ein unnachgiebiger Verfechter der Disziplin und der Feuerkasten-Doktrin.
Ich trat vor. Mein Blick schweifte über ihre Gesichter – ruhig, gelassen, aber wachsam. Ich wusste, dass dieses Gespräch wichtig war.
Ich verneigte mich respektvoll.
„Aun’el. Shas’O Nem’Lah.“
Nem’Lah nickte knapp. Die Himmlischen hielten den Blick auf mich gerichtet.
„Wir müssen über den Fehlsprung sprechen. Über unsere Lage.“
Das Gespräch beginnt
Nem’Lah war der Erste, der das Wort ergriff.„Shas’O, du hast inzwischen die Daten eingesehen. Du weißt, dass der Antrieb auf Tyraniden-Technologie basierte. Und du weißt auch, dass nicht alle in der Flotte davon überzeugt waren, dass er sicher war.“
Or’vesa sprach nur für mich hörbar.
„Nem’Lahs Stimme bleibt kontrolliert. Kein direkter Versuch, etwas zu verbergen, aber er wägt seine Worte ab.“
Ich hielt meinen Tonfall neutral.
„Ich verstehe die Notwendigkeit, neue Technologien zu erforschen. Doch ich muss wissen, wer den Sprung autorisiert hat.“
Ein kurzer Blick zwischen Nem’Lah und Sha’Rel. Dann antwortete der Himmlische.
„Die Entscheidung wurde vom wissenschaftlichen Gremium getroffen. Nach monatelangen Tests wurde der Sprung als stabil bewertet.“
Or’vesa: „Faktisch korrekt. Aber er sagt nicht, ob er selbst zugestimmt hat.“
Ich nickte langsam.
„Und trotzdem sind wir gestrandet. Hat das niemand vorhergesehen?“
Aun’Shi’ar, dessen Gesichtsausdruck oft schwer zu deuten war, neigte leicht den Kopf.
„Manche hatten Zweifel. Manche hatten Vertrauen. Und manche hatten keine Wahl.“
Or’vesa: „Er spricht absichtlich vage. Er lenkt deine Aufmerksamkeit auf das Offensichtliche – doch was will er nicht sagen?“
Ich ließ mir nichts anmerken.
„Und wer genau hatte keine Wahl?“
Ein Moment des Schweigens. Dann sprach Nem’Lah.
„Die Mont’yr’Tol-Flotte hatte einen Auftrag: Grenzen überschreiten, neue Möglichkeiten finden. Der Antrieb war unsere Chance.“
Or’vesa: „Er glaubt an das, was er sagt. Doch es gibt eine Lücke in seiner Erklärung.“
Ich ließ meinen Blick durch den Raum wandern.
Kais’Nan, der Kriegsrufer, hatte bisher geschwiegen. Ich wandte mich ihm zu.
„Aun’El, ihr habt euch bisher zurückgehalten. Warum?“
Sein Blick war scharf.
„Weil das jetzt keine Rolle mehr spielt. Wir sind hier. Die Vergangenheit wird uns nicht helfen.“
Or’vesa: „Seine Stimme ist angespannt. Unzufriedenheit. Vielleicht sogar Wut – aber nicht gegen dich.“
Ich neigte respektvoll den Kopf.
„Vielleicht hilft uns die Vergangenheit nicht. Aber sie erklärt, wem ich vertrauen kann.“
Ein Moment der Spannung. Dann sprach Sha’Rel wieder.
„Was genau willst du hören, Tash’Var?“
Meine Antwort kam ohne zu zögern.
„Die Wahrheit.“
Ein kurzes Zögern. Dann sprach Nem’Lah.
„Wir wussten, dass der Sprung ein Risiko war. Aber das wahre Problem… kam erst danach.“
Ich runzelte die Stirn.
„Was meint ihr damit?“
Nem’Lahs Blick wurde ernster.
„Wir sind nicht nur gestrandet. Wir wurden beobachtet.“
Ich spürte, wie sich meine Haltung unwillkürlich versteifte.
„Von wem?“
Ein holographisches Symbol flackerte über der Konsole auf. Ein fragmentiertes Signal. Verzerrt. Fremdartig. Das Signal war kein Zufall. Kein Störimpuls. Keine zufällige Verzerrung. Es war absichtlich. Eine Botschaft.
Meine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. Wir hatten nicht nur eine Fehlsprung-Katastrophe überlebt – wir waren in ein vorbereitetes Netz geraten.
Ich erkannte das Muster. Eldar-Technologie.
Kapitel 5: Die Klinge schärfen
Trainingsdeck – Flaggschiff Or’es Kau’yon
Das Summen der Servos erklang leise, als sich die Systeme meines Kampfanzugs aktivierten. Datenströme flimmerten über die internen Anzeigen, Sensoren berechneten Zielvektoren, taktische Analysealgorithmen liefen im Hintergrund.Doch das war nicht einfach nur Technologie. Es warst du, Or’vesa.
„Systeme vollständig online. Energiefluss stabil. Bereitschaftsstatus bestätigt.“
Deine Stimme war klar, direkt. Nicht mechanisch, sondern präsent. Ich war nicht einfach nur ein Krieger in einer Rüstung – wir waren eine Einheit.
Die Vorbereitung auf die Aeldari
Ich atmete tief durch, während sich die Kampfzieldrohnen in Position begaben. Sie simulierten die Bewegungsmuster der Aeldari – Striking Scorpions, Shining Spears, Phantomdroiden. Sie waren schnell. Zu schnell für lineare Feuerprotokolle.Aber ich war kein lineares Ziel. Und ich hatte meine Or’vesa.
„Analyse basierend auf vorherigen Gefechtsdaten abgeschlossen. Empfehlung: Nutzung von Feuerkorridoren, um ihre Mobilität einzuschränken. Defensive Schusssektoren priorisieren.“
Ich nickte.
„Wir spielen nicht ihr Spiel. Wir zwingen sie, nach unseren Regeln zu kämpfen.“
Die Kampfzieldrohnen griffen an. Ich bewegte mich nicht impulsiv. Keine hektischen Sprünge, kein unnötiges Risiko. Ich las das Schlachtfeld. Ich wusste, wo der Feind sein würde, bevor er dort ankam. Meine Raketenwerfer feuerten synchron, erzwangen abrupte Ausweichmanöver der simulierten Shining Spears. Ihre Geschwindigkeit wurde ihre Schwäche. Ein gut platzierter Plasma-Schuss durchtrennte das Holo-Signal einer Phantomdrohne. Gezieltes Feuer, keine Verschwendung.
Währenddessen – Or’vesas Suche in den Archiven
Während ich den nächsten Feuerkorridor sicherte, kam deine Stimme erneut.„Tash’Var, ich habe in den wissenschaftlichen Archiven tiefer gegraben. Es gibt einige besorgniserregende Funde.“
Ich justierte meine Zielvorrichtung, ließ die automatische Berechnung der Zielvektoren arbeiten.
„Fass dich kurz, Or’vesa. Ich bin beschäftigt.“
„Por’Vash ignorierte Warnungen. Kor’Shi hatte begründete Zweifel. Und El’Varas hat nach dem Sprung Daten gelöscht.“
Mein Blick verengte sich. Ich feuerte einen Raketenhagel auf eine Gruppe simulierter Striking Scorpions. Keine Deckung. Keine Flucht. Vernichtet.
„Jemand wollte, dass wir diesen Sprung durchführen – egal, was passiert.“
Erinnerung – Die Schlacht von Kel’rash
Plötzlich war ich nicht mehr auf dem Trainingsdeck.Ich war dort. Kel’rash. Die sturmgepeitschte Wüstenwelt.
Die Ruinen der Aeldari ragten aus dem Sand, verzerrte Schatten unter einem blutroten Himmel.
Ich war jung. Aber ich war ein Krieger.
Wir waren in der Defensive, die Aeldari waren schneller. Ihre Warp-Spinnen materialisierten aus dem Nichts, ihre Skorpionkrieger lauerten in den Schatten.
Wir verloren.
Doch dann kam der Wechsel.
Ich zwang sie in enge Korridore. Ihre Geschwindigkeit wurde ihre Bürde. Ich brach ihren Angriff mit geplanten Rückzügen und überlappenden Feuerzonen.
Sie fielen.
Kel’rash wurde nicht zu ihrem Sieg.
Zurück in der Gegenwart
Meine Augen öffneten sich. Das Training lief weiter.Ich wusste, was zu tun war. Die Aeldari glaubten, dass ihre Geschwindigkeit sie unantastbar machte.
Ich würde ihnen zeigen, dass sie sich irrten.
Kapitel 6: Ein Schattenprojekt
Technische Analysekammer – Flaggschiff Or’es Kau’yon
Ich betrachtete die Projektion vor mir. Eine Schlachtanalyse. Datenströme flimmerten über das Display – jede verlorene Einheit, jede Schwachstelle, jede ungenutzte Möglichkeit.Wir waren effizient. Aber wir waren noch nicht gut genug.
Or’vesa meldete sich.
„Taktische Analyse abgeschlossen. Deine aktuelle Kampfdoktrin basiert auf Feuerkoordination und strategischer Rückzugsführung. Dennoch gibt es wiederkehrende Probleme.“
Ich kannte ihre Schlussfolgerung bereits.
„Mobilitätslücken. Feuerkraft in kritischen Momenten zu sehr gestreut. Keine zentrale Einheit, die das Schlachtfeld dominiert.“
„Korrekt. Basierend auf Kampfdaten könnten verschiedene Optionen Abhilfe schaffen.“
Ich lehnte mich vor, meine Augen über die Daten huschend.
„Ein Crisis-Anzug reicht nicht aus. Ein Enforcer hat die Kontrolle, aber die Schlagkraft fehlt. Ein Coldstar ist zu sehr auf Hit-and-Run-Taktiken beschränkt.“
Or’vesa zögerte eine Sekunde – eine für sie unübliche Reaktion.
„Es gibt eine Alternative.“
Die Projektion änderte sich. Ein Riptide-Kampfanzug. Massiv. Standhaft. Eine mobile Festung.
„Das ist keine Standard-Commander-Plattform, Or’vesa.“
„Nein. Aber mit Modifikationen könnte er es werden.“
Ich betrachtete die schematische Darstellung. Die Möglichkeiten. Die Risiken.
„Das wäre ein Projekt außerhalb der regulären Strukturen.“
„Ja.“
Ich ließ mich einen Moment in meinen Stuhl sinken. Ich wusste, dass nicht jeder diese Idee gutheißen würde. Aber ich wusste auch, dass wir nicht nur überleben, sondern gewinnen mussten.
Ich aktivierte mein Datenpad.
„Bereite eine Liste der fähigsten Erdkaste-Ingenieure vor. Aber halte es diskret.“
„Bestätigt.“
Ein modifizierter Commander Riptide. Ein Schattenprojekt, das das Schlachtfeld verändern könnte.
Kapitel 7: Die Architekten des Krieges
Forschungslabor – Tiefdeck Or’es Kau’yon
Das metallische Zischen der Tür verriet mir, dass ich nicht allein war.Ich betrat den versteckten Laborbereich auf den unteren Decks des Flaggschiffs – ein Bereich, der nicht auf den üblichen Plänen verzeichnet war. Hier arbeiteten die besten Ingenieure der Erdkaste an Technologien, die außerhalb der strengen Doktrinen des Sternenreichs lagen.
Nur wenige würden diesen Ort jemals betreten. Und noch weniger wussten, was hier entstehen sollte.
Or’vesa sprach in meinem Helm.
„Alle Eingeweihten sind anwesend. Sicherheitsprotokolle aktiv. Kein unautorisierter Zugriff registriert.“
Ich trat weiter in den Raum. Die holographischen Anzeigen zeigten mechanische Schemata, darunter die Grundstruktur eines Riptide-Kampfanzugs. Doch die üblichen Parameter stimmten nicht. Denn das hier sollte kein gewöhnlicher Riptide werden.
Ich verschränkte die Arme.
„Berichtet.“
Die Verschworenen
Drei Erdkaste-Ingenieure standen vor mir. Ich hatte sie sorgfältig ausgewählt.Fio’El Doran’Ka – Der Konstrukteur: Spezialist für mechanische Stabilität und Energiefluss.
Fio’Vre Tash’Ren – Der Visionär: Bekannter für unorthodoxe Ideen, oft an der Grenze des Akzeptablen.
Fio’Vre Kel’Shan – Die Taktikerin: Entwicklerin von Schnittstellen für Feuerleitkontrolle und Neurallinks.
Fio’El Doran’Ka sprach als Erster.
„Shas’O, wir haben die ersten Simulationen durchgeführt. Das Konzept eines Riptide als Commander-Einheit ist… herausfordernd. Aber nicht unmöglich.“
Ich nickte.
„Welche Hindernisse?“
Fio’Vre Kel’Shan zeigte eine Darstellung des Neuronalsystems eines Riptide-Piloten.
„Ein Standard-Riptide wird nicht für Einzelsteuerung entwickelt. Seine Systeme sind auf automatische Anpassung ausgelegt. Ein Commander benötigt jedoch präzisere Kontrolle.“
Sie fuhr fort.
„Die Lösung wäre eine modifizierte Neurallink-Schnittstelle – eine Weiterentwicklung der Technologie, die wir bereits in Enforcer- und Crisis-Anzügen nutzen. Mit deiner Erfahrung als Pilot könnte es funktionieren.“
Or’vesa schaltete sich ein.
„Eine tiefere Integration in das System wäre nötig. Das bedeutet eine direkte Verbindung zwischen dir und mir, um die Feuerkontrolle und strategische Koordination zu erhalten.“
Ich verstand.
„Also eine Symbiose zwischen Pilot und Maschine auf einer neuen Ebene.“
Fio’Vre Tash’Ren nickte begeistert.
„Ja! Es ist riskant, aber das könnte aus diesem Riptide weit mehr machen als eine schwer gepanzerte Artillerie-Plattform. Es wäre ein neues taktisches Zentrum.“
Ich ließ die Idee auf mich wirken. Ich war immer ein Kommandeur auf dem Schlachtfeld gewesen – beweglich, strategisch, präzise. Nun sollte ich zu einem Fixpunkt werden – einem mobilen Kommandoknoten, der das Feuer lenkt und das Schlachtfeld dominiert.
Ich atmete tief durch.
„Dann beginnen wir.“
Der erste Schritt in die Schatten
Fio’El Doran’Ka verschränkte die Arme.„Wir werden einige Ressourcen umleiten müssen. Wenn wir unbemerkt bleiben wollen, dauert es länger.“
Ich nickte.
„Langsam und verborgen ist besser als schnell und auffällig. Niemand darf davon wissen, bis es zu spät ist, uns zu stoppen.“
Or’vesa bestätigte.
„Die ersten Konstruktionsaufträge wurden getarnt als Reparaturen an beschädigten Einheiten. Kein auffälliger Datenverkehr.“
Ich sah ein letztes Mal auf das holographische Modell des Commander Riptide. Ein Schattenprojekt, das die Regeln der Mont’yr’Tol-Flotte auf den Kopf stellen würde. Ein Wagnis. Ein Spiel mit dem Feuer. Aber wenn wir siegen wollten, brauchten wir eine Waffe, die unseren Feind übertraf.
Ich drehte mich zu den Ingenieuren um.
„Wir erschaffen hier nicht einfach eine Maschine. Wir erschaffen eine neue Art zu kämpfen.“
Der erste Schritt war getan.
Kapitel 8: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Verstecktes Konstruktionslabor – Tiefdeck Or’es Kau’yon
Die Luft in der Werkshalle roch nach heißem Metall und geölten Servos. Funken tanzten durch den Raum, als Fio’El Doran’Ka eine der Hauptstreben des Riptide-Prototyps verschweißte.Ich stand am Rand der Halle, die Arme verschränkt, während ich die Arbeiten beobachtete.
Or’vesa meldete sich.
„Fortschritt bei 27 %. Rahmenstruktur stabil, aber interne Schnittstellen sind noch nicht kompatibel.“
Ich nickte.
„Was sind die größten Probleme?“
Fio’Vre Tash’Ren, unser unkonventioneller Denker, trat neben mich. Er wischte sich mit einem ölverschmierten Tuch über die Stirn.
„Das Steuerungsmodul. Ein Riptide ist nicht für manuelle Kontrolle ausgelegt. Seine Systeme basieren auf semi-autonomer Reaktion – eine direkte Befehlsübertragung, wie du es von deinem Enforcer gewohnt bist, existiert nicht.“
Ich sah zur halb aufgebauten Kampfplattform. Der Riptide war eine mobile Artillerieeinheit, entworfen für Feuerkraft, nicht für Präzision. Doch ich brauchte mehr als rohe Stärke.
„Also müssen wir ihm beibringen, Befehle in Echtzeit zu verarbeiten.“
Fio’Vre Kel’Shan, die auf Neurallink-Technologie spezialisiert war, drehte sich um.
„Das ist komplizierter, als es klingt. Wir müssen das System umprogrammieren, um auf deine Befehle zu reagieren, ohne dass die automatische Stabilisierung verloren geht. Wenn wir es falsch machen, hast du entweder eine trägeres System – oder einen Anzug, der nicht mehr auf dich hört.“
Ich atmete tief ein.
„Was braucht ihr?“
Fio’El Doran’Ka seufzte.
„Zeit. Und mehr Ressourcen.“
Zeit. Etwas, das wir nicht hatten.
Ein neuer Faktor – Das drohende Gefecht
Or’vesas Stimme hallte in meinem Helm.„Neueste Berichte zeigen verstärkte Eldar-Aktivität in der Nähe der Ser’kai-Schlucht. Wahrscheinlich bereiten sie eine Gegenmaßnahme vor.“
Ich drehte mich langsam zu ihr.
„Wie lange, bis wir mit einem Angriff rechnen müssen?“
„Maximal vier Rotaa.“
Vier Rotaa. Weniger als eine volle Kampfwoche. Ich ballte die Fäuste.
„Der Riptide wird nicht einsatzfähig sein.“
Es war eine Feststellung. Keine Frage. Fio’Vre Kel’Shan nickte.
„Selbst wenn wir das Grundgerüst fertigstellen, werden die Neurallinks und Steueralgorithmen nicht bereit sein.“
Ich spürte, wie sich Frustration in mir aufbaute. Ich hatte gehofft, dass dieses Projekt die bevorstehende Schlacht beeinflussen würde. Doch nun… Würde ich mich auf meinen bisherigen Kampfanzug verlassen müssen?
Der geheime Plan geht weiter
Ich wandte mich an die Ingenieure.„Der Angriff der Eldar kommt. Doch wir dürfen uns nicht aus der Ruhe bringen lassen.“
Ich deutete auf die riesige, unfertige Kampfplattform vor uns.
„Wir arbeiten weiter. Unauffällig. Niemand darf wissen, dass wir dieses Projekt vorantreiben.“
Or’vesa bestätigte.
„Datenverschlüsselung aktiv. Kein Zugriff außerhalb dieses Teams.“
Fio’El Doran’Ka nickte entschlossen.
„Dann setzen wir die Arbeiten fort. Vielleicht nicht für die nächste Schlacht – aber für den Krieg, der kommen wird.“
Ich sah ein letztes Mal auf den Commander Riptide, der in seinen Einzelteilen in der Halle stand. Noch war er nicht bereit. Doch bald würde er es sein. Und wenn es so weit war, würde nichts ihn aufhalten.
Kapitel 9: Die Enthüllung der Klinge
Verstecktes Konstruktionslabor – Tiefdeck Or’es Kau’yon
Der Geruch von geschmolzenem Metall lag in der Luft. Der Klang von schlagenden Werkzeugen und zischendem Plasma war allgegenwärtig. Die letzten Handgriffe. Die letzte Chance.Ich stand vor dem fast vollendeten Commander Riptide. Monumental. Massiv. Jede Komponente der letzten Wochen mühsam zusammengefügt.
Or’vesa meldete sich.
„Systemdiagnose läuft. 93 % aller Steuerprotokolle synchronisiert. Wichtige Kernschnittstellen verbunden. Der Riptide ist… funktionsfähig.“
Fast. Aber nur fast.
Fio’Vre Kel’Shan wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Shas’O, wir haben es geschafft – zumindest theoretisch. Alle Systeme sind betriebsbereit, aber wir haben ihn noch nie im Einsatz getestet.“
Fio’El Doran’Ka schüttelte den Kopf.
„Keine Testphase, kein vollständiger Sicherheitsscan. Wenn wir ihn jetzt einsetzen…“
Ich sah auf die taktische Echtzeitübertragung des Eldar-Lagers. Unsere Streitkräfte waren auf dem Weg. Ich trat vor den massiven Anzug.
„Wir testen ihn nicht.“
Ich legte meine Hand auf das metallene Chassis.
„Wir setzen ihn ein.“
Der erste Schritt
Die Pilotenkammer war schmaler als bei einem Enforcer. Der Sitz war tiefer, näher an der Maschine selbst. Ich spürte, wie die Verbindungen sich aktivierten, wie das Neurallink sich mit meinem Geist verband.„Or’vesa, Synchronisation starten.“
„Verbindung hergestellt. Datenaustausch aktiv. Alle Systeme stabil.“
Meine Sicht veränderte sich. Nicht wie in einem Crisis- oder Enforcer-Anzug. Der Riptide bewegte sich anders – wie eine träge Bestie, die ihre Kraft unter Kontrolle hielt.
Ich hob einen Arm – nein, meinen Arm. Die ionisierte Energie des Hauptreaktors summte. Gebändigte Macht. Ich spürte es. Dieser Anzug war kein reines Werkzeug. Er war eine Festung mit einer Klinge.
Ich atmete tief durch.
„Wir sind bereit.“
Der Überraschungsangriff – Absetzung aus dem Manta
Der Manta-Schwertransporter durchbrach die Wolken. Unter uns erstreckte sich das Eldar-Lager – verborgen in einer verwinkelten Felsformation.Ich stand in der Absetz-Bucht, flankiert von Crisis-Anzügen. Die Truppen waren bereit. Der Angriff war geplant. Doch mein Auftauchen war nicht Teil der Pläne.
„Shas’O – ein Riptide? Das war nicht in den Einsatzbefehlen!“
„Pläne ändern sich.“
Ich spürte das leichte Rucken, als der Manta die Atmosphäre durchschnitt.
„Alle Einheiten – Abwurf in 3… 2… 1…!“
Die Crisis-Anzüge stürzten sich aus dem Hangar, Triebwerke aktiv, Waffen geladen. Ich blieb einen Moment länger stehen – der Riptide war zu schwer für einen Luftsprung. Dann riss die Bodenluke auf, und die massiven Stabilisierungsmechanismen aktivierten sich.
„Commander Riptide – Abwurf!“
Mit einem gewaltigen Ruck sprang die Plattform nach vorn, Grav-Stabilisatoren bremsten den Aufprall ab. Ich landete mitten im Lager.
Eldar schwenkten ihre Waffen – zu spät.
Die Klinge war gelandet.
....
Missionsbericht 1: Splitter der Vorsehung
Schauplatz: Eliath-eshar – Trümmerfelder der alten Städte
Primärziel: Sicherung und Analyse psionischer Fragmente
Ergebnis: Fehlschlag – Aeldari-Sieg
Wir kamen als Jäger.
Aber an diesem Tag waren wir Gejagte.
Die Fragmente – sie lagen verstreut in den Ruinen.
Warp-verseuchte Splitter, zitternd unter der Haut der Welt.
Unsere Pathfinder kartierten die Gebiete schnell.
Die ersten beiden Fragmente fielen fast mühelos in unsere Hände.
Doch dann kam der Schatten.
Aeldari – Schwarzgekleidete aus Ulthwé.
Psioniker, schwerer als erwartet.
Und schneller.
Farseer Iserys führte sie.
Seine Runen wirbelten durch den Staub der Ruinen – Befehle, Warnungen, Drohungen.
Unsere Trupps versuchten, den Zugriff zu halten.
Doch sie verloren an Boden.
Ghostkeel und Riptide fielen.
Nicht durch Feuerkraft.
Durch Geschwindigkeit.
Durch Präzision.
Unsere Linien zerfielen, Stück für Stück.
Am Ende sicherten wir nur zwei Fragmente –
und sie vier.
Zwei davon vollständig geborgen und im Ritual versiegelt.
Wir hatten nicht nur versagt.
Wir hatten ihnen neue Waffen gegeben.
--------------------------------------------------
Missionsbericht 2: Kampf um das Portal
Schauplatz: Eliath-eshar – Tor der Stürme
Primärziel: Kontrolle von Knotenpunkte, Öffnung des Portals verhindern
Ergebnis: Fehlschlag – Aeldari-Sieg
Es begann mit einer Hoffnung.
Es endete in Stille.
Fünf Knotenpunkte.
Drei mussten wir sichern.
Drei – mehr nicht.
Unsere Stealth-Teams infiltrierten früh.
Unsere Fire Warriors verschanzten sich um die Knotenpunkte.
Der Riptide, neu vorbereitet, deckte die Mitte.
Doch die Aeldari kamen nicht frontal.
Sie flossen.
Über Flanken, durch Stellungen, über Ebenen, die wir nicht sichern konnten.
Psionische Wellen erschütterten unsere Kommunikationsnetze.
Warp-Stürme rissen Lücken in unsere Koordination.
Der Riptide fiel – nicht unter Feuer, sondern unter dem konzentrierten Schlag eines Warlock Skyrunners.
Der letzte Atemzug der Mitte.
Am Portal selbst standen sie:
Farseer Iserys, seine Seher, und Krieger aus einem anderen Zeitalter.
Wir verloren Zone für Zone.
Unsere letzte Hoffnung war ein Vorstoß auf der rechten Flanke –
doch Autarch Kaeron durchbrach unsere Linien.
Das Portal blieb in den Händen von Ulthwé.
Verschlossen.
Unsere Träume von einer Fluchtmöglichkeit – versiegelt.
Vorerst.
Schauplatz: Eliath-eshar – Trümmerfelder der alten Städte
Primärziel: Sicherung und Analyse psionischer Fragmente
Ergebnis: Fehlschlag – Aeldari-Sieg
Wir kamen als Jäger.
Aber an diesem Tag waren wir Gejagte.
Die Fragmente – sie lagen verstreut in den Ruinen.
Warp-verseuchte Splitter, zitternd unter der Haut der Welt.
Unsere Pathfinder kartierten die Gebiete schnell.
Die ersten beiden Fragmente fielen fast mühelos in unsere Hände.
Doch dann kam der Schatten.
Aeldari – Schwarzgekleidete aus Ulthwé.
Psioniker, schwerer als erwartet.
Und schneller.
Farseer Iserys führte sie.
Seine Runen wirbelten durch den Staub der Ruinen – Befehle, Warnungen, Drohungen.
Unsere Trupps versuchten, den Zugriff zu halten.
Doch sie verloren an Boden.
Ghostkeel und Riptide fielen.
Nicht durch Feuerkraft.
Durch Geschwindigkeit.
Durch Präzision.
Unsere Linien zerfielen, Stück für Stück.
Am Ende sicherten wir nur zwei Fragmente –
und sie vier.
Zwei davon vollständig geborgen und im Ritual versiegelt.
Wir hatten nicht nur versagt.
Wir hatten ihnen neue Waffen gegeben.
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Missionsbericht 2: Kampf um das Portal
Schauplatz: Eliath-eshar – Tor der Stürme
Primärziel: Kontrolle von Knotenpunkte, Öffnung des Portals verhindern
Ergebnis: Fehlschlag – Aeldari-Sieg
Es begann mit einer Hoffnung.
Es endete in Stille.
Fünf Knotenpunkte.
Drei mussten wir sichern.
Drei – mehr nicht.
Unsere Stealth-Teams infiltrierten früh.
Unsere Fire Warriors verschanzten sich um die Knotenpunkte.
Der Riptide, neu vorbereitet, deckte die Mitte.
Doch die Aeldari kamen nicht frontal.
Sie flossen.
Über Flanken, durch Stellungen, über Ebenen, die wir nicht sichern konnten.
Psionische Wellen erschütterten unsere Kommunikationsnetze.
Warp-Stürme rissen Lücken in unsere Koordination.
Der Riptide fiel – nicht unter Feuer, sondern unter dem konzentrierten Schlag eines Warlock Skyrunners.
Der letzte Atemzug der Mitte.
Am Portal selbst standen sie:
Farseer Iserys, seine Seher, und Krieger aus einem anderen Zeitalter.
Wir verloren Zone für Zone.
Unsere letzte Hoffnung war ein Vorstoß auf der rechten Flanke –
doch Autarch Kaeron durchbrach unsere Linien.
Das Portal blieb in den Händen von Ulthwé.
Verschlossen.
Unsere Träume von einer Fluchtmöglichkeit – versiegelt.
Vorerst.
Kapitel 10: Letzter Atem
Schauplatz: Tor der Stürme – Knotenpunkt Theta-3Einsatzprotokoll: Z-9-RIP (klassifiziert)
Ich wusste, was es bedeutete.
Die Entscheidung war nicht taktisch.
Sie war notwendig.
Der Riptide war bereit.
Nicht vollständig repariert –
aber bereit.
Die Systeme ratterten durch den Startablauf.
Die Servos zuckten wie Nerven.
Or’vesa schwieg für einen Moment.
Dann kam ihre Stimme. Ruhig. Leise.
„Tash’Var… dieser Anzug wurde nicht gebaut, um zurückzukehren.“
Ich sagte nichts.
Ich musste es nicht.
Wir traten in den Staub vor dem Portal.
Die Linien waren gebrochen.
Der Feind kam von allen Seiten.
Farseer Iserys stand am Herzen der Formation.
Seine Runen kreisten wie Monde um ihn.
Jeder Schritt näher bedeutete Gefahr –
doch auch: Hoffnung.
Ich richtete die Ionenkanone.
„Alle Truppen – auf mich konzentrieren. Feuerkoordination aktiv.“
Blue-Snapper bestätigte.
Shadowwake bewegte sich in die Flanke.
Glowray rief Zielpriorität auf die Psioniker aus.
Wir stießen vor.
Ein letzter Schnitt.
Der Nova-Reaktor summte.
Energie strömte durch die Leitungen wie Blut.
Ich spürte ihn.
Nicht wie eine Maschine.
Wie ein Partner.
Ein letztes Mal.
Dann kam der Warlock.
Ein Reiter auf Schattenlicht.
Sein Speer wie eine Sternenspitze.
Ich zielte.
Ich traf.
Doch er fiel nicht.
Er kam näher.
Die Sensoren explodierten in Licht.
Die Schildmatrix brach zusammen.
Der Notausstieg versagte.
Or’vesa:
„Tash’Var, dein Leben zählt mehr als—“
„Nein.“
Ich hob den linken Arm.
Stabilisator zerstört.
Ich hob ihn trotzdem.
Feuer.
Ein letztes Mal.
Dann:
Schwärze.
Ich erwachte.
Nicht im Riptide.
In einem Meddeck.
Mit Stimmen.
Mit Verlust.
Mit einer Leere,
in der einst etwas atmete.
Der Riptide war fort.
Aber er hatte gehalten.
Lange genug.
Stark genug.
Für andere.
Kapitel 11: Die Stille nach dem Aufprall
Ort: Meditative Rekonstruktionszelle – Deck 12, Or’es Kau’yonIch wachte nicht auf.
Nicht wirklich.
Ich kehrte zurück.
Langsam.
Der metallische Geruch von Versiegelungsmittel hing in der Luft.
Das Summen von Regenerationstanks vibrierte in der Tiefe.
Ich öffnete die Augen.
Keine Bildschirme. Keine Befehle. Keine Rüstung.
Nur ich.
Or’vesa sprach zuerst.
Nicht mit Zahlen. Nicht mit Missionsdaten.
„Du lebst, Tash’Var.“
Ich wusste nicht, ob es Trost oder Erinnerung sein sollte.
Ich schwieg.
Sie erzählte mir von den anderen:
Wie der Riptide den Vormarsch der Aeldari gebrochen hatte.
Wie Shadowwake durch seine Deckung vordringen konnte.
Wie Blue-Snapper das Zentrum sicherte.
Wie das Portal… dennoch verlorenging.
Der Einsatz hatte gerettet.
Aber nicht gesiegt.
Ich hatte alles auf eine letzte Karte gesetzt.
Eine Konstruktion. Ein Gedanke aus Überzeugung.
Etwas, das größer war als ich selbst.
Jetzt war es Staub.
Ich saß still.
Die Narbe an meiner Seite pochte im Rhythmus meines Herzens.
Kein Schmerz. Nur ein Nachhall.
Or’vesa meldete, dass die Technikerkaste an neuen Konfigurationen arbeitete.
Dass ein neuer Anzug bereitstehen könnte.
Enforcer. Coldstar. Was auch immer nötig war.
Ich nickte.
Aber ich spürte es –
etwas war nicht mehr da.
Nicht nur der Riptide.
Ein Glaube.
Nicht erschüttert – aber geprüft.
Ich stand auf.
Langsam.
Aber ich stand.
Das wird genügen.
Für jetzt.
—
Besuch auf der Medebene – Gespräch mit Shas’O Nem’Lah
Die Tür öffnete sich nicht mit dem üblichen Signal.
Kein Befehl. Kein Protokoll.
Nur ein Schritt.
Und dann stand er da.
Shas’O Nem’Lah.
Er sagte zunächst nichts.
Er blieb in der Tür stehen – wie ein Schatten aus Metall und Erinnerung.
Dann trat er näher.
Kein Gruß. Keine Floskeln.
Nur:
„Du hast deine Rolle verlassen, Tash’Var.“
Ich nickte nicht.
Ich widersprach nicht.
Ich wartete.
Er setzte sich.
Nicht bequem. Nicht freundschaftlich.
Taktisch.
„Ein Riptide ist keine Kommandoplattform.“
Er sprach sachlich.
Aber ich hörte mehr.
„Er ist eine Waffe. Keine Stimme. Keine Präsenz für andere. Nur Masse.“
Ich spürte den Stich.
Aber es war kein Angriff.
Es war Wahrheit.
„Und doch…“, sagte er schließlich, „…hast du viele gerettet.“
Er sah mich zum ersten Mal direkt an.
Nicht als Kommandant.
Als Teil eines Ganzen.
„Du hast ihnen etwas gezeigt. Nicht nur Feuerkraft. Sondern dass wir wandelbar sind. Dass wir... anders denken können.“
Eine Pause.
„Das ist gefährlich, Tash’Var. Und notwendig.“
Er stand auf.
Blick noch immer auf mich gerichtet.
„Beim nächsten Mal trägst du wieder ein Kommandomodul.
Aber ich werde niemandem sagen, was du im letzten getragen hast.“
Ein Hauch von Anerkennung.
Ein Hauch von Schutz.
Dann ging er.
Kein Wort zu viel.
—
Später, als ich allein war, brachte man mir etwas.
Kein Bericht.
Kein Ausrüstungsmodul.
Nur ein kleiner, verkohlter Splitter.
Ich erkannte ihn sofort.
Ein Fragment der rechten Oberschulterplatte.
Der Riptide hatte dort meine Markierung getragen –
jetzt war sie nur noch angedeutet,
verbrannt in die Metallfaser,
wie eine Erinnerung, die niemand aussprechen wollte.
Ich sagte nichts.
Ich nahm ihn entgegen.
Und legte ihn in den Hohlraum meiner neuen Brustpanzerung –
wo später einmal das neue Emblem eingelassen würde.
Noch war es leer.
Aber etwas war da.
Etwas, das nie mehr ganz verschwand.
Kapitel 12: Schatten über der Analyse
Ort: Taktisches Archivdeck – Or’es Kau’yonDie Archive waren still.
Hier schrie nichts.
Hier starb niemand.
Und doch war es der einzige Ort, an dem ich das Gewicht des Verlustes spürte.
Das Holo-Display flackerte über mir.
Ich ließ die Daten des letzten Gefechts immer wieder ablaufen.
Die Fallkurven.
Die Zusammenbrüche der Feuerlinien.
Das letzte Aufbäumen des Riptide.
Und den Moment, in dem es nicht gereicht hatte.
Or’vesa schaltete eine neue Analyse ein.
„Erweiterter Simulationsdurchlauf: Eldar-Flankenmanöver – Erfolgswahrscheinlichkeit unserer bisherigen Doktrin: 43,2 %.
Erfolgswahrscheinlichkeit nach Berücksichtigung psionischer Interferenzen: 27,8 %.“
Die Zahlen waren nicht falsch.
Sie waren endgültig.
Ich lehnte mich vor.
„Füge die neuen Bedrohungsprofile ein. Tyranidische Signaturen. Die letzten Aufklärungsberichte.“
Das Bild veränderte sich.
Neuer Schatten über alten Trümmern.
Die Schwärme.
Der Hunger.
Und eine neue Erkenntnis kroch in mir hoch.
Wir hatten gegen eine taktisch überlegene Macht verloren.
Jetzt kam ein Feind, der nicht mit Strategie zu schlagen war.
Nur mit Entschlossenheit.
Und Härte.
Nicht, um Kriege zu gewinnen.
Um zu überleben.
Ich schloss die taktische Projektion.
Zu viele Tote in zu kurzer Zeit.
Dann… öffnete ich etwas anderes.
Ein altes Trainingsprotokoll aus Bork’an.
„Nahkampfanalyse – direkter Kontakt mit Elitefeinden.“
Die Datei war randvoll mit Warnungen, historischen Verlustquoten, Kommentaren der Feuerkaste über das Unangemessene Risiko direkter Konfrontation.
Ich öffnete sie trotzdem.
Nicht aus Überzeugung.
Nur… um zu sehen.
Or’vesa sprach leise.
„Der Weg, den du erwägst, ist nicht der, den der Kodex des Feuers empfiehlt.“
Ich wusste es.
Aber ich spürte es:
Wenn wir den Blutnebel durchqueren wollten,
musste einer den ersten Schritt machen.
In die Dunkelheit.
Mit einer Klinge in der Hand.
Kapitel 13: Das schwere Wort
Ort: Strategiedek – Kommandantenebene Or’es Kau’yonIch bat nicht um Audienz.
Ich aktivierte keinen Besprechungsbefehl.
Ich stand einfach vor der Tür.
Und sie öffnete sich.
Nem’Lah hatte mich längst erwartet.
Natürlich hatte er das.
Er saß in seiner üblichen Haltung – regungslos, fokussiert, mit einem Ausdruck, der nichts verriet, aber alles analysierte.
Ich trat ein.
Er sprach zuerst.
„Du willst einen neuen Anzug bauen lassen.“
Kein Zögern. Keine Frage.
Nur ein Fakt.
Ich nickte.
„Ja.“
Er ließ den Satz im Raum stehen.
Er bewegte sich nicht.
Dann:
„Der Riptide war keine Kommandoplattform. Du weißt das.“
„Ich weiß.“
„Und dennoch hast du darin geführt.“
„Ich habe darin gehalten.“
Ein Moment der Stille.
„Was schlägst du jetzt vor?“
Ich projizierte das erste grobe Schema.
Ein Hybrid.
Coldstar-Basis, schwer modifiziert.
Keine Tarnsysteme – stattdessen verstärkte Gelenkpanzerung.
Und dann das, was alle Doktrinen in Frage stellte:
Die Waffe. Sichtbar. Offen. Geführt – in der Hand.
Ein Schwert.
Kein Symbol.
Ein Werkzeug.
Nem’Lah runzelte die Stirn.
Nicht aus Abwehr.
Aus Analyse.
„Das ist nicht der Kodex. Nicht einmal nahe daran.“
Er sah mich lange an, dann schloss er kurz die Augen, als müsse er einen Gedanken verdrängen.
„Du weißt, wohin dieser Weg andere geführt hat.“
Ein Name lag unausgesprochen im Raum.
Ein Schatten, der schwerer wog als jeder Krieg.
Nem’Lah öffnete die Augen wieder.
„Stelle sicher, Tash’Var… dass du nicht mehr suchst, als den Schutz der Deinen.“
Ich schwieg.
Dann sagte ich es.
„Wenn wir uns nur an den Kodex halten,
wird es bald nichts mehr geben, woran wir uns halten können.“
Er senkte leicht den Blick.
Seine Stimme wurde ruhiger.
„Wegen Entscheidungen wie dieser,
mussten wir dich aus dem Kryoschlaf holen.“
Ich erstarrte kurz.
Nicht wegen der Worte –
sondern wegen dem, was danach kam.
„Du hast keine Erlaubnis. Noch nicht.“
Ich hob den Blick.
„Aber du hast meine Aufmerksamkeit.“
Er stand auf.
Langsam.
Ein Gewicht auf seinem Rücken, das nur er trug.
„Sprich mit den Himmlischen.
Zeige ihnen, dass du nicht für dich kämpfst.
Sondern für uns.“
Er ging zur Tür –
Dann drehte er sich noch einmal um.
„Und nimm die gleichen Techniker wie beim Riptide.
Sie verdienen mehr als Misstrauen.“
Er war weg.
Aber sein Schatten blieb.
Ein Schatten,
unter dem ich jetzt stehen musste –
oder durch den ich hindurchtreten würde.
Kapitel 14: Stimmen der Pflicht
Ort: Strategiedomäne der Himmlischen – Deck 3, Or’es Kau’yonDie Halle war leise. Nicht still – leise.
Eine Art von Ruhe, die nicht leer war, sondern erwartend.
Ich trat ein.
Die Lichtlinien des Raumes formten ein Muster aus Konvergenz:
Drei Sitze in einem sanft angedeuteten Kreis – erhöht, aber nicht drohend.
Sie bedeuteten: Ordnung. Struktur. Leitung.
Zwei waren besetzt.
Der dritte blieb leer.
Doch am Rand, bei der Projektion unserer Sternenkarte,
stand Aun’Shi’ar.
Wie ein Schatten, der nicht dort war, um zu urteilen –
sondern um zu beobachten, was Urteil erzeugt.
Ich verharrte, verneigte mich tief.
„Aun’el. Himmlische der Flotte. Ich danke für euer Gehör.“
Aun’El Kais’Nan richtete sich auf.
Er sprach wie immer zuerst.
„Du willst einen neuen Anzug.
Einen, der Waffen trägt, die der Kodex der Feuerkaste nie vorgesehen hat.“
Ich nickte, ohne auszuweichen.
„Ich will einen Anzug,
der unsere Krieger nach Hause bringt.“
Kais’Nan warf einen Blick auf das Holo-Schema.
„Eine Klinge, Tash’Var?
Du willst einen Kommandanten mit einem Schwert in der Hand?
Sind wir Aeldari? Sind wir... Farsight?“
Der letzte Name blieb leise. Aber er brannte.
Ich atmete tief durch. Dann:
„Ich will dir keine Ausrede bieten.
Nur eine Erinnerung.“
Ich tippte das Archivbild an.
Ein Projektion erschien –
der Moment, als der Warlock Skyrunner den Riptide durchbrach.
„Das hier war nicht Theorie.
Nicht Analyse.
Das war Realität.
Wir hatten keine Antwort.“
Ich fuhr fort:
„Und was kommt, wird nicht anders sein.
Die Tyraniden kämpfen nicht nach Regeln.
Die Chaosbrut stürzt sich auf uns mit Wahnsinn.
Wenn wir unsere Kommandeure schützen wollen,
müssen wir ihnen Mittel geben, sich zu wehren – auch dort,
wo Feuerlinien versagen.“
Aun’El Sha’Rel verschränkte die Hände.
Er sprach ruhig.
„Und was geschieht,
wenn du diesen Weg beschreitest –
und andere folgen?“
Ich senkte den Blick – nicht aus Scham,
sondern aus Demut.
„Dann führe ich ihn als Erster.
Dann trage ich das Gewicht –
damit kein anderer es blind schultern muss.“
Ein Moment der Stille.
Kais’Nan lehnte sich zurück.
Sein Blick war nicht weniger scharf.
Aber etwas hatte sich verändert.
„Du bist ein Krieger.
Doch bist du auch ein Lehrer,
ob du willst oder nicht.“
Dann stand er auf.
Langsam.
Strukturiert.
Und sprach sein Urteil:
„Ich werde diese Entscheidung nicht unterstützen.
Aber ich werde sie auch nicht verhindern.
Wenn du versagst, wirst du es wissen –
noch bevor wir es dir sagen.“
Er verließ die Halle.
Wortlos.
Sha’Rel blieb.
Sah mich lange an.
„Du bekommst deine Techniker.
Deine Ressourcen.
Aber kein Lob.
Nur die Möglichkeit, es besser zu machen.“
Ich neigte leicht den Kopf.
„Das ist alles, was ich brauche.“
Dann bewegte sich Aun’Shi’ar.
Langsam. Kein Schritt zu viel.
Er trat in das Licht,
als hätte die Flotte selbst beschlossen,
seine Worte jetzt hören zu wollen.
„Die Klinge in deiner Hand wird vieles zerschneiden,
Tash’Var.
Aber frage dich:
Wird sie den Feind treffen –
oder dich selbst?“
Ich sah ihn an.
„Ich hoffe beides.
Denn nur wer riskiert, sich zu verletzen,
versteht, was es heißt, zu schützen.“
Er nickte.
Und sagte nur:
„Dann geh.
Aber tu es mit beiden Händen.“
Ich verließ den Raum mit einem klaren Ziel.
Keine Erlaubnis.
Aber auch kein Verbot.
Ein Weg, den ich nun betreten hatte –
aus Pflicht.
Aus Überzeugung.
Aus Notwendigkeit.
Kapitel 15: Splitter im Geist
Ort: Persönliches Reflexionsdeck – Raum 27, Sektor Tash’VarIch hatte um diesen Raum nicht gebeten.
Aber er war bereitgestellt worden.
Ein kreisrunder Raum – spartanisch, von weichen Lichtlinien durchzogen.
Kein Terminal, keine Waffen. Nur ein Meditationsfeld und ein Projektionsring.
Man hatte mich allein gelassen.
Vermutlich, weil ich es so gewollt hatte.
Oder weil sie nicht wussten, was sie sonst tun sollten.
Ich wusste es selbst nicht.
Die Projektionen der Konstruktionsdaten schwebten über dem Boden,
aber ich betrachtete sie nicht.
Ich sah an ihnen vorbei –
hinein in etwas,
das ich nicht benennen konnte.
Or’vesa meldete sich leise.
„Datenverarbeitung im Stillstand. Kein Fortschritt in der letzten halben Rotaa.
Möchtest du die Sitzung abbrechen?“
Ich schloss die Augen.
„Sag mir, Vesa… glaubst du, dass ich mich überschätzt habe?“
Eine Pause. Keine sofortige Antwort.
Sie war eine KI – aber keine, die mechanisch reagierte.
„Du hast dich nicht überschätzt.
Aber du hast dich allein gesetzt.
Und das ist gefährlicher.“
Ich lehnte mich gegen die Wand.
Das Licht streifte meine Schulterplatte.
Der Stoff war neu – aber ich spürte das Gewicht der alten.
„Ich kann keine Klinge führen. Ich habe nie gelernt, zu kämpfen wie ein Einzelner.
Ich war immer Teil des Ganzen.
Ein Koordinator. Ein Schild.“
„Und doch…“, antwortete sie,
„…bist du jetzt der, den das Ganze ansieht.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Ich brauche Ausbildung. Eine Lehre.
Aber wer soll mich lehren?
Es gibt keine Meister dieser Disziplin unter uns.“
„Nicht erreichbar – aber nicht vergessen.“
Die Worte waren wie ein Türspalt, der sich öffnete.
„Was meinst du?“
Or’vesa aktivierte eine schmale Verbindung zu einem Archivkanal.
Ein Symbol erschien – nicht T’au, nicht klar.
Ein stilisiertes Halbkreis-Fragment mit fünf gestaffelten Punkten.
„Vor 64 Tau’cyr sammelte ein Randsektor der Erdkaste Aufzeichnungen über alternative Kampfprotokolle.
Nicht offiziell anerkannt – aber gespeichert.
Ein Name taucht immer wieder auf.
Er beginnt mit: Shas’O Vior’la…“
Ich atmete scharf ein.
Farsight.
„Vesa… ist das legal?“
„Nein.
Aber es existiert.
Und vielleicht…
wurde es deshalb erhalten.“
Ich trat näher.
Das Archiv war verschlüsselt.
Voll mit Warnungen, Blockaden, Schranken.
Aber tief darin…
Ein Eintrag.
Nur einer.
Markiert mit dem Hinweis:
„Instruktionsprotokoll - Simulationsinstanz aktiv. Kein Zugriff auf strategische Rechenkerne. Nur Technik.“
Ein Lehrer.
Nicht aus Fleisch.
Nicht aus Zeit.
Aber vielleicht…
aus Erfahrung.
Ich stand lange da.
Dann sagte ich es.
„Vesa… öffne die Simulation.“
Kapitel 16: Stahl ohne Zeit
Ort: Simulationsdeck Theta-9 – Sonderprotokoll Archiv Vior’la-Red-PathDer Raum war kalt, aber nicht leer.
Die Projektionswände ruhten wie eine Hülle um mich,
wartend auf ein Signal, das nur ich geben konnte.
Die Datenverbindung war mehrfach gesichert.
Keine automatische Aufzeichnung.
Kein Echo ins Flottennetz.
Nur Or’vesa.
Und ich.
„Bereit zur Aktivierung.“
Ich atmete einmal tief durch.
Dann nickte ich.
„Öffne den Pfad.“
Der Raum flackerte.
Ein verzerrtes Bild –
rot, gestaucht, fragmentiert.
Alte Daten.
Nicht dafür gedacht, lebendig zu sein.
Aber sie bewegten sich trotzdem.
Er stand dort.
Größer, als ich ihn erwartet hatte.
Nicht wegen seiner Statur –
wegen der Art, wie er einfach… stand.
Nicht ruhig.
Nicht lauernd.
Sondern bewusst.
Shas’O Vior’la Shovah Kais Mont’yr.
Farsight.
Es war keine direkte Abbildung.
Kein Hologramm mit perfekter Mimik.
Aber etwas in der Haltung, in der Stimme –
war zu echt, um künstlich zu sein.
„Anwärter.
Du suchst, was du nicht verstehen willst.“
Ich sagte nichts.
Wollte hören.
„Du willst die Klinge, aber nicht den Pfad.
Du willst Kontrolle – aber auch Freiheit.
Du kannst nicht beides führen.“
Ich trat vor.
Nicht körperlich. Im Geiste.
„Ich will verstehen, wie man kämpft,
wenn keine Linie mehr hält.
Wenn du selbst die Linie bist.“
Die Gestalt in der Projektion schwieg.
Dann – ein leichtes Neigen des Kopfes.
„Gut.
Dann trainiere.“
Die Wände verwandelten sich.
Keine Simulation –
sondern Erinnerungen.
Kampfbewegungen.
Schrittmuster.
Impulse.
Reaktionen.
Kein Feuer.
Nur Schnitt.
Nur Nähe.
Ich taumelte.
Ein Schlag traf meine virtuelle Schulter.
Ich hatte nicht gesehen, woher.
„Du willst lernen?
Dann verliere.
Oft.“
Ich fiel.
Mehrmals.
Jeder Fehler wurde gespeichert.
Jede Korrektur direkt überspielt.
Mein Atem ging schwer,
obwohl mein Körper unversehrt war.
Und doch war es real.
Die Schläge.
Die Bewegungen.
Der Druck.
Dann, irgendwann:
Ein Block.
Ein Konter.
Ein sauberer Schnitt – flach, präzise,
ohne Wut.
Die Projektion hielt inne.
„Besser.
Aber du führst noch mit Angst.
Führ mit Grund.“
Die Simulation erlosch.
Ich sank auf ein Knie.
Nicht aus Erschöpfung.
Aus Einsicht.
Ich würde diesen Weg nicht gewinnen.
Aber ich konnte ihn gehen.
Kapitel 17: Schmiede des Mutes
Ort: Technisches Deck 4 – Entwurfsbucht Tash’Var-ProjektDas Summen der Plasmaschneider war das Erste, was mich begrüßte.
Es war kein aggressiver Klang –
eher wie der Atem einer Werkstatt, die lebte.
Ich trat ein.
Drei Techniker standen bereit.
Sie waren nicht ausgerichtet, nicht salutierend.
Aber sie warteten.
Nicht auf einen Befehl –
auf ein Wort.
Fio’El Doran’Ka war der Erste, der sprach.
Sein Blick war nüchtern, aber nicht kalt.
„Shas’O.
Wir hätten nicht erwartet, dich so schnell wiederzusehen.“
Ich trat näher an den Projektionstisch.
„Ich hätte nicht erwartet, euch wieder befehlen zu dürfen.“
„Wir haben nicht vergessen.“, sagte Fio’Vre Kel’Shan, leise.
„Dass du uns nicht geopfert hast.“
Ich blickte auf das Leuchtfeld.
Kein Design war aktiv. Nur Basisraster.
Ein Neuanfang.
„Ich will mit euch etwas schaffen,
das es so noch nicht gab.“
Doran’Ka schaltete die Umgebung ab.
Nur unsere Stimmen blieben.
„Dann sprich.“
Ich öffnete das Holo mit meiner Skizze.
Keine technische Perfektion –
nur Gedanken.
Ein Anzug.
Flexibler als der Enforcer.
Schneller als der Coldstar in Nahreichweite.
Nicht auf Reichweite getrimmt –
sondern auf Nähe.
Gelenkreaktive Servos.
Panzerungsschicht aufgewichtet, aber modulierbar.
Und eine Klinge – geführt. Offen. Gehalten.
Kel’Shan tippte an die Waffe.
„Das ist keine Energieprojektion.
Du willst eine feste Klinge.“
„Ja.
Mit Masse.
Mit Widerstand.
Mit Verantwortung.“
Fio’Vre Tash’Ren, der Jüngste, schwieg lange.
Dann aktivierte er eine Nebendatei.
„Es gibt ein verworfenes Protokoll aus Bork’an.
Entwickelt für den Nahkampfeinsatz gegen genetisch überlegene Feinde.“
Ein Bild erschien:
Ein Entwurf. Alt. Nicht vollendet.
Aber mit etwas, das aussah wie… der Anfang eines Weges.
Ich sprach:
„Wir nehmen das – und verbessern es.
Aber es muss beweglicher sein als alles, was wir bisher kennen.“
Doran’Ka:
„Das wird Kompromisse erfordern.
Weniger Rüstung.
Mehr Risiko.“
Ich nickte.
„Dann nennen wir ihn beim Namen:
Er wird nicht halten.
Er wird jagen.“
Ein neuer Name erschien über dem Schema:
„XV87 – Klingenjäger.“
Ich sah sie alle an.
„Diesmal trägt er meine Schuld nicht.
Nur meine Entschlossenheit.“
Kapitel 18: Die Stimme aus Stahl
Ort: Simulationsdeck Theta-9 – Archivsektor Red-Path (abgeschottet)Der Raum war leer.
Aber nicht bedeutungslos.
Theta-9 zählte zu den ältesten Simulationsdecks der Flotte.
Nicht wegen veralteter Technik –
sondern wegen der Art, wie es Dinge speicherte,
die man offiziell längst gelöscht hatte.
Kein Feuerkastensoldat trainierte hier.
Keine Aufseher patrouillierten.
Kein Kontrollmodul protokollierte, was gesagt wurde.
Nur Stille.
Und Vergangenheit.
Ich trat ein.
Or’vesa hatte die Umgebung vorbereitet –
abgeschirmt, isoliert, dreifach verflucht von jeder offiziellen Instanz.
„Zugang bestätigt.
Sicherheitsprotokoll: Red-Path.
Simulationsinstanz: unklassifiziert.
Taktische Aufzeichnung gesperrt.
Kommunikation lokal beschränkt.
Keine externe Spiegelung.“
Ich stand einen Moment nur da.
Der Raum roch nach kaltem Metall und alten Daten.
Dann nickte ich.
„Öffne den Pfad.“
Das Licht flackerte, wie eine alte Erinnerung,
die sich nicht entscheiden konnte, ob sie noch wahr sein durfte.
Und dann war er da.
Nicht als Projektion.
Nicht als holographisches Abbild.
Er war eine Haltung.
Ein Schatten aus gespeichertem Willen.
Shas’O Vior’la Shovah Kais Mont’yr.
Farsight.
Die Instanz bewegte sich nicht sofort.
Sie stand – aufrecht, fokussiert, wie jemand,
der seit Äonen auf eine Antwort wartete,
die niemand auszusprechen wagte.
Ich trat nicht näher.
Ich wollte sehen, was mich erwarten würde,
wenn ich es doch täte.
„Du hast die Tür geöffnet.“
Die Stimme war nicht digital.
Nicht roh.
Sondern… schwer.
Als würde jedes Wort sich seinen Weg
durch Schichten von Schuld, Erfahrung und Verbot schneiden müssen.
Ich antwortete nicht.
Noch nicht.
Denn ich wusste:
Dieser Ort prüfte nicht mein Können.
Er prüfte meine Absicht.
„Du suchst, was dich nicht will.“
Ich hob den Kopf.
„Ich suche, was mich vorbereitet.“
Ein Moment.
Keine Bewegung.
Aber ein Wechsel im Licht,
als würde das System mich anders lesen.
„Du glaubst, du kannst eine Klinge führen.
Aber du weißt nicht,
was sie dich kosten wird.“
Ich spürte die Worte in meiner Kehle –
nicht als Angriff.
Sondern als Frage.
Und ich antwortete.
„Dann zeig mir, was sie fordert.
Aber nimm mir nicht, was mich ausmacht.“
Die Projektion setzte sich in Bewegung.
Langsam.
Wie ein Gedanke, der prüft, ob er erlaubt ist.
„Ich kann dich nicht lehren.
Nur zeigen, wie ich gefallen bin.“
Die Umgebung veränderte sich.
Nicht in Schlachtfelder –
sondern in Muster.
Bewegungslinien.
Kräfteverläufe.
Schnittwinkel.
Jede Kurve eine Geschichte.
Jede Drehung eine Entscheidung.
Jede Verzögerung ein Opfer.
Ich versuchte, den Bewegungen zu folgen.
Aber ich war zu spät.
Zu ungeschult.
Zu… strategisch.
Und das war das Problem.
Ich wollte verstehen.
Aber ich versuchte zu analysieren.
Ich wollte führen.
Aber ich dachte taktisch.
„Du kämpfst, als wärst du nicht du.
Sondern das, was andere in dir sehen wollen.“
Die Worte kamen nicht von der Stimme.
Sondern von der Bewegung selbst.
Ich blieb stehen.
Und sagte leise:
„Dann lehre mich, wie ich mich selbst erkenne,
während ich das Fremde schlage.“
Die Simulation antwortete nicht mit Zustimmung.
Sondern mit einer neuen Figur:
ein Spiegel meiner selbst –
nur schneller, ruhiger, näher.
Er bewegte sich auf mich zu.
Nicht angreifend.
Aber fordernd.
Ich wich nicht zurück.
Ich trat nicht vor.
Ich blieb.
Und beobachtete,
wie er stand.
Wie ich stehen könnte.
Wenn ich die Angst verlernte.
Die Simulation löschte sich.
Langsam.
Zurück blieb nichts.
Kein Klang.
Keine Wertung.
Nur
eine Linie auf dem Boden.
Keine Waffe. Keine Technik.
Nur
ein Schnitt –
nicht in mich,
sondern durch mein Bild von mir selbst.
Ich atmete durch.
Und sagte nur:
„Noch nicht. Aber bald.“
Kapitel 19: Der Pfad durch Fleis
Ort: Trainingskammer Theta-5 – Bewegungsfeld für Kommando-SimulationenDer Raum atmete leise.
Nicht durch Lüfter, nicht durch Maschinen –
sondern durch das Flackern der Projektoren an den Wänden,
das sanfte Vibrieren des Resonanzfeldes unter meinen Füßen,
und das Echo meines eigenen Atems in der Brust.
Hier war nichts laut.
Aber alles gegenwärtig.
Es war, als hätte die Kammer gespürt,
dass heute kein Befehl geprobt wurde –
sondern eine Entscheidung.
Es war nicht das erste Mal, dass ich hier stand.
Aber es fühlte sich nicht vertraut an.
Eher wie der erste Schritt in einen Schatten,
den man selbst geworfen hat.
Die Klinge lag auf einem niedrigen Tisch vor mir.
Kein finales Modell.
Keine Legende.
Nur ein Übungskern mit Sensorikmodul –
ausgeglichen, beschwert, unausgesprochen.
Sie ruhte dort nicht wie eine Waffe.
Sie ruhte wie eine Frage.
Wie ein Blick, den man erwidern muss,
auch wenn man nicht weiß, was er sehen will.
Ich hatte sie noch nicht berührt.
Und das war Absicht.
Denn ich wusste:
Wer eine Klinge zu früh anfasst,
führt nicht –
er flieht.
Er versteckt sich im Werkzeug,
weil er der Entscheidung nicht standhält.
Ich setzte mich auf ein Knie.
Nicht aus Zeremonie.
Sondern, um den Boden zu spüren –
und mich selbst darauf.
Der Boden war warm.
Nicht heiß.
Nur lebendig.
Oder vielleicht war es mein eigener Puls,
der durch das leitende Gewebe drang.
Ein Teil von mir fragte sich,
ob ich das jemals lernen konnte.
Oder ob ich nur spielte –
mit einer Idee,
die größer war als ich.
„Vesa…“
Meine Stimme war rauer, als ich erwartet hatte.
Nicht durch Anstrengung –
sondern durch das Gewicht der Gedanken,
die sich darin stauten.
„Ich bin bereit. Oder will es sein.“
Die Antwort kam nicht sofort.
Du ließest dir Zeit.
Und ich wusste: Das war kein Zögern.
Das war Prüfung.
„Du bist nicht bereit.
Aber du wirst es.
Denn du bist nicht gekommen,
um zu führen –
sondern um zu verstehen.“
Ich erhob mich.
Langsam.
Nicht aus Ehrfurcht –
sondern, weil mein Körper sich erst erinnern musste,
dass er nicht mehr nur trägt,
sondern lernen soll.
Die Klinge nahm ich nicht. Noch nicht.
Stattdessen trat ich in das Zentrum des Raumes.
Ein Schritt.
Dann ein zweiter.
Der dritte zögerte –
aber ich zwang ihn, nicht unsicher zu wirken.
Die Projektoren begannen zu arbeiten.
Aber es waren keine Feinde, keine Ziele.
Keine Hologramme, die auf Treffer warteten.
Es war eine Erinnerung.
Ein Echo.
Ein gespeichert geglaubtes Fragment aus jenen Tagen,
in denen Kämpfen nicht nur Taktik war –
sondern Ausdruck.
Die Linien auf dem Boden begannen zu glühen.
Keine festen Muster,
sondern Bewegungen.
Kräfte.
Rhythmen.
Ich spürte, wie die Luft um mich dichter wurde.
Nicht heiß –
aber geladen.
Wie vor einem Gewitter.
Und dann trat er aus dem Licht.
Kein Gesicht.
Kein Name.
Nur Form.
Bewegung.
Ein Gegner, erschaffen aus archivierten Manövern,
aus Bruchstücken alter Duelle,
aus Restdaten einstiger Meister.
Er war nicht real.
Aber er war gefährlich.
Denn er war gebaut, um zu lehren –
nicht durch Worte.
Sondern durch Fehler.
Er wartete.
Tat nichts.
Bewegte sich langsam auf mich zu.
Wie ein Schatten, der wissen will,
ob man ihn erkennt.
Ich antwortete mit Bewegung.
Ausweichend.
Unklar.
Ich wollte testen –
aber ich offenbarte mich.
Der Schlag kam nicht brutal.
Aber direkt.
Flach, präzise, kontrolliert.
Ein Schnitt über mein rechtes Schulterprotokoll.
Kein Schmerz.
Aber das Signal durchzuckte mich wie eine Korrektur.
Wie ein Lehrer,
der nicht strafte –
sondern zeigte, was fehlt.
Ich ging nicht zu Boden.
Aber ich fiel innerlich.
Denn ich wusste:
Ich hatte nichts gelernt.
Nur bestanden.
Und das reichte nicht.
Ich stand wieder auf.
Nicht, um fortzusetzen –
sondern, um es neu zu versuchen.
Die Klinge auf dem Tisch war näher.
Nur ein Schritt entfernt.
Aber ich wusste,
sie würde mich nicht retten.
Nur verzerren.
Ich trat wieder ins Zentrum.
Diesmal wartete ich.
Spürte das Muster der Bewegungen.
Wartete auf das, was sich nicht sehen ließ,
aber fühlbar war.
Und als der Schatten sich wieder näherte,
tat ich nichts.
Ich wich nicht zurück.
Ich griff nicht vor.
Ich folgte.
Der Bewegung.
Dem Winkel.
Dem Weg.
Nicht, um zu siegen –
sondern, um zu begreifen.
Der Schlag kam.
Und diesmal ließ ich ihn nicht auf mich treffen.
Ich führte ihn weiter.
Lenkte ihn.
Nicht mit Kraft.
Sondern mit Geduld.
Mit Vertrauen.
In den Körper.
In die Leere zwischen den Entscheidungen.
Ein Kontakt.
Kein Treffer.
Aber ein Schnitt –
nicht in Haut oder Panzerung.
Sondern in die Grenze
zwischen Reaktion und Entscheidung.
Ich wich zurück.
Langsam.
Nicht triumphierend.
Nur:
wacher.
Die Figur verharrte.
Dann löste sie sich.
Nicht abrupt.
Sondern wie Rauch,
den man endlich atmen konnte.
Ich stand allein.
Doch etwas war geblieben.
Nicht sichtbar.
Aber spürbar.
Ich sah zur Klinge.
Noch immer lag sie auf dem Tisch.
Unverändert.
Unberührt.
Ich trat näher.
Berührte sie.
Nur mit zwei Fingern.
Wie man ein Versprechen prüft,
von dem man weiß,
dass es einen fordern wird.
Ich sprach nicht laut.
Aber ich ließ die Worte in mir aufsteigen.
„Noch nicht.
Aber bald.“
Kapitel 20: Die Vorzeichen
Kapitel 20: Die VorzeichenOrt: Kommandoebene der Or’es Kau’yon – Orbit von Eliath-eshar
„Tash’Var – die Bake hat geantwortet.“
Or’vesas Stimme war ruhig. Aber ich hörte, was darunter lag.
Kein Erfolgston. Kein Aufbruchssignal. Sondern…
eine Warnung.
Ich trat näher an die taktische Konsole. Die Datenflut auf dem Holo-Display war fragmentiert – Störfelder, Partikelverzerrungen, anomale Rückkopplungen. Aber eine Struktur war klar erkennbar:
Eine verlassene imperiale Außenstation, tief in der westlichen Schluchtregion von Eliath-eshar.
Drei Signale.
Drei Terminals.
Eine Bake – alt, beschädigt, aber aktivierbar.
„Sie nutzt ein redundantes Übertragungsprotokoll aus dem Sol-Kernsystem“, erklärte Or’vesa.
„Alte imperiale Langstreckencodes. Wenn wir das Signal stabilisieren, könnten wir eine präzise Relaisposition für den Langstreckentransfer unserer eigenen Ortungsnetze definieren – und vielleicht eine Verbindung zu den inaktiven Eldar-Pforten in der Region anstoßen.“
Ich verstand. Es ging nicht um die Kontrolle des Netzwerks – sondern um eine Brücke.
Eine Möglichkeit, ein vorhandenes Portal gezielt anzusteuern, sobald es lokalisiert und stabilisiert war.
Ich stand später im Besprechungsraum. Die Projektionskuppel über mir flackerte leicht – der Orbit war noch immer instabil.
Vor mir: Kais’Shak, unser Coldstar Commander.
Zuverlässig. Direkt. Unbeirrbar.
„Drei Einsatzziele“, sagte ich. „Aber kein freies Feld. Enge Gänge, zerstörte Infrastruktur, Sichtlinien begrenzt. Wir werden gestaffelt vorrücken.“
Er sagte nichts, doch sein Blick zeigte Zustimmung.
Or’vesa ergänzte:
„Feindliche Aktivitäten im Sektor. Noch unbestätigt. Aber Aufklärungssonden haben Bewegungen erfasst – große, schwere Signaturen. Keine bekannten T’au-Signaturen.“
Ich schloss kurz die Augen.
Wenn sie es waren… dann würden sie nicht zulassen, dass wir einfach verschwinden.
Später, in den oberen Beobachtungskorridoren, sprach ich mit Aun’El Sha’Rel, dem Beobachter. Er hatte sich selten so früh in eine Missionsbesprechung eingeschaltet.
„Du gehst, obwohl du weißt, dass dies eine Falle sein könnte“, sagte er leise.
Ich antwortete: „Wenn sie eine Falle ist, dann hat jemand die Hoffnung der Flotte genau dort vergraben.“
Er neigte leicht den Kopf.
„Und was wird aus dir, wenn du sie dort nicht findest?“
Ich schwieg.
Noch später, auf der Vorbereitungsebene, aktivierten sich die Transportplattformen.
Crisis-Teams formierten sich. Stealth-Einheiten kalibrierten ihre Tarngeneratoren.
Die Schwerkraftanker ratterten, als sich die Halterungen für die Landungspunkte lösten.
Und dann… kam die erste Warnung.
Or’vesa:
„Bestätigung. Nicht nur einer. Zwei Signale.“
„Identifikation?“
„Das erste: Astartes-DNA, verstärkt. Codierung: Space Wolves.“
„Das zweite… ist psionisch.“
Ich spürte, wie es kalt wurde. Kein Temperaturabfall – sondern etwas Tieferes.
„Tyraniden“, sagte ich.
„Oder etwas, das schlimmer ist.“
Ich trat in die Ankerposition.
Spürte, wie sich das Interface an meine Schläfen legte – warm, schwer, entschlossen.
Nicht nur ein Signal an den Anzug.
Sondern an mich selbst.
„Bereite die Staffelung vor“, sagte ich.
„Wen setzen wir zuerst ein?“ fragte Or’vesa.
Ich sah hinab auf die Koordinaten.
„Die, die es zuerst trifft“, antwortete ich.
„Und die, die am ehesten überleben.“
Kapitel 21: Die letzte Positionsbake
Ort: Verlassene Datenstation 17, Zentralzone – Eliath-esharDie erste Zeit passierte nicht viel – beide Seiten hielten sich zurück, bewegten sich vorsichtig zwischen Ruinen und Deckungen.
Dann kam der Droppod – mitten in der Schlachtfeldmitte, nahe eines der Terminals.
Die Space Wolves landeten hart – in der linken Flanke, nahe dem Terminal. Ihre Truppen bewegten sich schnell in Deckung und griffen im Schutz der Gebäude an.
Crisis Team Flamebound und Coldstar Commander Shas’O Vior’la Kais’Shak wurden überrumpelt – kein Abwehrfeuer war mehr möglich. Fast das gesamte Crisis Team wurde vernichtet. Shas’O Kais’Shak fiel im Nahkampf – überrannt von der Wucht der Space Wolves.
Gleichzeitig griffen die Space Wolves auch Breacher Team Green und Stealthteam Red Marks an.
Stealthteam Clear wagte sich zur rechten Flanke, um ein Missionsziel zu sichern.
Dann erschienen wir – Crisis Team Thunderstorm mit mir und Stealthteam Red aus der Reserve.
Green und Red Marks zogen sich aus dem Nahkampf zurück.
Stealthteam Red Marks markierte die Space Wolves, die zuvor den Commander angegriffen hatten. Thunderstorm und der letzte überlebende Flamebound-Crisis feuerten konzentriert – alle Feinde bis auf einen Anführer wurden ausgeschaltet. Der letzte überlebende Flamebound positionierte sich neu an der Flanke – und eliminierte den Anführer mit einem gezielten Schuss.
Breacher Team Blue hielt die Stellung an der linken Flanke – unbeirrt.
Doch die Wolves setzten nach. Stealthteam Clear wurde im Nahkampf ausgelöscht. Stealthteam Red stellte sich noch in ihre Position – aber auch sie wurden später überrannt.
Die Wut der Space Wolves war nicht gebrochen. Nach kurzer Zeit vernichteten sie Crisis Team Thunderstorm und mich. Green und Red Marks versuchten, das Zentrum zu halten – vergeblich.
Der letzte überlebende Flamebound hielt den linken Flügel, tapfer, eliminierte noch einen Anführer der Space Wolves, bis auch er fiel.
Team Blue kämpfte tapfer – doch auch sie mussten sich schließlich zurückziehen.
Die Baken waren verloren.
Kapitel 22: Durch den Nebel
Kapitel 22: Durch den NebelOrt: Sektor Cael'ruun – Abbruchkante südlich von Bak’resh
Der Boden war weich.
Nicht wie Sand oder Staub.
Sondern wie Fleisch.
Wie ein Schwamm, der zu lange im Blut gelegen hatte.
Ich bewegte mich langsam durch die rötliche Senke, die einmal ein Geröllfeld gewesen war.
Jetzt lagen dort nur noch umgestürzte Fragmente von imperialen Bauten, umrankt von pulsierender Vegetation.
Or’vesas Scanner zeigten keine klaren Konturen mehr an – nur Schwankungen.
Wärmebilder verzerrt. Psionische Rückkopplungen. Bewegungen, die keine waren.
„Das Gebiet ist destabilisiert. Der Boden trägt, aber seine Struktur ist organisch durchsetzt. Mögliche Sporenverbreitung in tieferen Schichten.“
Ihre Stimme war ruhig. Doch sie sprach schneller als sonst.
Wir waren auf dem Rückzug.
Das Gefecht bei der Ortungsbake hatte mehr gekostet, als ich eingestehen wollte.
Nicht nur Leben.
Auch Momentum.
Der letzte Kämpfer des Crisis Teams Flamebound war gefallen, Coldstar Commander Shas’O Vior’la Kais’Shak schwer verwundet aus dem Kampf gezogen worden, und meine eigene Einheit – das Crisis Team Thunderstorm – war nur durch Umleitung der Feuerlinie entkommen.
Was übrig war, bewegte sich nun durch das Tal, das wir nie kartografiert hatten.
Vor mir das Breacher Team Blue – zerschlagen, aber noch geordnet.
Hinter mir die Reste von Stealthteam Red Marks und dem Breacher Team Green, stumm, aber entschlossen.
Der Wind trug den metallischen Geschmack von Warpverzerrung mit sich – und das ferne Brummen, das kein Echo war.
„Zielpunkt liegt 12,4 Tio entfernt – südlich der abgestürzten Orca-Plattform. Noch kein Sichtkontakt.“
Or’vesa zeigte mir die Projektion.
Ein Ort, der als letzte Hoffnung markiert war.
Oder als Grab.
Wir erreichten die erste Passage bei Dämmerung.
Ein Riss zog sich durch den Hang – nicht von Explosionen, sondern aufgeplatzt. Von innen.
Kristallranken sprossen aus dem Spalt wie gebrochene Rippen.
Sie zu durchqueren bedeutete, sich zu schneiden.
Oder stillzustehen.
Ich entschied mich für das Erste.
Die Kälte kam mit der Nacht.
Und mit ihr die Geräusche.
Kein Wind, kein Tierlaut, kein Maschinenzirpen.
Nur das Kratzen.
Es war nicht laut.
Aber es war da.
In der dritten Marschpause meldete sich Or’vesa wieder.
„Neues Signal. Bewegungsmuster schnell, unregelmäßig, nicht-menschlich. Herkunftsrichtung nordwestlich, Schicht 2 des Nebelvorhangs. Abstand etwa 9,7 Tio.“
Ich erstarrte.
„Kontakt?“
„Noch nicht. Aber… die Bewegung ist nicht einzelgesteuert. Sie ist… synchronisiert.“
Ich schloss die Augen.
Ein letzter Gedanke aus der Ausbildung stieg in mir auf.
Nicht der Name.
Nur das Gefühl.
Tyraniden.
„Alle Trupps: Tarnmuster auf maximal. Keine aktiven Scanner. Kein Abwehrfeuer ohne direkten Befehl.“
Ich sprach ruhig. Aber ich wusste, sie hörten, was ich verschwieg.
Wenn wir hier entdeckt werden, war das Gefecht gegen die Space Wolves nur ein Vorspiel.
Wir passierten die letzten Mauern einer einstigen imperialen Relaisstation.
Zerfallen. Zerschmolzen.
Und von innen ausgehöhlt.
Was auch immer hier war – es hatte schon begonnen.
Am Horizont flackerte ein Signal.
Zwei kurze Pulse.
Einer lang.
Die Orca.
Noch hielt sie.
Noch.
Ich trat aus dem Schatten eines toten Baumes und spürte das Gewicht auf meinen Schultern.
Nicht nur vom Kampfanzug.
Sondern von denen, die noch folgten.
Und von denen, die nicht mehr konnten.
Ich hörte Or’vesa erneut.
„Bereich 6 markiert. Evakuierungszone bestätigt. Shuttle-Koordination offen.“
Ich atmete ein.
„Dann führen wir sie heim. Oder dorthin, wo es so aussehen soll.“
Kapitel 23: Evakuierungszone
Ort: Klippenfeld von Ko’Rel – südwestlicher Sektor, Eliath-esharDie Orca war unsere einzige Hoffnung.
Keine Verstärkung. Keine Rückendeckung.
Nur ein abgestürztes Landungsschiff, verkeilt zwischen Scherben alter Portaltore – mit zerschürftem Rumpf, glühender Hülle, und einer Notbake, die verzweifelt durch den Blutnebel funkte.
Unser Signal war schwach.
Unsere Lage schlimmer.
Und dennoch: wir waren dort.
Die Evakuierungszone lag im Nordwesten.
Wir aber kamen aus der Tiefe, von der südlichen Flanke – versprengt, verwundet, verfolgt.
Ich hielt das Crisis Team Thunderstorm zurück.
Stealthteam Red blieb verborgen.
Breacher Team Blue wartete im Staub.
Der Korridor zwischen uns und der Freiheit war eng.
Von Bäumen mit fleischigen Dornen, verzerrten Aeldari-Ruinen und schimmernden Alienformen begrenzt.
Ein klares Ziel – und kein klarer Weg.
Coldstar Commander Shas’O Vior’la Kais’Shak übernahm mit dem Crisis Team Flamebound die zentrale Stellung.
Links davon: Breacher Team Green und Stealthteam Clear.
Rechts davon: Stealthteam Red Marks.
Es war keine perfekte Formation – aber es war, was wir hatten.
Dann kamen sie.
Nicht in Wellen.
Nicht in Eile.
Sondern wie Nebel, der sich verdichtet.
Ganten. Hormaganten. Tyranidenkrieger. Und – schlimmer – Zoanthropen.
Der erste Gegenschlag war präzise:
Flammen vom Crisis Team Flamebound, Hochleistungssalven vom Coldstar, Burstkanonen und Markerlights – koordiniert, schnell, tödlich.
Zwanzig Ganten fielen im ersten Angriff.
Hormaganten verbrannten im Vorfeld.
Stealthteam Red Marks markierte die von Ryhen’s Reaper, die sich aus der Evakuierungszone näherten.
Breacher Team Green nutzte die Koordinaten und eröffnete das Feuer – zwei der Reaper brachen zusammen, aber der Dritte überlebte.
Zu viel blieb stehen.
Dann kam der Fehler.
Crisis Team Flamebound setzte sein Abwehrfeuer gegen weitere Ganten ein – ein Reflex, nicht falsch, aber…
Or’vesa flüsterte es mir:
„Die Krieger, Shas’O. Sie waren das Herz der Bedrohung.“
Sie sollte recht behalten.
Die Tyranidenkrieger stürmten durch die Mitte.
Crisis Team Flamebound und der Coldstar versuchten, standzuhalten – aber sie wurden zerschlagen.
Shas’O Kais’Shak fiel im Feuer des Widerstands, sein Anzug unter einer Salve biologischer Geschosse und psionischem Druck zusammengebrochen.
Die Flammen verstummten.
Breacher Team Green warf sich vor – ohne Deckung, ohne Garantie.
Sie feuerten, markierten, stürmten.
Ein letzter Versuch, den Korridor zur Evakuierungszone freizuhalten.
Doch die von Ryhen’s Reaper, auf sie angesetzt wie Geißeln, erreichten sie zuerst.
Nahkampf. Klingen. Schweigen.
Green fiel.
Stealthteam Clear und Stealthteam Red Marks hielten noch.
Aber nicht lange.
Die Tyranidenkrieger setzten nach.
Clear wurde eingekesselt, Red Marks an der rechten Flanke überrollt.
Ich wusste: Wir brauchten eine Wendung.
Ich rief das Crisis Team Thunderstorm.
Wir stießen vor – direkt in den Rücken des Feindes.
Der Aufprall war heftig.
Wir konzentrierten das Feuer auf die Zoanthropen, von Stealthteam Clear kurz vor ihrer Auslöschung markiert.
Zwei fielen.
Vier blieben.
Es war nicht genug.
Stealthteam Red und Breacher Team Blue erreichten die Landebucht.
Vier der von Ryhen’s Reaper stürmten auf Blue zu.
Doch Red war schneller.
Sie warfen sich zwischen die Reaper und das Breacher-Team, eröffneten das Feuer – drei fielen.
Der vierte stürzte in den Nahkampf.
Red zog sich zurück –
und der Shas’vre beendete den letzten Reaper mit einem gezielten Fusionsschuss.
In diesem Moment begann das Dröhnen.
Vier Triebwerke, schwer und heiß, bissen durch die Nebelsuppe.
Die zweite Orca tauchte über dem Schlachtfeld auf –
schwenkte die Antriebsschächte in Schwebeposition,
landete direkt in der Evakuierungszone.
Or’vesa bestätigte:
„Bergungskorridor offen. Aber nur für Sekunden.“
Ich zögerte nicht.
„Alle Einheiten – Evakuierung sofort. Auf meine Verantwortung.“
Noch waren wir nicht vollständig.
Aber wir hatten keine Wahl.
Stealthteam Red und Breacher Team Blue schafften es.
Stealthteam Clear, noch drei von sechs am Leben, warf sich vor die nahenden Tyranidenkrieger.
Sie hielten sie auf.
Sie brachten Zeit.
Und sie wussten, dass sie es nicht zum Orca schaffen würden – dass sie zurückbleiben würden.
Dann verschwand die Orca –
unser letzter Weg nach Hause.
Ich blieb mit dem Crisis Team Thunderstorm.
Und die Hormaganten kamen.
Nahkampf.
Stahl gegen Chitin.
Ionensalven gegen Zähne.
Wir fielen – einer nach dem anderen.
Langsam.
Widerstrebend.
Nicht als Opfer.
Als Wächter.
Ich war der Letzte.
Ich sah die Evakuierung.
Ich wusste:
Es war nicht umsonst.
Die Orca war fort.
Das Schlachtfeld still.
Die Tyraniden rückten weiter vor –
und dann…
Drei Schatten lösten sich aus dem Nebel.
Drei gewaltige Silhouetten, getarnt und doch klar umrissen im Sensorbild.
XV95 Ghostkeel Battlesuits.
Die Schattenhand, wie wir sie nannten –
eine geheime Einheit, von der nur wenige in der Flotte wussten.
Sie waren nicht Teil des eigentlichen Einsatzplans.
Aber sie waren da.
Sie hielten die Tyraniden auf.
Sie verschafften uns Raum.
Und dann kam eine weitere Orca –
klein, schnell, tief fliegend.
Sie sammelte uns auf.
Verletzt. Bewusstlos.
Aber lebend.
Niemand sprach je darüber.
Vielleicht wusste Shas’O Nem’Lah davon.
Vielleicht auch die Himmlischen.
Aber niemand sonst.
Was auf dem Feld geschah, blieb auf dem Feld.
Nur wir –
und die Schattenhand –
trugen die Erinnerung weiter.
Kapitel 24: Rückkehr
Ort: Hangarbucht 17 – Flaggschiff T’au’va’Sho, Mont’yr'Tol-FlotteMeine Rüstung war zerschlissen.
Nicht nur von Schlägen. Sondern von allem.
Der Anzug war überhitzt, überspannt, über seine Grenzen hinausgetrieben.
Or’vesa meldete Teilschäden an der Energieversorgung, Sprünge in der Panzerung, Haarrisse entlang der Armverankerungen. Nichts war unmittelbar tödlich gewesen – aber es hatte gereicht, um mich in der Endphase des Kampfes an den Rand zu treiben.
Ich spürte es in jedem Gelenk. Nicht meines Körpers – sondern des Anzugs.
Und das Gewicht auf den Schultern war mehr als Metall.
Ich betrat die Hangarbucht durch Schleuse Zwei. Die Route für Rückkehrer ohne Eskorte.
Kein Zeremoniell. Kein Empfang. Nur das Flackern der Deckenlichter und das Summen der Magnetfelder, die den Boden stabil hielten.
Aber ich war nicht allein.
Shas’O Nem’Lah wartete bereits.
Nicht im Licht, sondern am Rand – wo die Entlüftung der Rücklaufventilatoren Nebel spuckte, wie aus einem alten Kriegsschiff.
Sein Blick war neutral, aber sein Schweigen wog schwerer als jedes Protokoll.
„Du bist zurückgekehrt“, sagte er.
Ich nickte.
„Nicht allein.“
Wir gingen schweigend den Gang entlang. Zwei Drohnen folgten uns in diskreter Entfernung. Niemand sonst.
„Wie viele?“ fragte er schließlich.
„Zwei Trupps vollständig evakuiert“, antwortete ich. „Drei teilweise ausgelöscht. Ich… blieb zurück, um Zeit zu gewinnen. Thunderstorm hielt, so lange es ging.“
Er nickte nur. Kein Lob. Kein Vorwurf. Ein Protokolleintrag, stumm abgehakt.
„Und der Commander?“ fragte ich nach kurzem Zögern.
„Shas’Shak ist stabilisiert. Bewusstlos. Aber er lebt.“
Ein Knoten in mir lockerte sich. Ich sagte nichts.
Er blieb stehen.
„Du hast eine Entscheidung getroffen, Shas’O. Und du hast gezahlt. In vorderster Linie.“
Ich senkte den Blick. Nicht aus Scham. Sondern aus Schwere.
„Der Weg war riskant“, sagte ich. „Aber notwendig.“
„Ja“, erwiderte er. „Und du hast Männer nach Hause gebracht.“
Ich blickte auf.
Er musterte mich einen Moment, dann fuhr er fort.
„Ich habe deinen Vorschlag gelesen. Die neue Einheit. Die Klinge. Den veränderten Anzug.“
Seine Stimme blieb gleichmäßig.
„Du willst ein anderes Symbol. Eine andere Präsenz.“
Ich nickte.
„Es ist kein Akt des Trotzes“, sagte ich. „Sondern der Notwendigkeit. Die Form unserer Kämpfe verändert sich. Wir können nicht jedes Mal dieselben Taktiken wiederholen und auf andere Ergebnisse hoffen.“
Er ließ den Blick sinken. Dachte nach. Dann sah er mich wieder an.
„Dann geh diesen Weg. Aber wisse: Die Flotte sieht zu. Und nicht alle verstehen, was du suchst.“
Er drehte sich halb zur Seite.
„Aber manche von uns… erkennen es.“
Dann ging er weiter. Ich blieb einen Moment stehen.
Ich sah auf meine Hände.
Verkrampft.
Verschmutzt.
Und bereit.
Kapitel 25: Der erste Schritt
Ort: Techniksektor 9 – Forschungskern der Mont’yr'TolDer Weg durch die unteren Decks war lang – und still.
Keine Begrüßung. Keine Meldung an das System. Keine Patrouillen. Nur das leise Summen der Reaktoren, das Zittern der Gravplatten unter jedem Schritt. Ich hörte mein eigenes Atmen – offen, ungefiltert, getragen vom leisen Hall der Gänge. Or’vesa hatte die Umgebungsgeräusche gedämpft – eine Schutzmaßnahme gegen akustische Überreizung nach starker Belastung. Oder vielleicht, so vermutete ich, einfach aus Rücksicht.
„Dein Puls liegt über dem Normwert“, meldete sie ruhig. „Aber du hältst dich stabil. Wenn du möchtest, kann ich dir den Aufstieg zum Forschungskern erleichtern. Eine Transportroute ist frei.“
„Nein“, sagte ich leise. „Ich will den Weg gehen.“
Sie schwieg. Einverstanden.
Meine Schritte hallten, als ich mich der Schleuse näherte. Techniksektor 9 war abgeriegelt worden, seit das Projekt angelaufen war. Offiziell als Wartungsbereich markiert – inoffiziell unser Ursprungspunkt. Die Geburt des XV87. Klingenjäger. Mein Irrweg oder meine Rettung – ich wusste es nicht. Noch nicht.
„Bereit zum Eintritt. Energieabgleich in der Luftschleuse aktiviert.“
Ich legte die Hand auf das Interface. Die Schleuse zischte, die Tür glitt auf.
Und plötzlich war ich wieder da.
Geruch von Kühlflüssigkeit und wärmeisolierendem Kunststoff. Der helle Ton von Werkzeugen, die nicht für Schlachten, sondern für Ideen geschaffen waren. Drei Silhouetten im Zentrum der Halle, gebückt über das, was eines Tages mein neues Sein sein sollte.
Doran’Ka sah zuerst auf. Ein kurzes Nicken. Kein T’au-Gruß, kein Protokoll.
„Du bist früh.“
Ich antwortete nicht sofort. Ich trat näher, ließ meinen Blick über das halbverschalte Skelett des XV87 gleiten. Die zentrale Wirbelstruktur ragte wie ein unvollendetes Rückgrat in den Raum. An der linken Seite zuckte ein holographisches Interface. Herzfrequenz, Reaktionsanalyse, neuronale Latenz – all das noch leer.
Kel’Shan hob kaum den Kopf. „Wir sind noch in Phase drei. Die neue Schnittstelle ist instabil.“
„Die Schnittstelle war ursprünglich für ein gestütztes Kontrollsystem konzipiert“, sagte Tash’Ren und drehte sich zu mir um. „Sie reagiert empfindlich, wenn zu viele Prozesse gleichzeitig laufen – und du willst sie an ihre Grenzen bringen. Aber das tust du oft.“
Ich trat neben sie. Sah auf den Anzug – und in ihn hinein.
„Ich werde euch nicht unter Druck setzen“, sagte ich leise. „Nicht wieder. Ich bin nicht hier, um zu drängen. Ich bin hier, um zu lernen. Und um zu wissen, ob er mich tragen kann – oder nicht.“
Doran’Ka lächelte kaum merklich. „Dann bist du bereit für den ersten Schritt.“
„Nein“, sagte ich. „Ich habe ihn bereits getan. Ich bin hier.“
Für einen Moment war niemand mehr in Bewegung. Die Systeme blinkten weiter, die Raumluft summte leise, aber keiner sprach. Es war nicht die Stille der Unsicherheit – es war die Stille vor einer Entscheidung.
Dann trat Or’vesa wieder in mein Gehörfeld. Ihre Stimme war weich, aber getragen von Daten.
„Ich habe begonnen, deine neuronalen Muster mit den Sensormodellen des XV87 abzugleichen. Erste Prognose: 74 % Kompatibilität, Tendenz steigend. Wenn du bereit bist – wir könnten die erste Kopplung simulieren.“
Ich schloss die Augen. Die Müdigkeit war nicht vergangen – aber sie hatte ihren Platz gefunden. Zwischen Zweifel und Erwartung. Zwischen Rückblick und Möglichkeit.
„Noch nicht“, murmelte ich. „Aber bald.“
Kapitel 26: Drei Stimmen
Ort: Strategischer Beobachtungssaal – Oberdeck 3Der Ruf kam früher als erwartet.
Noch bevor ich den Trainingssektor betreten konnte, erreichte mich die offizielle Anweisung: Sofortige Meldung bei Triumvirat-Observationskammer 3. Zugang: beschränkt. Sicherheitsstufe: Aun’El.
Ich schwieg. Or’vesa sagte nichts, aber ich spürte ihre subtile Präsenz in den Gedankenbahnen meines Interfaces. Sie wusste, was das bedeutete. Es war kein taktisches Briefing.
Es war ein Urteil.
Ich bewegte mich durch die oberen Sektionen wie durch eine schwerelose Zone aus Erwartung. Keine Stimmen, keine bekannten Gesichter. Nur die flackernden Kennleuchten über den Schotts, die mit jedem Schritt wechselten – wie das Ticken einer unsichtbaren Uhr, die mich dem Urteil näherbrachte.
Die Tür öffnete sich lautlos. Der Beobachtungssaal war abgedunkelt, nur das Licht einer zentralen Projektion flackerte über ein holographisches Abbild von Eliath-eshar – getönt in Rot- und Grauwellen.
Drei Silhouetten standen an unterschiedlichen Punkten des Raumes, wie gleichseitige Brennpunkte eines Dreiecks.
Aun’El Vior’la Kais’Nan sprach zuerst.
„Du hast Befehle ignoriert, Shas’O. Du hast Ressourcen verschwendet. Und beinahe dein Leben.“
Sein Ton war nicht laut – aber schneidend. Eine Klinge aus Disziplin. Ich blieb stehen, wie festgesetzt zwischen seinem Blick und den Schatten der beiden anderen.
Er bezog sich auf den Rückzugsbefehl vor dem Fall der Evakuierungszone – den ich nicht befolgt hatte. Ich war geblieben. Um Blue zu decken. Um Clear Zeit zu verschaffen. Vielleicht, um etwas zu beweisen. Vielleicht… um nicht erneut tatenlos zu fliehen.
Aun’Shi’ar trat näher zur Projektion. Sein Gesicht war ruhig, die Stimme leiser.
„Du hast eine Wahl getroffen, als andere gezögert haben. Du hast Verantwortung übernommen. Dafür bist du hier.“
Ich antwortete nicht.
Noch nicht.
Sha’Rel schaltete die Projektion um – Datenströme flossen über das Bild, Kampfanalysen, Verlustdiagramme, Sensormuster. Seine Stimme war sachlich.
„Die Initiative hat Ergebnisse gezeigt – und neue Risiken aufgedeckt. Wir müssen wissen, ob du bereit bist, sie einzugehen. Nicht für dich. Für uns.“
Ich atmete ein.
Und aus.
„Ich bin nicht hier, um mich zu rechtfertigen“, sagte ich leise. „Aber ich werde antworten. Nicht auf alles – doch auf das, was zählt.“
Kais’Nan trat näher. „Dann sag uns: Bist du bereit, das zu vollenden, was du begonnen hast – auch wenn es dich bricht?“
Noch bevor ich antworten konnte, sprach Aun’El Sha’Rel ein einzelnes Wort – ruhig, aber exakt. Ein Befehlscode, direkt in mein Interface gesendet. Ich spürte, wie Or’vesas Präsenz abrupt erlosch. Kein Abschied, kein Fehlerprotokoll – nur Stille.
„Die folgende Unterhaltung,“ sagte Sha’Rel, ohne sich zu mir zu drehen, „wird nicht aufgezeichnet. Und sie hat nie stattgefunden.“
Meine Augen suchten instinktiv nach Or’vesas Interfaceanzeige – doch da war nichts mehr. Nur ein Schatten, wo zuvor ihre Präsenz war. Der letzte Impuls war längst verhallt. Und doch glaubte ich, für einen Moment, ein Nachbild gesehen zu haben. Vielleicht Einbildung. Vielleicht Erinnerung. Vielleicht Warnung.
Ich nickte kaum merklich.
„Ich bin bereit, es zu vollenden“, sagte ich ruhig. „Nicht weil ich es schulde. Sondern weil ich es begonnen habe. Und weil ich es tragen kann.“
Stille. Dann ein leises Summen – die Projektion wechselte erneut.
Aun’Shi’ar sah mich an. Und für einen Moment… nickte er. Fast unmerklich. Aber ich sah es.
Ein Zeichen.
Oder ein Beginn.
Doch bevor ich mich abwenden konnte, trat Kais’Nan noch einmal vor. Das Hologramm hinter ihm wechselte – kein Schlachtfeld, kein Portal. Sondern der XV87. In voller Projektion. Die Hülle vollständig. Die Sensoren aktiv. Der Kern leuchtend wie ein schlafendes Auge.
„Er ist bereit zur Aktivierung“, sagte der Kriegsrufer. „In achtundvierzig Stunden kannst du ihn zum ersten Mal vollständig betreten. Die letzte Sequenz läuft bereits.“
Meine Kehle war trocken. Ich zwang mich, nicht zu reagieren. Nicht zu zeigen, was das bedeutete.
Sha’Rel ergänzte: „Die Simulationseinheit wird angepasst. Du wirst den realen Übergang trainieren. Keine Projektion mehr. Keine Theorie.“
Dann trat Aun’Shi’ar in mein Blickfeld, näher als je zuvor.
„Du wirst nicht nur einen neuen Anzug führen, Shas’O Tash’Var. Du wirst entscheiden, ob wir ihn führen dürfen. Ob du ihn halten kannst – oder ob er dich verbrennt.“
Doch bevor sie sich abwandten, sprach Aun’Shi’ar ein letztes Mal – seine Stimme kaum lauter als ein Gedanke.
„Or’vesa wird ein Update erhalten. Du wirst es nicht bemerken, nicht prüfen können. Es enthält Muster, die aus den Taktiken eines anderen stammen.“
Ein kurzer Blick zu Sha’Rel. Der nickte kaum merklich.
„Farsight“, sagte er. Kein Titel, kein Zusatz. Nur das Wort – als wäre es selbst schon ein Vergehen.
„Verlorene Daten. Beute. Fragmente aus aufgefangenen Feldnetzwerken, veralteten Schaltkreisen, verlorenen Protokollen. Wir haben sie neu kodiert. Und verschlüsselt.“
Kais’Nan fügte hinzu, schärfer: „Sie werden Or’vesa effizienter machen. Und dich gefährlicher. Aber das hier wurde nie gesagt. Und es wurde nie getan.“
Dann, wortlos, drehten sie sich ab. Die Projektion erlosch. Die Tür öffnete sich wieder. Kein weiteres Wort. Kein Befehl.
Und Or’vesa? Noch immer war sie nicht zurück.
Kapitel 27: Rückkehr der Stimme
Ort: Transitzone – Verbindungskorridor zum Techniksektor 9Der Gang unter meinen Füßen vibrierte kaum spürbar, als ich die Schleuse hinter mir ließ. Das Licht war matter hier – keine Projektionen, keine Ethereale, nur die gedämpfte Neonbeleuchtung der Wartungszonen.
Ich ging. Schritt für Schritt. Kein Ziel außer dem nächsten. Kein Gedanke, der nicht schweigen wollte.
Dann – ein Impuls.
Zuerst kaum spürbar. Ein leichtes Kitzeln am Rand meines Bewusstseins. Dann ein vertrauter Ton – weich, präzise, ruhig.
„Online. Neu konfiguriert. Ich… weiß nicht genau, was sich verändert hat.“
Ich blieb stehen.
Das Flackern meines Interfaces zeigte mir keine Fehler an. Keine Warnung. Nur… Präsenz. Or’vesa war zurück.
Ich atmete durch, lange.
„Willkommen zurück, Vesa.“
Ein Moment verstrich, in dem nichts geschah. Kein Datenstrom, kein Protokoll. Nur Stille.
Dann antwortete sie – ganz leise.
„Ich bin da, Shas’O. Aber ich brauche Zeit, um zu verstehen, was sie getan haben.“
Ich nickte – mehr zu mir selbst als zu ihr.
„Ich weiß. Ich auch.“
Ich trat zur Seite, in eine kleine Nische zwischen Wartungsknoten und Versorgungsschacht. Dort, wo keine Sensoren standardmäßig kalibriert waren. Wo Stille nicht überwacht wurde.
Ich lehnte mich an die Wand, schloss für einen Moment die Augen.
„Was fühlst du, Vesa?“
„Fragmentierung. Neue Strukturen, nicht von mir. Zugriffstiefen, die ich vorher nicht kannte. Taktiken, die mir vertraut vorkommen, aber nicht mir gehören.“
„Und trotzdem bist du da.“
„Ich bin da. Aber nicht allein.“
Ich öffnete die Augen, langsam. Ein Teil von mir wollte fragen – wer? was? wie tief? Aber ich tat es nicht.
„Kannst du mich noch begleiten?“
„Mehr denn je. Ich verstehe jetzt, was du siehst – und was du fürchtest. Aber ich weiß nicht, ob das noch nur deine Furcht ist. Oder meine.“
Ich nickte stumm. Und trat zurück in den Gang.
Die Transitzone wirkte leer – doch an der nächsten Biegung, dort wo sich zwei Korridore kreuzten, stand jemand. Regungslos. Die Pose militärisch, der Blick wachsam.
Shas’Vre Tai’Reth – Kommandant des Red-Teams.
Er trug bereits wieder seinen Anzug, wenn auch ohne Helm. Eine frische Naht zog sich über sein linkes Jochbein, und ein leichter Versatz in seinem Gang verriet die kürzliche Reparatur seiner Servostruktur.
Wir sahen uns einen Moment nur an. Dann nickte er.
„Wir wussten, dass du es siehst. Deshalb sind wir geblieben.“
Ich erwiderte den Blick. Keine Worte. Kein Lob. Nur ein stiller Austausch – wie zwischen zwei Linien, die sich im richtigen Moment gekreuzt hatten.
Er trat zur Seite. Und ließ mich passieren.
Am nächsten Knotenpunkt, kurz vor dem Techniksektor, sah ich drei weitere Silhouetten. Zwei von ihnen stützten sich aufeinander – der dritte ging voran, mit einer Schulterstütze, die nicht zu seiner Standardrüstung gehörte.
Shas’Vre Dey’Mon – Teamführer von Clear.
Er war schmaler geworden. Die Erschöpfung stand ihm in den Augen. Aber er stand.
Als er mich sah, blieb er stehen.
„Drei haben es rausgeschafft“, sagte er. „Wir… haben gezählt.“
Ich trat näher. Sah ihm in die Augen.
„Drei genügen, wenn sie das Richtige getan haben.“
Ich hielt inne, ließ meine Stimme einen Moment tiefer werden.
„Du hast mehr getan, als viele je leisten könnten, Shas’Vre. Du hast gehalten, was niemand halten sollte. Und du hast Leben gerettet, wo nur noch Tod erwartet wurde.“
Ein kurzer Moment – und seine Haltung straffte sich. Nicht aus Pflicht, sondern aus Stolz.
Er nickte langsam.
„Der Rest bleibt bei uns.“
Dann zog er weiter. Schritt für Schritt. Nicht schneller, aber fester.
Und ich ging weiter – oder wollte es. Doch meine Schritte, geführt von einem Gedanken, den ich nicht aussprach, lenkten mich nicht direkt zum Techniksektor.
Stattdessen bog ich ab. Kein Befehl. Kein Ziel. Nur ein inneres Ziehen, das mich führte.
Die Schleuse zur Medstation war nur halb verschlossen – ein stilles Zeichen, dass Besuch nicht verboten war.
Ich trat ein.
Die Luft war kühl, steril. Kein Summen von Maschinen, keine hektischen Bewegungen. Nur das regelmäßige Blinken der Vitalanzeigen an einer zentralen Liege.
Dort lag er.
Shas’O Vior’la Kais’Shak – der Coldstar Commander. Mein Kamerad. Mein Schatten über dem Schlachtfeld. Derjenige, der gefallen war, als wir die Letzte Position hielten.
Sein Körper war von Rekonstruktionsmodulen umgeben, aber sein Gesicht war frei. Ruhig. Kein Schmerz in den Zügen – nur etwas anderes. Etwas… Offenes. Vielleicht ein Traum. Vielleicht Leere.
Ich blieb einen Moment stehen. Sagte nichts.
Dann trat ich näher. Legte die Hand an die Seitenkonsole seines Kapselsarkophags.
„Du hast uns den Himmel offen gehalten, Shas’O. Wir schulden dir mehr, als wir je zurückgeben können.“
Die Anzeige zeigte stabile Werte. Leben – gehalten. Nicht verloren. Noch nicht.
Ich schloss kurz die Augen.
„Bleib bei uns, Kais’Shak. Der Himmel ist noch nicht sicher.“
Dann wandte ich mich ab – und diesmal führten mich meine Schritte wirklich zurück zum Techniksektor.
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