Neuling sucht Rat

Falke

Testspieler
06. Oktober 2010
134
16
4.879
Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren wie Dystopian Wars, hab es noch nie gespielt. Ich habe bis heute relativ einige Tabeltops gesammelt und gespielt. Ein Seespiel habe ich Black Seas im Moment am aufbauen aber da geht es auch nicht sehr weit, wenn man alle 4 Hauptfraktionen gesammelt hatte.

Habe aber gesehen es gibt an die 8 Fraktionen und einges an Sets.

1. Gibt es da auch die Regeln auf Deutsch?
2. Wie spielt es sich?

Danke im Voraus
 
Hallo. Da ich hier im Forum wohl der ausgewiesene Experte bin mal ein paar Sachen von mir:

Dystopian Wars wurde gerade vom aktuellen Rechteinhaber Warcradle Studios auf die aktuelle, nunmehr 4. Edition umgestellt. Die Benennung der Sektion hier im Forum ist daher veraltet, denn der ursprüngliche Entwickler von Dystopian Wars (DW), Spartan Games ging schon vor vielen Jahren pleite und die Rechte wurden von Warcradle Studios gekauft, die das Spiel erfolgreich erneuern konnten. Daher auch die Zählung der Editionen - Editionen 1 & 2 entstanden unter Spartans Regie. Warcradle brachte dann Edition 3 an den Start und nunmehr startete Edition 4, die 2. Edition unter Warcradle.

Aber mal ein paar harte Fakten:

Die Regeln bekommt man allesamt kostenlos auf der Dystopian Wars Homepage - wenn man weiß wo. Unter den jeweiligen Fraktionen findet man die sog. ORBAT-Dokumente. Das sind die jeweiligen Armeelisten der Fraktionen. Diese werden regelmäßig aktualisiert. Die Regeln finden sich dafür allesamt unter der Rules-Sektion.

Leider gibt es das alles nur auf Englisch und ich würde auch auf keine Deutsche Version hoffen, dafür ist das Spiel bei uns nicht erfolgreich genug. Außerdem kommuniziert Warcradle aktuell fast nur im offiziellen Discord, d.h. ohne dort aktiv zu sein kriegt man leider nicht mit, wenn das nächste ORBAT-Update veröffentlich wurde, denn woanders kündigt das Warcradle gar nicht erst an. Bis auf Neuerscheinungen, die stehen immer in deren Blog.

Zum Spiel an sich:

DW benutzt alternierende Aktivierungen in einer Runde. D.h., ich aktiviere ein Schiff bzw. ein Geschwader von Schiffen wie Kreuzer oder Fregatten. Diese bewege ich, dann feuere ich und mache evtl. Spezialeffekte, danach wechselt die Initiative zum Gegner und er aktiviert eine Einheit. Geschossen wir mittlerweile mit Spezialwürfeln - zwar W6er, aber mit Symbolen. Prinzipiell könnte man aber auch normale Würfel nehmen, aber es geht auch so. Der Beschuss hat sich jüngst deutlich geändert, so dass man abhängig von der Waffenreichweite einfach alle Waffen auswählt, die auf ein Ziel gehen sollen und die Würfel einfach in einem Topf zusammenfasst und dann wirft. Und dabei können dann schon große Würfelpools zusammenkommen. Was dann als Ergebnisse möglich sind - auf den Würfeln - ist: Treffer, schwerer Treffer (zählt als zwei Treffer) und Explodierender Treffer (zählt als zwei Treffer, aber man darf einen weiteren Angriffswürfel werden). Durch diese "Exploding Dice"-Mechanik ist es möglich, selbst mit kleinen Angriffen potentiell viel Schaden zu verursachen. Nach dem Würfeln werden alle Treffer addiert und nach Schutzwürfen durch den Gegner (der ein paar Treffer abziehen kann) wird für jedes Mal, wo die Anzahl Treffer den Panzerwert des Schiffes übersteigt, ein Schadenspunkt genommen. Hat ein Schiff keine Hüllenpunkte mehr, verursacht jeder weitere Schaden kritische Treffer, die das Schiff dann schnell sinken lassen.

Was die neue Edition auch geändert hat ist, wie Staffeln funktionieren. In Edition 3 erfolgte die "Flugkörperphase" erst am Ende aller Aktivierungen und konnte potentiell sehr tödlich sein. Nun kann man jeder mal, wenn man eine Einheit aktiviert, auch eine Staffel aktivieren, dafür entfällt die Phase am Ende. Außerdem wurden Jagdbomber schwächer - und es sind Reaktionsbewegungen von Abfangjägern möglich, so dass das Spiel jetzt nicht mehr von Trägern dominiert wird, was ich für gut empfinde.

Spaß mach Dystopian Wars auf jeden Fall, aber es ist auch ein klares Bier & Bretzel Spiel und nichts für Leute, die gerne mit ausgemaxxten Turnierlisten Spielen wollen.

So und noch was zum Hintergrund:

Setting:
Alternative 1870er Jahre. Irgendwann im frühen 19. Jahrhundert fanden britische Wissenschaftler in der Antarktis ein abgestürztes, riesiges UFO, und aus dessen zurückentwickelter Technologie setzt in der Welt ein massiver Entwicklungsschub ein, der leider auch militärisch genutzt wurde. Außerdem sind schon seit Jahrhunderten unerkannt zwei weitere Alien-Rassen auf der Erde aktiv - die Hex, intelligente Reste eines Cthulluh ähnlichen Alien-Gottes, und die Order, Energiewesen, die in Roboter-Golems auftreten und insgeheim gegen die Hex kämpfen.

Die Fraktionen

Crown:
Das britische Empire, Steampunk-Style. Die aktuelle Großmacht des Settings, aber eine auf dem absteigenden Ast, jedoch immer noch mächtig. Die Flotte setzt auf ein Netzwerk von Energieschilden, das zwischen allen Schiffen geteilt wird, außerdem ist es die designierte Torpedo-Fraktion.

Imperium:
Das von Preußen dominierte Deutschland, plus Österreich und Skandinavien. Der in diesen Setting noch bestehende Deutsche Orden ist ein wichtiger Machtfaktor im Reich. Im Ppiel setzt das Imperium ganz auf Elektrowaffen, die offensiv etwas schwächer sind aber dafür gegnerische Systeme ausknipsen können.

Alliance:
Frankreich, Italien, Spanien - und die Sozialistische Union von Süd-Amerika (SUSA). Sammelfraktion und Zweckbündnis der katholischen Länder gegen die imperialen Ambitionen von vor allem der Crown und des Imperiums. Spielerisch divers - die Franzosen sind offensive Glaskanonen mit vielen Flugschiffen, die SUSA nutzen alte amerikanisch Schiffe und sind eher langsame Tanks und die Italiener liegen irgendwo dazwischen. Signaturwaffen sind Heat Ray Kanonen - denkt mal an die Melter von 40k - kurze Reichweite, aber dort stark.

Commonwealth:
Die Russen inklusive Osteuropa. Im Hintergrund wohl der feuchte Traum der Kremlherrscher. Ein starkes Reich, wo die Russen Erste unter gleichen sind. Spielerisch haben wir die üblichen Red Army Klischees zu Wasser - sprich. Hordefraktion. Die Schiffe sind individuell schwächer als die der anderen Nationen, aber dafür können die mehr davon aufstellen. Signaturwaffen sind Railguns mit hoher Reichweite.

Sultanate:
Das osmanische Reich im Steampunk Setting. Hier mal nicht der kranke Mann am Bosporus sondern ein recht stabiles und starkes Reich. Die vorher benannte Alien-Fraktion der Order ist im Sultanat aktiv und hat diese mit überlegener Technologie ausgestattet. Spielerisch ist die Flotte eher zerbrechlich, aber dank der von der Order gestifteten Portal-Technologie sehr mobil. Außerdem haben die starke Partikelwaffen im Angebot.

Empire:
Die Sammelfraktion der Asiaten, dominiert von China und Japan. Der Zusammenschluss kam durch ein eingefangenes Fragment der Hex-Alienfraktion zu Stande. Auf Grund dieser Stärke konnte sich das Empire gegen die meisten Kolonialambitionen der Europäer sehr erfolgreich wehren. Auch hier ist die Flotte geteilt. Die Japaner setzen auf klassischen Schiffe mit starken Kanonen, während die Chinesen ganz auf ihre Flammenwerfer-Geschütze vertrauen, sehr kurze Reichweite, dort aber verheerend.

Enlightened:
Hervorgegangen aus den Briten, die in der Antarktis das Alien-UFO gefunden haben. Aktuell ein eher loser Bund semi-verrückter Wissenschaftler. High Tech Fraktion, die optisch klar eine Menge der Alien-Technologie adaptiert haben. Spielerisch herausfordernd, aber wenn man die Fülle an Sonderregeln meistern kann, sind die Enlightened bärenstark. Aber ein Fehler kann reichen, und die Flotte fällt in sich zusammen.

Union:
Die unausweichlichen Amerikaner. Durch den rasanten Technologiesprung wurde der amerikanische Bürgerkrieg praktisch zum zweiten Weltkrieg an der Ostküste. Will heißen. massive Zerstörungen aller großen Städte und Millionen von toten Zivilisten. Die Nordstaaten gewannen auch hier und nun ist man auf rücksichtslosem Expansionskurs und innerhalb von 10 Jahren wurde fast ganz Mittelamerika erobert. Die Schaufelraddampfer der Amerikaner können als Besonderheit auf der Stelle drehen. Außerdem ist die Union die Raketen-Fraktion des Spiels.