Eine nicht mehr auffindbare Publikation aus der 5. Edition schrieb:
Atemloser, verängstigter Knappe: "Mein Herr, mein Herr, wir werden überfallen! Die Horden des Chaos, Orks, Skaven und Dunkelelfen in ihrer Vielzahl! Ich schwöre, dass ich Tausende gesehen habe!"
Bretonischer Adliger, bereits dabei, sein Schwert zu ziehen: "Meine Güte, das dauert Tage, bis wir mit denen fertig sind!"
Ich habe in einer Zeit mit Warhammer Fantasy angefangen, als Slann noch auf Sänften getragen wurden, statt mit Miniraumschiffen über’s Schlachtfeld zu fliegen. Die Reifen der Schwarzen Kutsche hatten noch Bodenkontakt und bretonische Adelige ritten vollbepackt mit magischer Ausrüstung auf Kaiserdrachen in die Schlacht.
In dieser Zeit habe ich zuerst Echsen und Vampire gespielt, dank eingeschränkten Geldmitteln in der Regel nur mit dem (von Charakteren abgesehen), was in Plastik verfügbar war und unterirdisch bemalt. So etwa mit 15-16 Jahren musste ich mich entscheiden, ob ich meine Aufmerksamkeit schönen Miniaturen oder schönen Mädchen widme und entschied mich für letztere.
Über lange Jahre liebäugelte ich mit dem Gedanken, dann, wenn das Studium vorbei bzw. der Karriereanfang überstanden wäre und ich genügend Geld, Platz und Zeit hätte, wieder mit Warhammer Fantasy einzusteigen.
Als es dann so weit war, kam Age of Sigmar, ich war desillusioniert und spielte erst mal Infinity und später Warhammer 40k.
Als es im letzten Jahr mit Warhammer: The Old World konkreter wurde und die Bretonen vorgestellt wurden, fasste ich einen Entschluss: Ich steige wieder ein und zwar mit Bretonen. Der Gedanke: Viel Kavallerie, wenig Modelle – das müsste doch zügig bemalt sein. Aus heutiger Sicht: Lol.
Als Anfang Januar die Miniaturen in die Vorbestellung gingen, wurde für den 20. April mit dem
Magnus The Pious Cup 2024 ein größeres Turnier angekündigt. Ich habe im direkten Freundeskreis zwar einige Pen&Paper- und Boardgame-Nerds, aber keine Spieler von Tabletops mit großer Miniaturenzahl, so dass ich in aller Regel auf Turnieren spiele. Nicht, um da sonderlich erfolgreich zu sein, sondern weil es eine einfache Möglichkeit ist, regelmäßig ein paar Spiele unterzubringen und Leute im Hobby kennenzulernen.
Mein Projekt: Vom Release von TOW bis zum Turnier in Dachau eine 2.000 Punkte Armee der Bretonen ausheben und vollständig bemalt dort aufkreuzen. Jeden Abend ein Stündchen malen müsste reichen, dachte ich. Spoiler: Hat’s nicht, aber ich bin trotzdem fertiggeworden.
In diesem Post möchte ich die Ergebnisse dieses Bemalmarathons vorstellen und den Thread anschließend nutzen, um den Ausbau und die Spiele dieser Armee zu dokumentieren.
Aufgrund der begrenzten Zeit musste ich mich schnell für eine ungefähre Zielliste entscheiden, weil klar war, dass ich nicht die Zeitreserven habe, um „unnötige“ Modelle zu bemalen. Ich entschied mich für folgendes:
- Herzog auf königlichem Pegasus
- Armeestandartenträger zu Pferd
- Prophetin zu Fuß
- Drei 6er Lanzen Ritter des Königs mit Standartenträger und Champion
- Zwei 6er-Lanzen Gralsritter mit Standartenträger und Champion
- Zwei 3er-Einheiten Pegasusritter mit Standartenträger und Champion
- 10 Bogenschützen
Schlussendlich ist durch eine Planung im Stil von Henry Ford alles ziemlich gleichzeitig fertiggeworden, ich wähle hier aber aus künstlerischen Gründen eine Vorstellungsreihenfolge, die meinen Gedankenprozess widerspiegelt.
Nachdem ich nun wusste, welche Einheiten ich für meine Armee brauchte, stellte sich als nächstes die Frage nach dem Farbschema. Ich entschied mich für den neuen „Standard“ den Großteil der Armee in einem einheitlichen Schema zu bemalen. Nur in welchem?
Da Gralsritter ihre eigene Heraldik und Farben tragen, waren sie die idealen Testmodelle und ich bemalte sie (bzw. ihre Pferde, weil die Gralsritter erstmal wochenlang ausverkauft waren und ich deshalb zusätzliche Ritter des Königs nur für die Pferde angeschafft habe, um keine Zeit zu verlieren) in unterschiedlichen Farben. Dabei versuchte ich verschiedene triadische Farbschemata. Ich wollte drei Farben auf meinen Rittern, weil zweifarbige Schilde nur dann funktionieren, wenn beide Farben hell oder dunkel sind (wegen der Sichtbarkeit der Decals) und das erschien mir zu einschränkend. Hier seht ihr nun die fertigen Gralsritter:
Insgesamt waren mir diese Farben aber doch etwas zu schrill, insbesondere die Schildfarben setzten sich mir doch zu deutlich vom restlichen Modell ab. Ich entschied mich deshalb dazu, eine meiner Farbkombinationen (Ironjawz Yellow, Sigvald Burgundy und Talassar Blue) etwas zu entschärfen, in dem ich Talassar Blue durch Briar Queen Chill („babyblau“) ersetzte.
Zuerst stellte ich mit diesem Schema 10 bretonischen Bogenschützen fertig, die in Skirmish-Formation die Leibgarde der Prophetin werden sollten (die habe ich wegen der Basegestaltung schon mal in einem anderen Thread vorgestellt:
Ich war zufrieden und übertrug das Schema auf meine insgesamt 18 (3x6) Ritter des Königs und 6 (2x3) Pegasusritter:
Damit waren die Einheiten schon mal fertig, bis zum Turnier verblieb aber nur noch eine Woche. Am 12. April begann ich mit den Charaktermodellen und zwar zuerst meiner Prophetin. Hier entschied ich mich dazu, mich deutlich mehr auf das Gelb zu konzentrieren, weil sie in ihrer Farbgestaltung ja freier ist, als die Ritter und ich wollte, dass sie ein harmonisches Bild abgibt. Vom Ergebnis war ich selbst begeistert: