Kapitel 3
Der Himmel brannte blau.
Wo einst Grün war, flammte nun psionisches Feuer.
Bäume lösten sich in Licht auf, die Luft zitterte, Materie und Geistverschmolzen zu verzerrten Visionen.
Der Boden selbst sang – ein Chor aus verzweifelten Stimmen, halb lebendig, halb Idee.
Amon-Seht stand im Zentrum des Sturms, seine Roben loderten wie Flammen.
Sein Stab vibrierte, das Metall flüsterte uralte Namen.
Der Planet kämpfte gegen ihn –und er kämpfte zurück.
Dann flackerte der Himmel, und durch den Riss des Warp brachen sie hervor:
die
Verstärkung.
Drei silberne Landungssphären zerschnitten die Luft.
Sie öffneten sich lautlos, und psionische Energie ergoß sich über das Schlachtfeld wie flüssiges Sternenlicht.
Zuerst trat
Exalted Sorcerer Menek-Ra hervor –groß, schmal, seine Rüstung in BLau und Gold, das Gesicht verborgen hinter einem Helm, dessen Visier aus purem Lichtbestand.
Er hielt eine Kristallklinge, in der sich die Zukunftselbst zu winden schien.
„Amon-Seht,“ sprach er, seine Stimme hallte wie Wind in einer Kathedrale, „du hast uns in den Traum eines Monsters gerufen.“
Amon-Seht lachte tonlos.
„Ich habe euch in die Wirklichkeit gerufen, Bruder.“
Hinter Menek-Ra trat eine zweite Gestalt hervor:
Exalted Sorcerer Thoth-Ka, breitschultrig, seine Rüstung übersät mit Schriften in alter Prospero-Zunge.
Über seiner Schulterschwebten Bücher aus Fleisch, deren Seiten sich selbst beschrieben.
„Der Warp tobt,“ knurrte Thoth-Ka. „Selbst Tzeentch schweigt hier. Ich mag das nicht.“
„Er schweigt nie,“ entgegnete Amon-Seht. „Manchmal spricht er nur durch unser Blut.“
Dann öffnete sich das letzte Portal.
Aus ihm trat der
Infernal Master Khal’meth, begleitet von einem Chor flackernder, gequälter Geister, die in Ketten um ihn kreisten.
Seine Stimme war Honig und Gift zugleich.
„Ihr fühlt es, nicht wahr?“ hauchte Khal’meth. „Der Planet… er denkt. Und er erinnert sich. Etwas in ihm kennt uns. Vielleicht… kennt er
Ihn.“
Er deutete in den Himmel – dorthin, wo der Warp pulsierte, als würde eine unsichtbare Macht lächeln.
„Stellt den Kreis,“ befahl Amon-Seht.
Die Sorcerer traten auseinander, zogen Runen in die Luft, die aus Licht und Materiezugleich bestanden.
Und dann kamen sie:
aus den Nebeln, zwischen verzerrten Schatten und psionischen Fetzen, marschierten
Tzaangors.
Dutzende, dann Hunderte.
Feder, Stahl, und rituelle Masken, in deren Augen Wahnsinn glühte.
Sie sangen – in einer Sprache, die kein Mensch je hören sollte, eine Kakophonie aus Gebet und Hohn.
Ihr Schamane,
Zhrak’Tuul der Windgeborene, ritt auf einem Schwebeplateau aus Knochensplittern.
Sein Stab war gekrönt mit einem Auge, das lebte und blinzelte.
Er lachte, als er Amon-Seht sah.
„O Sohn des Magnus! Du rufst, und die Federn tanzen! Der Planet flüstert mir Namen, und einer davon ist deiner!“
„Dann höre weiter,“ zischte Amon-Seht.
„Lass ihn singen, bis er unsere Sprache lernt.“
Zhrak’Tuul schwang seinen Stab, und die Luft änderte die Farbe.
Er schrie, und aus seinem Mund kamen keine Worte, sondern Licht.
Die Tzaangors fielen auf die Knie und hämmerten ihre Waffen gegen den Boden.
Ein Donnern folgte.
Die Erde öffnete sich – und darunter pulsierte das lebende Gewebe des Planeten.
Adern aus Fleisch, die wie Lianen zuckten.
Der Schwarm antwortete.
Aus der Tiefe erhob sich ein Schrei.
Zuerst ein Laut, dann eine Empfindung, dann eine Flut aus Gedanken:
Eindringlinge. Fremd. Falsch. Assimilieren. Zersetzen.
Die Erde barst.
Ein Schwarm aus
Warrior-Formen,
Carnifexen und
Neurogaunts brachhervor.
Die Luft brannte vor Pheromonen und psionischem Druck.
Menek-Ra schwang seine Klinge – sie summte durch das Gewebe der Realität und zerschnitt drei Tyraniden auf einmal.
Thoth-Ka rief Worte aus reiner Logik, und ein Speer aus Warp-Feuer durchbohrte den Schädel eines Carnifex.
Doch für jeden Gefallenen kamen zehn neue.
Die Erde war lebendig, sie spie ihre Kinder aus.
„Das ist kein Schlachtfeld,“ knurrte Thoth-Ka. „Das ist ein Körper.“
„Dann schneiden wir ihn auf,“ antwortete Amon-Seht.
Amon-Seht rammte seinen Stab in den Boden.
„Khal’meth! Binde den Warp! Zhrak’Tuul, öffne den Pfad!“
Der Infernal Master hob die Hände.
Seine Stimme verwandelte die Luft in Glas, das zersprang, sobald er schwieg.
Um ihn herumbildeten sich Schatten mit Flügeln und Augen – Dämonen, halbgeboren, halb Erinnerung.
Der Tzaangor-Schamane tanzte, seine Bewegungen verwandelten Zeit in Bewegung.
Er schrie:
„Es sieht uns! Es sieht uns! Der Planet…
er spricht!“
Amon-Sehts Augen brannten auf.
Er sah – nicht mit den Augen, sondern mit dem Geist.
Er sah den Planeten als lebendes Bewusstsein, eine kolossale neuronale Struktur.
Und tief in diesem Gehirn… etwas anderes.
Etwas Altes.
Etwas, das nicht von dieser Galaxis war.
Ein Auge öffnete sich im Herzen des Planeten.
Blau. Endlos. Wachsam.
Und es flüsterte – direkt in Amon-Sehts Geist:
Du bist Veränderung. Ich bin Hunger. Zusammen sind wir Vollendung.
Er taumelte zurück, Blut rann aus seiner Nase, das in der Luft zu Runen gerann.
„Tzeentch…“ flüsterte er. „Oder… etwas, das sich für ihn hält.“
Zhrak’Tuul lachte ekstatisch.
„Vielleicht ist Tzeentch heute
der Planet! Vielleicht träumt er durch Fleisch!“
Khal’meth grinste.
„Oder der Planet träumt, dass er Tzeentch ist.“
Ein psionischer Stoß traf die Schar – der Schwarm griff an.
Tzaangors zerplatzten zu Staub, Terminatoren wurden in den Boden gedrückt, als die Welt selbst sie verschlang.
Amon-Seht schrie, Warp-Feuer explodierte.
„Zurück zum Schiff!“
Doch im Moment, als der Teleport startete, griff der Planet noch einmal zu – ein psionischer Tentakel aus purem Willen.
Erstreifte Amon-Sehts Geist –
und etwas
blieb dort.
Ein Gedanke.
Ein Same.
Etwas, das lachte.
Der Planet sah sie, berührte sie – und in dieser Berührung verstand er Magie.
Tyraniden, die psionisch träumen. Thousand Sons, die sie lehren.
Der Hunger lernte, zudenken.