Geschichtlich wurde aber auch kein Anspruch darauf erhoben durch Diversität Spielspass zu fördern. Ich kann in high-fantasy Settings auch nicht wirklich die Argumente von Referenzen auf sozial- und militär-dynamischen Realismus verstehen. Wir sprechen hier vom König der magischen Blitzgolems, da ist es unerheblich wie genau die Alliierten im zweiten Weltkrieg gehandelt haben.
Dass kann man sehr wohl, da AoS als ein Fantasy Seting mit fortlaufender Geschichte konzepiert wurde, was Warhammer Fantasy eben nicht war, wo man praktisch immer auf der Stelle trat. Wenn man also eine fortlaufende Geschichte erzählt, ändern sich innerhalb von Fraktionen sowohl Ansichten, Strategien und Verhältnisse zu anderen Fraktionen. Helden steigen auf und Fallen und so weiter. Anstatt zweiter Weltkrieg könnte ich auch das verhalten der Römischen Legionen anführen, wenn dir das besser gefällt, aber im Falle der Kernaussage bleibt es das selbe.
Interessant, dass du hier Wh40k anführst, weil in diesem Spiel die Fraktionen eben niemals auf die Kampftaktiken anderer Fraktionen reagieren, sondern immer ihre selbe wiederkehrende Taktik abspulen. Das AM versucht immer seinen Gegner durch überwältigende Mengen von Truppen und Panzern zu erdrücken, die Eldar schlagen immer blitzschnell zu und versuchen ihre Gegner vorausschauend auszumanövrieren. Der Sprungmarines-Orden versucht jede Mission mit ihren Sprungmarines zu lösen und der Verschanzungs-Marines-Ordner versucht sich immer irgendwo einzubuddeln und die Stellung zu halten. Ganz gleich wie erfolgsversprechend das ist. Man muss sich nur die Schlachten der Ravenguard-vs.-Nightlords anschauen, die alle irgendwie einen komödiantischen Unterton haben, weil alle Seiten versuchen den anderen zu um-infiltrieren.
Mal ganz ehrlich: 40K trat bis vor kurzem genauso auf der Stelle wie schon Warhammer Fantasy und das hier das etapilierte System Volk = bestimmte Taktik angewendet wird, ist nicht verwunderlich. Dennoch ändert sich auch hier bereits was. GW geht weg von dem Konzept: Wenn du eine andere Taktik haben willst, dann kauf dir ein neues Volk, sondern geht dazu über die Völker flexibler zu Gestalten. Tzeentch ist der Große Magier, klar, aber ich kann den ebenso kampforientiert aufstellen wie Khorne. Wenn ich Khorne optisch nicht mag, mir Tzeentch aber gefällt find ich es nur fair, dass auch ich bei ihm, eine starke, kampforientierte Armee aufstellen kann. Deswegen ändern sich grundprinzipien der Völker sicher nicht: Auch wenn Stormcast jetzt Kundschafter haben werden die kaum so effektiv sein können wie Waldelfen Kundschafter, da sie einfach langsamer sind wegen ihren Plattenrüstungen. Waldelfen hingegen werden wohl nie so Widerstandsfähig wie die Stormcasts sein und ihre ganz eigene Form der effektiven Kundschafter haben, die diesem Umstand Rechnung trägt. Grundaspekte wie Erkundung, Feind Umrunden, Schwere/Leichte Infantrie/Kavellerie sollte eigentlich jedes Volk haben. Nur die Art und Weise wie das umgesetzt wird ist anders. Ich bin sehr froh das GW das nun so voran treibt, denn das verhindert die allgegenwärtigen Schere/Stein/Papier Listen die lange Zeit gang und gäbe in vielen Systemen waren.
Das macht die Natur einer Fraktion aus. Dass man eingen gewissen Spielstil hat. Zu Allem habe ich ja auch nicht kritisiert, dass sich die Frakionen weiterentwickeln. Ich habe kritisiert, dass sich nur eine einzige Fraktion immer und immer wieder weiterentwickelt bevor andere überhaupt aufgetreten sind.
Die Natur einer Fraktion wird perse erstmal durch ihre Eigenschaften definiert. Klar ist: Ein Elf ist schneller als ein Mensch, aber das bedeutet noch lange nicht, dass Schnelligkeit die einzige Option dieses Volkes sein muß. Ich zieh da mal Blood Bowl heran: Dort wird Chaos gerne als Prügelteam angesehen und sie haben sicher die besten Vorraussetzungen dafür, genau das umzusetzen, allerdings habe ich mir (durch die enormen Möglichkeiten die das Spiel bietet) ein Chaosteam zusammengestellt das auf Pass- und Laufspiel spezialisiert ist und die machen das hervorragend. Ebenso konnte ich ein Elfenteam (Lauf- und Passspiel) zu einer harten Schlägertruppe heranzüchten. Du siehst: Nur weil der Kern, einer Fraktion bestimmte Eigenschaften hervorhebt heißt das noch lange nicht, dass man sich nur darauf stützen muß. Das fördert das experimentieren mit Einheiten Kombinationen und hilft dabei neue Taktiken zu entwickeln. Es ist wichtig das heutzutage Fraktionen flexibel sind. Die Zeiten in denen sich viele Spieler dutzende von Armeen zugelegt haben sind einfach vorbei. Meist verfügt man nur über 1 - 2 Armeen und bleibt bei denen. Wenn man die nun flexibel gestaltet, dann kann man immer wieder neues entdecken und ausprobieren und die Fraktion wird nie unintressant. Genau aus diesen Gründen sind ja solche Spiele wie X-Wing oder Star Trek Attack Wing so erfolgreich. Klar haben hier zb. die Borg feste Eigenschaften die ihre Fraktion auszeichnen, aber durch die flexible Gestaltung der Upgrades kann ich nahezu jede Taktik mit denen Umsetzen die mir in den Sinn kommt und das ist auch der Weg den GW jetzt einschlägt.
Dass sich nur eine Fraktion weiter entwickelt stimmt ebenfalls nicht. Gerade in der Geschichte durchlaufen sie enorme Änderungen wie zb. die Sylvaneth. Man muß hier ganz klar überlegen: Bringt es uns wirklich was, wenn GW jetzt bestimmte Völker raushaut die nicht mehr als 2 - 3 Einheiten und eine Handvoll Helden haben? Ironjawz und Fyreslayer sind für mich Kanidaten die unbedingt eine zweite Welle brauchen um sie weiter auszubauen. Sicher würde ich mich über Deathrattle oder Vampire freuen, ich sehne mich nach neuen Seraphon die wirklich geil aus sehen, aber das braucht halt seine Zeit. Das Tzeentch Release zeigt ganz gut wie man das richtig macht und Iron Jawz und Fyreslayers zeigen, wie es nicht gemacht wird. Wenn du dir den Lord of Change anschaust wirst du merken das der ursprünglich auch so gedacht war das er wie der Bloodthrister 3 Formen + Special Char hatte, dass wurde aber nun geändert und zu Waffenoptionen gemacht, wobei Kairos beibehalten wurde. Andernfalls kann man ja auch anmerken, dass durch die Grand Alliance Bücher quasi alle Völker schon spielbar sind. Demnach verstehe ich deine Kritik nicht wirklich. Viel eher ist die Frage zu stellen, welches Volk kommt als nächstes und hat da GW schon genug im Petto dass sie auch solo gespielt werden können? Wenn ich mir das Tzeentch Release anschaue, den Wegfall von Bretonen und Khemri berücksichtige und darüber nachsinne wie die neuen Releases aussehen, kann man wohl davon ausgehen, dass sicher an Deathrattle gearbeitet wird. Khemri hatte sehr viele Skeletteinheiten, die wohl überarbeitet im neuen Deathrattle Battletome auftreten werden. Die Free Peoples haben ihre Ritter und Magierorden die sicher Elemente der Bretonen enthalten werden um die Orden stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Ich bin sicher, dass wenn die Zeit reif ist, die Völker entsprechend auftreten, aber Völker wie Zwerge und Imperium sind einfach schon stark genug vertreten was Modelle angeht und sie haben aktuelle Regeln durch die Grand Alliance Bücher. Es tut da echt nicht Not die einfach neu rauszubringen, nur damit sie ein Battletome haben. Lieber konzentriert man sich erstmal auf die neuen Völker und versorgt die erstmal mit allem was sie brauchen, anstatt nur dem Fanwillen an sich nachzugehen und so einen Murks wie Flesh Eater Courts rausbringen, der Kitbash als neue Einheiten verkauf.