Allein. Eingeschlossen in einem dunklen Raum. Nackt, verĂ€ngstigt und beschĂ€mt. Um einen herum sind Dinge in der Dunkelheit. Ein Kratzen und Scharren. Wenn du nur ausbrechen könntest, doch du kannst nicht. Zunehmend macht dich die Dunkelheit und die GerĂ€usche darin verrĂŒckt. Wie toxische Tentakel die sich langsam, aber stetig in deinen Verstand winden. Daran zerren und fressen. ZurĂŒck bleibt blankes Entsetzen. Mit der Gewissheit das es kein Entkommen geben kann. Allein bleibst du zurĂŒck in der Dunkelheit, wĂ€hrend die kratzenden GerĂ€usche immer lauter werden. FĂŒr immer allein.
Sira wird sich erst jetzt bewusst das sie nicht mehr trĂ€umt, sondern stattdessen ihre schrecklichen Visionen ihrer Schwester, wie auch besten Freundin Bella schildert. Zusammen in ihrem kleinen, provisorischen Zelt, auf einem trostlosen Schlachtfeld, verloren in der Vielzahl von Kriegen die sich ĂŒber das Imperium der Menschheit ziehen.
Ein hektischer Blick fĂ€llt auf ihre weiĂen ServorĂŒstung in der Ecke des Zeltes. Ein fĂŒr sie leider nur noch schwacher Trost des Glaubens, in einem Meer aus Zweifeln. Doch Zweifel sind der Weg des AbtrĂŒnnigenâŠ
Bella legt beruhigend eine Hand auf ihre Schulter, redet ihr mit warmen Worten zu. Spricht ein Gebet an den Imperator der Menschheit mit ihr zusammen, so wie sie es schon oft in der Vergangenheit getan hatten, in noch besseren Zeiten. Die Worte kommen dabei aus ihrem Mund, doch sie hört sie nicht. Der Einfluss des Chaos, auf dieser verdammten Welt, jetzt ganz stark auf ihren schmalen Schultern lastend. Bella sieht es auch, will es erst nicht wahrhaben. Seit der Grundausbildung, ĂŒber die Verleihung der heiligen RĂŒstung, bis zu den folgenden Schlachtfeldern standen sie stets Seite an Seite. Niemals zurĂŒckweichend, zögernd oder gar zweifelnd. Gefestigt im Glauben, fĂŒr ihren Orden der Sacred Rose und den Imperator der Menschheit.
Doch jetzt ist alles anders. Bella nimmt Sira in den Arm, spendet ihr Trost, Hoffnung, doch dies sind nur einzelne Tropfen, wie TrĂ€nen verloren in einem Sturm aus Regen. Auch wenn sie es nicht wahrhaben möchte, nicht wahrhaben will, ihre Schwester ist verloren. Abgekommen vom Weg. âImperator, was soll ich bloĂ tun? Gib mir Kraft.â Redet sie sich selbst zu. Sie streicht Sire zĂ€rtlich durchs aschfarbene Haar, fast schon wie zwei Liebende. Ein Knoten in ihrer Brust zieht sich immer mehr krampfhaft zusammen, das Luft holen fĂ€llt ihre schwer, wĂ€hrenden ihre Gedanken Amok laufen. Eine einzelne TrĂ€ne des Bedauerns lĂ€uft ĂŒber ihre Wange, dann gleitet sie in einen unruhigen Schlaf der Ungewissheit, wie eine dĂŒstere Vorahnung, wĂ€hrend Sira in ihren Armen zittert, wie von einem unsichtbaren Fieber geplagt.
Der nĂ€chste Tag. Ihre Schwester Superior hat ihren Trupp aus 10 Schwestern zusammengerufen. Benedetta steht voll Entschlossenheit vor ihren handverlesenen Schwestern. Gefestigt im Glauben, ihre weiĂe RĂŒstung schimmert unwirklich in dem Licht der grĂŒnen Sonne dieses verfluchten Planeten. In der Ferne ist der konstante SchlachtenlĂ€rm zu hören, wo imperiale Truppen einen Abnutzungskampf nach Lehrbuch, gegen die MĂ€chte der Verdammnis fĂŒhren. Imperator steh uns bei.
Benedettas Gesicht ist angespannt. Eine unschöne Narbe die sich ĂŒber ihre rechte GesichtshĂ€lfte zieht, krĂ€uselt sich, wie sie es immer tut, wenn schwere Entscheidungen getroffen werden mĂŒssen. Doch dafĂŒr ist sie die Schwester Superior. In seinem Namen. âImperator gib mir deine Kraft und Weisheit.â
Dann spricht sie mit ruhiger, aber klarer, wie zu allem entschlossener Stimme. Die Stimmung innerhalb des Trupps wird in dem Bruchteil einer Sekunde todernst, jede Schwester weiĂ instinktiv das das hier kein SpaĂ ist. âEine von uns ist vom Wege abgekommen. Hat sich vom Licht unseres geliebten Imperators entfernt. Hat ihren Glauben und alles wofĂŒr wir stehen und kĂ€mpfen verraten.â Die Luft ist angefĂŒllt mit Anspannung, Augen werden zusammengekniffen, Kiefermuskel knacken. âTritt hervor Schwester Sira.â
Mit bleiernen Gliedern tritt Sira in die Mitte. Sie ist dermaĂen erschöpft, fast schon erleichtert das es alsbald vorbei sein wird. Vorbei sein muss. Vor ihrer Schwester Superior geht sie auf die Knie, dabei einen letzten flĂŒchtigen Blick ihrer stets treuen GefĂ€hrtin Bella zuwerfend. Bellas Mine ist wie versteinert, GefĂŒhle hinter der Maske unmöglich auszumachen. Bella muss all ihre Kraft aufbringen, um den Blick zu ihrer geliebten Schwester zu halten. Möchte eigentlich gar nicht erst hinsehen, muss aber fast schon zwanghaft. GefĂŒhlschaos.
Benedetta zeiht zwischenzeitlich ihr Energieschwert und legt es mit dem Finger ĂŒber der Aktivierungsrune ruhend an Siras Hals. âGestehe, UnglĂ€ubige.â Befiehlt sie gleichzeitig ruhig, aber bestimmt. Ihre Narbe jetzt nicht nur gekrĂ€uselt, sondern leicht unterbewusst zuckend. Volle Körperspannung.
âIch habe keine Entschuldigung oder ErklĂ€rung fĂŒr meine Taten. Ich bitte nicht um Verzeihung oder Gnade. Ich habe euch alle enttĂ€uscht und verraten, wie den Imperator der Menschheit.â Mit einer eigenartigen Form der Gefasstheit kommen die Worte seltsam entrĂŒckt aus ihrem Mund. Sira ist dabei ganz ruhig.
âWeder Gnade noch Vergebung sollst du durch meine Hand erfahren. Auch werden wir dich von jetzt an nicht mehr als Schwester kennen. Bete zu ihm, dass er dir trotz deiner Taten vergeben mag, Imperator der Menschheit, in seiner unergrĂŒndlichen Weisheit.â Darauf aktiviert Benedetta die Rune ihres Energieschwertes und Siras Kopf rollt, Rauch hinter sich herziehend, ĂŒber den staubigen Boden.
Keine der anderen Schwestern sagt etwas, oder verzieht eine Mine. Selbst Bella bleibt wie versteinert stehen. Doch ihr Herz. Herzschmerz fĂŒr Sira. Aber es ist noch nicht vorĂŒber. âDies ist nicht der einzige Verrat, Imperator steh uns bei. Bella, tritt auch du hervor.â Im ersten Moment verdutzt, dann aber ihre Situation wie einstudiert annehmend, tritt Bella in die Mitte, neben den enthaupteten Leichnam ihrer frĂŒheren Freundin. âSchwesterâŠ?â stammelt sie unglĂ€ubig, in dem Gesicht von Benedetta nach einer Antwort suchend die nicht dort ist. âSchweig!â Blafft diese sie ruppig, aber immer noch irgendwie kontrolliert an. âDu redest nur wenn du dazu aufgefordert wirst. Und so gestehe auch du uns deine VergehenâŠSchwester!â Das letzte Wort kommt dabei mit einem Ekel und Abscheu hervor, dass es Bella eiskalt den RĂŒcken runter lĂ€uft.
âIch habe meine Schwester verraten, als sie euch gemeldet habe. Das tut mirâŠâ Ihr wird das Wort einfach so abgeschnitten. âNein, damit du tatest nur deine Pflicht. Also höre auf dich hier selbst zu beschmutzen und gestehe endlich, im Angesicht deiner dir noch verbliebenen Schwestern.â Schnappt Benedetta jetzt sichtlich kurz angebunden. Sie will selber nur noch das dieses Debakel vorbei ist. Zwei Schwestern ihres Trupps, so unglaublich wie ungeheuerlich! Bella fĂ€llt auf ihre Knie, fĂ€ngt an zu weinen und fleht ihre Schwester Superior an. âEs tut mir leid, alles, doch bitte sagt mir was ich falsch gemacht habe.â Ungewissheit an den Grundfesten ihrer fĂŒr selbstverstĂ€ndlich gehaltenen Werte unaufhörlich nagend. Sie muss dabei an den dunklen Raum, weit entfernt von allem denken, den Sira ihr geschildert hatte. âOh Gottimperator, erbarme dich mirâŠâ denkt sie zitternd.
âDu hast deine Schwester verraten, ja, aber nicht dadurch das du sie mir gemeldet hast, sondern dadurch das DU! es nicht verhindert hast. DU! hast es zugelassen, das Zweifel in unseren Reihen erst ĂŒberhaupt wuchern konnte. Hast DEINE! Pflicht vernachlĂ€ssigt und uns alle damit gefĂ€hrdet. Unseren Glauben verraten.â Benedettas Augen funkeln jetzt mit unerschĂŒtterlicher Entschlossenheit. Alle anderen Schwestern verfolgen die Szene mit angehaltenem Atem. Die Anspannung kann man förmlich aus der Luft greifen.
âIch nehme meine Schuld an und akzeptiere jede Strafe.â TrĂ€nen laufen weiterhin ĂŒber ihre Wangen, jetzt will auch Bella, wie zuvor ihre Sira, nur noch das es vorbei ist. Ihre Schwester Superior legt die weiterhin aktivierte, knisternde Energieklinge an Bellas linken Schulterpanzer. Bella kann die davon ausgehende Hitze auf ihrer linken Wange spĂŒren. Wabernd, danach gierend verzehren zu dĂŒrfen. Der Tod jetzt nur noch Zentimeter entfernt. Bella begrĂŒĂt er förmlich und Benedetta fĂŒhrt die Klinge mit einer gezielten Bewegung.
Doch Bella ist nicht tot, stattdessen rutschen ihre sauber abgeschnittenen Schulterpanzer von ihren nackten Schultern zu beiden Seiten weg. Hervorgetretene andere Schwestern reiĂen darauf die anderen Reste ihrer ServorĂŒstung von ihr herab. Sie lĂ€sst es wie in Trance ĂŒber sich ergehen. Dabei verkĂŒndet ihre Schwester Superior. âVon heute an sollen wir dich nicht mehr als Schwester kennen. Du wirst dich unverzĂŒglich bei der Einheit der Repentias melden und bereits morgen in erster Reihe bei dem bevorstehenden Sturmangriff stehen. Möge der Imperator dir beistehen, auf deinem Weg deinen Glauben zurĂŒckzuerlangen und dich in unseren Augen wieder als wĂŒrdig zu erweisen. Mit deinem Glauben und deinem Leben.â Ihre anderen Schwestern wenden sich darauf von ihr ab, auch Benedetta wendet sich ohne weitere Emotionen von ihr ab. Alle stehen mit dem RĂŒcken ihr zugewandt. Sie ist alleine, - der dunkle Raum- nur noch in Fetzen ihrer alten Robe gehĂŒllt - nackt, verĂ€ngstigt und beschĂ€mt-, knieend auf den TrĂŒmmern ihres frĂŒheren Lebens -allein-.
Ein neuer Tag, in einem ebenso neuen Leben. Die Peitsche knallt und ihre Schwester Repentias Superior brĂŒllt. âNachvorne ihr Unseligen. Dort liegt eure Freiheit im festen Glauben. Holt sie euch!â Darauf stĂŒrmt Bella nach vorne. An ihrer Seite andere in Ungnade gefallene ehemalige Schwestern. In einige wenige Lumpen aus BĂŒĂergewand gehĂŒllt, mit Reinheitssiegeln bedeckt und einem schweren Eviscerator Kettenschwert bewaffnet. Ihr Herz weiterhin schwer in Trauer um Sira, aber ebenso aufgewĂŒhlt durch ihr eigenes Versagen. Schande, Schande und nochmals Schande. Doch jetzt hat sie ihre einmalige Chance alles wieder gut zu machen.
Vorbeilaufend an verstĂŒmmelten Körpern imperialer Soldaten. Das Schlachtfeld eine zerklĂŒftete Landschaft, aus verbrannten Feldern, blutig zerfetzen Leichenteilen und ausgebrannten imperialen Fahrzeugen. Dann ist da auch bereits der Feind. Verdrehte Abscheulichkeiten des Chaos. Der Feind der ihre geliebte Schwester ins Unheil gefĂŒhrt hatte, der sie hat versagen lassen. Bella beiĂt sich voller Anspannung auf die eigene Zunge, kann ihr eigens Blut schmecken. Am liebsten wĂŒrde sie sich gleich die eigene Zunge abbeiĂen, sprechen ist ihnen in Ungnade gefallenen sowieso nicht mehr gestattet. Spannt ihren Oberkörper an, jeden Muskel darin. Eine schwere BĂŒĂernadel die sie sich in die linke Brust ĂŒber dem Herzen zuvor gesteckt hatte, verursacht dabei einen wohligen Schmerz, der sie an Sira in ihrem Herzen zurĂŒckerinnert.
Ihre Knöchel werden weiĂ vor all der Anspannung, so fest hĂ€lt sie das Kettenschwert umklammert, dann bricht es aus ihre hervor. Auch die anderen verstoĂenen Schwestern an ihrer Seite schreien im Kampfrausch. Jede hat dabei ihre ganz eigenen GrĂŒnde, die Peitsche hinter ihnen unerbittlich am knallen. Links und rechts werden die Monster des Chaos niedergemacht. Wo imperiale Soldaten die noch am Leben sind sich vor Grauen abwenden, hacken sich die Repentias im heiligen Eifer durch die gegnerischen Reihen. Eigene Wunden und Verluste vermögen ihren Ansturm kaum zu bremsen.
Bellas Kettenschwert bellt knatternd und schneidet unnachgiebig. Verschlingt gierig fleischige Fetzen, hinterlÀsst Ruinen aus zerstörten Körpern. Noch nie zuvor hat sie sich jemals so gehen lassen in einer Schlacht. Dabei heilige Ferse an den Imperator der Menschheit entrichtend. Auch ihre anderen Schwestern stimmen in den blutigen Gesang mit ein. Kein Anspornen mit der Peitsche weiterhin nötig, beobachtet die Schwester Repentias Superior wohlwollend, wie das Werk des Imperators auf diese Weise verrichtet wird.
Einen fulminanten Blutrausch spĂ€ter ist es vorbei, alle anderen Repentias sind von den Monstern final niedergerungen worden. Keine gab sich jedoch leichtfertig geschlagen. Bella steht noch, auf zitternden Beinen, ihr Kettenschwert festgefressen in einer aufgeblĂ€hten MonstrositĂ€t, welche sie fast schon dĂ€mlich angrinst, wĂ€hrend ihr blutiger Eiter entgegenspritzt aus der Wunde die sie erst zuvor in dessen fetten Bauch geschlagen hat. Der Eiter frisst sich wĂ€hrenddessen toxisch durch ihr dĂŒnnes BĂŒĂergewand, welches ohne jeden Widerstand darauf abfĂ€llt. Die Einheitssiegel sich dabei auflösend. Ohne den Schutz ihrer sowieso nicht vorhandenen ServorĂŒstung fĂ€ngt ihre Haut darunter an Blasen zu werfen, dann sich die ersten Haut- und spĂ€ter Muskelschichten aufzulösen. Der Schmerz ist unglaublich, doch Bella lĂ€sst nicht ab. ReiĂt und zerrt weiter an ihrem Kettenschwert, tiefere Wunden so in das Monster treibend. âDu wirst mit mir gehen, Ausgeburt des Chaos!â faucht sie das Wesen an. Alles andere ist unwichtig, spielt keine Rolle mehr. Das hier ist ihr Glaube, ihre Religion, ihre Freiheit.
Als dieser Tag in dieser Schlacht zu Ende geht, patrouillieren andere Truppen der Sororitas das Schlachtfeld. Der Feind wurde geschlagen, fĂŒrs erste, aber die eigenen Verluste waren hoch. Es ist und bleibt ein Abnutzungskrieg. Bella liegt schwer verwundet neben einer aufgedunsenen DĂ€monenleiche des Nurgel. Ihr rechter Arm an der Schulter abgerissen durch die SĂ€ure des Monsters, hĂ€lt weiterhin das in der DĂ€monenleiche feststeckende Kettenschwert fest umklammert.
Auf Bellas Gesicht hat sich statt verzerrtem, intensivem Schwerz, so etwas wie Zufriedenheit eingestellt. Sie blinzelt mit blutunterlaufenen Augen, als ihre ehemalige Schwester Superior neben ihr niederkniet. Benedetta legt eine gepanzerte Hand auf ihre schwitzige Stirn. âSchwesterâŠâ lĂ€sst sie das Wort so gĂŒtig stehen. âSchwesterâŠâ presst Bella erleichtert hervor. So endlos erleichtert. Benedettas Blick huscht zu einer nahen Sister Hospitaller, doch diese schĂŒttelt nur betroffen den Kopf. Mehr muss Benedetta nicht wissen. Sie streicht Bella noch einmal durch das schwitzig-blutige Haar. âDu wirst ihn jetzt gleich gegenĂŒberstehen. Frohlocke Schwester.â âUnsere Schwester!â stimmen andere ihrer herangenahten Schwestern gebetsartig mit ein. Welch wundervoller Gesang, in seinem Namen. Dann aktiviert Benedetta noch einmal die Rune ihres Energieschwertes und Bella ist frei. Frei in ihrem Glauben. Frei in ihrer Pflicht. Frei als eine Schwester. Frei. Und dies nicht allein.