40k Wer hungert...

Sniperjack

Fluffnatiker
Ja danke auch. Ich danke auch für die Quasi-Zusammenfassung.
Abgesehen von den wenigen textlichen Fehlern, ist das eine wirklich eine gut ausgeschmückte Geschichte.
Ich mag ja solche ausschweifende Geschichten, welche das World-Building darstellen.
Also wo die Firmengeschichte eines Mutternherstellers und seines direkten Konkurrenten einen Schraubenhersteller beschrieben wird, dessen Verbindung das Schiff gerade zusammenhält, auf den die Charaktere unterwegs sind ;)
Als ich selber noch Rollenspielabenteuer geschrieben habe, habe ich mich auch in solchen ausufernden Beschreibungen vertieft. Für mich als Meister, erleichterte das auch das Improvisieren, wenn die Spieler sich gerade nicht an Skript halten wollten.
Habe für meine große Kampagne einen ganzen Raumsektor + die wichtigsten Sonnensystem + Lokalitäten beschrieben und auch aufskizziert. Gibt sogar einen kleinen Comic-Strip.
Irgendwann grabe ich das mal wieder aus und überarbeite das.
 

FuNi

Aushilfspinsler
So würde es also enden. Er wischte sich einen Faden Blut vom Mundwinkel, wo er sich bei einer nahen Detonation unfreiwillig auf die Lippe gebissen hatte.
Er hatte einen Namen, natürlich hatte er den. Aber dieser spielte jetzt keine Rolle mehr.
Er würde bald sterben, im Kreise seiner Brüder und Schwestern, seiner Kinder und Anverwandten. Was kümmerten da die Bezeichnungen, die auf irgendwelchen Ausweisdokumenten gestanden hätten, wenn er eine reguläre ID gehabt hätte?
Sie hatten die Halle verloren, daran gab es nichts mehr zu rütteln. Auf der Seite des Zugangs drängten jetzt mehr und mehr Büttel der Unterdrücke in das Kampfgebiet und übermannten die dortigen Kämpfer. Es gab noch verbissenen Widerstand seiner Mitstreiter, aber man musste nicht seine Ausbildung genossen haben, um zu erkennen, dass hier alles nur noch eine Sache von Minuten sein konnte. Das Wenige, was noch an Männern und Frauen im Bulldock gewesen war, schleppte nun die Reste an Waffen und Munition herbei, um die letzten Augenblicke des Kampfes beginnen zu lassen.
Er selbst überprüfte noch einmal das Magazin seiner klobigen Automatikpistole und zog dann die gebogene Klinge. Trotz dieser doppelten Bewaffnung hatte er noch einen Arm frei, um sich geschickt von der Ladeluke des Frachtfliegers herabzuschwingen und auf dem Trümmerboden der Halle aufzukommen. Für seine Aufgabe war er mit drei Armen beschenkt worden.
Die beim Bulldock Zurückbleibenden musste er nicht mehr mit Worten anspornen oder ermutigen. Sie summten und zwitscherten in seinem Kopf, erfüllten ihn mit dem Brummen eines Bienenstaates. Ihre Angst und ihr Schmerz, aber auch ihre ewige, bedingungslose Bereitschaft zur Selbstopferung.
Er ließ sie ihren letzten Kampf alleine kämpfen und machte sich auf zur Nadel.
Viel hatten sie erreicht. Den Papiertiger hatten sie zerrissen. Die hohen Herren und Damen, die sich für unantastbar hielten, weil sie diese Fehleinschätzung der Realität oft genug wiederholt hatten. Sie waren es nicht. Gleichsam zielstrebig wie vorsichtig, huschte er über die Bugwelle aus Holz, Beton, zerschlagener Einrichtung und Bodendielen, die der Bulldock aufgeworfen hatte. Weder hatten sie ihre kostbaren Transporter richtig beschützen können, noch die Zusammenkunft ihrer Verbrecherbosse.
Effizienter wäre es natürlich gewesen, wenn dem zweiten Bulldock, der die Deflektorkuppel zerstört hatte, der andere als weitere fliegende Bombe gefolgt wäre. Allerdings hatten sie nicht genügend Sprengstoff gehabt, um beide Vehikel mit dem zu bestücken, was eine ausreichend große Detonation zum Bezwingen eines antiken Deflektorsschildes bedingt hätte. Eine Fehlkalkulation hätte lediglich zwei ineffektive Bomben bedeutet. Außerdem war ihr persönlicher Angriff ein Symbol, ein Fanal, tausendmal wirkmächtiger als ein schnödes in die Luftsprengen.
Apropos Fanal und Symbol, was sah er denn da?
Unter einem Haufen aus ehemals sündhaft teurer Edelhölzer, die jetzt bestenfalls Wert als Brennholz hatten, kroch ein Mann hervor.
Er kannte diesen Mann und sein schmaler Mund wurde zu einem breiten Grinsen, in dem Perlmuttzähne blitzten.
Oh... und wie er diesen Kerl kannte.
Sie waren jahrelang auf diese Aktion vorbereitet worden. Sie hatten trainiert und geübt und sich die Prozeduren und Abläufe eines Adelsrates solange angesehen, bis sie geglaubt hatten, bei jedem einzelnen in den letzten Jahrhunderten dabei gewesen zu sein.
Auch ihre Opfer hatten sie natürlich aus der Ferne studiert. Während die Reichen, Mächtigen und ach so Schönen in ihren Seidenkissen schliefen und Delikatessen von anderen Welten in sich hineinschaufelten, hatten, von der Arbeit schmutzige Finger und verkrustete Klauen Berichte, Artikel und Klatschmagazine in das trübe Licht von Öllampen und Elektrokerzen gehalten.
Während die auf Partys und Empfängen ihre eigene Existenzverschwendung zelebriert hatten, hatten er und seine Schar alles über sie verschlungen, wie die größten nur auf Koron wandelnden Fans.
Auch sie wollten die Objekte ihrer Begierde gerne persönlich kennenlernen, je näher umso besser.
Ihm wurde dieses Geschenk in den letzten Minuten seines Lebens nun tatsächlich gemacht.
Baron Vladimir Orsius höchst selbst.
Oberster des mächtigsten Aldeslhauses Korons, stolz und erhaben. Zumindest war er das gewesen. Denn da kroch ein schmutziger und verängstigter Mann auf allen Vieren. Die Seidenroben zerrissen und staubig. Der erste Impuls war es diesen obersten aller Sklaventreiber mit einer Salve aus der Maschinenpistole niederzustrecken. Aber wäre das nicht eine furchtbare Verschwendung des Augenblicks gewesen?
Nein, eine solche Gabe musste genossen werden, auch wenn ringsherum die Welt einstürzte.
Oder besser, gerade deswegen.
Geduckt eilte er auf den Baron zu. Dieser sah sich hastig um. Ängstlich und verwirrt.
Dann fiel sein Blick auf den, der da wie ein geduckter Panther nahte. Der Kehle des Barons entrang sich ein ängstliches Wimmern und er versuchte sich aufzurappeln, verfing sich aber in den zerfetzten Prachtgewändern. Also kroch er noch ein paar Meter auf allen Vieren, bevor das Schicksal seinen Schatten auf ihn warf.
"Euer Gnaden!" Der Angreifer legte seine Klauenhand wie einen Schraubstock von oben um den Schädel des Barons und brachte das eigene Gesicht ganz nah an das des Orsius.
"Welche Ehre euch hier zu sehen." Speichel flog von seinen Lippen und benetzte die Wange des Adligen. Der verdrehte die Augen aus Angst und Ekel bis ins Weiße.
"Ich habe so viel über dich gelesen Vladimir… so viel." Zwischen den spitzen Zähnen kam eine schwarze Zunge wie eine fette Schlange hervor und strich über die Wange des Barons. Sie nahm Blut, Staub, Schweiß und die eigene Spucke mit Genuss auf.
"Wir haben all das hier wegen Euch gemacht. Nur wegen Euch. Wir wollten Euch zeigen wie es ist in Angst zu leben… zerfleischt und zerfetzt zu werden. Ausgepresst!" Dabei drückte er mit der Klauenhand zu, dass es vernehmlich im Schädel des Barons knackte und dieser unter Schmerzen aufschrie.
"Psssst, pssst es wird alles gut, Vladimir.
Du und ich werden das nicht mehr erleben, aber jetzt bricht eine neue, eine wunderbare Zeit an. Wir werden euch auf den Abfallhaufen der Geschichte schmeißen und Koron wird blühen und in einen neuen Zustand der Glückseligkeit eingehen."
"Bitte…" Stammelte der Führer des Hauses Orsius.
"Nein, Vladimir mach diesen Augenblick nicht kaputt.
Genieße ihn.
Das hier... das ist Geschichte."
Ihre Kultur des Untergrundes und des Widerstands schuf nicht viele materielle Dinge. Sie nutzten und zweckentfremdeten, aber produzierten nicht. Eine Ausnahme von dieser Regel war das gezahnte Langmesser, das er jetzt an den Hals des Barons setzte. Es war gebogen und die Klinge unterbrochen wie das Rückgrat eines Alten.
Er begann zu schneiden.
Schnell und mit viel Krafteinsatz.
Das Wimmern des Barons ging in ein feuchtes Gurgeln über und war längst verstummt, als sich das Messer durch die Halswirbel sägte.
Der Kopf löste sich schmatzend vom Rumpf und er sah sich sein Werk an.
Wie wenig Würde war in diesem Klumpen Fleisch jetzt noch? Der Blick schwachsinnig verdreht, die Züge schlaff und blutleer.
Er verspürte Befriedigung und Triumph und war sich doch gleichzeitig darüber im Klaren, dass er schon sehr bald das Schicksal des Orsius teilen würde. Der Unterschied dabei war, das er letztendlich auf der richtigen, auf der gerechten Seite der Historie bestattet werden würde.
Einige unter ihnen glaubten an die große Transzendenz, in welcher sie am Ende der Zeit alle vereint sein würden. Freunde wie Feinde.
Er nicht. Ihm war klar, dass sein Tod etwas endgültiges sein würde und das war gut so. Denn das bedeutete im Umkehrschluss, dass auch der Tod Vladimir Orsius und seiner ganzen verdammten Brut endgültig war.
Eigentlich hatte er vorgehabt sich zur Nadel durchzuschlagen und sich dort den letzten Versuchen anzuschließen, den Gouverneur zu erwischen. Aber es sah so aus, als würde daraus nichts mehr werden.
Ihre Feinde kontrollierten bereits den Bereich um den Eingang und machten sich systematisch daran sie zu vernichten.
Er zog einen Mundwinkel hoch und lächelte verächtlich. Die ohnmächtige Wut des Herren, der die Ohrfeige ins Gesicht nicht mehr ungeschehen machen konnte. Ganz gleich wie zornig er danach auf den Aufrührer einprügelte.
Sie etablierten jetzt Schusskorridore, ganz nach Handbuch.
Er würde nicht mehr zu Nadel durchkommen. Also warum nicht noch ein letztes Mal auf den zweiköpfigen Adler pissen?
Er eilte ein Stück zurück und erkletterte den Hügel aus Schutt, den die Nase des Bulldocks aufgeschüttet hatte. Ein Schuss traf ihn dabei in den Oberschenkel, aber er ignorierte ihn.
Auf der Spitze, direkt unter dem deformierten Bug des Flieger angelangt, feuerte er seine Pistole in die ungefähre Richtung der PVSler leer, reckte dann sein blutiges Langmesser und den abgeschnittenen Kopf des Hauses Orisus in die schmauchschwere Luft.
Was sich seiner Kehle entrang, war eine Mischung aus animalischen Brüllen und heiseren Gelächter. Die Blicke der noch atmenden Angreifer richteten sich auf ihn und stimmten in das Geheul ein. Es waren wenige, klägliche Inseln der Freude, die zusehends zum Verstummen gebracht wurden.
Dann trafen die Schüsse.
Sein gepanzerter Thorax leistete einigen Widerstand, konnte das Unvermeidbare aber nur hinauszögern. Lange Sekunden bewahrte er die Pose des Siegers in der Niederlage, während sein Körper unter den Treffern erbebte. Dann brach ein Kopfschuss alles Wollen und er fiel leblos zu Boden.
Der Kopf des Hauses Orsius rollte die Aufschüttung hinab.

An dieser Stelle hätte der Kampf in der Ratshalle beendet werden können. Ein Schlussstrich mit großer symbolischer Geste. Aber solche Dinge geschahen für gewöhnlich nun einmal nur in Groschenromanen oder Propagandavids.
An einigen Positionen hatten sich die Angreifer verschanzt und kämpften bis zur letzten Patrone. Die PVS stürmte diese letzten Stellungen und fand meistens nur Tote, die entweder im Kampf gefallen waren oder die finalen Lichtschüsse und Kugeln gegen sich selbst gerichtet hatten. Eine Handvoll Gefangener wurde dennoch gemacht und lediglich Bewusstlosigkeit oder extreme Verletzung verhinderten, dass sich diese selbst richteten.
Eines der riesigen Monster zählte auch zu diesen Gefangenen. Es war durch eine Granate schrecklich zugerichtet. Es fehlte faktische die gesamte linke Seite der Bestie und dennoch lebte es. Zumindest bis ein Bolterschuss, abgegeben mehr aus Abscheu denn aus Mitleid, das unwürdige Leben der Spottgeburt beendete. Der Schock der eintreffenden Verstärkung saß tief. Sanitäter fanden Leichen, die sich zu Bergen aufstapelten. Im Eingangsbereich, aber auch zwischen den zerschossenen und zersprengten Sitzreihen. Hier und da ein Lebender, ein Übriggebliebener. Aber alles in Allem Tote, nichts als Tote.
Unter diesen waren Gesichter, welche die Sanitäter nur aus der Zeitung oder aus Rundfunksendungen kannten. Die Häupter eines ganzen Planeten.
Mit Bangen näherten sich die Einsatzgruppen der Nadel. Was sie durch den Schleier aus Rauch und Pulverdampf für eine Barrikade hielten, errichtet von der tapferen Leibgarde des Gouverneurs, stellte sich als ein Ring aus leblosen Leibern heraus. Angreifer wie Verteidiger, noch im Tode nach dem jeweils anderen krallend.
Unter den Leichen fand man auch Oleg Olegfejewitsch, den die Bestie mit dem Intustrieschmelzer wohl am Ende besiegt und aus sicherer Entfernung verbrannt hatte. Wie um sein Opfer zu würdigen, waren der rechte Arm, Teile der Schulter und das Gesicht jedoch unversehrt, wo der Rest seines Leibes zu schwarzer Kohle verglüht war. In der noch vorhandenen Hand hielt er den Karabela, auf dem schwarzes Blut funkelte.
Auf Onkelchen Olegs Gesicht lag ein Lächeln.
Der Eingang zur Nadel musste mühsam freigeräumt werden. Kadaver, hauptsächlich die der Angreifer, verstopften ihn bis zum Türsturz. Selbst an der Außenseite der Nadel hingen Tote wie makabreres Zierwerk. Sie hatten versucht, die Gouverneursloge zu erklettern, teils mit Kletterausrüstung, teils ihrer Klauen und Krallen. Als man sie erschossen hatte, waren sie an Ort und Stelle hängen geblieben und ihr Blut lief in langen Tränen den Stein herab. Nach mehr als einer Stunde war der Zugang so weit freigeräumt, dass man ins Innere des Treppenaufgangs rufen konnte.
“Lebt da drinnen noch jemand?” Hallte die zitternde Frage die Treppen empor, die ein Teppich aus leblosen bedeckte. Langes Schweigen, dann die ersehnte Antwort.
Ja, kam es durch die ozonheiße Luft.
Der Gouverneur und seine Frau sind wohl auf. Außerdem acht Opritschniki.
Terra sei gepriesen!
 
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