Achja, da war doch was.... leider auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber vielleicht komm ich jetzt doch wieder öfters zum schreiben.
Tech-Adeptin Ligia Kiera lies die Prüfalgorithmen ein weiteres Mal durchlaufen. Es musste sich einfach um einen Fehler handeln. Sie hatte Meldungen von mehreren Schleusen in den unteren Ebenen bekommen, die zunächst auf einen verlangsamten Fluss hindeuteten. Dies war nicht ungewöhnlich, der Missbrauch der Kanalisation zur Entsorgung ungeigneter Gegenstände und die darauf folgenden Verstopfungen gehörten zu ihren alltäglichen Problemen. Was sie stutzig machte, war dass sich der Durchlauf an den Schleusen nach kurzer Zeit erst normalisierte und seitdem sogar langsam, aber kontinuierlich anstieg. Seit nun bald 10 Jahren war sie der Kontrolle der Abwassersysteme zugewiesen und es hatte nicht ein einziges Mal ein vergleichbares Phänomen gegeben. Obwohl sie sich die Ursache der Meldungen noch nicht erklären konnte, spürte sie die Aufregung. Dieser Posten war eine Strafe und dieses Phänomen stellte für sie die erste Herausforderung seit ihrer Ankunft dar. Ein winziger Funken Hoffnung, dieses Loch letztendlich verlassen zu können und doch noch Chancen auf einen höheren Posten zu ergattern.
Die Ergebnisse der Prüfalgorithmen liefen ein und bestätigten die vorherigen Meldungen. Auf diesem Weg kam sie nicht weiter, sie brauchte mehr Daten. Mit einem Gedankenimpuls startete sie ein Dutzend Wartungsservitoren, die sie in Zweiergruppen zu den betroffenen Schleusen schickte. Routiniert griff sie nach dem Werkzeugkasten hinter sich, verließ ihre Kontrollkanzel und machte sich auf den Weg zu den Wartungsschächten in die unteren Ebenen.
Ligia mochte die unteren Ebenen. Auch wenn ihr Zustand größtenteils alles andere als vorschriftsgemäß war, fanden sich doch überall Monumente für die unerreichte Baukunst des Mechanicus. Die meisten konnten es hinter all dem Unrat, den die Gestalten hier unten hinterließen, nicht erkennen, doch die Basis der Untermakropole wurde nach wie vor durch die imensen Strukturen des Mechanicus gebildet. Dies war vermutlich auch der einzige Grund, warum sie sich hier alleine runtertraute. Die Schächte und Wege die sie nutzte, waren mit wenigen Ausnahmen für den Abschaum der Gesellschaft weder sichtbar noch zugänglich.
Ihre Sensorik zeigte an, dass sie sich bereits 4 Ebenen nach unten bewegt hatte, die nächstgelegene Schleuse lag nur noch eine Ebene weiter. Sie durchquerte eine weitere Wartungsschleuse, als ihr bewußt wurde das sie diesen Wartungsbereich bisher noch nie betreten hatte. Für gewöhnlich war ihre Anwesenheit sowieso nicht vonnöten, doch heute wollte sie sich ein persönliches Bild machen. Während sie den Wartungsschacht hinabkletterte, glich sie kontinuierlich ihre gespeicherten Daten mit dem Bild das sich ihr vor Ort bot ab. Hätte sie nur die Möglichkeiten, würde hier einiges anders aussehen. Sie hatte immer versucht das beste aus ihrer Situation zu machen und ihre Speicher waren voll mit Optimierungsmaßnahmen, die viele der Abwasserprobleme in den unteren Bereichen lösen würden. Wie sich herausgestellt hatte, war das Interesse ihrer Vorgesetzten an den unteren Bereichen allerdings eher nicht existent.
Ihr Display zeigte ihr an, dass die Servitoren bereits vor Ort eingetroffen waren. Sie bog um eine Ecke und konnte die vielgliedrigen Gestalten bereits an der Wartungsluke erkennen. Ein kleiner binärer Impuls und die Servitoren begannen ihr Werk. Das Quietschen der Zahnräder hallte durch den langen Gang. Langsam hob sich die Wartungsluke und Ligia trat vor um sich eine bessere Sicht zu verschaffen. Eine dunkle, undurchlässige Schicht verwehrte ihr den Blick in den Kanal. Dennoch konnte sie die leichten Bewegungen der Schicht wahrnehmen, die auf einen Strom dahinter deuteten. Der Tag wurde immer interessanter. Vorsichtig näherte sie das Skalpell ihres Wartungsmechandriten der Schicht und setzte zu einem Schnitt an, den ein Chirurge nicht präziser setzten könnte. Der Moment, in dem sie die Membran durchstach, dehnte sich für sie zu einer Ewigkeit. Ihre Ohren wurden von einem Moment auf den anderen von einem immer lauter werdenden Rauschen betäubt und ein Kribbeln zog sich durch ihren gesamten Körper. Der Optimismus mit dem sie die Vorkomnisse des Tages bisher betrachtete hatte, war wie weggefegt und Panik begann sich in ihr auszubreiten. Hastig versuchte sie das Skalpell zurückzuziehen und die Membran wieder zu verschließen. Doch sowie sie das eine Ende der Membran verschloß, schien sich das andere wieder aufzutun. Verzweifelt sah sie mit an, wie sich der Schnitt immer weiter auf eine unerklärlich organische Weise öffnete und sich nun Ströme von Blut aus der Öffnung über die gesamte Außenseite des Kanals zogen. In dem Moment in dem ihr klarwurde, das es sich hierbei nicht um eine einfache Störung handelte, war ihr bewußt das ihre Tage gezählt waren. Sie wußte was sie zu tun hatte.
Während die ersten Blutstropfen aus ihren Augen, ihren Ohren und ihrer Nase drängten, lenkte sie die volle Energie ihrer Spulen auf ihr mechnisches Auge und ihre Sendeeinheit. Sie fixierte ihre strukturellen Implantate, sodass ihr Okulus-Implantat dauerhaft auf die Öffnung gerichtet war. Das Blut zog sich nun bereits aus allen anderen organischen Bestandteilen ihres Körpers. Sie fluchte innerlich, dass ihr nie die Ehre zuteil wurde mehr davon zu ersetzen. Langsam sah sie ihren Blutströmen nach, die sich mit der unfassbaren Masse die durch die Rohre pumpte vereinigten. Eine letzte Berechnung anhand der Zeitpunkte und Anzahl der Störungen, sowie der Flußmengen, legte ihr nahe, dass bereits tausende ihr Blut vergossen haben mussten.
Unvorbereitet wurde Magos Moretus aus seinen Arbeiten gezogen. Eine Prioritätsnachricht von Tech-Adeptin Ligia hatte sich in sein Bewußtsein gedrängt. Sicherlich nur ein weiterer ihrer unsinnigen Vorschläge. Er hätte ihr den Priorisierungscode niemals geben dürfen. Er schob die Nachricht, mit der Notiz die Adeptin zu tadeln, an den Rand seines Bewußtseins und gab sich wieder seinen Arbeiten hin.
Doch er kam nicht weit, denn seine ausgelagerten Routinen fanden Unstimmigkeiten in der Nachricht und erhöhten die Priorität erneut. Verärgert seine Arbeit nicht fortführen zu können, rief er die Nachricht auf. Was er sah lies die wenigen organischen Bestandteile die sein Körper noch vorzuweisen hatte frösteln. So groß das Wissen des Adeptus Mechanicus auch war, gab es eine Grenze die sie nie überschreiten würden. Die Künste des Warp. Dies war offensichtlich Arbeit für den heiligen Orden der Inquisition.