es muss doch gründe dafür geben, dass GW marktführer ist oder?
Ich denke mal, dass der Erfolg von GW vor allem in der Firmengeschichte zu suchen ist. In den 80ern und 90ern hatte die Firma einiges an Konkurrenz, die mit ähnlich guten Systemen aufwarteten. Im SciFi-Bereich gab es da z.B. Warzone von Target Games oder Void von i-Kore. Im Fantasybereich kenne ich mich jetzt nicht so gut aus, da fällt mir spontan Battlesystem von TSR ein.
Warum existiert jetzt nur noch GW mit seinen Systemen? Ich denke, dass es vor allem daran liegt, dass GW ein sehr umfassendes Sortiment erstellt hat und dieses sehr gut über die unabhängigen Hobbyläden anpries, besser jedenfalls als die Konkurrenz. Dazu kam der langsame Aufbau eines eigenen Ladennetzes, der ausschließlich die eigenen Produkte vermarktet.
Außerdem konzentrierte sich die Firma auf das Tabletop und führte es nicht neben Rollenspielprodukten wie Target Games oder gar als Erweiterung dieser wie TSR.
In diesem Zusammenhang expandierte GW auch relativ früh. Zuerst ein Garagenvertrieb einer Rollenspielzeitschrift und der AD&D-Produkte, schloss sich GW mit Zinnfigurenschmieden wie Citadel oder Marauder zusammen bzw. kaufte diese auf. Somit holte sich GW erfolgreich bestehende Kapazitäten ins Haus. Auf der anderen Seite wurden Kapazitäten ausgelagert, indem bei anderen Verlagen die Romane zum Spiel oder im späteren Verlauf das Rollenspiel herausgegeben wurden, außerdem wurden Lizenzen an Kleinfirmen wie Armorcast oder Epicast vergeben. Somit hatte GW ein Kerngeschäft und konnte durch andere Firmen zusätzliches Material veröffentlichen. Das Matreial des Kerngeschäfts wurde außerdem relativ früh in andere Sprachen übersetzt, um so den internationalen Markt zu bedienen.
Der wichtigste Schritt war meiner Ansicht nach der im TT-Sektor sehr frühe Schritt zu Kunststofffiguren, so dass recht günstig variable Miniaturen verkauft werden konnten. Die meisten anderen Firmen taten diesen Schritt gar nicht oder nur in kleinem Maße, da er hohe Investitionen verlangte.
Ich denke, dass es diese Faktoren waren, die dafür sorgten, dass GW als einzige nennenswerte Firma im TT-Sektor die 90er gut überstand. Alle anderen Firmen konnten ihren Marktanteil nicht erkämpfen bzw. nicht halten, was trotz ähnlich guter Regeln nicht zum Überleben der Firmen oder Systeme half. GW profitierte als davon, dass sie durch das Absterben der Konkurrenz als Marktführer etabliert wurden. Und hiervon zehr GW noch immer. Die fest etablierten Systeme mussten von der Konkurrenz, die allmählich nachwuchs, erst einmal angegangen werden. Und das ist wegen der gefestigten Position GWs und der international verbreiteten Spielerschaft nicht einfach. Gerade der Niedergang etlicher kleiner TT-Firmen macht die Spieler vorsichtig. Bei GW weiß man, dass sie ihren Markt haben und dass es für die Systeme auch in der Zukunft Support geben wird. Außerdem gibt es überall Spieler und Läden, die den Kram führen. Durch die Verbreitung sind die GW-Systeme eben jene, die zuerst ins Auge fallen, dann kommt evtl. die Konkurrenz.
Wie viele Läden gibt es denn, die meinetwegen Warmachine/Hordes führen, jedoch kein GW? Das sind wohl deutlich weniger als umgekehrt. Und bei den Spielern sieht es ähnlich aus. Ich kenne kaum Spieler, die mit einem anderen System als etwas von GW eingestiegen sind, Battletech mal außen vorgelassen.
Insgesamt möchte ich sagen, dass GW keine überragende Marketingstrategie hat und auch nicht bessere Systeme als die Konkurrenz. Sie haben es nur geschafft, die alte Konkurrenz zu überleben und sich dadurch den Markt zu sichern, was dazu führte, dass GW (noch) der Marktführer ist, auch wenn die Konkurrenz deutlich gewachsen ist.
Ach ja, was noch die fehlende Werbung GWs außerhalb angeht: Sicher, man sieht nur in Läden die Werbung und findet in anderen Zeitschriften keine Anzeigen für WFB, HdR oder 40k. Die Werbung läuft jedoch über andere Wege. Die Firma hat mit DoW und anderen Computerspielen externer Entwickler einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht und die Romane stehen in vielen Buchläden. Auch hatte die Sammelreihe "Strategiespiele in Mittelerde", die sich in jedem Zeitschriftenladen fand, viel Werbung für GW gemacht.
Um den Bogen zum eigentlichen Thema zurückzuspannen und nicht des Spammens verdächtigt zu werden, wenn sich die Regeln als authentisch herausstellen, dann wäre das auf jeden Fall eine Chance für GW, im SciFi-Bereich die Marktstellung festigen. Die Regeln greifen nämlich viele der Schwächen der letzten Editionen auf und bügeln sie aus. Dadurch könnten nicht nur wankelnde Spieler gehalten werden, auch könnten ehemalige Spieler wieder zurückgewonnen werden.