[Archiv] [Storywettbewerb II 2011] [W40K] "Von Sehnen und Sucht"

Sarash

Hüter des Zinns
08. Dezember 2007
2.894
1
22.141
Das schrille Heulen der Alarmsirene riss ihn unsanft aus dem Schlaf. Er ächzte und murrte etwas vor sich hin, bevor er langsam innerlich bis fünf zählte. Nun begann der Krach auf den Fluren und das laute Brüllen von Befehlen war zu vernehmen. Noch immer trunken vor Schlaf zählte er erneut bis fünf, griff nach seinem Kissen und schleuderte es in Richtung Tür. Wie beinahe jeden Morgen in der vergangenen Zeit traf er seinen Assistenten am Kopf und zwang diesen so zu einem taktischen Rückzug. Kurz nach dem Aufwachen war er ungenießbar, vor allem an Morgen wie diesem. Sie kamen einfach zu häufig vor. Sein Assistent wusste dies nur zu gut, war die Platzwunde an seiner Stirn doch noch immer nicht gänzlich verheilt. Am Ersten dieser unsäglichen Morgen hatte ihm kein Kissen, sondern viel mehr ein Wasserkrug sein stürmisches Eintreten beantwortet. Und doch platzte er jedes mal erneut in das Zimmer seines Chefs, wenn der Alarm losging, um nach dem Rechten zu sehen. Wenigstens war er pflichtbewusst, dachte sich der Schlafende und hatte daher wohl auch auf den Wasserkrug verzichtet. Aber dieser unnütze Alarm, der mindestens vier oder fünf mal die Woche wie eine urbaner Hahn zu den unmöglichsten Zeiten aufjaulte, bereitete ihm im wahrsten Sinne des Wortes stetig mehr und mehr Kopfschmerzen. Doch es half nichts. Er wusste, dass er bereits erwartet wurde. Mühselig und mit steifen Gliedern quälte er sich in eine sitzende Lage und rieb sich die Augen.„Maaaaarcuuuus“, brüllte er mit erwachter Kraft und altem Ärger.

Prompt öffnete Marcus die, aus einem einzigen massiven Stück Nalholz gefertigte, Tür und seine kleine, hagere Gestalt huschte wie ein Schatten hinein in den dunklen Raum.
„Soll ich Licht machen, Herr?“, fragte er leise und versuchte sich dabei so wenig wie möglich zu bewegen, um seine Position nicht zu verraten. Nicht das der Wasserkrug doch noch einmal flog.
„Ja bitte Marcus. Und verzeih mir die erneute Attacke, aber dieser Alarm macht mich noch wahnsinnig. Ich stehe auf, ich gehe zu den anderen in den Saal, sie haben noch vor meiner Ankunft festgestellt, dass es ein erneuter kleinerer Aufstand war und ich bin wieder einmal viele Stunden zu früh aufgestanden für eine Erkenntnis, die jeder noch so primitive Servitor in diesem Haus erbringen könnte.“ Marcus schwieg, wusste er doch, dass keine Antwort erwartet wurde. Stattdessen aktivierte er die Raumbeleuchtung und suchte die Kleidungsstücke seines Herrn zusammen. Wie jeden Morgen lagen sie quer im Raum verteilt und waren teils sehr großzügig mit Alkohol getränkt.
Seit sie auf dieser Welt waren, hatte sich sein Alkoholkonsum drastisch erhöht. Und mit jedem Tag, den sie länger hier blieben, wurde es schlimmer. Marcus fragte sich oft, wie lange der Körper seines Herrn das noch mitmachen würde. Vor allem, da er kaum aß und durch die ständigen Alarme wenig Schlaf bekam. Nur noch ein Schatten seiner selbst, ja seiner einstigen Größe. Marcus dachte daran zurück wie er den großen Gregorian Than kennen gelernt hatte und in seine Dienste getreten war.
Er selbst war ein Architekt mit hervorragendem Abschluss, aber sein Herr und Lehrer blieb unerreicht. Im ganzen Imperium war er bekannt für seine hervorragende Kriegsarchitektur. Ausgebildet von den besten Lehrmeistern auf Terra. Sogar Vertreter der Imperial Fists sollen dazu gehört haben. Und auch wenn man sich viel erzählte, so war sich Marcus doch in jedem Fall der absoluten Kompetenz Than's sicher. Doch dieser Mann schien kaum noch zu existieren, verschwand immer mehr in einem Nebel aus Amasec und Depressionen.

Seit zwei Jahren waren sie nun hier. Zwei verdammte Jahre. Gregorian hatte diesen Planeten so dermaßen satt. Die felsige Einöde durchbrachen nur die Makropolen, die sich wie Oasen aus Beton und Stahl aus dem staubigen Boden erhoben und gen Himmel reckten. Denn unter der roten Erde verbargen sich gigantische Ölvorkommen, die den Planeten nicht nur ungeheuer wichtig für den Sektor und das Imperium, sondern auch zu einem Ziel mit Leuchtreklame für dessen Feinde machten. Und wer könnte diesen Planeten besser befestigen für das, was auch immer kommen möge, als der gefeierte Architekt Gregorian Than. Hätte er doch abgelehnt. Seine Karriere einfach beendet. Unzählige Welten hatte er befestigt. Hatte sie stark gemacht gegen die Feinde des Imperators. Doch nie hatte er erleben können, wie sich seine Bauwerke tatsächlich schlugen. Kaum war er mit den Arbeiten fertig, schleppte ihn das Departmento Munitorum zu einer neuen Welt, die betoniert werden sollte. In ihm erwachte mehr und mehr eine Art Sehnsucht nach Krieg, einer Bewährungsprobe für ihn und seine monumentalen Kreationen aus Beton und Stahl. Er wollte Bestätigung für seine Arbeit, wollte einen Sinn für seine Arbeit. Für was waren Festungen gut, wenn niemand sie belagerte? Und je mehr er sich in dieser Sehnsucht verlor, umso mehr verblasste dabei das Sehnen. Übrig blieb die nur die Sucht nach Bestätigung. Anerkennung hatte er genug, doch wofür? Die meisten seiner Festungen überdauerten die Kriege unangetastet. So sehr hatte er gehofft, dass sich dies in diesem Sektor endlich ändern würde. Doch die Alarmsirene war der einzige Feind den er gefunden hatte.
„Wann hört denn diese verdammte Sirene endlich auf“, brüllte er und erhob sich von seinem Bett.
Gregorian war ein großer Mann, schlank gebaut und sein Gesicht hatte gewisse Züge, die seine Betrachter sofort an einen Adligen denken ließen. In jungen Jahren hatte er viele Frauen gehabt, die sowohl von seiner Prominenz als auch von seinem Aussehen angetan waren. Doch auch dies war mit jeder neuen Welt geschwunden. Jetzt war der Amasec seine Geliebte. Nicht mehr lange und er würde den Lauf einer Laserpistole im Mund stecken haben. Seinen genialen Verstand könnte sie von den Wänden kratzen, seinen leblosen Körper aus den leeren Flaschen ziehen. Das Ende einer Legende, die nie eine seien wollte.
„Herr? Alles in Ordnung mit Euch?“ Mit seiner Stimme riss Marcus ihn aus den Gedanken. Viel zu oft saß er so grübelnd da, befand der Diener. Er reichte dem Architekten frische Wäsche und machte sich daran, dass Zimmer aufzuräumen. So gut es ging versuchte er das Übel vor den anderen im Haus zu verbergen. Niemand sollte sich über den großen Architekten das Maul zerreißen. Das dies bereits der Fall war verdrängte er erneut mit Arbeit. Traurig sah er Gregorian hinterher, als dieser über einige Flaschen stieg und sein Zimmer Richtung Großer Saal verließ. Wie lange konnte das noch gut gehen?

General Mikan Hgan war ein fetter Nichtsnutz. Befördert von befreundeten, bestochenen und ebenfalls nutzlosen Personen, die über zu viel Macht verfügten. Unbekümmert und mit einem großen Pokal voller Amasec saß er da auf seinem Sessel und starrte in die Leere der Wände.
Major Jhun hasste ihn. Er hasste alles, für was er stand. Korruption, Feigheit, Disziplinlosigkeit und noch viele weitere Dinge, für die er ihn am liebsten erschossen hätte. Aber Jhun war ein Soldat und Offizier durch und durch. Er vergaß niemals seine Pflichten, niemals seinen Anstand, niemals verlor er die Beherrschung. Seine Wut kochte innerlich. Von Außen blieb er immer der große, muskulöse Mustersoldat, der wie ein massiver Berg nicht zu versetzen war. Weder psychisch noch physisch. Er hatte seine Karriere als Sergeant bei den Gardisten angefangen und war schnell auf Grund besonderer Leistungen aufgestiegen. Feldbeförderungen hatten ihn dann in die Ränge der Offiziere gebracht. Um mehr Leistung zu bringen wollte er, harte Schweinehunde, wie er einer war, ausbilden und an vorderster Front wichtiger Einsätze stehen. Bei seinen Männern. Wie dumm er doch gewesen war. Der Schreibtisch war sein Schlachtfeld, die Bürokratie sein Feind. Nur selten konnte er wenigstens die Manöver der stationierten Einheiten beobachten. Unzählige Male hatte er den General darum gebeten versetzt zu werden. Viele ungelöste Versprechen hatte er bekommen, wohl wissend, dass Hgan sich nicht einmal darum bemüht hatte. Diesem elenden Fettsack war einfach alles egal. Seine größten Sorgen waren der Nachschub an Alkohol und Essen. Er hatte sogar begonnen zivile Lieferungen umzuleiten. Dabei war die Versorgung ohnehin schon schwierig, da nicht nur das wertvolle Öl, sondern auch die meisten Lebensmittel abtransportiert wurden, um die kämpfenden Einheiten im Nachbarsektor zu unterstützen. Der fast tägliche Alarm bewies, dass die Bevölkerung über diesen Umstand langsam aber sicher verärgert war. Hgan hatte ihm gesagt, er solle den Alarm doch einfach abstellen und auch die anderen Teilnehmer der Krisensitzungen hatten diesem Rat munter zugestimmt. Doch Jhun nahm seine Pflichten ernst und zum Glück war es dem General vollkommen egal, wo er besoffen war.

Gregorian wusste nicht, wer ihn mehr nervte. Der plumpe fette General, dessen Name er sich nicht merken konnte oder vielleicht sogar nicht wollte oder aber die Schrankwand von einem Major, der jeden Morgen so aussah, als er sei mit seiner Uniform frisch aus der Wäscherei gekommen. Und dann war da noch Heresh von Ghun, ein hohes Tier des Departmento Munitorums und damit einer seiner „Reiseleiter“. Von Ghun war ein Mann mittlerer Statur, mit mittlerem Aussehen und mittlerem Charakter. Ein Jedermann und somit ein perfekter Vertreter des Munitoriums. Für ihn hatte der Architekt eine Neigung entwickelt, die von entnervt langsam zu verhasst wanderte und mit jedem Tag stärker wurde. Hin und wieder bevölkerten noch andere Personen den Konferenzsaal, wie der hiesige Vertreter des Adeptus Mechanicus. Vor zwei Wochen war sogar ein Vertreter der Astartes anwesend gewesen, um die Treibstofflieferungen für seine Flotte zu bestätigen, da es in der Logistik zu einer Fehllieferung gekommen war. Das allerdings passierte in letzter Zeit häufiger, da sich die Unruhen innerhalb der Bevölkerung allmählich auch auf die Fabriken und ihre Arbeiter auswirkten. Begonnen hatte es ungefähr vor einem Jahr mit kleineren Aufständen. Danach waren immer wieder Streiks und größere Unruhen ausgebrochen. Dazwischen hatten sich einige kriminelle Banden und kultische Sekten eingenistet und die allgemeine Unzufriedenheit und das Chaos genutzt. Auf letztere machte seit etwa zwei Monaten einen Vertreter des Ordo Hereticus Jagd. War er anfangs noch regelmäßiger Teilnehmer der Konferenzen gewesen, hatte man weder ihn noch jemand aus seinem Team seit drei Wochen überhaupt gesehen. Major Jhun hatte auf eine Frage diesbezüglich seitens von Ghuns lediglich gesagt, der Inquisitor wäre bei einem Einsatz und mehr könne er nicht sagen. Gregorian war dabei nicht verborgen geblieben, dass in der Stimme des Majors eine deutliche Spur von Neid gelegen hatte. Doch wer konnte es ihm verdenken. So wie Gregorian seine Festungen in Aktion sehen wollte, so dürstete es den Major selbst in Aktion zu treten. Er war wie ein Raubtier, das zu lange in einem Käfig saß. Fürchtend, dass er irgendwann glasige Augen bekäme und seinen Antrieb verlieren würde. Es war eine Sehnsucht nach Krieg. Doch auch hier verschwand zunehmend das Sehnen und die Sucht selbst manifestierte sich durch tägliche Routinen, die einen wilden Geist besänftigen sollten, der früher oder später an seinem Gefängnis zerbrechen oder dessen Ketten sprengen würde. Was für alle Beteiligten die bessere Option darstellte, vermochte Gregorian nicht zu sagen.

„Willkommen zur heutigen Sitzung“, eröffnete Major Jhun die Runde, während sein Adjutant, ein gewisser Leuntant Lona, Datentafeln verteilte. „Wie sie den Daten entnehmen können, gab es heute in den frühen Morgenstunden erneute Übergriffe auf die Raffineriekomplexe Vier bis Acht. Die Rebellen, wir haben uns entschlossen an dieser Stelle nicht länger von Aufständischen zu sprechen, haben bei ihrem Angriff massive Schäden an den Systemleitungen hinterlassen und die Komplexe Fünf und Sieben damit für nähere Zeit außer Betrieb gesetzt. Ich muss sicherlich nicht ausschweifend erklären, dass wir uns damit an einem Wendepunkt befinden. Wir müssen härter durchgreifen und die Rädelsführer finden und ausschalten. Begegnen wir diesem Verrat länger mit Diplomatie und Beschwichtigungen, laufen wir Gefahr die Kontrolle zu verlieren. Ich möchte daher nicht nur unsere Einheiten einsetzen, sondern darüber hinaus auch den Inquisitor bitten, sich der Verfolgung der Führungselemente zu widmen.“ Mit Abschluss seiner Rede blickte der Major zum General, da er von ihm zumindest eine kleine Bestätigung erwartete. Hgan hingegen war gerade auf sein üppiges Frühstück vertieft und schaute überrascht auf, als der Major sich bewusst laut räusperte. „Was? Ähm ja natürlich leiten sie alles in die Wege Major. Wie immer vertraue ich ihrem Urteil voll und ganz.“ Die Letzten Worte vergingen in einem Schmatzen und Schlürfen.
Gregorian hätte beinahe aufgelacht auf Grund dieser monumentalen Zurschaustellung von Inkompetenz und Desinteresse. Major Jhun hingegen ballte seine Fäuste und nickte lediglich. Seine Wut musste immens sein, wenn er sich zu solch einer körperlichen Reaktion hinreißen ließ.
„Sie können natürlich mit unserer vollständigen Unterstützung rechen“. Heresh von Ghun stand auf und begab sich zum Major. „Wir sollten vielleicht...“. Das Flackern der Lichter ließ ihn inne halten. Selbst der General sah von seinem Essen auf. Dann brach die Hölle los. Der gesamte Stabskomplex wurde von massiven Erschütterungen durchzogen und verwandelte sich in einen Alptraum aus Explosionen und herabstürzenden Trümmern.
Ächzend kam Gregorian zu sich. Er spie schwarzen Schleim aus und versuchte tief einzuatmen. Qualm durchflutete seine Lungen und ließ ihn erneut röcheln. Der Saal stand in Flammen, in der Decke klaffte ein enormes Loch. „Sie leben ja noch“, hustete eine Stimme neben ihm. Gregorian drehte sich zur Seite und erblickte von Ghun, der auf allen Vieren zu ihm krabbelte. „Kommen sie wir müssen hier raus.“ Hinter von Ghun kämpfte der Major mit der Schaltkonsole der Tür. Vermutlich war sie zerstört worden. Gregorian ließ sich aufhelfen und betrachtete das Chaos.
Unter einem schweren Stahlträger waren die Überreste des Generals und des Adjutanten auszumachen. Ihre leblosen Körper, so weit man noch von Körpern sprechen konnte, wurden langsam von weiß glühenden Flammen verzehrt. „Los kommen sie“, schrie Jhun, der es geschafft die Tür zu öffnen. „ Der Raum kann jeden Moment in sich zusammenfallen“.
„Was ist denn hier los?“, dachte der Architekt laut. „Wollen wir das wirklich wissen?“, entgegnete ihm von Thun.

In der Fernmeldezentrale herrschte absolutes Chaos. Aber nicht auf Grund unzähliger Meldungen, sondern wegen absoluter Stille. „Bericht“, blaffte Major Jhun als er den Raum betrat. Seine Uniform war an dutzenden Stellen zerrissen und verbrannt.
„Die Kommunikation ist vor fünf Minuten vollkommen zusammengebrochen. Wenige Sekunden später wurde der gesamte Stabskomplex scheinbar von Langstreckenartillerie getroffen.“ Der Stabsoffizier wirkte trotz der Informationen, die er geben konnte, planlos. Ihm gingen die selben Gedanken durch den Kopf wie allen Anwesenden. Wer konnte so plötzlich so massiv angreifen.
Gregorian ließ sich auf einen Stuhl nieder sinken und nahm einen tiefen Schluck aus einer Feldflasche.
Ein statisches Knistern durchbrach die chaotische Stille. Eines der Funkgeräte erwachte zum Leben.
Mehr statisches Rauschen. „Filtern sie das“, wies Jhun den Funker an. „Seltsam, das ist eine zivile Frequenz. Gemeldet für die Systemtechniker der Raffinerien.“ „Viellicht die Rebellen“. Alle starrten auf Gregorian, der noch immer mit der Flasche auf dem Stuhl saß. Er hingegen sah ein merkwürdiges Blitzen in den Augen des Majors. Fast war ihm so, als würde Jhun lächeln.
Das Rauschen verschwand und eine klare Meldung fand ihren Weg in die Fernmeldezentrale.
Eine monotone Botschaft war zu hören und sie breitete sich auf alle Frequenzen aus.
„Versammeln sie die Offiziere. Krisensitzung in fünf Minuten in der Offiziersmesse.“ Jhun erwachte zum Leben. Sein inneres glühte quasi vor Freude. Es war ein makaberes und zugleich tief erfüllendes Gefühl. Und Gregorian fühlte das Gleiche. Seine Sehnsucht hatte ein Ende gefunden, seine Sucht einen Katalysator. Seine Nemesis war gekommen. Die Nemesis aller Architekten. Das Credo hatte ihn zunächst erschreckt, doch dann hatte es sich wie eine süße Symphonie in seine Gedanken gebrannt. Längst waren die Funkgeräte auf andere Frequenzen gewechselt, um die Verteidigung zu organisieren. Doch in Gregorians Kopf hallte noch immer diese Botschaft.
"Eisern im Innern, eisern nach außen!"
 
Gefällt mir nach dem ersten Lesen ganz gut und setzt bisher die gute Qualität aus dem letzten Wettbewerb fort.

Erste Tendenz: mindestens 4 Punkte

Auxo hat sehr schön formuliert was ich zwar auch bemerkt aber noch nicht in Worte gefasst habe:

Zitat:
Was mir hier aber nicht gefällt, sind die deutlich zu typischen und klischeehaften Rollenmuster der Charaktere. Der fette korrupte General, der Säufer der durch ein Hauruckerlebnis aus seiner Apathie gerissen wird sowie die getriebene Kampfmaschine, die nur darauf wartet ihre Zähne ins Fleisch des Feindes zu treiben. Die Charaktere sind alle recht flach gestaltet
 
Zuletzt bearbeitet:
Dann kann auch ich jetzt ran (ist ja doof, gleich als erster nach dem Erstellen zu schreiben).

Mir gefällt die Idee dieser Geschichte, sowie ihre interessanten, wenngleich leicht stereotypen Charaktere. Die Auflösung der Handlung war nicht überraschend, dafür hat mir aber die Einbeziehung der Leitthemen gefallen.

Daher auch von mir 4 Punkte.
 
Da meine Vorredner mit Worten Sparen wie mit ihrem Taschengeld, will ich dem Autor mal ein bischen ausführlicheres Feedback geben.
Eines fällt bereits nach wenigen Sätzen auf. Sie sprachliche Qualität dieser Geschichte ist sehr hoch, die Metaphern und Bilder treffend, der Lesefluss angenehm. Man merkt, dass der Autor regelmäßig schreibt und dass er auch einiges an Talent besitzt.
Seine Nemesis war gekommen. Die Nemesis aller Architekten. Das Credo hatte ihn zunächst erschreckt, doch dann hatte es sich wie eine süße Symphonie in seine Gedanken gebrannt.
Sätze wie diese verraten die absolut überdurchschnittlichen Fertigkeiten des Autors. Die Sprache ist von einer Eloquenz und Anmut, die mich wirklich beeindruckt. Wäre die Sprache allein das Kriterium, so gäbe es auf Anhieb 6 Punkte!

Konnte ich den Autor bezüglich der Sprache also loben, so kann ich damit bezüglich der Umsetzung der Themen nur fortfahren. Geschickt hat er versucht, alle drei Themen umzusetzen. So finden wir unerfülltes Sehnen sowohl beim Major, der auf einen Kampfeinsatz brennt, als auch beim Architekten, der auf die Bewährung seiner Bollwerke wartet. Hier gilt jedoch festzuhalten, dass ihr Sehnen am Ende eigentlich erfüllt wird. Interessant ist, dass der Autor im selben Moment das Motiv Sucht primär auf den selben Charakteren lokalisiert. So ist der Architekt süchtig nach Alkohol und das Sehnen des Majors übersteigert sich ab einem gewissen Moment zu einer Art Sucht.
Es war eine Sehnsucht nach Krieg. Doch auch hier verschwand zunehmend das Sehnen und die Sucht selbst manifestierte sich durch tägliche Routinen, die einen wilden Geist besänftigen sollten, der früher oder später an seinem Gefängnis zerbrechen oder dessen Ketten sprengen würde.
Ob die "Fresssucht" des Generals ebenfalls ein Versuch der Umsetzung von Sucht sein soll wird in meinen Augen nicht ganz eindeutig. Weiterhin ist auch das Thema "eisern nach außen" offensichtlich mit dem Festungsbau umgesetzt. Es ist die scheinbare Undurchdringbarkeit des mächtigen Bollwerks und seine so plötzliche Schwäche, die hier im Sinne des Themas zum tragen kommt. Insgesamt würde ich dem Autor auch hier eine durchaus gelungene umsetzung bescheinigen und speziell honorieren, dass er alle drei Themen sinnvoll in einer Geschichte untergebracht hat.
EDIT: Nachdem v.a. SHOKer die holzhammer-mäßige Umsetzung glasklar aufgezeigt hat, ziehe ich wieder einen Punkt ab und gebe hier nur noch 5 Punkte.

Der Gesamtplot ist in meinen Augen eher eine Schwäche. Die Geschichte verharrt sehr lange in Beschreibungen und die Entwicklung des Plots schreitet sehr mühsam voran, bis sie schließlich am Ende recht zügig durch den Artillerieeinschlag durchbrochen wird. Was mir hier aber nicht gefällt, sind die deutlich zu typischen und klischeehaften Rollenmuster der Charaktere. Der fette korrupte General, der Säufer der durch ein Hauruckerlebnis aus seiner Apathie gerissen wird sowie die getriebene Kampfmaschine, die nur darauf wartet ihre Zähne ins Fleisch des Feindes zu treiben. Die Charaktere sind alle recht flach gestaltet und man erhält leider kaum Einblick in ein Innenleben, das weit über die klischehaften Verhaltenstypologien hinausgehen würde. Während der Autor die Themen geschickt umgesetzt hat, mangelt es dem gesamten Plot leider ziemlich an Kreativität. Hier kommt die Geschichte über ein solide leider nicht hinaus. Das ist sehr schade, weil hier - gewissermaßen auf den letzten Metern - viel Potenzial verschenkt wurde. Charaktere und Plot würden von mir bestenfalls eine 3 Punkte Bewertung bekommen.

Summa summarum ergibt sich daraus eine Bewertung von 5 Punkten, die sich der Autor vor allem durch stilsichere Sprache und Umsetzung der Themen verdient hat. Ich muss allerdings betonen, dass ich in meiner Bewertung die Sprache sehr hoch ansetze, was die relativ gute Bewertung begünstigt. Insgesamt eine gelungene Geschichte, dem Autor vielen Dank und weiterhin frohes Schaffen!

Auxo
 
Zuletzt bearbeitet:
@Auxo:
Ist es nicht ungerechtfertigt, diese Geschichte allein aufgrund ihrer Sprache dermaßen hochzustellen? Gewiss, die sprachliche Ausarbeitung und das Vokabular sind exzellent, aber es täuscht mich nicht über eine schwache Handlung, extrem schwache Charaktere und eine sehr offensichtliche Behandlung der Leitthemen hinweg.
Der einzig "runde" Charakter ist der Architekt, der bei mir wirklich Interesse weckt und so auch seinen Assistenten davon profitieren lässt.
Leider ist bei erneuter Betrachtung (nach deinem Beitrag) mein erster Eindruck sogar nach unten hin gesackt. Allerdings bleibe ich bei 4 Punkten, aber nur, falls es nicht ungerechtfertigt gegenüber den Geschichten sein wird, die ich noch nicht gelesen habe.
 
Wie schon von meinen Vorrednern bemängelt leidet die Geschichte unter den stereotypischen Charakteren und dem vorhersehbaren Blot. Die sprachliche Umsetzung ist zwar sehr gelungen aber außer dem Architekten fesselt mich keiner der Charaktere auch ur annähernd. Fesselnd ist meiner Meinung nach auch das entscheidende Problem, die gesamte Geschichte fesselt mich einfach überhaupt nicht. Die Beschreibungen sind schön aber gerade am Anfang sehr langlebig und ausufernd, der "spannungsgeladene" Teil kommt dann am Schluss meiner Meinung nach zu kurz.

Da hebt schlussendlich auch die schoene Umsetzung der Themen die Geschichte nicht jener 3 punkte.
 
Ist es nicht ungerechtfertigt, diese Geschichte allein aufgrund ihrer Sprache dermaßen hochzustellen?
Gegenfrage: Ist es nicht ungerechtfertigt bei fantasy-geschichten generell immer rumzunölen und wenig Punkte zu vergeben? 😛

Ich kann deine Kritik nachvollziehen, andererseits finde ich eine Bewertung die sich sehr stark am Plot ausrichtet - wie es in meinen Augen von vielen Bewertenden hier praktiziert wird - mindestens ebenso unangemessen. Erzählerische und perspektivische Raffinessen finden in den Bewertungen der meisten User kaum Berücksichtigung. Auch lese ich sehr selten, dass die Umsetzung der Themen besondere Berücksichtigung bei der Bewertung gefunden hat. Sowohl sprachlich-handwerlich, als auch in der Umsetzung der Themen finde ich die Geschichte nach wie vor top.

Die Mängel habe ich ebenfalls klar angesprochen: klischehafte Charaktere, Plot ohne all zu viel Spannung und das wenig mitreissende Ende. Nichtsdestotrotz finde ich eine Bewertung von 4-5 Punkten sehr angemessen, wohingegen ich 3 Punkte schon als relativ frech empfinde, weil das die Qualität der Geschichte wesentlich außer Acht lässt.

Es freut mich allerdings, dass hier zum ersten Mal eine Diskussion aufkommt. Es schadet nichts, wenn man sich für seine Bewertungen ein bischen rechtfertigen muss 😉
 
Gegenfrage: Ist es nicht ungerechtfertigt bei fantasy-geschichten generell immer rumzunölen und wenig Punkte zu vergeben? 😛

Punkt für dich.:lol:

Ich kann deine Kritik nachvollziehen, andererseits finde ich eine Bewertung die sich sehr stark am Plot ausrichtet - wie es in meinen Augen von vielen Bewertenden hier praktiziert wird - mindestens ebenso unangemessen. Erzählerische und perspektivische Raffinessen finden in den Bewertungen der meisten User kaum Berücksichtigung. Auch lese ich sehr selten, dass die Umsetzung der Themen besondere Berücksichtigung bei der Bewertung gefunden hat. Sowohl sprachlich-handwerlich, als auch in der Umsetzung der Themen finde ich die Geschichte nach wie vor top.

Da geb ich dir recht, allerdings trifft diese Kritik auf mich nicht zu. Ich habe lediglich die Überbewertung eines Aspektes angesprochen. Genauso berechtigt ist dein Einwand, dass manche hier nur die Handlung bewerten und nicht auf die Leitthemen eingehen. Ich könnte auch mit ihnen diskutieren, aber das würde schwer werden, da diejenigen meistens nur einen Satz schreiben, der wenig Angriffsfläche liefert.


Die Mängel habe ich ebenfalls klar angesprochen: klischehafte Charaktere, Plot ohne all zu viel Spannung und das wenig mitreissende Ende. Nichtsdestotrotz finde ich eine Bewertung von 4-5 Punkten sehr angemessen, wohingegen ich 3 Punkte schon als relativ frech empfinde, weil das die Qualität der Geschichte wesentlich außer Acht lässt.

Ich bin letztlich bei vier Punkten geblieben, weil mir derArchitekt gefällt und mir die Geschichte gut in der Erinnerung steht.


Es freut mich allerdings, dass hier zum ersten Mal eine Diskussion aufkommt. Es schadet nichts, wenn man sich für seine Bewertungen ein bischen rechtfertigen muss 😉

Gleichfalls. Du wirst langsam zu meinem Lieblingsdiskussionspartner, zumindest während der Wettbewerbe.🙂
 
Du wirst langsam zu meinem Lieblingsdiskussionspartner, zumindest während der Wettbewerbe.
Zugegeben - da musste ich schon ziemlich schmunzeln :lol: Aber immerhin nicht erröten. 😛

Um noch einmal auf meine Bewertung zurückzukommen, ich habe mir für diesen Wettbewerb ein "drei Dimensionen Raster" überlegt, wobei die erste auf Sprache und Handwerkliches abzielt, die zweite auf die Umsetzung der Themen und die Dritte auf den Plot. Mag sein, dass der Plot damit etwas in den Hintergrund gerät, aber ich finde das Bewertungsmodell hat einen entschiedenen Vorteil: Der Autor bekommt eine strukturierte und relativ gut nachvollziehbare Kritik. Man hätte hier sicherlich Plot und Charaktere noch einmal trennen können, um sie stärker zu gewichten, aber es ist echt sehr selten, dass auf die relative Kürze gut bewertbare Charaktere entstehen. Meist bleiben die Protagonisten in etwas besser ausgearbeiten Völkertypologien hängen - was nicht unbedingt schlecht sein muss - was aber halt in meinen Augen nicht ausreicht, um eine separate Wertung abzugeben.

Aber jetzt hüpf ich mal schnell zur nächsten Geschichte, vielleicht findet sich da ja gleich die nächste Gelegenheit für eine kleine Diskussion 😉
 
So, ich setzt meine Bewertung jetzt bei dieser Geschichte fort.

Auch hier wurde schon ziemlich viel gesagt und ich habe dem nicht viel hinzuzufügen.

Anmerken möchte ich noch, dass ich diese Geschichte jetzt nicht noch einmal korrigiert habe, da ich zum einen das Gefühl habe, dass die meisten Leute bereits alle Geschichten gelesen haben, und diese Geschichte zum anderen auch nur wenige Fehler enthält.

Die Themenumsetzung ist auf jeden Fall in Ordnung, hier lassen sich alle drei Themen mehr oder minder gut interpretieren. Kreative Ideen und solide Umsetzung.

Ehrlich gesagt kann ich die von Auxo gelobte Sprache hier nicht wiederfinden. Der eine zitierte Satz ist schön, der Rest ist in meinen Augen nur oberes Mittelfeld und reicht lange nicht an die Eleganz von "Der Wunsch ..." heran. Teilweise gab es da doch noch einige seltsam konstruierte Sätze, auch wenn sich die Geschichte im Großen und Ganzen schön flüssig und ohne größere Probleme lesen ließ.

Die Charaktere sind für eine Geschichte dieser Länger dagegen sehr gelugnen, wenn auch teilweise ein wenig sehr überzeichnet. Dennoch erkenne ich hier viel Potential und gute Ideen. In einer längeren Geschichte hätte sich aus diesen Charakteren noch viel entwickeln können. So betrachte ich das als beabsichtigte leicht überspitzte Darstellung der Charaktere, ihre wichtigsten Eigenschaften deutlich hevorzuheben und sie voneinander abzuheben. Die Sicht der Majors war vielleicht ein bisschen zu kurz und er hätte mehr Absätze aus seinem Blickwinkel vertragen, aber wie gesagt, in Anbetracht der Wortgrenze finde ich die Charaktere in Ordnung.

Die Handlung ist in der Tat die große Schwäche der Geschichte. Sie ist praktisch nicht vorhanden. Bis wirklich mal etwas passiert, das nicht dazu dient, die Gedanken des Architekten und seine Person näher zu beleuchten, ist die Story schon so gut wie vorbei und dann bleiben viel zu viele Fragen offen. In den letzten zwei Absätzen geht dann auch die sprachliche Qualität massiv den Bach runter und lässt einen unbefriedigt zurück. Viel zu kurz, viel zu hektisch, viel zu unlogisch.

In Sachen Logik schwächelt die Geschichte auch ein wenig, auch wenn das Konzept im Großen und Ganzen in Ordnung ist.
Aber 1.: Wieso muss der Architekt als eine von drei Personen der gesamten Festung bei einem Alarm zur Konferenz? Er ist doch vermutlich sogar Zivilist, oder?
2.: Wie kann es sein, dass ein einziger Treffer einer Langstreckenartillerie ohne jede Vorwarnung (obwohl es einen Alarm gab und die Festung also voll besetzt sein müsste), das Herz der Festung in Schutt und Asche legt? Würde ich mir als Architekt ja mal Gedanken zu machen.
3.: Weshalb ist der Architekt denn eigentlich noch dort? Wenn sein Bau abgeschlossen ist, wieso wurde er nicht schon weiter"geschleift"?

So ganz überzeugen konnte mich das alles nicht. WEiß auch nicht, ob derart fress- und saufsüchtige Personen in einer militärischen Einrichtung lange überleben würden. Wenn es da immerhin einen Generalsposten gibt, wird es doch bestimmt auch nen Kommissar geben, oder? Wieso duldet der sowas?

Also gefällt mir in Gesamtidee und der Fokussierung auf die Charaktere, kränkt dann aber doch an kleineren Mängeln, die das Lesegefühl massiv stören. Außerdem hätte die Handlung im Auge behalten werden müssen. Zur Not hätte man eben weiter oben einkürzen müssen, um das eigentliche Geschehen dann nicht so massiv zusammenzustauchen.

Ich denke, 4 Punkte sind hier angemessen.
 
Eine interessante Geschichte - aber sie lässt mich etwas zwiegespalten zurück. In der Tat ist das sprachliche Niveau recht hoch und dem Verfasser gelingt es mit ausführlichen Beschreibungen, ein detailliertes Bild vor dem geistigen Auge des Lesers zu erschaffen. Das kleine Einmaleins eines Autors - könnte man meinen - in der Tat trennt sich jedoch genau hier die Spreu vom Weizen.

Leider verliert sich die Geschichte jedoch ein wenig in diesen Beschreibungen und vermag daher nur wenig Spannung aufzubauen. Es ist zwar sehr interessant, sich in die Charaktere hinein zu denken und insgesamt mag ich das Konzept eines Architekten, der unbedingt die "Feuerprobe" seiner Bauwerke erleben möchte, aber ein zusätzlicher Subplot zum Aufbau von Spannung hätte der Geschichte gut getan.

Nach den Leitthemen muss man hier nicht lange suchen und natürlich ist es positiv, dass alle drei bearbeitet wurden. Was mich allerdings stört ist die Holzhammermethode, mit der auf die Themen hingewiesen wurde. Der Titel der Geschichte lässt diesbezüglich keine Fragen offen, der Schluss-Satz auch nicht. Dies hätte sich subtiler lösen lassen.

Summa Summarum sind denke ich vier Punkte angemessen
 
der Schluss-Satz auch nicht.

den Schlusssatz würde ich nicht als Themenumsetzung bezeichnen, das scheint ja der Schlachtruf der Feinde zu sein. In Sachen Holzhammermethode ging mir nur diese "da trennte sich das Sehnen von der Sehnsucht und zurück blieb die Sucht"-Formulierung. Das hätte man besser beschreiben können, sodass der Leser selbst drauf kommt. Vor allem zeugt es wirklich nicht von Kreativität, diesen Satz gleich zweimal in fast derselben Form in die Geschichte zu packen.
 
Hat der Autor wohl ein bischen Glück gehabt
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Glück ist nicht verboten 😉

Die ganzen Bewertungen sind ja eh alle subjektiv, weil jeder auf andere Dinge Wert legt. Ich denke, ich überseh auch gelegentlich mal ein paar Unstimmigkeiten. Vielleicht würde ich "Der Wunsch..." bei wiederholtem Lesen auch nicht mehr so brilliant finden 😉
 
Ja, man ist da echt ein bischen in einem Dilemma. Eigentlich bewertet man ja hier nach dem ersten Eindruck. Man kann zwar wie ich versuchen, das Ganze ein bischen systematischer anzugehen, aber selbst das ist noch stark subjektiv beeinflusst. Ein gutes Beispiel: Der Raub des Herz des Lebens - viele fanden die Geschichte beim ersten mal lesen subjektiv toll - obwohl sie sie nicht mal verstanden haben :mellow:

Wollte man aber die Geschichten zwei bis dreimal durchlesen, bräuchte man wirklich viel Zeit, die man dann vielleicht aber doch nicht aufwenden will. Somit ist der Wettbewerb auch immer ein bischen Vabanque-Spiel :lol:
 
Da hast du recht. Anderseits vertrete ich die Ansicht, dass eine Geschichte auch beim ersten Mal überzeugen muss. Der Gesamteindruck ist das, was letztendlich zählt. Wenn ein Buch handwerklich toll ist, aber einen irgendwie nicht anspricht, hört man nach den ersten paar Kapiteln eben auf (Gut, es gibt nur ein Buch, das ist nicht bis zum Ende gelesen hab, aber egal)
Bei richtigen Kurzgeschichten im Sinne der Literatur (die mit unvermitteltem Einstieg und offenem Ende ect.) ist das etwas Anderes, die soll man auch interpretieren und in ihnen eine Aussage finden können.
Aber das, was wir hier für den Wettbewerb schreiben, sind eben nur kurze Geschichten und keine Kurzgeschichten. Die sollen eigentlich unterhalten. Wenn sie dann noch eine Botschaft oder Satiere enthalten, umso besser, aber in erster Linie geht es halt um Unterhaltung. Und da zählt eben der erste Eindruck.

Ganz ehrlich: Ich glaube, wenn die eine oder andere Kurzgeschichte von einem Kafka hier auftauchen würde, würde die gar nicht mal so gut abschneiden, weil die auf den ersten Blick doch irgendwie doof sind und erst langsam, während man darüber nachdenkt und nochmal liest, ihren Sinn enthüllen. Ist hier halt nicht gefordert.

Das ist jetzt jedenfalls meine Ansicht und der Grund, weshalb in die Geschichten in der Regeln nur einmal lese, bevor ich sie bewerte. (Und dann höchstens nochmal überfliege, um bestimmte Stellen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen)