Wenn der Imperator sich tatsächlich bewegt, dann hört ja das Astronomicon auf zu funktionieren. Richtig?
Soweit ich die Lore noch richtig in Erinnerung habe, nein.
Das Astronomicon wurde bereits zu Lebzeiten des Imperators von eben diesem erschaffen, um der Menschheit ihren Großen Kreuzzug und damit die Wiedervereinigung ihres Sternenreichs zu ermöglichen. Zu dieser Zeit hat der Imperator das Astronomicon allein aufrechterhalten, auch ohne die Opferung tausender Psioniker. Er konnte das Licht des Astronomicon selbst dann erstrahlen lassen, wenn er selbst nicht auf Terra weilte, so groß war seine psionische Macht.
Mit der gewaltigen Ausdehnung des Imperiums während des Großen Kreuzzugs kostete dies den Imperator aber immer mehr seiner Kraft, sodass er Terra nicht mehr verlassen konnte. Er musste vor Ort sein, um das Astronomicon anzutreiben. Dies ist ein Grund, warum er immer mehr Macht seinem Kriegsmeister Horus übertrug, der an seiner Stelle den Kreuzzug leitete. Der Imperator selbst kehrte also nach Terra zurück, um sein Astronomicon wieder stärker erstrahlen zu lassen.
Natürlich war sich der Imperator bewusst, dass ein psionisches Leuchtfeuer wie das Astronomicon keine dauerhafte Lösung für das Imperium sein konnte, gerade dann, wenn er eines Tages nicht mehr sein würde. Vielleicht wollte er auch nicht auf ewig auf Terra gebunden sein, wer weiß. Das war der Auslöser für seine Arbeit am Webway-Projekt. Er wollte das Netz der Tausend Tore der Eldar für die Menschheit nutzbar machen, sodass ein Astronomicon und ein Reisen durch den Warp nicht mehr nötig wäre.
Das ist wichtig, denn erst zu diesem Zeitpunkt kommen die unzähligen Opfer von Psionikern ins Spiel. Diese wurden nämlich erst nötig, weil der Imperator einen Großteil seiner psionischen Macht auf das Webway-Projekt konzentrierte, und das Astronomicon dadurch an Strahlkraft verlor. Im Prinzip glichen die ausgebrannten Seelen der Psioniker die Absenz der Energie des Imperators aus, sodass er sich seinem Lieblingsprojekt Webway-Projekt widmen konnte. Der Imperator diente ab hier nur noch als Fokus, um die Energie der unzähligen Psioniker zu bündeln. Quasi als eine Art Sammellinse. Dabei war es dem Imperator aber wohl auch wichtig, dass diese Opfer an Psionikern keine finale Lösung sein sollten, sondern eher ein notwendiges Übel waren, bis das Netz der Tausend Tore nutzbar gemacht werden könnte. Dass es in der Geschichte des Imperiums dazu nicht kam, das verdanken wir den dunklen Göttern des Warp. Und natürlich Magnus.
Lange Geschichte, kurzes Ende: Sollte sich der Imperator erheben, so könnte er das Astronomicon natürlich weiterhin strahlen lassen. Wahrscheinlich sogar heller als je zuvor und je nachdem, wie sehr er sich darauf konzentrieren könnte, auch ohne die Opfer tausender Psioniker des Adeptus Astronomica. Sollte er zur wahren „Gottheit“ aufsteigen, würde die Strahlkraft seines Astronomicon wahrscheinlich sogar die Cicatrix Maledictum durchscheinen, diese eventuell gar aus der Galaxis fegen.
Wie dem auch sei. Ich glaube schon, dass ein auferstandener Imperator die Menscheit weiterhin durch den Schrecken des Warp führen könnte, sollte es denn so kommen. Und jeder Grey Knight, der daran etwas ändern wollen würde, könnte dies garantiert nicht gegen den Willen des Imperators.
Die Frage ist halt, was sich Games Workshop mit diesem Lore-Schnipsel gedacht hat. Sollte der Imperator bei Sinnen sein, wenn er aufersteht, sollte ein Eingreifen der Grey Knights ja nicht von Nöten sein, alles wäre gut. Sollte er als Chaosgott, Zombie oder was auch sonst auferstehen, nun, dann hätte das Imperium wahrscheinlich ein größeres Problem. Und ob da dann 1000 Grey Knights ausreichen? Im Falle des Erwachens eines „bösen“ Imperators wäre dann wahrscheinlich auch das Astronomicon Geschichte, wobei in diesem Fall das Imperium, wie wir es kennen, ebenfalls Game Over wäre. Wenn der Imperator den Grey Knights also einen solchen absoluten Befehl auferlegt hat, dann muss er sich ja zu 100% sicher gewesen sein, dass er nicht als wohlwollender Herrscher zurückkehren wird. Das finde ich eigentlich am spannendsten an diesem Lore-Fetzen. Gar nicht mal die Frage, wie die Grey Knights das bewerkstelligen wollen.
Und was das Astronomicon anbelangt. Je nach Kreativität könnte Games Workshop natürlich noch weitere Pharos-Maschinen oder andere Necron-Konstrukte ins Spiel bringen, um die Menschheit auch ohne einen Imperator weiterhin den Warp passiere zu lassen, aber seien wir mal ehrlich. Ich glaube nicht, dass ich dies zu meiner Lebzeit noch miterleben werde. Der Imperator auf dem Goldenen Thron ist die immerwährende Konstante des Universums. Sollte sich daran etwas ändern, wären das die „End Times“ von Warhammer 40k. Entweder hin zur Erlösung der Menschheit, oder zu ihrer entgültigen Vernichtung. Aufgrund der Natur des Universums wahrscheinlich eher hin zum letzteren Fall. Das Universum von 40k wäre dann aber ähnlich wie bei Fantasy auserzählt. Ein neues System mit einer neuen Welt müsste her.
[Ergänzung mit kleinem Augenzwinkern]
Wobei mir da ein witziger Gedanke kam. Games Workshop ist sich der Tragweite eines auferstandenen Imperators wahrscheinlich bewusst und dass das Szenario von 40k dann wahrscheinlich irgendwann auserzählt wäre. Vielleicht sind die Grey Knights in diesem Sinne auch als eine Art Allegorie und somit als verlängerter Arm einer Versammlung von Aktionären zu verstehen, die um alles in der Welt verhindern müssen, dass sich der Imperator ein letztes Mal erhebt und somit das System Warhammer 40k als Cashcow von Games Workshop ein Ende findet. Das darf in naher Zukunft natürlich auf keinen Fall passieren. Terminus-Dekret erklärt. 😉