Der Turm des Necrarch: Eine Kampagne nach Mordheim-Regeln in Sylvania

Spiel 5
Gefecht im Burghof


Die Situation: Dariyas Hexenjäger müssen sich nun gegen zwei feindliche Fraktionen behaupten. Deshalb haben sie eine Stellung bezogen, die sich gut verteidigen lässt: Die Burg des ehemaligen Stadtgrafen (der als einer der ersten der Seuche zum Opfer fiel). Das Gebäude ist durch den Brand von Thalheim schwer beschädigt worden, aber die Grundmauern stehen noch, und von der Bastion über dem Tor hat man einen weiten Umblick.

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In diesem Spiel kommen Inquisitor Hutters Leute nicht vor, dafür aber der Karneval des Chaos. Die Helden von Meister Nosselgrun haben gut gesteigert, und er hält den Zeitpunkt für gekommen, um die Hexenjäger vom Wert der Segnungen seines Gottes zu überzeugen. Also rückt die Nurgle-Truppe im Schutz der Nacht heran…

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Dariyas Hexenjäger durften sich ausschließlich im Innern der Burg, aber in allen Stockwerken einschließlich Keller aufstellen. Der Karneval rückte über die nächste Straße an, wobei wir vereinbarten, dass die Dunkelheit die Sichtweite auf 12 Zoll begrenzte. Dies schloss einen frühzeitigen Beschuss durch die Verteidiger aus.

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Meister Nosselgrun teilte seine Kräfte. Während die meisten der Nurgle-Anbeter zum Burgtor vorrückten, drang ein halbes Dutzend Seuchenzombies durch einen Ausfalltunnel in den Keller ein. Dort warteten ein Flagellant und mehrere Zeloten auf sie, sodass es zu einem zähen Gefecht in einer Waffenkammer kam.

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Die Befleckten, Seuchenhüter und Nurglings gingen direkt auf das Tor los, dessen einer Flügel zerbrochen war. Im Burghof allerdings wurden sie von Helmuth und Odo empfangen. Der Rest der Hexenjäger befand sich noch im Innern des Gebäudes und stürmte nun ins Freie…

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Es entwickelte sich ein chaotischer Kampf auf dem Burghof, bei dem die Nurgle-Anbeter mehrere Gefolgsleute und einen Seuchenhüter verloren, sodass es fast schon nach einem Sieg der Hexenjäger aussah. Inzwischen allerdings hatten die Seuchenzombies im Keller es geschafft, sich zur Treppe vorzukämpfen…

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…und nun griffen sie in den Kampf ein und wankten geradewegs auf Dariya zu. Das war eine bedrohliche Situation, denn die Zombies waren zwar schwach im Kampf, aber mit der Fäulnis des Nurgle gesegnet, die durch einen (un-)glücklichen Verwundungswurf übertragen werden konnte.

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Ivana versuchte sich zu Dariya durchzukämpfen, wurde jedoch von einem weiteren Seuchenzombie abgefangen. Zum Glück hatte Martin gerade einen Gegner besiegt und eilte heran, um seiner Geliebten beizustehen.

Tja, und das war der bisher schlimmste Moment. Es gelang Martin zwar, Dariya zu retten – doch dann war er es, der sich eine 6 beim Verwundungswurf durch einen der Zombies einfing.

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Dies betrachtete der Karneval offenbar als ausreichenden Erfolg in diesem Spiel. Die Nurgle-Anbeter zogen sich zurück und beendeten die Partie.

Ergebnis: Knapper Sieg der Hexenjäger - doch mit einem gewaltigen Aber: Martin wurde mit der Fäulnis des Nurgle infiziert! Ivana durfte ihren Heilzauber anwenden und verhinderte, dass sein Widerstand permanent auf 2 sinkt. Die Krankheit allerdings kann niemand heilen; selbst Ivana konnte ihre Wirkung nur verzögern. Vor jedem künftigen Spiel einen Widerstandstest bestehen zu müssen, ist bei Widerstand 3 praktisch ein Todesurteil… irgendwann wird es zwangsläufig schiefgehen, wenn nicht im nächsten Spiel, dann im übernächsten.

Ich will gar nicht davon reden, dass Martin mit KG 5, Stärke 4 und Nahkampf-Rettungswurf ein hoch gesteigerter Held ist, dessen Verlust die Gruppe deutlich schwächen wird… und was es für Dariya bedeutet, ist natürlich noch viel schlimmer.
 

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Dariya stand auf einem Söller der Burg und blickte in die Nacht hinaus. Zwar hatten die Feinde sich zurückgezogen, doch über der zerstörten Stadt lagerte der Dunst der Fäulnis immer noch wie eine Glocke. Der Himmel darüber war schwarz; kein Stern zeigte sich.

Ivana kam zu ihr nach draußen, still und mit versteinertem Gesicht. Normalerweise war die Sigmarschwester rau und direkt; diesmal jedoch nahm sie sich Zeit. Sie stellte sich neben Dariya an die steinerne Brüstung, ohne sie anzusehen. Ein Moment unbehaglichen Schweigens verging.

„Ich konnte es aufhalten“, sagte Ivana schließlich. „Doch nur für den Moment. Du weißt, was das bedeutet.“

Dariya nickte nur. In ihrem Innern war die Schwärze so tief und lichtlos wie der Nachthimmel.

„Er könnte noch Tage am Leben bleiben“, fuhr Ivana fort. „Vielleicht sogar Wochen. Aber das Ende ist nicht abzuwenden… und er weiß es.“ Sie seufzte; ein ungewöhnliches Geräusch bei ihr. „Ich habe die anderen hinausgeschickt. Ich dachte, dass du sicher allein mit ihm sein willst.“

Dariya nickte abermals. Schweren Herzens wandte sie sich um und öffnete die Tür zu dem Raum, an dessen Stirnseite sich der Söller erhob. Es war das ehemalige Schlafgemach der Dienstboten und diente der Gruppe als Quartier und Lazarett. Im Moment jedoch war nur eins der Betten belegt. Martin lag darin, die Beine ausgestreckt, den Oberkörper aufrecht an die Wand gelehnt. Er war sehr blass, und auf seinen Wangen zeigten sich bläuliche Schatten. Für den oberflächlichen Blick schien er unversehrt, denn die typischen Beulen der Krankheit hatten sich noch nicht ausgeprägt. Ivana musste ihre ganze Kunst eingesetzt haben, um das Übel vorerst zurückzudrängen.

Er blickte Dariya mit einem seltsamen Ausdruck an. Es lag weder Schmerz noch Bitterkeit darin, eher etwas wie Mitleid. Er ahnte, wie sehr sie litt.

Sie ließ sich auf der Bettkante nieder, streckte eine Hand nach ihm aus. Er jedoch schüttelte den Kopf. „Du darfst mich nicht mehr berühren, Dari“, sagte er. „Niemals wieder.“

Diese Worte brachen den Bann. Dariya senkte den Kopf, und nun flossen ihr die Tränen.

„Ich werde nicht aufgeben“, versprach Martin. „Noch kann ich aufstehen, gehen, sogar eine Waffe führen. Ich werde weiterkämpfen, solange ich es vermag. Und wenn das Ende naht, werde ich mich wie ein Flagellant auf diese Seuchenbrut stürzen und so viele von ihnen mit in den Tod reißen wie möglich.“

Dariya konnte nichts erwidern; zu groß war ihr Schmerz.

„Sollte ich keine Kraft mehr dafür haben, müsst ihr mich erlösen“, bat Martin leise. „Von dir will ich das nicht verlangen, denn ich weiß, wie schwer es dir fallen würde. Lass es Ivana tun… oder Helmuth.“

„Nein!“, schluchzte Dariya und musste sich erneut davon abhalten, nach seiner Hand zu greifen. „Ich will nicht, dass es so endet.“

„Besser so, als wenn ich den Verstand verliere und blind umherwanke wie die anderen Seuchenkranken“, sagte Martin. „Du weißt, dass es dazu kommen würde. Ich könnte euch alle anstecken.“

Eine Weile schwiegen beide. Dariya mühte sich um Fassung und schaffte es schließlich, ihre Tränen zu beherrschen.

„Ich habe dir kein Glück gebracht“, sagte sie bedrückt. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn wir nie in jenem Dorf aufgetaucht wären, wo du mit deiner Familie lebtest.“

Doch Martin schüttelte den Kopf. „Das war das Beste, was mir je passiert ist. Was wäre andernfalls aus mir geworden? Ich wäre in Sylvania geblieben, hätte die Ziegen meiner Eltern gehütet und jeden Abend die Türen und Fenster verrammelt, um die Schrecken der Nacht draußen zu halten.“ Er blickte sie voller Wärme an. „Ich hätte dich nie kennengelernt. Und du sagst, du hättest mir kein Glück gebracht? Vier Jahre Glück hast du mir geschenkt, das ich andernfalls nie erlebt hätte. Dafür ist der Tod kein zu hoher Preis. Lieber jung sterben, als niemals wirklich gelebt zu haben.“

„Und wie soll ich es ertragen, ohne dich weiterzuleben?“, flüsterte Dariya. „Was bleibt mir, wenn du mich verlässt?“

„Deine Aufgabe“, sagte Martin ernst. „Du bist eine Inquisitorin. Tu, wozu du berufen wurdest: Vernichte das Böse… und sorge dafür, dass diese Bande von Seuchenpriestern nicht noch weitere Opfer findet.“

* * *

[Out-Time. Vorläufig ist Martin noch kampffähig. Er wird daher auch an den folgenden Spielen teilnehmen; so lange, bis die Krankheit ihn seiner Kräfte beraubt. Dann wird ihm – wie ich hoffe – irgendeine Situation den heldenhaften Opfertod erlauben, den er angekündigt hat. ]
 
Spiel 6:
Nurgle liebt dich


Für dieses Spiel hatten wir vereinbart, dass Dariyas Hexenjäger diesmal nicht vorkommen würden. Stattdessen inszenierten wir eine Konfrontation zwischen dem Karneval des Chaos und der (Rest-)Truppe von Großinquisitor Barnabas Hutter. Dabei übernahm ich als Spieler Hutters Partei.

Der Großinquisitor verfügte noch über zwei Hauptleute mit Zweihandwaffen, 9 Schwertkämpfer und 7 Musketenschützen. Das war nur ein Rest seiner einstmals starken Gefolgschaft, aber immer noch eine durchaus schlagkräftige Truppe.

Das Szenario gestalteten wir folgendermaßen: Ich stellte Hutters Truppe vollständig auf einem Geländesegment auf, das den Marktplatz Thalheims darstellt. Hutter selbst bezog mit einigen seiner Schützen Stellung im Oberstock des Rathauses, um einen guten Umblick und weites Schussfeld zu haben. Die Soldaten verteilten sich über die benachbarten Gebäude, und einige bezogen offen auf dem Marktplatz Stellung.

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Der Karneval dagegen durfte einen Überraschungsangriff „von unten“ führen. Auf dem Marktplatz ist nämlich der Boden eingebrochen, sodass ein Teil der Kanalisation offenliegt. Der Karneval durfte nun bis zur Hälfte seiner Modelle unterirdisch (und damit außer Sicht für Hutters Schützen) aufstellen.

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Spiel 6: Verlauf

Der Großinquisitor rechnete bereits mit einem Überfall und bemerkte schnell, dass sich die Chaosanbeter näherten. Sehen konnte er allerdings nur einige Seuchenzombies, die als schlurfender Schutzschirm vorangetrieben wurden und die nachfolgenden Karnevalisten deckten. Natürlich ließ er sofort sämtliche Musketen feuern – was allerdings nicht mehr einbrachte als zwei kurzzeitig zu Boden gegangene Zombies.

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Dann aber schwärmten weitere Feinde aus dem Untergrund: Drei Nurglings wuselten sabbernd und kichernd aus den geborstenen Kanalrohren hervor, und aus den Bruchstellen des Straßenpflasters kletterten Schwärme von Kultisten und Seuchenhütern herauf. Die Kultisten überraschten zwei der Musketenschützen und hieben sie mit ihren Flegeln zu Boden.

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Hutter befahl keinen Angriff, denn er setzte ganz darauf, seine Leute so lange wie möglich schießen zu lassen. Auch er selbst feuerte seine Pistolen ab. Doch nur wenige Schüsse trafen, und fast alle wurden von den Seuchenzombies abgefangen, die (als Zombies) nicht betäubt werden konnten, sondern lediglich zu Boden gingen. Nur ein einziger wurde getötet. Als der Nahkampf dann unvermeidlich wurde, befanden sich die Schwertkämpfer in einer ungünstigen Position und wurden von zwei Seiten umzingelt.

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Dennoch wäre vielleicht alles anders ausgegangen, wenn die Soldaten Gelegenheit bekommen hätten, ihre überlegene Disziplin und den Schutz ihrer Rüstungen auszuspielen. Dies aber verhinderte Meister Nosselgrun. Bereits in den ersten Spielzügen hatte er ständig versucht, „Pestilenz“ zu zaubern, aber den nötigen Wurf (10+) nicht geschafft. Nun gelang der Zauber, und das bedeutete: Alle Gegner in 12 (!) Zoll erlitten einen Treffer der Stärke 3, gegen den kein Rüstungswurf erlaubt war. Buchstäblich mit einem Schlag fielen fünf von Hutters Leuten, drei Schwertkämpfer und sogar zwei der Musketenschützen im Oberstock des Rathauses.

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Da begriff der Großinquisitor endlich, dass dieses Gefecht nicht mit Schießpulver zu gewinnen war. Er schickte seine gesamte Truppe in den Nahkampf und schloss sich auch selbst an (wobei er zwei Spielzüge brauchte, um von seinem Aussichtspunkt herabzuklettern und den Kampfplatz zu erreichen).

Inzwischen entwickelten sich zwei Nahkampf-Knäuel auf dem Marktplatz, wobei ausgerechnet die schwächsten Mitglieder des Karnevals sich als die entscheidenden Akteure herausstellten. Die Seuchenbrüder – gewöhnliche Gefolgsleute, aber dank kürzlicher Steigerung mit je 2 Attacken – schlachteten sich mit ihren Flegeln durch mehrere Schwertkämpfer. Vor allem aber glänzten die Nurglings: Einer warf sich dem Hauptmann der Soldaten in den Weg und schaffte es mehrere Züge lang, dem Zweihandschwert seines Gegners auszuweichen (konkret: Er bestand viermal in Folge seinen dämonischen Rettungswurf). Ein weiterer Nurgling schaffte es mit einem glücklichen Wurf, einem der Schwertkämpfer in den Nacken zu springen und ihn zu Boden zu zerren, woraufhin ein Brute ihm mit seiner Zweihandaxt den Rest geben konnte.

Mittlerweile hatte der Großinquisitor sich in den Kampf gestürzt, doch da die Mehrzahl seiner Leute schon gefallen war, wurde er von Feinden umringt. Immerhin machte er seinem Ruf alle Ehre, denn keinem einzigen gelang es, ihn zu verwunden, während er selbst einen Seuchenhüter und mehrere Seuchenbrüder zur Strecke brachte. Dann allerdings traf ihn ein weiterer Zauber von Meister Nosselgrun, diesmal „Beulen“ (7+): Er musste einen Widerstandstest bestehen, verpatzte diesen glatt mit einer 6 und verlor automatisch einen seiner Lebenspunkte.

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Das Spiel ging noch zwei Züge lang weiter, doch der Ausgang war abzusehen: Von Hutters Leuten standen am Ende nur noch drei. Wir hatten vereinbart, dass Hutter nicht gezwungen war, Rückzugstests abzulegen – ein Fanatiker wie er war auch in der aussichtslosesten Situation nicht kleinzukriegen.

Stattdessen beendete der Karneval das Spiel durch freiwilligen Rückzug – nicht etwa, weil es für Meister Nosselgruns Leute schlecht gestanden hätte, sondern weil sie mehr als genug erreicht hatten. Sie hatten 13 Gegner getötet, entsprechend viele Erfahrungspunkte gewonnen – und was den Inquisitor betraf, so war er ohnehin mit der Fäulnis des Nurgle infiziert und sollte ruhig noch ein wenig leiden, bevor seine Stunde schlug.

Natürlich gab Hutter nicht auf. Schnaubend vor Wut, wenn auch geschwächt von der Krankheit, verfolgte er seine Gegner bis in den Abwasserkanal, in dem sie verschwunden waren…

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Der Karneval des Chaos ehrt seine Helden: Heute waren es die Nurglings.

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Wo bist du?“, schrie Barnabas Hutter. „Stell dich, Zauberer!“

Der Großinquisitor wankte durch den finsteren Abwassertunnel, eine seiner Pistolen in der rechten Hand, eine brennende Fackel in der linken. Es war reine Wut, die ihn auf den Beinen hielt. Sein Körper protestierte, denn die Krankheit schwelte in ihm, machte seine Beine schwer und erfüllte seinen Kopf wie mit waberndem Nebel. Mehrmals musste er innehalten, weil ein Hustenanfall ihn schüttelte. Er wusste, dass er Blut hustete. Doch selbst die tödlichste Seuche war nichts, was einen Gottesmann seines Schlages von einer heiligen Pflicht abhalten konnte. Er würde den Zauberer töten, der dieses Unheil über ihn gebracht und nun auch noch seine ganze Truppe ausgelöscht hatte. Der Chaosanbeter würde sterben, selbst wenn Hutter die letzten Kräfte verausgaben musste, die sein verfallender Körper ihm noch ließ.

Schritt um Schritt drang er in die Dunkelheit des Kanals vor. Der flackernde Schein seiner Fackel tanzte über glitschige, bemooste Wände aus uralten Steinen. Fäulnisgeruch schwebte in der Luft.

"Du wirst mir nicht entkommen, beim Schweif des Kometen! Zeig dich, Zauberer!“

„Ich bin doch schon bei dir“, antwortete eine leise Stimme, scheinbar in Hutters eigenem Kopf. Der Großinquisitor blieb stehen, schüttelte sich, presste eine Hand gegen die Schläfe. Er musste sich geirrt haben. Eine Halluzination – kein Wunder nach all den Schrecken.

„Du kannst mich hören, weil du mit mir verbunden bist“, raunte die Stimme, und nun war jeder Irrtum ausgeschlossen: Sie war in seinem Innern wie ein flüsternder Tumor in seinem Gehirn. „Du hast den Segen meines Vaters empfangen. Deshalb hörst du meine Stimme.“

„Raus aus meinem Kopf!“, schrie Hutter. „Du hast keine Macht über mich, Dämon! Ich banne dich im Namen meines Herrn Sig… Sig…“

Seltsam: Er konnte den Namen nicht mehr aussprechen; seine Zunge war wie gelähmt, wenn er es versuchte. Seine Stimme klang brüchig, schwach, weit entfernt von dem sonoren Organ, dessen bloßer Klang einst jeden Ketzer in Angstschweiß versetzt hatte. Der Grund war ihm nicht bewusst: In seiner Kehle schwollen bereits die gleichen Beulen an, die auch sein Gesicht und seine Hände bedeckten.

„Du gehörst bereits zu uns“, raunte die fremde Stimme. „Zu mir und meinem Vater. Du weißt es nur noch nicht.“

„Wer wagt es, so zu mir zu sprechen?“, knirschte Hutter. „Nenn mir deinen Namen, Dämon!“

„Man nennt mich Meister Nosselgrun. Doch ich bin kein Dämon. Ich bin ein Mensch wie du - und doch mehr als ein Mensch, denn in mir ist die Kraft meines Vaters.“

„Deines Vaters", wiederholte Hutter verächtlich. "Ich weiß, von wem du sprichst! Von allen Dunklen Göttern hasse ich ihn am meisten.“

„Mein Vater ist gütig“, wisperte Nosselgrun. „So selbstlos ist seine Güte, dass er auch diejenigen liebt, die ihn hassen. Spürst du nicht die Größe seiner Liebe? Blühen nicht die Beulen auf deiner Haut wie die zarten Knospen des Frühlings? Bläht sich dein Leib nicht wie eine reife Frucht, prall und köstlich, den Würmern zur Freude? Gebierst du nicht Blut und Eiter, wie die Blüte den Nektar gebiert? Herrlich sind die Segnungen meines Vaters, und er gibt sie, ohne zu geizen, dem Würdigen wie dem Unwürdigen, dem Willigen wie dem Unwilligen.“

„Mein Glaube wird mich vor ihm bewahren!“, fauchte Hutter. „Weder mein Fleisch noch meinen Geist wird er besitzen.“

„Oh doch, das wird er“, flüsterte die Stimme, „und du spürst es. Du wirst sterben, Mensch. Schon jetzt verlassen dich die Kräfte. Du kannst dich kaum noch auf den Beinen halten. Das Blut stockt dir in den Adern, und dein Herz flattert wie ein kranker Vogel. Doch es gibt Rettung! Mein Vater kann dein Leben bewahren, und zwar durch eine zweite Segnung. Ich selbst habe sie empfangen, und sie ist herrlich.“

„Heb dich hinweg, Verfluchter!" Es sollte ein Machtwort sein, doch Hutter fühlte tatsächlich seine Kräfte schwinden. Er konnte nur noch heiser flüstern, und seine Beine drohten bei jedem Schritt einzuknicken. Ein erneuter Hustenanfall schüttelte ihn, und er ließ die Fackel fallen, um sich mit einer Hand an der Mauer abzustützen. „Führe mich nicht… in Versuchung…“

„Mein Vater kann dir die Kraft verleihen, der Seuche zu widerstehen“, raunte Nosselgrun in seinem Kopf. „Du wirst weiterleben, und deine Widerstandskraft wird über jedes menschliche Maß hinaus wachsen. Unverwundbar wirst du sein gegen Kugel und Klinge, immun gegen Alter und Gebrechen; ein Gott unter Menschen. Eine Rüstung aus Schorf wird dich panzern; deine Finger werden zu giftigen Stacheln wachsen, und dein Atem wird ein erstickender Hauch sein, der jeden Gegner dahinrafft. Willst du solche Macht ausschlagen und lieber einen erbärmlichen Tod sterben?“

Hutter sank an der feuchten Wand in die Knie. Eine Blase an seiner Lippe platzte, und eitriges Blut rann ihm über den Bart.
„Ja!“, brachte er mit letzter Entschlossenheit hervor. „Lieber sterbe ich, als dir und deinem ‚Vater‘ zu gehören.“ Er drehte die zitternde Hand und wandte die Mündung der Pistole, sodass sie auf seine eigene Stirn zeigte.

„Willst du das wirklich tun?“ Die Stimme des Meisters klang milde bedauernd. „Wie schade! Denk an all das, was du erreichen könntest, wenn du weiterlebst: All deine Feinde könntest du hinwegfegen.“

„Du und dein teuflischer Gebieter, ihr seid meine Feinde!“

„Und was ist mit jener unverschämten Frau, die dich so schändlich beleidigt hat?“

Hutter stutzte. „Woher weißt du davon?“

„Ich kenne deine Gedanken. Sie liegen so offen vor mir wie sezierte Eingeweide. Ich weiß, dass du diese Frau verfolgst. Ihre bloße Existenz ist eine Kränkung für dich, nicht wahr? Willst du dulden, dass sie davonkommt? Dass sie deinen Platz einnimmt und sich Großinquisitorin nennt, wenn du dahinscheidest?“

„Niemals!“, knirschte Hutter zwischen zwei Hustenattacken. „Das… darf nicht… geschehen.“

„Es wird geschehen, wenn du dich selber tötest. Erschieß dich, und sie wird siegen – oder…“ Die fremde Stimme wurde deutlicher. „…nimm den Segen meines Vaters an und lebe! Er kann dir bei deiner Rache helfen. Doch es bleibt dir nicht mehr viel Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Du spürst es, nicht wahr?“

Ja, Hutter spürte es. Die Pistole in seiner zitternden Hand schien schwerer und schwerer zu werden, je mehr seine Kräfte abnahmen. Ohne es gewollt zu haben, ließ er sie sinken. Nun lag er zusammengekauert an der glitschigen Wand des Abwasserkanals und konnte kaum noch den Kopf aufrecht halten. Die fallengelassene Fackel neben ihm war feucht geworden und knisterte; ihr Licht war beinahe erloschen. Dennoch konnte Hutter die Gestalt erkennen, die sich langsam aus der Dunkelheit näherte. Er erkannte den Zauberer, eine hagere Erscheinung im grell gemusterten Rot und Gelb des verfluchten Karnevals. Fliegen umschwirrten die spitze Kapuze, in deren Schatten zwei hämisch zwinkernde Augen blitzten. Die lange, tentakelförmige Zunge wand sich hervor, bedeckt von einem Teppich wimmelnder Maden.

„Willst du den Segen empfangen?“, raunte die Stimme, die nun nicht mehr aus Hutters Kopf, sondern von jener blasphemischen Erscheinung kam. „Es kostet nicht mehr als dein Einverständnis.“

„Hinweg... mit dir“, keuchte Hutter mit letzter Kraft.

„Du hast die Wahl! Ergib dich der Krankheit, und du wirst ein Seuchenzombie werden, der willenlos meinem Befehl gehorcht. - Oder empfange den Segen der Widerstandskraft und werde ein mächtiger Champion in den Legionen meines Vaters. Welches Schicksal erscheint dir angemessener für einen Mann von deinem Rang und Namen?“

Hutter wollte antworten, doch in jenem Moment fühlte er, wie sein Herz zu stolpern begann. Gleich würde es aussetzen und für immer erstarren. Der Tod streckte die klammen Finger nach ihm aus. Es blieb ihm nur noch ein kurzer Moment.

„Du willst den Segen“, flüsterte der Meister, der nähergekommen war und die Spitze seiner Tentakelzunge über die Wange des Sterbenden streichen ließ. „Ich spüre es. Eine kluge Entscheidung… und gerade noch rechtzeitig.“
 
Neuer Mitkämpfer beim Karneval des Chaos: Barnabas der Berobte

Ich gebe zu: Diesen Ausgang der Sache hatten wir bereits geplant. Es war absehbar, dass Hutters Truppe im Spiel unterliegen würde, und wir wollten den Charakter nicht einfach sterben lassen. Also bleibt er am Leben, allerdings in den Diensten eines anderen Gottes als zuvor.

Großinquisitor Hutter hat sich sehr verändert…

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So erhält der Karneval des Chaos nun mit Barnabas dem Berobten seinen sechsten Helden. Er behält alle Steigerungen und seine gesamte Ausrüstung (schwere Rüstung, Schwert und zwei Pistolen). Nurgles Segen hebt seinen Widerstand auf 4 an und verleiht ihm außerdem einen dämonischen 5+ Rettungswurf (während seine Heilige Reliquie wirkungslos wird). Er ist fortan immun gegen die Fäulnis des Nurgle und nicht länger von der entsprechenden Regel betroffen.
 
Wow, was für eine Wendung! Besser als mit deinen Worten bzw. Den Worten von Meister Nosselgrun kann man Nurgle und seine Liebe nicht beschreiben! 😀
Herrlich und wieder ein Wahnsinns- Cliffhanger. Du bist jetzt aber nicht im wirklichen Leben Dramaturg/Regisseur o.ä.? Oder in Wirklichkeit ist dein Name Dan Abnett oder so?
 
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Reaktionen: Darius4118 und MORTOR
dass ihr auch immer die passenden Modelle parat habt. 😁 🥳
Naja, wir improvisieren. 😁 In diesem Fall hab ich einfach einem 40k-Seuchenzombie einen Hut aufgesetzt.
Du bist jetzt aber nicht im wirklichen Leben Dramaturg/Regisseur o.ä.?
Nene.😉 Ich hab einige historische Romane geschrieben, dadurch hab ich sicherlich eine gewisse Übung im Erzählen von Geschichten. Dies ist aber mein erster Ausflug in die Fantasy und erst recht in die Warhammerwelt. Wir beraten auch vieles zu zweit und "brainstormen", wie es weitergehen könnte, wobei natürlich dramatische Entwicklungen immer gern gesehen sind. Hier beim Karneval-Thema ergibt sich auch vieles direkt aus den Spielverläufen, z.B., wer nun mit der Seuche infiziert wird. Wir versuchen dann einfach, das jeweils Interessanteste (nach unserem Gefühl) daraus zu machen.
 
Spiel 7
Hinterhalt


Die Situation:

Dariyas Hexenjäger waren in einem anderen Teil der Stadt, als das Gefecht zwischen dem Karneval und der Truppe von Großinquisitor Hutter stattfand. Allerdings hörten sie von Weitem die Schüsse. Nun näherten sie sich, um herauszufinden, was vorgefallen war. Da sie davon ausgehen mussten, dass beide Parteien ihnen feindlich gesonnen waren, taten sie es sehr vorsichtig, zumal sie schon aus einiger Entfernung mehrere Leichen auf dem Marktplatz erkennen konnten.

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Ihre Mitkämpfer überredeten Dariya, einen nahen Wasserturm zu besteigen, der sich rund zwanzig Meter über die Umgebung erhob. Vor allem Helmuth und Martin waren dafür, denn sie wollten ihre Anführerin vor den Gefahren eines Nahkampfs bewahren, in dem selbst ein flüchtiger Treffer die tödliche Fäulnis des Nurgle übertragen konnte. Außerdem bot der Turm einen hervorragenden Umblick und ein weites Schussfeld für Dariyas Armbrust.

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Als die Hexenjäger jedoch den Marktplatz betraten, gerieten sie unversehens in einen Hinterhalt: Der Karneval des Chaos hatte mit ihrer Ankunft gerechnet und seine verseuchte Gefolgschaft auf mehrere umliegende Gebäude verteilt. Nun stürzten die Chaosanbeter aus ihren Verstecken hervor und versuchten ihre überraschten Gegner einzukreisen.

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Spiel 7: Verlauf

Meister Nosselgrun hatte im Oberstock des zerstörten Rathauses Stellung bezogen und schleuderte Zauber auf seine Feinde. Gleich der erste Versuch gelang und belegte ausgerechnet Helmuth mit „Beulen“: Er musste einen Widerstandstest bestehen, verpatzte diesen und verlor automatisch einen Lebenspunkt. Beim Ausschaltwurf fiel eine 5 – und das bedeutete, dass Helmuth, der stärkte Nahkämpfer der Hexenjäger, bereits zu Beginn des Spiels ausgeschaltet war. Zum Glück überträgt dieser Zauber nicht die Fäulnis des Nurgle. Dennoch war es ein schwerer Schlag.

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Da die Chaosanbeter aus verschiedenen Richtungen angriffen, wurden die Hexenjäger in mehrere kleine Gruppen getrennt, die sich jeweils einer Übermacht gegenübersahen. Eine ganze Horde von Kultisten und Seuchenzombies warf sich auf Ivana, die nur von zwei Zeloten und einem Flagellanten unterstützt wurde. Zum Glück bewies die unerschütterliche Kriegernonne wieder einmal ihr Talent mit dem Hammer und schickte mehrere der Angreifer zu Boden, ohne dass ihr selbst ein Haar gekrümmt wurde.

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Odo, der zusammen mit Helmuth und einem Zeloten unterwegs gewesen war, geriet in noch schlimmere Bedrängnis. Helmuth war durch Nosselgruns Zauber ausgeschaltet worden, und nun waren sie nur noch zwei Mann, die von mehreren Nurglings, Seuchenzombies und Befleckten angegriffen wurden. Immerhin war Odo dank seiner diversen Steigerungen – Widerstand 4 und 2 Lebenspunkte – mittlerweile ein harter Brocken mit echten Tank-Qualitäten. Er wehrte sich verbissen, selbst als sein Nebenmann fiel und er umzingelt wurde. Von der Höhe des Rathausfirsts herab versuchte Nosselgrun auch ihn mit einem Zauber zu belegen, versagte aber.

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An einem dritten Schauplatz waren zwei Seuchenhüter aufgetaucht und griffen die verbliebenen Zeloten an. Martin kam ihnen zur Hilfe – und obwohl er bereits von der Fäulnis des Nurgle geschwächt war, gelang es ihm in einer ebenso wütenden wie verzweifelten Anstrengung, beide Dämonen auszuschalten.

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Ivana hatte ihre Gegner mittlerweile besiegt. Nun aber näherte sich eine zweite Welle, angeführt von einem scheußlich deformierten Geschöpf, das groteskerweise den Hut eines Inquisitors trug. Es war niemand anderer als Barnabas Hutter. Er stürzte sich auf die „Ketzerin“, und es begann ein erbittertes Duell, bei dem beide sich mit Hageln heftiger Schläge eindeckten, aber am Rettungswurf des jeweils anderen scheiterten. (Ivana hatte durch ihre Heilige Reliquie einen 4+ Rettungswurf; Hutter seinen dämonischen 5+ Rettungswurf). Nach zwei weiteren Zügen hatten beide je einen Lebenspunkt verloren, doch keiner schien den anderen überwinden zu können.

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Inzwischen wurde Odo von ganzen 5 Gegnern eingekreist, und so tapfer er sich auch wehrte; am Ende hieben sie ihn nieder.

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Dariya konnte nicht in den Kampf eingreifen, denn der Weg über die spiralförmige Treppe vom Wasserturm herab hätte ganze drei Spielzüge gedauert. So blieb ihr nur, einen Armbrustbolzen nach dem anderen zu verschießen, wodurch sie immerhin drei Gegner tötete.

Am Ende verpatzten die Hexenjäger ihren Rückzugstest und ergriffen die Flucht.
 

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Rückzug! Rückzug!“

Dariya konnte nicht erkennen, wer da rief. Von ihrem hohen Aussichtspunkt sah sie nur, wie ihre Mitstreiter die Flucht ergriffen und die zahlreichen Verwundeten mitschleiften. Das Gefecht war verheerend gewesen, und sie fürchtete besonders um Helmuth und Odo, die beide mit erheblichen Verletzungen zu Boden gegangen waren. Umso mehr bedauerte sie, Helmuths Rat gefolgt zu sein und sich auf den Turm zurückgezogen zu haben. Hilflos hatte sie mit ansehen müssen, wie ein halbes Dutzend ihrer Mitstreiter ausgeschaltet worden war, und sie hatte nichts tun können, als einen Armbrustbolzen nach dem anderen zu verschießen.

„Dariya!“ Diesmal erkannte sie die Stimme: Es war Martin. Er stand am Fuß des Turms und winkte hektisch mit beiden Armen. „Pass auf! Es ist Hutter! Er kommt zu dir hinauf!“

Dariya erschrak. Sie beugte sich über die Brüstung, blickte in die Tiefe – und sah tatsächlich eine massige Gestalt auf halber Höhe des Turms die Treppe emporschlurfen. Bereits während des Kampfes war ihr der Neuling in den Reihen der Feinde aufgefallen, doch sie hatte ihn nur aus großer Entfernung und von oben gesehen, sodass keine Chance bestanden hatte, sein Gesicht zu erkennen. Der Hut allerdings war ihr aufgefallen: ein schwarzer Schlapphut mit breiter Krempe und einem silbernen Totenkopfemblem.
Der Großinquisitor… wie war das möglich?

Ein lautes Krachen ließ sie zurückfahren und in Deckung gehen; eindeutig ein Pistolenschuss. Erschrocken ließ sie die Armbrust fallen und zog ihre eigenen Feuerwaffen. Vorsichtig spähte sie über die Brüstung und sah die dunkle Gestalt mit dem Hut fünf Meter unter sich auf der Treppe. Er hatte den Kopf gehoben und zeigte sein Gesicht - ein Gesicht wie aus dem Albtraum eines Fieberkranken. Die Züge Barnabas Hutters waren kaum noch zu erkennen: Die Nase war zur Hälfte abgefault; ebenso die Oberlippe, sodass das blanke Gebiss wie bei einem Totenschädel hervorbleckte. In einer von Beulen übersäten Hand hielt er eine seiner Pistolen und zielte auf sie. Erneut warf sie sich in Deckung.

„Dariya!“ Wieder war es Martins Stimme. Auch er eilte die Treppe hinauf, die sich spiralförmig um den Turm hinaufwand. Wie stets war er ohne Zögern bereit, sein Leben für sie zu wagen – doch er hatte die Seuche, und auch wenn Ivanas Heilkünste den Fortschritt der Krankheit verzögert hatten, war er dennoch geschwächt. Selbst wenn er den Inquisitor einholte, würde er kaum im Kampf gegen ihn bestehen.

„Martin, nicht!“, rief sie ihm zu. „Bleib unten!“

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Ein zweiter Schuss knallte, und diesmal wurde eine Latte aus der Brüstung gerissen, sodass eine Lücke entstand. Dariya kauerte sich dahinter und legte mit ihren eigenen Pistolen an, um das Feuer zu erwidern. Doch sie zögerte, denn sie fürchtete, Martin zu treffen.

„Ich weiß, dass du da oben bist!“, knurrte eine Stimme, die klang wie das rostige Knirschen einer uralten Kette. „Komm heraus, dann bringen wir es zu Ende!“

Dariya überwand sich zum Abdrücken. Einer der Schüsse ging fehl; der zweite jedoch traf. Die massige Gestalt mit dem Hut zuckte für einen Moment, fing sich jedoch wieder. Dariya konnte kaum glauben, was sie sah. Zunächst hatte sie vermutet, dass der Großinquisitor mit der Seuche infiziert war – in diesem Fall jedoch wäre seine Widerstandskraft vermindert gewesen, und ein direkter Treffer hätte ihn zu Boden schicken müssen.

Sie ging wieder in Deckung und fingerte nach dem Pulverbeutel an ihrem Gürtel. Beide hatten ihre Kugeln verschossen, und nun würde es darauf ankommen, wer schneller nachladen konnte.

„Dari! Ich komme!“ Die Bohlen der Treppe knarrten. Offenbar war es Martin, der sich verbissen mühte, den Vorsprung des Gegners aufzuholen.

Das gab den Ausschlag. Dariya wollte um jeden Preis eine Konfrontation zwischen den beiden verhindern. Sie wusste, dass Martin todkrank war, dass er sterben würde – und dennoch wollte sie nicht zusehen, wie ausgerechnet Hutter sein Leben beendete. Sie ließ die Pistolen fahren, zog ihr Schwert und sprang aus der Deckung.

Auf der Treppe, nur wenige Stufen unter ihr, stand Barnabas Hutter – oder vielmehr das, was aus ihm geworden war. Das einzig Vertraute an seiner Erscheinung waren der Hut, der Mantel mit den Insignien des Templerordens und der blanke Hass in seinen Augen. Sein Gesicht jedoch war eine schädelartige Maske, und sein linker Arm war zu einem keulenförmigen Tentakel aufgequollen.

„Da bist du ja“, gurgelte er, wobei eine gelbliche Flüssigkeit aus seinen Mundwinkeln troff. „Sehr gut. Und nun wird abgerechnet!“

Er zog sein Schwert. Die Klinge war stumpf und glanzlos geworden, aber zweifellos immer noch tödlich. Maden krochen über das korrodierte Metall. Zehn Schritte hinter ihm tauchte Martin auf, hielt inne – und sank keuchend auf den Stufen in die Knie.

„Hutter…“ Dariya blickte ihren ehemaligen Berufskollegen fassungslos an. „Was ist mit Euch geschehen? Ist es die Seuche?“

Der ehemalige Großinquisitor grinste – ein erschreckender Anblick auf seinem zerstörten Gesicht.

„Die Seuche kann mir nichts mehr anhaben“, sagte er, „und ebenso wenig Kugeln oder Klingen. Ich habe den wahren Gott erkannt – jenen, der keine Gebete fordert, sondern Geschenke gewährt. Sieh mich an!“ Er schlug seinen Mantel auf, und zwischen den Aufschlägen quoll ein grotesk aufgeblähter Bauch hervor, an mehreren Stellen aufgeplatzt, sodass das violett verfärbte Gedärm sichtbar war. „Ich bin erneuert… wiedergeboren… erlöst von den Fesseln vergänglichen Fleisches! Das ist die wahre Auferstehung: Man muss den Verfall umarmen, statt ihm zu erliegen; dann ist man unbesiegbar.“

„Ihr habt Euch dem Seuchengott ergeben“, begriff Dariya. „Ausgerechnet Ihr! Und Ihr wolltet mich als Ketzerin anklagen?“

„Ich entfache keine Scheiterhaufen mehr“, erwiderte das Hutter-Ding. „Welche Verschwendung, das kostbare Fleisch zu verbrennen! Lieber soll es erblühen zu gesegneter Fäulnis und sich blähen in einem köstlichen Strom von Eiter und Gedärm. Ich bringe dir die Segnungen des wahren Gottes, Ungläubige!“

Mit einer Plötzlichkeit, die man seinem verunstalteten Körper nicht zugetraut hätte, schoss er vorwärts und schlug zu. Dariya parierte mit Mühe, wurde aber zurückgeschleudert und prallte mit dem Rücken gegen die Brüstung. Die Kraft dieses Scheusals war unglaublich und ging über jedes menschliche Maß hinaus. Noch bevor sie sich für eine weitere Parade gewappnet hatte, fuhr das Seuchenschwert erneut nieder, und nur um Haaresbreite konnte sie sich retten, indem sie sich zur Seite warf. Rasch kam sie wieder auf die Füße und führte einen gut gezielten Stich gegen den geschwollenen Wanst ihres Feindes. Doch es schien, als wäre er unverwundbar: Zwar durchdrang ihr Angriff seine Haut, doch nichts weiter geschah, als dass ein Klumpen Würmer sich aus der Wunde hervorringelte und auf die Holzbohlen klatschte.

Hutter grinste hämisch. Erneut hob er seine Waffe, und als Dariya sich decken wollte, packte er überraschend ihr Schwert mit seinem Tentakelarm und entriss es ihr.

„So!“, gurgelte er triumphierend. „Und nun, du freche Göre, wirst du sterben…“

„Nein!“ Das war Martin. Er hatte sich mühsam wieder auf die Beine gekämpft, wenngleich ihm anzusehen war, dass er kaum noch Kraft hatte. Die Seuche zehrte an ihm. Dennoch schien er in diesem Moment alles zusammenzuraffen, was ihm an Körperbeherrschung und verzweifeltem Mut geblieben war.

Hutter wandte sich zu ihm um – grinsend, da er offenbar einen nicht ernstzunehmenden Gegner erkannte. Martin jedoch erwiderte den Blick seiner grünlich glimmenden Augen nicht. Stattdessen sah er Dariya an, und seine Lippen formten stumme Worte, die sie mühelos las: Ich liebe dich.
Dann stürmte er los.

Hutter streckte ihm sein Schwert entgegen. Doch Martin war es gleich. Er stürzte sich in die Klinge, umschlang das aufgeblähte Scheusal und riss es mit dem ganzen Schwung seines Ansturms rücklings über das morsche Geländer. Zusammen stürzten sie hinab, fünfzehn Meter tief auf das Kopfsteinpflaster der Straße, und der Aufprall war eine Explosion aus Blut, Fleisch und zersplitterten Knochen.

Dariya verharrte mehrere Atemzüge lang. Endlich tastete sie zitternd nach ihrem Schwert, sank in die Knie… und begann zu begreifen, was gerade geschehen war. Für einen Augenblick überwog die Erleichterung. Dann erst kamen die Tränen. Martin hatte sein Versprechen wahr gemacht: Er hatte sein Leben, das ohnehin verloren war, für den höchstmöglichen Preis dahingegeben. Er hatte seine Geliebte gerettet – und zugleich ein Loch in ihr Herz gerissen, das sich niemals wieder schließen würde.
 

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[Out-Time:] Wir haben diese Szene entwickelt, ohne zu würfeln. Sie war die beste Gelegenheit für Martin, den Heldentod zu sterben, und zugleich das passende Ende für Barnabas Hutter. Der ehemalige Großinquisitor mochte von Nurgle mit unglaublicher Widerstandskraft gesegnet sein, doch diesen Sturz konnte selbst er nicht überstehen. Wenn ein Modell nach Mordheim-Regeln abstürzt, erhält es W3 Treffer mit einer Stärke gleich der Fallhöhe in Zoll – und die Fallhöhe betrug volle 8 Zoll. Da hilft auch Widerstand 4 nicht, zumal Hutter zu diesem Zeitpunkt nur noch einen seiner Lebenspunkte hatte. Wir sparten uns daher das Würfeln und beschlossen, dass „Barnabas der Berobte“ damit offiziell Geschichte ist.

***

Ergebnis: Klarer Sieg des Karnevals.

Dieses Spiel war ein wahres Gemetzel. Die Hexenjäger verloren die Hälfte ihrer Modelle: Helmuth, Odo, ein Flagellant, 4 Zeloten und der Kampfhund wurden ausgeschaltet – vom Ende Martins ganz zu schweigen. Glücklicherweise fielen die Würfe für schwere Verletzungen nach dem Spiel relativ milde aus. Von den Zeloten starb lediglich einer; Helmuth erholte sich vollständig, und Odo trug nur einen Schmiss über dem Auge davon, der seine BF dauerhaft um -1 senkt.

Im Übrigen ist es keineswegs so, dass der Karneval weniger Verluste gehabt hätte: Beide Seuchenhüter, ein Brute, ein Nurgling und 4 Kultisten wurden ausgeschaltet. Von ihnen allerdings erleidet kein einziger bleibende Verletzungen. Stattdessen regnet es Steigerungen, die größtenteils für neue Segnungen des Nurgle verbraucht werden – mit der Folge, dass nun sämtliche Helden einen dämonischen Rettungswurf von 5+ besitzen. In der Tat, der Seuchengott sorgt für seine geliebten Kinder.
 
R. I. P. Martin

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Im hoffnungsvollen Alter von gerade einmal 24 Jahren stirbt der tapfere Bauernsohn aus Sylvania einen traurigen, wenn auch nicht vergeblichen Tod. Möge Sigmar seiner Seele gnädig sein.

Arme Dariya…

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Nach dem Tod Martins tritt nun Florian Hirtgruber als neuer Kämpfer in die Heldenriege ein – allerdings mit einem Durchschnittsprofil, ohne Steigerungen und Erfahrung. Auch Martins Ausrüstung kann er nicht übernehmen, denn Ivana warnt davor, irgendetwas aus dem Besitz des Toten weiterzuverwenden – es könnte den Fluch der Seuche an sich tragen. Immerhin reichen die Mittel für Schwert, Schild und leichte Rüstung.