Völlige Dunkelheit umschloss ihn. Er sah nichts, spürte nichts, fühlte nichts. Ein gigantischer Void, unendliche Leere. Er versuchte zu atmen, keine Luft die in oder aus seinen Lungen strömte. Er stand auf, er konnte keines seiner Gliedmassen sehen, geschweige denn seinen Körper berühren. Wie als ob er nur aus Rauch und Dampf bestünde. Er konnte sich nicht mehr an seinen Namen erinnern oder warum er hier war. Ein Scharben wie tausend Klingen durchdrang ihn und liess ihn erschaudern. Er setzte sich in Bewegung, ohne zu wissen wohin. In der Entfernung hörte er ein Wimmern, nach einer gefühlten Ewigkeit sah er es. Ein kleines Mädchen, weinend am Boden sitzend, den Kopf in den Schoss versunken. Die Quelle des Wimmerns. Er versuchte etwas zu sagen, bekam jedoch kein Wort heraus. Urplötzlich stoppte das Wimmern, das Mädchen hob den Kopf. Sie hatte ein engelsgleiches, sanftes Gesicht. Ihre Augen waren komplett schwarz, ohne Iris und dergleichen. Sie hob ihren Arm und deutete in seine Richtung. „Hilf mir!“
Er drehte sich um. Abertausende Sensenklauen wandten sich in der Dunkelheit. Bildeten eine Art Horizont in der Schwärze über welchen er nicht hinausblicken konnte und kamen näher.
Er schaute wieder zu dem kleinen Engelsgesicht, sie hatte den Kopf wieder gesenkt, nickte ihm jedoch zu. Beim Versuch ihr näher zu kommen hielt ihn eine unsichtbare Macht zurück. Ihm war unklar was hier passierte, er wusste immernoch nicht wer er war. In Anbetracht seiner beschränkten Möglichkeiten wandte er sich wieder den Sensenklauen zu. Mit einer Wucht die er nicht erwartet hatte prallte die Bedrohung auf ihn. Klaue um Klaue ragte aus der Finsternis und schnitt durch seinen nicht vorhandenen Leib wie Butter, er umschlang sie, schlug sie, blockte sie ab, trat nach Ihnen, seine Angriffe waren wirkungslos und vergingen im Nichts, wie der Rauch aus welchem er bestand. Mehr und mehr säuselte von ihm davon, bis kaum noch was übrig blieb und er zu schwach war um weiterzukämpfen. Er ging zu Boden. Sein Blick wanderte zu dem kleinen Mädchen. Sie hob ihren Kopf und lächelte ihn an. In diesem Augenblick wurde ihm alles klar, er hatte jedoch keine Kraft mehr sich zu wehren. Er spürte eine schwere Hand sanft auf seiner linken Schulter, war jedoch zu schwach sich zu erheben. Eine Gestalt, gross und massig, schritt an ihm vorbei, direkt auf das Mädchen zu, keine Kraft schien sie zurückzuhalten und sie näherte sich bedächtig und gleichmässig dem unscheinbaren Kind. Das Mädchen hatte den Blick von ihm abgewandt und fixierte nun die sich nähernde Gestalt mit ernster Miene. Ihre Augen wurden ernster und tiefschwarze Tropfen liefen an ihren Tränensäcken hinunter, bis sich ihr Gesicht verzerrte und nur noch Zorn und Wut verströmte. Ein klirrendes Kreischen brach aus dem kleinen Mund hervor und wurde sogleich von einem Gurgeln abgewürgt als die Gestalt einen Arm ausstreckte und das Kind unwirsch am Hals packte. Ohne zu zögern packte die Gestalt den Kopf des Kindes mit dem anderen Arm und riss ihn ihr vom Leib.
Der dunkle Schleier löste sich auf, der Nebel verschwand und das schwammige Sichtfeld klärte sich. Norec erwachte aus seinem psionischen Gefängnis mit einem tiefen Atemzug. Er sah Tyton über sich gebeugt und seine Hand haltend, die Augen geschlossen.