Majestätisch erhoben sich die Middenberge in der Dämmerung. Durch die tiefstehende Sonne waren Sie in ein unheilvolles rotes Licht gehüllt. Nebel waberte um die höchsten Gipfel, und ließ die Spitzen in unwirklichem Feuer flackern. Ein stechender Wind zog von den Hängen herab, und drängte auf das Lager, welches an den Füßen der Berge aufgeschlagen wurde.
Grimmig starrte Eugen von seinem Posten auf den Ameisenhaufen, welcher mit jeder Minute wuchs, und langsam zu einem Feldlager wurde. Noch war die Ansammlung von Zelten nicht als solches zu erkennen, aber die Geschäftigkeit der Diener des Imperiums war unermüdlich. Emsig wurden neue Zelte aufgeschlagen, mit Seilen und Pflöcken gesichert, und mit dem nötigsten für die Nacht ausgestattet. Rauch stieg von der Feldküche auf, welche für die Größe dieses Heeres, winzig klein wirkte. Eugen konnte die hochroten Gesichter der Köche erkennen, welche hektisch begannen, für die etlichen Soldaten des Heeres Hochlands, unter der Führung von Hauptmann Heinrich von Kringe, ein Abendmahl zu bereiten. Missmutig blickte er auf das Bündel zu seinen Füßen, welches etwas Brot und Dörrfleisch enthielt. Die übliche Ration für die Späher des Heeres. Mit verzogenem Gesicht richtete er seinen Blick wieder auf die Geschäftigkeit unter ihm.
Am Westende des Lagers waren die Knechte damit beschäftigt, ein Gatter aufzubauen, welches direkt an einen Hügel angrenzte. Hier wurden die Pferde untergebracht, und von den Pferdeburschen und Knechten gefüttert und versorgt. Unweit des Pferchs erhob sich das Zelt des Hauptmanns. Gehalten in den Farben des Hochlandes, Rot und Grün, erkannte man den Status seines Bewohners an der Größe der Unterbringung, den aufgestellten Bannern, als auch an der Anzahl der Wachen. Hauptmann von Kringe war ein hochgewachsener, schlaksiger Mann. Seine Statur ließ nicht erahnen, welcher Krieger sich darin verbarg. Niemand im Heer vermochte den Hauptmann beim Schwertkampf zu besiegen. Sein scharfer Verstand, und sein angeborenes Verständnis für militärische Taktiken sorgte zudem dafür, dass er seinem Gegner meist einen Schritt voraus war. Dies waren die Gründe, weshalb der Kurfürst Hochlands von Kringe auswählte, um das Heer in die Schlacht zu führen.
Mit jeder Stunde nahmen die Größe, und der Umfang des Feldlagers zu. Es wurden große Feuer entzündet, um welche sich üblicherweise die Soldaten scharrten, um sich zu wärmen, und den Geschichten der Veteranen zu lauschen. Dies waren die Anlaufpunkte innerhalb des Heers, bei denen sich Anführer und Untergebene trafen, um miteinander zu trinken, zu singen und zu reden. So war es bisher immer gewesen. Doch diese Nacht war anders. Es herrschte eine spürbare Anspannung innerhalb des Feldlagers. Die wenigen, welche sich draußen aufhielten, hielten sich in großen Gruppen. In Ihren Augen flackerten Nervosität und Unsicherheit, und die wenigen Ansammlungen wurden zügig aufgelöst. Diese Nacht war die letzte vor der Geheimnisnacht. Jener unglückseligen Nacht, in welcher Mannslieb und Morrslieb in voller Pracht gemeinsam am Himmel stehen würden.
Kurz nach Mitternacht beschloss Eugen, sich weiter in Richtung des feindlichen Heeres zu bewegen, welches nördlich ihres Feldlagers vermutet wurde. Aufgrund seiner 42 Jahre, welche er bereits auf dieser Welt wandelte, war er einer der erfahrensten Soldaten im Heer des Hauptmanns. Seine Fähigkeiten als Späher waren eine wichtige taktische Option, welche der Hauptmann nur zu gerne für seine Zwecke einsetzte. Es war erstaunlich, mit welcher Routine die Lagebesprechungen zwischen dem Hauptmann und seinem Späher abliefen. Neben der Gestalt des Hauptmanns wirkte Eugen fast klein. Er reichte dem Hauptmann bis zum Halsansatz, war allerdings um einiges breiter und muskulöser als sein Heerführer. Sein pechschwarzes Haar reichte bis zu seinen Schultern, und war zu einem kunstvollen Zopf geflochten. Gehalten wurde die Haarpracht von einem matten silbernen Ring, auf welchem das Zeichen Taals, ein Hirschgeweih, eingeprägt war. Er trug einen schwarzen Lederanzug mit passendem Schuhwerk und Handschuhen, welche bar jeder Verzierung waren. In Kreuzform bedeckten ein Langschwert sowie ein lederner Köcher seinen Rücken. Zusätzlich hatte er noch einen geschwärzten Dolch am Gürtel. Seinen Langbogen trug er immer in der Rechten, bereit ihn in tödlicher Präzision auf sein Ziel auszurichten, und dieses zur Strecke zu bringen. Doch wie die Nacht, war auch die Besprechung, kurz nach der Ankunft am Vorabend, nicht wie gewohnt. Eugen vermisste die Zuversicht in der Stimme des Hauptmanns. Etwas bedrückte den Hauptmann, und Eugen spürte, wie sich dies auf das ganze Heer übertrug. Das Gespräch war kurz und einseitig. Hauptmann von Kringe sandte seinen Späher aus, um die derzeitige Position und Stärke des Feindes zu ermitteln. Nach dem kurzen Wortwechsel sahen sich die beiden Männer an. „Achtet auf Euch“, flüsterte von Kringe fast lautlos in die Richtung Eugens. Daraufhin verließ der Heerführer den Raum, und ließ seinen Späher allein mit seinen Gedanken.
Vorsichtig bewegte er sich im Schatten der Middenberge, welche sich zu seiner Linken erhoben. Lautlos pirschte er weiter in die Ungewissheit, da er weder wusste gegen welchen Feind sie zogen, noch wie zahlreich dieser sein würde. Der Hauptmann hatte angedeutet, dass es sich wahrscheinlich um marodierende Nordmänner handeln würde, doch Eugen hatte Angst in den Augen des Heerführers gesehen. Seine letzten Worte an ihn hatten sich in Eugens Gedächtnis gebrannt. Daher bewegte sich der Späher vorsichtiger als üblich durch den großen Wald. Er durchschritt den lichter werdenden Wald, und erreichte eine große Lichtung, welche in eine Ebene an den Hängen der Middenberge führte. Der Wind trug den Geruch von Feuer und Blut in seine Richtung, und Eugen verstärkte instinktiv den Griff um seinen Bogen. Der Späher bewegte sich auf die Berge zu, und umlief das Lager in sicherer Entfernung. Die letzten Stunden der Nacht waren angebrochen, und er musste sich beeilen, um den Schutz der Dunkelheit nicht zu verlieren. Er erklomm einen Hang und kroch über dessen Kuppe, um einen Blick auf das zu werfen, was sich vor ihm erstreckte.
Die Flammen des gigantischen Scheiterhaufens schlugen weit in den Himmel hinein, als ob es Finger wären, welche nach dem Chaosmond griffen. In den Flammen lagen bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Gebeine, geopfert im Zuge eines blasphemischen Rituals. Der Atem des Spähers blieb für einen kurzen Moment aus, als sein Verstand die Gräuel erfasste, welche sich hier abgespielt hatten. Eugen machte hunderte Leichen aus, welche im und um den Scheiterhaufen herum lagen, die meisten waren geköpft oder ausgeweidet worden. Inmitten des Blutbades kniete eine gepanzerte Gestalt von enormer Größe. Langsam erhob sich der Hüne. Er senkte sein Haupt vor dem Scheiterhaufen, und hielt beide Arme seitlich von sich. In jeder Faust hielt er eine gewaltige Axt, reich verziert und noch triefend vor Blut, welches langsam über die Schneiden lief, und in Rinnsalen auf den Boden tropfte. Als der Hüne zu sprechen begann, schauderte Eugen. Solch eine tiefe und düstere Stimme hatte der Späher noch nie vernommen. „Khorne. Herr der Schädel. Meister des Schlachtens. Nimm dieses Opfer an, und segne mich mit Deiner Macht. Der Stamm der schwarzen Schädel nahm die Gunst bereitwillig an, um sich Dir endgültig hinzugeben. Ihre Seelen sind nun bei Dir, Blutgott. Auf ewig werden sie in Deinen Hallen fechten, um sich Dir zu beweisen.“ Nach diesen Worten hob er seinen Kopf. Sein kahler Schädel wurde von einem weißen Irokesen geziert. Flankiert wurde die Haarpracht auf beiden Seiten von rot glühenden Tätowierungen, welche das Zeichen des Khorne darstellten. Er war gehüllt in eine gewaltige Chaosrüstung, welche reichlich verziert war. Etliche Schädel hingen von den langen Stacheln seiner Schulterpanzer herab, und sein breiter Rücken wurde von einem schwarzen Lederumhang umhüllt. Abrupt drehte sich der Hüne auf der Stelle, und entfernte sich vom Scheiterhaufen, welcher kurz darauf intensiver als zuvor brannte. Sein Ziel war eine Streitmacht gerüsteter Chaoskrieger. Obgleich die Anzahl der Schlächter gering war, schauderte Eugen beim Anblick dieser unmenschlichen Kampfmaschinen.
Der Scheiterhaufen wurde von einem unnatürlichen Wind umspielt. Dunkler Nebel gesellte sich zu den tiefroten Flammen, und umgarnte das Feuer. Die Flammen verbanden sich mit dem Nebel, und erschufen einen wabernden Riss im Gefüge der Realität. Kreisförmig dehnte sich das endlose Schwarz aus, umgeben von einem feurigen Ring schwarzer Flammen, welche die Realität mit einem Kreischen zerfraßen. Nachdem das Loch einen Durchmesser von fast 30 Ellen erreicht hatte, verebbten die Flammen, und das schwarze Nichts wurde nur von einem dunklen Wabern umgeben, welches im Wind flackerte. Die Chaoskrieger warteten ab, einige hatten sich niedergekniet und preisten Khorne mit gutturalen Gesängen. Der Anführer murmelte etwas unverständliches, und trat einige Schritte auf den Riss im Gefüge der Welt heran.
Inmitten des schwarzen Nichts erschienen zwei rote flammende Punkte. Anfänglich verschwommen, wurden die Augen immer deutlicher. In den Augenwinkeln flackerten die Flammen nach oben, und unterstrichen den lodernden Hass, welcher von dem Augenpaar ausging. Nebst den Augen erkannte man die Umrisse einer gigantischen Gestalt inmitten der Leere des Risses. Ein gehörnter Stierkopf mit brennenden Augäpfeln trat in die Realität ein. Sein massiger behaarter Körper war gehüllt in eine barocke bronzene Rüstung, welche mit blasphemischen Symbolen übersät war. In seinen gewaltigen Pranken hielt er eine riesige Doppelblattaxt, sowie eine schwarze Peitsche, welche vor dunkler Energie knisterte. Der Dämon setzte einen gespaltenen Huf auf die Erde, welche unter seinem Schritt erzitterte, und schob seine gigantische Gestalt vollständig aus der Leere in die Welt. Er streckte die Arme von sich und breitete seine ledernen Schwingen aus, sog hörbar die Luft durch seine Nüstern ein, legte seinen Kopf in den Nacken und stieß ein markerschütterndes Gebrüll aus. Als Antwort erhielt der Dämon einen gewaltigen Jubel aus den Kehlen der anwesenden Chaoskrieger.
Der ungläubige Schrei Eugens wurde vom Brüllen des Monsters geschluckt. Völlig Kopflos erhob sich der Späher und rannte so schnell es seine Beine zuließen von dem unwirklichen Schauspiel weg. Er achtete nicht auf seine Umgebung, sondern versuchte so schnell wie möglich von dem Grauen, welches er gerade zu Gesicht bekommen hatte, wegzukommen. Äste scheuerten durch sein Gesicht und hinterließen blutige Striemen, doch das einzige Gefühl, welches Eugen gerade innewohnte, war die schiere Panik vor dem Verlust seines eigenen Lebens.
Völlig außer Atem, und am Ende seiner Kräfte erreichte Eugen das Feldlager. Seine Ankunft wurde dem Hauptmann bereits gemeldet, da der Veteran sich keine Mühe gemacht hatte im Verborgenen sein Ziel zu erreichen. Erschöpft, und mit seinen Kräften am Ende, torkelte er auf das Zelt des Heerführers zu. Er wies Hilfe und Verpflegung ab, nur um seinem Herrn so schnell als möglich seine Beobachtungen kundzutun. Die Art und Weise, in der Eugen von der Feindsichtung zurückkam, führte zu offener Unsicherheit im Lager. Die Soldaten versammelten sich in großen Gruppen, und diskutierten offen über den möglichen Feind, welche den alten Haudegen so verschreckt haben mochte. Eugen erreichte sein Ziel, und fand Hauptmann von Kringe in Begleitung des Sigmarpriesters Augustus vor. „Dämon, mein Herr, ein Dämon ist in Ihrer Begleitung“ stammelte Eugen in Richtung seines Heerführers. Langsam erhob sich von Kringe, und ging langsam auf seinen Späher zu. „Was erzählt Ihr da? Seid Ihr Euch sicher?“ der Hauptmann umgriff die breiten Schultern Eugens, und sah ihm tief in die Augen. Die Angst, welche er zu Gesicht bekam, war ihm Beweis genug, das sein langjähriger Kampfgefährte die Wahrheit berichtete. „Ihre Zahl ist gering, gerade einmal ein Drittel unseres Heeres. Allerdings führen Sie ein gewaltiges Monster in die Schlacht. Es ist in eine Rüstung gehüllt, welches diese Zeichen trug“ berichtete Eugen weiter, und begann die Zeichen auf den Boden zu zeichnen. Der Hauptmann trat einen Schritt zurück, und wechselte einen erschreckten Blick mit dem Sigmarpriester, welcher instinktiv zum Zeichen Sigmars griff, welches an einer massiven Eisenkette um seinen Hals hing. „Haltet ein“ brummte Augustus in Eugens Richtung. „Ihr entweiht diesen Ort, wenn Ihr fortfahrt“. Eugen zuckte bei diesen Worten zusammen, ließ seine Zeichnung unvollendet, und erhob sich wieder. „Wann werden Sie unsere Schlachtlinie erreichen?“ fragte von Kringe, als er zurück zu seinem prunkvollem Stuhl ging, welcher seit Generationen im Besitz seiner Familie war, und sich mit einem tiefen Seufzer in ihn hineinfallen ließ. Der Veteran blickte von Kringe mit erschöpften Augen an „Zur Dämmerung werden Sie uns erreicht haben.“
Gedankenverloren starrte von Kringe auf die Zeichen, welche unheilvolle Schatten im Flackern des Feuers warfen. Augustus hatte Eugen aus dem Zelt geleitet, und ihm Mut, im Angesicht der kommenden Schlacht zugesprochen. Der Heerführer wusste, dass Eugen kein Wort gegenüber den anderen Soldaten verlieren würde. Er spürte die Last, welche sein Späher ihm durch seinen letzten Blick aufgeladen hatte. Die Last, das Leben der Soldaten, welche unter seinem Kommando standen, nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzten. „Sigmar ist mit uns, Heerführer. Wir werden diesen Abschaum vom Angesicht des Imperiums fegen.“ Beiläufig wischte der Priester die Zeichen auf dem Boden mit seinem Panzerschuh weg. „Die Unwissenheit Eures Spähers wird ihn nicht vor dem Makel des Chaos beschützen. Er hat die verbotenen Zeichen beschrieben, und muss geläutert werden.“ Der Heerführer hob den Kopf. „Ihr persönlich werdet die Zeremonie leiten, und ihn vor Sigmar reinigen. Ich benötige seine Erfahrung und seinen unerschütterlichen Glauben an das Imperium, um dem Heer einen Hoffnungsschimmer im Angesicht des Feindes zu geben.“ Mit Freuden erblickte der Priester die wiederkehrende Stärke im Blick des schlaksigen Mannes, und verließ mit einem Nicken das Zelt.
Hauptmann von Kringe saß auf seinem gerüsteten Schlachtross in Front der soeben entstehenden Schlachtlinie. Mit scharfem Auge und fester Stimme dirigierte er die Aufstellung seines Heeres. Er hatte eine große Lichtung als Schlachtplatz erwählt, welche direkt im Einzugsgebiet der Nordmänner lag. Seine Späher sicherten die umliegenden Hügel, um auf etwaige Vorstöße des Feindes aus einer unerwarteten Richtung frühzeitig reagieren zu können. Langsam näherte sich die eindrucksvolle Gestalt des Rittmeisters vom Orden des zweischweifigen Kometen auf seinem Schlachtross dem Heerführer. „Sigmar zum Gruße, Hauptmann“ erklang die raue Stimme des Ritters. Mit einem Nicken antwortete von Kringe, sichtlich verärgert über die Störung seiner Schlachtvorbereitung. „Wir werden von der rechten Flanke aus in das Herz der Nordmänner einfallen, und Sie niedermachen.“ Bei diesen Worten schlug sich der Ritter mit seiner gepanzerten Faust auf die Brust, um seine Worte zu untermauern. „Ich gestehe Euch die rechte Flanke zu Rittmeister. Allerdings werdet Ihr auf mein Geheiß hin eingreifen. Und keiner Eurer arroganten Ritter wird aus der Reihe tanzen. Ihr persönlich bürgt mir für die Disziplin innerhalb Eures Regiments. Wir kämpfen nicht gegen Strauchdiebe oder Grünhäute. Wir stehen Nordmännern gegenüber. Und offenbar führen Sie noch weit schlimmeres mit sich. Mut und Tapferkeit, gepaart mit Taktik wird unseren Sieg sichern.“ Gedankenverloren starrte der Hauptmann auf die noch in Unordnung befindliche Schlachtlinie. „Macht den Imperator und mich stolz. Sigmar zum Gruße Rittmeister.“ Der Ritter deutete eine Verbeugung an, und trabte in Richtung seiner zugewiesenen Position.
Nach stundenlanger Vorbereitung, und rechtzeitig zur einsetzenden Dämmerung, war die Schlachtlinie gebildet. Unzählige Schwertkämpfer und Speerträger standen in einer Flucht mit den Sie flankierenden Rittern und Bihandkämpfern. Die Abteilungen der Musketen-, Bogen- und Armbrustschützen folgten der ersten Schlachtreihe auf dem Fuße, und standen aufgrund der Hanglage, welche der Hauptmann für die Aufstellung gewählt hatte erhöht. Somit konnte der Feind mit einem tödlichen Geschosshagel eingedeckt werden. Die Großkanonen wurden auf Hügeln platziert, um größtmögliche Verluste zu verursachen. Die Sigmarpriester verteilten sich innerhalb des Heeres, um mit feurigen Worten die Kampfkraft der Soldaten zu steigern. Als die Hörner der Späher erklangen, und die Ankunft des Feindes ankündigten, ritt Hauptmann von Kringe langsam die Schlachtlinie ab, und sprach mit fester Stimme „Soldaten. Sigmar ist mit uns. Für unseren Imperator Karl-Franz werden wir den Feind vernichten. Gleich welche Schrecken er uns entgegenwirft, wir werden mit eiserner Faust in ihre Reihen einschlagen, und sie zerschmettern. Mit blankem Schwert und brennendem Zorn jagen wir die räudigen Hunde in die Hölle zurück, aus der sie entsprungen sind. Auf das sie unser geliebtes Hochland nie wieder heimsuchen werden.“ Der Glaube in seinen Augen, der Zorn in seiner Stimme, und sein ernstes Gesicht unterstrichen die Worte in ihrer Wirkung. Die Antwort seines Heeres drang wie Donnerhall auf ihn herab. Wie aus einer Kehle erhob die Armee ihre Stimme und brüllte ihre Willensstärke dem nahenden Feind entgegen.
Die Chaoskrieger formierten sich in der Front des Imperialen Heeres. Ihre Zahl war der des Hochländischen Heeres weit unterlegen. Doch trotz der feurigen Rede des Hauptmannes sorgte der Anblick der riesigen gepanzerten Schlächter für Unbehagen bei den Soldaten des Imperiums. Aus den Reihen der Nordmänner löste sich eine riesenhafte Gestalt. Eugen schauderte inmitten seines ihm unterstellten Regimentes Bogenschützen, als er den Hünen wiedererkannte. Er ahnte, was der Nordmann vorhatte. Seit der Unterredung mit Augustus, und der anschließenden Läuterung, begleitete den Veteran eine ständige Todesangst. Er hoffte inständig, dass seine Ängste sich nicht in traurige Wirklichkeit verwandeln würden.
Der Krieger rammte seine Äxte vor sich kreuzförmig in den Boden, und nahm seinen Helm ab, welchen er in den Winkel der Axtstiele ablegte. Mit geöffneten Armen schritt er über das noch jungfräuliche Schlachtfeld, und blieb mittig zwischen den beiden Streitmächten stehen. Hauptmann von Kringe konnte seinen Unmut ob des bevorstehenden Wortwechsels mit dem Nordmann kaum verhehlen. Er stieg vom Pferd, übergab sein Schwert an Augustus, und schritt auf den wartenden Chaoskrieger zu. Sämtliche Blicke waren auf den Hauptmann und seinen Gegenspieler gerichtet. Eine unglaubliche Anspannung erfüllte die Soldaten, welche hofften die Nordmänner durch die schiere Größe des Heeres zur Aufgabe zwingen zu können. Ein Frösteln durchzog Eugens Körper, als er den Heerführer auf den Nordmann zu stapfen sah. Ein eiskalter Schauer fuhr ihm über den Rücken, und eine unsichtbare Kraft ließ ihn in den Himmel schauen. Die beiden Monde schoben Ihre volle Pracht langsam in den Vordergrund der aufziehenden Nacht, und erhellten die Schrecken in Form von etlichen gehörnten und rotgeschuppten Dämonen, welche hinter den Nordmännern lauerten.
Mit einem ohrenbetäubenden Brüllen schwang sich der Blutdämon in die Luft. Seine ledrigen Schwingen trugen ihn auf den spurtenden Heerführer zu, welcher sich der Falle erst beim Anblick des lachenden Nordmannes bewusst wurde. „Zum Angriff“ waren die letzten Worte des Heerführers. Mit einem gewaltigen Beben kam der Dämon auf dem Boden auf, und packte den Hauptmann mit seiner linken Pranke. In einer eleganten Bewegung warf das Untier den Menschen in die Höhe, und zerteilte seinen Körper mit einem mächtigen Schwinger seiner riesigen Axt. Ein Blutschwall ging auf die vorderen Regimenter des Imperiums hernieder. Mit gebleckten Zähnen forderte der Dämon die Menschen heraus, und erwartete eine denkwürdige Schlacht.
In jenem Moment, als das Heer wie eine Einheit zum Angriff überging, sprichwörtlich die Hölle losbrach, wurde Eugen klar, dass die Hoffnung verschwunden war. Es existierte nur noch blanker Zorn. Die Angst war fort, und der Rachewunsch allgegenwärtig.
Grimmig starrte Eugen von seinem Posten auf den Ameisenhaufen, welcher mit jeder Minute wuchs, und langsam zu einem Feldlager wurde. Noch war die Ansammlung von Zelten nicht als solches zu erkennen, aber die Geschäftigkeit der Diener des Imperiums war unermüdlich. Emsig wurden neue Zelte aufgeschlagen, mit Seilen und Pflöcken gesichert, und mit dem nötigsten für die Nacht ausgestattet. Rauch stieg von der Feldküche auf, welche für die Größe dieses Heeres, winzig klein wirkte. Eugen konnte die hochroten Gesichter der Köche erkennen, welche hektisch begannen, für die etlichen Soldaten des Heeres Hochlands, unter der Führung von Hauptmann Heinrich von Kringe, ein Abendmahl zu bereiten. Missmutig blickte er auf das Bündel zu seinen Füßen, welches etwas Brot und Dörrfleisch enthielt. Die übliche Ration für die Späher des Heeres. Mit verzogenem Gesicht richtete er seinen Blick wieder auf die Geschäftigkeit unter ihm.
Am Westende des Lagers waren die Knechte damit beschäftigt, ein Gatter aufzubauen, welches direkt an einen Hügel angrenzte. Hier wurden die Pferde untergebracht, und von den Pferdeburschen und Knechten gefüttert und versorgt. Unweit des Pferchs erhob sich das Zelt des Hauptmanns. Gehalten in den Farben des Hochlandes, Rot und Grün, erkannte man den Status seines Bewohners an der Größe der Unterbringung, den aufgestellten Bannern, als auch an der Anzahl der Wachen. Hauptmann von Kringe war ein hochgewachsener, schlaksiger Mann. Seine Statur ließ nicht erahnen, welcher Krieger sich darin verbarg. Niemand im Heer vermochte den Hauptmann beim Schwertkampf zu besiegen. Sein scharfer Verstand, und sein angeborenes Verständnis für militärische Taktiken sorgte zudem dafür, dass er seinem Gegner meist einen Schritt voraus war. Dies waren die Gründe, weshalb der Kurfürst Hochlands von Kringe auswählte, um das Heer in die Schlacht zu führen.
Mit jeder Stunde nahmen die Größe, und der Umfang des Feldlagers zu. Es wurden große Feuer entzündet, um welche sich üblicherweise die Soldaten scharrten, um sich zu wärmen, und den Geschichten der Veteranen zu lauschen. Dies waren die Anlaufpunkte innerhalb des Heers, bei denen sich Anführer und Untergebene trafen, um miteinander zu trinken, zu singen und zu reden. So war es bisher immer gewesen. Doch diese Nacht war anders. Es herrschte eine spürbare Anspannung innerhalb des Feldlagers. Die wenigen, welche sich draußen aufhielten, hielten sich in großen Gruppen. In Ihren Augen flackerten Nervosität und Unsicherheit, und die wenigen Ansammlungen wurden zügig aufgelöst. Diese Nacht war die letzte vor der Geheimnisnacht. Jener unglückseligen Nacht, in welcher Mannslieb und Morrslieb in voller Pracht gemeinsam am Himmel stehen würden.
Kurz nach Mitternacht beschloss Eugen, sich weiter in Richtung des feindlichen Heeres zu bewegen, welches nördlich ihres Feldlagers vermutet wurde. Aufgrund seiner 42 Jahre, welche er bereits auf dieser Welt wandelte, war er einer der erfahrensten Soldaten im Heer des Hauptmanns. Seine Fähigkeiten als Späher waren eine wichtige taktische Option, welche der Hauptmann nur zu gerne für seine Zwecke einsetzte. Es war erstaunlich, mit welcher Routine die Lagebesprechungen zwischen dem Hauptmann und seinem Späher abliefen. Neben der Gestalt des Hauptmanns wirkte Eugen fast klein. Er reichte dem Hauptmann bis zum Halsansatz, war allerdings um einiges breiter und muskulöser als sein Heerführer. Sein pechschwarzes Haar reichte bis zu seinen Schultern, und war zu einem kunstvollen Zopf geflochten. Gehalten wurde die Haarpracht von einem matten silbernen Ring, auf welchem das Zeichen Taals, ein Hirschgeweih, eingeprägt war. Er trug einen schwarzen Lederanzug mit passendem Schuhwerk und Handschuhen, welche bar jeder Verzierung waren. In Kreuzform bedeckten ein Langschwert sowie ein lederner Köcher seinen Rücken. Zusätzlich hatte er noch einen geschwärzten Dolch am Gürtel. Seinen Langbogen trug er immer in der Rechten, bereit ihn in tödlicher Präzision auf sein Ziel auszurichten, und dieses zur Strecke zu bringen. Doch wie die Nacht, war auch die Besprechung, kurz nach der Ankunft am Vorabend, nicht wie gewohnt. Eugen vermisste die Zuversicht in der Stimme des Hauptmanns. Etwas bedrückte den Hauptmann, und Eugen spürte, wie sich dies auf das ganze Heer übertrug. Das Gespräch war kurz und einseitig. Hauptmann von Kringe sandte seinen Späher aus, um die derzeitige Position und Stärke des Feindes zu ermitteln. Nach dem kurzen Wortwechsel sahen sich die beiden Männer an. „Achtet auf Euch“, flüsterte von Kringe fast lautlos in die Richtung Eugens. Daraufhin verließ der Heerführer den Raum, und ließ seinen Späher allein mit seinen Gedanken.
Vorsichtig bewegte er sich im Schatten der Middenberge, welche sich zu seiner Linken erhoben. Lautlos pirschte er weiter in die Ungewissheit, da er weder wusste gegen welchen Feind sie zogen, noch wie zahlreich dieser sein würde. Der Hauptmann hatte angedeutet, dass es sich wahrscheinlich um marodierende Nordmänner handeln würde, doch Eugen hatte Angst in den Augen des Heerführers gesehen. Seine letzten Worte an ihn hatten sich in Eugens Gedächtnis gebrannt. Daher bewegte sich der Späher vorsichtiger als üblich durch den großen Wald. Er durchschritt den lichter werdenden Wald, und erreichte eine große Lichtung, welche in eine Ebene an den Hängen der Middenberge führte. Der Wind trug den Geruch von Feuer und Blut in seine Richtung, und Eugen verstärkte instinktiv den Griff um seinen Bogen. Der Späher bewegte sich auf die Berge zu, und umlief das Lager in sicherer Entfernung. Die letzten Stunden der Nacht waren angebrochen, und er musste sich beeilen, um den Schutz der Dunkelheit nicht zu verlieren. Er erklomm einen Hang und kroch über dessen Kuppe, um einen Blick auf das zu werfen, was sich vor ihm erstreckte.
Die Flammen des gigantischen Scheiterhaufens schlugen weit in den Himmel hinein, als ob es Finger wären, welche nach dem Chaosmond griffen. In den Flammen lagen bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Gebeine, geopfert im Zuge eines blasphemischen Rituals. Der Atem des Spähers blieb für einen kurzen Moment aus, als sein Verstand die Gräuel erfasste, welche sich hier abgespielt hatten. Eugen machte hunderte Leichen aus, welche im und um den Scheiterhaufen herum lagen, die meisten waren geköpft oder ausgeweidet worden. Inmitten des Blutbades kniete eine gepanzerte Gestalt von enormer Größe. Langsam erhob sich der Hüne. Er senkte sein Haupt vor dem Scheiterhaufen, und hielt beide Arme seitlich von sich. In jeder Faust hielt er eine gewaltige Axt, reich verziert und noch triefend vor Blut, welches langsam über die Schneiden lief, und in Rinnsalen auf den Boden tropfte. Als der Hüne zu sprechen begann, schauderte Eugen. Solch eine tiefe und düstere Stimme hatte der Späher noch nie vernommen. „Khorne. Herr der Schädel. Meister des Schlachtens. Nimm dieses Opfer an, und segne mich mit Deiner Macht. Der Stamm der schwarzen Schädel nahm die Gunst bereitwillig an, um sich Dir endgültig hinzugeben. Ihre Seelen sind nun bei Dir, Blutgott. Auf ewig werden sie in Deinen Hallen fechten, um sich Dir zu beweisen.“ Nach diesen Worten hob er seinen Kopf. Sein kahler Schädel wurde von einem weißen Irokesen geziert. Flankiert wurde die Haarpracht auf beiden Seiten von rot glühenden Tätowierungen, welche das Zeichen des Khorne darstellten. Er war gehüllt in eine gewaltige Chaosrüstung, welche reichlich verziert war. Etliche Schädel hingen von den langen Stacheln seiner Schulterpanzer herab, und sein breiter Rücken wurde von einem schwarzen Lederumhang umhüllt. Abrupt drehte sich der Hüne auf der Stelle, und entfernte sich vom Scheiterhaufen, welcher kurz darauf intensiver als zuvor brannte. Sein Ziel war eine Streitmacht gerüsteter Chaoskrieger. Obgleich die Anzahl der Schlächter gering war, schauderte Eugen beim Anblick dieser unmenschlichen Kampfmaschinen.
Der Scheiterhaufen wurde von einem unnatürlichen Wind umspielt. Dunkler Nebel gesellte sich zu den tiefroten Flammen, und umgarnte das Feuer. Die Flammen verbanden sich mit dem Nebel, und erschufen einen wabernden Riss im Gefüge der Realität. Kreisförmig dehnte sich das endlose Schwarz aus, umgeben von einem feurigen Ring schwarzer Flammen, welche die Realität mit einem Kreischen zerfraßen. Nachdem das Loch einen Durchmesser von fast 30 Ellen erreicht hatte, verebbten die Flammen, und das schwarze Nichts wurde nur von einem dunklen Wabern umgeben, welches im Wind flackerte. Die Chaoskrieger warteten ab, einige hatten sich niedergekniet und preisten Khorne mit gutturalen Gesängen. Der Anführer murmelte etwas unverständliches, und trat einige Schritte auf den Riss im Gefüge der Welt heran.
Inmitten des schwarzen Nichts erschienen zwei rote flammende Punkte. Anfänglich verschwommen, wurden die Augen immer deutlicher. In den Augenwinkeln flackerten die Flammen nach oben, und unterstrichen den lodernden Hass, welcher von dem Augenpaar ausging. Nebst den Augen erkannte man die Umrisse einer gigantischen Gestalt inmitten der Leere des Risses. Ein gehörnter Stierkopf mit brennenden Augäpfeln trat in die Realität ein. Sein massiger behaarter Körper war gehüllt in eine barocke bronzene Rüstung, welche mit blasphemischen Symbolen übersät war. In seinen gewaltigen Pranken hielt er eine riesige Doppelblattaxt, sowie eine schwarze Peitsche, welche vor dunkler Energie knisterte. Der Dämon setzte einen gespaltenen Huf auf die Erde, welche unter seinem Schritt erzitterte, und schob seine gigantische Gestalt vollständig aus der Leere in die Welt. Er streckte die Arme von sich und breitete seine ledernen Schwingen aus, sog hörbar die Luft durch seine Nüstern ein, legte seinen Kopf in den Nacken und stieß ein markerschütterndes Gebrüll aus. Als Antwort erhielt der Dämon einen gewaltigen Jubel aus den Kehlen der anwesenden Chaoskrieger.
Der ungläubige Schrei Eugens wurde vom Brüllen des Monsters geschluckt. Völlig Kopflos erhob sich der Späher und rannte so schnell es seine Beine zuließen von dem unwirklichen Schauspiel weg. Er achtete nicht auf seine Umgebung, sondern versuchte so schnell wie möglich von dem Grauen, welches er gerade zu Gesicht bekommen hatte, wegzukommen. Äste scheuerten durch sein Gesicht und hinterließen blutige Striemen, doch das einzige Gefühl, welches Eugen gerade innewohnte, war die schiere Panik vor dem Verlust seines eigenen Lebens.
Völlig außer Atem, und am Ende seiner Kräfte erreichte Eugen das Feldlager. Seine Ankunft wurde dem Hauptmann bereits gemeldet, da der Veteran sich keine Mühe gemacht hatte im Verborgenen sein Ziel zu erreichen. Erschöpft, und mit seinen Kräften am Ende, torkelte er auf das Zelt des Heerführers zu. Er wies Hilfe und Verpflegung ab, nur um seinem Herrn so schnell als möglich seine Beobachtungen kundzutun. Die Art und Weise, in der Eugen von der Feindsichtung zurückkam, führte zu offener Unsicherheit im Lager. Die Soldaten versammelten sich in großen Gruppen, und diskutierten offen über den möglichen Feind, welche den alten Haudegen so verschreckt haben mochte. Eugen erreichte sein Ziel, und fand Hauptmann von Kringe in Begleitung des Sigmarpriesters Augustus vor. „Dämon, mein Herr, ein Dämon ist in Ihrer Begleitung“ stammelte Eugen in Richtung seines Heerführers. Langsam erhob sich von Kringe, und ging langsam auf seinen Späher zu. „Was erzählt Ihr da? Seid Ihr Euch sicher?“ der Hauptmann umgriff die breiten Schultern Eugens, und sah ihm tief in die Augen. Die Angst, welche er zu Gesicht bekam, war ihm Beweis genug, das sein langjähriger Kampfgefährte die Wahrheit berichtete. „Ihre Zahl ist gering, gerade einmal ein Drittel unseres Heeres. Allerdings führen Sie ein gewaltiges Monster in die Schlacht. Es ist in eine Rüstung gehüllt, welches diese Zeichen trug“ berichtete Eugen weiter, und begann die Zeichen auf den Boden zu zeichnen. Der Hauptmann trat einen Schritt zurück, und wechselte einen erschreckten Blick mit dem Sigmarpriester, welcher instinktiv zum Zeichen Sigmars griff, welches an einer massiven Eisenkette um seinen Hals hing. „Haltet ein“ brummte Augustus in Eugens Richtung. „Ihr entweiht diesen Ort, wenn Ihr fortfahrt“. Eugen zuckte bei diesen Worten zusammen, ließ seine Zeichnung unvollendet, und erhob sich wieder. „Wann werden Sie unsere Schlachtlinie erreichen?“ fragte von Kringe, als er zurück zu seinem prunkvollem Stuhl ging, welcher seit Generationen im Besitz seiner Familie war, und sich mit einem tiefen Seufzer in ihn hineinfallen ließ. Der Veteran blickte von Kringe mit erschöpften Augen an „Zur Dämmerung werden Sie uns erreicht haben.“
Gedankenverloren starrte von Kringe auf die Zeichen, welche unheilvolle Schatten im Flackern des Feuers warfen. Augustus hatte Eugen aus dem Zelt geleitet, und ihm Mut, im Angesicht der kommenden Schlacht zugesprochen. Der Heerführer wusste, dass Eugen kein Wort gegenüber den anderen Soldaten verlieren würde. Er spürte die Last, welche sein Späher ihm durch seinen letzten Blick aufgeladen hatte. Die Last, das Leben der Soldaten, welche unter seinem Kommando standen, nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzten. „Sigmar ist mit uns, Heerführer. Wir werden diesen Abschaum vom Angesicht des Imperiums fegen.“ Beiläufig wischte der Priester die Zeichen auf dem Boden mit seinem Panzerschuh weg. „Die Unwissenheit Eures Spähers wird ihn nicht vor dem Makel des Chaos beschützen. Er hat die verbotenen Zeichen beschrieben, und muss geläutert werden.“ Der Heerführer hob den Kopf. „Ihr persönlich werdet die Zeremonie leiten, und ihn vor Sigmar reinigen. Ich benötige seine Erfahrung und seinen unerschütterlichen Glauben an das Imperium, um dem Heer einen Hoffnungsschimmer im Angesicht des Feindes zu geben.“ Mit Freuden erblickte der Priester die wiederkehrende Stärke im Blick des schlaksigen Mannes, und verließ mit einem Nicken das Zelt.
Hauptmann von Kringe saß auf seinem gerüsteten Schlachtross in Front der soeben entstehenden Schlachtlinie. Mit scharfem Auge und fester Stimme dirigierte er die Aufstellung seines Heeres. Er hatte eine große Lichtung als Schlachtplatz erwählt, welche direkt im Einzugsgebiet der Nordmänner lag. Seine Späher sicherten die umliegenden Hügel, um auf etwaige Vorstöße des Feindes aus einer unerwarteten Richtung frühzeitig reagieren zu können. Langsam näherte sich die eindrucksvolle Gestalt des Rittmeisters vom Orden des zweischweifigen Kometen auf seinem Schlachtross dem Heerführer. „Sigmar zum Gruße, Hauptmann“ erklang die raue Stimme des Ritters. Mit einem Nicken antwortete von Kringe, sichtlich verärgert über die Störung seiner Schlachtvorbereitung. „Wir werden von der rechten Flanke aus in das Herz der Nordmänner einfallen, und Sie niedermachen.“ Bei diesen Worten schlug sich der Ritter mit seiner gepanzerten Faust auf die Brust, um seine Worte zu untermauern. „Ich gestehe Euch die rechte Flanke zu Rittmeister. Allerdings werdet Ihr auf mein Geheiß hin eingreifen. Und keiner Eurer arroganten Ritter wird aus der Reihe tanzen. Ihr persönlich bürgt mir für die Disziplin innerhalb Eures Regiments. Wir kämpfen nicht gegen Strauchdiebe oder Grünhäute. Wir stehen Nordmännern gegenüber. Und offenbar führen Sie noch weit schlimmeres mit sich. Mut und Tapferkeit, gepaart mit Taktik wird unseren Sieg sichern.“ Gedankenverloren starrte der Hauptmann auf die noch in Unordnung befindliche Schlachtlinie. „Macht den Imperator und mich stolz. Sigmar zum Gruße Rittmeister.“ Der Ritter deutete eine Verbeugung an, und trabte in Richtung seiner zugewiesenen Position.
Nach stundenlanger Vorbereitung, und rechtzeitig zur einsetzenden Dämmerung, war die Schlachtlinie gebildet. Unzählige Schwertkämpfer und Speerträger standen in einer Flucht mit den Sie flankierenden Rittern und Bihandkämpfern. Die Abteilungen der Musketen-, Bogen- und Armbrustschützen folgten der ersten Schlachtreihe auf dem Fuße, und standen aufgrund der Hanglage, welche der Hauptmann für die Aufstellung gewählt hatte erhöht. Somit konnte der Feind mit einem tödlichen Geschosshagel eingedeckt werden. Die Großkanonen wurden auf Hügeln platziert, um größtmögliche Verluste zu verursachen. Die Sigmarpriester verteilten sich innerhalb des Heeres, um mit feurigen Worten die Kampfkraft der Soldaten zu steigern. Als die Hörner der Späher erklangen, und die Ankunft des Feindes ankündigten, ritt Hauptmann von Kringe langsam die Schlachtlinie ab, und sprach mit fester Stimme „Soldaten. Sigmar ist mit uns. Für unseren Imperator Karl-Franz werden wir den Feind vernichten. Gleich welche Schrecken er uns entgegenwirft, wir werden mit eiserner Faust in ihre Reihen einschlagen, und sie zerschmettern. Mit blankem Schwert und brennendem Zorn jagen wir die räudigen Hunde in die Hölle zurück, aus der sie entsprungen sind. Auf das sie unser geliebtes Hochland nie wieder heimsuchen werden.“ Der Glaube in seinen Augen, der Zorn in seiner Stimme, und sein ernstes Gesicht unterstrichen die Worte in ihrer Wirkung. Die Antwort seines Heeres drang wie Donnerhall auf ihn herab. Wie aus einer Kehle erhob die Armee ihre Stimme und brüllte ihre Willensstärke dem nahenden Feind entgegen.
Die Chaoskrieger formierten sich in der Front des Imperialen Heeres. Ihre Zahl war der des Hochländischen Heeres weit unterlegen. Doch trotz der feurigen Rede des Hauptmannes sorgte der Anblick der riesigen gepanzerten Schlächter für Unbehagen bei den Soldaten des Imperiums. Aus den Reihen der Nordmänner löste sich eine riesenhafte Gestalt. Eugen schauderte inmitten seines ihm unterstellten Regimentes Bogenschützen, als er den Hünen wiedererkannte. Er ahnte, was der Nordmann vorhatte. Seit der Unterredung mit Augustus, und der anschließenden Läuterung, begleitete den Veteran eine ständige Todesangst. Er hoffte inständig, dass seine Ängste sich nicht in traurige Wirklichkeit verwandeln würden.
Der Krieger rammte seine Äxte vor sich kreuzförmig in den Boden, und nahm seinen Helm ab, welchen er in den Winkel der Axtstiele ablegte. Mit geöffneten Armen schritt er über das noch jungfräuliche Schlachtfeld, und blieb mittig zwischen den beiden Streitmächten stehen. Hauptmann von Kringe konnte seinen Unmut ob des bevorstehenden Wortwechsels mit dem Nordmann kaum verhehlen. Er stieg vom Pferd, übergab sein Schwert an Augustus, und schritt auf den wartenden Chaoskrieger zu. Sämtliche Blicke waren auf den Hauptmann und seinen Gegenspieler gerichtet. Eine unglaubliche Anspannung erfüllte die Soldaten, welche hofften die Nordmänner durch die schiere Größe des Heeres zur Aufgabe zwingen zu können. Ein Frösteln durchzog Eugens Körper, als er den Heerführer auf den Nordmann zu stapfen sah. Ein eiskalter Schauer fuhr ihm über den Rücken, und eine unsichtbare Kraft ließ ihn in den Himmel schauen. Die beiden Monde schoben Ihre volle Pracht langsam in den Vordergrund der aufziehenden Nacht, und erhellten die Schrecken in Form von etlichen gehörnten und rotgeschuppten Dämonen, welche hinter den Nordmännern lauerten.
Mit einem ohrenbetäubenden Brüllen schwang sich der Blutdämon in die Luft. Seine ledrigen Schwingen trugen ihn auf den spurtenden Heerführer zu, welcher sich der Falle erst beim Anblick des lachenden Nordmannes bewusst wurde. „Zum Angriff“ waren die letzten Worte des Heerführers. Mit einem gewaltigen Beben kam der Dämon auf dem Boden auf, und packte den Hauptmann mit seiner linken Pranke. In einer eleganten Bewegung warf das Untier den Menschen in die Höhe, und zerteilte seinen Körper mit einem mächtigen Schwinger seiner riesigen Axt. Ein Blutschwall ging auf die vorderen Regimenter des Imperiums hernieder. Mit gebleckten Zähnen forderte der Dämon die Menschen heraus, und erwartete eine denkwürdige Schlacht.
In jenem Moment, als das Heer wie eine Einheit zum Angriff überging, sprichwörtlich die Hölle losbrach, wurde Eugen klar, dass die Hoffnung verschwunden war. Es existierte nur noch blanker Zorn. Die Angst war fort, und der Rachewunsch allgegenwärtig.