Kapitel 2
Der Himmel war blau, als sie abstürzten.
Und das war das Schlimmste daran — wie ruhig er war.
Habriel spürte die Erschütterung, als die Kapsel den Bodenaufriss.
Gestein splitterte, Feuer brannte.
Dann — Stille. Nur das Ticken des überlasteten Reaktors.
Er riss die Sicherung heraus, trat die Luke auf.
Der Rauchverschluckte ihn.
„Status!“ brüllte er.
Lieutenant Araquiel kroch aus der zweiten Kapsel, eine Schulterpanzerung fehlte, der Helm war aufgerissen.
„Mihael lebt. Ich habe ihn gesehen. Schwere Kopfverletzung, aber stabil.“
„Gut. Wir sind am Leben. Mehr brauchen wir nicht.“
Habriel trat hinaus in die Hitze der neuen Welt.
Über ihm hing ein Himmel, der flackerte — nicht wie Wetter, sondern wie ein Monitor, der ein anderes Bild einblenden wollte.
„Bei Guilliman…“ flüsterte Araquiel. „Was ist das hier?“
Habriel antwortete nicht.
Er sah in die Ferne, wo der Horizontbebte wie Haut, unter der etwas kroch.
Sie hatten nur das Nötigste bergen können: drei Bolter, zwei Fragmentgranaten, einen beschädigten Vox-Sender.
Doch das Wrack ihres Kreuzers lag nicht weit – die
Invictus Aeternum, halb zerbrochen, in einen Berg gerammt.
Habriel führte sie dorthin.
„Vielleicht lebt noch jemand. Oder zumindest… Munition.“
Mihael hinkte, sein Helm war nun offen, der rechte Arm in einemimprovisierten Verband.
Trotzdem hielt er die Boltpistole fest, der Blick klar.
„Captain,“ begann er leise, „haben Sie gesehen, wer das Feuer eröffnet hat?“
Habriel nickte.
„Death Guard. Mortarions Hunde. Sie haben uns in den Warp gedrückt. Und dieser… Ort… war das, was er uns ausgespuckt hat.“
Araquiel spie auf den Boden.
„Dann ist dieser Planet ihre Schuld.“
Habriel schwieg.
In Wahrheit wusste er, dass sie selbst es waren — die Ultramarines —, die den Zorn des Planeten geweckt hatten.
Er erinnerte sich an den Schuss.
An den toten Tyraniden.
An das kurze, scharfe Zucken in der Luft, wie das Öffnen eines Auges.
Die Voxanlage des Wracks war beschädigt, doch Habriel zwang sie zum Leben.
Er schob den Hebel nach oben, das Gerät kreischte, die Antenne glühte kurz.
„Hier spricht Captain Habriel der 2. Kompanie der Ultramarines. Wir sind abgestürzt. Position unbekannt. Erbitten sofortige Evakuierung.“
Ein Moment des Schweigens.
Dann knackte es.
Ein Echo.
Kein menschliches.
Nur ein Schaben.
Ein Atemzug.
Und dann…
eine Stimme.
Zerbrochen, verzerrt, aber zweifellos verständlich:
Ihr seid zu laut, Sohn Guillimans.
Habriel spannte sich an.
„Ahriman.“
Er wusste es.
Er fühlte es.
Araquiel hob den Blick. „Captain?“
„Thousand Sons,“ sagte Habriel. „Sie hören uns. “
Mihael trat vor.
„Dann haben wir Gesellschaft. Und wenn ich die Warp-Schwankungen richtig deute… nicht nur sie.“
Der Boden vibrierte.
Habriel hob das Fernglas.
Er sah Bewegungen zwischen den Trümmern — Schatten, die zu viele Gliedmaßen hatten.
„Kontakt. Tyraniden.“
Araquiel spannte den Bolter.
„Wie viele?“
Habriel senkte das Glas.
„Unzählige.“
Sie stellten sich im Halbkreis auf.
Die Bewegungen wurden lauter.
Dann stürzte etwas aus dem Rauch — ein
Von Ryan’s Leaper, vierbeinig, schnell, verzerrt, sein Chitin schimmerte blau wie ihre eigenen Rüstungen.
Mihael keuchte.
„Emperor beschütze uns… Sie… sie sehen aus wie wir.“
Habriel schoss.
Der Bolter riss den Leaper in Stücke.
Das Ding blieb liegen, wand sich — und sah ihn an.
Ein Flüstern durchzog die Luft.
Wir haben gelernt.
Wir sind du.
Der Captain trat zurück.
Araquiel feuerte, der Bolter krachte, grüne Flüssigkeit spritzte.
Doch es war zu spät.
Der Schwarm wusste jetzt, wo sie waren.
„Zurück in die Trümmer!“ befahl Habriel.
Sie rannten, so schnell ihre Servorüstungen es erlaubten.
Zwischen ihnen knallten Bolter, das Heulen der Tyraniden wurde lauter.
Mihael stolperte, Araquiel packte ihn und zog ihn weiter.
Über ihnen explodierte der Himmel.
Blauer Warp, grüner Schleim, leuchtendes Fleisch —
die
Thousand Sonsund
Death Guard kämpften in der oberen Atmosphäre.
Doch selbst aus der Ferne spürten die drei Marines, dass der Planet reagierte — dass jede Explosion, jedes Zauberwort, jede Kugel die Welt veränderte.
Habriel blieb stehen.
Er sah zum Himmel.
„Das hier… ist kein Krieg mehr.“
Araquiel fragte: „Was dann?“
Habriel antwortete leise:
„Eine Prüfung. Für uns alle.“
Sie erreichten das Innere der
Invictus Aeternum.
Leere Gänge, flackerndes Licht, Leichen in Blau.
Habriel schloss kurz die Augen, dann senkte er den Helm.
„Wir werden diesen Planeten nicht lebend verlassen,“ sagte er ruhig.
„Aber wir werden dafür sorgen, dass er uns nie vergisst.“
Er aktivierte den Vox erneut — diesmal nicht, um Hilfe zu rufen, sondern um eine Nachricht zu senden:
An alle loyalen Kräfte im Sektor.
Hier spricht Captain Habriel der Ultramarines.
Wir stehen einer sich entwickelnden Xenos-Intelligenz gegenüber.
Sie lernt. Sie denkt.
Wenn ihr dies hört — kommt nicht her.
Verbrennt den Planeten.
Dann trat er beiseite, lud nach, sah zu seinen Brüdern.
„Tyraniden. Thousand Sons. Death Guard. Egal wer zuerst kommt — sie werden alle sterben.“
Araquiel grinste.
„Endlich klingt das wieder nach einem Plan.“
So begann der letzte Widerstand der Söhne von Ultramar.
Drei Krieger. Eine Welt, die denkt. Und Götter, die lachen.