Dienst auf Viridian Tertius
Der Morgen roch nach ozonhaltiger Luft und kaltem Beton, als Jarek Thorne zum ersten Mal das Tor der Kaserne passierte.
Über ihm erhob sich das Aquila-Symbol des Imperiums, gewaltig und unerbittlich. Zwei Servitoren surrten an den Mauern entlang und blickten mit leeren Augen auf die ankommenden Rekruten hinab. Jarek schluckte. Bis gestern hatte er noch in den Staubfeldern von Sektor 17 gearbeitet. Heute war er ein Soldat der
Planetaren Verteidigungsstreitkräfte von Viridian Tertius.
„Name!“ bellte ein Offizier mit bionischem Auge, dessen rotes Linsenlicht unruhig flackerte.
„Jarek Thorne, Sir!“
„Von jetzt an bist du Rekrut 7713. Merke dir das. Namen sind Luxus.“
Damit begann sein neues Leben.
Die Einberufung
Die Einberufung war schnell gekommen. Ein simpler Datenstreifen, übergeben durch einen müden Administratum-Schreiber:
„
Im Namen des Gott-Imperators: Sie werden zur Verteidigung von Viridian Tertius einberufen.“
Kein Widerspruch. Keine Fragen.
Jarek hatte gehört, dass sich Piraten in den äußeren Systemen sammelten. Andere sprachen von etwas Schlimmerem – Flotten ohne Transponder, Schatten im Warp. Doch für einfache Leute wie ihn spielte das keine Rolle. Wenn das Imperium rief, gehorchte man.
Der Alltag beginnt
Die Wochen danach verschwammen zu einem endlosen Rhythmus aus Drill, Gebeten und Schweiß.
Der Tag begann mit Sirenen.
Noch vor Sonnenaufgang mussten sie antreten – tausend Männer und Frauen in identischen grauen Uniformen, fröstelnd im industriellen Morgendunst. Ein Prediger rezitierte Litaneien des Imperators, während ein schwerer Lautsprecher die Worte verzerrt über den Hof trug.
„Euer Leben gehört Ihm. Euer Tod ehrt Ihn. Zweifelt nicht.“
Danach folgte das Training.
Lasergewehr auseinandernehmen. Wieder zusammensetzen. Immer wieder. Jarek lernte, die schwere Waffe zu tragen, bis seine Schultern brannten. Zielübungen gegen rostige Metallplatten, die als Feinde dienten.
„Feuer!“
Ein Chor aus heißen Lichtstrahlen.
„Nachladen!“
Ein Chor aus klickenden Mechanismen.
Wer zu langsam war, wurde bestraft – zusätzliche Läufe um den Exerzierplatz oder stundenlanges Knien im Staub.
Die Einheit
Jarek wurde der
3. Kompanie, 2. Verteidigungsregiment zugeteilt. Seine Kameraden waren wie er: Arbeiter, Minenarbeiter, Fabriktechniker. Keine Helden – nur Menschen.
Da war
Lysa Korr, die scharfsinnig und schneller war als jeder andere beim Zusammenbau eines Gewehrs.
Da war
Marek Olven, ein ehemaliger Transportfahrer, der ständig von besseren Tagen sprach.
Und der schweigsame
Bran, dessen rechter Arm durch eine primitive Prothese ersetzt war.
Nachts saßen sie in der Baracke, die Luft dick von Maschinenöl und Müdigkeit.
„Glaubst du, wir sehen wirklich Einsatz?“ fragte Marek einmal.
Lysa zuckte mit den Schultern. „Wenn wir Glück haben – nein.“
Jarek sagte nichts. Tief in ihm wusste er, dass Glück auf Viridian Tertius selten war.
Die Stadt unter Schutz
Manchmal wurden sie zur Patrouille in die unteren Bezirke geschickt. Viridian Tertius war kein schöner Planet – Dschungel, endlose Industriekomplexe, rostige Türme, Fabrikschlote, die den Himmel verdunkelten.
Die Bürger sahen weg, wenn die PVS-Einheiten vorbeimarschierten. Manche nickten ehrfürchtig. Andere wirkten einfach müde.
„Wir schützen sie“, murmelte Jarek einmal.
„Nein“, sagte Bran leise. „Wir halten sie ruhig.“
Der erste Alarm
Eines Abends, Wochen nach seiner Einberufung, brach die Routine.
Sirenen – anders als sonst. Höher, dringlicher.
Die Einheit wurde mitten in der Nacht auf den Hof getrieben.
„Unidentifizierte Kontakte im Orbit!“ rief der Offizier. „Alle Einheiten in Bereitschaft!“
Jarek spürte, wie sein Herz raste. Das war kein Drill.
Sie standen in Formation, während am Himmel ferne Lichter aufzuckten – wie Sternschnuppen, nur langsamer… und kontrollierter.
Landungsschiffe.
Der Prediger trat vor sie.
„Fürchtet euch nicht. Der Imperator sieht euch.“
Jarek hielt sein Lasergewehr fester. Seine Hände zitterten.
Neben ihm flüsterte Lysa: „Jetzt sind wir dran.“
Ein Soldat des Imperiums
Der Alltag war vorbei.
Was folgte, wusste Jarek nicht. Vielleicht Ruhm. Wahrscheinlich Tod.
Aber während er in die Dunkelheit blickte, wo die fremden Schiffe näher kamen, begriff er etwas:
Er war kein Farmer mehr. Kein Bürger.
Er war ein Teil der unendlichen Kriegsmaschine des Imperiums geworden.
Und diese Maschine kannte nur eine Richtung.
Vorwärts.