Aelfs in Age of Sigmar - Oder die Vielfalt der Spitzohren

Fyreslayer

Miniaturenrücker
Hallo zusammen,

mit dem nun erscheinenden Battletome der "Daughters of Khaine" und den wohl bald folgenden "Idoneth Deepkin" wollte ich die Gelegenheit nutzen, mal über die mittlerweile beachtliche Vielfalt der Spitzohren in Age of Sigmar zu fachsimpeln. Dabei gehts mir gar nicht so sehr um die Regeln sondern eher um ihren Hintergrund und wo meiner Ansicht nach die Vorteil darin liegt, dass die Elfen aus ihren typischen Mustern ausbrechen und tatsächlich eine Vielschichte Kultur werden. Generell kann es einen schon erstmal verunsichern, wenn man auf die mittlerweile 13 Fraktionen die die Elfen aufbieten können schaut und zugegeben: Auch ich bin da erstmal kein Fan davon gewesen. Mit den Kharadron Overlords änderte sich diese Meinung aber, denn ich stellte fest, das GW hier mit einer alten Fantasy Regel vollkommen bricht und das ist die traditionelle Art und Weise wie Zwerge in einem Fantasysetting auftreten. Dieser Gedanke wird nun mit den Elfen weitergesponnen. Ich habe kürzlich wieder mal den Sylvaneth Battletome zur Hand genommen und mir den Hintergrund zur Gemüte geführt. Ursrpünglich waren die so gar nicht mein Ding. Waren halt lebende Bäume die von einer alten Elfengöttin auf einen Mistkäfer angeführt werden. Großartig. Doch als ich jetzt nach einem Jahr das Buch wieder las, fiel mir auf: Hey, das ich doch eigentlich gar nicht so schlecht? Woher kommt jetzt aber dieser Wandel? Warum hab ich plötzlich, Interesse an den Sylvaneth und vor allem an den Spitzohren im Allgemein, obwohl Elfen nie mein Fall waren, egal in welchem Setting?

Ich denke das liegt vor allem daran, das GW derzeit etwas wirklich anders macht und mit den herkömmlichen Fantasy Traditionen bricht. Normalerweise fallen bei Elfen in anderen Fantasysetting immer die selben Schlagworte: Schön, Arrogant, Elegant, starke Magie, Hochkultur (meist kurz vor dem Untergang). Zudem unterteilten sie sich immer in 3 Gruppen: Hoch-, Dunkel- und Waldelfen mit minimalen Varriationen der jeweiligen Themen. Insgesamt, gabs also, egal zu welcher Fantasyliteratur oder welchem Tabletop/RPG man griff, wenig das einem im Bezug auf die Elfen überraschte. So waren die Ursprünglichen Elfen aus Warhammer ja nichts anderes als das was man schon kannte, nur halt anders erzählt (wenngleich die Geschichte durchaus sehr gelungen war), aber dennoch: Wirklich neu war das alles nicht. Dann kam der Hammer namens "Age of Sigmar" und zertrümmerte quasi die 3 typischen Elfenfraktionen in 12 Minifraktionen, die erstmals völlig Wahllos erschienen und wie eingangs erwähnt, fragte auch ich mich erstmal, was geht denn jetzt ab? Für mich war klar: Das muß wieder zusammengefügt werden, sonst macht das ja keinen Sinn. Dann kamen erstmals die Fyreslayer raus und ich dachte mir: Halbnackte Zwerge die auf Feuerechsen reiten? Hab ich so auch noch nicht gesehen ... Ich bin dabei. Ebenso wanderten später die Kharadron Overlords in meine Sammlung und gerade mit diesen beiden Völkern begriff ich allmählich welche Möglichkeiten in den Minifraktionen liegen.

In unserer Welt ist es schließlich auch so, das ein Mensch der im Dschungel lebt, ganz anders drauf ist als jemand, der in der Wüste oder auf einer Insel lebt. Was mit den Zwergen schon angedeutet wird, zeigt sich nun mit den Elfen ganz besonders. Die Elfen sind jetzt nicht mehr die typischen Stereotypen sondern eine Facettenreiche Spezies, die viele Unterfraktionen und Nebenvölker hervorgebracht hat. Da gibt es jene die den Phönix anbeten, jene die auf Kampfechsen und Drachen setzen und dann eben jene, die einem Mordgierigen Gott huldigen. Anstatt sich aber jetzt hinzustellen und einfach zu sagen: Je nachdem wie du sie bemalst, von der Fraktion stammen sie auch, gestaltet GW diese kleinen Fraktionen tatsächlich aus und gibt ihnen ein Platz im Age of Sigmar Universum. Für mich bedeutet das, das die Elfen (und auch die Zwerge) gerade eine Evolution durchlaufen. Sie sind jetzt nicht mehr die jammernde Hochkultur die ihre besten Zeiten hinter sich hat und nur noch auf das Ende wartet, nein, sie greifen zu den Waffen und erkämpfen sich ihren Platz in dieser Welt zurück (sehr gut in der Geschichte rund um Alarielle dargestellt). Die Elfen wechseln also von der Passivität zur Aktivität und werden gleichzeitig Weltoffener. Anstatt in ihren Wäldern zu sitzen und jeden umzuhauen, der sich auch nur in die Nähe wagt, betreiben Sylvaneth jetzt handel mit den Zwergen und schmieden Bündnisse um ihre Reiche zu verteidigen.

Die Elfengötter beginnen ihre Kinder zu formen und zu experimentieren und durch die zahlreichen Welten des Age of Sigmar Universums muß es auch einfach unterschiedliche Vertreter geben, die an die jeweiligen Erfordernisse des gewählten Lebensraums angepasst sind. Dazu kommen unterschiedliche Glaubensformen und Kampftaktiken. Ich denke, dass wir hier mit den Elfen einen wirklich guten Fang in Age of Sigmar gemacht haben und auf künftige goldene Zeiten hoffen können. Zum ersten mal überhaupt, entwickel in Interesse für die Spitzohren, die früher eben so gar nicht mein Fall waren und das liegt vor allem daran, das die Elfen mittlerweile einfach mehr sind, als sie es früher waren. Sie sind für mich intressanter geworden, vielschichtiger und greifbarer. Ich hoffe inständig, das GW den eingeschlagenen Weg weitergeht. Wenn ich sehe, was sie da gerade mit den "Daughters of Khaine" machen, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen wenn ich nur an die "Idoneth Deepkin" denke. Das GW mit den Elfen auch mehr vorhaben könnte, zeigt ja auch das neue Götterpantheon. Ich denke mal das wir in Zukunft mehr von Malekiths Kindern sehen werden und das auch Teclis (Vater der Idoneth) und Tyrion sich nochmal zu Wort melden. Aus dem alten Fundus an Elfen-göttern kann man sicher auch noch ettliches ins Age of Sigmar Universum aufnehmen, wenn es passt, und mich freut das wirklich sehr.

Es wird sicherlich eine Weile Dauern bis GW das alles unter Dach und Fach gebracht hat, doch die einzelnen Völker vielschichtiger zu machen, sie zu varieren und anzupassen, erachte ich für den richtigen Schritt. Natürlich kann es sein, dass man bestimmte Elfenfraktionen wieder zusammenlegt um wieder eine klassiche Hoch- oder Dunkelelfen Fraktion zu haben, aber solange da nebenher noch immer solche Sachen wie Morathis Töchter oder die Wasserelfen dabei rauskommen kann ich gut damit leben.
 

Legio

Fluffnatiker
Sehr gut geschrieben und spiegelt so auch meine Sichtweise wieder.
GW erlaubt es sich mit Traditionen zu brechen und die typische "tolkinsche" Struktur nicht mehr weiter zu verfolgen. Und das Wagnis AoS scheint auch langsam aber sicher Früchte zu tragen.
Vor allem finde ich es gut dass sie es langsam schaffen dem neuen Universum auch sowas wie Fakten und Karten zu geben, es zu strukturieren und die Fraktionen zu positionieren, jedoch ohne dabei strikte Grenzen zu setzen.
Bei alledem entwurzeln sie die Fraktionen bisher nie ganz. Steampunk-Zwerge sind weiterhin klar als Zwerge erkennbar, Fyreslayers haben ganz klar ihre stilistischen Wurzeln bei den Slayern behalten.
Sylvaneth ist das, was es immer war - ne Wald&Wiesen-Fraktion, nun aber mehr Gestrüpp als Mensch.
Ja, das klingt wie Lobhudelei, aber GW hat es mit AoS geschafft mich im TT-Bereich an ein Fantasysetting zu fesseln. Das haben andere Systeme bisher nicht geschafft, auch WHF damals auch nicht.
Ich bin gespannt was uns da noch so erwartet.
 

Jurki

Codexleser
Ich muss euch Recht geben, wenn mir auch nie immer alle Neuheiten auf Anhieb gefallen haben, gefällt mir die Entwicklung von AoS sehr.
Auch gewöhne ich mich an all die Neuheiten und lerne sie lieben.
Von daher mach weiter so GW und bau deinen Hintergrund aus. :thumbsup:
 

emmachine

Sigmars Bibliothekar
Teammitglied
Super Moderator
Schön beschrieben, Fyreslayer.

Ich denke mal, es wirkte am Anfang recht zufällig und befremdlich, das Hochelfen in 5 Unterfraktionen, Dunkelelfen in 5 Unterfraktionen und Waldelfen in 2 Unterfraktionen geteilt wurden. Doch in den meisten Fällen resultierte es ja auch daraus, dass die einzelnen Unterteilungen sich doch auch in ihrer Optik deutlich unterscheiden.
Im Grunde ist das Bild das sich uns hier bietet ähnlich den Menschen der alten Welt die man theoretisch in Imperium (mit unterschieden bei Middenheim durch den Ulrig Kult), Bretonen, Nippon, Cathay, Kislev, Söldner? etc. gesehen haben) Diese hatten ja auch teilweise unterschiedliche Optik und Spielweisen, bis ein Teil davon irgendwann nicht mehr unterstützt wurde.

Hauptproblem war bisher halt leider auch das die Aelfen (oder Aelf wie sie wohl auch in Hintergrundtexten bei Mehrzahl genannt werden) die letzten 2 3/4 Jahre kaum angerührt wurden (abgesehen von Sylvaneth, der kurzen Neuauflage von Spire of Dawn, mit der wir aber leider nur ein kurzes verknügen hatten und jetzt mit Daughters of Khaine endlich einer weiteren Fraktion). Den meisten Fraktionen fehlt es halt leider an an Auswahlen (wobei es von den existierenden Aelfenfraktionen den Lion Rangers im grunde am schlechtesten geht, die als einzige der 12 Aelfenfraktionen keine Eigenständige Armee aufbauen können (mangels Helden und Battleline) gefolgt von den Shadowblades (die zwar theoretisch gespielt werden können, jedoch nur 2 Auswahlen besitzen).
Auch teilweise das manche Entscheidung doch ein wenig skurril wirkt.
Ich sag mal so Fälle wie Sisters of the Watch bei Wanderers (wahrscheinlich kamen sie dort hin weil sie im alten Hintergrund Alarielles Leibgarde waren, jedoch wirken sie gerade mit den Flammenbögen (ob magisch oder nicht) eher etwas befremdlich bei einem Waldläufervolk und ich hätte sie gefühlt eher Phönixtemple (Flammenbögen) oder Eldritch Council (magische Bögen) gesehen, was dann gleichzeitig diese Fraktion doch eher vervollständigt hätte (statt sie einer Fraktion zu geben, die von allen Aelfenfraktionen wahrscheinlich eh die größte Variation hatte und sie aufgrund ihres Preises oft gar nicht genommen werden.
Oder die Shadow Warriors, die mit ihrer Optik bei den Swifthawk Agents etwas befremdlich wirken (auch wenn viele der anderen Auswahlen aus Spire of Dawn kamen und daher nicht mehr verfügbar sind).
Dem Namen nach (auch wenn die Ausrüstung nicht ganz passt) hätten die halt eher zu den Shadowblades gepasst und schon hätten diese auch wenigstens 3 Auswahlen gehabt.
Auch das eben Darkling Covens und Order Serpentis seit der 8. Edition eine sehr ähnliche Optik bei der Rüstung haben trotzdem zu zwei Fraktionen gespalten wurden und daher den Darkling Covens ein Offizier wie der Dreadlord fehlt und die Sorceress auf Drache eher zur Order Serpentis gehören müsste ist halt auch so eine Sache.
Es wäre halt zu hoffen, dass wir am Ende vielleicht wenigstens 8 Auswahlen bei allen Fraktionen hätten, mit 1-2 Helden, am besten 2 Battlelines (oder 1 Battleline mit multipler Ausrüstung) und vielleicht nem Monster oder ner Kriegsmachine.
Es ist auf jeden Fall gut zu sehen das es wieder Ausbau bei Fraktionen gibt die bisher eher vernachlässigt wurden und bringt optische Variation.
Auch weil eben die Auswahl besteht, ob man nun eine gemischte Gruppe in Form einer Stadt (nach Order Treue, ob mit oder ohne Stadtregeln) spielt oder eine einzelne Gruppe mit deren Treue.

Auch das es eben nicht mehr ein stagnierender Hintergrund ist ("wir sind eine aussterbende Rasse die es irgendwie geschafft hat bis heute zu überleben obwohl wir ständig Krieg haben und verlassen unsere Insel/unseren Wald nur ungern") sondern inzwischen eher auch mal handeln und die Tatsache, dass die die einzelnen Fraktionen jetzt nicht mehr zwangsweise ein Land darstellen aus denen alle Aelfen dieser Fraktion kommen (das es zum Beispiel Sylvaneth gibt die wie es zu erwarten ist in Ghyran leben aber es ja z.B. auch in Chamon den Ironbark Clan gibt).
Man müsste wahrscheinlich nur das Thema mit den einzelnen Clans (aber auch bei den anderen Fraktionen) eleganter lösen, da die Großbattalione meist sehr teuer sind, nur damit man eine Armee mit den Sonderregeln seines Clans spielen kann.
 

DerLi

Erwählter
Gut zusammengefasst fyreslayer!

Ich sehe die Entwicklung auch sehr positiv und als ich die Leaks aus dem DoK Buch bezüglich Tyrion, Teclis und Malerion gelesen habe, habe ich mich echt gefreut, dass die Story weitergeht (oder anfängt).
Da ist mir erst aufgefallen, wie sehr ich eine Umfangreiche Elfen Story (und neue Figuren) vermisst habe 😉
Gerade die Kombi mit Slaanesh (zufällig sammle ich die ja) ist super.
Und die Loslösung vom alten ermöglicht wirklich komplett neue Elemente einzufügen, bin wirklich gespannt wie die nächsten Armeen aussehen werden. Habe zwar auch noch eine alte Hochelfenarmee, aber von mir aus können sie wirklich mehr Neues wagen und müssen die jetzt nicht zwanghaft ausbauen (hätte ich vor 1-2 Jahren auch noch nicht gesagt 😉 ).
 

Ferox21

Tabletop-Fanatiker
Moderator
Aus dem Daughters of Khaine Buch haben wir ja mittlerweile ein paar neue Informationen bezügliche der Elfen in Age of Sigmar erhalten.

So ist GW etwas zurückgerudert bzw. hat die alte Aussage korrigiert, dass Tyrion, Teclis und Malerion (und nun auch Morathi) am Anfang die einzigen Elfen (bzw. Elfengötter) in den 8 reichen waren. So gab es wohl auch da schon kleine Kommunen aus überlebenden Elfen der alten Warhammer-Welt - und diese dürften wohl die Grundlage der alten Fraktionen bilden. Zur weiteren Entwicklung hier mal ein kurzen Abriss und ggf. eine kleine Spoilerwarnung:


So hat Tzeentch dem Teclis gesteckt, dass Slaanesh die ganzen Elfenseelen der alten Warhammer-Welt aufgesaugt hat - und seitdem ziemlich träge geworden ist. Tyrion, Teclis und Malerion haben daraufhin einen Plan entwickelt, Slaanesh gefangen zu nehmen und die Elfenseelen zu extrahieren. Morathi wurde dann ins Boot geholt, weil die 3 noch wussten, dass sie früher mal was mit Slaanesh zu schaffen hatte. Außerdem brauchte man einen Ausgleich zwischen Licht und Schatten für den entsprechenden Zauber, um Slaanesh zu binden.

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Plan gelang und Slaanesh hängt jetzt in einer Ebene zwischen Ulgu und Hysh fest, während ihm seit Jahrhunderten Stück für Stück die Elfenseelen entzogen werden. Jeder der 4 Götter hat dabei seinen Anteil bekommen, um damit die Völker neu zu begründen, wobei die Seelenextraktion offenbar auch heute noch weitergeht.

Allerdings wurden die Seelen durch die lange Zeit in Slaaneshs Körper zum Teil verändert, so dass man nicht immer die alte Elfengestalt wiederherstellen kann. Auch haben die Götter mit den Seelen experimentiert, nicht immer mit einem guten Ergebnis.

So sind die Idoneth Deepkin offenbar ein gescheitertes Experiment von Teclis, die sich daraufhin von Hysh abgewant haben. Aber es wird auch von engelsgleichen Licht-Elfen gesprochen, also dürfte auf lange Sicht auch hier was neues zu erwarten sein.

Morathi hat jedenfalls aus ihrem Anteil Seelen ihren Kult aufgebaut, wobei die Khinerai Harpien und Melusai Schlangenelfen aus den stärksten Seelen erzeugt wurden - und Morathi ihre liebsten Kinder sind. Und da Morathi Männer mittlerweile so gar nicht mehr leiden kann, hat sie diese nur aus den schwächsten Seelen erschaffen - immerhin braucht man auch einige Arbeitssklaven, um die Tempel zu errichten, Nahrung anzubauen, zu Operungen etc. Auch hat sie alle Kultmitglieder in der Form verändert, dass auf natürlichem Weg geborenen Männer auch schwächlich und dümmlich bleiben. Einige magisch begabte Ausnahmen wie die Doomfire Warlocks werden mit entsprechenden Unterdrückungsrunen versehen, da man sie als nützlich genug ansieht, um sie nicht gleich zu töten.
 
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