Der Schwerthieb kam schnell und war exzellent ausgeführt. Aluthyvius wich elegant aus und spürte den Windhauch der Klinge an seinem Gesicht vorbei fließen. Eine Attacke von oben, eine Finte, ein Stoß von unten. Langsam nach hinten gehend wich er auch diesen Hieben aus. Die Augenlinsen des schwarzen Space Marines glühten ihn emotionslos an, während sich das Schwert in seiner Hand immer schneller bewegte. Aluthyvius genoss es sichtlich, Speichel lief aus seinem breit grinsenden Mund. Er lachte. Unerwartet schoss die kettenumwickelte Faust des Marines vor und traf sein Gesicht. Blut spritzte und er spürte seine Nase brechen. Im Bruchteil einer Sekunde wechselte seine Stimmung von leichter Erheiterung zu schäumender Wut. Aluthyvius blinzelte und zischend leerte sich eine Phiole in seinen Blutkreislauf. Seine Hände zuckten und seine Augenlider flatterten unkontrolliert während sich sein Körper an die Drogen gewöhnte. Einen weiteren Sekundenbruchteil später war er wieder da und parierte lässig einen Hieb des schwarzen Space Marines. Die Welt war langsamer geworden, farbloser. Im Gegensatz dazu sah alles, was sich bewegte heller aus, leuchtend fast. Aluthyvius erwartete fast einen Leuchtpfeil zu sehen, der anzeigte "schau, da bewegt sich was!" Er schwang seinen Speer herum und schnitt mühelos durch den Unterarm des Marines. Die Hand, die seine Nase zertrümmert hatte, fiel zusammen mit den Ketten klirrend zu Boden. Es war ein eigenartiger Klang, fast singend. Zusammen mit dem aus dem Arm pumpenden Blut war es fast schon schön. Er legte seinen Kopf leicht schief und lauschte verzückt.
Der Space Marine schwang sein Schwert und es fuhr auf den scheinbar entblößten Hals zu. Aluthyvius fing es mit seiner Peitsche ein und riss es dem Marine aus der Hand. Dieser stürmte nun waffenlos auf ihn zu und mitten in den Speer hinein, den Aluthyvius blitzschnell vor sich gehalten hatte. Durch den Speer auf Armeslänge gehalten konnte der Space Marine nichts mehr ausrichten und Aluthyvius war sofort als die Bedrohung für ihn verschwand des Kampfes überdrüssig. Er schlang in einer eleganten Bewegung seine Peitsche um den Hals des Marines und riss seinen Kopf mit einem lauten Knacken ab.
Um ihn herum war es ruhiger geworden, der Lärm der Schlacht klang ab. Was nicht nur an den Drogen lag, deren Wirkung sein Körper schon wieder abbaute. Die Schlacht war schlicht vorbei, die letzten Reste der Imperialen zogen sich zurück, unter dem Dauerfeuer der stetig vorrückenden Truppen des Chaos. Auf einem Hügel schrieen Kultisten ihre Gebete an die Götter und schienen irgendetwas oder irgendwen zu opfern. Noise Marines liefen hinter den Imperialen hinterher und feuerten Welle um Welle aus ihren Schallwaffen. Aluthyvius sah die Loyalen stürzen, sah getroffene Glieder platzen, hörte die Schmerzensschreie. Apothecarii suchten nach Opfern für ihre Laboratorien, nach Ingredenzien für die Tinkturen und Drogen. Terminatoren stapften hinter ihnen her und feuerten ihre Boltgeschosse in alles, was sich noch bewegte und leben könnte.
Der Angriff der Imperialen war gestoppt worden. Sie hatten sich unter hohen Verlusten durch das System bis zur Festungswelt vorgearbeitet und waren nun hier gescheitert, zogen sich zurück und liefen mit eingekniffenem Schwanz zurück zu ihrem Imperator. Aluthyvius schnaubte verächtlich und machte sich auf den Weg zurück zur Festung. Die zur Verteidigung ausgearbeiteten Strategien hatten sich als erfolgreich herausgestellt und nun liefen die Rädchen weiter im großen Plan.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Wieder einmal stand Lord Exultant Aluthyvius Vaalal in seiner Kabine und schaute durch die Fenster, deren dickes Glas ihn vor dem Außen schützten. In diesem Fall war dieses Außen der Warp, durch den sie nach ihrem Abflug aus dem Epharion System zu navigieren versuchten, was sich als wesentlich schwieriger herausstellte als die Navigatoren angenommen hatten. Und er selbst, aber das konnte er natürlich nicht zugeben. Vor allem nicht sich selbst gegenüber.
Er verzog angewidert das Gesicht, als etwas milchig-gelbgrünes gegen die Fensterscheibe prallte und zerplatzte. Der entstandene Schleier trübte seine Sicht ein und würde beim nächsten Halt im Realraum entfernt werden müssen. Seit Wochen irrten sie nun schon durch den Sturm, der das System bei ihrem Start umgeben hatte.
Es knackte in seinem Vox. "Lord Vaalal?" fragte die sanfte Stimme des Navigatorenchors.
"Was?" krächzte er seine Standardantwort auf die unschönen und trotzdem regelmäßigen Störungen.
"Wir haben einen Weg durch den Sturm gefunden, sehen aber nicht, wo wir im Realraum erscheinen werden." klang die sanfte Stimme weiter.
"Könnt ihr ausschließen, daß wir in einer Sonne erscheinen werden? Oder vor Terra?"
"Unsere Erfahrungswerte sagen uns, daß es sehr unwahrscheinlich ist, aber wir können es nicht in Gänze ausschließen. Beides."
Was hatten sie denn für eine Wahl, fragte sich Aluthyvius.
"Los. Bringt uns durch diesen Sturm und dann schauen wir weiter."
"Jawohl, Lord."
Die Stimme verschwand mit einem Knacken und er konnte direkt spüren, wie sich das Schiff mit ihm in die neue Richtung bewegte. Das Außen bewegte sich nur wenig. Anhand des Ausblicks in den Warp hatte er noch nie erkennen können, in welche Richtung sich das Schiff wie schnell bewegte. Aber er spürte es im Schiff stehend sehr genau. So war es schon des Öfteren vorgekommen, daß er die Navigatoren wegen einer ungeplanten Kursänderung kontaktiert hatte und Erklärungen forderte, was diese immer wieder irritierte.
Wolken aus gold-grünem Glitzer zogen vorbei, das Dunkel des Hintergrunds verdeckend. Wobei es kein Schwarz war, es war einfach leer, farblos, tief und dunkel. Die Wolken wurden von einem Schwarm Horrors in buntem Mix abgelöst, der seitlich auf das Schiff zuströmte, es jedoch nicht erreichte. Turbulenzen schüttelten das Schiff ... oder hatten sie etwas gerammt? Die Turbulenzen wurden stärker und er fiel auf ein Knie.
"..örungen..Warp..Angr..Hül...geriss" knackte sein Vox.
Das Schiff vibrierte und er spürte, daß es diese Art Vibrationen nicht lange durchhalten würde.
"Holt uns aus dem Warp! Jetzt! Realraum! Jetzt!" brüllte er in sein Vox. Die Vibrationen hielten an und verstärkten sich weiter. Er sah einen Teil des Rumpfes am Fenster vorbeitreiben, übersäht von Dämonen und dämonischen Fratzen. Sie zerrissen den treibenden Schrott bis nichts mehr übrig war und warfen sich dann erneut in Richtung des Schiffs.
Gerade als Aluthyvius erneut ins Vox brüllen wollte fielen sie in den Realraum. Die unwirklichen Gestalten verblassten, gefangen im dünnen Vorhang, der den Realraum und ihre Welt voneinander trennte. Er sah Sterne und die angenehme Schwärze des Raums zwischen den Sternen. Und er sah einen Planeten auf den sie zu fielen. Schon starteten die Triebwerke doch er war sich unsicher, ob sie der Atmosphäre entkommen würden.