Viridian Tertius â Der Atem des Imperators
Der Regen fiel wie immer auf Viridian Tertius: warm, schwer, voller Leben. Dichte Schwaden aus smaragdgrĂŒnem Dschungel dampften unter dem Himmel, der niemals ganz klar war. Selbst aus den obersten Zinnen der Makropolstadt
Heliokast Pax wirkte der Planet wie ein endloser, wuchernder Ozean aus BlĂ€ttern, Ranken und gewaltigen Baumkronen. Der Dschungel war Ă€lter als jedes Bauwerk des Imperiums â und ebenso gnadenlos.
MagosâAdministratum Lyren Valc kniete am Panoramafenster und lieĂ den Blick ĂŒber die Stadt schweifen. AdamantiumtĂŒrme ragten aus einem Meer aus Pflanzen, ummantelt von Schildgeneratoren und kilometerlangen Brandmauern, die verhinderten, dass die Flora die Stadt verschlang. Unterhalb lagen die Industrieebenen: Raffinerien, Chemieverarbeitung und die groĂen Bioextraktoren, die den Reichtum des Planeten aus dem Dschungel pressten.
Viridian Tertius war ein Dschungelplanet unter imperialer Herrschaft, strategisch wertvoll durch seine seltenen Biomaterialien â alkaloidhaltige Harze, heilkrĂ€ftige Sporen, toxische Gase, die zu Kampfstoffen veredelt wurden. Ganze Regimenter des Mechanicus beaufsichtigten die Verarbeitung. Die Wirtschaft des Planeten war darauf ausgerichtet, das GrĂŒn zu zĂ€hmen und in Waffen, MedikaeâSubstanzen und Treibstoffe zu verwandeln.
Jenseits von
Heliokast Pax lagen weitere Makropolen:
Canopy Magna, auf titanischen Stelzen ĂŒber dem BlĂ€tterdach errichtet, ein Zentrum fĂŒr Handel und Verwaltung;
Port Verdantis, die wichtigste Raumhafenstadt, deren gewaltige Landeplattformen selbst schweren Transportern der Imperialen Flotte Raum boten;
und
FerrumâSilva, halb Fabrikstadt, halb Festung, wo Industrie und MilitĂ€r ineinandergriffen.
Die RaumhĂ€fen waren stĂ€ndig in Betrieb. Munition, Nahrungsrationen und Arbeiter wurden eingeflogen â veredelte GĂŒter, Rekruten und natĂŒrliche Ressourcen hinaus transportiert. Viridian Tertius war kein heiliger Weltenschrein, sondern ein Zahnrad im endlosen Getriebe des Imperiums, doch ein wichtiges.
Der Dschungel selbst war ein Feind. Fleischfressende Lianen, sĂ€urehaltiger Regen, Schwarmraubtiere und gepanzerte Megafauna forderten tĂ€glich Leben. Einige Kreaturen waren groĂ genug, um Transportpanzer zu zerreiĂen. Dennoch lebten Millionen Menschen auf dem Planeten, generationenlang angepasst an eine Kultur der Disziplin und des Ăberlebens. Die imperialen BĂŒrger verehrten den Imperator als denjenigen, der Ordnung in das endlose Chaos des GrĂŒns gebracht hatte.
Diese Ordnung wurde bewahrt von den Planetaren VerteidigungsstreitkrĂ€ften (PVS). DschungelâRegimenter, mit TarnmĂ€nteln aus lebendem Blattgewebe, fĂŒhrten unablĂ€ssige Sicherungsoperationen auĂerhalb der StĂ€dte durch. Befestigte Wachtlinien, orbital koordinierte Abwehrstellungen und Flakbatterien schĂŒtzten die RaumhĂ€fen. Die PVS waren kampferprobt, denn Piraten, XenosâĂberfĂ€lle und Rebellionen in verschlungenen Grenzregionen waren keine Seltenheit.
Valc erhob sich, als die Sirenen des Raumhafens aufheulten. Ein Konvoi der Imperialen Armee war eingetroffen. Wieder einmal forderte der Krieg jenseits der Sterne Tribut. Viridian Tertius wĂŒrde liefern, wie es das Imperium verlangte â Rohstoffe, Soldaten, Leben.
Der Regen hĂ€mmerte weiter gegen das Glas. Tief im Dschungel brĂŒllte ein unbekanntes Wesen. Doch die StĂ€dte standen fest, aus Stahl und Glauben errichtet.
Solange Viridian Tertius atmete, atmete auch das Imperium ein wenig leichter.