Derzeit werden zwar zahlreiche Vanilla-Listen gepostet, aber ich bin doch überrascht, dass sich bisher das meiste nur um den Einsatz von Grav-Waffen dreht und eines der - meiner Meinung nach - interessantesten Modelle des Codex bisher kaum Beachtung gefunden hat. Die Rede ist natürlich von einem der mächtigsten Psionikern auf imperialer Seite: Meister –Scriptor Tigurius von den Ultramarines.
Ich möchte diesen Thread nutzen, um über verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Tigurius zu sprechen, seinen Besonderheiten und wie er sich in verschiedene Armeekonzepte eingliedern lässt. Denn das eine will ich vielleicht schon vorweg sagen: entgegen der Tendenz von 40kings denke ich ausgesprochen positiv über Tigurius und sehe durch ihn erst einige Armeekonzepte ermöglicht.
Mit der Analyse fange ich mal klein an und betrachte erst einmal die nackten Werte. Tigurius hat die Statline eines ganz normalen Scriptors, kommt allerdings mit 1 extra Lebenspunkt daher. Das ist schon mal nicht so schlecht, da es immer mal sein kann, dass man einen Lebenspunkt durch unglückliche Umstände verliert und man mit 3 LP einfach mehr Puffer hat. Zudem gibt’s noch einen meisterhaften Psistab dabei, der Seelenbrand verursacht. Das ist zwar ein nettes Gimmick, aber für sich allein betrachtet leider auch nicht mehr, da man seinen teuren Servo-Scriptor eigentlich nicht auf Tuchfühlung mit den Feind wiederfinden möchte. Des Weiteren kommt Tigurius standesgemäß mit stolzen drei Magiestufen daher und spielt somit in der oberen psionischen Liga mit, mit allen damit einhergehenden Vorteilen: einerseits zaubert er selbst sehr viel, andererseits ist er auch sehr gut darin feindliche Zauber abzuwehren – dank Psimatrix sogar in einem kleinen Umkreis. Zudem darf er Psitests wiederholen, was ihn zu einem unheimlich zuverlässigen Psianwender macht. Dieses Paket allein ist schon fast die Punktkosten wert (wenn man denn ein so geschnürtes Paket haben wollte), aber natürlich kann er als namhaftes Charaktermodell noch etwas mehr.
Wenn man über Tigurius redet, sollte man im Hinterkopf behalten, dass (offensichtlich) die Ultramarines Ordenstaktik gewählt werden muss, um ihn einsetzen zu dürfen. Das hat gleich mehrere Auswirkungen auf den Rest der Armee. Logischerweise kann man nur eine Ordenstaktik haben (von Alliierten abgesehen) was bedeutet, dass man die Vorteile der anderen Ordenstaktiken bitte gedanklich ausblenden sollte. Also kein IF-Panzerjäger für Devastoren, kein WS Hit&Run und Jink-Bonus für Bikes, usw., das vergisst man schnell.... Auf der anderen Seite genießt man halt die Vorteile der Ultramarines Ordenstaktik. Das alles hat natürlich Auswirkungen auf die Zusammenstellung der restlichen Armee und sollte bei der Zusammenstellung berücksichtigt werden. Netter Nebeneffekt: wenn man ohnehin schon Ultra ist J, dann fällt es leichter noch einen weiteren Ultra-Charakter nehmen, da man die „Kosten“ der Ordenstaktik ja bereits bezahlt hat. Ich mag zum Beispiel Telion auch recht gern.
Tigurius kann auch der Warlord sein und bringt für diesen Fall die imho beste Fähigkeit mit, die der Vanilla-Dex zu bieten hat. Einmalig etwas synchronisieren zu können ist vielleicht nicht die mächtigste Fähigkeit von allen, ist aber eigentlich in jedem Spiel auch einsetzbar und damit selten verschwendet. Zudem finde ich gerade die anderen Warlord-Fähigkeiten der Vanillas teilweise noch viel schlechter.
Nun zur ersten Besonderheit, die Tigurius auszeichnet: Kontrolle über die eigenen Reserven. Wie bereits im alten Codex darf man mit Tigurius Reservewürfe wiederholen, misslungene ebenso wie erfolgreiche. Zu beachten ist, dass dies nur für die Reserven des Ultramarine Attachements gilt; ein billiges Abgreifen dieser Fähigkeit als Alliierter fällt also flach. Kurzer statistischer Abriss: wenn ich die Reserven verfügbar haben möchte, so erhöht sich die Chance für das Erscheinen in Runde 2 und 3 auf jeweils 89%. Möchte ich meine Reserven verzögern, so gelingt mir das immerhin zu 56%. Dies ist eine sehr mächtige Fähigkeit, wie ich finde.
Angenommen man ärgert sich über die Tatsache, dass der neue Stalker/Hunter zwar Skyfire aber kein Interceptor hat und befürchtet , dass gegnerische Flieger reinkommen und den Panzer zerstören, bevor der etwas machen kann. Also ab damit in die Reserve um möglichst erst nach den feindlichen Fliegern reinzukommen. Da beide Panzer nur über eine Hauptwaffe verfügen, ist das Schiessen nach 6 Zoll Fahrt auch kein Problem.
Der Codex Vanilla hat insgesamt nicht wenige Einheiten, die irgendwie aus der Reserve erscheinen (können), seien es Flieger, Landungskapseln oder flankierende LSS. Aber selbst „reguläre“ Einheiten können gut von der Kontrolle der Reservewürfe profitieren. Ein verzögerter 5er Trupp Scouts, der am Ende des Spiels noch irgendein Missionsziel sichert, ist ja nichts neues.
In Verbindung mit der Ordenstaktik der Ultras werden außerdem auch andere Sachen machbar, wie z.B. reservierte Devastoren, so dass die Zahl der potentiellen Nutznießer von Tigurius‘ Fähigkeit sehr hoch sein kann, selbst wenn man seine Armee nicht direkt darauf ausrichtet.
Was man aber durchaus machen kann, imho, denn Tigurius ermöglicht dank der Reservekontrolle auch das Spielen einer richtigen Reservearmee. Waren solche Armeen in der 5th nicht unüblich, sind sie durch die Reserveregeln der 6th (dem Zwang etwas aufstellen zu müssen) nicht mehr wirklich machbar gewesen. Reserven (außer Mini-Standards zum späten erobern und halten von Missionszielen) sind ohnehin etwas aus der Mode gekommen da die neuen Codices, allen voran Eldar und Tau, derart viel Feuerkraft bereits von Spielbeginn an auffahren können, dass man gerne alle zur Verfügung stehenden Mittel möglicht früh im Spiel einsetzen möchte, um dem entgegenwirken zu können. Ein zerstückeltes Einrücken der Reserven kommt da weniger gelegen. Tigurius überschreibt zwar nicht die Pflicht zum Aufstellen von Einheiten, aber er kann dafür sorgen, dass die Reserven möglichst gemeinsam eintreffen, um dem Gegner keine isolierten einzelnen Einheiten zu bieten. Der Codex Vanilla bietet zudem genügend Auswahl um dieses Konzept zu stützen. Zum einen gibt es mehrere Einheiten, die nicht in die Berechnung der Reserven mit einfließen, weil sie immer aus der Reserve erscheinen müssen, wie z.B. der Talon, der Raven und die Legion of Damned.
Darüber hinaus gibt es viele Einheiten wie z.B. flankende LSS oder shockende Terminatoren, die zwar in der Berechnung zählen, aber auch von der Reservekontrolle profitieren. Und schließlich gibt es Einheiten, die man gut aufstellen und verstecken kann, ohne dass ihnen in der ersten Runde viel passiert wie z.B. Salvenkanonen oder auch Devastoren, die man zunächst außer Sicht versteckt um sie dann im richtigen Moment dank der Ordenstaktik zu Waffenexperten zu machen.
Das ist jetzt zwar kein Alleinstellungsmerkmal von Tigurius, denn man kann ähnliche Effekte auch über andere Wege erreichen z.B. durch Sicarius oder eine Aegis mit entsprechenden Upgrade, aber darum ging es ja auch nicht...
Was Tigurius aber tatsächlich einmalig macht, ist seine Kontrolle über seine Psikräfte. Zum einen ist zu erwähnen, dass er Zugriff auf sämtliche Lehren aus dem Regelbuch hat. Das allein zeichnet ihn schon aus, da er somit der einzige Psioniker der Vanillas ist, mit Zugriff auf Divination. Weiterhin darf er beliebige Würfe auf den Psi-Tabellen wiederholen. In Verbindung mit seiner hohen Magiestufe ist das eigentlich schon unverschämt gut. Auch hierzu ein kleiner statistischer Abriss:
Die Chance eine bestimmte Kraft mit dem ersten wiederholbaren Wurf auch tatsächlich zu erwürfeln beträgt 31%. Die Chance diese Kraft zu erwürfeln, wenn es beim ersten Mal doch nicht geklappt hat (und man nicht gegen die Primaris-Kraft getauscht hat) beträgt danach 36%, und für den dritten Versuch (ohne Primaris) bereits 44%. Dadurch ergibt sich als kombinierte Wahrscheinlichkeit, dass ich es schaffe mit einem meiner drei wiederholbaren Versuchen eine bestimmte Kraft zu erwürfeln von 75% (ohne Primaris-Eintausch) bzw. 56% (mit Primaris-Eintausch).
Was sagt das nun aus? Dass es sehr wahrscheinlich ist, eine bestimmte Kraft auch tatsächlich zu erwürfeln, wenn man denn darauf Wert legt. Es ist zwar kein sichereres Ereignis, aber hoch wahrscheinlich. Zum Vergleich: die Chance eine Monströse Kreatur mit Ini 1 wegzuschlunden beträgt „nur“ 51% und dennoch wird es jeder als absolut vernünftig empfinden, es zu versuchen. Den einen oder anderen Chaosdämonenspielern sind solche überlegungen sicherlich auch nicht fremd.
Man mag jetzt über Statisktik denken was man will, ich gehe im Folgenden davon aus, dass man quasi die Möglichkeit hat, sich eine beliebige Kraft aus dem Buch „auszusuchen“. Wenn man das mal so stehen lässt, dann wird einem sicherlich klar, wie mächtig das sein kann. Es ist mit Tigurius eben nicht nur ein munteres drauf los würfeln und darauf hoffen, das was Gutes bei abfällt. Kann man natürlich machen, aber ich denke, da steckt mehr Potential dahinter. Stellt euch vor, ihr könntet immer fest mit „Unsichtbarkeit“ rechnen, oder mit „Tor zur Unendlichkeit“. Dadurch können sich ganz neue Armeekonzepte ergeben. Da man die Psikräfte vor jedem Spiel neu auswürfelt und zu dem Zeitpunkt i.d.R. auch die gegnerische Liste eingesehen hat, kann man auch hervorragend auf den Gegner reagieren und versuchen die passenden Kräfte zu erwürfeln.
Eine gute Strategie, wie oft man auf welcher Tabelle würfelt sowie ein Plan B für den Fall eines Misserfolges sollten ohnehin immer vorhanden sein, wenn man einen Schwerpunkt auf Psi setzt. Das gilt für Tigurius sogar als einzelnes Modell. Hierbei spielt der Aufbau der eigenen Armee, die gegnerische Armee, gespielte Mission und das Gelände eine Rolle. Das sind eine Menge Faktoren und eine universal gültige Master-Strategie gibt es einfach nicht, aber eben zahlreiche Möglichkeiten. Und aufgrund dieser Vielfalt sehe ich Tigurius Rolle in der Armee auch keineswegs als festgeschrieben. Kreative Listenschreiber können da bestimmt den ein oder anderen Kniff rausholen. Ich bin sehr auf eure Ideen gespannt.
Ich persönlich werde ihn anfangs in der eher konservativen Rolle des Supporters spielen, der Gegner verfluchen und eigene Einheiten segnen soll. Für den Anfang, um mit Tigurius warm zu werden. Folglich wird Divination die bevorzugte Wahl sein, da die Primaris-Kraft eigentlich immer passt. Natürlich hoffe ich in erster Instanz auf Misfortune, was imho eine der besten Kräfte des Spiels ist. Sollten die Würfel es gut mit mir meinen, käme bei Bedarf auch Biomantie in Frage, da Enfeeble auch sehr mächtig ist und man mit Endurance auch eine weitere Kraft erwürfeln kann, die man im Zweifel immer irgendwo drauf zaubern kann. Daher werden Scouts in der Armee enthalten sein, damit ich die Flüche nach Möglichkeit von Anfang an wirken kann. Das scouten bringt Tigurius in eine vorgeschobene Position, so dass ich die nur durchschnittliche Reichweite der Flüche etwas ausgleichen kann. Über den Einsatz von Telion denke ich ebenfalls nach, weil ich auf diese Weise optimalen Schutz für Tigurius generieren kann, wenn es nicht grad gegen Tau geht. Ebenso werden Devastoren in der Armee enthalten sein, da diese gute Ziele für Segen darstellen und sich dank der Ordenstaktik ggf. mit dem Scriptor mitbewegen können. Alternativ (oder zusätzlich) wären auch Landspeeder denkbar.
Was ich noch ausprobieren möchte, ist ein Revival der alten „10-Termis-durchs-Tor“-Kiste, indem ich auf das „Tor zur Unendlichkeit“ setze, um damit 10 Sturmtermis zu bewegen. Dummerweise hat Tigurius keine Termirüstung an, wodurch nun die echten Peilmarker eingesetzt werden müssen, wenn ich punktgenau schocken will. Ich denke das realisiere ich durch eine Mischung aus Scout-Bikern und Landungskapseln. Sollte ich wider erwarten kein Tor erwürfeln können die Termis als Plan B immer noch regulär schocken (und profitieren dann immerhin von Tigurius Reservebonus). Mir fehlen nur noch Ideen für Einheiten, die in einem solchen Fall, von den „Fehlversuche“ profitieren.
Eine Reservearmee würde ich auch gerne antesten, aber da fehlen mir einfach die Modelle. Ich hab nämlich immer noch keinen Flieger. J
Zusammenfassend kann man sagen, dass Tigurius ein Kontrollfreak ist: Kontrolle über die Reserven, Kontrolle über seine Psikräfte und sogar noch Kontrolle über das Ausführen dieser Kräfte. Mit Divination und seinem Warlord-Trait kommen weitere Wiederholungswürfe hinzu, so dass ich in der Summe einen Gewinn von sehr viel statistischer Sicherheit gebündelt in einem einzelnen Modell sehe. Warum er bisher hier im Forum so unbeachtet geblieben ist. Aber vielleicht muss man sich auch erstmal von den und den Centurions erholen ;-)
Wie denkt ihr über Tigurius, was für Erfahrungen habt ihr bisher mit ihm sammeln können? Vielleicht hat der ein oder andere ja noch eine gute Idee parat. Ich bin gespannt.
Ich möchte diesen Thread nutzen, um über verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Tigurius zu sprechen, seinen Besonderheiten und wie er sich in verschiedene Armeekonzepte eingliedern lässt. Denn das eine will ich vielleicht schon vorweg sagen: entgegen der Tendenz von 40kings denke ich ausgesprochen positiv über Tigurius und sehe durch ihn erst einige Armeekonzepte ermöglicht.
Mit der Analyse fange ich mal klein an und betrachte erst einmal die nackten Werte. Tigurius hat die Statline eines ganz normalen Scriptors, kommt allerdings mit 1 extra Lebenspunkt daher. Das ist schon mal nicht so schlecht, da es immer mal sein kann, dass man einen Lebenspunkt durch unglückliche Umstände verliert und man mit 3 LP einfach mehr Puffer hat. Zudem gibt’s noch einen meisterhaften Psistab dabei, der Seelenbrand verursacht. Das ist zwar ein nettes Gimmick, aber für sich allein betrachtet leider auch nicht mehr, da man seinen teuren Servo-Scriptor eigentlich nicht auf Tuchfühlung mit den Feind wiederfinden möchte. Des Weiteren kommt Tigurius standesgemäß mit stolzen drei Magiestufen daher und spielt somit in der oberen psionischen Liga mit, mit allen damit einhergehenden Vorteilen: einerseits zaubert er selbst sehr viel, andererseits ist er auch sehr gut darin feindliche Zauber abzuwehren – dank Psimatrix sogar in einem kleinen Umkreis. Zudem darf er Psitests wiederholen, was ihn zu einem unheimlich zuverlässigen Psianwender macht. Dieses Paket allein ist schon fast die Punktkosten wert (wenn man denn ein so geschnürtes Paket haben wollte), aber natürlich kann er als namhaftes Charaktermodell noch etwas mehr.
Wenn man über Tigurius redet, sollte man im Hinterkopf behalten, dass (offensichtlich) die Ultramarines Ordenstaktik gewählt werden muss, um ihn einsetzen zu dürfen. Das hat gleich mehrere Auswirkungen auf den Rest der Armee. Logischerweise kann man nur eine Ordenstaktik haben (von Alliierten abgesehen) was bedeutet, dass man die Vorteile der anderen Ordenstaktiken bitte gedanklich ausblenden sollte. Also kein IF-Panzerjäger für Devastoren, kein WS Hit&Run und Jink-Bonus für Bikes, usw., das vergisst man schnell.... Auf der anderen Seite genießt man halt die Vorteile der Ultramarines Ordenstaktik. Das alles hat natürlich Auswirkungen auf die Zusammenstellung der restlichen Armee und sollte bei der Zusammenstellung berücksichtigt werden. Netter Nebeneffekt: wenn man ohnehin schon Ultra ist J, dann fällt es leichter noch einen weiteren Ultra-Charakter nehmen, da man die „Kosten“ der Ordenstaktik ja bereits bezahlt hat. Ich mag zum Beispiel Telion auch recht gern.
Tigurius kann auch der Warlord sein und bringt für diesen Fall die imho beste Fähigkeit mit, die der Vanilla-Dex zu bieten hat. Einmalig etwas synchronisieren zu können ist vielleicht nicht die mächtigste Fähigkeit von allen, ist aber eigentlich in jedem Spiel auch einsetzbar und damit selten verschwendet. Zudem finde ich gerade die anderen Warlord-Fähigkeiten der Vanillas teilweise noch viel schlechter.
Nun zur ersten Besonderheit, die Tigurius auszeichnet: Kontrolle über die eigenen Reserven. Wie bereits im alten Codex darf man mit Tigurius Reservewürfe wiederholen, misslungene ebenso wie erfolgreiche. Zu beachten ist, dass dies nur für die Reserven des Ultramarine Attachements gilt; ein billiges Abgreifen dieser Fähigkeit als Alliierter fällt also flach. Kurzer statistischer Abriss: wenn ich die Reserven verfügbar haben möchte, so erhöht sich die Chance für das Erscheinen in Runde 2 und 3 auf jeweils 89%. Möchte ich meine Reserven verzögern, so gelingt mir das immerhin zu 56%. Dies ist eine sehr mächtige Fähigkeit, wie ich finde.
Angenommen man ärgert sich über die Tatsache, dass der neue Stalker/Hunter zwar Skyfire aber kein Interceptor hat und befürchtet , dass gegnerische Flieger reinkommen und den Panzer zerstören, bevor der etwas machen kann. Also ab damit in die Reserve um möglichst erst nach den feindlichen Fliegern reinzukommen. Da beide Panzer nur über eine Hauptwaffe verfügen, ist das Schiessen nach 6 Zoll Fahrt auch kein Problem.
Der Codex Vanilla hat insgesamt nicht wenige Einheiten, die irgendwie aus der Reserve erscheinen (können), seien es Flieger, Landungskapseln oder flankierende LSS. Aber selbst „reguläre“ Einheiten können gut von der Kontrolle der Reservewürfe profitieren. Ein verzögerter 5er Trupp Scouts, der am Ende des Spiels noch irgendein Missionsziel sichert, ist ja nichts neues.
In Verbindung mit der Ordenstaktik der Ultras werden außerdem auch andere Sachen machbar, wie z.B. reservierte Devastoren, so dass die Zahl der potentiellen Nutznießer von Tigurius‘ Fähigkeit sehr hoch sein kann, selbst wenn man seine Armee nicht direkt darauf ausrichtet.
Was man aber durchaus machen kann, imho, denn Tigurius ermöglicht dank der Reservekontrolle auch das Spielen einer richtigen Reservearmee. Waren solche Armeen in der 5th nicht unüblich, sind sie durch die Reserveregeln der 6th (dem Zwang etwas aufstellen zu müssen) nicht mehr wirklich machbar gewesen. Reserven (außer Mini-Standards zum späten erobern und halten von Missionszielen) sind ohnehin etwas aus der Mode gekommen da die neuen Codices, allen voran Eldar und Tau, derart viel Feuerkraft bereits von Spielbeginn an auffahren können, dass man gerne alle zur Verfügung stehenden Mittel möglicht früh im Spiel einsetzen möchte, um dem entgegenwirken zu können. Ein zerstückeltes Einrücken der Reserven kommt da weniger gelegen. Tigurius überschreibt zwar nicht die Pflicht zum Aufstellen von Einheiten, aber er kann dafür sorgen, dass die Reserven möglichst gemeinsam eintreffen, um dem Gegner keine isolierten einzelnen Einheiten zu bieten. Der Codex Vanilla bietet zudem genügend Auswahl um dieses Konzept zu stützen. Zum einen gibt es mehrere Einheiten, die nicht in die Berechnung der Reserven mit einfließen, weil sie immer aus der Reserve erscheinen müssen, wie z.B. der Talon, der Raven und die Legion of Damned.
Darüber hinaus gibt es viele Einheiten wie z.B. flankende LSS oder shockende Terminatoren, die zwar in der Berechnung zählen, aber auch von der Reservekontrolle profitieren. Und schließlich gibt es Einheiten, die man gut aufstellen und verstecken kann, ohne dass ihnen in der ersten Runde viel passiert wie z.B. Salvenkanonen oder auch Devastoren, die man zunächst außer Sicht versteckt um sie dann im richtigen Moment dank der Ordenstaktik zu Waffenexperten zu machen.
Das ist jetzt zwar kein Alleinstellungsmerkmal von Tigurius, denn man kann ähnliche Effekte auch über andere Wege erreichen z.B. durch Sicarius oder eine Aegis mit entsprechenden Upgrade, aber darum ging es ja auch nicht...
Was Tigurius aber tatsächlich einmalig macht, ist seine Kontrolle über seine Psikräfte. Zum einen ist zu erwähnen, dass er Zugriff auf sämtliche Lehren aus dem Regelbuch hat. Das allein zeichnet ihn schon aus, da er somit der einzige Psioniker der Vanillas ist, mit Zugriff auf Divination. Weiterhin darf er beliebige Würfe auf den Psi-Tabellen wiederholen. In Verbindung mit seiner hohen Magiestufe ist das eigentlich schon unverschämt gut. Auch hierzu ein kleiner statistischer Abriss:
Die Chance eine bestimmte Kraft mit dem ersten wiederholbaren Wurf auch tatsächlich zu erwürfeln beträgt 31%. Die Chance diese Kraft zu erwürfeln, wenn es beim ersten Mal doch nicht geklappt hat (und man nicht gegen die Primaris-Kraft getauscht hat) beträgt danach 36%, und für den dritten Versuch (ohne Primaris) bereits 44%. Dadurch ergibt sich als kombinierte Wahrscheinlichkeit, dass ich es schaffe mit einem meiner drei wiederholbaren Versuchen eine bestimmte Kraft zu erwürfeln von 75% (ohne Primaris-Eintausch) bzw. 56% (mit Primaris-Eintausch).
Was sagt das nun aus? Dass es sehr wahrscheinlich ist, eine bestimmte Kraft auch tatsächlich zu erwürfeln, wenn man denn darauf Wert legt. Es ist zwar kein sichereres Ereignis, aber hoch wahrscheinlich. Zum Vergleich: die Chance eine Monströse Kreatur mit Ini 1 wegzuschlunden beträgt „nur“ 51% und dennoch wird es jeder als absolut vernünftig empfinden, es zu versuchen. Den einen oder anderen Chaosdämonenspielern sind solche überlegungen sicherlich auch nicht fremd.
Man mag jetzt über Statisktik denken was man will, ich gehe im Folgenden davon aus, dass man quasi die Möglichkeit hat, sich eine beliebige Kraft aus dem Buch „auszusuchen“. Wenn man das mal so stehen lässt, dann wird einem sicherlich klar, wie mächtig das sein kann. Es ist mit Tigurius eben nicht nur ein munteres drauf los würfeln und darauf hoffen, das was Gutes bei abfällt. Kann man natürlich machen, aber ich denke, da steckt mehr Potential dahinter. Stellt euch vor, ihr könntet immer fest mit „Unsichtbarkeit“ rechnen, oder mit „Tor zur Unendlichkeit“. Dadurch können sich ganz neue Armeekonzepte ergeben. Da man die Psikräfte vor jedem Spiel neu auswürfelt und zu dem Zeitpunkt i.d.R. auch die gegnerische Liste eingesehen hat, kann man auch hervorragend auf den Gegner reagieren und versuchen die passenden Kräfte zu erwürfeln.
Eine gute Strategie, wie oft man auf welcher Tabelle würfelt sowie ein Plan B für den Fall eines Misserfolges sollten ohnehin immer vorhanden sein, wenn man einen Schwerpunkt auf Psi setzt. Das gilt für Tigurius sogar als einzelnes Modell. Hierbei spielt der Aufbau der eigenen Armee, die gegnerische Armee, gespielte Mission und das Gelände eine Rolle. Das sind eine Menge Faktoren und eine universal gültige Master-Strategie gibt es einfach nicht, aber eben zahlreiche Möglichkeiten. Und aufgrund dieser Vielfalt sehe ich Tigurius Rolle in der Armee auch keineswegs als festgeschrieben. Kreative Listenschreiber können da bestimmt den ein oder anderen Kniff rausholen. Ich bin sehr auf eure Ideen gespannt.
Ich persönlich werde ihn anfangs in der eher konservativen Rolle des Supporters spielen, der Gegner verfluchen und eigene Einheiten segnen soll. Für den Anfang, um mit Tigurius warm zu werden. Folglich wird Divination die bevorzugte Wahl sein, da die Primaris-Kraft eigentlich immer passt. Natürlich hoffe ich in erster Instanz auf Misfortune, was imho eine der besten Kräfte des Spiels ist. Sollten die Würfel es gut mit mir meinen, käme bei Bedarf auch Biomantie in Frage, da Enfeeble auch sehr mächtig ist und man mit Endurance auch eine weitere Kraft erwürfeln kann, die man im Zweifel immer irgendwo drauf zaubern kann. Daher werden Scouts in der Armee enthalten sein, damit ich die Flüche nach Möglichkeit von Anfang an wirken kann. Das scouten bringt Tigurius in eine vorgeschobene Position, so dass ich die nur durchschnittliche Reichweite der Flüche etwas ausgleichen kann. Über den Einsatz von Telion denke ich ebenfalls nach, weil ich auf diese Weise optimalen Schutz für Tigurius generieren kann, wenn es nicht grad gegen Tau geht. Ebenso werden Devastoren in der Armee enthalten sein, da diese gute Ziele für Segen darstellen und sich dank der Ordenstaktik ggf. mit dem Scriptor mitbewegen können. Alternativ (oder zusätzlich) wären auch Landspeeder denkbar.
Was ich noch ausprobieren möchte, ist ein Revival der alten „10-Termis-durchs-Tor“-Kiste, indem ich auf das „Tor zur Unendlichkeit“ setze, um damit 10 Sturmtermis zu bewegen. Dummerweise hat Tigurius keine Termirüstung an, wodurch nun die echten Peilmarker eingesetzt werden müssen, wenn ich punktgenau schocken will. Ich denke das realisiere ich durch eine Mischung aus Scout-Bikern und Landungskapseln. Sollte ich wider erwarten kein Tor erwürfeln können die Termis als Plan B immer noch regulär schocken (und profitieren dann immerhin von Tigurius Reservebonus). Mir fehlen nur noch Ideen für Einheiten, die in einem solchen Fall, von den „Fehlversuche“ profitieren.
Eine Reservearmee würde ich auch gerne antesten, aber da fehlen mir einfach die Modelle. Ich hab nämlich immer noch keinen Flieger. J
Zusammenfassend kann man sagen, dass Tigurius ein Kontrollfreak ist: Kontrolle über die Reserven, Kontrolle über seine Psikräfte und sogar noch Kontrolle über das Ausführen dieser Kräfte. Mit Divination und seinem Warlord-Trait kommen weitere Wiederholungswürfe hinzu, so dass ich in der Summe einen Gewinn von sehr viel statistischer Sicherheit gebündelt in einem einzelnen Modell sehe. Warum er bisher hier im Forum so unbeachtet geblieben ist. Aber vielleicht muss man sich auch erstmal von den und den Centurions erholen ;-)
Wie denkt ihr über Tigurius, was für Erfahrungen habt ihr bisher mit ihm sammeln können? Vielleicht hat der ein oder andere ja noch eine gute Idee parat. Ich bin gespannt.