40k [WH40k] Deathwatch:Xenojäger

Thyrant

Codexleser
Hallo zusammen,

als Einstand poste ich zunächst mal den Prolog und Kapitel 1 meines vor 6 Monaten begonnenen Romans. "Deatchwatch: Xenojäger". Ich habe schon über 200 Seiten in 5 Kapitel geschrieben will aber an dieser Stelle mal prüfen ob es überhaupt wer lesen will.

Also viel Spaß damit und bitte fleißig kommentieren.


Zusatzinfo: Da das Buch mittlerweile fertig ist kann ich auch das ganze als PDF anbieten. Schickt mir einfach eure E-Mailadresse per PM!

PROLOG

Aus dem stinkenden gelbgrauen Dunst, der zaghaft von der Morgendämmerung illuminiert wurde, erhob sich die gezackte Spitze einer kilometerhohen Makropole. Die Makropole war die Verkörperung eines gewaltigen, in Stahlbeton gegossenen Monuments. Es war jedoch kein Prunkbau der kulturellen Wohlstand repräsentierte und auch nicht das Produkt übersteigerter Hybris eines Despoten. Sondern dies war Colber Primus, ein hocheffizienter Lebensraum für achtzig Millionen menschliche Seelen. In diesem überfüllten Ballungszentrum lebten und arbeiteten die imperialen Bürger und Bürgerinnen, eingepfercht wie Nutzvieh. Viele würden in ihrem Leben niemals den Himmel jenseits des Betons und der planetenweiten Luftverschmutzung sehen, geschweige denn die natürliche Planetenoberfläche zu Gesicht bekommen. Nur die Elite war in der Lage sich in den höchsten Bereichen der Makropole aufzuhalten. Diese reichten bis in die unteren Atmosphärenschichten und erhoben sich funkelnd über den Schmutz rücksichtsloser Industrialisierung.
Der Planet war vollständig mit Infrastruktur in unterschiedlichen Verfalls- und Baustadien bedeckt. Denn Colber Primus, die Makropole die Aufmerksamkeit der Inquisition auf sich gezogen hatte, war nur eine von vielen auf dieser sogenannten Makropolwelt Pekap Tercitus. Tief in den Eingeweiden der schwülen stickigen Megastadt hatte die heilige Inquisition zu Terra etwas entdeckt, dass schlimmer war als planetare Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Sonneneruptionen. Xenosbefall! Von der Sorte, die sich rasant ausbreitete und extrem schwierig zu entdecken war.

Die Inquisition des Ordo Xenos war eine der mächtigsten Organisationen innerhalb des Imperiums der Menschheit. Fähig und befugt nach eigenem Ermessen einen Exterminatus über jene Welten zu verhängen deren Reinheit nicht mehr gewährleistet werden konnte. Für viele Inquisitoren wäre der vorliegende Fall Grund genug gewesen, die besagte Reinigung zu veranlassen. Jegliches organische und anorganische Leben, würde in einem apokalyptischen Inferno ausgelöscht und für Jahrhunderte oder gar Jahrtausende unmöglich gemacht werden. Maßstäbe die im Imperium der Menschheit marginal und somit vertretbar waren.

Inquisitor Derwad Wendons vom Ordo Xenos, der den Befall in einem vergleichsweise frühen Stadium diagnostizierte, war jedoch noch nicht gewillt, die annährend siebzig Milliarden imperialen Bürger zu opfern, die auf der Makropolwelt lebten. Ältere Inquisitoren hätten diese Entscheidung vermutlich seinem jugendlichen Leichtsinn zugeschrieben. Er war schließlich nicht ganz neunzig Standardjahre alt und sah noch dazu nicht mal halb so alt aus. Jedoch verfügte die Inquisition noch über andere Mittel. Denn wenn der Exterminatus die läuternde Brandrodung war, so war die Deathwatch das Jätemesser.

Deathwatch, ein Name ebenso sagenumwoben wie die legendären Spacemarines, jenen genetisch verbesserten Posthumanen, die seit mehr als zehn Millennien das Überleben und die Vorherrschaft der Menschheit sichern. Sie wurden auch als Astartes oder Engel des Todes bezeichnet und waren seid beinahe ebenso langen Zeiten in verschiedenen Orden organisiert.
Einzig der Ordo Xenos der Inquisition hatte das Vorrecht Astartes aus verschiedenen Orden zu rekrutieren und gemischt in Exterminatorenteams zu kombinieren. Auf diese Weise vereinten sich die verschiedenen Stärken der Orden zu einer tödlichen Macht die kaum zu übertreffen war.

Auch aus diesem Grund entschied sich Inquisitor Wendons dafür, eine astropathische Botschaft an die versteckte Ordensfestung Argenteus Irae zu übermitteln. Darin bat er um die Entsendung eines Exterminatorenteams nach Pekap Tercitus. Technisch gesehen hatte hätte er die Entsendung einfach per Befehl anordnen können. Jedoch hatte er sich von Beginn seiner Karriere an, stets äußerst zurückhaltend gegenüber den Posthumanen verhalten. Schließlich waren sie die Söhne des Gottimperators der Menschheit und er hatte nicht vor, nur auf Basis eines Förmlichen Abkommens und zur Bestätigung seines Egos, deren Missgunst auf sich zu ziehen.

Er erhielt keine Rückmeldung, wie üblich. Anschließend ließ er seine stark modifizierte Fregatte zurück in den Orbit des befallenen Planeten fliegen. Nun lag eine weitere schwerwiegende Entscheidung vor ihm. Sollte er ein Embargo verhängen und die imperiale Flotte den Planeten abriegeln lassen? Oder sollte er geduldig abwarten? Bis die Spacemarines ankamen den Feind in falscher Sicherheit wiegen und dann mit voller Härte zuschlagen? Ein Embargo würde innerhalb weniger Tage eine katastrophale Unterversorgung mit elementaren Gütern wie Wasser und Nahrung verursachen. Der Planet war praktisch vollständig von der Versorgung durch andere Planeten abhängig. Allgemein galt Pekap Tercitus als fügsam, wenn jedoch der Nachschub ausblieb, würden alleine die Aufstände und Revolten Millionen von Toten fordern. Ohne Embargo bestand jedoch die Gefahr, dass sich der Xenosbefall durch die unzähligen interstellaren Transportflüge auf weitere Planeten ausbreiten würde.

Nachdem er im Geiste sorgfältig die Alternativen abgewägt und darüber hinaus in einer Seance das Tarot des Imperators befragt hatte, entschied er sich für das Embargo. Einige Millionen Tote hier, wären leichter zu verkraften als eine Sektorweite Epidemie. Nachdem er sich vom tadellosen Zustand seiner schwarzen Uniform überzeugt hatte, hing er sich seine Amts Insignie um den Hals. Sie bestand aus rot lackiertem Metall und hatte die Form des Buchstabens I mit einem eingefassten schwarzen Totenschädel in der Mitte.
Er setze eine ernste Miene auf und betätigte einige der Kontrollen an seinem Kommandothron. Innerhalb weniger Augenblicke hatte sein Schiff einen Prioritätskanal zu allen imperialen Schiffen und Kommunikationsnetzwerken in Funkreichweite geöffnet. Damit hatte er sämtliche ihrer technischen Schutzmaßnahmen überbrückt und vermutlich eine Menge Leute, die sich für wichtig und mächtig hielten, enorm verärgert.
Diejenigen die über einen Holoprojektor verfügten, sahen das ernste Gesicht eines dunkelhaarigen Mittvierzigers mit ergrauten Schläfen der jedoch die eindeutigen Zeichen von Verjüngungsbehandlungen zeigten. Seine blauen Augen waren wie erbarmungslose Suchscheinwerfer, die jede verborgene Sünde erfassen konnten und niemals blinzelten.

„Hier Spricht Inquisitor Derwad Wendons vom Ordo Xenos der heiligen Inquisition zu Terra. Ab sofort steht Pekap Tercitus unter Quarantäne. Schiffe die sich in Lande- oder Startvorgängen befinden werden diese unverzüglich abbrechen oder ohne Vorwarnung abgeschossen. Jeder Versuch den Planeten zu verlassen wird mit dem Tod bestraft. Auf Pekap Tercitus hat sich ein Makel eingeschlichen der alles bedroht für das unser geliebtes Imperium der Menschheit steht. Aus diesem Grund wird die Bedrohung so lange eingekesselt, bis der Makel herausgeschnitten wurde.“ Inquisitor Wendons machte eine kurze Pause um die Bedeutung seiner Worte wirken zu lassen ehe er nach einer letzten Beschwörung den Kanal schloss.
„Der Imperator beschützt!“

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EINS

„Apothekarius Ajax Centus, ihr wurdet ausgewählt, unseren Orden zu repräsentieren und euch selbst in einer Weise hervor zu tun wie es nur wenigen Brüdern ermöglicht wird!“ Captain Serbitar Amarand machte eine dramatische Pause und Ajax fragte sich worum es bei diesem spontanen Antreten und insbesondere dem Hervorheben seiner Person ging. „Zur Erfüllung des Abkommens zwischen den Adeptus Astartes und dem Ordo Xenos der heiligen Inquisition zu Terra, werdet ihr in den Schmelztiegel der Legiones Astartes, die Deathwatch geschickt!“

Die ganze angetretene Formation und auch Ajax selbst nahmen diese Neuigkeit ohne sichtbare Regung auf. In seiner Funktion als Apothekarius hatte er bereits dutzende Einsätze hinter sich gebracht. Er war in der Lage gewesen die Gensaat jedes einzelnen Bruders unter seiner Fürsorge zu bergen, wenn dieser vom Imperator zu sich gerufen wurde.
Eine derartige Erfolgsquote war zwar nicht beispiellos, jedoch eine Leistung die ihm zu respektablem Ruf und dem Spitznamen Totengräber verholfen hatte. Dennoch war er sich nicht sicher, ob seine Versetzung zur Deathwatch tatsächlich eine so große Ehre war wie von seinem Captain proklamiert. In der Vergangenheit war die Deathwatch angeblich häufig ein Mittel gewesen, um unbequeme oder auch charakterlich untypische Schlachtenbrüder aus der Truppe zu entfernen ohne diese öffentlich zu brüskieren.

„Dies ist nicht nur eine besondere Gelegenheit dem Imperator zu dienen, sondern darüber hinaus die Chance unseren Brüdern aus den anderen Orden zu zeigen, dass Imperial Fists nicht einfach nur aus einem besonderen Holz geschnitzt sind, sondern aus Granit gemeißelt!“ fuhr Captain Amarand mit grimmiger Miene fort. Entsprechend den Traditionen löste sich Ajax aus der Formation, ging auf seinen Captain zu und kniete sich vor diesen auf die Steinplatten des Hangar Bodens.

An den Wänden des Hangars hingen gewaltige Banner mit der Heraldik der Imperial Fists und deren sechster Kompanie. Zwischen den Bannern waren die Wände, ebenso wie die Wände das übrigen Schlachtschiffes, von Knochen gefallener Brüder bedeckt, welche mit übermenschlicher Sorgfalt graviert worden waren.

Aus dem Schatten hinter Captain Amarand löste sich eine nicht weniger eindrucksvolle Gestalt in mattschwarzer Rüstung. Ihr Gesicht wurde von einer filigran gravierten Schädelmaske verdeckt und in der rechten Hand hielt sie Ihr Amtszeichen welches zugleich eine zerstörerische Waffe und ein Fanal für alle Feinde des Imperiums war. Der Ordenspriester stellte sich neben den Captain und begann eine Litanei zu beten.
Seine Stimme, so rau und stark wie aneinander reibende Kontinentalplatten erfüllte alle Anwesenden mit Entschlossenheit und Ehrfurcht. Während des Gebets, in welches nun auch die übrigen Schlachtenbrüder einstimmten, befestigte der Ordenspriester Augenblickseide an der Rüstung von Ajax und überreichte ihm anschließend ein altes Energieschwert, welches von den besten Arcifiern des Ordens geweiht worden war.

Ajax war, soweit es für einen Posthumanen wie ihn möglich war, ergriffen und von der Intensität des Augenblicks berauscht. Seine Zweifel an Ursache für seine Mission verblassten ein wenig. Als der Ordenspriester zum Abschluss der Zeremonie Ajax’ Helm mit seinem Crozius berührte und die Worte „Primarch, zu deinem Ruhm und für ihn auf Terra!“ rief, wiederholten die angetretenen Spacemarines den Schlachtruf ihres Ordens mit tosender Kraft.

Zügig verließen die meisten Marines daraufhin den Hangar, bis nur noch Captain Amarand, der Ordenspriester und Ajax übrig waren. In respektvoller Stille warteten sie, bis sich das gewaltige Hangar Tor öffnete und die unendliche Tiefe des Weltraums zeigte. Nur durch ein Kraftfeld von der endlosen Weite getrennt sah er lautlos einen schwarzen Thunderhawk auf das geöffnete Tor zufliegen.

Seine gepanzerte Nase zierte das Symbol der Deathwatch, welches vor statischen Entladungen funkelte, als das Schiff den Schild durchdrang. Gleichzeitig brach das charakteristische Heulen der mächtigen Triebwerke explosionsartig über sie hinein und ebbte kurz darauf wieder ab, als der Pilot den Thunderhawk in Fluchtrichtung auf das Deck aufsetzte.

Sofort öffnete sich die Große Klappe im Bauch des Astartes Allzweckfliegers und eine imposante Gestalt in schwarz stampfte durch den Nebel der Abgase und Hydraulikdämpfe.
Sie hielt eine Energiegleve in der rechten Hand und trug einen Purpurfarbenen Chorrock über der makellos gewarteten Servorüstung. Als die Gestalt in respektvollem Abstand zu den drei Imperial Fists stehen blieb, wurde der auf seinem rechten Schulterpanzer dargestellte weiße Rabe der Söhne von Corvus Corax sichtbar.

„Grüße Captain, mein Name ist Nimerian, Hüter der Deathwatch.“ Stellte sich der Neuankömmling in lockerem Tonfall vor. „Das ist Ordenspriester Radek, dies ist Apothekarius Ajax Centus und mein Name ist Amarand.“ Stellte der Captain die übrigen Anwesenden vor, wobei er den genannten jeweils respektvoll zunickte.

„Der Imperator beschützt, Brüder. Es ist mir sowohl eine Ehre als auch ein Privileg ihren Orden kennen zu lernen. Es erfüllt mich mit Stolz das Vorrecht zu haben, die Stärke und Zähigkeit der Imperial Fists in die Deathwatch einzusäen. Welcher Bruder wird das Abkommen erfüllen und zum Wohle des Imperiums ein Streiter der Inquisition werden?“ erwiderte der Hüter mit sorgfältig betonten Worten. Seine Respektbekundung untermalte er durch das beiläufige Abnehmen seines Gefechtshelmes.
Darunter kam schneeweiße Haut zum Vorschein, welche in einen deutlichen Kontrast zu den blutroten Augäpfeln, der schwarzen Rüstung und nicht zuletzt dem purpurnen Chorrock stand.
Sein Gesicht war von zahlreichen alten Narben bedeckt und er trug einen goldenen Dienststecker über der linken Augenbraue.
Das Verhalten des Hüters überraschte Ajax ein wenig, da Brüder der Raven Guard in dem Ruf standen, eher still und pragmatisch zu sein und nicht viel auf Formalitäten oder Respektbekundungen zu geben. Captain Amarand schien dies ebenfalls aufgefallen zu sein. „Der Imperator beschützt, Nimerian von der Deathwatch. So viele höfliche Worte? Ich muss also davon ausgehen, dass ihr nicht nur einen meiner Männer aus seinem Orden reißt sondern auch noch einen gefallen Bruder mitbringt?“ entgegnete Captain Amarand trotzig und blickte an dem Raven Guard vorbei in den Thunderhawk. Dort wurde grade von Hebeservitoren eine große Frachtkiste ausgeladen.

„Es ist mir eine Freude euch in dieser Annahme zu enttäuschen Captain Amarand. Tatsächlich hat sich Bruder Hergard entschlossen seinen Dienst bei der Deathwatch bis zum Ende seines Lebens fortzusetzen. In der Frachtkiste befindet sich seine alte Rüstung, welche den Imperial Fists gehört. Er hat sich neben einem tadellosen Ruf, das Crux Terminatus verdient und hat die Ausrüstung der Deathwatch zur Verfügung!“
Captain Amarands Gesichtszüge waren unlesbar und er gab eine Antwort die spürbar in Ajax’ Richtung ging. „In diesem Fall bin ich erfreut darüber dass Hergard seinen Platz gefunden hat auch wenn ich seinen Verlust für den Orden dennoch bedauere. Ich hoffe Bruder Centus wird zu uns zurückkehren und unserem Orden mit der gewonnenen Weisheit dienen wenn es soweit ist.“

„Das werden am Ende der Imperator und Apothekarius Centus selbst entscheiden, nicht wahr Bruder?“ wandte sich Nimerian nun ebenfalls an Ajax. Dieser überlegte sich schnell eine Antwort, die weder seinen respektierten Captain, noch seinen möglichen neuen Vorgesetzten zu verärgern drohte.

„Ich vertraue da voll und ganz auf unseren geliebten Imperator. Um unseren Aufbruch nicht unnötig hinauszuzögern werde ich nun mein Quartier räumen. Ich denke bis der Thunderhawk aufgetankt ist werde ich aufbruchsbereit sein.“ erwiderte Ajax schließlich mit Blick zu seinem Captain und hoffte somit dem Spannungsfeld seiner Vorgesetzten ausweichen zu können.

„Lassen sie sich Zeit Apothekarius, ich werde mit dem verehrten Hüter in den Tempel gehen und versuchen ihm die Weisheit des Imperators mit auf den Weg zu geben.“ grollte Ordenspriester Radek der sich bislang still verhalten hatte, mit einer Bestimmtheit die keinen Widerspruch duldete.
Zwar stand er rein technisch im Rang unter Captain Amarand, jedoch verhalfen ihm Ruhm, Ehre und vor allem Weisheit zu einer Sonderposition die ihm weitreichende Autorität verlieh. Abgesehen davon war offensichtlich geworden, dass Captain Amarand keinen Wert auf weitere Gespräche legte und somit mehr als nur einverstanden mit den Worten des Ordenspriesters war.

Ajax beschwor auf seiner Brust das Zeichen des Aquilas, senkte leicht den Kopf und entfernte sich zügig aus dem Hangar. Auf dem Weg zu seinem Quartier, welches eher einer Zelle glich, nahm Ajax die Vertrautheit seiner Umgebung mit einer Intensität wahr die ihn selbst überraschte. Zwar waren weder er noch die Imperial Fists insgesamt für Sentimentalität bekannt jedoch wurde ihm klar, dass ihm das Schiff mit seinen knöchern verkleideten Gängen fehlen würden. Die Nähe zu den geehrten Gebeinen seiner Brüder war immer ein stiller Quell der inneren Ruhe für ihn gewesen. Im Quartier angekommen zog er seinen Helm aus und legte ihn in die bereitstehende Frachtkiste. Alle Imperials Fists beteiligten sich am rituellen Gravieren der Knochen, Ajax Talent hierfür war bereits bei seinem ersten Versuch aufgefallen. Somit war es nicht verwunderlich, dass seine Gravurwerkzeuge und eine Rippe deren Bearbeitung er kürzlich begonnen hatte die einzigen Gegenstände waren die in seinem Quartier zu finden waren und von ihm eingepackt wurden.

Danach machte er sich mit der fast leeren Frachtkiste auf den Weg ins Apothekarium um seine persönliche Kampf- und Spezialausrüstung abzuholen. Vor Ort sah er gleich, dass seine Ausrüstung bereits zusammengepackt auf einer unbenutzten Liege befand.
Daneben stand Chefapothekarius Loktar. Loktar war sein Ausbilder gewesen und auch sein persönliches Leitbild. Der Veteran trug lediglich einen Wappenrock der seinen vernarbten Körper betonte und ihm das Aussehen einer steinernen Statue verlieh, dem Optimum für viele Imperial Fists. Sein völlig kahler Schädel der nur von zwei goldenen Dienststeckern verziert wurde drehte sich in Ajax‘ Richtung als dieser Eintrat.
„Ajax, du warst stets ein engagierter Schüler und ich war immer vollkommen ehrlich zu dir. Deine Zeit als mein Schüler ist nun vorbei, und ich habe dir alles beigebracht was ich durch Lektionen vermitteln kann. Aus diesem Grunde habe ich, als Captain Amarand nach Kandidaten für die Deathwatch fragte, dich vorgeschlagen!“

Ajax war einen Moment lang sprachlos, er hatte nicht gedacht dass sein Engagement dazu führen würde dass sein Vorbild ihn eigenhändig fortschickte. „Ich danke euch, dass ihr mich für würdig haltet diese Ehrung zu erhalten Loktar. Dennoch hatte ich nicht dass Gefühl dass Ihr mit euren Lektionen am Ende gewesen wärt.“

„Was sollen diese Schmeicheleien Ajax, damit erniedrigst du uns beide. Mir ist klar wie unverständlich meine Gründe für dich sein müssen. Jedoch verfolge ich auch mit diesem Entschluss, wie immer, eine bestimmte Absicht.“ Bei diesen Worten überfiel ein trauriger Ausdruck das Gesicht von Ajax‘ altem Mentor und sah forschend in Ajax‘ Gesicht als er weitersprach.
„Manche sehen in uns reine Feldsanitäter, aber das sind wir nicht!
Wir tragen das Wissen und vor allem das Verständnis von allem was die Überlegenheit eines Astartes ausmacht.
Wir halten die Orden am leben und wenden die Schwächen unserer Feinde auf eine Art und Weise gegen diese wie es nur wenige vermögen.“

Entschlossen stimmte Ajax dem Veteranen zu, er hatte die Lektionen in sein Bewusstsein verankert und seiner Meinung nach auch verstanden daher erwiderte er.
„Das habt ihr mich immer gelehrt und ich folge dieser Doktrin so gut es mir möglich ist. In aller Offenheit Loktar, ich sehe mich aus eben diesen Gründen als wichtigen Teil unseres Ordens und kann meine Entsendung nicht nachvollziehen.“

Loktar schloss kurz die Augen wie er es immer Tat wenn Ajax falsch lag und er ihm den Fehler aufzeigen wollte.
„Dann hast du diese Doktrin, wie du sie nennst, eindeutig noch nicht völlig verstanden. Was ich dir allerdings nicht zum Vorwurf machen möchte. Wir leben in einer Zeit in der mehr Wissen verloren geht als neu gewonnen oder auch nur bewahrt wird.
Das bedeutet, dass wir, um unsere Aufgabe vollkommen auszufüllen, auch Forscher sein müssen.
Ich bin praktisch mein Leben lang Apothekarius bei unserem geliebten Orden der Imperial Fists gewesen. Allerdings sehe ich immer deutlicher die Grenzen meines Wissens, welches ich seinerzeit vom geehrten Apothekarius Oswaft erhalten habe, der ebenfalls den Orden nie verlassen hat.
Unsere Körper und Seelen sind so konstruiert, dass sie an nahezu jede erdenkliche Situation angepasst sind. Das muss auch für unser Wissen gelten, und hier kommt die Deathwatch ins Spiel.“

„Ich glaube ich verstehe was ihr meint, aber wenn ich nicht zurückkehre werde ich nicht mal ein Apothekarius mit eingeschränktem Wissen sein können, sondern nur ein leerer Platz und ein fehlender Bewahrer der Vermächtnisse unserer Brüder.“ wandte Ajax ein und zog dabei leicht seine blonden Augenbrauen hoch.

„Hab mehr Vertrauen in den Imperator! So wie Ordenspriester Radek. Denkst du jeder Marine erhält vor seiner Abreise ein so kostbares Schwert wie du? Diesen Umstand hast du allein dem Wirken und Vertrauen Radeks zu verdanken. Die Tatsache, dass er deine Auswahl und vor allem deine Arbeit als Forscher außerhalb seiner Kontrolle unterstützt sollte dir einerseits die Wichtigkeit und andererseits das Vertrauen verdeutlichen, welches die Kompanie und letztendlich der ganze Orden in dich setzt.“
Die letzten Worte ließen Ajax, leicht beschämt, den Blick abwenden. Er war von dem Zutrauen beeindruckt und von seiner eigenen Blindheit überrascht. So tadelte er sich selbst für sein schändliches Misstrauen und entschloss sich zu einem letzten Zusammenkommen mit dem Schmerzhandschuh für viele Jahre.

„Was soll ich sagen Loktar? Eure Weitsicht beschämt mich und straft gleichzeitig die angebliche Dogmatik der Imperial Fists lügen.
Um weitere Torheiten meinerseits zu verhindern, lasst mich euch für die geduldigen Jahre der Ausbildung danken und ganz besonders für diese letzte Lektion der Demut. Seid gewiss, dass ich diese Aufgabe meistern werde, zur Ehre des Imperators, des Primarchen, der Imperial Fists und des in mich gesetzten Vertrauens.“
Mit diesen Worten streckte er Loktar seine Hand zum Kriegergruß entgegen und war überrascht sogar die Andeutung eines Lächelns auf dem ledrigen Gesicht seines Lehrers zu sehen.
Nach dem Gruß nahm er die Ausrüstungskiste von der Liege und verließ das Apothekarium in Richtung der unteren Deckbereiche.

In der Kammer, welche für die rituelle Nutzung des Schmerzhandschuhs vorgesehen war, saß zu seiner großen Überraschung Ordenspriester Radek.
Wie eine sehr detailliert gefertigte Statue, stand er völlig regungslos vor dem stabilen Gestell, welches die zu kasteienden Marines in Position halten konnte.
Es konnte höchstens eine halbe Stunde vergangen sein, seid dieser sich mit Hüter Nimerian auf den Weg in den Tempel gemacht hatte. Von Nimerian war jedoch keine Spur zu sehen.
„Gut dass Ihr hier seid, Apothekarius.“ grollte die unverkennbare Stimme des Ordenspriesters durch den von Schweiß und Stimulanzien geschwängerten Raum und fuhr fort.
„Dass ich euch vor eurer Abreise noch hier antreffen würde bestätigt das Bild dass ich von euch habe und gibt mir Mut, dass ihr der vor euch liegenden Aufgabe gewachsen seid.“

„Ich danke euch Ordenspriester Radek. Für euer Vertrauen und für eure Fürsprache. Ich bin hier, um mir den Wert der vor mir liegenden Aufgabe bewusst zu machen. Und um dieser mit gereinigter Seele zu begegnen.“ erwiderte Ajax.
Schon immer hatte er gegenüber dem Ordenspriester das Bedürfnis empfunden Rechenschaft abzulegen.
„Es ist kein Dank notwendig, denn ihr habt euch beides selbst verdient. Nicht desto Trotz bin ich der Meinung, dass heute kein Tag ist an dem ihr euch durch Schmerz reinigen solltet. Ich bin euer Ordenspriester und Wächter eurer Seele. Vor eurer Abreise sollt ihr etwas von mir erhalten, dass euch mehr nützen wird als die vergängliche Empfindung von Schmerz.“
Radek nahm auf einer der Bänke Platz und während dem folgenden Gespräch, baute der Ordenspriester hinter seiner anonymen Maske eine persönliche Atmosphäre auf wie Ajax es dem verdienten Krieger nicht zugetraut hatte.
Wortgewaltig und überzeugend fegte sämtliche von Ajax‘ Zweifeln beiseite und baute Ihn in einer Weise auf, die ihm die Trennung von seinen Brüdern weniger negativ erscheinen ließ.
„Ich diene dem Imperator mit Herz und Seele. Meine Aufgabe ist es unseren geliebten Orden von innen heraus vor allen Gefahren zu beschützen. Darum bitte ich euch. Lernt soviel ihr könnt! Knüpft Bande zu den Brüdern anderer Orden auf dass wir Seite an Seite aus dem Schatten unseres finsteren Zeitalters hervortreten können. Tut was ihr tun müsst, aber nicht um jeden Preis!“ Darauf hin erhoben sich zuerst Radek und schließlich auch Ajax bevor der Ordenspriester endete.
„Denn seid gewiss, dass ich euch, solltet ihr makelbehaftet zurückkehren, genauso sicher verdammen werde, wie ihr ein Held des Orden sein werdet, wenn ihr neu geschmiedet und rein zurückkehrt.“ Bei diesem Worten gewann Radeks Stimme wieder an Härte und er reichte Ajax seinen Arm zum Kriegergruß. Ajax ergriff diese schweigend aber entschlossen und verließ die Kammer um sich auf den Weg in seine bestimmungsvolle Zukunft zu machen.

Im Hangar war erneut die komplette sechste Kompanie angetreten und bildete ein Ehrenspalier für ihn. Am Ende des Spaliers standen Captain Amarand und auch Radek der gerannt sein musste um ihn zu überholen. Vom Hüter war nichts zu sehen.

Der Thunderhawk stand startbereit mit im Leerlauf tosenden Turbinen auf dem Deck, was wohl bedeutete, dass Nimerian bereits an Bord war. Ohne innezuhalten schritt Ajax durch das Spalier und betrat über die geöffnete Rampe den Thunderhawk. Die Rampe begann sofort sich zu schließen und die Triebwerke erhöhten ihre Leistung. Kurz darauf verließ das Schwarz lackierte Fluggerät den grell gelben Schlachtkreuzer in Richtung einer wartenden, anonym und schmucklos gestalteten Fregatte.
Da es keine rückwärtigen Sichtfenster gab, konnte Ajax keinen Blick mehr auf jenes Schiff werfen, welches für die vergangenen dreißig Standardjahre seine Heimat gewesen war. Er fragte sich wer bei seiner Rückkehr noch da sein würde. An seiner Rückkehr hatte er, nach den persönlichen Gesprächen mit seinem Mentor und dem Ordenspriester, keinen Zweifel mehr.

Mit ihm zusammen im Truppenabteil saß Nimerian und hatte anscheinend seine Nachdenklichkeit bemerkt. „Habt ihr bereits mit Brüdern anderer Orden zusammen gekämpft?“ fragte Nimerian freundlich und löste Ajax aus seinen Gedanken. „Nein, nicht direkt. Im Rahmen des Maldakdor Feldzuges war die sechste Kompanie zusammen mit zwei Trupps der Blood Ravens involviert, jedoch gab es keinen direkten Kontakt zwischen deren Einheiten und dem Trupp den ich unterstützt habe.“ antwortete Ajax wahrheitsgemäß und erinnerte sich an die Orkhorden, die dort niedergemetzelt worden waren.

Es war sein erster Einsatz gegen Orks gewesen. Zu beginn war er noch von ihrer gleichzeitig direkten und dennoch sehr strategischen Kriegsführung überrascht gewesen. Sein Trupp hatte den Auftrag gehabt eine Munitionsfabrik zu sichern. Also gruben sie sich ein und bildeten ein Bollwerk wie es nur Imperial Fiste fertigbringen konnten. Sie töteten sicherlich mehrere Tausend Orks ehe die ersten Grünhäute in die Anlage eindringen konnten. Was dann folgte war ein wildes Gemetzel auf engstem Raum. Ein Ork Nob, anscheinend deren Äquivalent eines Sergeants, schwang einen monströsen Morgenstern und nachdem er beim Ausholen einem anderen Ork den Schädel einschlug versenkte er die von Stacheln übersäte Stahlkugel in der Brust eines Schlachtenbruders. Mit einem Aufschrei war Ajax vorgesprungen und hatte sein Kettenschwert tief in die Flanke das Orks getrieben. Dieser packte mit seiner großen grünen Pranke Ajax Scherthand und hielt sie an Ort und Stelle während er brutal an dem Morgenstern riss um ihn freizubekommen. Der Marine mit der mit dem zerschmetterten Brustkorb wurde wie eine Puppe hin und her geschleudert und Ajax sah mit entsetzen wie der riesige Ork mit seinem eisernen Kiefer nach seinem Kopf schnappte. Mehr aus Reflex hatte er daraufhin sein Narthetikum in den stinkenden Rachen getrieben bis der Bohrer durch den Hinterkopf wieder austrat. In diesem Moment hatte der Devastor des Trupps endlich seine Waffe nachgeladen und verschaffte Ajax den nötigen Freiraum um die Gensaat seines Bruders zu ernten. Während das hohe kreischen des Reduktors und das Hämmern des Bolters die Stellung erfüllten brach draußen die Hölle los. Ein Thunderhawk in den Farben der Bloodravens bombardierte die vorrückenden Orks und schaltete deren mörderische Gargbots und missgestalteten Kampfpanzer aus. Somit waren die Imperial Fiste in der Lage die Orks von der Fabrik zurückzudrängen und zu sehen wie die Luftstreitkräfte der Orks den Thunderhawk nur Knapp verpassten.

„Interessante Brüder.“ Riss Nimerian ihn wieder aus den Gedanken. „Ihre akribische und zeitintensive Archivierung von Wissen vielerlei Gestalt wird ihnen ja gerne als Schwäche ausgelegt. Allerdings habe ich miterlebt wie effektiv sie ihre wenigen Brüder einsetzen indem sie die Pläne und Schwächen des Feindes präzise kontern und ausnutzen.“
Auch an diese Tatsache konnte sich Ajax erinnern. Es war zwar nie offiziell verkündet worden, aber wer die formalen Berichte jenes Feldzuges analysierte konnte erkennen, dass die zwei taktischen Trupps der Blood Ravens bemerkenswerte Ergebnisse erzielt hatten. So bemerkenswert, dass ihre geringere Anzahl im Verhältnis zu der Truppenstärke der aufmarschierten Imperial Fists kaum noch aufgefallen war.
„Bleibt nur noch die Frage zu welchem Preis. Soviel ich weiß haben die Blood Ravens mindestens drei Skriptoren ins Feld geführt und haben das Verhalten der Orks in einem Ausmaß verstanden und vorhergesehen, dass mir bis heute Sorgen bereitet. Ordenspriester Radek berichtete darüber hinaus noch von massivem und kompromisslosem Einsatz offensiver Psikräfte.“ entgegnete Ajax kritisch.

Alle Spacemarines wussten von dem Edikt von Nikaea, jedoch war es irgendwann im Laufe des entsetzlichen Bruderkrieges und der Erstellung des Codex Astartes widerrufen oder außer Kraft gesetzt worden. Die genauen Umstände dieser Ereignisse waren schleierhaft und von Gerüchten geprägt, aber selbst die Imperial Fists hatten schließlich ihr Skriptorium wieder eröffnet. Durchaus zum Missfallen zahlreicher Ordensbrüder.
Diese Entgegnung ließ Nimerian jedenfalls amüsiert grinsen und er antwortete mit weiterhin freundlicher Stimme.
„Ein Imperial Fist wie er im Buche steht. Ich möchte eure Überzeugung weder kritisieren oder verurteilen, dennoch bin ich gespannt ob und wenn ja wie sich diese Wandeln wird. Auch wenn es in den einzelnen Orden in der Regel nur wenige Psioniker gibt, so ist deren Anzahl innerhalb der Deathwatch deutlich höher.“
Unschlüssig ob Nimerian ihn provozieren wollte versuchte Ajax das Gespräch von sich selbst abzulenken und nahm gleichzeitig zur Kenntnis, dass der Thunderhawk in den Hangar der Deathwatchfregatte flog.
„Mich würde interessieren wie ihr persönlich zu diesem Thema steht Hüter. Hat sich eure Überzeugung im Laufe der Zeit gewandelt?“

Ich halte unsere verehrten Skriptoren für einen unverzichtbaren Bestandteil im Waffenarsenal des Imperiums der Menschheit, Apothekarius. Für einen anregenden Disput über die Entwicklung von Überzeugungen nehme ich mir gerne Zeit sobald wir auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel sind. Nun werde ich auf der Brücke gebraucht um die Sprungvorbereitungen zu überwachen.“
Wie aufs Stichwort setzte der Thunderhawk hörbar in seiner Haltevorrichtung im Hangar auf und Nimerian erhob sich. „Ich melde mich bei euch, Apothekarius Centus. Sobald sie ausgestiegen sind, wird unsere Dienerschaft ihnen ihr Quartier, das Apothekarium und selbstverständlich die Trainingseinrichtungen zeigen.“

Ehe Ajax etwas erwidern konnte wandte sich der Hüter ab und verließ den Thunderhawk über die sich noch öffnende Rampe. Ajax griff sich seine Frachtbox mit der linken Hand und legte die Rechte auf den Knauf des neuen Schwertgriffs an seinem Gürtel.
Am Fuß der Rampe fand sich einer der vom Hüter erwähnten Diener in schwarzer Uniform, welche nur mit dem Abzeichen des Ordo Xenos der Inquisition versehen war, ein und salutierte den massigen Kriegern. Er war offensichtlich an den Kontakt mit Posthumanen gewöhnt da Ajax bei ihm, anders als bei den meisten Sterblichen, nur minimale Nervosität registrierte. Der Hüter nickte dem Diener nur kurz im vorbeigehen zu während der Diener offensichtlich auf den Neuankömmling wartete.
„Seid gegrüßt Lord Astartes, mein Name ist Vorys Malak und ich habe die Aufgabe sie bei der Überführung zu unterstützen. Darf ich euch zu eurem Quartier geleiten?“ begrüße der Diener den Astartes respektvoll. Seine Haare wären militärisch kurz geschoren und sein Gesicht war glatt rasiert. Eine Handvoll Kampfnarben verliehen ihm einen entschlossenen Ausdruck. Weitergehend fielen Ajax unscheinbare Operationsnarben an den Schläfen des Dieners auf. Mit einer Geste signalisierte er Vorys vorzugehen woraufhin sich dieser sofort in Bewegung setzte.
Während sie schweigend durch das Schiff marschierten, erkannte Ajax die eindeutigen Anzeichen dafür, dass diese Fregatte schon sehr alt war. Dennoch kam sie ihm seelenlos und anonym vor. Kurz vor erreichen seines Quartiers wurde ihm bewusst was die Ursache für diesen Eindruck war. Es gab hier keine gravierten Knochen wie er es insbesondere von den alten Schiffen seines Ordens kannte.
Auf dem ganzen Weg begegneten sie keiner anderen Menschenseele, lediglich einige Servitoren passierten sie teilnahmslos. Am Quartier angekommen blieb Vorys neben der Tür stehen. „Dies ist eure Unterkunft Lord Astartes, wünscht ihr, dass ich euch noch andere Orte, die für euch von Interesse sind, zeige?“
„Vielen Dank, wenn ich ihre Dienste wieder benötige lasse ich es sie wissen. Sie dürfen wegtreten Vorys Malak.“
Leicht enttäuscht zog dieser einen kleinen Nachrichtenzylinder aus seinem Gürtel und überreichte ihn in die riesige Hand des Posthumanen. Nach einem kurzen Salut den Ajax abnickte verschwand der Diener um die nächste Ecke und Ajax berat sein Quartier.
Es war wie gewohnt mehr eine Zelle als eine Unterkunft im traditionellen Sinne. Es gab einen Schlafsockel, einen Tisch und einen Stuhl welche natürlich an die Physiologie eines Astartes angepasst waren. Darüber hinaus gab es eine Nische in der Rüstung und Waffen fixiert werden konnten. Den Abschluss machte ein kleiner in die Wand eingelassener Spind. Ajax stellte seine Frachtkiste hochkant in die Nische, setzte sich an den Tisch und öffnete den Nachrichtenzylinder. Darin war eine maschinengeschriebene Depesche die ihn über die Örtlichkeiten informierte welche ihn interessieren könnten.

Während er las bemerkte er, dass sich die Fregatte in Bewegung gesetzt hatte weil ein für Beschleunigungen typisches Schaudern durch dass Schiff fuhr. Dabei prägte er sich ein zu welchen Trainingseinrichtungen er Zugang hatte. Die Trainingshalle zu finden war kein Problem, da er mit der Bauweise imperialer Fregatten vertraut war und machte sich auf den Weg um sein neues Energieschwert erproben. Auf dem Weg sah er bis auf einen Diener in mattschwarzer Kunstlederuniform nur weitere Servitoren, die ihren verschiedenen einprogrammierten Aufgaben nachgingen.
Als er die Trainingshalle betrat aktivierten sich drin Leuchtpaneele und der charakteristische beißende Geruch von Astartes-Schweiß und spuren von Blut wehte ihm entgegen. Es gab einen Kampfring, Ständer mit Übungswaffen und servitorengesteuerte Übungskäfige. Ajax nährte sich einem Käfig, welcher sofort erwachte und ihm ein beleuchtetes Kontrollfeld entgegenstreckte.
Mit geübter Schnelligkeit, Übungskäfige waren wohl überall gleich konzipiert, wählte er ein forderndes Programm, welches auf seine neue Energiewaffe eingestellt war. Entsprechend dem Codex Astartes zog er seinen Helm an und betrat den Käfig, welcher sogleich begann ihn zu attackieren. Auch wenn seine alte Kettenwaffe und seine neue Energieklinge beide Schwerter waren, unterschied sich deren Handhabung massiv.

Energiewaffen waren elegantere Tötungswerkzeuge mit denen man gezielt kritische Treffer austeilen konnte ohne auf Schwachstellen angewiesen zu sein. Das knisternde Energiefeld des Schwertes schnitt durch die Meisten Rüstungen wie durch Papier.
Ein Kettenschwert hatte auf dem Schlachtfeld dagegen ein sehr viel größeres Potential durch sein zorniges Röhren und brutalen rotierenden Zähne für Angst und Schrecken zu sorgen. Darüber hinaus war ein gut gezielter Treffer häufig verheerender, da sich die Zähne eigenständig in den Leib des Getroffenen gruben.
Der Hauptunterschied machte sich jedoch beim Parieren bemerkbar. Unter der Rüstung war seine Haut schweißnass und er hatte bisher erst zwei Treffer einstecken müssen weil er die seine Paradetechnik noch nicht optimiert hatte. Trotz des konzentrierten Trainings im Käfig waren seine Sinne nach wie vor auf die komplette Übungshalle ausgedehnt und so bekam er mit, wie ein weiterer Marine die Halle betrat.
Er trug eine blaue Rüstung mit einer sich deutlich abhebenden bordeauxrot lackierten rechten Faust. Ajax erkannte dessen Orden ohne den Schulterpanzer sehen zu müssen. Crimson Fists, Orden der Zweiten Gründung der Imperial Fists, die in dem Ruf standen versierte Xenojäger zu sein.
Schweigend trat der namenlose Marine an den Käfig und beobachtete geduldig Ajax Training. Das Programm dauerte noch fünfzehn Minuten, dann wurden die vielen Arme des Servitorkäfigs inaktiv und eine Auswertung des Kampfes wurde berechnet.
In der Zwischenzeit hatte der Crimson Fist seinen Helm abgenommen und entblößte sein von einem gepflegten schwarzen Bart geziertes Gesicht. Sein Schädel war sorgfältig kahlrasiert und betonte somit die Kantige Kinnpartie noch deutlicher. Er schien für Astartes-Verhältnisse jung zu sein und begrüßte Ajax mit zum Kriegergruß ausgestreckter Hand.
„Ich bin Hovis Aggripar, interessante Vorstellung im Käfig. Bis vor kurzem habt ihr noch mit einem Kettenschwert gekämpft oder?“

Ajax ergriff die ausgestreckte Hand und erwiderte den Gruß. Der rote und der gelbe Panzerhandschuh umfassten sich gegenseitig um den Unterarm. „Apothekarius Ajax Centus. Ihr habt ein gutes Auge Bruder. Das war tatsächlich meine erste Trainingseinheit mit Energieschwert. Es tut gut, einen kleinen Bruder hier auf diesem Schiff zu treffen. Da weiß man auf wen man sich verlassen kann.“ Ohne es genau zu begründen zu können, war es Ajax ein unterschwelliges Anliegen, die Überlegenheit und die Vormachtstellung seines Ordens der ersten Gründung klarzustellen.
„So wie ich das sehe bin ich fast eine handbreit größer als ihr, macht das nicht mich zum großen Bruder?“ fragte Hovis, offenbar selbstbewusst genug die kleine Spitze mit Humor zu nehmen. „Nein.“ erwiderte Ajax, bereit auf das scherzhafte Geplänkel einzugehen. „Das wird meines Wissens durch Dienstjahre bestimmt.“ Fuhr er fort während er den Helm auszog. Seine Haut war schweißnass und seine kurzen blonden haare klebten ans einem Schädel. Auch wenn er noch deutlich davon entfernt war ein ergrauter Veteran zu sein, war ihm das höhere Alter eindeutig anzusehen.
„Für mich klingt das aber eher nach der Methode die nur Sterbliche benutzen da sie nicht in der Lage sind der Frage wie wir nachzugehen.“ entgegnete Hovis. Er wollte ihn wohl aus der Reserve locken. Wenn Hovis einen Kampf wollte, war Ajax gerade in der richtigen Stimmung. Das einstündige Übungsprogramm hätte einen Sterblichen zwar massiv erschöpft, Ajax als vollwertiger Spacemarine, war jedoch nicht weniger kampfbreit als vor dem Training.
„Nur einen Weg es das klarzustellen…“ ging er auf die Provokation des Crimson Fist ein und warf einen auffordernden Blick zum Kampfring. Hovis‘ Gesichtsausdruck nach war das ganz genau was er wollte. Er ging zum Waffenständer für die Übungswaffen und zog sich seinen Helm wieder an. Er wandte sich kurz zu Ajax um und auf dessen fragenden Blick hin begründete seine Entscheidung für Übungswaffen damit, dass er Ajax schonen wolle. Auch Ajax zog daraufhin seinen Helm wieder an und fragte sich insgeheim, ob Hovis ihn weiterhin nur ein wenig aus der Reserve locken wollte oder ob dieser ihn offen missachtete.
Vor allem jüngere Spacemarines neigten dazu, Apothekarii nicht als vollwertige Kämpfer zu sehen. Diese Gelegenheit, seinen Ordensverwandten vom Gegenteil zu überzeugen wollte er auf alle Fälle nutzen. Hovis nahm sich ein kurzes aber massives Breitschwert mit großer Parierstange die durch ihre ausladende Abwärtsneigung den Handrücken schützte und gleichzeitig wie ein Schlagring einsetzbar war. Ohne die Wahl seines Konkurrenten zu beachten wählte Ajax ein klassisches Langschwert mit gerader Klinge.
Die beiden Duellanten betraten den Kampfring von entgegengesetzten Richtungen aus und begannen sofort durch intensive Beinarbeit, Lücken und Fehler in der Verteidigung des anderen zu finden. Dabei bewegten sie sich zunächst langsam und beherrscht.
Wie aus heiterem Himmel explodierten beide Kämpfer förmlich ineinander und tauschten Hiebe und Stiche mit übermenschlicher Geschwindigkeit. Hovis nutzte die breite seiner Waffe aus um möglichst viele Hiebe des Langschwertes zu parieren während es Ajax‘ Strategie war sich der kürzeren Klinge durch geschickte Manöver zu entziehen.
Trotz der verschiedenen Kampfstile war das Duell ausgewogen und keiner der beiden konnte einen Treffer landen. Um das Pat zu durchbrechen begannen beide Kämpfer nun mit vollem Körpereinsatz zu kämpfen. Faustschläge, Tritte, Kopf- und Kniestöße verliehen dem Kampf nun eine völlig neue Dimension der Wildheit.
Schließlich landeten sie die ersten Treffer. Wobei Ajax sich einen Vorteil erarbeitete, da er sein fortgeschrittenes Wissen über die Astartes-Physiologie nutzte um Nervenknoten und Gelenke zu attackieren. Hovis‘ Hiebe auf den Brustpanzer waren zwar schmerzhaft, aber entfalteten nicht die schleichende und bremsende Wirkung von Ajax Treffern. So wurde Hovis in die Defensive gedrängt. Inzwischen waren beide Kämpfer extrem Angestrengt und voll auf den Gegner Konzentriert.
Plötzlich bäumte sich der Boden unter den Kämpfenden auf als die Fregatte den Übergang in den Warpraum durchstieß. Zwar stolperte oder fiel keiner der beiden, es handelte sich immerhin um Astartes, aber die Millisekunde der Gleichgewichtsstörung reichte aus um eine entscheidende Lücke in der Verteidigung zu finden.
Da Ajax die Erschütterung nicht hatte kommen sehen, war sein letzter Rückschritt zu kurz gewesen um ihn völlig im Gleichgewicht zu halten.
Hovis fing sich schneller wieder, trat das nun allein Balance gebende Bein unter Ajax Körper weg und schickte ihn krachend zu Boden. Mit zusammengebissenen Zähnen und wütend setzte Ajax eine Beinschere an und senste damit Hovis von den Beinen, welcher ihm daraufhin entgegen stürzte.
Noch im Sturz fegte er Ajax‘ Klinge beiseite und landete dann direkt auf ihm. Mit dem viel kürzeren Breitschwert und vor allem mit dem integrierten Schlagring war er nun absolut im Vorteil. In einem echten Kampf hätte Ajax sein Narthetikum getragen und hätte dessen scharfen Bohrer in den Schädel des Gegners getrieben, wie bei jenem Ork im Maldaktor Feldzug.
In diesem Übungskampf blieb ihm nicht übrig als zu versuchen Hovis abzuwerfen. Der hielt sich jedoch und nutzte sogar noch Ajax Wucht um ihm die harte blaue Stirn seines Helms vor die fragilere Mundpartie seines Gegners zu stoßen. Das Krachen war ohrenbetäubend und hätte jedem Sterblichen das Genick gebrochen oder den Schädel eingeschlagen.
In diesem Kampf reicht es lediglich dazu aus, Hovis gerade genügend Zeit zu verschaffen, die Klinge seines Übungsschwertes an Ajax Hals zu setzen.
Damit war das Duell entschieden und Ajax verfluchte sich dafür, dass ihn seine mangelnde Aufmerksamkeit für seine Umgebung den Sieg gekostet hatte.
Hovis erhob sich und streckte Ajax die Hand entgegen um diesen auf die Beine zu ziehen. Ajax wollte sich nicht noch mehr entehren indem er sich als schlechter Verlierer Hervortat, schluckte seinen Stolz herunter und ließ sich aufhelfen.
Es war mehr eine Geste als eine Notwendigkeit. „Ein guter Kampf Hovis!“ sagte Ajax ernst und zog seinen Helm aus und schaute Hovis in sein nun ebenfalls verschwitztes Gesicht. Seinem geschulten Auge viel sofort auf dass einige Muskelstränge an Hovis‘ Hals noch immer leicht zuckten wo Ajax ein Nervenbündel getroffen hatte. Hovis Gesichtsausdruck nach war er mit sich selbst zufrieden, dennoch glaubte Ajax in Hovis‘ Augen einen Funken von anderslautenden Gefühlen zu erkennen. „Du bist ein raffinierter Kämpfer Ajax! Und du bist der lebende Beweis dafür, das Apothekarii nicht nur wissen wie sie am besten zusammenflicken, sondern auch wo sie man am meisten Schmerzen zufügen können…“

Ajax entgegnete nur ein wissendes Nicken und hing sein Übungsschwert wieder an den Ständer. Nachdem Ajax wieder zum Übungskäfig gegangen war um ein weiteres Trainingsprogramm mit seiner Energieklinge zu absolvieren, tat Hovis es ihm gleich und programmierte sich ebenfalls einen Übungskäfig. Er benutzte ein Kettenschwert welches die Trainingshalle intensiv beschallte. Später gingen sie noch in die auf sie angepasste Schiffsmesse und widmeten sich danach individuellen Beschäftigungen.
Im Laufe der nächsten drei Wochen beschäftigten sich die Marines mit Training, Gebeten und Gesprächen. Gelegentlich war bei letzteren auch Hüter Nimerian anwesend und begann die beiden neuen Aspiranten der Deathwatch auf die vor ihnen liegenden Veränderungen vorzubereiten.
Hovis und Ajax hatten einender schätzen gelernt und verbrachten die meisten Trainingseinheiten zusammen. Ajax dankte dem Imperator, dass er einen so erbaulichen Einstieg in die Deathwatch erhielt, denn die Verwandtschaft ihrer Orden sorgte dafür dass sie viele Verhaltensweisen und Ansichten teilten.
Zunächst hatte es Ajax noch jedes Mal erzürnt, wenn Hovis ihn kleiner Bruder nannte, mit der Zeit hatte er sich jedoch daran gewöhnt. Zumal Hovis von Natur aus einen, für der siebten Legion entspringende Marines untypischen, humorvollen Charakter hatte.

Kurz vor erreichen des nächsten Rendezvouspunktes, welcher sogar vor ihnen geheim gehalten wurde, legte Hovis noch ein Geständnis ab. Er erzählte, dass er in ihrem ersten Duell genau gewusst habe wann der Übergang ins Immaterium erfolgen würde weil er sein Rüstungschronometer vorher mit den Schiffsystemen synchronisiert hatte. Weiterhin bot er an, Ajax nicht länger als kleiner Bruder zu betiteln, was Ajax rundheraus ablehnte.
Auch wenn er die Angelegenheit runterspielte, war sie ihm doch ein Dorn im Auge und er betrachtete die ständige Erinnerung als Buße. Er hatte unterlegen, ganz einfach. Er hatte sich leichtfertig in ein Duell gestürzt, ohne sich im Voraus die Mühe zu machen sich angemessen mit seiner neuen Umgebung vertraut zu machen.

Es hatte sich herausgestellt, dass sie mit Nimerian nur drei Marines auf der Fregatte waren, wobei Nimerian häufig das Gespräch mit den beiden anderen suchte. Für Ajax und Hovis blieben diese Gespräche allerdings stets überraschend, da Nimerian absolut nicht das war was sie von einem Astartes der Raven Guard erwartet hatten.
Mit seinem integrativen distinguierten Verhalten und den sehr tiefgreifenden Diskussionen, war er sehr viel Kommunikativer als sie es von Marines im Allgemeinen gewohnt waren. Dies fiel besonders in Momenten auf in denen sich Ajax oder Hovis, im Zuge einer hitzigen Diskussion, im Ton vergriffen. Viele Marines, insbesondere jene mit Autorität wären empfindlich beleidigt gewesen und hätten Wiedergutmachung gefordert. Nimerian sah geduldig darüber hinweg.
Durch diese Auffälligkeit wurde ihnen allerdings bewusst, dass Nimerian in seiner Funktion als Hüter vermutlich Kontakt zu fast allen existierenden Orden der Spacemarines gehabt hatte. Die Deathwatch baute darauf, dass er für eine positive Reputation sorgte um den Nachschub zu sichern. Für die einzelnen Orden war er gewissermaßen das Gesicht der Deathwatch, da in der Regel kein Kontakt zu anderen Offizieren der Organisation bestand.
Als Ajax und Hovis die Meldung erhielten, dass der Wechsel in den Normalraum bevorstand, machten sie sich auf den Weg zu einem der Aussichtsdecks. Dort angekommen war schnell klar, dass sie einen Rendezvouspunkt im offenen Weltraum angesteuert hatten. Es waren weder Sonne noch Planeten zu erkennen, lediglich ein gewaltiger Felsbrocken mit eindeutig imperial gefertigten Auf- und Ausbauten, glitt träge in den Sichtbereich des Aussichtsdecks.

Die Gesamtstruktur war Kegelförmig und die breite Oberseite wurde von einem Gewaltigen Sakralbau beherrscht. Riesige Geschütze, Torpedosilos und Lanzenstellungen waren in die Spitzbögen integriert und verhießen eine apokalyptische Feuerkraft. Im Sternenlicht golden funkelnde Insignien, wiesen die Superstruktur als Domäne der Dark Angels aus. Nach einer Weile entfernte sich ein einzelner winziger Lichtpunkt von dem Brocken und als er näher kam war er eindeutig als Thunderhawk zu erkennen und unterstrich den kolossalen Maßstab der Festung. Das Typische Erscheinungsbild aus Waldgrüner Farbe in Kombination mit goldenen Einlagen setzte sich auf dem Thunderhawk der stolzen ersten Legion fort.
Somit machte auch das verhalten Sinn, denn ihrem Ruf nach blieben Dark Angels lieber unter sich und verhielten sich grundsätzlich verschlossen und geheimniskrämerisch. Ohne die taktische Notwendigkeit würden sie kein ordensfremdes Schiff oder Personal in ihrer Ordensfestung dulden.
Nach weniger als zehn Minuten flog der Thunderhawk erneut ins Sichtfeld der beiden Astartes und zurück zur Raumfestung. Die Fregatte hatte zwar deutlich abgebremst, war aber nicht zum Stillstand gekommen. Als die mächtigen Plasmatriebwerke nun wieder beschleunigten begann das Deck, auf dem Ajax und Hovis standen leicht zu vibrieren. Schnell glitten Thunderhawk und Station wieder außer Sicht.
„Ich hoffe ich werde die Gelegenheit erhalten einen Übungskampf mit dem Dark Angel zu bestreiten. Neben ihrer Verschwiegenheit soll auch eine eindrucksvolle defensive Nahkampftechnik zu ihren Stärken gehören.“ Brach Hovis die relative Stille des Aussichtdecks.
„Dann solltest du dich beeilen unseren geheimnisvollen Bruder zu finden und daran denken die Sprungzeit zu ermitteln. Wir beide wissen ja was sonst passiert…“ gab Ajax provokativ grinsend zurück. Er würde diesem Übungskampf gern beiwohnen, da er ebenfalls von der Kampfkunst der Dark Angels gehört hatte. So machten sie sich gemeinsam auf den Weg in die Trainingshalle und bestiegen die Übungskäfige, um den Neuankömmling dort zu erwarten. Dieser ließ sich jedoch nicht blicken und nach dem Übertritt in den Warpraum vier Stunden später, waren sie des Wartens Leid und trennten sich.

Ajax ging in die Schiffsmesse und danach ins Apothekarium um sich mit Literatur über Xenophysiologie zu befassen. Zunächst war er erstaunt gewesen, Literatur in solchem Ausmaß im Apothekarium vorzufinden. Seiner Gewohnheit nach war Wissen dieser Gestalt im Librarium unter Verschluss und wurde nur aufgrund konkreter Notwendigkeiten freigegeben.

Zur selben Zeit ging Hovis in den Tempel der Fregatte. Der Tempel war für imperiale Standards spartanisch gestaltet. Es gab einen marmornen Altar der mit Goldeinlagen eine wesentlich bessere Figur gemacht hätte und in der Sakristei hing ein stählerner Aquila, der das Licht von einer Handvoll Kerzen reflektierte. Aber es fehlten die typischen prunkvollen Wandbehänge und Weihrauchschenker. Nicht mal Bänke gab es hier. Besucher waren angehalten sich im Bereich des Kirchenschiffs auf die Steinvertäfelung zu stellen oder zu knien.
Auch wenn Hovis, als Crimson Fist nicht die traditionelle Totenverehrung nach dem Vorbild der Imperial Fists praktizierte hätten einige ehrwürdige Verzierungen, von denen Ajax ihm erzählt hatte, der Atmosphäre diese Ortes gut getan. Er würde sich selbst nach Astartes-Maßstäben zwar nicht als besonders fromm bezeichnen, jedoch enttäuschte in die leidenschaftslose Verehrung ihres geliebten Imperators an diesem Ort.

Bei diesem Besuch war er zumindest nicht allein, denn eine wuchtige Gestalt kniete in meditativer Kontemplation vor dem Altar. Da es eindeutig nicht Ajax oder Nimerian war, konnte es sich nur um den Dark Angel handeln. Hovis ging weiter in den Tempel hinein und suchte sich einen Platz mit Blick auf den Altar und den unbekannten Spacemarine. Dabei surrte die Mechanik seiner Servorüstung hörbar und störte die Stille dieses Ortes.
Der Dark Angel ließ jedoch keine Reaktion erkennen und starrte still zum goldenen Aquila empor. Er trug keine Servorüstung dafür aber einen dunkelgrün und goldfarben gesäumten Chorrock. Die Kapuze hing auf dem Rücken und gab den Blick auf schwarze schulterlange Haare frei. Diese waren streng zurückgekämmt und dem Geruch nach, wurden sie von einer wachsartigen Substanz an Ort und Stelle gehalten. Auf den sichtbaren Teilen seiner Haut waren ein paar Narben zu sehen und für das geübte Auge zeichnete sich unter dem Chorrock der schwarze Carapax ab.

Nachdem Hovis den Dark Angel ausgiebig gemustert hatte, begab er sich in seine eigene stille Kontemplation. Obwohl er sich viel Zeit nahm, saß der fremde Spacemarine nach wie vor regungslos vor dem Altar als Hovis den Tempel verließ.

Tatsächlich blieb er dort für drei volle Tage und auch danach war er nur äußerst selten anzutreffen. Nimerian machte keine Anstalten sie einander vorzustellen und weder Ajax noch Hovis wollten sich die Blöße geben den Hüter zu dem Dark Angel zu befragen.
Nach elf Tagen Flugzeit trafen sie ihn zum ersten Mal in der Trainingshalle an und sofort wurde beiden Klar, dass es sich bei ihrem neuen Schlachtenbruder um einen Skriptor handelte.
Natürlich stelle er beim Training keine aktiven Psikräfte zur schau, jedoch waren seine Rüstungsinsignien und vor allem deren blaue Farbe ein Beweis seiner Funktion. Er befand sich in einem Übungskäfig und focht mit hohem Tempo gegen die zahlreichen Glieder die der Käfig gegen ihn einsetzte. Dabei wehte der Chorrock, den er über seiner Rüstung trug, flatternd um seinen Körper.
Ajax und Hovis traten näher an den Käfig und waren erstaunt zu sehen, dass der Dark Angel bisher noch keinerlei Kampfspuren trug und er demnach in den zwei Stunden noch kein einziges Mal getroffen worden war. Er führte dabei ein alt aber gefährlich aussehendes Schwert, in dessen Klinge funkelnde Kristalle eingelassen waren.
An seiner Hüfte wurde ein handflächengroßer, goldener Löwenkopf von einem dicken Strick in Position gehalten und schloss gleichzeitig den Chorrock. Ajax Wissen nach wurde der Primarch der ersten Legion auch der Löwe genannt und die goldene Insignie sollte wohl die Verbundenheit des Trägers zu seinem Genvater ausdrücken.

Als das Programm abgeschlossen war trat er aus dem Käfig und schien die beiden Zuschauer ignorieren zu wollen. Hovis trat ihm jedoch provokant in den Weg und streckte ihm mit einem angedeuteten Lächeln die Hand zum Kriegergruß entgegen. „Nette Vorstellung Engel, auf der anderen Seite ist ein Kampf gegen einen Stumpfen Servitor natürlich keine echte Maßgröße für die Kampfstärke eines wahren Spacemarines. Aber mit Blick auf die letzten Tage schienen eure Qualitäten ja ohnehin in der Disziplin des Versteckens zu liegen.“
Die recht plumpe Provokation schien zunächst vollends an dem ausdrucklosen Kampfhelm des Skriptors abzuperlen. Denn dieser musterte nur Hovis massige Gestalt und erwiderte nach einem vielsagenden Zögern den Gruß, indem er Hovis‘ ausgestreckte Hand ergriff. „Das ist also ein Crimson Fist. Noch bevor er sich vorstellt, fällt er bereits durch Respektlosigkeit und Plumpheit auf.“ erwiderte der Dark Angel in abwertendem Tonfall, scheinbar nicht Willens Hovis‘ lockere Art zu akzeptieren und fuhr fort.
„Ich hoffe es wird nicht nötig sein, aber wenn ihr mit mir sprecht werdet ihr mich mit Skriptor Thyrianos anreden. Bevor ihr das tut solltet ihr euch aber vielleicht an euren anwesenden Verwandten wenden. Die Imperial Fists stehen ja zumindest in dem Ruf einen Sinn für Tradition und angemessene Umgangsformen zu haben und vielleicht ist er ja bereit euch den ein oder anderen Rat zu geben.“
Mit diesen Worten steckte er sein Schwert in eine mit goldenem Efeu und fremdartigen Schriftzeichen verzierte Schwertscheide um sich daraufhin abzuwenden. Ajax war von der Heftigkeit dieser Reaktion überrascht und ein wenig amüsiert. Er hoffte aber inständig dass Hovis‘ seine Fehleinschätzung einsah und einen ersthaften Konflikt vermeiden würde.

„In der Annahme wir seien Brüder, habe ich nur versucht euch wie einem solchen zu begegnen, ohne euch dabei mit hohlen Phrasen zu langweilen. Aber ich hätte meiner Intuition vertrauen sollen, dass eine so eitle Person wie ihr eben diese hohlen Phrasen braucht um seinen Eigenen Wert zu proklamieren. Und jetzt passt genau auf, Skriptor Thyrianos. Wenn ihr noch einmal meinen Orden gering schätzt werdet ihr dafür bezahlen!“
Damit zerstreuten sich Ajax Hoffnungen auf ein glimpfliches Ende und er konnte sehen wie sich Hovis Nacken Muskulatur Spannte als der Skriptor weiterhin in abwertend belehrendem Tonfall antwortete.
„Eine Drohung, wirklich? Ihr glaub vielleicht dass euch euer Bart reif und beeindruckender aussehen lässt aber dem ist nicht so! Ihr versteckt eure Schwäche und Unsicherheit hinter eine Bugwelle aus unwürdigem Humor. Aber in euren Augen sehe ich einen Geist, so erbärmlich, dass ich ihn mit einem Gedanken in die Knie zwingen könnte. Und jetzt hört ihr mir genau zu, Crimson Fist. Ich schätze nicht euren Orden, hinter dem ihr euch verstecken wollt, gering sondern euch!“

„Ihr schätzt mich gering? Ihr, mich? Ich trete euch offen und ohne Helm entgegen und ihr wagt es mich hinter eurem Helm versteckt als unsicher zu bezeichnen? Ich fordere euch zum Duell! Hier und jetzt! Dann könnt ihr in Zukunft wenigstens von euch behaupten, dass es Hovis Aggripar von den Crimson Fists war der euch eure lehrreichste Niederlage geschenkt hat.“ donnerte Hovis, nun ernsthaft erzürnt, zog sein Kampfmesser und stampfte in den Kampfring, wobei er Ajax seinen Helm zuwarf.
Thyrianos zog bedächtig seinen Helm aus und legte ihn neben den Kampfring. Dabei entblößte er ein markantes, scharf geschnittenes Gesicht. Seine Augen waren strahlend grün und sprühten vor innerer Stärke. Seine glatte helle Haut war von auffallend wenigen Narben gezeichnet. In Kombination mit dem stählernen Dienstbolzen über seiner schwarzen Augenbraue, schloss Ajax, dass sich Thyrianos entweder den Großteil seiner Dienstzeit von Schlachtfeldern ferngehalten hatte, was ihm nicht sehr wahrscheinlich vorkam. Oder er ein so formidabler Kämpfer war, dass er nur selten getroffen wurde. Leidenschaftslos zog der Dark Angel nun ebenfalls sein Kampfmesser und betrat den Kampfring.
Zur Eröffnung fingierte Hovis sogleich einen kopflosen Sturmangriff der den Skriptor zu einem unvorsichtigen Konter verleiten sollte. Dieser ließ sich jedoch nicht ködern, wich Hovis mit einer fließenden Bewegung aus und ließ ihn somit ins Leere laufen.
Aus dieser Bewegung heraus ging er nahtlos in eine Art rhythmische Choreografie über, welche einerseits von Hovis Aktionen unabhängig zu sein schien. Andererseits wurden durch diese Choreografie Hovis‘ Manöver so perfekt antizipiert, dass dessen Attacken spielend abgewendet wurden.
Hovis Wut steigerte sich sichtbar mit jeder von Thyrianos Abwehraktionen, während der Skriptor einen neutralen Ausdruck beibehielt und auch weitaus weniger angestrengt erschien.
Erst als der Warpantrieb die Fregatte wieder in den Normalraum zerrte traten Schweißperlen auf Thyrianos Stirn, wurde aber nicht sichtbar beeinträchtigt sondern schien die Eruption kommen sehen zu können. Jedoch nutzte der Skriptor diesen Vorteil nicht aus und ließ Hovis diesen Umstand spüren.
Das Ende des Kampfes kam dann so plötzlich, dass Ajax dessen Ursache beinahe nicht mitbekommen hätte.

Denn mit einem lauten Knall landete Hovis auf dem Boden und grunzte zornig als Thyrianos ihm den Waffenarm soweit verdrehte dass nun seine eigene Klinge auf seine Flanke gerichtet war. Der Skriptor deutete eine kritische Verletzung an indem er eine tiefe Schramme ins Keramit von Hovis‘ Brustpanzer kratzte, obwohl er ohne Probleme auch in den weicheren weniger gut geschützten unteren Bereich hätte stechen können. Danach ließ er den Besiegten los, nahm seinen Stiefel von dessen Rücken und steckte sein eigenes Kampfmesser zurück in seine Scheide. Daraufhin stieg er Wortlos aus dem Kampfring und verließ die Trainingshalle.
Hovis war sichtlich beschämt auf diese Weise vorgeführt worden zu sein und legte schweigend den abgelegten Helm wieder an.
Ajax kommentierte dieses Duell nicht und auch Hovis schien das erste Mal, seid sie sich die beiden Spacemarines begegnet waren, eine Angelegenheit auf sich beruhen lassen zu wollen.

Kurz darauf erhielten sie von Hüter Nimerian über Funk die Anweisung sich mit aller persönlichen Ausrüstung in einem der Hangars einzufinden.

Zehn Minuten später Standen Ajax, Hovis und Thyrianos hinter Nimerian im entsprechenden Hangar. Sie sahen wie die Fregatte an eine mächtige Struktur andockte deren Ausmaße vom Hangar aus nicht zu bestimmen waren. Hovis, der keine Zeit für Ausbesserungsarbeiten an seiner Rüstung gehabt hatte, versuchte die tiefe lange Schramme zu verbergen was ihm jedoch nicht vollends gelang und dazu führte, dass er auffällig Still war.
Das Hangartor trug das Zeichen der Deathwatch und hob sich langsam nachdem mächtige Metallkolben eine stabile Verbindung zwischen Fregatte und dem Ziel ihrer Reise hergestellt hatten. Hinter dem Tor war ein weiterer Hangar zu sehen. Darin war nur eine spärliche Beleuchtung aktiv und zwei schwarz lackierte Thunderhawks standen, umgeben von inaktiven Wartungsservitoren, auf ihren Startkatapulten.

„Dies ist die Festung Argenteus Irae, eure neue Heimat. Hier wird euer Wert erneut gewogen und geprüft werden. Hier werdet ihr neue Brüder kennen und in jedem Fall werdet ihr deren vielfältige Fähigkeiten zu schätzen lernen. Schließlich werdet ihr von hier aus als Klinge, die aus dem Besten geschmiedet wurde was das Imperium zu bieten hat gegen die Feinde der Menschheit zu Felde ziehen.“ trug der Hüter, vermutlich nicht zum ersten Mal, andächtig vor. Dann wechselte er schlagartig seinen Tonfall vom heiteren Diplomaten hin zum harten Drillsergeant einer Scout Einheit.

„In dem Moment wo Ihr die Festung betretet seid ihr alle wieder Aspiranten und werdet den Rängen der Deathwatch Respekt entgegen bringen. Ich werde euch nun eure Quartieren zeigen, wo ihr auf Anweisungen warten werdet.“
Schweigend marschierte die Gruppe daraufhin durch die ebenfalls nur spärlich beleuchteten Gänge während das Stampfen ihrer Stiefel von den teilweise steinvertäfelten Wänden wiederhallte. Auch hier begegneten sie ausschließlich Wartungsservitoren und gelangten in eine größere Halle. Sie war drei Stockwerke hoch und auf jedem Stockwerk waren nummerierte Quartiertüren durch eine stählerne Gangway miteinander verbunden. Vier ausladende Treppen führten von den Gangways bis zum Boden wo einige Sitzbänke im Boden verschraubt waren.

„Eure Unterkünfte befinden sich hier in Quartierkomplex J. Thyrianos, Quartier J310! Ajax Centus Quartier J203! Hovis Aggripar J207! Wegtreten!“
Damit verließ Nimerian den Komplex und hinter ihm schloss sich donnernd das schwere Schott durch welches sie den Quartierkomplex betreten hatten. Sofort bestiegen die drei Spacemarines die Treppen um zu ihren Quartieren zu gelangen und verschwanden darin.
 
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Thyrant

Codexleser
ZWEI

Thyrianos erfasste in Sekundenbruchteilen jedes Detail innerhalb seiner neuen Unterkunft. Sie war im Wesentlichen gleich wie das Quartier auf der Fregatte mit der er hergekommen war. Einziger Unterschied war, dass die Nische welche für die Rüstung gedacht war durch eine aufwändig verzierte Doppeltür verschließbar war. Das Gesamtbild dieser Konstruktion wirkte wie ein Schrein der sowohl die wichtigste Ausrüstung eines Spacemarines beherbergen, als auch zur frommen Kontemplation dienen sollte. Hinter einer Blende neben dem Rüstungsschrein war ein kruder Servitor verborgen, welcher beim an und ablegen der Servorüstung assistieren konnte.
Thyrianos legte langsam seine Rüstung ab, dabei verzichtete er auf die Unterstützung des Servitors und legte in stiller Andacht seine Rüstungsteile in den Schrein.
Im Anschluss setzte er sich im Lotussitz, nur mit seinem ordenstypischen Chorrock bekleidet, vor den nun verschlossenen Schrein, legte sich sein kostbares Psischwert quer über die Knie und begann zu meditieren.
Nach weniger als einer halben Stunde wurde er unterbrochen. Auf ein kurzes Klopfen hin betrat ein weiterer Spacemarine das kleine Quartier ohne eine Antwort abzuwarten. Dem Ordenssymbol auf dessen dunkelroten Chorrock nach, handelte es sich um einen Marine vom Orden der Guardians of the Covenant, einen Orden aus der zweiten Gründung der Dark Angels. Thyrianos spürte ganz deutlich, dass es sich um einen mächtigen Psioniker handelte, dessen machvolles Bewusstsein ihn wie eine strahlende Aura umgab. Sofort erhob er sich, legte sein Schwert vorsichtig auf den Schrein und stand dem Ordensverwandten auf Augenhöhe gegenüber.

„Grüße Thyrianos, ich bin Epistolarius Cygnon“ stellte er sich vor und musterte vorsichtig die kryptische Beschriftung von Thyrianos Schwertscheide. Daraufhin neigte dieser respektvoll seinen Kopf antwortete knapp. „Der Imperator beschützt, Epistolarius. Wie kann ich dienen?“

„Der Imperator beschützt! Ich bin hier um euch eine Prüfung aufzuerlegen. Eine Prüfung die nur wenigen abverlangt werden muss. Jedoch war die Folge dieser Herausforderung bisher immer ein großer Segen für den Betroffenen.“ formulierte Cygnon verschwörerisch und warf in Thyrianos die Frage auf ob er gerade ausgezeichnet oder beleidigt wurde. Daher schwieg er zunächst und hörte aufmerksam zu was der Epistolarius ihm noch mitteilen würde.

„Wir Skriptoren gehören zu den mächtigsten Waffen im Arsenal des Imperiums der Menschheit. Wir zwingen der rohen Kraft des Warp unseren Willen auf und sind so in der Lage, Taten mit einer Selbstverständlichkeit zu vollbringen, die anderen unmöglich wären. Diese unsere Stärke ist jedoch auch die Wurzel eklatanter Schwächen.“ fuhr Cygnon fort. Er verzichtete darauf Thyrianos Geist mit seinem abzutasten und blickte ihm tief in die Augen als wolle er einen Blick auf dessen Seele erhaschen. Der Epistolarius hatte kurze braune Haare und auf seinem Schädel war eine saubere Doppelreihe aus verchromten Kabelbuchsen angebracht.

Cygnons stechenden gelben Augen schienen Thyrianos nicht weniger effektiv zu analysieren als ein mentaler Scan, und setzte seine Erläuterung der Prüfung fort.
„Wir verlassen uns auf die Stärke unserer Seelen. Wir nutzen die unerschöpflichen Energien des Immateriums mit unvergleichlicher Kunstfertigkeit. Aber was passiert wenn diese Verbindung unterbrochen wird? Was passiert wenn der Einsatz dieser Kräfte aufgrund äußerer Umstände unkontrollierbar wäre?
Wir greifen auf unsere hypoindoktrinierten Fähigkeiten zurück und verlagern uns auf herkömmliche Kriegsführung dessen Ausübung unsere Natur ist.
Das ist jedoch zu wenig für die Deathwatch! In der Deathwatch kämpfen wir in kleinen Einheiten und fast immer von Nachschub abgeschnitten. Jeder Bruder muss in allen Bereichen deutlich über dem Astartesdurchschnitt liegen. Das vor euch liegende Training ist hart, ihr werdet viel dazulernen. Mithilfe eures psionischen Talents lauft Ihr jedoch in Gefahr, Lektionen abzukürzen und dadurch die gewonnene Erfahrung zu schmälern.“
Thyrianos bekam langsam einen Verdacht worum es sich bei dieser Prüfung handeln würde, jedoch war die Argumentation in seinen Augen lückenhaft. Daher erwiderte er: „Macht es dann nicht am meisten Sinn, das mentale Training zu intensivieren? Damit ich umso fester mit dem Warp verbunden bin und auch unter schlimmsten äußeren Umständen die Kontrolle darüber behalte?“

„Ihr seid überheblich Thyrianos! Vielleicht zu recht, vielleicht auch nicht. So oder so, ist Überheblichkeit in beiden Fällen eine Schwäche. Besonders euch als ausgebildetem Skriptor muss doch klar sein, dass es immer Kräfte gibt die jenseits von allem liegen was wir auch nur ansatzweise beherrschen können, insbesondere bezüglich des Warps.“ Mit prüfendem Blick Musterte der Epistolarius den Aspiranten um zu sehen ob dieser seiner Argumentation folgte. Zufrieden fuhr er schließlich fort.
„Außerdem, und das ist ein weiterer entscheidender Grund, beeinflusst ihr auch euer zukünftiges Exterminatorenteam. Eure Brüder würden anfangen sich auf eure Kräfte zu verlassen obwohl es eigentlich darum geht eigene Schwächen zu finden und auszumerzen. Das bedeutet, ihr behaltet ihnen ebenfalls Lektionen vor!
Und, ich persönlich halte ich nicht euren Umgang mit dem Warp für die Schwäche die eurer Aufmerksamkeit bedarf.“

Zerknirscht musste Thyrianos die Logik des Epistolarius anerkennen. Wie auch immer der Watchcaptain heißen möge, es war klug von ihm gewesen einen Skriptor mit dieser Botschaft zu Schicken und noch dazu einen Ordensverwandten, der bereit war das Vorgehen zu begründen. Durch diese Umstände war Thyrianos sich sicher, dass der andere, auch aus eigener Erfahrung, genau verstand wovon er Sprach und blieb auch verhältnismäßig ruhig als Cygnon anschließend konkret wurde.

„Für eine gewisse Zeitspanne werdet ihr hier auf Argenteus Irae einen Psibegrenzer tragen, welcher euch vom Immaterium abschneiden und dadurch eure Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken wird.“
In Thyrianos flackerte sofort Widerstand auf, da er sich des Gefühls nicht erwehren konnte in einer Falle zu stecken.
Sein übermenschlicher Verstand raste bereits auf der Suche nach einem Ausweg, doch keine der Möglichkeiten war eine realistische Option. So fügte er sich widerstrebend und nahm das harmlos aussehende Gerät aus Cygnons Hand. Es bestand aus einem Hals- und einem Stirnband welche durch Plastekriemen und Kabel miteinander verbunden waren. Sie waren so gestaltet, dass sie problemlos unter einem Helm getragen werden konnten.
Das verstörende daran war das integrierte Genschloss, welches es ausschließlich im Voraus gespeicherten Personen erlaubte es wieder zu öffnen. Mit einem Gesichtsausdruck von jemandem der sich selbst die Schlinge für seine Hinrichtung umlegt, befestigte er zunächst das eng sitzende Halsband und erschauderte als er das Stirnband schloss.

Die Wirkung war entsetzlich. Einer seiner wichtigsten Sinne, verschwunden! Er fühlte sich furchtbar isoliert und gefangen. Sein ganzes Leben lang, war er ein Psioniker gewesen. Zunächst als menschlicher Aspirant dann als Scout, zuletzt als Skriptor. Nun fühlte er sich verstümmelt. Thyrianos fragte sich, ob sein aktueller Zustand mit dem Gefühl vergleichen ließ, nach einem tödlichen Treffer im Sarkophag eines Cybots aufzuwachen.
Es war ein von klaustrophobie durchsetzter Zustand der Schwäche. Sein Geist würgte uralte Empfindungen der Machtlosigkeit aus den nebulösen Gedankenfetzen seines sterblichen Ursprungs hervor, als der Schock vollends über seinen Geist hineinbrach.

Epistolarius Cygnon nickte ihm aufmunternd, jedoch ohne erkennbares Mitgefühl zu und verließ dann zügig das Quartier. Trotz seiner Desorientierung, bemerkte Thyrianos zwei weitere Marines die in schwarzen Servorüstungen vor der Tür standen. Am Gürtel des einen hingen Fesseln, die stark genug waren einen Panzer zu ziehen, oder einen Astartes zu fesseln.
Die Quartiertür schloss sich wieder und ließ ihn allein darin zurück. Abwesend berührte er sein Psischwert doch das vertraute Gefühl seines zornigen Bewusstseins war nicht mehr greifbar.Das Schwert hatte natürlich nicht das Bewusstsein eines echten Lebewesens, aber ähnlich den Maschinengeistern in Panzern oder Raumschiffen, besaß es Eigenschaften die man nur als Charakterzüge beschreiben konnte.

Er hatte außergewöhnlich lange gebraucht sein gegenwärtiges Maß an Konvergenz mit der kostbaren Psiwaffe zu erreichen und war dennoch noch nicht so weit verbunden um ihr einen Namen zu verleihen. Dieser Umstand macht ihn angesichts der aufgezwungenen Trennung besonders wütend und er musste sich auf all sein Vertrauen in den Imperator und den Codex Astartes fokussieren um seiner Stimmung nicht physisch Ausdruck zu verleihen.
Um sich abzulenken, versuchte er sich an Vorhersagen über die nähere Zukunft. Dazu benötigte er den Teil seines Geistes der ihm nicht genommen worden war. Er besaß ein fotografisches Gedächtnis, von dem nur die allerwenigsten und auf der Watchfeste vermutlich niemand wusste. In Zusammenarbeit mit seiner übermenschlichen Wahrnehmung und seiner hocheffizienten Gedankenstruktur war dieses eidetische Gedächtnis in der Lage trivialste Details zu einem komplexen Geflecht aus Explikationen, Implikationen und Wahrscheinlichkeiten zu verbinden.
In der Halle vor seinem Quartier, war eine Wand von Namensplaketten unterschiedlichen Alters bedeckt gewesen. Weder sein Name noch der von Hovis oder Nimerian war dort aufgeführt, dafür war jedoch eine Plakette für Cygnon angebracht gewesen. Eine besonders alte Plakette trug die Inschrift: „Rolanel – Dark Angels“

Thyrianos‘ Erinnerung war lückenlos und sein Verstand stellte sogleich eine Verbindung zu einer alten Erinnerung her. Er erinnerte sich an einen Jahrzehnte zurückliegenden Besuch im Librarium des Turmes der Engel. Dieses Allerheiligste des Ordens der Dark Angels war die Ruhestätte uralter Aufzeichnungen und bedeutender Geheimnisse.
Genau dort hatte er einen Verweis auf einen Bericht dieses Ordensbruders gelesen der ebenfalls ein Skriptor gewesen war. Damals war dieser Verweis ohne Bedeutung gewesen und lediglich interessant weil er auf einen Zeitraum noch vor den Bruderkriegen rückdatierte.

In diesem glorreichen Zeitalter waren die Spacemarines des Imperators noch in gewaltigen Legionen organisiert gewesen und eroberten das Universum im Namen des Imperators der Menschheit. Seinerzeit war Rolanel zu einer anderen Legion geschickt worden, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen.
Der Namen der Legion war nicht erwähnt worden und es gab keine Aufzeichnungen die von mehr als seiner anschließenden Rückkehr zum Orden sprachen. Der offizielle Bericht selbst, war damals unter Verschluss und Thyrianos nicht zugänglich gewesen.
Die nun vorliegenden Indizien deuteten darauf hin, dass Rolanel nach seiner Rückkehr von der unbekannten Legion Teil der Deathwatch wurde und nicht wieder zurückkehrte.
Das an Schärfe gewinnende Gesamtbild verhieß, dass dort vereidigte Brüder verewigt wurden und auch, dass Argenteus Irae mehr als zehn Millennien alt war.
Thyrianos nahm sich vor im örtlichen Librarium nach weiteren Verweisen auf Rolanels Vergangenheit zu suchen sobald er Zugang erhalten würde.

Erneut wurde er aus seinen Gedanken gerissen als sich in der Halle vor seinem Quartier eine laute Stimme im Befehlston erhob.„Quartierkomplex J, Antreten!”
Thyrianos verließ zügig sein Quartier und betrat die Gangway, von wo aus er sehen konnte, dass sich gute zwei dutzend Marines beeilten die freie Fläche in der Mitte der Halle zu erreichen. Alle bis auf fünf Astartes trugen schwarze Roben mit zurückgeschlagenen Kapuzen, teilweise mit dem aufgestickten Zeichen der Deathwatch.
Er selbst trug seinen verzierten abgetragenen Chorrock und machte damit offensichtlich, dass die Dark Angels dieses Kleidungsstück häufiger trugen als die Brüder anderer Orden.
Der ihm bereits bekannte Crimson Fist trug, ebenso wie der Imperial Fist, einen schmucklosen Chorrock aus ungefärbtem Leinen mit einem Gürteln aus sich überlappenden Metallplatten. Einziger Unterschied war die Helix Apothekarii auf dem Ärmel des Imperial Fists.
Die beiden unbekannten Spacemarines, welche ebenfalls noch ihre spezifischen Ordensgewänder trugen, hätten dagegen nicht gegensätzlicher sein können. Der eine, offensichtlich ein Ultramarine, trug eine strahlend weiße und saubere Robe in welche mit Goldfaden Ordensinsignien und Ehrenzeichen eingenäht waren. Der andere trug ein schmuckloses und zerschlissenes Gewand. Es war mit eingetrockneten Blutflecken bedeckt und sah eher wie die Arbeitskleidung eines Schlachters oder ein Büßergewand aus, als wie die Kleidung eines stolzen Astartes.

Mit gewohnter Disziplin stellten sich die Spacemarines wortlos in drei geraden Reihen auf. Sie blickten erwartungsvoll zu dem in schwarzer Servorüstung wartenden Ordenspriester, der regungslos darauf wartete, dass seine Befehle ausgeführt wurden.
Ein einzelner Spacemarine in der Formation fiel dabei deutlich aus der Reihe. Er war selbst in seinem schwarzen Chorrock noch größer als der Ordenspriester in Servorüstung und seine eisblauen Augen blickten problemlos über die Köpfe der vor ihm stehenden Spacemarines hinweg. Sein kantiger Schädel war kahl geschoren und gab ihm ein besonders gewalttätiges Aussehen.

Als alle Spacemarines in ordentlicher Formation verharrten, verkündete der Ordenspriester routiniert in welche Exterminatorenteams einige der Angetretenen versetzt werden sollten. Ohne sich selbst vorgestellt zu haben, beendete er seine kurze Ansprache damit Ajax Centus, Gronn Pitreu, Hovis Aggripar, Marcus Veci und Thyrianos zu Befehlen ihm zu folgen, während die Brüder in den schwarzen Roben ihren üblichen Pflichten nachgehen sollten.
Schweigend marschierten sie hinter den polternden Schritten des Ordenspriesters tiefer in die Festung hinein. Dabei versuchte Thyrianos die anderen Aspiranten einzuschätzen. Hovis, den er im Duell ohne große Mühe in seine Schranken gewiesen hatte mied den Blickkontakt zu ihm und stapfte neben dem Apothekarius der Imperial Fists her. Dieser machte einen sehr beherrschten und ruhigen Eindruck und verströmte eine Aura gelassener Zuversicht, wie es häufig auch sterbliche Medicii taten.

Der Ultramarine war schwierig einzuschätzen, da er im Gleichschritt mit dem führenden Ordenspriester ausdruckslos und beinahe mechanisch durch die steinvertäfelten Gänge schritt. Auch hier bildete der fünfte Spacemarine einen deutlichen Kontrast, denn er schien ruhelos und fixierte mit suchendem Blick jede Nische und jeden Quergang sorgfältig. Während er mit der Anmut eines angreifenden Carnodons direkt hinter dem Ordenspriester her schritt, öffneten und schlossen sich seine Hände langsam. Mehr als einmal schienen sie unbewusst nach dem Griff einer Waffe an seinem Gürtel zu suchen.
Sein Gürtel war aus runden gezackten Klingenblättern gefertigt, die vor Rost und Blut rötlich schimmerten. Die Tatsache, dass die Blätter Schnitte im Chorrock des Trägers hinterließen verhieß grausame Schärfe. Ironischerweise hatte dieser wild aussehende Schlächter das am perfektesten geformte Gesicht der Gruppe. Natürlich war es ebenso vernarbt und Kampfgezeichnet wie die der meisten anderen Marines, jedoch besaß es den unverkennbar engelsgleichen und statuenhaften Knochenbau der nur einer einzigen Gensaat zu Eigen war. Es handelte sich wohl um einen Flesh Tearer, ein Orden zweiter Gründung der Bloodangels. Ihnen wurde nachgesagt, dass sie verborgen unter ihrer engelhaften Erscheinung, ständig gegen einen inneren Berserker ankämpfen mussten und deswegen nur selten mit anderen Orden zusammenarbeiteten. Insbesondere die Flesh Tearer standen in dem Ruf wenig für Finesse und ausgefeilte Strategie übrig zu haben und sich lieber der Wut hinzugeben.

Der Ordenspriester führte die Gruppe bis zu einem riesigen Portal welches eine gotische spitzbogenform hatte und mit opulenten Fresken verziert war. Über den schweren Doppeltüren stand das Imperiale Credo in hochgotischen vergoldeten Lettern „Der Imperator Beschützt“.
Wie von Geisterhand schwangen die dicken Flügeltüren nach innen als sich der Ordenspriester näherte und offenbarten den Blick auf einen steinernen Altar und einen großen goldenen Aquila.
Zielstrebig ging er auf den Altar zu, drehte sich um und sah auf die fünf niederknienden Astartes herab, welche demütig die Köpfe gesenkt hatten.
„Aspiranten!“ Ergriff der Ordenspriester das Wort und ließ die Anrede einen Moment wirken.
„Ich bin Erster Ordenspriester Karras. Ihr seid an diesem ehrwürdigen Ort um euer Gelöbnis als Diener der Deathwatch im Angesicht unseres geliebten Imperators und unter meinem prüfenden Blick abzulegen.“
Pflichtbewusst blieben die vier Knieenden stumm, nahmen die abwertende Bezeichnung als Aspiranten hin und warteten darauf, dass Karras ihnen die bedeutsamen Worte mitteilte die sie formal in die Deathwatch einführen würden. Thyrianos fiel sofort auf, dass die Inhalte des Gelöbnisses den Eiden und Schwüren der Dark Angels sehr ähnlich waren. Augenscheinlich war auch hier das Sammeln von Wissen, bei gleichzeitiger Diskretion ebenso bedeutend wie die Bereitschaft tapfer und selbstlos zu kämpfen. Vielen Orden stieß eine solche Geheimniskrämerei bitter auf, jedoch war diese schon immer das täglich Brot der Abkömmlinge des Löwen gewesen.

„…und so werdet ihr, zum Zeichen der Entbindung von euren bisherigen Ordenspflichten, eure Servorüstungen schwarz färben. Ihr seid nun Aspiranten der Deathwatch und sobald ihr die vor euch liegende Ausbildung gemeistert habt, werdet ihr Brüder der Deathwatch sein, die stolz unser Zeichen tragen dürfen. Zieht euch nun zurück und erfüllt eure Versprechen.“ schloss Ordenspriester Karras die Zeremonie und wandte sich ab.

Schweigend verließen sie die Kathedrale und fanden vor dem auch von innen verzierten Portal fünf Diener. Die Spacemarines sahen Pinsel und rochen Lackfarben welche die Diener in Kisten bei sich trugen. Ebenso wie Gronn, übernahm Thyrianos eine der fünf Kisten und entließ den Diener. Während sich Gronn und Thyrianos von der Gruppe absonderten und sich einzeln auf den Weg machten, beide hatten wohl im Sinne einen anderen Rückweg zu erkunden, ließen die drei verbliebenen Spacemarines die Diener hinterher trotten.

„Endlich unter uns, was Brüder.“ brach Hovis das Schweigen kaum, dass der Dark Angel und der Flesh Tearer außer Hörweite waren. Dabei fuhr sich langsam mit der Hand über den schwarzen Bart.
„Ich bin eurem Primarchen wirklich dankbar für den Codex Astartes den er für uns geschaffen hat, aber warum er der Warpbrut wieder erlaubt hat ihre Kräfte einzusetzen übersteigt wohl meinen Verstand.“ fuhr er mit Blick zu Marcus fort. Sein letztes Zusammentreffen mit einem Bruder eines anderen Ordens war eher negativ verlaufen, daher begann er nun, ein wenig diplomatischer und weniger provokant ein Gespräch. Ein freundliches Wort, kombiniert mit einer implizierten Frage schien ihm geeignet um den ihm bisher weitgehend unbekannten Ultramarine kennenzulernen.

„Grämt euch nicht, Bruder. Ihr scheint noch jung zu sein und wenn ihr euch an eben diesen Kodex haltet, werdet ihr vielleicht alt genug um ihn vollends zu verstehen.“ gab Marcus feixend zurück. Ajax war beinahe ebenso erleichtert wie Hovis, dass der Ultramarine die lockere Art des Crimson Fists entspannt aufnahm.
„Vergesst nicht dass der Kodex keine Erlaubnis für Psioniker enthält, nach spontanem Gutdünken und ohne Rückhalt ihre Kräfte einzusetzen. Auch sie müssen sich an den Codex Astartest halten und das lenkt ihre besonderen Fähigkeiten in kontrollierte Bahnen.“ fuhr Marcus fort und schien mit seiner Argumentation zufrieden zu sein.

„Tatsächlich bin ich mehr darauf gespannt wie sich die Gefechte mit einem Flesh Tearer in den Reihen entwickeln, schließlich sind sie ja für ihre sehr direkte Kriegsführung bekannt.“ Antwortete Ajax nachdenklich und blickte auffordernd zu Marcus. Dennoch war es Hovis der grinsend antwortete.
„Ich wusste, dass die vielen Gespräche mit Hüter Nimerian dir schaden würden kleiner Bruder, du klingst schon wie er.“
Auch wenn Hovis ihn als Zeichen der Kameradschaft so nannte, musste Ajax seinen Ärger über sich selbst herunterschlucken. Dieser Umstand musste auch Marcus aufgefallen sein, da kurz ein fragender Ausdruck über sein Gesicht huschte. Ihm musste aufgefallen sein, dass eine Geschichte dahinter stecken musste. Stellte jedoch fürs Erste keine weiteren Fragen danach und blieb beim ursprünglichen Thema.
„Ein berechtigter Einwand Apothekarius. Bereits in der kurzen Zeit die ich ihn erlebt habe war er rastlos wie ein eingesperrtes Tier, und genauso übellaunig. Am Ende kommt es meiner Ansicht nach ohnehin nur darauf an, dass der Anführer seines Exterminatorenteams ihn im Zweifelsfall unter den Kodex unterwerfen kann.“

„Oh Marcus, mein Bruder. Das würde Gronn Pitreu bestimmt sehr gerne ausgerechnet von einem glatt rasierten Ultramarine, in weißem gestärkten Chorrock hören. Ich verspreche euch ich werde persönlich dafür sorgen, dass er sich an den Kodex hält wenn ihr ihm das im Gegenzug wörtlich ins Gesicht sagt.“ antwortete Hovis gut gelaunt.

„Alles was ich sage kann ich den Betroffenen direkt ins Gesicht sagen, Bruder! Worte von geringerer Bedeutung werden nie über meine Lippen kommen. Ränkespiele und leeres Gewäsch sind einem Astartes unwürdig. Und da ich denke, dass das ebenso für euch gilt, bin ich schon sehr gespannt wie du unseren wilden Bruder disziplinierst.“ entgegnete Marcus ernst. Mit Belustigung stellte Ajax fest, dass es Hovis tatsächlich kurz die Sprache verschlug. Man konnte über die Flesh Tearer sagen was man wollte, aber wilde Entschlossenheit, zusammen mit einem zerstörerischen Nahkampfstil lag ihnen im Blut.

Sie erreichten Quartierkomplex J, ließen die Diener ihre Kisten in den Quartieren abstellen und begannen ihre Rüstungen schwarz zu färben. Da sämtliche Quartiertüren geschlossen waren ließ sich nicht sagen ob Gronn oder Thyrianos bereits vor ihnen eingetroffen waren und vor Beginn des nächsten Standardtages wurden sie nicht mehr gestört.



***

Lautlos gilt eine kräftige Gestalt durch die Schatten. Sie trug einen schwarzen Chorrock der Deathwatch und hatte eine Weile lang einige Aspiranten belauscht. Niemand hatte ihn bemerkt, die stumpfen Sinne der sterblichen Diener zu täuschen war kein Problem. Die der Posthumanen zu überlisten war ungleich schwieriger. Doch er war hervorragend ausgebildet worden, mehrfach. So stelle er amüsiert fest, dass es die typischen Querelen zwischen den Marines gab, bevor sie auch nur die erste Übungseinheit zusammen absolviert hatten.
Jedoch hatte die schleichende Gestallt die von Schatten zu Schatten huschte ein anderes Ziel als die beobachteten Astartes. Er hatte sich umfassende Dienstpläne beschafft und wusste, dass nun der beste Zeitpunkt für einen heimlichen Besuch im Apothekarium war. In einer dunklen Nische vor der Tür zum Apothekarium kauerte er sich nieder und zog ein kleines Messer aus einem Geheimfach seines Gürtels.

Die vier Zentimeter lange Klinge war zu kurz und zu dünn um als effektive Waffe eingesetzt zu werden. Das war jedoch auch nicht ihre Aufgabe. Mit chirurgischer Präzision machte er einen genau acht Zentimeter langen Längsschnitt in der Innenseite seines Oberschenkels. Dabei achtete er sorgfältig darauf, dass kein Tropfen Blut an Boden oder Wand zurückblieb und leckte die Klinge sauber bevor er sie wieder sorgfältig verstaute. Er hoffte, dass das Blut- und Chemikaliengetränkte Miasma des Apothekariums, den Geruch seines Blutes überdecken würde und griff mit zwei Fingern in den Schnitt. Damit zog er nacheinander zwei kleine Gegenstände heraus und unterdrückte dabei den aufflammenden Schmerz. Einer war ein kleines technisches Wunder aus längst vergessenen Zeiten. Er öffnete die dünne Schutzfolie und drückte die Aktivierungsrune, woraufhin das metallene Kästchen einen kurzen schwachen Lichtimpuls abgab.
Die Wunde hatte bereits aufgehört zu bluten als sich die stabile Tür zum Vorraum des Apothekariums öffnete, zu dem er als Astartes selbstverständlich Zugang hatte.
Im Inneren blieb es dunkel und die Tür schloss sich hinter ihm, nicht mal die Servitoren, die darauf programmiert waren Notfälle zu behandeln, nahmen dank des technischen Wunders Notiz von ihm. Zielstrebig ging er zu den gesicherten Ausrüstungsschränken der einzelnen Apothekarii und suchte darauf nach einem spezifischen Namen.
Als er das gesuchte Fach gefunden hatte, verbrachte er mehrere Minuten damit das Schloss zu überlisten und nahm danach den zweiten Gegenstand aus seinem Beinversteck zur Hand. Auch hier riss er die Folie auf und öffnete das darin verpackten Kästchen.

Nachdem er eine weitere Minute mit dem Inhalt des Kästchens und des Schließfaches hantiert hatte, verschloss er beides wieder ohne eine Spur zu hinterlassen.
Als er das Apothekarium verlassen wollte, kam ihm plötzlich einer der Diener entgegen der ihn auch sofort bemerkte als das Licht im Apothekarium automatisch anging. Zunächst nicht sonderlich überrascht trat der Diener zur Seite um den Spacemarine vorbei zu lassen.
Der Spacemarine ärgerte sich. Ein Zeuge, auch einer der sich im Moment nicht bewusst war welcher Handlung Zeuge er gewesen ist, war nicht akzeptabel.
So trat der massige Posthumane durch die Tür und wartete kurz bis sich die Tür hinter dem Diener schloss um wieder in den Schatten zu verschwinden. Aus dem Material dass der Diener bei sich hatte schloss er, dass dieser nur Vorräte auffüllen würde und mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Minuten wieder herauskommen würde.
Minuten und Wahrscheinlichkeiten die er nicht gewillt war zu riskieren. Mit einem leichten Druck auf sein Hightech Wunder aktivierte er dessen Anzeige und sah dass es noch für ungefähr zwei Minuten Energie hatte. Zwei Minuten Waren mehr als Genug.

Er öffnete erneut die Tür, begegnete dem verdutzen Blick des Dieners ohne eine Regung auf seinem Gesicht und trat auf ihn zu. Mit einer Geschwindigkeit, die für das menschliche Auge beinahe nicht sichtbar war, zuckten seine Hände vor, packten den überrumpelten Diener mit seiner Rechten um Kopf und Mund.
Noch bevor der Diener einen Laut von sich geben konnte nahm der überlegene Kämpfer mit seiner freien Hand eine Ampulle Betäubungsmittel aus dem offenen Schrank und zerbrach sie genau vor dem Gesicht seines Opfers in der Hand. Als er dann dessen Gesicht losließ schnappte er sofort nach Luft und atmete dabei einen Tiefen Zug des starken, für Astartes entwickelten Betäubungsmittels ein. Wie ein nasser Sack glit er zu Boden und warf bei dem Versucht sich festzuhalten noch weitere Ampullen zu Boden.
Der Marine ließ dabei die zerbrochene Ampulle aus seiner behandschuhten Hand in die des zusammenbrechenden Menschen fallen und wandte sich ab. Selbst unverhältnismäßig aufwändige Untersuchungen würden nun einen Unfall diagnostizieren.
Diese Mal kontrollierte er den Türmonitor bevor er sie öffnete und danach in den Schatten verschwand. Als sich die Türe nun wieder schloss, war der Bedienstete bereits einer Atemlähmung erlegen.

***



Am Morgen nachdem die Neuzugänge ihren Eid geleistet hatten, wurde Quartierkomplex J von einer energischen Stimme in die Halle gerufen. Als der Spacewolf Skeergard Brejik sein Quartier verließ, viel ihm sofort auf, dass inklusive ihm nur neun Spacemarines in die Halle eilten.
Dort stand Waffenmeister Apox Mollecht und betrachtete die herbeieilenden Aspiranten mit prüfendem Blick. Der Waffenmeister war ein sogenannter Black Shield, was bedeutete, dass er jegliche Verbindung zu seinem Ursprungsorden getilgt hatte und seine Loyalität ausschließlich der Deathwatch galt. Die Gründe für eine derartige Maßnahme waren in der Regel genauso mysteriös wie die verschleierte Herkunft selbst. Skeergard selbst war vor zwei Wochen in der Festung angekommen und war bisher noch keinem Team zugewiesen worden. Er hatte bereits an verschiedenen Trainingseinheiten teilgenommen und ein hohes Maß an Respekt für den Waffenmeister entwickelt.

In der vergangenen Nacht hatte der Spacewolf mitbekommen, dass zahlreiche Astartes Quartierkomplex J verlassen hatten. Dieser Umstand ließ ihn hoffen, dass der Dark Angel, welcher vom Ordenspriester Thyrianos genannt worden war, ebenfalls woanders untergebracht sein würde.
Die Abneigung zwischen Spacewolfs und Dark Angels waren älter als die Orden selbst. Sie reichte noch auf eine Zeit zurück in der Spacemarines mit ihren Primarchen noch in Legionen organisiert waren. Beim Thema Sturheit standen sich beide Orden in nichts nach, jedoch waren die Spacewolfs, wie ihr Genvater Leman Russ, direkt und wild wo die Dark Angels verschwiegen und beherrscht waren. Leman Russ‘ Bruder, der Primarch der Dark Angels, der auch >>Der Löwe<< genannt wurde, war der Legende nach der beste Stratege aller Primarchen gewesen. Dadurch lag auf der Hand, dass Lion’el Johnson der ungestümen Wildheit seines Bruders nur wenig abgewinnen konnte. Auch wenn die Beziehung dankenswerterweise niemals zu wirklicher Feindschaft Eskalierte, stand stets die gegenseitige Ablehnung im Raum und Ehrenduelle zwischen Löwen und Wölfen waren seither besonders häufig.
Skeergard wurde enttäusch, denn er sah den Sohn des Löwen in einen schwarzen Chorrock gekleidet in die Formation eintreten. Der Dark Angel trug er ein fremdartiges technisches Gerät um Hals und Kopf und Skeergards überdurchschnittlicher Geruchssinn verriet ihm, dass Thyrianos stark gestresst war. Zumindest stärker als es die aktuelle Situation verursachen sollte.
Als sich ihre Blicke begegneten verzog Skeergard den Mund zu einem hämischen raubtierhaften Grinsen, welches durch seine verlängerten Eckzähne noch unterstrichen wurde. Thyrianos schien nicht beeindruckt und hob abschätzig die Augenbrauen ohne den Blick abzuwenden.

Als alle Marines angetreten waren, musterte der Waffenmeister die Aspiranten eingehend und demonstrativ bevor er schließlich das Wort ergriff. „Ich bin Waffenmeister Mollecht. Ab sofort werde ich dafür sorgen, dass eure Fähigkeiten, die für eure verschiedenen Orden genügt haben mögen, in jedem Bereich auch den Anforderungen der Deathwatch genügen.“

Skeergard empfand diese Äußerung als beleidigend und konnte spüren, dass es vor allem dem riesigen Mortificator ebenso erging. Die Mortificators waren ein Orden zweiter Gründung der Ultramarines und wurden von diesen häufig als schwarze Schafe betrachtet. Ultramarines und deren Abkömmlinge waren stolz darauf das Optimum der Kodex Konformität zu sein und über ein besonders reines genetisches Erbe zu verfügen. Die Mortificators, zu denen der hier anwesende Koloss zählte, waren als barbarische Trophäenjäger bekannt und passten gar nicht in das Bild welches die Ultramarines von sich selbst hatten.

Skeergard wusste bereits aus erster Hand, dass die Anforderungen der Deathwatch ebenso fordernd waren, wie er die der Spacewolfs in seiner Zeit als Scout empfunden hatte. Aus diesem Grund ließ er sich keine Sekunde vom Waffenmeister provozieren.

„Ich rate euch gleich zu Beginn, lasst ab von eurem Stolz. Jeder einzelne von euch hat seine Schwachpunkte. Wer das nicht glaubt kann sie sich von mir hier und jetzt aufzeigen lassen.“ fuhr Mollecht fort und machte eine auffordernde Geste mit den Händen.
„Also, sieht sich hier jemand seine Ehre gekränkt? Will hier jemand Genugtuung von mir fordern?“
Herausfordernd sah er jedem einzelnen Aspiranten ins Gesicht und Skeergard war gespannt, ob sich ein impulsiver Narr finden würde der sich ködern ließ. Den eindeutig erzürnten Mortificator starrte der Waffenmeister besonders lange an und provozierte ihn sogar noch weiter obwohl er mehr als einen Kopf kleiner war. Der Riese kochte innerlich, ließ sich jedoch nicht aus der Reserve locken.
Am meisten überraschte ihn jedoch der Flesh Tearer. Bisher hatte der Krieger mit dem Engelsgesicht den Eindruck erweckt, seine Kampfeslust nur mühsam zügeln zu können. Nun schien er jedoch auffallend ruhig und trug einen Selbstgerechten Ausdruck zur Schau.

„Sehr clever, Aspiranten!“ ergriff der Waffenmeister wieder das Wort als niemand einen Einwand vorbrachte. „Zumindest seid ihr stark genug einer schnöden Provokation zu wiederstehen. Solange sie von jemand überlegenem wie eurem Waffenmeister ausgesprochen wird ist das aber auch verständlich. Wie sieht es aus, wenn die Provokation gezielter und der Gegner vermeintlich schwächer erscheint?“

Ein wölfisches Grinsen schlich sich in Mollechts Gesicht. „Skeergard, hier habt ihr die Gelegenheit einem Dark Angel seinen Platz zu zeigen und ehre für euren Orden zu erlangen.“ stichelte er weiter.
„Und er kann keine Taschenspielertricks anwenden da er von seinen Psikräften abgeschnitten ist. Wie sieht es aus? War euer Zähne fletschen vorhin nur die leere Drohung eines Welpen oder seid ihr tatsächlich in der Lage einen Hexer in einem ehrlichen Kampf zu bezwingen?“
Skeergard rang mit seiner aufschäumenden Wut, er empfand es nicht als sehr ruhmreich einen Gegner mit Handicap zu besiegen. Andererseits würden ihn die Worte des Waffenmeisters als schwachen Aufschneider dastehen lassen, wenn er nun nicht handelte.
„Willst du wirklich dastehen und mitansehen, wie ein Skriptor der Dark Angels der aktuelle Duell-Spitzenreiter bleibt?“ Skeergard beherrschte sich eisern und Mollecht suchte sich ein neues Ziel.
„Wie ist es mit euch Hovis, eine Revanche?“
Versuchte Mollecht Hovis‘ ungesunden Ehrgeiz zutage zu fördern. Woher er von dem vorangegangenen Duell zwischen Hovis und Thyrianos war diesen unbegreiflich.

„Oder Marcus, stehen Ultramarines über Duellen? Hier kannst du an einer Lehrstunde mitwirken und einem wilden Flesh Tearer den Wert der Lehren des Codex Astartes zeigen!“

„Wenn dies euer Wunsch und der von Gronn ist, stehe ich selbstverständlich für jede Lektion zur Verfügung die die Überlegenheit des Kodex Astartes verdeutlicht!“
Ergriff Marcus als erster Aspirant selbstbewusst das Wort. Wurde aber sofort von Gronn Pitreu Unterbrochen.
„Ich stehe für solch infantiles Geplänkel nicht zu Verfügung! Ich Messe mich im Kampf und nicht in Theaterspielen die in einem Buch vorgebetet werden!
Wer sich wirklich mit mir messen will, sollte besser eine scharfe Waffe führen. Wer sich mit mir misst, sollte die Möglichkeit des eigenen Todes im Hinterkopf behalten. Mit weniger habe ich noch kein Duell bestritten und das wird sich auch nicht ändern. Ein Übungskampf zu trainingszwecken ist kein Duell und Beweist nichts. Aber auch in einer solchen Posse, kann ein Ultramarine der keinen Handgriff ohne Vorschriften tut, nur unterliegen.“

Mit einem lauten klatschen schlug Apox Mollecht seine schwieligen Hände zusammen und war sichtlich zufrieden mit der Situation.
„Und los geht es! Ich wusste, dass ihr nicht die ersten Aspiranten seid zwischen denen es keine Konflikte gibt. Dieser Kampf wird ohne Waffen und ohne Rüstung ausgetragen! Und er dauert an bis ich ihn beende!“ der Waffenmeister ließ seine Worte wirken ehe fortfuhr.
„Marcus Veci, Gronn Pitreu. Tretet vor und beginnt!“

Die Kontrahenten traten vor die Gruppe und begannen sogleich sich zu umkreisen. Marcus nahm eine relativ statische Defensivhaltung ein und hielt Gronn mit angewinkelten Ellenbogen seine geöffneten Handflächen auf Kopfhöhe entgegen. Gronn nahm eine lockere Boxerhaltung ein und präsentierte eine solide Beinarbeit. Zu Beginn setzte der Flesh Tearer einige Finten an um Marcus Reflexe und Beweglichkeit auszuloten.
Die meisten Finten erkannte Marcus als solche und blieb regungslos. Wenn er doch reagierte, versuchte er stets den Schlag mit einem Arm zu blocken um mit dem anderen einen gleichzeitigen Konterangriff zu führen. Dank Gronn‘s ausgezeichneter Beinarbeit schlugen aber auch diese Konter nur ins Leere.
Daraufhin versuchte Gronn einen Angriff zu provozieren indem er seine Fäuste tiefer hielt, was jedoch keinen Strategiewechsel bei Marcus auslöste. Somit war niemand überrascht als die erste ernsthafte Attacke von Gronn kam.

Nachdem Marcus auf eine Finte durch Gronns Vorhand reagiert hatte und gleichzeitig nach dem Kiefer des Angreifers schlagen wollte, führte Gronn keinen zweiten Schlag sondern begnügte sich damit den Konter seinerseits abzublocken ohne zurückzuweichen.
Durch das daraus entstehende Handgemenge, war beiden Kriegern ein Großteil der Sicht nach unten versperrt. Daher hatte Marcus keine Chance Gronns wilden Kniestoß zu sehen, geschweige denn diesem auszuweichen.
Mit einem lauten Klatschen donnerte Gronn sein Knie von unten genau unter Marcus‘ Rippenbogen und stieß ihn ein Stück zurück.
Als Marcus daraufhin versuchte mit einer Hand seinen Torso zu schützen und Gronns Standbein weg zu sensen, traf ihn ein wütender Kopfstoß genau auf seine Augenhöhle und schickte ihn zu Boden.

Jedoch rollte er sich geschickt nach hinten ab und stand genauso schnell wieder auf den Beinen wie er gestürzt war. Die kleine Platzwunde behinderte ihn nicht und seine übermenschliche Physiologie ließ innerhalb kürzester Zeit eine Kruste entstehen.
Gronn war sich nun sicher zu wissen wie er Marcus bezwingen konnte und setzte eilig nach, aber sein brutaler Tritt wurde von Marcus mit beiden Händen aufgefangen.
Der Ultramarine versuchte sofort das Bein seines Gegners zu verdrehen doch Gronn ging mit der Drehung mit und trat mit seinem anderen Bein hart gegen Marcus Schädel.
Krachend gingen beide schwer zu Boden. Denn Marcus hatte, trotz des schweren Treffers der ihn Sterne sehen ließ, den Fuß nicht losgelassen. Mit dem Schwung seines Sturzes und ein wenig Geschick gelang es ihm Gronns Fuß so zu verdrehen, dass dieser wieder gezwungen war mit der Drehung zu gehen um einen hässlichen Bruch zu verhindern.
Dieses Mal jedoch, brachte Gronn das Mitdrehen nicht in die Position für einen Konterangriff, sondern direkt in einen schmerzhaften Ringergriff des Ultramarines.
Gronn Pitreu brüllte voller Wut und richtete sich mitsamt dem Gewicht seines Gegners auf um diesen auf den Boden zu schmettern. Marcus hatte den Flesh Tearer dabei in einem so eisenharten Würgegriff, dass er wohl den meisten Sterblichen den Kopf abgetrennt hätte.

Gronn bemerkte wie ihm die Kräfte schwanden. Am Rande seines Sichtfeldes tauchte ein roter Rand auf, ein Indiz dafür, dass sein innerer Berserker bereit war die Kontrolle zu übernehmen und den Kampf zu gewinnen. Als er Marcus schließlich zum dritten Mal mit letzter Kraft auf den Fußboden schmetterte und dieser dennoch nicht losließ hatte er seine Rolle innerhalb dieser Lektion bereits eingesehen. In einem Duell oder einem echten Kampf hätte er der Wut nachgegeben. Den Würgegriff gebrochen und den Gegner danach in Stücke gerissen. Jedoch war dies ein Übungskampf wie er zuvor selbst proklamiert hatte. Er wollte keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit seines Wortes aufkommen lassen. Den Kampf wie einen Boxkampf aussehen zu lassen, um dann überraschend zuzutreten war eine Sache. Aber einen anderen loyalen Spacemarine im Blutrausch gefährlich zu verletzen oder gar zu töten eine andere.
So behielt er die Kontrolle und gab er sich damit zufrieden heftige Ellenbogenhiebe in die Flanken des Ultramarines zu treiben und einige von Marcus‘ Fingern auszurenken um dessen Griff etwas zu lockern.
Dunkelheit umfing ihn schließlich und ließ seinen Widerstand erschlaffen als er das Bewusstsein verlor. Als er kurz darauf wieder erwachte sah er in die Gesichter von Caleb und Ajax.
„Mir geht es gut Apothekarius, es war nur ein Übungskampf.“ wies er schroff die Hilfe des Imperial Fists zurück, welcher sich daraufhin dem Zweiten Übungskampf zuwandte den Mollecht angefacht hatte.

Caleb, ein Blood Angel und direkter Blutsverwandter, sah ihn wissend an. „Du bist der Beweis, dass sogar in einer vermeintlichen Niederlage Ehre liegen kann, Bruder.“ sagte er leise mit einem verständnisvollen Ausdruck in seinem ebenfalls engelsgleichen Gesicht.
„Was meinst du damit?“ fragte Gronn während er sich nach dem Ultramarine umsah.

„Ich habe ihn gesehen. Den Moment als dir der Sieg zuwinkte und du dich stattdessen für die Ehre entschieden hast. Und da ein Sieg der in einem Übungskampf erreicht wurde ohnehin keinen Wert besitzt und du als einziger einen echten Kampf, nämlich den in deinem Inneren ausgetragen hast, bist du der eigentliche Sieger.“ Von den freundlichen Worten überrascht dankte Gronn dem Bloodangel knapp und stelle mit Befriedigung fest, dass sich die für das geübte Auge sichtbaren Zeichen für heilende Knochenbrüche an Marcus‘ Kopf und Händen zeigten. Darüber hinaus verriet der Geruch seines Schweißes, dass künstliche Hormone dabei waren Organschäden zu kompensieren. Gronn selbst war praktisch unversehrt.

Skeergard war von dem Ausgang des ersten Kampfes ehrlich überrascht gewesen, er hatte den Flesh Tearer für überlegen gehalten und war froh seine Annahme für sich behalten zu haben. Aus diesem Grund hatte er auch diesmal davon Abgesehen eine Prognose für den Zweiten Kampf abzugeben.

Mollecht hatte es sehr leicht geschafft, den schweigsamen Black Shield namens Vicesimus in einen Disput mit dem riesigen Szandor Cromagon zu verstricken.
Der Mortificator hatte die vorangehende Provokation des Waffenmeisters nur mit Mühe abschütteln können. Als der Ausbilder dann versuchte das Duell zwischen den beiden zu forcieren hatte Szandor ihm die Arbeit gleich abgenommen und den Black Shield so angefahren, dass diesem keine Wahl blieb wenn er sein Gesicht wahren wollte.

Vicesimus präsentierte eine schnelle und äußerst agile Kampftechnik. Er nutzte seine Hände wie Dolche und versuchte Gelenke und Nervenknoten zu treffen. Durch seine schnellen Manöver schaffte er es immer wieder hinter den inzwischen tobenden Koloss.
Irgendetwas an Vicesimus Technik rief in Skeergard eine unterschwellige Abneigung hervor und ohne ersichtlichen Grund spürte er eine eisige Wut in seinem Herzen. Vicesimus Gesicht blieb weitgehend ausdruckslos und Skeergards Meinung nach war vermutlich ohnehin nicht zu normaler Mimik imstande. Sein Gesicht hatte keinerlei markante oder hervortretende Merkmale, von den Narben einmal abgesehen. Es war als würde seinem Gesicht jeglicher Charakter fehlen so wie bei einer anatomischen neutralen Skizze eines Gesichts.

Obwohl der Black Shield Szandor mehrfach traf, schüttelte dieser die Treffer ab als wären sie nichts. Daraufhin ging Vicesimus dazu über die Augen seines Gegners zu attackieren. Durch ein aufwändig inszeniertes Täuschungsmanöver gelang es ihm einen harten Stoß mit der rechten gestreckten Hand in Szandors Auge zu platzieren.
Blut floss, verschmutzte die Kämpfenden und den Boden. Es war nun deutlich zu erkennen, dass das Sichtfeld des Mortificators eingeschränkt war und Vicesimus den kurzweiligen Vorteil konsequent ausnutzte.

Als Vicesimus im Sprung den Hals des Mortificators attackierte, spannte dieser seine mächtigen Muskeln an und lies den Treffer mit einem Grunzen zu. Im Gegenzug schaffte Szandor den kleineren Gegner kurz vor dessen Landung auf dem Boden zu erwischen.
Mit gestrecktem Bein trat er Vicesimus so heftig in die Seite, dass dieser zwischen einige der festgeschraubten Sitzmöbel flog, diese verbog und zum Teil aus der Verankerung riss. Als Mollecht den Kampf nicht unterbrach, marschierte Szandor zu der demolierten Sitzgruppe und erreichte Vicesimus grade als dieser sich erhoben hatte. Aber anstatt wieder das freie Feld zu suchen, blieb Vicesimus zwischen den Trümmern und machte sie sich geschickt zunutze.
Wenn er auf den Möbeln stand konnte er den Größenvorteil ausgleichen und gleichzeitig störten diese Szandors, ausladende Schläge und Tritte.
Mit unvergleichlichem Geschick, gelang es dem Black Shield einen der Tritte von Szandor umzulenken. So, dass dieser eine halb herausgerissene Bank traf und ihm diese durch Hebelwirkung mit voller Wucht ins eigene Gesicht prellte. Skeergard konnte sehen wie Hovis grinsend zu einer Bemerkung ansetzte jedoch schwieg.

Trotz dieses äußerst kreativen Tricks, konnte Skeergard sich keine Sekunde für den kleineren Kontrahenten erwärmen.
Er wusste genau wie es sich anfühlte Abneigung gegen jemanden zu empfinden den man gar nicht wirklich kannte. Schließlich steckte er ja mit einem Dark Angel in einem Team. Jedoch würde er zu seiner eigenen Verwunderung, eher dem anwesenden Dark Angels Skriptor trauen, als diesem mysteriösen Black Shield. Ein Umstand den er noch vor wenigen Stunden für unmöglich gehalten hätte.

Nach dem Treffer der Bank, machte Szandor zum ersten Mal in diesem Kampf einen trägen Schritt zurück und in seinem noch geöffneten Auge stand flammende Wut.
Als er wieder angriff, täuschte er einen seiner vernichtenden Doppelschwinger an. Seine erste Finte überhaupt in diesem Kampf. Jedoch verwandelte er diesen in einen raumgreifenden Hechtsprung dem Vicesimus, der sich unter die Schläge ducken wollte, nicht mehr ausweichen konnte.
Mit lautem Getöse krachten beide zusammen in die nun endgültig zerschmetterte Sitzgruppe. Szandor riss seinen Gegner nieder, hielt ihn mit seiner gewaltigen Kraft und seiner enormen Masse auf den Trümmern fest und prügelte brutal auf diesen ein.
„Herumspringen und Ausweichen ist ja ganz nett, aber um gegen mich zu gewinnen reicht das nicht! Merkst du es? Es reicht nicht!“ brüllte Szandor mit dröhnender Stimme, woraufhin Waffenmeister Mollecht den Kampf unterbrach.
Widerwillig erhob sich der Mortificator von dem Verlierer und gesellte sich selbstzufrieden zurück zu den anderen Aspiranten.
Interessanterweise wirkte der Black Shield nun gefährlicher als je zuvor auf Skeergard. Wie ein geprügelter Hund oder eine gequälte Ratte, die einen hinterrücks anfielen, sobald man den Fehler machte sie nur zu verwunden und nicht sofort zu töten. Darüber hinaus konnte sich Skeergard nicht des Eindrucks erwehren, dass Vicesimus nicht wirklich am Ende gewesen war sondern Etwas zurückhielt.
Er versuchte diese Gedanken abzuschütteln da er deren Ursprung vorerst nicht ergründen konnte und fragte sich ob er sich gegen den Mortificator besser geschlagen hätte.
„Zwei Lektionen von denen jeder hier etwas lernen sollte. Aber heute kämpft jeder! Skeergard und Thyrianos vortreten!“ Auf diesen Kampf hatte Hovis gehofft. Er war sich ziemlich sicher, dass Skeergard dem hochnäsigen Skriptor eine Abreibung verpassen würde. Erneut breitete sich ein mörderisches Grinsen auf Skeergards Gesicht aus und er schritt selbstbewusst vor die Gruppe. Thyrianos gesellte sich zu ihm und wirkte dabei eher unbeteiligt. Jedoch viel Hovis auf, dass eine unterschwellige Qual auf dem Gesicht und in der Körpersprache des Skriptors lag. Hovis vermutete, dass es mit der vom Waffenmeister erwähnten Trennung vom Warp zusammenhing.

Zur Überraschung aller anwesenden, begann Thyrianos spontan eine uralte Niederschrift zu zitieren welche den Titel >>Vom Wolf und dem Löwen<< trug. Sie handelte von einem Duell der Primarchen Leman Russ und Lion‘el Johnson, welches diese vor über zehn Millennien bestritten.
Selbst der Waffenmeister lauschte der dramatisch vorgetragenen Schilderung aus der Vergangenheit dieser zwei ehrwürdigen Orden und unterbrach den Skriptor nicht.
Die zweite Überraschung lieferte Skeergard als er Thyrianos seinen aufrichtigen Dank für diese perfekte Schilderung erbot. Darüber hinaus verkündeten sie ein Duell zum Gedenken an die historische Auseinandersetzung ihrer Primarchen.

Das darauf folgende Duell war von plötzlichen Tempo- und Strategiewechseln geprägt. Beide waren in der Lage den anderen mehrmals in die Defensive zu zwingen und sich Vorteile zu erarbeiten. Skeergard legte dabei ein instinktives Kampfverhalten an den Tag. Von kontrolliert eingesetzter Wildheit erfüllt nutzte er all seine Sinne, um sich lückenlos über seine und die Position seines Gegners im Raum bewusst zu sein.
Thyrianos dagegen, kämpfte mit beinahe melancholischem Gleichmut. Lediglich seinem verschwitzten Gesicht und der nass an der Haut klebenden Robe war anzusehen, dass er ebenso wie Skeergard am Limit kämpfte.
Insgeheim musste sich Hovis eingestehen, dass er wohl keinem der beiden im Nahkampf gewachsen wäre. Der unberechenbaren Wildheit der Spacewolfs und der rasanten Antizipation des Dark Angels hatte er nicht entgegen zusetzen. In einem echten Kampf würde er sie mit konzentriertem Beschuss auf Distanz halten und mit Granaten töten.

Unter den Aspiranten herrschte bereits nach wenigen Minuten absolute Stille, da offensichtlich wurde, dass sich ihnen ausgeglichenes Duell auf sehr hohem Level darbieten würde. Nach fünfzehn Minuten hatte noch immer keiner von beiden die Oberhand gewinnen können. Ajax fielen die unzähligen gelb verfärbten Hämatome an Armen Beinen und Gesichtern der Duellanten auf. Die übermenschliche Physiologie heilte die schweren Prellungen mit hoher Geschwindigkeit, daher blieben, die für Sterbliche typischen, rotblauen Schwellungen praktisch aus.
Ein scharf riechender Film aus Blut und Schweiß legte sich auf den Boden der Halle. Er verstärkte das vom charakteristischen Geruch körpereigener Stimulanzien herrührende Miasma noch weiter.

Einige Treffer waren so schwer, dass sie zweifellos Knochenbrüche verursachten. Davon ließen sich die beiden Kämpfer jedoch nicht bremsen, da sie auch hier von ihren übermenschlichen Körpern unterstützt wurden. Keiner der beiden ließ nach, keiner war in der Lage den anderen zu überwältigen.
Schließlich wurden die temporeichen Kampfphasen immer kürzer und seltener. Skeergards roter Bart war von Blut verklebt und eines von Thyrianos Augen hatte eine blutrote Farbe angenommen. Schwer atmend tauschten sie an Kraft und Geschwindigkeit verlierende Attacken aus. Letztendlich entwickelte sich ein technisch wenig anspruchsvoller Zermürbungskampf, da beide zu langsam wurden einander effektiv auszuweichen oder abzublocken.
Nach etwas mehr als zwei Stunden waren beide auf den Knien und lehnten sich erschöpft aneinander an, während sie weiterhin versuchten den anderen Niederzuschlagen. Skeergard setzte einen Finalen Würgegriff an Thyrianos Hals an, den dieser nicht durchbrechen konnte. Kurz bevor er das Bewusstsein verlor schmetterte er jedoch mit einem letzten Kraftakt einen Kinnhaken unter Skeergards Schädel.

Beide Krieger sackten auf Knien nach hinten. Das unwahrscheinlichste von allen Resultaten war eingetreten. Ein Unentschieden.

Waffenmeister Mollecht ließ sich keine Regung anmerken. Was wohl ein Indiz dafür war, dass er zufrieden war. Nach wenigen Augenblicken erlangten Skeergard und Thyrianos das Bewusstsein wieder, reichten sich die Hände zum Kriegergruß und zogen sich gegenseitig auf die Beine. Nachdem sie wieder bei den übrigen Aspiranten standen, rief Mollecht den nächsten Übungskampf aus. Diesmal sollten Hovis und der Bloodangel namens Caleb den anderen ihre Kampftechnik demonstrieren. Mit dieser Entscheidung ließ der Waffenmeister Ajax ein wenig ratlos zurück.
Da ausdrücklich gesagt wurde, dass jeder kämpfen würde fragte er sich nun wer sein Gegner sein würde. Er hoffte inständig dass er nicht gegen einen Gegner antreten musste der bereits gekämpft hatte, denn ihn ausgeruht dagegen zu schicken, würde ihn schwach erscheinen lassen. Am liebsten hätte er eine Revanche gegen Hovis erhalten, bei der er sich gute Chancen ausmalte.

Caleb war ein ähnlich agiler Kämpfer wie Vicesimus, setzte aber einen völlig anderen Stil ein. Sofort versuchte er Hovis auszumanövrieren. Gronn beobachtete vor allem den Bloodangel ganz genau. Die Flesh Tearer waren stolz darauf zu den gefürchtetsten Nahkämpfern überhaupt zu gehören und wenn es hart auf hart kam auch so manchen Bloodangel zu übertreffen.
Dabei viel ihm auf, dass Caleb sehr auf den Kampf mit Nahkampfwaffen fixiert war. Seine schnellen und tänzerischen Manöver waren eindeutig darauf ausgelegt die Reichweite eines Schwertes oder einer Axt zu haben und so gelang es Hovis recht gut den schnelleren Gegner auf Distanz zu halten.
Bei dem Crimson Fist war keine derartige Fixierung festzustellen, dafür konnte man noch sehr deutlich die Standardkampftechniken die man als Scout erlernte erkennen. Sie waren noch nicht über Jahrzehnte des Krieges in eine individuelle Form gebracht worden. Da er diese Standardtechniken allerdings nahezu perfekt beherrschte macht ihn das nicht weniger gefährlich.
Der etwas ältere Caleb wollte, als auch er dieser Tatsache gewahr wurde, das Duell schnell beenden und seine größere Erfahrung ausspielen. So wagte er einen riskanten Angriff in der Hoffnung Hovis zu überrumpeln. Dieser ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen.
Auch wenn er es niemals zugeben würde. Aber den Wert der inneren Ruhe und der nüchterne Kampfstil Thyrianos‘ hatte ihn mit seinen Vorteilen überzeugt.
Daher gelang es ihm Calebs Sturmangriff zu Kontern und seinen Ellenbogen auf dessen Schädel zu schmettern bevor er sich abrollte. Caleb war kurz benommen, zumindest sosehr es sein genetisch verbesserter Körper dies zuließ. Dieser Sekundenbruchteil reichte Hovis für eine weitere Standardattacke. Er versuchte Calebs Beine wegzutreten was ihm jedoch nur mit einem Bein gelang.

Aus dem unfreiwilligen Spagat hinaus rollte Caleb sich über Kopf und Schultern ab. Er fegte mit seinen daraufhin hochpeitschenden Beinen Hovis auf die Knie und beide Kämpfer versuchten nun den anderen mit reiner Kraft niederzudrücken.
An Nacken und Schultern wurden zum zerreißen gespannte Muskelbündel sichtbar und beide grunzten vor Anstrengung. Caleb versuchte die schwierige Situation mit einem brutalen Kopfstoß zu durchbrechen. Hovis hatte diese Manöver jedoch kommen sehen, zumal er selbst erwogen hatte diese Attacke zu riskieren. Daher gelang es ihm seinen eigenen Kopf so wegzudrehen dass er nur gestreift wurde und ließ darüber hinaus den Großteil der Wucht an sich vorbeigleiten.
Hovis Ohr wurde zwischen den harten Schädel gequetscht, den Schmerz nahm er allerdings kaum wahr und war besser als ein Treffer mitten im Gesicht. Durch Calebs Schwung gelang es Hovis, seinen Kontrahenten niederzuwerfen und ihm schmerzhaft einen Arm auf den Rücken zu drehen. In dem Versuch sich zu befreien donnerte Caleb seinen freien Ellenbogen mit voller Wucht in Hovis‘ Gesicht und er spürte wie sich einige Zähne lockerten. Das hervorspritzende Blut machte den Arm so glitschig, dass Hovis ihn erst nach einem weiteren Treffer an seiner Augenhöhle einfangen konnte. Noch nicht besiegt richtete sich Caleb ähnlich wie Gronn auf und stemmte dabei das Gewicht seines Gegners ebenfalls in die Höhe. Mit brutaler Gewallt schmetterte er den Crimson Fist auf den harten Hallenboden und blieb auf ihm liegen. Um sich zu schützen hatte Hovis seine Ellenbogen etwas nach hinten gezogen und zusammen mit dem glitschigen Blut reichte dies für Caleb aus sich zu befreien. Dabei streifte er noch Hovis Kinn mit seinem Fuß als sich beide erheben wollten. Das Blut an Hovis Kopf gerann bereits und Caleb kämpfte zunehmend wilder. Er legte nun weniger Wert auf präzise Wirkungstreffer, sondern wollte den jüngeren Spacemarine zermürben. Als Konsequenz trug Hovis zahlreiche kleine Wunden an Armen und Beinen davon. Blutstropfen fielen zu Boden und vermischten sich mit dem Blut der vorigen Kämpfe.
Dann riss Caleb mit gestreckter Hand eine tiefe und stark blutende Schramme über Hovis‘ rechtes Auge. Mehr ahnend als sehend, gelang es Hovis den mörderischen Haken abzublocken den der Bloodangel hinterherschicken wollte.
Diesen Vorteil nutzte Hovis um einen wuchtigen Schlag an den Hals des Gegners zu setzen und gleichzeitig mit seiner harten Verse einige der im Vergleich weniger stabilen Fußknochen in Calebs Fuß anzubrechen. Um seinen aktuellen Vorteil nicht zu verlieren setzte er nach und traf den Blood Angel mit einigen Tritten und Schlägen.
In Calebs Innerem baute sich ein tiefes animalisches Knurren auf das stärker wurde als er sein eigenes Blut schmeckte. Mit einer schnellen Schlagkombination brachte er Hovis wieder auf etwas Abstand. Dafür stellte er fest, dass er nun an zwei Fronten würde kämpfen müssen. Einerseits kämpfte er in einem Übungskampf, wo es um Stolz ging. Andererseits bemühte sich seine eigene dunkle Seite mit ermüdender Penetranz um Gehör. Hovis schien zu merken, was in seinem Gegner vorging und nutze diesen Vorteil zunächst rücksichtslos aus. Er war sich sicher, dass Caleb bei diesem Kampf mit aller Macht gegen seinen inneren Berserker ankämpfen würde.
So schickte der Crimson Fist ihm einen Schlaghagel entgegen der ihn in die Knie zwang. Dann ließ er jedoch kurz von Caleb ab da er sah, dass dieser begonnen hatte am ganzen Körper leicht zu zittern. Mit geschlossenen Augen und eisern aufeinandergepressten Zähnen hob Caleb den Kopf. Als er dann die Augen öffnete waren die Pupillen extrem geweitet und er atmete stoßweise während er langsam aber entschieden den Kopf schüttelte.
Als Hovis einen kurzen Blick zu Mollecht warf, sah er auf dessen Gesicht keinerlei Regung. Er hatte den Eindruck, dass er sich im Falle eines Sieges nicht darüber freuen würde sondern es sich wie eine Gefälligkeit anfühlen würde. Caleb bemerkte trotz seines inneren Konflikts, dass Auch Hovis nun einen solchen austrug und explodierte überraschend. Mit aller Kraft sprang er Hovis entgegen und riss dessen Beine in die Luft. Noch ehe dieser zu Boden gestürzt war, hämmerte beide Fäuste auf dessen Burst und schmetterte ihn zu Boden. Ohne innezuhalten stampfte Caleb rücksichtlos auf Hovis‘ Brust und ließ seinen Fuß von dort zu dessen Kehle rutschen zu lassen. Schwer atmend musste sich der Crimson Fist geschlagen geben und Calebs stolz drang ihm aus jeder Pore. Schließlich hatte er nicht nur einen anderen Astartes besiegt sondern auch die schwarze Wut in seinem innern.

Ajax Spannung stieg leicht an. Gegen wen würde er antreten? Marcus? Oder gegen Gronn? Immerhin hatten diese beiden die längsten Ruhepausen gehabt. Zu seiner Verblüffung trat Waffenmeister Mollecht selbst vor die Aspiranten und forderte Ajax auf ihn anzugreifen.

Ajax gab sich keinen Illusionen hin. Er war ein Spacemarine des Imperators der Menschheit. Erschaffen um als in jeglicher Hinsicht überlegener Kämpfer den Feinden des Imperiums den Tod zu bringen. Er war bereits in den Feuern zahlreicher Schlachten geschmiedet worden und hatte reichlich Blut vergossen. Aber gegen einen Waffenmeister der Deathwatch anzutreten war nicht nur eine Ehre sondern auch eine einmalige Herausforderung. Was musste er von einem Krieger erwarten der Ausbilder der Besten der Besten war?
Ajax schloss kurz die Augen um sich vollends zu sammeln und schritt dann entschlossen vor die Aspiranten.
Er ging in eine leicht geduckte Defensivhaltung über und bereitete sich darauf vor seinen Gegner gegen sein persönliches Verteidigungsbollwerk anrennen zu lassen, bis es diesen zerbrechen würde. Ganz so wie es die Art der Imperial Fists und die Empfehlung seines geliebten Primarchen war.

Mollecht setzte an etwas zu sagen, nutzte aber bereits dies als kleine Finte und schoss eine Folge von Schlägen und Tritten auf Ajax ab. Seine Verteidigung hielt stand, gerade so. Er wich einigen der Schläge aus, den Rest blockte er mit Unterarmen und Schienbeinen ab. Soweit so gut. Dies konnte er, auch wenn Mollecht mit jeder Attacke Schmerzen durch seine Glieder sandte, sehr lange durchhalten. Ihm war diese Art von Zermürbungskrieg sogar am liebsten.
Nur wurde ihm bewusst, dass diese Strategie darauf angewiesen war, dass der Angreifer einen Fehler machte. Oder dieser sich schlicht und einfach zu sehr verausgabte um weiterkämpfen zu können. Jedoch man konnte viel von einem Waffenmeister der Deathwatch erwarten, jedoch nicht dass dieser in einem Übungskampf Fehler machte oder gar ermüdete.

Apox Mollecht riskierte nichts, seine einfachen Attacken reichten aus um den Imperial Fist vollauf zu beschäftigen und früher oder später würde er Treffer landen. Ihm war bewusst, dass Ajax vermutlich aus einer stabilen Defensive heraus auf einen Fehler seinerseits wartete. Damit war auch klar wie er den Imperial Fist ködern konnte.
Mit absolut glaubhaften Bewegungen deutete er einen Schrittfehler sowie eine Fehlverlagerung seines Gewichtes an um Ajax hinter seiner Mauer hervorzulocken.
Als Ajax ihn daraufhin wissend angrinste, wurde dem Waffenmeister klar, dass er seine Finte zu früh angesetzt hatte um glaubhaft zu sein. Als er dann versuchte einen Treffer in Ajax Bauch zu platzieren musste er feststellen dass Ajax nur einen halbherzigen Abwehrversuch unternahm.
Nur seine Dekaden an Erfahrung ließen ihn bemerken, dass Ajax bereits seine harte Bauchmuskulatur angespannt hatte, um den Treffer zu absorbieren und seine Hände Frei zu haben. Nur knapp entging er daraufhin dem geschickten Drehgriff des Apothekarius der ihm vermutlich das Handgelenk gebrochen hätte.
Mit meisterlicher Eleganz ließ er als Erwiderung sein Knie in Ajax‘ Brust schnellen und warf ihn einen großen Schritt zurück.

Mollecht drehte sich mit dem noch verbliebenen Schwung seines Kniestoßes um hundertachzig Grad und wollte dem Imperial Fist einen langen harten Schwinger an die Schläfe donnern. Der Schwung trieb Ajax tatsächlich noch ein Stück zurück, jedoch hatte dieser den ausgestreckten Arm mit beiden Händen gepackt und überdehnte mit einem lauten Knacken das Ellenbogengelenk. Als Apothekarius hatte Ajax ein sehr detailliertes Wissen über die Körpermechanik und verstand es instinktiv dieses gegen seine Gegner einzusetzen.
Schockiert und zugleich Anerkennend nahm er zur Kenntnis, dass sich der Waffenmeister jedoch keine Sekunde dadurch Bremsen ließ. Stattdessen stellte er sich auf Ajax Fuß und donnerte seine Linke mit einem blitzartigen Volltreffer in Ajax Gesicht. Derart im Nachteil versuchte er zurückzuweichen aber wegen des fixierten Fußes gelang es ihn nicht. Mollecht fintierte einen weiteren Knie Stoß dem Ajax, aufgrund seines fixierten Fußes, mit beiden Händen begegnen musste. Dabei entblößte er seinen Kopf so, dass Mollecht, unter Verachtung seiner eigenen Schmerzen im überdehnten Arm, beide Handflächen auf Ajax‘ Ohren Schlug.
Aufgrund der gewaltigen Kraft, war die Schockwirkung so verheerend, dass der Waffenmeister den Apothekarius daraufhin nahezu Problemlos zu Boden werfen konnte, um seinen Fuß auf dessen Hals zu stellen.
Apox‘ zerstörter Ellenbogen nahm eine ungesunde Farbe an, was Ajax eine gewisse Befriedigung verschaffte. Er hatte zumindest insoweit seinen Stolz wahren können, als dass er nicht einfach nur vorgeführt worden war.

Mit der unversehrten Hand zog Mollecht ihn wieder auf die Beine und nickte ihm anerkennend zu.
Nachdem Ajax sich wieder zu den anderen Aspiranten gesellt hatte gab der Waffenmeister die nächsten Befehle.
„Nachdem jetzt das Eis gebrochen ist, werdet ihr nun den großen Hindernislauf von Argenteus Irae bestreiten. Um euch nicht zu langweilen, ist euer einziger Hinweis, dass ihr dem an zahlreichen Stellen angebrachten oder aufgemalten roten Totenkopf folgen müsst. Das ganze macht ihr so lange bis ich wieder zu euch stoße.“

Die meisten Aspiranten sahen sich zunächst zögerlich um. Lediglich Thyrianos setzte sich augenblicklich in Bewegung. Er marschierte zielstrebig in eine Ecke in der Halle die auch Vicesimus schon mit Blicken taxiert hatte. Dem Skriptor hatte sich diese Abbildung zum selben Zeitpunkt wie die Namensplaketten eingeprägt. Da der Waffenmeister dieses Detail nun mit einer Bedeutung versehen hatte, zögerte er nicht diesem zu folgen.
Vicesimus folgte ihm mit kurzem Abstand und nachdem sie wortlos das schwere Gitter zu einem Versorgungsschacht angehoben hatten wollten sie zügig nebeneinander hineinkriechen.
„Stopp!“ meldete sich Caleb zu Wort. „Wir sind eine Einheit, wir haben ein gemeinsames Ziel. Aus diesem Grund werden wir zusammen bleiben!“
 
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Thyrant

Codexleser
na gut, hier das dritte Kapitel, viel Spaß!

DREI

Caleb hatte schon vor seiner Einberufung zur Deathwatch den Entschluss gefasst sich ein Kommando zu verdienen. Sein Ehrgeiz hatte ihm innerhalb seines Ordens bereits den Rang des Sergeanten eingebracht. In dieser Funktion hatte er eine Handvoll Einsätze mit großem Erfolg bestritten. Er war ein Freund rasanter Sturmangriffe und war zuversichtlich, dass Gronn, Skeergard und vermutlich auch Szandor ihn darin liebend gern unterstützen würden.
Er verstand es die Wut seiner Brüder auszurichten und ihre genetisch vererbte Wildheit optimal auszunutzen. Dieses Talent war seiner Vermutung nach auch der Grund weshalb er zur Deathwatch geschickt worden war. Sein Captain, der ebenfalls bei der Deathwatch gedient hatte, wollte ihn wohl zu einem würdigen Nachfolger heranreifen lassen.
So legte er im Befehlston die Formation fest und setzte die Gruppe in Marsch. Ihm war klar dass er damit noch keineswegs der akzeptierte Anführer diese Teams war aber ein Grundstein war gelegt.
Alle Astartes waren es im Grunde gewöhnt Befehlen zu gehorchen und solange diese nicht völlig unsinnig waren, wurden diese ohne Zögern ausgeführt.
In Thyrianos sah er einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Er wusste, dass Skriptoren innerhalb der normalen Orden praktisch nie ein direktes Kommando erhielten aber bei der Deathwatch kam dies durchaus vor.
Jetzt hatte der Dark Angel aus irgendeinem Grund auf anhieb die Weg gefunden und seine Befehle vorweggenommen. Soweit Caleb dies beurteilen konnte besaß Thyrianos die innere Ruhe die einem Anführer gut zu Gesicht stand. Aus diesem Grund war Caleb froh, dass ihm dennoch alle gehorchten und er seine Führungsqualitäten zeigen konnte.

Der Hindernislauf, den Thyrianos bisher eher als das Hinderniskriechen bezeichnet hätte, zwang die neun Marines sich auf Händen und Knien durch einen unbeleuchteten Schacht zu zwängen. Vor allem Szandor schien sich in der Enge nicht wohl zu fühlen. Schließlich mündete der Schacht in einen kleinen Raum. Er hatte keine Türen, nur einen weiteren breiten Schacht und zwei weitere kleinere in Boden und Decke.
Am Schacht in der Decke war ein Daumennagelgroßer roter Schädel aufgemalt. Thyrianos sah zu Vicesimus, der neben ihm aus dem Schacht trat und das Zeichen ebenfalls schnell bemerkte. Daraufhin meldete der Skriptor dem restlichen Team den Weg nach oben.

Die Kletterpartie war lang und frustrierend. Hintereinander quetschten sich die Marines, vor Anstrengung grunzend und teilweise vor Ärger fluchend, nach oben. Es gab zahlreiche Abzweigungen, da Thyrianos jedoch kein anderes Zeichen finden konnte folgte er der Richtungsangabe des letzten Zeichens. Der Schacht machte vier scharfe Knicke und gab dann den Blick auf ein Druckschott mit kleiner Panzerglasscheibe frei. Der Raum dahinter war groß genug für das ganze Team und drei weitere schwere Schotten mit kleinen Sichtfenstern führten hinein.
Hinter dem gegenüber liegenden Schott sah er neben weit entfernten Sternen einen rot lackierten Schädel der von einer dünnen Kette vor der Außenseite des Panzerglases gehalten wurde.
Das Exterminatorenteam sammelte sich in dem Raum und zum ersten Mal zögerte Thyrianos der Spur zu folgen. Ohne Rüstung in die Leere des Weltraums hinauszugehen war selbst mit der posthumanen Physiologie eines Astartes nicht zu empfehlen.
Sterbliche konnten nachdem sie ausgeatmet haben wenige Sekunden in der Leere überleben sofern sie die schlagartige Dekompression nicht augenblicklich tötete. Selbst im günstigsten Fall trugen sie noch schwerste Schäden davon.
Normalerweise hätte er mit der Macht seines Willens ein Kraftfeld aus schützender Energie um die Gruppe legen können. Zwar war sein Wille ungebrochen stark, nur verhinderte der Begrenzer dessen Zugriff auf die Energien des Warps.
Nachdenklich nestelte er an dem Begrenzer herum in dem Versuch eine Lösung für das Problem zu finden. Jeder von ihnen hatte den Schädel in der Leere gesehen und dessen Bedeutung verstanden.

Schließlich war es Ajax der das allgemeine Schweigen brach und Instruktionen gab, wie sich jeder auf diese potentiell tödliche Belastung vorbereiten sollte. Der gefährlichste Moment war der in der sie dass Schott öffnen und die Dekompression ruckartig an ihren Leibern zerren würde.
Danach würde die Kommunikation massiv erschwert werden. Bekanntermaßen wäre im luftleeren Raum kein Ton hörbar und darüber hinaus würden die Augen substantiell strapaziert werden. Derart eingeschränkt mussten sie versuchen den Eingang zu finden und die Gruppe zu koordinieren.

„Auf geht’s Spacemarines, beherzigt den Rat unseres Apothekarius! Ich für meinen Teil sehe es nicht ein bei einer Übung zu sterben. Aus diesem Grund werden wir diese Herausforderung meistern, so wie es von uns erwartet wird.“ verlangte Caleb trotzig. Mit diesen Worten öffnete er das schwere Schott und mit einem letzten Tosen entschwand jedes äußere Geräusch. Lediglich das rhythmische Schlagen ihrer zwei Herzen und das Rauschen ihres Blutes in den Ohren verblieben als akustische Eindrücke.

Thyrianos und Vicesimus übernahmen wieder die Spitze und zogen sich durch das Schott. Thyrianos stellte leicht amüsiert fest, dass ihn der Verlust des Gehörs weitaus weniger störte als seine unterbrochene Verbindung zum Warp. Seine Augen schmerzten und mit zusammen gebissenen Zähnen nahm er zur Kenntnis, wie die Adern in seinen Armen extrem hervortraten. Auch der Black Shield wirkte angegriffen jedoch war ihm deutlich anzumerken, dass er nicht zum ersten Mal der Leere ausgesetzt war. Mit krampfhaft aufgerissenen Augen die glitzernde Blutstropfen wie Blütenblätter verstreuten fand Vicesimus vor dem Dark Angel den Eingang.
An einer weiteren Dünnen Kette trieb ein weiterer rot lackierter Schädel an einem Druckschott.
Zwar was es aus der aktuellen Perspektive nach wie vor nicht möglich die tatsächlichen Dimensionen oder die Grundform der Raumstation zu bemessen. Allerdings war erkennbar, dass sie sich einem riesigen Geschützturm genährt hatten.
Die drei vergleichsweise kurzen Rotationsläufe waren jeweils groß genug, um darin zwei Landraider aufeinander zu Stapeln.
Die Schmerzen in Thyrianos Körper wurden immer stärker. Als Vicesimus das Schott geöffnet hatte glitt Thyrianos hinein und hielt sich neben dem Schott fest. Von dort aus zog er zunächst Vicesimus hinein und danach den Rest des Teams. Als Skeergard an der Reihe war, war ihm trotz der Strapazen des Weltraumspaziergangs anzumerken, dass er sich nur wiederwillig von dem Skriptor unterstützen ließ. Aber da Vicesimus die einzige Alternative war, war seine Wahl klar.
Caleb kam als letzter nachdem er Marcus vor sich hergeschoben hatte. Der Ultramarine schien stärker desorientiert als der Rest der Truppe.
Gemeinsam mit Caleb zog Thyrianos das Schott zu und die Stationssysteme begannen unverzüglich die Atmosphäre wieder herzustellen.

Dies war der Zeitpunkt an dem Ajax die Diagnosefunktionen seiner Spezialausrüstung vermisste. Trotz seiner übermenschlich scharfen Sinne und dem hochgezüchteten Intellekt, war es zeitaufwändig und wenig zuverlässig die Verfassung seiner Brüder visuell zu bewerten. Zumal seine Augen noch immer unkontrolliert tränten. Alle sahen schrecklich aus und gaben sich dennoch Mühe keinerlei Schwäche zu Zeigen.
Da er direkt neben Marcus stand fiel im lediglich dessen sauer Atem auf, was dafür sprach dass er sich erbrochen und den Auswurf wieder heruntergewürgt hatte. Dem spöttischen grinsen nach war dies auch Skeergard aufgefallen. Ajax war von der Schärfe der Sinne des Spacewolfs beeindruckt. Ajax‘ einzige Information dazu war, dass es sich dabei um eine Auswirkung der sogenannten Canis Helix handelte. Diese war angeblich ebenfalls für das charakteristische Raubtiergebiss und das wilde Wesen der Spacewolfs verantwortlich.
Er hoffte mit Skeergards Hilfe eines Tages hinter das Geheimnis dieser genetischen Abweichung zu kommen. Die überdurchschnittliche Schärfung der Sinne, sah er als erstrebenswerte Merkmale der Gensaat an.
Bisher hatte er keinen persönlichen Kontakt zu Skeergard gehabt und die von Caleb festgelegte Formation trennte sie zurzeit auch räumlich voneinander. Was ihn an der Formation jedoch verwunderte war, dass Skeergard als vermeintlich zuverlässigster Späher nicht voranging, sondern der Dark Angel und der mysteriöse Black Shield.
Für ihn persönlich war kaum vorstellbar, aus welchem Grund ein Spacemarine alle Bande zu seinem Orden abbrach und die stolze Herkunft verschleiern sollte.
Bei einer fest in der Deathwatch verankerten Rolle wie der des Waffenmeisters konnte er Argumente für diesen Schritt zumindest ansatzweise nachvollziehen. Bei Vicesimus als neuen Aspiranten jedoch, fielen ihm keine Gründe ein denen er etwas Positives abgewinnen konnte. Gegenwärtig war sein Verdacht, dass er wie der Skriptor ebenfalls ein Dark Angel war.

Als Ajax den Black Shield nachdenklich betrachtete viel ihm eine weitere Besonderheit auf. Der fehlende Druck hatte die Körper der Astartes anschwellen lassen und auf deren Haut spannte sich das weniger elastische Narbengewebe wie ein Netz. Die Besonderheit an Vicesimus Netz war, die für jeden Apothekarius unmissverständliche Narbe am Hals, die die frühzeitige Entfernung der Gensaat belegte. Das entfernen der Gensaat zu Lebzeiten war ungewöhnlich und bei den traditionsbewussten Imperial Fists besonders verpönt. Jedoch musste er zugeben, dass die Imperial Fists noch nie so kurz vor der Auslöschung standen wie andere Orden.

Schließlich verschwanden Thyrianos und Vicesimus wieder in einem markierten Schacht. Diese Richtung würde sie unter den Gewaltigen Geschützturm führen. Die nächste Luke war besonders eng und eindeutig nicht für Astartes gemacht worden. Es handelte sich um eine Wartungsluke für Sterbliche oder Servitoren. Der besonders große Mortificator Szandor Cromagon musste sich mit aller Kraft hindurchzwängen und drohte stecken zu bleiben. Um dieser Schmach zu entgehen verrenkte er einen seiner Arme extrem schmerzhaft und schaffte es somit hindurch.
Als Ajax die Luke passiert hatte stand er in völliger Dunkelheit. Durch seine verbesserte Wahrnehmung erkannte er dass sie eine Art ovalen Tank betreten hatten. Alle Oberflächen waren von schorfartigem, unglaublich scharfkantigen Metallen und Schlackeresten bedeckt. Nach wenigen Metern fielen die zerfetzten Überreste der zähen Ledersandalen von seinen Füßen und er zerschnitt sich die Füße. Nach kurzer Zeit ergänzte der Blutgeruch aufgerissener Füße den Ozongestank des Tanks. Zumindest sorgte das Blut dafür, dass der feine Staub, der bereits beim Einatmen Mikroschnitte verursachte, nicht so stark aufgewirbelt wurde.
Die beiden einzigen erkennbaren Luken befanden sich in der Mitte der Decke und in der Mitte der Rückwand. An der rückwärtigen Wand war eine kleine Stelle von der Schlacke befreit worden und zeigte eine Schädelfreske. Beim Erklimmen der Wand zogen sich die Marines tiefe Schnitte an den Händen zu, was sie aber wie die zerschnittenen Füße kommentarlos hinnahmen.
Hinter der Luke war eine große Werkhalle in der Servitoren mit großen und kleinen Loren sowie Schaufeln und Schlagbohrern damit beschäftigt waren einen anderen Tank zu reinigen. Allem Anschein nach handelte es sich um Abklingbecken für Plasmareste und Rückstände die beim verschießen von todbringenden Plasmasalven entstanden.

Ajax nahm zufrieden zur Kenntnis, dass die verbesserte Physiologie die Blutungen bereits bei allen Astartes gestoppt hatte und mehrere spuckten Klumpen von metallisch glänzendem Schleim aus.

Nachdem sich auch Caleb kurz von der Einsatzbereitschaft des Teams überzeugt hatte, ließ er Skeergard die Spitze übernehmen. Der Blood Angel positionierte sich zusammen mit Gronn direkt dahinter.
Wie zu beginn des Hindernislaufes wurde ein schweres Gitter angehoben und das Exterminatorenteam verschwand in einem Schacht nach unten. Eine viertel Stunde kletterten sie durch ein Gewirr aus Leitungen und Schächten bis Ajax eine Veränderung spürte.

Obwohl die Luft kaum wärmer wurde begannen alle Marines stark zu schwitzen und ihm selbst wurde extrem heiß. Als er kurz darauf Sterne wegblinzeln musste war er sich sicher dass sie in radioaktiv verstrahltes Terrain vordrangen. Vermutlich einer der Reaktoren der benutzt wurde um das Plasma für den Geschützturm aufzukochen.

Während sie auf einer Gangway ohne Geländer ein tiefes Becken voller verstrahltem klarem Kühlwasser überquerten, begann sich die Brücke auf einmal zu Bewegen.
Am Ende der großen Halle hatte sich ein automatischer Kran in Bewegung gesetzt und um diesem Platz zu machen wurde die Gangway eingezogen. Gezwungenermaßen sprangen die Marines in das Becken, um die letzten Meter schwimmend zu überwinden. Ajax, der versuchte die ganze Gruppe im Auge zu behalten bemerkte dass Hovis anscheinend auf etwas gestoßen war.
„Bruder Caleb…“ rief Hovis. „Hier im Wasser unter uns liegen genau neun Kampfmesser. Ich denke die sind für uns.“

„Dann taucht hinab und holt sie, aber beeilt euch. Wir sollten aus dem Raum verschwinden bevor der Kran einen der Brennstäbe aus dem Kühllager zieht. Ich habe keine Lust uns von Strahlenverbrennungen noch mehr bremsen zu lassen.“

Hovis tauchte sofort ab und kam kurz darauf mit den Messern wieder an die Wasseroberfläche. Am hohen Beckenrand angekommen streckte er einen Arm aus um sich hoch ziehen zu lassen. In einer beeindruckenden Zurschaustellung von Kraft zog Szandor ihn ohne sichtbare Mühe mit einer Hand aus dem Wasser.
Hovis warf jedem ein Messer zu und sah wie sich Caleb an den Torkontrollen versuchte und schließlich Wütend mit der Faust gegen das Tor schlug.
„Verdammt! Die Schwäche der Sterblichen und ihre Strahlungsempfindlichkeit wird uns Zeit und Schmerzen kosten. Dieses Tor kann nicht geöffnet werden wenn der Kran aktiviert ist und für eine gewaltsame Lösung haben wir nicht das richtige Werkzeug.“

„In diesem Fall sollten wir uns zurück ins Wasser begeben, es ist zwar verstrahlt aber es wird die Hitze des Brennstabes dämpfen und uns vor dem Strahlenbrand schützen.“ schlug Ajax vor, ihren Körpern würde es leichter fallen die Strahlung abzubauen als die Verbrennungen zu heilen.

„Gibt es einen Anhaltspunkt dafür wie viele Stäbe getauscht werden oder wie lange diese Prozedur dauert? Mit anderen Worten, wie lange müssen wir die Luft anhalten?“ fragte Thyrianos mit Blick zu Caleb.
Dieser hatte keine Ahnung, da nirgendwo eine derartige Information zu lesen war. „Schwer zu sagen, das ist zwar nicht der erste Nuklearreaktor den ich sehe, aber die Rüstzeiten sind alles andere als standardisiert…“ Gab der Blood Angel zurück.

„Bei der aktuellen Bewegungsgeschwindigkeit des Krans, den zu überbrückenden Entfernung und einer zu bewegenden Last von drei Tonnen pro Brennstab rechne ich mit einer Dauer von dreizehn Komma sechs Minuten inklusive dem Verladen des Auszuwechselnden Stabes.
Was wiederum bedeutet, dass diese Lösung problematisch wird, wenn mehr zwei ein Stäbe gewechselt werden.“ kalkulierte Thyrianos selbstbewusst. Schon wieder vermisste seine Fähigkeit Kraftfelder zu erzeugen. Ein psionisches Kraftfeld würde sie vermutlich vor einem Großteil der Strahlung schützen und vor allem könnte er unter Wasser eine Blase erzeugen in der sie deutlich länger Luft haben würden.

„Was würde geschehen wenn der Kran eine Spontane Fehlfunktion erleidet und nicht weiterfahren kann? Müssten dann nicht die Wartungsroutinen aktiviert werden und eine Öffnung zu Wartungszwecken erlauben?“ Ergriff nun zum ersten Mal Vicesimus das Wort. Er sah dabei niemanden an sondern sprach einfach in den Raum hinein.
„Der Codex Astartes verbietet Sabotageakte um nicht auf Sabotage ausgelegte Übungen zu überwinden. Wir gefährden die Station und vor allem die sterbliche Besatzung. Dies ist eindeutig ein Test unserer Ausdauer und aus diesem…“ wandte Marcus ein wurde jedoch rüde von Gronn unterbrochen.
„Wir sind hier bei der Deathwatch, Ultramarine! Hier sollen wir über den Kodex Astartes hinauswachsen! Hier geht es darum Schwächen auszumerzen! Deine Lektion ist es wohl deine Abhängigkeit von deinem geliebten Kodex zu lösen…“ Zorn stand Marcus ins Gesicht geschrieben und er schritt entschlossen auf Gronn zu um ihn zurechtzuweisen als beide Unterbrochen wurden.
„Ruhe!“ brüllte Caleb. „Ich habe hier das Kommando übernommen. Unter meinem Kommando dulde ich keine derartige Unbeherrschtheit. Ich befinde Vicesimus Vorschlag für praktikabel und die Risiken vertretbar. Also, Ausführung! Und Vicesimus, versucht nicht mehr Schaden als nötig anzurichten.“

Geschickt kletterte Vicesimus zu dem Kran hinauf. Mit roher Gewalt riss er dann eine Abdeckung ab und machte sich an dem Innenleben zu schaffen. Schlagartig blieb der Kran stehen und gelbe Warnleuchten tauchen den raum in flackerndes Licht. An der Türkontrolle tat sich etwas und zufrieden Stellte Caleb fest, dass seine Eingaben nun angenommen wurden.

Hinter dem zwei Meter dicken Schott kamen aufgeregt in schwere Strahlenschutz Anzüge gehüllte Techadepten angelaufen und schnatterten aufgeregt in ihrer Maschinensprache. Als sie Vicesimus passierten sagte er ihnen im vorbeigehen was er beschädigt hatte. Die Antwort klang ebenso entrüstet wie sie unverständlich war und die Spacemarines folgten umgehend den Wegmarkierungen. Skeergard schritt voran und führte sie immer weiter nach unten. In den Gängen mit ausreichend Platz rannten sie um die in den Schächten kriechend verlorene Zeit aufzuholen.

Schließlich gelangten sie in die nahezu verlassenen und verwahrlosten Unterdecks, in denen nicht mal Servitoren unterwegs waren. Verbogene und vom alter aufgerissene Rohre und Leitungen hingen von der Decke und ragten aus von Brackwasser aufgedunsenen Wänden. In vielen Ecken moderten Pilzgeflechte vor sich hin und zersetzten verendetes Ungeziefer.

Während sie über die ächzenden und quietschenden Deckplatten marschierten, sah Caleb auf einmal wie sich Skeergards Nackenhaare sträubten. Der Spacewolf begann hörbar durch die Nase einzuatmen als hätte er eine Witterung aufgenommen.
„Mutanten, vermutlich Hüllengarste.“ flüsterte Skeergard. „Ihrem starken Fäkalgestank nach definitiv Fleischfresser und ein ganzes Rudel.“ Er war sich auch ziemlich sicher, dass diese degenerierten Jäger sie noch nicht bemerkt hatten.

„Ich kann mir das mal vorsichtig ansehen.“ hörte er Vicesimus ihrem Truppführer zuflüstern und erntete einen wütenden Blick von Skeergard.
„Wie weit entfernt?“ wandte sich Caleb wieder an Skeergard. Der teilte seine Schätzung von vier bis fünfhundert Metern und die Richtung mit.
„Vicesimus, Skeergard. Ihr geht zusammen, wir folgen in hundert Metern. Los.“
Erneut warf Skeergard Vicesimus einen finsteren Blick zu. Als Scout hatte er im Alleingang einer Gruppe von fenrisianischen Eisteufeln nachgestellt und einen nach dem anderen erlegt. Diese, von langem dichtem Fell bedeckten Primaten, waren genauso groß wie ein Astartes und besaßen giftiges Blut. Noch heute schmückte eine Kette mit ihren Zähnen seine Rüstung.

Als sie sich vorsichtig vorwärtsbewegten, musste sich Skeergard eingestehen, dass Vicesimus die Kunst des Anpirschens vortrefflich beherrschte. Er schien beinahe instinktiv zu wissen welche Deckplatten fest waren und welche Geräusche verursachen würden. An einer Stelle wo der Boden auf voller Breite geborsten war, blieben sie kurz stehen. In der resultierenden totenstille hörte Skeergard einen Herzschlag und witterte dann auch den warmen stinkenden Atem eines Mutanten.
Als er daraufhin zu Vicesimus sah, stellte er überrascht fest, dass dieser ihn auch grade warnen wollte. All diese Leistungen hatten nicht den gewohnten Effekt, dass sie Respekt und Vertrauen erzeugten. Im Gegenteil, Skeergards Argwohn und Misstrauen wuchsen mit jeder von Vicesimus Taten.
Während er noch über seinen widersprüchlichen Gefühlen nachsann, bedeutete Vicesimus ihm mit Gesten, dass er ihm an die Decke helfen sollte.
Der aufgesplitterte Boden konnte unmöglich lautlos überquert werden, und auch die Wände waren nur noch ein marodes Grippe aus Gittern und zerstörten Leitungen. Das Aufgeplatzte Rohr an der Decke sah da schon stabiler aus. Widerwillig half er Vicesimus geräuschlos die Decke zu erreichen, woraufhin sich dieser elegant über den geborstenen Abschnitt hangelte.
Nun sah auch Skeergard einen flüchtigen Schatten der lauernden Kreatur, es war tatsächlich ein Hüllengarst. Das Rudel hatte diesen wohl als Wache aufgestellt. Ganz schön clever für Degenerierte, stellte der Spacewolf fest. Vicesimus glitt lautlos zu Boden und trat um die Ecke außer Sicht.
Das leise Geräusch von Metall das langsam durch Fleisch und Knochen drang, war das erste was Skeergard wahrnehmen konnte, bevor ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Blut an seine Nase drang.
Dann war für zwei Minuten nichts mehr zu hören und Skeergard überlegte bereits, wie er alleine über die Bruchstelle gelangen sollte.
Kurz darauf trat Vicesimus aus dem Schatten, dabei trug er zwei alte vermoderte Matratzen, wie sie die normalen Menschen verwendeten, um die Ecke. Er platzierte sie vorsichtig am Rand der gesplitterten Kante und zog sich ein paar Schritte zurück. Offenbar wollte er, dass Skeergard das Hindernis mit Anlauf übersprang und auf den dämpfenden Matratzen landen sollte.
Dem kam Skeergard nach und landete auf allen vieren um sein Gewicht bei der Landung möglichst gut zu verteilen.
Dabei nahm er an, dass spätestens wenn Szandor Cromagon seine enorme Masse über den Spalt befördern würde, die Zeit des Anpirschens vorbei wäre.

Als sie sich in Bewegung setzten und um die Ecke gingen, dachte er sie wären überrascht worden als er den Hüllengarst auf einem Stapel alter Verpackungen sitzen sah. Die Augen geöffnet, leicht vorgebeugt und mit aus dem Munde hängenden Speichelfaden saß er regungslos da.
Vicesimus hatte den Mutanten nicht nur getötet, sondern ihn so platziert, dass er auf den ersten Blick normal aussah. Die Eintrittswunde des Messers war unter fettigen Haarbüscheln verborgen und hatte von unten seinen Schädel durchbohrt. Die zweite Wunde, ebenfalls unter Haaren verborgen, war größer und zeigte nach unten. Dadurch war das aus dem Schädel fließende Blut direkt wieder in die Lungen der Leiche gelaufen. Somit war der Blutgeruch minimal.
Dieses Ausmaß an Sorgfalt und die effektive Profession hätten ihn extrem beeindrucken müssen. Dennoch stellte sich lediglich das Gefühl ein seinem Bruder niemals den Rücken zuwenden zu dürfen.

Lautlos bewegten sie sich weiter und diesmal war es Skeergard der einen der Mutanten erwischte. Möglicherweise eine Art Patrouille oder die Ablösung für die Wache, die bereits tot auf einem Haufen Unrat saß.
Was auch immer seine Aufgabe war, Skeergards Hand schnellte aus der Nische ihres Verstecks und packte den ahnungslosen Hüllengarst an der Kehle. Diese zermalmte er mit seinen starken Händen und brach ihm anschließend an seine Brust gepresst das Genick. Bevor sie weiterzogen legte der Spacewolf den Kadaver in die Nische damit sie nicht so leicht gefunden würde.

Der Fäkalgestank wurde so intensiv, dass Vicesimus nichts anderes mehr riechen konnte. Unter Berücksichtigung von Skeergards Entfernungsschätzung und dem heftigen Gestank war sich Vicesimus sicher, ganz nah am Lager oder Nest der Mutanten zu sein. Er sah Skeergard durchaus als fähigen Späher an, jedoch ärgerte ihn dessen offensichtliches Misstrauen. Der Spacewolf besaß äußerst gute Instinkte, jedoch fehlte ihm seiner Meinung nach die kreative Disziplin und Sorgfalt. Darum würde der schnüffelnde Spross von Fenris zwar durchaus ein überdurchschnittlicher, aber niemals meisterlicher Infiltrator sein.
Sie fanden ein mannshohes Abflussrohr, das stark verrostet und auf einer länge von fünf Metern aufgeplatzt war. An die Innenseite war erst kürzlich ein roter Schädel angebracht worden, denn er war noch sauber poliert und keine schimmeligen Ablagerungen hatten ihn in besitz genommen. Im Rohr stand noch knöcheltief eine gallertartige schwarze Masse aus Exkrementen, Abwässern und Ölen.
Vorsichtig schritten sie hindurch und hörten das gutturale Geschnatter und Gegröle einer Gruppe von Hüllengarsten. Skeergard war sich sicher, dass es sich nicht um mehr als ein dutzend handelte und war im Begriff über sie herzufallen. Vicesimus gestikulierte jedoch energisch um ihn dazu zu bewegen zunächst die Nachhut aufschließen zu lassen. Skeergard missfiel diese Verweigerung eines offenen Kampfes, wollte sich aber auch an die gegebenen Befehle halten.
Sie zogen sich wieder an die Stelle zurück an der das Rohr aufgeplatzt war. Wenige Minuten später kam Caleb um die Ecke und nickte ihnen bestätigend zu.
Caleb hatte den sitzenden Mutanten zunächst auch für lebendig gehalten und anschließend die Arbeit seines Henkers bewundert. Auch wenn er es nicht genau wusste, so würde er dennoch darauf wetten, dass es sich um Vicesimus Werk handelte. Der Black Shield war in seinen Augen bereits jetzt ein kostbares Werkzeug. Nicht viele Astartes waren so herausragende Infiltratoren und einfallsreiche Saboteure wie Vicesimus. Sie wurden schließlich als brutale und erbarmungslose Übermenschen für Einsatz auf den schlimmsten Schlachtfeldern des Universums geschaffen und nicht als verstohlene Agenten.

Während Skeergard dem Blood Angel die Situation mitteilte, hielt sich Vicesimus still im Hintergrund. Caleb beschloss das Team in einer Fächerformation aufzustellen, um die Mutanten aus verschiedenen Richtungen anzugreifen.

Er teile den Marines seinen Plan mit und gab ihnen fünf Minuten um sich in eine vorteilhafte Position zu begeben. Er selbst würde mit Szandor durch das große Rohr marschieren während er Skeergard und Vicesimus als Späher auf die äußeren Flankenpositionen schickte.
Vorsichtig watete Caleb mit dem Mortificator durch die stinkende Brühe. Als er die obszön menschlich klingenden Stimmen hörte, spürte er wie sein Blut in Wallung geriet. Ein Blick in das Gesicht von Szandor zeigte ihm dessen kalte Entschlossenheit.

Zum vereinbarten Zeitpunkt explodierten die Spacemarines regelrecht in die Halle und schlachteten die Mutanten ab. Aus Wasserbecken, Schächten und Verstecken strömten immer mehr der missgestalteten Kreaturen, in die von Knochen und Unrat gezeichnete Halle. Ihr animalisches Gekreische ging in einem markerschütternden Heulen des Spacewolfs unter, als dieser sich von der Decke auf seine Feinde fallen ließ.
Die völlig überrumpelten Mutanten wehrten sich verzweifelt, konnten dem Zorn der Posthumanen aber nichts entgegensetzen. Szandor zerschmetterte Schädel mit der bloßen Hand und zerhackte methodisch alles was in seine Reichweite kam mit seinem Kampfmesser. Hände, Klauen und Tentakel flogen zu Boden als der Koloss unter Verachtung sämtlicher Gegenangriffe durch die Meute pflügte.
Gronn schlitzte Kreaturen mit dem Kampfmesser vom Hals bis zur Leiste auf so, dass deren stinkende Eingeweide auf den Boden klatschten. Ajax zerschnitt gezielt Hauptschlagadern oder durchbohrte mit chirurgischer Präzision die Herzen seiner Feinde. Hovis, äußerst zufrieden darüber die Gruppe mit Messern ausgestattet zu haben, verspottete die Degenerierten, während er einen der kleineren Kadaver wie einen Schild benutzte.
Marcus und Thyrianos dagegen marschierten langsam und beherrscht durch die Halle und metzelten jeden nieder der sich ihnen in den Weg stellte. Im Vergleich zu dem wilden Schlachten ihrer Brüder, wirkten die beiden fast lustlos. Als sich die verbliebenen Mutanten zur Flucht wandten, verfolgten Caleb und Gronn sie erbarmungslos und verschwanden in dunklen Gängen. Skeergard sah sich um, er hatte sich bereits einen guten Überblick verschafft bevor er sich von der Decke hatte fallen lassen. Jetzt sah er wie Vicesimus über das Schlachtfeld schritt und beiläufig sämtliche Verwundeten tötete. Von der Decke pendelte ein rot Lackierter Schädel an einer Kette hin und her um auf sie hinab zu grinsen.

Thyrianos war unzufrieden mit dem Verhalten des Blood Angels. Dass dieser sich als Trupp Sergeant etablieren wollte, überraschte ihm kaum und stand auch seinem eigenen Ehrgeiz nicht im Wege. Vermutlich war es zum Teil den alten Traditionen geschuldet, aber in seiner Funktion als Skriptor sah er sich selbst eher als Berater oder Rechte Hand eines Anführers.
Jedoch hatte Caleb sich im Kampf zu einer wilden Verfolgungsjagd hinreißen lassen und hatte keine Kontrolle mehr über die Gruppe. Hinzu kam der Eindruck, dass der Blood Angel ihn als Konkurrenten zu sehen schien und sich so unnötigerweise gegen Ratschläge sperrte.
Während Caleb und Gronn die Mutanten verfolgten gab Thyrianos Anweisungen den Raum zu sichern und sah sich nach den nächsten Wegmarkierungen um. Erneut fand Vicesimus die dezent angebrachte Markierung und Szandor hob, als erneute Zurschaustellung seiner gewaltigen Kraft, einen schweren Deckel an. Darunter stand trübes Brackwasser, welches sich rot färbte als das Blut der getöteten Hüllengarste hineinlief.

Wer auch immer zuerst in den Tunnel klettern würde, müsste auf nahezu alle seine Sinne verzichten. In dem verdreckten Wasser und ohne Beleuchtung stießen selbst die leistungsfähigen Augen von Astartes an ihre Grenzen. Natürlich würde unter Wasser auch nichts zu hören oder zu riechen sein und ohne den Komfort einer Servorüstung war auch die Luft begrenzt. Niemand wusste wie lang der Schacht war oder ob es Gabelungen Luken oder sonstige Ausgänge geben würde.
Selbstverständlich gab es die Möglichkeit einen Späher vorzuschicken aber auch dieser hatte einen eingeschränkten Erkundungsradius da er im Zweifel Luft für den Rückweg brauchen würde. Schwammen alle auf einmal los konnte es passieren, dass die komplette Gruppe tief in den Eingeweiden dieser riesigen Station ertrank. Alles in allem war diese vermeintlich triviale Aufgabe selbst für einen Spacemarine nicht ohne erhebliches Risiko.
Skeergard gesellte sich zu Szandor und Thyrianos, letzterer sah nachdenklich in den Schacht. Durch die Gänge waren die Echos von Calebs und Gronns Jagd zu vernehmen.
„Ich verschaffe uns mal einen ersten Eindruck von diesem Schacht Skriptor. In fünf Minuten bin ich wieder da und hoffe, dass bis dahin auch unser zorniger Anführer zurück ist.“ sagte Skeergard zum Dark Angel und schwang sich in das Wasser. Szandor stützte seinen Arm auf den hochkant stehenden Deckel und sah in die Richtung des Kampflärms während der Spacewolf tief Luft holte und untertauchte.

Nach wenigen Minuten betraten auch Gronn und Caleb wieder die Halle. Sie waren blutüberströmt und Rinnsale aus beißendem Schweiß hinterließen helle Streifen auf ihrer Haut als die das Mutantenblut abwuschen.
„Wo ist Skeergard?“ grollte Caleb in die Runde während Gronn sein Kampfmesser an dem Fell eines Hüllengarstes abputzte.

„Vicesimus hat die nächste Wegmarkierung entdeckt und Skeergard nimmt den Weg in Augenschein. Ich bin sicher das wären auch eure Befehle gewesen wenn ihr euch nicht von der Gruppe entfernt hättet.“ antwortete Thyrianos tadelnd. Caleb schien ernsthaft verärgert, verzichtete aber darauf seinem Ärger Luft zu machen.
Stattdessen verschaffte er sich schnell einen Überblick über die Anzahl der Toten Mutanten. Zufrieden nahm er ebenfalls zur Kenntnis, dass sich die Verletzungen des Teams auf kleine Schrammen und leichte Prellungen beschränkten. Die Tatsache, dass Ajax und Hovis sich gegenseitig angrinsten als der Skriptor indirekt sein Verhalten kritisierte, ärgerte ihn jedoch genug um die beiden am Ende der Formation zu Positionieren.

Prustend tauchte Skeergard wieder auf und schüttelte sich das dreckige Wasser aus Bart und Haaren. „Ich bin etwas mehr als Hundertzwanzig Meter weit getaucht. Keine Abzweigungen oder Luftblasen zu Finden, dafür aber ein Schott ohne Griff. An dem Schott konnte ich einen Schädel ertasten. Der Druck war durchaus erträglich.“

„Der Druck wird erst dann zum Problem wenn er schlagartig nachlässt, ähnlich wie bei dem Abstecher in die Leere ist es wichtig die Luft aus den Lungen zu pressen bevor der Druck abfällt. Aber mich interessiert eher die Frage wie wir das Schott aufbekommen sollen wenn es offensichtlich in der Lage ist dem massiven Wasserdruck standzuhalten.“ mischte sich Ajax ein. Dank seiner Hinweise war der Leerenspaziergang glimpflich verlaufen und er hatte innerhalb kürzester Zeit den Respekt seiner Brüder erlangt.

„Habt ihr versucht den Schädel zu bewegen? Möglicherweise ist er dort nicht nur Markierung sondern auch der Schlüssel.“ brachte sich Vicesimus in die Diskussion ein. Skeergard warf ihm erneut einen zornigen Blick zu, was den Black Shield nicht länger überraschte, und der Spacewolf musste die zugeben dies nicht versucht zu haben. Jedoch wollte er in jedem Fall seine Initiative beibehalten und auch den nächsten Tauchgang anführen.

„Also gut. Skeergard, ihr werdet noch einmal runtergehen und versuchen das Schott zu öffnen. Entweder mithilfe des Schädels so wie es Vicesimus vorgeschlagen hat oder mit Gewalt.“ Während er sprach reichte Caleb dem Spacewolf sein Messer. „Mit zwei Messern solltet das Aufhebeln leichter fallen. Und denkt an die Worte unseres Apothekarius, leert eure Lungen rechtzeitig!“

„Ihr könnt euch auf mich verlassen“ entgegnete Skeergard bevor er erneut abtauchte und seine Brüder wartend zurückließ.

Es dauerte beinahe zehn Minuten, dann begann das Wasser im Schacht gurgelnd zu sinken. Caleb sprang hinterher und ließ sich von der Strömung mitziehen. Als er schließlich durch die Luke gespült wurde landete er auf einem massiven Metallgitter durch welches das Wasser in die Tiefe floss. An ein Geländer gelehnt stand Skeergard und hielt Caleb grinsend das geliehene Messer hin. „Die gute alte Gewalt hat das Problem gelöst Bruder.“
Caleb nahm das Messer entgegen und machte den Platz für die nachrückenden Marines frei. Der Bloodangel nutzte die Gelegenheit dem Spacewolf ungestört auf den Zahn zu fühlen.
„Gute Arbeit Skeergard. Was ist das mit euch und Bruder Vicesimus? Ihr könnt mir nicht verheimlichen, dass ihr ein Problem mit ihm habt.“

„Nichts, was es Wert wäre ausgesprochen zu werden. Wir sind wohl zu verschieden, da gibt es halt dieselben Reibungen wie zwischen euch und Thyrianos.“ lenkte Skeergard das Gesprächsthema auf Caleb ab. Zwar hätte er durchaus sein Misstrauen ausdrücken können, entschied aber, dass es hierfür zu früh war. Er wollte nicht leichtfertig und aufgrund undefinierter persönlicher Empfindungen Zwietracht zwischen seinen Brüdern säen.
Polternd landete Szandor auf dem Gitter, eine frische Platzwunde die prangte auf seiner Stirn und hörte beinahe augenblicklich auf zu bluten.
„Wie ich diese verdammten Tunnel und Schächte hasse. Ich bin ein Spacemarine, vom Imperator ausgewählt um die Feinde der Menschheit zu vernichten!“ spie der Mortificator aus während er sich aufrichtete.
„Es handelt sich wohl um eine Lektion der Demut, der Trick ist es nämlich den Kopf einzuziehen.“ stichelte Skeergard den wütenden Koloss.
„Das mag für alle jene Stimmen die einen weichen Schädel oder eine empfindliche Haartracht tragen.“ konterte Szandor während er den Bereich vor der Luke freimachte. Nach Szandor kam Vicesimus der schwungvoll auf den Füßen und mit seinem Messer im Eispickelgriff landete. Szandor wandte sich ab um seine Verletzung zu verbergen und Skeergards Eindruck, dass Vicesimus für derlei Manöver gemacht zu sein schien, erhärtete sich. Er konnte diese Eigenheit weiterhin keinem ihm bekannten Orden zuordnen. Jedoch musste er sich ebenfalls eingestehen, dass er nur die wenigsten Orden je persönlich kennen gelernt hatte.
Nacheinander erschienen auch die übrigen Astartes. Die letzten kletterten den Schacht entlang weil das Wasser bis zur Luke abgelaufen war.
Caleb hatte sich in der Zwischenzeit umgesehen und eine Weitere Wegmarkierung entdeckt. Nachdem das Team vollzählig war lief es los und folgte einem vergleichsweise einfachen Weg. Die Markierungen leiteten sie noch mehrere Stunden lang durch die Station. Dabei passierten sie verschiedene Lagerhallen, Reaktoren, und eine Fertigungsstätte für Boltmunition. In den Köpfen aller Astartes bildete sich eine grobe Karte heraus. Thyrianos geistige Karte war besonders detailliert und er bekam eine leise Ahnung von den Ausmaßen der Station. Darüber hinaus glaubte er den Sinn dieser Übung verstanden zu haben. Im Prinzip lernten sie Schleichwege und Umgehungsstrecken kennen, diese würden ihnen zum Beispiel beim Abwehren eines Enterversuches gute Dienste leisten.

Nach insgesamt dreizehn Stunden, trafen sie in einem unscheinbaren Gang auf Waffenmeister Mollecht. Dieser musterte jeden einzelnen mit Adleraugen. Dabei war ihm nicht anzusehen, ob er mit dem was er sah Zufrieden war oder ob sie eine gute Zeit erreicht hatten. Zum Abschluss verlangte er von ihnen den kürzesten Weg zu ihren Quartieren zu finden.
Caleb übernahm selbstbewusst die Führung und blockte Ratschläge des Skriptors ab. Thyrianos Kalkulation nach kostete sie dieses Verhalten mindesten fünf Minuten. Der Blood Angel wollte, insbesondere in Gegenwart des Waffenmeisters zeigen, dass er sich als Anführer der Gruppe durchsetzen konnte.
Als sie schließlich in Quartierkomplex J antraten, befahl ihnen Mollecht die Rüstungen anzulegen.
Wenige Minuten später standen alle voll gerüstet in der Halle in der sie zuvor ihre Übungskämpfe ausgetragen hatten. Bis auf die Farben und Insignien auf den jeweiligen Schulterpanzern, sahen sie nun fast gleich aus. Lediglich Thyrianos hob sich ab, da er wie bei den Dark Angels üblich, seinen Chorrock über der Rüstung trug.
Auch Mollecht hatte seine Rüstung angelegt. Auf seiner linken Schulter prangte das Zeichen der Deathwatch, darüber hinaus schmückte ihn auch das Crux Terminatus, welches an einer matten Titankette um seinen Hals hing.
Diese Auszeichnung erlangten nur sehr wenige Spacemarines und in der Regel erst nach Dekaden des heldenhaften Kampfes.

Thyrianos bemerkte wie Vicesimus versuchte die Schriftzeichen auf seiner Schwertscheide zu entziffern. Der Skriptor war sich jedoch absolut sicher, dass niemand außer einem Dark Angel diese uralte Sprache lesen konnte. Es handelte sich nicht einfach um einen exotischen Dialekt der Ursprünglichen Heimatwelt Caliban. Dieser wäre viel zu naheliegend und immer noch zu verbreitet gewesen. Es handelte sich um eine alte künstliche Codesprache die vor Jahrtausenden von verschiedenen Geheimniswahrern der ersten Legion entwickelt worden war.
Sie war so komplex, dass der herkömmliche Intellekt von Sterblichen keine Chance hatte sie zu begreifen. Selbst eingeweihte Astartes konnten in der Regel nur nach erneutem intensivem Studium Aufzeichnungen dieser Sprache lesen. Auf diese Weise war der Spionageschutz extrem stark und gleichzeitig war es möglich Informationen, die viele Seiten eines Buches gefüllt hätten, auf die vergleichsweise kleine Fläche einer Schwertscheide zu bannen. Die verwirrenden Formen und Muster hatten die seltene Eigenschaft sich selbst Thyrianos‘ eidetischer Einprägungskraft zu widersetzen.

Mit wenigen Worten setzte Mollecht die Gruppe in Bewegung und führte sie zu einer riesigen Kapelle. Sie war größer aber weniger prunkvoll als die zuvor besuchte Schwurstädte. Die glatten steinvertäfelten Wände zierten keine Fresken oder Goldeinlagen. Lediglich eiserne Kerzenhalter waren in regelmäßigen Abständen befestigt. Banner oder Standarten suchte man vergebens und der Raum strahlte eine kalte gesichtslose Atmosphäre aus.
Knapp hundert Astartes in schwarzen Rüstungen waren versammelt. Still blickten sie zum erhöhten Zentrum des Sakralbaus, welches von einem minimalistisch verzierten steinernen Altar beherrscht wurde. Wie ein gewaltiger Stalaktit hing die knöcherne Insignie der Deathwatch darüber.
Wie selbstverständlich gliederten sich Apox Mollecht und die Neuankömmlinge in die angetretenen Reihen ein.
Die herrschende Totenstille wurde jäh unterbrochen, als der erste Ordenspriester Karras das Portal im rückwärtigen teil des Raums aufstieß und sich polternd zum Altar bewegte. Seine Stimme fegte wie ein Erdrutsch über die Marines Hinweg.
„Astartes! Erweist Watchcaptain Renus Hopitz euren Respekt!“

Wie ein Man schlugen sich die angetretenen Spacemarines mit ihren gepanzerten Fäusten auf die Brust und senkten den Kopf. In Ermangelung entsprechender Informationen, taten die Aspiranten es ihnen mit einer geringen Verzögerung gleich.
Geschmeidig marschierte der Watchcaptain durch das geöffnete Portal. Selbstverständlich war auch seine Rüstung schwarz. Überrascht nahm Thyrianos zu Kenntnis, dass sein designierter Anführer ebenso wie Waffenmeister Mollecht und Vicesimus ein Black Shield war.
Die Imposante Gestalt trug einem, aus matten Metallteilen gefertigten, Umhang. Die verbesserte Sehschärfe der Astartes offenbarte die filigranen Verzierungen jeder einzelnen Metallschuppe. Das behelmte Haupt des Watchcaptains wurde von einem Goldenen Rosarius umrahmt und er Trug ein Prunkvolles Schwert auf dem Rücken. An der Kante seines linken Schulterpanzers war ein Crux Terminatus angebracht. Dennoch fesselte das Schwert zunächst den Großteil von Thyrianos‘ Aufmerksamkeit. Seine Herkunft war zwar eindeutig menschlich und seine Abmessungen machten deutlich, dass es für Posthumane Hände gefertigt wurde. Jedoch entsprach diese Energiewaffe keinem ihm bekannten Baumuster und schien von beträchtlichem Alter zu sein.
Mit dröhnender Stimme wandte Renus Hopitz an seine Angetreten Brüder. „Euch in so großer Zahl hier zu sehen erfüllt mich mit sehr widerstreitenden Gefühlen. Einerseits ist der Anblick so vieler Beschützer der Menschheit erhebend und ermutigend. Andererseits täuscht uns dieser Moment eine Zeit des Friedens und der Untätigkeit vor. Glücklicherweise können wir diese Täuschung auflösen, denn heute werden drei Exterminatorenteams ausgesandt um einen Makel aus diesem Universum zu tilgen.“ Dabei schloss er mit ausladenden Gesten einige Marines in den ersten Reihen ein.
„Wie gewohnt, werde ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Missionsparameter offenbaren. Jedoch fordere ich die Aspiranten des sechzehnten, unseres jüngsten Exterminatorenteams, auf vorzutreten.“

Selbst durch ihre statuenhaften Rüstungen hindurch, war die Überraschung der Angesprochenen zu erkennen. Sie hatten noch nicht die Spezialausbildung der Deathwatch abgeschlossen und dennoch schien ihr Captain sie in einen Einsatz schicken zu wollen. Und das obwohl augenscheinlich reichlich Brüder zur Verfügung standen, die sich bereits das Zeichen der Deathwatch verdient hatten. Sollte dieser Einsatz eine Prüfung werden?
Nach einer Sekunde des Zögerns setzte sich Caleb wortlos in Bewegung und der Rest der Aspiranten folgte seinem Beispiel.

Vorne angekommen stellten sie sich in einer geraden Reihe nebeneinander auf. Ehe sie respektvoll vor ihrem Captain auf die Knie sinken konnten ergriff dieser wieder das Wort.
„Wie es bei uns Tradition ist werdet ihr, als jüngste Kampfbrüder den ausrückenden Exterminatorenteams die Augenblickseide abnehmen. Wendet euch hierzu euren Brüdern zu!“
Die Aspiranten drehten sich auf der Stelle und blickten auf die ausdruckslosen Visiere ihrer Brüder. Nun konnten sie einige Veteranen in mächtiger Terminatorenrüstung von vorne sehen. Einen der Terminatoren konnte Thyrianos als Epistolarius Cygnon identifizieren, da er keine Helm sondern eine Psimatrix ohne Visier trug. In der gepanzerten Faust hielt er eine riesige Psigleve, zeigte Thyrianos gegenüber jedoch keine Regung. Cygnon stand neben einem White Scar der ebenfalls eine der superschweren Rüstungen trug und dessen Insignien ihn als Champion der Deathwatch auswiesen.
„Ordenschampion Arlam wird den Veteranentrupp zum Ruhme des Imperiums und im Namen des Ordo Xenos ausrücken lassen. Tretet vor um eure Schwüre zu leisten.“
Der Veteranentrupp baute sich vor den Aspiranten auf. Knarzend und mit ächzenden Servos knieten sich die Terminatoren vor die Aspiranten. Knien war eindeutig eine Bewegung, für die diese monströsen Rüstungen nicht gemacht waren.
Selbst kniend waren sie noch immer so groß wie ein aufrecht stehender Astartes in konventioneller Rüstung. Lediglich Szandor, der von Natur aus die Größe wenn auch nicht die Masse eines Terminators hatte, überragte sein Gegenüber.
Karras tauchte mit einer flachen ebenhölzernen Truhe in den Händen auf. Er offenbarte den Blick auf Wachssiegel und unbeschriebene Pergamentstreifen sowie Tinte und Feder als er sie öffnete.

Er stellte sich neben Hovis und einen Terminator der Blood Ravens und hielt ersterem die Truhe hin. Vorsichtig nahm Hovis die filigranen Utensilien heraus und blickte dann erwartungsvoll in die ausdruckslose Maske des Veteranen. Dieser formulierte einen Schwur und Hovis bemühte sich trotz der dicken gepanzerten Handschuhe leserliche Schriftzeichen auf das Pergament zu schreiben. Ob der Veteran mit dem Ergebnis zufrieden war, war nicht ersichtlich jedoch erhob er sich nachdem Hovis das Pergament mit dem Wachssiegel an der Rüstung befestigt hatte.
Karras bewegte sich zum nächsten Paar und fuhr so mit der Tradition fort bis er bei Caleb und Arlam angelangt war. In der Truhe lagen noch zwei Siegel, eines aus rotem Wachs wie die anderen und ein schwarzes mit dem eingeprägten Zeichen der Deathwatch anstelle des imperialen Aquilas.
Nachdem Caleb das rote Siegel beschriftet und befestigt hatte ergriff der Watchcaptain wieder das Wort. „Arlam, ihr seid mein Ordenschampion und respektierter Anführer des Veteranentrupps. Formuliert nun stellvertretend für eure Brüder den Schwur zu ehren der Deathwatch und der heiligen Inquisition zu Terra!“

Arlam schwor Pflicht und Auftrag, zum Wohle des Imperiums, jede seiner Entscheidungen lenken zu lassen und nicht zu ruhen bis beides erfüllt sei. Caleb notierte die Worte auf dem verbliebenen Pergamentstreifen und befestigte ihn direkt neben dem zuvor angebrachten.

Der Veteranentrupp verließ daraufhin die Kapelle durch das Portal durch welches Karras und Renus Hopitz die Kapelle betreten hatten. Die ganze Zeremonie wiederholte sich noch weitere zwei Male. Im Anschluss gab Renus Hopitz den wenigen Verbliebenen einige salbungsvolle Worte auf den Weg und folgte den drei frisch eingeschworenen Trupps. Karras entließ die angetretenen aus der Zeremonie und schloss das Portal von außen. Die Aspiranten und die übrigen Marines verließen die Kapelle schweigend durch den Haupteingang um sich zu ihren Quartieren zu begeben.
„Das war die härteste Prüfung des heutigen Tages.“ scherzte Hovis als sie in ihrem Quartierkomplex ankamen. „In voller Rüstung eine Feder führen. Und das ordentlich genug einen Veteranen nicht zu beleidigen.“ fuhr er fort während er seinen Helm auszog. Vor allem Szandor stimmte ihm nickend zu und selbst Thyrianos musste unter seinem Helm über die Bemerkung grinsen.
Als Skriptor hatte er das nötige Fingerspitzengefühl entwickelt, auch mit Handschuhen makellos zu schreiben. Jedoch konnte er sich auch an die langwierige Zeit des Übens erinnern. Ezekiel, Großmeister der Skriptoren der Dark Angels, war auch in diesen Dingen stets äußerst Anspruchsvoll gewesen.

Da die Trainingseinheiten für diesen Tag abgeschlossen waren, sehnte Thyrianos sich nach der Ruhe und dem segensreichen Wissen eines Librariums. Ohne diese Beschäftigung blieb seinem Verstand kaum etwas anderes Übrig, als sich mit seinem vom Psibegrenzer gefesselten Geist zu befassen. Wie lange würde er diesen noch tragen müssen? Wann würde er Zugang zum Librarium erhalten?

Während er versuchte sich mittels Wahrscheinlichkeiten, Wissen und Annahmen diese Fragen zu beantworten schritt er langsam über die Decks der Raumstation. Er passierte zahlreiche Servitoren die unterschiedlichsten Aufgaben nachgingen. Neugierig betrachtete einige der kleinen Schreine die die Adepten des Mechanicums in jede freie Ecke zwängten.
Er konnte sich nach wie vor nicht erklären wie eine auf Logik Aufgebaute Gesellschaft wie das Adeptus Mechanicus von so vielen Paradoxen erfüllt sein konnte. Wann besaß eine Maschine einen Geist? Was genau war ein solcher Maschinengeist, wenn nicht eine geächtete künstliche Intelligenz. Wann wurde aus technischer Expertise ein okkultes Dogma? Warum konnten eben diese Dogmen zu technischer Expertise verklärt werden? Wie konnte man nach Wissen suchen und sich gleichzeitig hinter einer Mauer aus Ignoranz und Traditionen eingraben.

Als Skriptor der Dark Angels war es ihm in Fleisch und Blut übergegangen, gesammeltes Wissen eifersüchtig und misstrauisch zu hüten. Jedoch hatte er sich genau wie seine Brüder die Fähigkeit erhalten sich eines Besseren belehren zu lassen und dazu zu lernen. Einst war er beim studieren präimperialer Dokumente auf einen Ausspruch eines als Weisen bezeichneten Terraners gestoßen. >>Ich weiß, dass ich nicht weiß.<<
Dieser Ausspruch war ihn zunächst wie ein Beweis der Beschränktheit sterblicher Geister erschienen. Die Tatsache, dass dieser als außerordentlich weiser Philosoph beschrieben wurde ließ ihn über diesen Ausspruch nachdenken und weitere Fragmente dessen Ausführungen studieren.
Letztendlich führte der antike Schreiber aus, dass jemand der Weise sein wollte, auch eigenes Wissen stets hinterfragen und Raum für Korrekturen lassen sollte. Das Kopflose beharren auf Dogmen und vermeintlichen Fakten würde einen nicht Weise sondern Ignorant machen.

Natürlich waren diese Worte geschrieben worden bevor die Menschheit Kontakt zu Xenos hatte und bevor die ruinösen Mächte des Warps ihre Klauen nach der Seele der Menschheit austreckten. Im aktuellen Zeitalter konnte das blinde befolgen dieser Philosophie einen schwachen Geist leicht an dunkle Orte führen, von denen es keine Rückkehr gab.
Thyrianos‘ Geist war dagegen bereits auf genetischer Ebene von der Genialität des Imperators der Menschheit geformt worden. Zusätzlich hatte die langwierige Ausbildung innerhalb seines Ordens ihn für die Verschiedenen Gefahren unkontrollierten Denkens sensibilisiert.

Sehr gerne hätte er seiner Gedanken mit einem vertrauten Geist von ebenbürtiger schärfe ausgetauscht. Insbesondere seine Fragen zum Adeptus Mechanicus hätte er zu gerne diskutiert. Selbst innerhalb seines eigenen Ordens war dies praktisch unmöglich gewesen.
Die dort wirkenden Techmarines lebten ähnlich abgeschottet wie die Skriptoren und er würde auch nie vergessen, dass auch eine gestellte Frage dem Gefragten bereits Einblicke in die Gedankenwelt des Fragenden geben konnte. Und Einblicke gewährten Dark Angels grundsätzlich genauso ungern wie sie sich in einem Kampf zurückzogen.

Trotz seiner ausschweifenden Überlegungen bekam er mit, wie sich die Atemluft um ihn herum veränderte. Es wurde merklich wärmer und der schale Geruch nach unendlich oft aufbereiteter Atemluft, wich einem Aroma von glühendem Metall und Ozon. Hinzu kam das rhythmische Schlagen eines Schmiedehammers. Gemächlich folgte Thyrianos dem Lärm und betrat dann eine geräumige Werkstatt. In der Mitte befand sich ein großes weißglühendes Schmiedefeuer. Darüber hing ein verrußter Abzug und saugte Rauch und Funken ab. Wenige Schritte daneben befanden sich verschiedene Öl und Wasserbecken sowie eine große Lore hochwertigen Brennstoffs. An einer Gitterkonstruktion hingen Hämmer und Zangen in unterschiedlicher Größe und Form. An der kaum beleuchteten Rückwand befand sich ein Sammelsurium verschiedenster Rohmetalle, Schmelztiegel und Gussformen.
Am Amboss stand ein Astartes mit kohlenschwarzer schweißnasser Haut. Aus dem Thyrianos zugewandten Rücken wuchs ein dunkelrot lackierter mechanischer Greifarm und schien das Werkstück zu halten. Neben dem vortretenden schwarzen Carapax und den augmentischen Verstärkungen des Rückens fielen vor allem die in die Haut gebrannten Narbenmuster auf. Es waren keine chaotischen Flickenteppiche die aus klassischer Selbstkasteiung und Kriegsverletzungen hervorgingen. Es handelte sich um ordentliche Muster, anscheinend rituell zugefügter Brandmale. Bisher hatte Thyrianos nur wenig über den Orden der Salamanders erfahren.

Er wusste, dass sie meisterliche Schmiede waren und einem eigenen Kult folgten der von manchen als makelbehaftet betrachtet wurde. Thyrianos‘ Wissensstand nach betrachteten sich die Anhänger diese Kultes des Prometheus als Werkstücke die durch verschiedene Prüfungen in ihre perfekte Form gebracht werden müssen.
In Ermangelung genauerer Informationen, zu den Gebräuchen der Salamanders, trat er langsam um den Techmarine herum. Blieb jedoch auf Abstand. Geduldig beobachtete er wie er mit einem seiner Muskelbepackten Arme den Schmiedehammer schwang. Da er den Schmied nicht bei einer Tätigkeit unterbrechen wollte die möglicherweise rituelle Bedeutung hatte beobachtete er eine weitere halbe Stunde lang, wie der Techmarine eine der metallenen Schichten eines Helms bearbeitete.
An der Farbe des Metalls konnte er erkennen, glücklicherweise glühte nur der fordere Teil des Helms, dass dieses Teil nicht aus der Standardlegierung bestand wie sie bei Astartes Helmen üblich wäre.
Schließlich legte der Salamander das Werkstück an den Weniger heißen Rand der Esse und fixierte Thyrianos zum ersten Mal mit seinen rot glühenden Augen.

„Skriptor...“ begann der Salamander das Gespräch indem er Thyrianos zunickte. „Eure Augen täuschen euch nicht, dies ist nicht das Librarium!“ fuhr er ausdruckslos fort, während er sich die Hände mit einem Lappen abwischte.
„Das kommt doch darauf an welches Wissen man sucht, oder Salamander?“ entgegnete Thyrianos diplomatisch.
„Wenn ihr ein Librarium als reinen Hort des Wissens seht, dann ist diese Schmiede tatsächlich eines. Jedoch wird das Wissen hier nicht in empfindlichen Büchern die noch dazu jeder lesen kann verwahrt. Sondern in Körper und Geist. Ich bin Techmarine Duron Pentos. Und wer ersucht mich mein Wissen zu teilen?“ fragte der Salamander, offenbar zufrieden mit der Antwort des Besuchers und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich bin Thyrianos, Skriptor der Dark Angels, Aspirant der Deathwatch.“ antwortete er wahrheitsgemäß und zog seinen Helm aus um Pentos von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Er trat auf Armeslänge an den Salamander heran und stellte erleichtert fest, dass Duron keine kortikalen oder zerebralen Augmentationen zu besitzen schien. Viele Techmarines nutzten derartige Implantate um ihre übermenschliche mentale Leistungsfähigkeit noch weiter zu erhöhen. Jedoch verlor sich dadurch in der Regel mehr und mehr von deren Charakter und sie wurden den Klassischen Magi des Adeptus Mechanicus ähnlicher, als ihrer eigenen Art.

„Tatsächlich suche ich zurzeit weniger nach spezifischem Wissen als nach einer anregenden Unterhaltung. Ich habe noch keinen Zugang zum Librarium der Skriptoren erhalten und innerhalb meines Exterminatorenteams…“ er zögerte kurz. „Sagen wir die Brüder meines Exterminatorenteams scheinen andere Interessen als die von mir gesuchten Konversationen zu besitzen.“

„Wenn ihr diesen Eindruck von euren Brüdern selbigen so deutlich gezeigt habt, wie ihr ihn mir erläutert habt, wundert es mich nicht, dass ihr alleine über die Station streift. Was glaubt ihr wer ihr seid, über eure Brüder urteilen zu können?“ Über den roten Augen zogen sich die Augenbrauen zusammen.

„Außerdem legen eure Worte nahe, dass ihr euch auch über mich ein Urteil bilden wollt, was für sich genommen bereits eine Respektlosigkeit darstellt.“ Diese harten Worte ließen Thyrianos schlucken, und zwangen ihn deren Wahrhaftigkeit einzusehen.
„Ich wollte euch nicht beleidigen. Aber ihr müsst gestehen, dass die Tatsache, dass ihr für meine Respektlosigkeit keine Genugtuung verlangt oder Duell gefordert habt, sondern ihr mich weiter anhört ein starkes Indiz dafür ist, dass euer Verstand heller strahlt als der von anderen.“
Da sich ein Disput nach dem Geschmack des Skriptors abzeichnete versuchte er ungezwungen und entspannt zu erscheinen. Aus diesem Grund Setzte er sich mit dem Rücken zur zugehörigen Werkbank auf einen der Massiven Hocker.
„Nun wollt ihr eure Respektlosigkeit überdecken indem ihr mir schmeichelt und mir nur die Wahl zwischen Zustimmung und dem Eingeständnis einer Unzulänglichkeit lasst.“ erwiderte er mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen. „Sehr geschickt. Aber nach dieser hochnäsigen Zurschaustellung bleibt mir nichts anderes Übrig als euch zu beweisen dass ihr in mir euren Meister gefunden habt. Daher werde euch eine Lektion der Demut auf einem Schlachtfeld erteilen auf dem ihr bisher scheinbar allzu leicht triumphieren konntet.“

Thyrianos war äußerst zufrieden. Duron Pentos schien tatsächlich über einen scharfen Verstand zu verfügen und willens zu sein, sich mit ihm zu messen. Der Skriptor war sich sicher, aus ihren Diskussionen würden sie beide Weiser als vorher hervorgehen.

„Die eingeweihten des Adeptus Mechanicus verehren den Omnissiah. Sie huldigen seiner Verkörperung in jeder Maschine. Aber ab welchem Moment ist ein Objekt eine Maschine und wann nicht? Wann erhält sie ihren Maschinengeist und auf welche Weise wird er in sie eingebracht? Ist ein Maschinengeist nichteigentlich eine geächtete künstliche Intelligenz?“ versuchte Thyrianos den Salamander gleich mit einem kontroversen Thema aus der Reserve zu locken. Jedoch wurde er von ihm Unterbrochen.

„Eine Frage nach de Anderen. Auch wenn wir in der Lage sind, mehrere Fragen auf einmal zu betrachten, ist dies nicht immer ratsam. Wisst ihr es gibt Antworten die sich schwer in Wort fassen lassen… Und bevor ihr mich jetzt des Ausweichens bezichtigt, folgt mir zu den Regalen.“ Gemeinsam gingen sie zu den Regalen und Duron griff scheinbar wahllos hinein und kramte verschiedene Stahlstücke und Messingstreifen hervor. „Eine Antwort auf eine deiner Fragen kannst du dir selbst erarbeiten, nur brauchst du dazu deine Hände.“ fuhr er fort, ging zum Schmiedefeuer und legte zunächst alles daneben.

„Ich möchte dass ihr etwas erschafft Thyrianos, es muss nichts Großes oder Kompliziertes sein. Stellt etwas her was eurer Meinung nach ein einfacher in einer Schmiede zu fertigender Gegenstand ist. Was wäre ein solcher Gegenstand?“ Thyrianos überlegte kurz worauf der Techmarine hinaus wollte. Welchen Einfluss hätte seine Wahl auf die erlangte Antwort. Und vor allem, welchen Gegenstand konnte er praktisch ohne Erfahrung herstellen ohne sich zum Narren zu machen.

„Ein Kampfmesser ist naheliegend denke ich,…“ entschied sich Thyrianos und wollte seine Wahl auch sogleich begründen. Erneut viel ihm Duron Pentos ins Wort
„Eure Gründe müsst ihr mir nicht offenbaren, in diesem Kontext ist ein Grund ist so gut wie jeder andere. Ein Kampfmesser also. Ich werde euch anleiten, aber jeder Handgriff wird von euch verrichtet werden.“

In den folgenden Stunden instruierte Duron Pentos den Skriptor wie er ein ungefähr fünfzig Zentimeter langes Kampfmesser schmieden sollte. Er sagte ihm wann der Stahl heiß genug fürs Schmieden war und wann er wieder aufgeheizt werden musste. Darüber hinaus wie und wo und in welcher Reihenfolge er die einzelnen Teile Falten sollte und welche Hammer und Zangen jeweils die richtigen waren. Trotz seiner anspruchsvollen Ausbildung zum Skriptor war er von der schieren Menge an Informationen beeindruckt. Es schien ähnlich wie beim Kanalisieren von Warpenergie auf jede kleinste Kleinigkeit anzukommen. Die Menge an Details füllte wohl doch zu Recht unzählige Bücher. Für ein derartig handfestes Handwerk forderte Duron Pentos ihn erstaunlich oft auf, seinem Gefühl zu folgen was Härte der Schläge und Beschaffenheit des Werkstücks anging.

Thyrianos erste, für ihn wenig überraschende Einsicht war, dass Stahl sehr viel gnädiger war als Warpenergie. Duron Pentos ließ ihn Fehler ausbügeln die er gemacht hatte und dennoch kam er nie an den Punkt an dem das Werkstück ruiniert gewesen wäre. Fehler resultierten hier in der Regel wohl einfach nur in mehr Arbeit.

Wenn er beim Kanalisieren übernatürlicher Energien Fehler machte, blieben die desastösen Folgen meist irreparabel. Während er schweigend auf den Stahl einschlug und er die Sticheleien und das Kopfschütteln des Schmieds mit Fassung zu tragen.

Er überlegte wofür er diese Waffe anfertigte und wie er sie verzieren sollte ohne seine Fähigkeiten zu überfordern. Während er die Parierstange mit Messing ummantelte, was erst beim dritten Versuch gelang, fasste er den Entschluss, dem Griff einen Knauf in der Form eines Löwenkopfes zu geben. Als er diesen Entschluss Duron mitteile grinste dieser amüsiert.
Die Waffe war aus gefaltetem Stahl gefertigt und entsprechend stabil. Außerdem hatte sich auf der Klinge ein unregelmäßiges Muster gebildet. Thyrianos war weit davon entfernt die einzelnen Schichten perfekt ineinander zu hämmern.
Immerhin war die Form ansehnlich und es gab weder Bruchstellen noch Einschlüsse oder Blasen. Als er schließlich beim Herausarbeiten des Löwenkopfes angelangt war, gelang es ihm sogar den Meister zu überraschen. Auch wenn er als Schmied gänzlich unerfahren war so hatte er ruhige Hände und war an filigrane Tätigkeiten gewöhnt. Mit viel Fingerspitzengefühl modellierte er einen stilisierten Löwenkopf. Nachdem er nach mehr als sechs Stunden die letzte Härtung abgeschlossen hatte stellte der Techmarine ihm eine Frage.

„Woher ist diese Waffe gekommen?“ Von der Banalität dieser Frage überrascht antwortete Thyrianos unsicher. „Das Metall aus irgendeinem Erz und die Form aus der Schmiede.“

„Falsch! Ich habe euch Metallteile, Werkzeuge und eine Anleitung gegeben. Wo kommt die Waffe her?“ diesmal überlegte Thyrianos etwas länger ehe er antwortete. „Die Waffe entsprang meinem Geist, ich bin selbst eine Waffe da ist ein Ebenbild von mir selbst tatsächlich naheliegend.“ Diese Erkenntnis gefiel Thyrianos und er war froh zuvor seine Gründe für die Wahl des Objekts für sich behalten zu haben.

„Woher habt ihr gewusst wie sie aussieht?“ fragte der Schmied weiter.
„Diese Waffe sollte einen Zweck erfüllen für diesen Zweck waren verschiedene Charakteristika zwingend erforderlich.“

„Korrekt, ihr habt alles was ihr seid in diese Klinge geschmiedet. Euren Stolz, eure Ausdauer, eure Eitelkeit, eure Geduld und euren Mut, all euer Wissen zu dem Thema Kampfmesser steckt darin und alles nur um euch in einem Zweck zu dienen den ihr schon jetzt absehen konntet. Ihr kennt die Unzulänglichkeiten und die Vorteile und all die kleinen Geheimnisse dieser Klinge und hofft dass sie ihren Zweck erfüllen wird.“ Er machte eine Pause um seine Worte wirken zu lassen und Thyrianos zog die Verbindungen im Geiste eine nach der anderen nach.

„Sagt mir nicht ihr wäret nicht stolz auf eurer Hände Arbeit, ein schwaches Ebenbild zu den Gefühlen die Eltern für Ihre Kinder Empfinden. Natürlich hat diese Klinge kein Bewusstsein im klassischen Sinne aber dennoch steckt doch ein Teil eures Geistes darin. Und ihr habt doch sogar einen ganz besonders ausufernden Geist.“
Als der Salamander nach diesem kleinen Seitenhieb eine Pause machte ergriff Thyrianos das Wort.

„Und dieser Teil von mir verlangt Respekt, ich würde die Klinge nicht verehren und dies auch von niemanden sonst erwarten aber ein Mindestmaß an Respekt wäre mir doch ein anliegen.“ Während er sprach stürmten die Erkenntnisse nur so auf ihn ein.
„Je größer das Werk desto mehr vom Schöpfer steckt darin. Wir sind alle Kinder des Imperators wir sind seine unzähligen Facetten und sein Imperium der Menschheit. Wenn wir als seine Söhne und Töchter alles wir sind in eine Schöpfung einbringen steckt ein Teil von ihm selbst darin und dies ist der Punkt an dem Huldigung zur Pflicht werden kann.“ Während dieser Worte breitete sich ein Lächeln auf dem Gesicht des Salamanders aus und stimmte Thyrianos Nickend zu.

„Ich nehme zufrieden zur Kenntnis, dass ihr meiner Lektion folgen konntet Bruder. Die von euch geschilderte Einsicht belegt meiner Meinung auch, dass unser Imperator und der Omnissiah ein und dieselbe Person sind.“ Der zweite Satz ließ Thyrianos‘ Gesichtszüge entgleiten ob dieses neuen, höchst kontroversen Themas und entgegnete schließlich.

„Über die Frage, warum wir einen Omnissiah brauchen wenn wir den Imperator haben sollten wir auf jeden Fall noch sprechen. An dieser Stelle möchte ich euch zunächst für eure Weisheit und Geduld danken. Nehmt dieses Messer von mir, Bruder, damit ihr euch immer daran erinnern könnt das es euch gelungen ist einen Skriptor der Dark Angels etwas zu lehren was er zuvor nicht begreifen konnte.“
Gleichzeitig reichte er Duron Pentos die neu gebaute Waffe. Dieser schien äußerst überrascht, nahm die Klinge aber dankend an.

„Auf meiner Heimatwelt Nocturne machen wir unser erstes Werk nur in sehr wenigen Ausnahmen zum Geschenk. Diese großzügige Gabe werde ich nicht vergessen und ich hoffe ich kann sie euch eines Tages vergelten.“

„Ich freue mich schon darauf, fast so sehr wie auf unsere nächste Diskussion.“ entgegnete Thyrianos freundlich. „Für den Anfang wäre ich damit zufrieden wenn Ihr das hier diskret behandeln könntet.“ Fügte er feixend hinzu.
„Ich werde sehen was ich tun kann, aber ein Kampfmesser mit Löwenkopf bei einem Salamander wird zweifellos fragen aufwerfen.“ antwortete Duron und Thyrianos fühlte sich geehrt dass sein Bruder das Messer nicht nur angenommen hatte, sondern es auch tatsächlich im Kampf führen wollte.

„In wenigen Stunden wird die nächste Trainingseinheit anstehen, daher sollte ich mich auf den Weg machen. Jetzt weiß ich ja wo ich euch finden kann. Der Imperator beschützt.“ verabschiedete sich Thyrianos schließlich und der Salamander entgegnete: „Und er belohnt die Tapfersten. Schlagt euch wacker Bruder.“
 
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Duniash

Testspieler
Salve, die Charaktere werden größer ^^

Mir fehlt etwas liebe zum Detail obwohl du teilweise darauf eingehst und wie ichfinde sehr gute ideen hast die viel Potenzial beherbergen. Der tank mit dem reaktorkühlwasser oder das "Abwasserrohr" sind tolle Ideen. Allgemein das ganze drumherum, was sehen, hören und riechen sie. Du bringst es gut hinüber und dann fehlt es wieder komplett.

Wie gesagt das ist meine Ansicht die ich mit dir teilen möchte. Doch bin ich gerade nach "DREI" ein fan deiner kleinen schar und freue mich auf mehr

Mfg

Duniash
 

Genaro1998

Erwählter
wieder einmal sehr schön es macht Lust auf viel mehr, doch bitte ich dich, immer nur ein Kapitel sagen wir in der Woche zu Veröffentlichen, da so die Spannung so wesentlich mehr aufrecht gehalten wird. Du kannst dich meiner Meinung NOCH nicht ganz mit anderen Schreibern wie z.B. Nakago messen. Wie gesagt noch nicht, was nicht ist kann noch werden. Das du deine Charaktere langsam aufbaust finde ich sehr schön. Viel Glück auf deinem weiteren Weg! Genaro1998
 
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Thyrant

Codexleser
Vielen Dank für die freundlichen Worte. Entsprechend Gernaro1998s Hinweis werde ich mehr Zeit zwischen den Veröffentlichungen vergehen lassen, Feiertarge sind ja auch rum ;-p Als Appetithäppchen kann ich euch aber mitteilen das ich zur zeit an Kapitel Sechs schreibe.
 

Genaro1998

Erwählter
finde ich sehr sehr gut, dass du schon so weit bist! Und so ein Kapitel pro Woch fände ich super! Am besten so, dass du dich nicht mit Nakago überschneidest! MfG Genaro1998
 

otis

Grundboxvertreter
Ließt sich bisher sehr gut, besonders die Duelle sind sehr gut beschrieben und man kann sich den Kampf recht gut vorstellen. Was ich ein wenig merkwürdig finde sind die Anspielungen auf Skeersgard's Scout Vergangenheit, deine bisherige Beschreibung lässt vermuten das er als Aspirant den Dienst eines Scouts verrichtet hätte, was aber bei den Wölfen, eine Aufgabe von Veteranen darstellt. Aber sei es drum ich bin auf mehr gespannt!

Ach und und noch einen Tip, lass es schnell übersetzen oder mach es selber, die BL sucht zur Zeit frische Autoren! Ein Versuch wäre es wert!
 
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Thyrant

Codexleser
Alle paar Jubeljahre suht BL Autoren. In diesem fall für Deathwatch kurzgeschichten. Dann kann man ensprechend der Ausschreibung ein Script/Auszug einreichen und wenn man glück hat melden sich dann weils sie es gut fanden. Die Zeifenster hierzu sind halt selten und kurz...

Ich habe da was eingereicht was ich noch nicht veröffentlicht hab.
 
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