Ich denke mal, das man ohne Probleme feststellen kann, das es sowas wie perfektes Balancing nicht gibt und (meine Behauptung) auch nie geben wird. Selbst im Schach, in dem beide Parteien die absolut gleiche Anzahl Figuren mit den gleichen Fähigkeiten führen und es keine weiteren Komplexitätsverschärfungen durch Gelände, Würfelstatistik oder ähnliches gibt, hat die Partei mit dem Anzugvorteil (weiß) eine höhere Gewinnrate (
https://en.wikipedia.org/wiki/First-move_advantage_in_chess). Aus dem Grund spielt man dort ja auch mehrere Partien mit vertauschten Rollen. Wenn das Balancing allerdings schon in einem derart einfachen System nicht 100%ig möglich ist, dann sollte man das von Tabletops nicht erwarten.
Auf der anderen Seite sollten sich natürlich alle Armeen (und das im Idealfall noch mit verschiedenen Armeekonzepten pro Codex) etwa auf einem Level bewegen, so das eben der Gegner nicht automatisch einzupacken braucht, wenn er gegen eine andere Armee spielt. Wie groß dieser Korridor zwischen "effektiv" und "ineffektiv" jetzt sein darf, dabei unterscheiden sich dann eben Fluffspieler und Turnierspieler.
Der Klischee-Turnierspieler wird eben absolut nur die allereffektivsten Einheiten und Kombinationen aufstellen. Der Klischee-Fluffspieler wird eben auch den zweiten Tau-Commander nicht aufstellen, bevor er nicht das gesamte Kommando abgebildet hat. Beide dieser Extreme dürfte es geben, allerdings dürften die meisten Spieler irgendwo zwischen diesen beiden Extremen anzusiedeln sein.
Im Ende trägt GW mit der 8ten Edition dem ganzen ja auch durchaus Rechnung, schließlich bieten sie zwei verschiedene Spielmodi an (narrative und matched). Das Problem an der Sache aus meiner Sicht ist, das der narrative Modus so dermaßen vereinfacht ist, das er den normalen Spieler schon wieder abschreckt. Das Problem am narrative Modus ist, das, wenn ich ein einigermaßen spannendes Spiel haben möchte, im Endeffekt schon vorher sehr genau überlegen muss wie ich meine Armee baue, damit ich den Gegner nicht komplett auseinandernehme/von ihm auseinandergenommen werde. Damit wird eben die Idee der Powerlevel, nämlich das ich einfach mal so schnell zusammenrechne und losspiele, stark untergraben. Somit weichen eben (gezwungenermaßen) auch wieder die Nicht-Turnierspieler auf das Punktesystem aus.
Ich denke mal kann die Anforderungen so zusammenfassen:
1) Es soll weiterhin Armeen mit unterschiedlichen Schwerpunkten geben, d.h. das Prinzip "Warcraft 2" fällt aus.
2) Man hat im Gegensatz zu z.B. League of Legends oder Starcraft nicht auf alle Parameter Zugriff (Gelände, Verfügbarkeit aller Armeen), was das Balancing erschwert. Ebenso kann man nicht kurzfristig Updates raushauen, weil ansonsten die Spieler rebellieren.
3) Es soll sowohl für Casual gamer als auch für Turnierspieler eine Plattform geboten werden.
Die Frage ist jetzt, wie man das Problem lößt. Ich würde folgende Punkte für sinnvoll erachten:
1) Den narrative Modus soweit ausbauen, das man damit tatsächlich einfach Punkte berechnen kann und ein mehr oder weniger gebalancest Spiel hat. Solange hier mehr Vorbereitung als in ein matched play Spiel reinfließen muss ist der als Alternativmodus für BnB Spiele nutzlos.
2) Für die Turniere könnte man, sofern man das denn wollte, ein rein digitales Produkt anbieten, das man dann auch öfter upgraden kann (im Gegensatz zu den gedruckten Büchern). Für einen (mehrheitlichen) Turnierspieler sollten andauernde Balancingupdates ein deutlich geringeres Problem sein als wenn der Casual Spieler erstmal 5 Bücher durchforsten muss um die aktuellen Punktekosten für die Einheit zu finden. Sind wir mal ehrlich: Ob der Sturmbolter jetzt nen Punkt mehr oder weniger kostet ist für den Casual Gamer ziemlich egal. Da steht der Aufwand der Veränderung in keinem Verhältnis zur Wirkung der Änderung. Auf Turnierebene hingegen dürfte das anders sein.
Ich weiß, sind fromme vieles Wünsche. Aber ich wüsste nicht wie man es anders lösen sollte.
@Naysmith:
Doch, auch da gibt es Beispiele für. Jeder Charakter, der von Haus aus Retter und fnp hat (z.B. Death Guard Dämonenprinz) und als Warlord Trait den 6er fnp aus dem Regelbuch nimmt hat die Kombi. Mit dem Index konnte man bei Tau glaube 3 oder 4 fnps auf nen etherial bekommen, keine Ahnung ob das mit dem Codex noch geht. Also ja, die Möglichkeiten dazu gibt es theoretisch. Bis jetzt sind mir allerdings keine wirklich heftigen Kombos bekannt.