So… Ich möchte die Diskussion wieder aufnehmen, deren Bedeutung Senex zu recht gewürdigt hat, und bei dieser Gelegenheit einige Gedanken vorstellen, die ich mir derzeit mache. Anlass für diese Reflexionen war die Frage, was ich auf der Platte noch für atmosphärische „Kleinigkeiten“ unterbringen könnte, die Bezug zum Alltagsleben in Norsca haben. Als Themenbereiche kamen mir dabei die Nahrungswirtschaft, Handwerk und Religion in den Sinn. Eigentlich hatte ich dazu nur einige Notizen für mich selbst gemacht, möchte das nun aber doch posten, und zwar für den Fall, dass jemand Korrekturen, Ergänzungen oder Kommentare abgeben möchte. Aaaalso…
Nahrungswirtschaft
Wovon man in Norsca eigentlich lebt, hat GW nicht ausdrücklich thematisiert; es gab lediglich einmal den Hinweis, dass in Norsca kein Getreide gedeiht. Offenbar ist das Land noch um einiges rauer als das Skandinavien der Wikingerzeit, denn dort war Getreideanbau kein Problem, und tatsächlich waren ja viele Wikinger im „Privatleben“ Bauern. Wenn wir mal glauben wollen, dass in Norsca weder Weizen noch Gerste gedeiht, haben wir ein Problem, denn größere sesshafte Gemeinschaften kommen eigentlich nur klar, wenn es in großen Massen kultivierbare und lagerbare Nutzpflanzen gibt. Ich gehe mal davon aus, dass man in Norsca zumindest Gemüse anbaut und allgemein Gartenbau betreibt, was dann vielleicht 20% der Ernährung ausmacht. Woher aber kommt der Löwenanteil?
Wahrscheinlich aus dem Meer. Die Krallensee (Sea of claws) hat einen erstaunlich ausführlichen Artikel im Lexicanum und ist offenbar ihrem realweltlichen Vorbild, der Nordsee, äußerst ähnlich. Es wird nämlich explizit erwähnt, dass man dort Hering, Heilbutt und Kabeljau findet. Vermutlich handelt es sich wie bei der Nordsee um ein flaches Schelfmeer, das wegen der geringen Wassertiefe bestens für Grund- und Schleppnetzfischerei geeignet ist. Ich nehme deshalb an, dass die Norse einfach Unmengen Fisch fangen und damit ihren Grundnahrungsbedarf decken, was voraussetzt, dass sie auch über Methoden der Haltbarmachung (Räuchern, Pökeln) für große Vorratsmengen verfügen. Außerdem scheinen sie Wale zu jagen, denn als eines der wenigen aus Norsca exportierten Handelsgüter wird Waltran angegeben (neben Pelzen, Bernstein und Kiefernholz). Sicher werden auch Garnelen, Hummer und andere Krebstiere als Nahrung genutzt.
Weiterhin ist davon auszugehen, dass in großem Umfang Viehzucht betrieben wird. Das Klima mag streng sein, aber einige zähe nordische Rinderrassen dürfte es schon geben, und genügsame Weidetiere wie Schafe und Ziegen kommen auch in eher dürr begrasten Landschaften zurecht. Auch ein anspruchsloser Allesfresser wie das Schwein wird sicher gehalten, und zusätzlich gibt es vielleicht noch Federvieh.
Großwildjagd an Land dürfte demgegenüber nur einen sehr kleinen Anteil der Subsistenz ausmachen, denn für größere Gemeinschaften wäre das einfach keine solide Grundlage. Vermutlich werden wilde Verwandte der Nutztiere gejagt, etwa Wildschweine, Auerochsen und – natürlich – das norscanische Mammut.
Mögliche Geländeideen, die sich daraus ergeben:
Gärten, Gemüsepflanzungen, Fischerboote und -netze, vielleicht Ständer mit zum Trocknen aufgehängten Fischen, Weidefläche mit Tieren.
Handwerk
Im Lexicanum heißt es: „Die Norse werden als Menschen ohne Talent, außer der Schmiedekunst und dem Gebrauch ihrer Waffen beschrieben.“
Ähm, naja… wer sie wohl so beschreibt? ?Das imperiale Vorurteil vermutlich. Stimmen kann das auf keinen Fall. Wenn die Drachenboote der Norse auch nur halbwegs an die Qualität der Wikingerschiffe heranreichen, braucht es zu ihrer Herstellung schon höchst talentierte und erfahrene Spezialisten. Nachdem ich mich endgültig vom Klischee Norse=Chaosbarbaren=Quasi-Neandertaler verabschiedet habe (danke Raben-Floki😉), traue ich ihnen doch ein wenig mehr Kultur zu und glaube auch, dass ein solches Volk gerade wegen seiner rauen Umwelt nicht bestehen könnte, wenn es nicht eine Menge fähige Köpfe und Hände hätte. Eigentlich müsste es bei den Norse mindestens die folgenden Berufe geben: Grob-, Werkzeug- und Waffenschmied, Bootsbauer, Pechsieder, Holzschnitzer, Zimmermann/Bauhandwerker, Bötticher, Seiler, Kürschner, Gerber, Färber, Tuch- und Segelmacher. Hinzu kommen spezialisierte Nahrungsberufe wie Fischer und Hirten, vielleicht sogar Imker – denn wenn es keine Bienenzucht gäbe, woher dann der Met?
Mögliche Geländeideen:
Schmiede (bereits in Arbeit), vielleicht Werkstatt eines Bootsbauers, Gerber-Utensilien wie aufgespanntes Leder oder trocknende Felle.
Religion
Laut Lexicanum haben die Norse zahlreiche Lokalgottheiten, wobei zu vermuten ist, dass einige dieser Gestalten Erscheinungsformen der Chaosgötter sind oder als dämonische Wesenheiten zu deren Gefolge gehören. Religiöse Vorstellungen sind aber scheinbar sehr vielfältig und synkretistisch (gemischt). Genannt wird ausdrücklich eine – mir bis dahin unbekannte - Gottheit speziell der Skaelinger namens Mermedus.
Mermedus ist eine Art Personifikation der Krallensee und wird als lovecrafteske, aufgedunsene Kreatur mit unzähligen Augen und Tentakeln beschrieben, die am Grund des Meeres umherwatschelt und dadurch an der Oberfläche hohen Wellengang oder Sturmfluten verursacht. Die monströse Gottheit zieht Schiffe und Seeleute in die Tiefe und hat allgemein einen launischen und unerfreulichen Charakter, weshalb die Norse Tiere oder auch Menschen als Opfer ertränken, bevor sie sich zu längeren Seereisen aufmachen. Es gibt sogar primitive Altäre für Mermedus, auf denen Walfisch-Augen aufgehäuft werden. Imperiale Gelehrte halten Mermedus – sofern sie überhaupt an die Existenz dieses Wesens glauben - für einen Chaosdämon, der auf groteske Weise den Meeresgott Manaan parodiert.
Ulric. Ich musste staunen, aber – ja, in Norsca verehrt man auch den imperialen Gott der Wölfe und des Winters. Das wird dadurch erklärt, dass zumindest einige Stämme der Norse Nachfahren von Menschen sind, die einst zu Sigmars Zeit aus dem Gebiet des späteren Imperiums vertrieben wurden, sich im Norden ansiedelten und den Ulrics-Kult mitnahmen. Die Hauptstadt der Skaelinger, Olricstaad, trägt ihn mutmaßlich sogar im Namen.
Kriegsgötter. Bei einem so kriegerischen Volk wie den Norse gibt es wahrscheinlich diverse Kriegsgötter, und man kann streiten, ob sie alle bloß Masken oder Erscheinungsformen des Khorne sind. Es ist möglich, dass Khorne auch direkt und unter seinem „Klarnamen“ verehrt wird, dass die Norse dabei aber vielleicht gar nicht an das Chaos denken, weil Kampf und Krieg einfach so natürlich zu ihrem Leben gehören, dass sie nichts Bedrohliches mit dieser Gottheit verbinden.
Odeentch??
Seit neuestem treibt mich noch eine Idee um, die mit der Gestalt des Raben zu tun hat. Raben-Floki (der seinen Namen ja nicht zufällig gewählt hat) wollte in seinem Armeeaufbau ja ausdrücklich einen „Stamm des Raben“ darstellen, und daraus darf man wohl schließ0en, dass der Rabe für diese Menschen Symbol einer Gottheit, Totemtier oder etwas ähnliches ist. Den Raben hat Floki sicherlich gewählt, weil er einen Bezug zur nordischen Mythologie hat, denn Odin wird ja von zwei Raben begleitet. Tatsächlich habe ich im Norse-Hintergrund bereits eine Odinsgestalt vermisst. Aber ich versuche gerade, diese Lücke auf sehr spekulative und (zugegeben) auch etwas eigenwillige Weise zu schließen.
Und zwar ist Odin ja eigentlich nicht primär ein Krieger-Gott, sondern ein Wissender und Zauberer, der sich in verschiedene Gestalten verwandeln und sogar unsichtbar machen kann, der getarnt mit Hut und Mantel durch die Welt zieht, alles beobachtet und oft unmerklich eingreift, z.B. indem er Visionen sendet. Er ist potenziell allwissend, da seine beiden Raben ständig in der Welt umherfliegen und ihm Nachrichten zutragen, und sein größtes Bestreben ist Wissen bzw. Weisheit; sogar eines seiner Augen opferte er, um die Gabe der Voraussicht zu erlangen. Worauf ich hinaus will: Odin hat damit viele Eigenschaften, die man beim Chaosgott Tzeentch wiederfindet, dem Meister der Magie, der Blendwerke und des geheimen Wissens, dessen Dämonen nicht zufällig „Hüter der Geheimnisse“ heißen und ausgerechnet Vogelgestalt besitzen. Das Symbol des Tzeentch ist zudem ein einzelnes (allsehendes) Auge und lässt sich leicht in Beziehung zum einäugigen Odin setzen. Ich stelle daher die Theorie auf, dass der Rabe das Symbol einer Norse-Gottheit ist, die Ähnlichkeit mit Odin hat, und hinter der sich möglicherweise Tzeentch verbirgt – eine Art „Odeentch“ also.
Mögliche Geländeideen: Steinerner Altar mit Opfer? Pfahlgötzen mit geschnitzten Göttergesichtern? Raben-Statue aus Holz oder ähnliches Totem? Ich denke noch darüber nach.