Kapitel 1 – Unter dem Eis
Aus den ersten Mustern der Schwarmflotte Hrimfaxi auf Ferrus Magna
Ferrus Magna war warm.
Zu warm.
Die Makropole pulsierte unter den drei Sonnen, voller Bewegung, Hitze und Lärm. Genau dort setzte
Hrimfaxi nicht an. Der Schwarm wählte die kalten Zonen: die unteren Ebenen, die Schatten der Industrie, jene Bereiche, in denen Stahl brüchig wurde und Wärme nur noch Erinnerung war.
Dort begannen die Bewegungen.
Leaper tauchten an den Rändern der Struktur auf, wo Türme abbrachen und Verkehrsadern ins Leere führten. Sie sprangen nicht hastig, sondern berechnend. Jeder Satz prüfte Höhe, Material, Rückzugswinkel. Ferrus Magna wurde vermessen wie eine gefrorene Fläche – Schritt für Schritt.
Tiefe unter ihnen glitt
der Todeshetzer von Hrimfaxi durch Dunkelheit und Kälte. Ein einzelnes Wesen, entsandt nicht zum Töten, sondern zum
Lesen. Er folgte Brüchen im Gestein, alten Wartungstunneln und vergessenen Schächten. Seine Sinne erfassten Vibrationen, Reaktionszeiten, die Art, wie die Stadt auf Berührung antwortete.
Liktoren bewegten sich entlang seiner Spur. Sie blieben nahe an Knotenpunkten: Engstellen, Energieflüsse, Übergänge zwischen Ebenen. Sie griffen nicht an. Sie warteten. Wo sie verweilten, senkte sich Stille – ein Vorgeschmack auf das, was kommen würde.
Weiter außen brachen Reveners aus dem Untergrund hervor, nur kurz, nur prüfend. Ihre Tunnel fraßen sich nicht tief, sondern
quer durch tragende Strukturen. Hrimfaxi suchte keine Tiefe – der Schwarm suchte
Schwächen, Linien, an denen eine Welt brechen konnte, wenn der Frost kam.
Kein Alarm wurde ausgelöst.
Kein Angriff geführt.
Doch Ferrus Magna hatte sich verändert.
Kälte hatte ihre Ränder berührt.
Hrimfaxi hatte keinen Anspruch erhoben.
Aber der Schwarm hatte entschieden,
wo das Eis zuerst ansetzt.