Ich stehe dem Christentum zwar sehr skeptisch gegenüber und bin selbst nicht religiös, aber meiner Meinung nach ist genau diese Sorte von polarisierender Argumentationsstruktur nicht für einen Dialog mit religiösen Menschen geeignet. Zumindest habe ich im Alltag nicht das Gefühl, von lauter Christen mit permanenten Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen umgeben zu sein. Sicher: Wie alle Religionen hat auch das Christentum seine extremen Ausprägungen, aber die von dir geschilderte Sicht ist die drastischst mögliche Interpretation und keineswegs allgemeingültig.
Etwas, das ich an vielen Atheisten nie verstanden habe ist, warum man die Religion so mit Gedeih und Verderb verachten muss, nur weil man selbst keinem Glauben anhängt. Von mir aus kann jeder Christ mit seinem Glauben glücklich werden, so lange er mich nicht damit belästigt und nicht versucht, mir seine Ansicht aufzuzwingen. Gerade unter den älteren Mitgliedern meiner Verwandschaft habe ich Personen, die große Kraft aus ihrem Glauben schöpfen und offensichtlich nicht das Gefühl haben, von Geburt an verdammt zu sein. Warum sollte ich ihnen das absprechen wollen? Ein bißchen Toleranz und Verständnis untereinander könnte man da schon zeigen.![]()
Die christliche Gruppe, der ich vor langer Zeit angehört habe, hing dieser Überzeugung an. Neben vielen anderen Gründen am Ende einer der Gründe aus dem ich vom christlich geprägten Wissenschaftler zum agnostisch geprägten Wissenschaftler wurde. Übrigens bin ich nach wie vor kein Atheist
Ich wollte darauf hinaus, naturwissenschaftliche Argumentation da raus zu halten, wo sie nichts verloren hat. In ethisch moralischen Diskussionen. Denn die Rahmenbedingungen für ein friedliches Zussammenleben leiten sich eben nicht von den natürlichen Gegebenheiten ab, sondern von der Vernunft. Die Naturwissenschaften versuchen die Welt so zu beschreiben, wie sie ist. Aber eben nicht, wie sie sein soll. Sie können jier gar keinen sinnvollen Beitrag leisten. Das soll nicht heißen, dass ein Naturwissenschaftler sich nicht zu gesellschaftlichen Fragen äußern kann. Er kann es nur in seiner Eigenschaft als Naturwissenschaftler nicht, da seine Wissenschaft überhaupt keine Instrumente dafür bereit hält, ethisch/ moralische Fragen zu erörtern.
Die Frage stellt sich garnicht ob wir Triebe ausschalten können oder nicht. Die relevante Frage ist, welchen Einfluss wir ihne auf unser Handeln einräumen wollen. Weiter ist relevant, welche Bedeutung die AT formulierten Gebote und Verbote für uns heute haben. Also eine kritische Reflexion oder Auslegung, wie der Theologe sagen würde.
Wenn du Soziologie zur Naturwissenschaft (ein eher schwammiger Begriff, mMn.) rechnest, dann eben doch! Dazu kommt, dass ich von meinem Schwerpunkt her die Naturwissenschaften als die Wissenschaften ansehe die uns erklären können (und dies teilweise bereits tun) warum wir Entscheidungen treffen und die Struktur unseres Denkens offenlegen. Ich finde es gewagt zu behaupten, dass sich diese Gruppe der Wissenschaften aus moralischen Diskussionen heraushalten sollte!
@Stammzellendiskusion: Euch ist bewusst, dass die Stammzellen, die zur Forschung verwendet werden reine Abfallprodukte der künstlichen Befruchtung sind? Diese Zellen werden aus Embryonen gewonnen, die so oder so sterben! Man kann damit etwas, zumindest in meinen Augen gutes tut, wie beispielsweise am therapeutischen Klonen forschen oder dies eben unterlassen und sie als überzählige Reste einer künstlichen Befruchtung regulär entsorgen. Die Argumentation das die besagten Embryonen "die Würde eines Menschen genießen" und damit Rechte haben, lässt aus, dass das einzige Recht besagter Embryonen das Recht zu sterben ist.