Eine Selbsterfahrung: Kreationismus und Verschwörung

Gott ist nicht widerlegt, aber einfach überflüssig.
Würde das stimmen, dann wäre der Glauben an einen Gott (oder Götter) schon lange in der Menschheit verblasst oder gar verschwunden. Alleine der Machterhalt der religiösen Organisationen würde nicht ausreichen um einen Gottesglauben dauerhaft aufrecht zu erhalten. Aber da dem nicht so ist, muss man wohl anerkennen, dass sehr viele Menschen ein Bedürfnis nach einem Götterglauben haben. Der Gottglaube/die Religion erfüllt einen Zweck. Wir müssten schon zu einer perfekten Superspezies mutieren, damit dieses Bedürfnis komplett vergeht, aber aktuell sind die Menschen eben nicht perfekt und haben deshalb auch ein Bedürfnis nach spirituellem Halt und nach Erklärungen des bisher nicht erklärbaren. Dort wo die Religion verblasst, sieht man doch, dass es dafür dann diverse Ersatzreligionen gibt, der eine vertieft sich in weltliche Verschwörungstheorien (es ist also nicht der IDler gemeint), der andere beschäftigt sich mit Esoterik usw.
 
Es geht nicht um die Existenz Gottes, sondern um seine Relevanz: für was brauche ich einen Gott der teilnahmslos hinter der Realität versteckt rumsitzt.

Genau auf dieses Dilemma wollte ich weiter oben schon hinaus: Entweder Gott ist allmächtig, dann hat er alles vorhergesehen und so geschaffen, dass die Dinge im Rahmen eines göttlichen Plans ihren Lauf nehmen. In diesem Fall hat der Gott sich halt quasi selbst überflüssig gemacht, er hat ja nichts mehr zu tun.

Oder wir sprechen von einem Gott, der immer wieder lenkend in die Geschicke des Universums eingreift - kann man gerne so sehen, nur allmächtig ist er dann nicht mehr.

Egal wie man es dreht und wendet ist diese Frage aber nicht geeignet, um in der Diskussion mit einem Kreationisten an higher ground zu gewinnen. Der bastelt sich das halt so zurecht, wie es für ihn passt und fertig.

Edit:

Würde das stimmen, dann wäre der Glauben an einen Gott (oder Götter) schon lange in der Menschheit verblasst oder gar verschwunden.

Sehe ich auch so.
 
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Es geht nicht um die Existenz Gottes, sondern um seine Relevanz: für was brauche ich einen Gott der teilnahmslos hinter der Realität versteckt rumsitzt. Gott ist nicht widerlegt, aber einfach überflüssig.

Für naturwissenschaftliche Zusammenhänge mag das stimmen. Es ist egal, ob der Urknall von Gott initiiert worden ist oder aus sich selbst heraus. Aber wenn man mal einen Zweck von Gott formulieren will, dann liegt der auch nicht in der Erklärung der Weltentstehung, sondern auf ethisch/ moralischem Gebiet. Dort kann der Gläubige, wenn er denn an einen strafenden Gott glaubt, nicht auf seine Existenz verzichten, da Gott der Garant für dessen Weltordnung ist. Denn er verleiht den Geboten kraft seiner Existenz und Macht Gesetzescharakter. Nehmen wir die zehn Gebote. Auf deren Intention kann man sich auch aus Vernunftgründen einigen. Aber bindend sind sie dadurch nicht. In den Augen eines Gläubigen sind sie aber bindend, da Gott es so befohlen hat. Auf diesem Gebiet kann man die Relevanz Gottes also nicht völlig leugnen. Deshalb begreife ich auch nicht, warum Kreationisten sich nicht darauf beschränken, das Gottesprinzip da zu verteidigen, wo es eine Relevanz hat und es stattdessen dort ins Spiel bringen, wo es keinen Mehrwert an Erkenntnis liefert.
 
Es geht nicht um die Existenz Gottes, sondern um seine Relevanz: für was brauche ich einen Gott der teilnahmslos hinter der Realität versteckt rumsitzt. Gott ist nicht widerlegt, aber einfach überflüssig.

Jetzt musste ich gerade lachen! Ersetzte mal, Spaßes halber, "Gott" durch "Table-Top-Spiele" ...
Nur weil mir irgendetwas nicht als sinnvoll/nützlich erscheint, müssen andere das noch lange nicht so sehen.

Für naturwissenschaftliche Zusammenhänge mag das stimmen. Es ist egal, ob der Urknall von Gott initiiert worden ist oder aus sich selbst heraus. Aber wenn man mal einen Zweck von Gott formulieren will, dann liegt der auch nicht in der Erklärung der Weltentstehung, sondern auf ethisch/ moralischem Gebiet. Dort kann der Gläubige, wenn er denn an einen strafenden Gott glaubt, nicht auf seine Existenz verzichten, da Gott der Garant für dessen Weltordnung ist. Denn er verleiht den Geboten kraft seiner Existenz und Macht Gesetzescharakter. Nehmen wir die zehn Gebote. Auf deren Intention kann man sich auch aus Vernunftgründen einigen. Aber bindend sind sie dadurch nicht. In den Augen eines Gläubigen sind sie aber bindend, da Gott es so befohlen hat. Auf diesem Gebiet kann man die Relevanz Gottes also nicht völlig leugnen. Deshalb begreife ich auch nicht, warum Kreationisten sich nicht darauf beschränken, das Gottesprinzip da zu verteidigen, wo es eine Relevanz hat und es stattdessen dort ins Spiel bringen, wo es keinen Mehrwert an Erkenntnis liefert.

Und auch hier sei mir ein Einwurf gestattet: Etwa die Hälfte der 10 Gebote machen entweder nur bedingt Sinn, oder widersprechen sogar den Ergebnissen neuerer Forschungen über das Funktionieren des Menschen. Wenn in den 10 Geboten davon gesprochen wird, dass man "nicht die Frau seines Nächsten begehren" soll, geht die Bibel von einem Umstand aus, der nicht tatsächlich vorhanden ist: Wir begehren aufgrund von neuronalen Reaktionen und weil es Pheromone gibt - mit bewusster Steuerung durch uns hat das nicht viel zu tun.
In den 10 Geboten werden nebenbei Frauen auch als Gegenstände angesehen (Im 10. Gebot, wo sie mit Vieh und anderen Gegenständen in einem Atemzug genannt werden!).
Die Einhaltung des Sabbats ist auch nicht unbedingt schlüssig nachzuvollziehen, wenn man nicht einer der Buchreligionen angehört.
Nicht zu töten mag eine gute Idee sein, aber in Grenzfällen kann das Töten eines anderen, beispielsweise um Schlimmeres zu verhindern, gerechtfertigt sein - nach der Bibel ist es das hier nicht (aber auch die Bibel kennt da Ausnahmen!).
Na, und das erste Gebot macht ohnehin nur Sinn, wenn man an diesen Gott glaubt.
Die Sache mit dem "Ehren" von Vater und Mutter: Wieder: Es sollte so sein, aber es gibt halt auch 'ne Menge Leute, die von eigenen Eltern übelst behandelt oder gar missbraucht worden sind.

Letztlich alles mal wieder eine Frage der Perspektive.
 
Wir begehren aufgrund von neuronalen Reaktionen und weil es Pheromone gibt - mit bewusster Steuerung durch uns hat das nicht viel zu tun.

Das heißt aber noch lange nicht, dass es vernünftig oder richtig ist, diesem Begehren nachzugeben. Letztlich lassen sich die zehn Gebote darauf reduzieren, dass man alles vermeiden sollte, was Streit verursacht. Also Stehlen, Morden, den Besitz und das Weib des Nächsten begehren, Verleumden. Die restlichen Gebote dienen der Stärkung derjenigen Autoritäten, die den Bestand der Gesellschaft garantieren. Also Gott und die Familie. Sie sind in den gesellschaftlichen Gegebenheiten der damaligen Gesellschaft verankert. Die Hauptgebote sind aber zeitlos.
 
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Jetzt musste ich gerade lachen! Ersetzte mal, Spaßes halber, "Gott" durch "Table-Top-Spiele" ...
Nur weil mir irgendetwas nicht als sinnvoll/nützlich erscheint, müssen andere das noch lange nicht so sehen.

Überflüssig nicht im Sinne einer persönlichen Bedeutung sondern in einem welterklärenden Kontext: man benötigt Gott an keiner Stelle jenseits des Urknalls um irgend etwas logisch schlüssig zu erklären. Gott ist ein vollkommen sinnloser Parameter. Probieren wirs mal mit nem Bild.

Du kommst nach Hause, deine Couch ist total aufgeschlitzt und deine junge Katze sitzt mit Unschuldsblick davor.
Option a) die Katze hat im Spieltrieb die Couch demoliert.
Option b) winzige Aliens haben in Miniufos dein Wohnimmer betreten und angefangen die Couch zu zerstören, das nicht noch mehr passiert ist, ist nur dem Umstand zu verdanken das deine Kate sie heldenhaft vertrieben hat.

Natürlich kann ich nicht beweisen das b) nicht passiert ist, wie auch. Aber es ist unvernünftig von Option b) auszugehen, wenn der Sachverhalt durch a) hinreichend erklärt wird.

Zumal sollte man sich von der Illusion trennen den "Gläubigen" geht es um rein spirituelle Fragen: da gehts immer um ganz banale Macht.
Der Punkt ist nämlich der, das sich der Einfluss einer Religion daran bemisst wieviel praktische Relevanz eine Gottheit hat. Wenn ich nämlich bei der Missachtung göttlicher Gebote tatsächliche Strafen zu befürchten habe ist die stellung der jeweiligen Priester eine ganz andere als wenn Gott irgendwo außerhalb der schöpfung hockt und unbeteiligt zuguckt und eh nicht beinflussbar ist....

Aber da dem nicht so ist, muss man wohl anerkennen, dass sehr viele Menschen ein Bedürfnis nach einem Götterglauben haben. Der Gottglaube/die Religion erfüllt einen Zweck.
Stelle ich nicht in Abrede. Nur sind der glaube an eine hypothetisch Gestalt und die Existenz eben dieser doch zwei paar Schuhe
 
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Hallo zusammen,
zur Disskusion um Gott und Religion fallen mir ein paar Anregungen ein;

Überflüssig nicht im Sinne einer persönlichen Bedeutung sondern in einem welterklärenden Kontext: man benötigt Gott an keiner Stelle jenseits des Urknalls um irgend etwas logisch schlüssig zu erklären. Gott ist ein vollkommen sinnloser Parameter.
Man müsste an dieser Stelle eingentlich disskutieren, inwiefern ein "welterklärender Kontext" wirklich notwendiger Bestandteil der Religion ist, da auch Vorstellungen existieren die sogar von einem weltlichen Eingreifen ganz absehen.

Ansonnsten kann man auf eine gesellschaftliche Notwedigkeit eigehen:
Existiert keine sonnstige Autorität, die Gesetze und einen Ramen für die Gesellschaft sichern kann, muss göttliche Macht herangezogen werden. Ersteres gilt sicher für den Großteil der Menschheitsgeschichte, eine gemeinsame Religion erlaubt einer Gesellschaft eben auch sich zu gemeinsamen Geboten und Werten zu bekennen, die die Grundlage des Zusammenlebens schaffen.
Eine andere Grundlage zu schaffen benötigt da bereits viel umfassendere Prämissen an das Gesellschaftssystem (z.B. eine Staatsmacht die dem einzelnen Schutz gegenüber Unrecht durch entsprechende Organe gewähren kann)
Das wäre auch ein Anstoss zur Frage warum so viele Religionen sich gegenüber Andersgläubigen abgrenzen: Wer sich nicht zu den eigenen Geboten (die einem selbst ja Sicherheit gewähren) bekennt, dem ist nicht zu trauen.
Daher auch das erste der 10 Gebote des Judentum/Christentum: Gott ist zu diesem Zeitpunkt NUR der Gott des "Volkes Israel", an ihn zu Glauben ist identlisch mit einem Bekenntnis zu jenem Volk, wer anderen Götters huldigt verlässt die Gesellschaft und wird abtrünnig.
Aber wer sich zum Volk Israel und Gott bekennen will muss gleichzeitig die anderen Gebote akeztieren (nicht morden, stehlen...) um eine stabile Gemeinschaft und gegenseitiges Vertrauen zu ermölichen, das die vorraussetzung für Gesellschaftlichen Wohlstand ist.

Ich will damit nicht behaupten Gesellschaft braucht Religion, aber eine Gesellschaft mit gemeinsamer Religion erweist sich als recht stabil, andere Gesellschaftskonzepte stellen einfach Ansprüche die meist in der Geschichte nicht erfüllt waren.

Oder kurz: Gesellschaft legitimiert sich durch den Schutz den sie dem einzelnen bietet und der daraus entstehenden Vertrauensbasis die Wohlstand möglich macht. Gibt es keine Autorität die den Schutz sichern kann, reicht auch eine potetiell existierende aus, solange alle Mitglieder der Gesellschaft daran glauben.
 
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Das heißt aber noch lange nicht, dass es vernünftig oder richtig ist, diesem Begehren nachzugeben. Letztlich lassen sich die zehn Gebote darauf reduzieren, dass man alles vermeiden sollte, was Streit verursacht. Also Stehlen, Morden, den Besitz und das Weib des Nächsten begehren, Verleumden. Die restlichen Gebote dienen der Stärkung derjenigen Autoritäten, die den Bestand der Gesellschaft garantieren. Also Gott und die Familie. Sie sind in den gesellschaftlichen Gegebenheiten der damaligen Gesellschaft verankert. Die Hauptgebote sind aber zeitlos.
Darum geht es aber nicht! Es heißt klar: "Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib". Das begehren ist aber ein Instinkt, der irgendwo zwischen den primären und sekundären Bedürftnissen steht. Heißt: Wichtiger als Geld, Selbstverwirklichung.....aber weniger wichtig, als Nahrung oder Schlaf. Ergo: Wir können das ganze nicht abstellen.
Damit "sündigen" wir aufgrund unserer Natur und wären verdammt, ohne Wahl.
Ob Forschung eine gute Absicht hat oder nicht ist nicht relevant. Trotzdem hat uns die Forschung die möglichkeit gegeben weiter zu sehen. Unpraktischerweise machen uns die Ergebnisse unserer Arbeit im Universum kleiner und unbedeutender. Ergo klammern wir uns an den Glauben an ein idealisiertes übermächtiges Wesen, dass uns vor der Leere die damit bleibt schützt.Ungeahnt dessen, gibt uns Religion einen moralischen Anhaltspunkt, der aber leicht genug in völlig irrsinnige Richtungen abdriftet.
 
Ob Forschung eine gute Absicht hat oder nicht ist nicht relevant. Trotzdem hat uns die Forschung die möglichkeit gegeben weiter zu sehen. Unpraktischerweise machen uns die Ergebnisse unserer Arbeit im Universum kleiner und unbedeutender. Ergo klammern wir uns an den Glauben an ein idealisiertes übermächtiges Wesen, dass uns vor der Leere die damit bleibt schützt.Ungeahnt dessen, gibt uns Religion einen moralischen Anhaltspunkt, der aber leicht genug in völlig irrsinnige Richtungen abdriftet.

Das ist halt der Punkt - die (Natur-)Wissenschaft an sich ist erst einmal vollständig wertneutral. Sie liefert einfach nur Ergebnisse. Die Religion hingegen liefert ein moralisches Wertekonstrukt. Wie sinnvoll dieses ist sei mal dahin gestellt, vieles ist aber auch Auslegungssache und Wortklauberei. Gerade Atheisten sind da mitunter sehr kleinkariert was das angeht. Die Sache mit dem "Begehren" zum Beispiel kann man natürlich bereits auf das instinktive Verlangen anwenden, man kann aber das Gebot auch einfach nur schlicht als die Regel deuten, dass man die Finger von Frauen lassen sollte, die bereits vergeben sind. Und die ist ja erstmal nicht falsch. Religiöse Schriften bieten da durchaus einiges an Ermessensspielraum.

Davon unbenommen ist der Irrsinn, in den das manchmal abdriftet, den hat man aber eigentlich mit jeder Regel, die erstmal schriftlich fixiert worden ist. Sei es nun eine religiöse Schrift, ein Gesetzestext, oder das Warhammer-Regelwerk. 😀
 
Es heißt klar: "Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib". Das begehren ist aber ein Instinkt, der irgendwo zwischen den primären und sekundären Bedürftnissen steht. Heißt: Wichtiger als Geld, Selbstverwirklichung.....aber weniger wichtig, als Nahrung oder Schlaf. Ergo: Wir können das ganze nicht abstellen.
... ergo sind wir dazu verdammt , unseren Trieben zu folgen ohne Möglichkeit anders als triebgesteuert zu handeln. Steile These.

Was ist hier so klar, dass damit der Trieb gemeint ist. Begehren kann auch bedeuten haben zuwollen in dem Sinne, es auch anzustreben. Man kann sinnliches Verlangen verspüren und man kann diesem Verlangen nachgeben mit allen Implikationen oder eben nicht. Deinem Verständnis gemäß wäre der Mensch einzig ein triebgesteuertes Wesen, nicht in der Lage sein Begehren, wie du es verstehst, zu zügeln. Man müsste jetzt in den ursprünglichen Text schauen, um zu sehen welches Verbum dort auftaucht. Man sollte nicht vergessen, dass wir, wenn wir mit einer deutschen Passage des Alten Testamentes arbeiten, wir eine Übersetzung der Übersetzung ( zumindest wenn es eine Übersetzung der Septuaginta ist) verwenden. Es ist nicht gesagt, dass das Begehren im biblischen Sinne deckungsgleich mit dem Begehren ist, welches die Wissenschaft definiert.
 
... ergo sind wir dazu verdammt , unseren Trieben zu folgen ohne Möglichkeit anders als triebgesteuert zu handeln. Steile These. .
Nein?!? Wir sind nicht zwangsweise triebgesteuert, darum geht es ja aber eben anhand der Aussage klarmachen wollte eben nicht. Das Gebot verdammt uns eben mMn. bereits für das Empfinden des Triebes, relativ unabhängig von dem Wunsch oder dem tatsächlichen Nachgehen von selbigem. Natürlich können wir uns (und tun dies regelmäßig) unsere Primärbedürftnisse und Sekundärbedürftnisse zeitweise entgegensetzen, beispielweise, wenn wir uns entscheiden auf eine Party zu gehen, obwohl wir müde sind. Bei den Primären führt dauerhafter Entzug nur leider zwangsweise zum Tod, bei den Sekundären ist der Effekt weniger drastisch, wirkt sich jedoch bedeutend auf die empfundene Lebensqualität aus. Übrigens ist auch das Folgen eines selbstaufgestellten Moralsystem zu den Sekundärbedürftnissen zu rechnen. Der Instinkt ist eben meines Verständnis nach das Verspühren des Triebes. Nicht das nachgehen. Dieses wäre in der Interpretation ein Reflex, was es aber mit Sicherheit nicht ist.

Was ist hier so klar, dass damit der Trieb gemeint ist. Begehren kann auch bedeuten haben zuwollen in dem Sinne, es auch anzustreben. Man kann sinnliches Verlangen verspüren und man kann diesem Verlangen nachgeben mit allen Implikationen oder eben nicht. Deinem Verständnis gemäß wäre der Mensch einzig ein triebgesteuertes Wesen, nicht in der Lage sein Begehren, wie du es verstehst, zu zügeln. Man müsste jetzt in den ursprünglichen Text schauen, um zu sehen welches Verbum dort auftaucht. Man sollte nicht vergessen, dass wir, wenn wir mit einer deutschen Passage des Alten Testamentes arbeiten, wir eine Übersetzung der Übersetzung ( zumindest wenn es eine Übersetzung der Septuaginta ist) verwenden. Es ist nicht gesagt, dass das Begehren im biblischen Sinne deckungsgleich mit dem Begehren ist, welches die Wissenschaft definiert
Tja ähm, Begehren bedeutet in meinem Sprachgebrauch im weitesten Sinne "etwas haben wollen". Ob es sinnig ist dem Nachzukommen oder nicht steht, wie gesagt, auf einer völlig anderen Ebene. Genau wie das tun oder eben nicht. Natürlich hast du recht damit, dass der Orginaltext hier für mich unklar ist und ich meine Interpretation aufzwinge. Meiner Meinung nach, spielt es jedoch kaum eine Rolle, da uns das neue Testament ohnehin von Geburt an verdammt. Auf das bisschen negatives Feedback im sozialleben, als konstante Erinnerung, wie schlecht wir sind, kommt es dann nicht mehr groß an.
 
Meiner Meinung nach, spielt es jedoch kaum eine Rolle, da uns das neue Testament ohnehin von Geburt an verdammt.

Ich stehe dem Christentum zwar sehr skeptisch gegenüber und bin selbst nicht religiös, aber meiner Meinung nach ist genau diese Sorte von polarisierender Argumentationsstruktur nicht für einen Dialog mit religiösen Menschen geeignet. Zumindest habe ich im Alltag nicht das Gefühl, von lauter Christen mit permanenten Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen umgeben zu sein. Sicher: Wie alle Religionen hat auch das Christentum seine extremen Ausprägungen, aber die von dir geschilderte Sicht ist die drastischst mögliche Interpretation und keineswegs allgemeingültig.

Etwas, das ich an vielen Atheisten nie verstanden habe ist, warum man die Religion so mit Gedeih und Verderb verachten muss, nur weil man selbst keinem Glauben anhängt. Von mir aus kann jeder Christ mit seinem Glauben glücklich werden, so lange er mich nicht damit belästigt und nicht versucht, mir seine Ansicht aufzuzwingen. Gerade unter den älteren Mitgliedern meiner Verwandschaft habe ich Personen, die große Kraft aus ihrem Glauben schöpfen und offensichtlich nicht das Gefühl haben, von Geburt an verdammt zu sein. Warum sollte ich ihnen das absprechen wollen? Ein bißchen Toleranz und Verständnis untereinander könnte man da schon zeigen. 😉
 
Ich wollte darauf hinaus, naturwissenschaftliche Argumentation da raus zu halten, wo sie nichts verloren hat. In ethisch moralischen Diskussionen. Denn die Rahmenbedingungen für ein friedliches Zussammenleben leiten sich eben nicht von den natürlichen Gegebenheiten ab, sondern von der Vernunft. Die Naturwissenschaften versuchen die Welt so zu beschreiben, wie sie ist. Aber eben nicht, wie sie sein soll. Sie können jier gar keinen sinnvollen Beitrag leisten. Das soll nicht heißen, dass ein Naturwissenschaftler sich nicht zu gesellschaftlichen Fragen äußern kann. Er kann es nur in seiner Eigenschaft als Naturwissenschaftler nicht, da seine Wissenschaft überhaupt keine Instrumente dafür bereit hält, ethisch/ moralische Fragen zu erörtern.

Die Frage stellt sich garnicht ob wir Triebe ausschalten können oder nicht. Die relevante Frage ist, welchen Einfluss wir ihne auf unser Handeln einräumen wollen. Weiter ist relevant, welche Bedeutung die AT formulierten Gebote und Verbote für uns heute haben. Also eine kritische Reflexion oder Auslegung, wie der Theologe sagen würde.
 
Das soll nicht heißen, dass ein Naturwissenschaftler sich nicht zu gesellschaftlichen Fragen äußern kann. Er kann es nur in seiner Eigenschaft als Naturwissenschaftler nicht, da seine Wissenschaft überhaupt keine Instrumente dafür bereit hält, ethisch/ moralische Fragen zu erörtern.

Das sehe ich anders. Die Naturwissenschaften können sehr wohl dabei helfen Fragen von ethisch/ moralischer Natur zu erörtern indem sie vernünftige Argumente zum lösen von Problemen erbringen können.

Nimm zum Beispiel die Stammzellenforschung oder Präimplantationsdiagnostik. Da wird aus ethisch/ moralischer Sicht ein riesen Fass aufgemacht, dabei redet man, im grunde, über einfache empfindungsunfähige Zellhaufen. Die Antwort ob man dabei über Leben oder um "Unleben" entscheidet können die Naturwissenschaften sehr wohl erbringen. Sie erweitern also die Diskussion.

Ein anderes Beispiel wäre Genverändertes Gemüse. Auch ein riesen Diskussionsthema welches ich in die oben gennante Kategorie ethisch/ moralisch, wieviel darf der Mensch sich erlauben, einordnen würde. Die Menschen haben kaum wissen werden durch Foodwatch und Co noch falsch informiert und alle verteufeln es. Auch hier können die Naturwissenschaften klare Antworten geben die helfen das solche Diskussionen Sachlich abgeschlossen werden.

Das Problem ist nur wieder, dass diese Antworten Werteneutral sind und deshalb den meisten nicht gefallen. Die meisten wollen die NW halt aus vielen Fragen heraushalten weil die Wahrheit eben ne sehr bittere Pille sein kann.
 
Das sehe ich anders. Die Naturwissenschaften können sehr wohl dabei helfen Fragen von ethisch/ moralischer Natur zu erörtern indem sie vernünftige Argumente zum lösen von Problemen erbringen können.

Ich sehe hier Probleme auf beiden Seiten: Sowohl seitens der Wissenschaft, als auch seitens der "Moralapostel".

Viele Wissenschaftler verschließen aus Forschungsdrang gerne ihre Augen vor ethischen Konflikten und möglichen Folgeproblemen, die aus ihrer Arbeit entstehen können. Der, nennen wir es "Klischeewissenschaftler", ist eben strikt rational und schert sich eher sekundär um die Moral. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass beispielsweise Tierversuche eine abstumpfende Wirkung auf die Wissenschaftler haben, die sie durchführen, und so mancher Forscher seine Arbeit gerne mit Euphemismen und Fachjargon aufbläst, um ethisch-moralische Konflikte zu verschleiern. Ein wunderbares Beispiel hierfür wäre die Forschung im Bereich der Rüstungsindustrie, die sich ein schier unüberschaubares Fachvokabular angeeignet hat, um auch ja darüber hinweg zu täuschen, dass es im Kern darum geht, möglichst effizient Menschen den Garaus zu machen.

Insofern geht es auch bei der Wissenschaft nicht selten um die Bereitschaft, eine bittere Pille zu schlucken. Nur weil etwas rein technisch machbar ist, oder für den Wissenschaftler ein interessantes Forschungsgebiet wäre, heißt das noch lange nicht, dass die Gesellschaft diese Forschungen auch akzeptiert.

Davon unbenommen stimme ich dir vollkommen zu, dass die Diskussionen um PID und Gentechnik aus Angst und Halbwissen unnötig aufgeblasen und verschärft werden. Aber diese Ängste liegen andererseits auch in der Natur des Menschen und sind nicht immer unberechtigt. Letzten Endes muss ein Forscher (oder ein forschendes Unternehmen) seine Idee eben auch gut verkaufen können - nur Ideen zu haben reicht nicht.
 
Ich sehe hier Probleme auf beiden Seiten: Sowohl seitens der Wissenschaft, als auch seitens der "Moralapostel".

Viele Wissenschaftler verschließen aus Forschungsdrang gerne ihre Augen vor ethischen Konflikten und möglichen Folgeproblemen, die aus ihrer Arbeit entstehen können. Der, nennen wir es "Klischeewissenschaftler", ist eben strikt rational und schert sich eher sekundär um die Moral. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass beispielsweise Tierversuche eine abstumpfende Wirkung auf die Wissenschaftler haben, die sie durchführen, und so mancher Forscher seine Arbeit gerne mit Euphemismen und Fachjargon aufbläst, um ethisch-moralische Konflikte zu verschleiern. Ein wunderbares Beispiel hierfür wäre die Forschung im Bereich der Rüstungsindustrie, die sich ein schier unüberschaubares Fachvokabular angeeignet hat, um auch ja darüber hinweg zu täuschen, dass es im Kern darum geht, möglichst effizient Menschen den Garaus zu machen.

Insofern geht es auch bei der Wissenschaft nicht selten um die Bereitschaft, eine bittere Pille zu schlucken. Nur weil etwas rein technisch machbar ist, oder für den Wissenschaftler ein interessantes Forschungsgebiet wäre, heißt das noch lange nicht, dass die Gesellschaft diese Forschungen auch akzeptiert.

Davon unbenommen stimme ich dir vollkommen zu, dass die Diskussionen um PID und Gentechnik aus Angst und Halbwissen unnötig aufgeblasen und verschärft werden. Aber diese Ängste liegen andererseits auch in der Natur des Menschen und sind nicht immer unberechtigt. Letzten Endes muss ein Forscher (oder ein forschendes Unternehmen) seine Idee eben auch gut verkaufen können - nur Ideen zu haben reicht nicht.

Da stimme ich dir im Grunde vollkommen zu. Ich wollte nur darauf verweisen das die Naturwissenschaften sehr wohl in der Lage sind auch bei solchen Themen durch sachliche Argumente dabei zu helfen das best mögliche Ergebnis zu erreichen und sie daher ruhig auch aus ihrem Fachgebiet heraus solche Diskusionen führen können.

Wenn es zum Besipiel ethisch verwerflich ist, Nachts in Kinderzimmern das Licht auszumachen weil der Schwarze Mann kommt, dann kann die Naturwissenschaft beweisen das es keinen schwarzen Mann gibt 😀.
 
Und mit deinen Beispielen zeigst du, dass dies die Naturwissenschaften als solche eben nicht können. Denn in den Sphären der z.B. Stammzellforscher spielen ethisch Fragen überhaupt keine Rolle. Sie stehen außerhalb des Forschungsprozesses. Das was du ein Riesen Fass aufmachen nennst, ist die Diskussion eines ethischen Problems, welches sich aus den Folgen der naturwissenschaftlichen Forschung ergibt und nur in soweit mit der naturwissenschaftlichen Forschung verbunden ist, dass es auf Methoden und Forschungsergebnisse bezug nimmt. Was sind denn die weiteren Folgen von Stammzellenforschung? Der Mensch wird mehr Kenntnisse über die Funktion von Genen erhalten mit allen Folgen für die Gesellschaft. Im Labor bildet sich die Bedeutung der Forschungsergebnisse nicht ab. Bedeutung, und darüber wird diskutiert, erhält die Forschung nicht durch die Genforscher, sondern durch den gesellschaftlichen Diskurs. Und dort gibt es keine Wahrheit, die schmerzhaft aber nun mal unumstößlich ist, sondern nur Standpunkte. Und das ist das Feld der Geisteswissenschaften, also die "Moralapostel", die dafür auch Methoden und Instrumente haben. Letzlich kann die Naturwissenschaft nicht einmal vollständig und unumstößlich darlegen, was denn nun Leben ist. siehe ein paar Seiten weiter vorn. Es gibt verschiedene Definitionen, die sich dem Phänomen annähern. Also ist die Scheidung von Leben und Nichtleben auch nur relativ. Die Definitionen mögen für naturwissenschaftliche Zwecke genügen, erlauben aber nicht genau und endgültig zu klären, wo Leben beginnt und wo nicht. Ich will keineswegs den Naturwissenschaften ihre Relevanz absprechen, aber es gibt Grenzen dessen, was mit Naturwissenschaftlichen Methoden erklärt werden kann. Und das sind insbesondere gesellschaftliche Themen. Eben alles wo es keine Wahrheit als solche nicht geben kann, sondern nur Standpunkte zwischen denen man abwägen kann.
 
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Bedeutung, und darüber wird diskutiert, erhält die Forschung nicht durch die Genforscher, sondern durch den gesellschaftlichen Diskurs. Und dort gibt es keine Wahrheit, die schmerzhaft aber nun mal unumstößlich ist, sondern nur Standpunkte. Und das ist das Feld der Geisteswissenschaften, also die "Moralapostel", die dafür auch Methoden und Instrumente haben.
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Ich will keineswegs den Naturwissenschaften ihre Relevanz absprechen, aber es gibt Grenzen dessen, was mit Naturwissenschaftlichen Methoden erklärt werden kann. Und das sind insbesondere gesellschaftliche Themen. Eben alles wo es keine Wahrheit als solche nicht geben kann, sondern nur Standpunkte zwischen denen man abwägen kann.

Und als Ergänzung zu dem: Die Frage, ob es Gott gibt, und wenn, wann er unser Universum geschaffen hat, mag ja vom naturwissenschaftlichen Standpunkt irrelevant sein, aber der Umstand, dass es eben Gruppen oder Personen gibt, die daran glauben - oder an Nazi-Ufos auf dem Weg zur Venus, Alien-Raumschiffe in der Area 51 oder die geheime Weltherrschaft der Illuminaten - ist aus geisteswissenschaftlicher Perspektive doch wieder von Belang.

Und an der Stelle liegt, so glaube ich, auch wieder einer der Reibepunkte zwischen Geistes- und Naturwissenschaften: Der Naturwissenschaftler hat es einfacher, Religion als Mumpitz anzusehen, da sie für sein Feld selten von Wichtigkeit ist.
Der Geisteswissenschaftler braucht die Religion, um verschiedene soziale oder kulturelle Erscheinungen vernünftig beurteilen zu können.

In beiden Fällen ist jedoch das reale Vorhandensein eines Gottes nicht wichtig.

Und das scheint mir auch der entscheidende Punkt zu sein, um klar zu machen, warum ID - bei allem (pseudo-) wissenschaftlichem Anstrich - keine "wirkliche" Wissenschaft ist.
 
Und das scheint mir auch der entscheidende Punkt zu sein, um klar zu machen, warum ID - bei allem (pseudo-) wissenschaftlichem Anstrich - keine "wirkliche" Wissenschaft ist.

Stimmt, es ist nichts als eine Weltanschauung. Und in sofern bedenklich, weil sie Konzepte des Glaubens in die Naturwissenschaften hineintragen will, wo sie nichts verloren haben. Man kann über die ethische Statthaftigkeit von bestimmten Forschungszweigen streiten. Dort kann man auch religiöse Argumente anbringen, aber man kann nicht mit religiösen Argumenten die Richtigkeit der Ergebnisse erörtern.