Hey Leute,
EDIT: An alle interessenten... die Diskussion ging auch in die 2. und 3. Runde. Was ich daraus mitnehmen konnte, findet ihr hier und hier
Ich hatte gestern ein wirklich ... haarsträubendes Erlebnis.
Es ist sehr lang geworden, aber es ist bestimmt interessant. Wenn ihr Zeit habt, kämpft euch durch. Also...
Ich habe vor kurzem einen Amerikaner kennengelernt mit dem ich mich auf Anhieb top verstanden habe. Wir waren nun schon ein paar mal auf ein Bier in der Stadt unterwegs als es gestern den ersten Bruch gab.
Der junge Amerikaner ist bekennender Kreationist. Ich selbst bin Biologie-Bachelor, derzeit Pharmaziestudent und bekennender Anhänger der Darwinschen Evolutiontheorie.
Zwei grundverschiedenere Weltanschauungen hätten sich nicht finden können. Es entbrannte eine hitzige Debatte im wahrsten Sinne des Wortes über 'Gott und die Welt'.
Warum schreibe ich das hier...?
Ich habe bereits in einigen Dokus oder Reportagen eher beiläufig davon gehört, mir aber nie weiter Gedanken darüber gemacht. Kopfschüttelnd habe ich den blinden Gehorsam der Konservativen gegenüber der Bibel hingenommen... dagegen könne man nichts machen, dachte ich mir. Generationen geben dieses Gedankengut an ihre Nachkommen weiter und solange sich nichts im (vorallem Schul-) System ändert, wird sich das auch nicht ändern. Wohl selten bricht aus diesen starren Familienbanden ein Individuum heraus. Mit solchen Leuten ließe sich einfach nicht diskutieren und zugegebenermaßen wären beide Fronten unnachgiebig verhärtet, egal wie schlagkräftig die Argumente auch seien.
Man sieht es vor allem derzeit im Wahlkampf und den Berichten über die konservative Tea-Party-Bewegung... zum Glück sind nicht alle Amerikaner so. So dachte ich im ersten Moment auch von meinem neuen Freund... ein normaler Ami, der Rock-Musik hört, gern Autos fährt, Waffen liebt, mit Freunden Bier trinkt und raucht, nichts vom Krieg hält und sonst ein helleres Köpfchen zu sein scheint, als die Teenager, die uns täglich in MTV gezeigt werden.
Dass ich einmal an der Stelle stehen würde, meine wissenschaftliche Weltanschauung gegen eben jene amerikanische Verbohrtheit vehement verteidigen zu müssen, schien mir bis auf einen noch ausstehenden Besuch der Zeugen Jehovas unmöglich.
Im Falle der Zeugen hätte ich mich aber auf Basis meiner Aus- und Allgemeinbildung in der Position des Kritikers bzw. Angreifers gesehen.
Längst nicht mehr geht es mir nur um ultra-konservative Bibelsklaven, welche die Homo-Ehe und Abtreibung ablehnen und Schöpfungslehre in Schulen fordern.
Vielmehr hat sich eine Bewegung der ID (Intelligent Design) gebildet, die aktiv mit "wissenschaftlichen Mitteln" gegen die Evolution vorgehen. Diese Vorstellung beschreibt, dass ein "Gott" als intelligenter Designer die Welt, die Wesen und sonst alles geschaffen hat und alles seitdem so ist wie es ist.
Es ist erschreckend zu sehen, dass ein auf wissenschaftlicher Basis stehendes und allgemein anerkanntes System so organisiert unterwandert und attackiert wird.
Ich sehe darin in der Tat eine Gefahr der Verdummung der Gesellschaft.
Nach Umfragen diverser Quellen, je nachdem welche Seite den Auftrag gab, schwanken die Anhänger der Kreationisten in den USA zwischen 40-60% (so eine kurze Internetrecherche nach google). Davon sind vielleicht nicht alle ID-Anhänger, aber speziell diese Leute haben durch ihren wissenschaftlichen Anstrich einen größeren Einfluss als ein Bibeltreuer, der mit verschlossenen Augen und Ohren zu Hause in der Stube sitzt und nichts von der Welt mitbekommt.
Warum musste ich meine für mich unanantastbar-scheinende Weltanschauung verteidigen anstatt die Argumentation anderer Denkweisen entkräften zu können...?
Längst nicht mehr wird für jegliche Belange die Bibel zitiert. Ich stand einem hellem, wissensdurstigem Kopf gegenüber, der sich umfassend im Bereich der ID weitergebildet hat. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wurde überrollt mit "wissenschaftlichen Fakten" welche die Evolution in Frage...
Dazu muss gesagt werden, dass mir in diesen Belangen das nötige wissenschaftliche, Englisch-Vokabular fehlte. Er redete heiter drauf los und nutzte jede meiner Denk-Pausen, zur Suche nach passenden Umschreibungen, um mir ins Wort zu fallen und sogleich Gegenargumente darzulegen. Da konnte ich großteils nicht mithalten und Spass an der Debatte verliert man dabei auch.
Wenn der Begriff 'Evolution' fiel, hatte ich einige Zeit an die Evolution des Lebens gedacht, dabei ging es meinem Gegenüber um eine ganz andere Dimension; nämlich der kosmischen Evolution, welche er veruschte mir widerspenstig zu machen. Das macht - wenn man es von der anderen Seite betrachtet - ja auch Sinn, da Kosmos, Welt, Pflanzen und Tiere ja alle mehr oder minder gleichzeitig erschaffen wurden. Also kein Platz für eine Entwicklung von Stern, Planeten und Leben.
Daher wurden auch die Physik und die Bing-Bang-Theorie in die Diskussion aufgenommen, zumindest von meiner Seite.
Ich will jetzt nicht jeden einzelnen Wortwechsel wiedergeben, sondern eine Auswahl an "Fakten" und Vorstellungen der Kreationisten darlegen. Dabei sehe ich absichtlich ab, diese im Gegenzug jetzt und hier mit Gegenargumenten zu versehen. Das führt zu weit... genauso wie in der Diskussion schweift man dabei ständig zu völlig anderen Themen ab, welche damit verkettet sind. Letztendlich haben wir kein einziges Thema fertig ausdiskutiert bis wir auf der Stelle traten. Stattdessen fielen ihm immer mehr neue Fakten ein, die gerade zu der Situation passten. Und glaubt mir, er wollte sich nicht in die Fülle an Argumenten flüchten um meinen zu entgehen. Dieser Mann ist 1000% davon überzeugt und ich werde ihn bestimmt nicht eines besseren belehren können.
Wenn sich jetzt jemand trotz fehlender Gegenargumente überzeugen lässt, dann darf er gern nach einem entsprechendem fragen. Ansonsten soll sich bitte jeder selbst denken, was hier schief gelaufen ist. Ich will keine Diskussion über die einzelnen Punkte.
- Die Erde und das Leben auf ihr ist ca. max. 7000 Jahre alt:
dies beweisen, die stetige Entfernung des Mondes von der Erde, welche laut seiner Quelle 4-5 Meilen/Jahr sein sollen. Rechne man das zurück, kann der Mond keine Milliarden Jahre alt sein, da er schon vor wenigen Zehn-Tausend Jahren in Kontakt mit der Erde gewesen sein musste.
Um es einfach zu sagen... alle Rück-Rechnungen auf vor 7000 v. Chr. seien nicht belegbar. es gibt keine Zeugen, keine Niederschriften und letztendlich ist alles nur Theorie, wie eben die Evolution auch.
- Es gibt keine erdgeschichtlichen Perioden, wie Jura, Devon etc.:
Versteinerungen von Bäumen, welche in Gesteinslagen gefunden wurden, die quer durch verschiedene dieser falsch-gedeuteten Gesteinsschichten lagen beweisen das. Denn ein Baum wächst keine Mio oder Mrd. Jahre. Die Gesteins-Schichten sind Ablagerungen der großen Flut (siehe Bibel, Noah), welche die gesamte Erde bedeckte.
Siehe zur Veranschulichung ein einfaches Experiment in dem man eine Mischung aus Sand, Steinen und Erde in einem Wasserkasten aufwirbelt und diese sich nacheinander absetzen.
- Es gab eine große Flut:
Ich: woher all das Wasser um alles zu bedecken?
Antwort: Unter den Konintenten gibt es unerschöpfliche Wasserreservoirs. Diese sind aus dem Erdreich hervorgebrochen und haben die komplette Erde überflutet. Das Ausrittsloch ist heute der Marianen-Graben, deshalb der tiefe Punkt, weil das ausströmende Wasser Erde verdrängt hat.
Ich: warum ist jetzt nicht mehr alles überschwemmt?
Antwort/Gegenfrage: Warum bewegen sich die tektonischen Platten? Die Kontinente bzw. die gesamte äußere erfassbare Oberfläche, auch die am Meeresgrund, schwimmen.
- Es gibt keinen Bing-Bang:
Folgende subatomare Vorstellung... "Partikel" kreisen um ein Zentrum, ähnlich der Orbital-Theorie. Wenn es so etwas wie einen Urknall gegeben hätte, aus dem jegliche Materie geschleudert wurde, denn müssten alle Teilchen, die sich bsp. im Uhrzeigersinn um das Zentrum gedreht haben, auch weiterhin Tendenzen dieses Effets haben. Stattdessen kreisen von Monden bis hin zu Galaxien alles in unterschiedlichen Richtungen und Variationen.
- Nur 2 Tiere einer Art können Nachkommen zeugen:
"You wanna say we're related to a banana?" So ungefähr ist er meinen Versuch begegnet einen gemeinsamen Ursprung allen Lebens zu erklären. Schlicht gesagt, dass die DNA als universeller Code in unterschiedlicher Anordnung jeder Lebensform ein anderes Aussehen gibt und diese sich aus einem gemeinsamen Ursprung entwickelt hätten, wurde vehement abgelehnt. Der angebliche Schlüssel zur Evolution die "Mutation" bedingt laut seiner Ansicht immer einen Verlust an Information. Es kann keine neue Information geschaffen werden. Wie also sollen sich Komplexe Wesen aus weniger komplexen entwickelt haben, wenn bei jedem Schritt Information verloren geht.
Ganz davon zu schweigen, dass sowieso nur 7000 Jahre Zeit gewesen wären.
Einfache Erklärung...
Ein Chiwawa kann mit einem Berandiner Nachkommen zeugen. Sie sind mit den Wolf (der ursprünglichen Form) verwandt und können auch mit diesen Nachkommen haben, trotz des komplett unterschiedlichen Äußeren.
Ergo... Wenn wir mit dem Affen verwandt wären, könnten wir mit ihnen Nachkommen haben. tun wir aber nicht, also sind wir es nicht.
- Der Bakterien-Außenbordmotor
Es gibt prokarytische Mikroorganismen, welche sich mit einem Schwanz fortbewegen. Entgegen der üblichen Fortbewegungsarten in der Natur, wobei es sich überwiegend um Antagonisten handelt (also Strecker und Beuger), liegt hier tatsächlich ein Protein-Motor. Das Flagellum dreht sich.
Wie kann ein Protein-mechanisches Konstrukt evolutionär beschrieben werden. Es handelt sich hier um den letztendlich unumstößlichen Beweis eines Designers.
(wenn man danach googelt, findet man dutzende Beiträge:
http://www.evolution-im-fadenkreuz.info/Kap_IXc.pdf )
- Wir sind nicht mit dem Affen verwandt:
Früher haben die Menschen länger gelebt, siehe Bibel -> mehrere Hundert Jahre. Heute wird durch Toxine, Medikamente und Gentechnik die Lebenserwartung drastisch verkürzt. Der Grund warum Funde von angeblichen "Höhlenmenschen" ausgeprägte affenähnliche Kopfformen aufweisen liegt daran, dass bei jedem Menschen die Kopfform stetig (nachweislich!) verändert, vor allem im Bereich der Stirn. Wir leben nur nicht mehr lange genug um diese Form zu erreichen wie früher.
So, das sollte reichen.
Da wir in einer Kneipe waren konnte ich weder nötige Fakten mal eben recherchieren um seine in Teilbereichen, in denen ich mich nicht auskannte, zu widerlegen, noch seine wissenschaftlichen Behauptungen überprüfen. Er verbürgt sich jedoch für den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen; alles wurde wissenschaftlich nachgewiesen.
Und um dem Ganzen die Krönung aufzusetzen...
Ich: Was ist mit den wissenschaftlich Fakten, dass Mutation stattfindet, Evolution nachgewiesen wurde etc.?
Er: Er glaubt keiner einzigen Studie, die von der Regierung der Vereinigten Staaten finanziert wurde. [das heißt alle staatlichen und akademischen Einrichtungen!]
Ich: Und all die anderen Forschungsarbeiten auf der Welt, die nicht in den USA stattfinden?
Er: Wo werden diese veröffentlicht? In Natural Science & Co... und die werden (indirekt) verlegt von der US-Regierung.
Ich: Du willst damit sagen, dass meine Uni in Würzburg, mein Arbeitskreis, der in Natural Science veröffentlicht, durch die US-Regierung beeinflusst wird?
Er: nicht direkt, aber durch die EU...
...das war's an der Stelle habe ich dieses Thema abgebrochen. Ich fand es mehr als lächerlich und er sah sich als Sieger.
Natürlich hat er all seine Informationen nur aus dem Netz und bestimmten Foren, in denen Gleichgesinnte alles zusammentragen. Ich würde gerne die ein oder andere wissenschaftliche Arbeit lesen, wenn sie denn existiert. Um Links habe ich bereits gebeten. Wenn ich etwas bekomme, poste ich das gerne hier. Außerdem gibt es einen 2,5 stündigen Film, der alles klar darlegen soll, im Stile von Michael Moore; der youtube-Link wird auch folgen.
Ich kann mir vorstellen, dass die Gewissheit sich einer Verschwörungen entgegenzustellen eine Art Verblendung hervorruft, bei der man Manipulation auf eigener Seite nicht mehr als möglich erachtet. Immerhin treten sie alle für die gleiche ideologische Sache ein und sie tun es mit gutem Gewissen. Und das ist in meinen Augen das Verrückte darin bzw. die Gefahr... genauso verschlossen wie ich für ihn zu sein schien sind diese Leute genauso.
Er tat das nicht um mir Angst zu machen oder mich zu ärgern. In seinen Augen bin ich ein Opfer, das seine Augen vor der Wahrheit verschließt.
Als wir uns verabschiedeten, hieß es:
"You're a good guy and you're not stupid. Just open you're eyes to see the truth. [...] Jesus loves you."
EDIT: An alle interessenten... die Diskussion ging auch in die 2. und 3. Runde. Was ich daraus mitnehmen konnte, findet ihr hier und hier
Ich hatte gestern ein wirklich ... haarsträubendes Erlebnis.
Es ist sehr lang geworden, aber es ist bestimmt interessant. Wenn ihr Zeit habt, kämpft euch durch. Also...
Ich habe vor kurzem einen Amerikaner kennengelernt mit dem ich mich auf Anhieb top verstanden habe. Wir waren nun schon ein paar mal auf ein Bier in der Stadt unterwegs als es gestern den ersten Bruch gab.
Der junge Amerikaner ist bekennender Kreationist. Ich selbst bin Biologie-Bachelor, derzeit Pharmaziestudent und bekennender Anhänger der Darwinschen Evolutiontheorie.
Zwei grundverschiedenere Weltanschauungen hätten sich nicht finden können. Es entbrannte eine hitzige Debatte im wahrsten Sinne des Wortes über 'Gott und die Welt'.
Warum schreibe ich das hier...?
Ich habe bereits in einigen Dokus oder Reportagen eher beiläufig davon gehört, mir aber nie weiter Gedanken darüber gemacht. Kopfschüttelnd habe ich den blinden Gehorsam der Konservativen gegenüber der Bibel hingenommen... dagegen könne man nichts machen, dachte ich mir. Generationen geben dieses Gedankengut an ihre Nachkommen weiter und solange sich nichts im (vorallem Schul-) System ändert, wird sich das auch nicht ändern. Wohl selten bricht aus diesen starren Familienbanden ein Individuum heraus. Mit solchen Leuten ließe sich einfach nicht diskutieren und zugegebenermaßen wären beide Fronten unnachgiebig verhärtet, egal wie schlagkräftig die Argumente auch seien.
Man sieht es vor allem derzeit im Wahlkampf und den Berichten über die konservative Tea-Party-Bewegung... zum Glück sind nicht alle Amerikaner so. So dachte ich im ersten Moment auch von meinem neuen Freund... ein normaler Ami, der Rock-Musik hört, gern Autos fährt, Waffen liebt, mit Freunden Bier trinkt und raucht, nichts vom Krieg hält und sonst ein helleres Köpfchen zu sein scheint, als die Teenager, die uns täglich in MTV gezeigt werden.
Dass ich einmal an der Stelle stehen würde, meine wissenschaftliche Weltanschauung gegen eben jene amerikanische Verbohrtheit vehement verteidigen zu müssen, schien mir bis auf einen noch ausstehenden Besuch der Zeugen Jehovas unmöglich.
Im Falle der Zeugen hätte ich mich aber auf Basis meiner Aus- und Allgemeinbildung in der Position des Kritikers bzw. Angreifers gesehen.
Längst nicht mehr geht es mir nur um ultra-konservative Bibelsklaven, welche die Homo-Ehe und Abtreibung ablehnen und Schöpfungslehre in Schulen fordern.
Vielmehr hat sich eine Bewegung der ID (Intelligent Design) gebildet, die aktiv mit "wissenschaftlichen Mitteln" gegen die Evolution vorgehen. Diese Vorstellung beschreibt, dass ein "Gott" als intelligenter Designer die Welt, die Wesen und sonst alles geschaffen hat und alles seitdem so ist wie es ist.
Es ist erschreckend zu sehen, dass ein auf wissenschaftlicher Basis stehendes und allgemein anerkanntes System so organisiert unterwandert und attackiert wird.
Ich sehe darin in der Tat eine Gefahr der Verdummung der Gesellschaft.
Nach Umfragen diverser Quellen, je nachdem welche Seite den Auftrag gab, schwanken die Anhänger der Kreationisten in den USA zwischen 40-60% (so eine kurze Internetrecherche nach google). Davon sind vielleicht nicht alle ID-Anhänger, aber speziell diese Leute haben durch ihren wissenschaftlichen Anstrich einen größeren Einfluss als ein Bibeltreuer, der mit verschlossenen Augen und Ohren zu Hause in der Stube sitzt und nichts von der Welt mitbekommt.
Warum musste ich meine für mich unanantastbar-scheinende Weltanschauung verteidigen anstatt die Argumentation anderer Denkweisen entkräften zu können...?
Längst nicht mehr wird für jegliche Belange die Bibel zitiert. Ich stand einem hellem, wissensdurstigem Kopf gegenüber, der sich umfassend im Bereich der ID weitergebildet hat. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wurde überrollt mit "wissenschaftlichen Fakten" welche die Evolution in Frage...
Dazu muss gesagt werden, dass mir in diesen Belangen das nötige wissenschaftliche, Englisch-Vokabular fehlte. Er redete heiter drauf los und nutzte jede meiner Denk-Pausen, zur Suche nach passenden Umschreibungen, um mir ins Wort zu fallen und sogleich Gegenargumente darzulegen. Da konnte ich großteils nicht mithalten und Spass an der Debatte verliert man dabei auch.
Wenn der Begriff 'Evolution' fiel, hatte ich einige Zeit an die Evolution des Lebens gedacht, dabei ging es meinem Gegenüber um eine ganz andere Dimension; nämlich der kosmischen Evolution, welche er veruschte mir widerspenstig zu machen. Das macht - wenn man es von der anderen Seite betrachtet - ja auch Sinn, da Kosmos, Welt, Pflanzen und Tiere ja alle mehr oder minder gleichzeitig erschaffen wurden. Also kein Platz für eine Entwicklung von Stern, Planeten und Leben.
Daher wurden auch die Physik und die Bing-Bang-Theorie in die Diskussion aufgenommen, zumindest von meiner Seite.
Ich will jetzt nicht jeden einzelnen Wortwechsel wiedergeben, sondern eine Auswahl an "Fakten" und Vorstellungen der Kreationisten darlegen. Dabei sehe ich absichtlich ab, diese im Gegenzug jetzt und hier mit Gegenargumenten zu versehen. Das führt zu weit... genauso wie in der Diskussion schweift man dabei ständig zu völlig anderen Themen ab, welche damit verkettet sind. Letztendlich haben wir kein einziges Thema fertig ausdiskutiert bis wir auf der Stelle traten. Stattdessen fielen ihm immer mehr neue Fakten ein, die gerade zu der Situation passten. Und glaubt mir, er wollte sich nicht in die Fülle an Argumenten flüchten um meinen zu entgehen. Dieser Mann ist 1000% davon überzeugt und ich werde ihn bestimmt nicht eines besseren belehren können.
Wenn sich jetzt jemand trotz fehlender Gegenargumente überzeugen lässt, dann darf er gern nach einem entsprechendem fragen. Ansonsten soll sich bitte jeder selbst denken, was hier schief gelaufen ist. Ich will keine Diskussion über die einzelnen Punkte.
- Die Erde und das Leben auf ihr ist ca. max. 7000 Jahre alt:
dies beweisen, die stetige Entfernung des Mondes von der Erde, welche laut seiner Quelle 4-5 Meilen/Jahr sein sollen. Rechne man das zurück, kann der Mond keine Milliarden Jahre alt sein, da er schon vor wenigen Zehn-Tausend Jahren in Kontakt mit der Erde gewesen sein musste.
Um es einfach zu sagen... alle Rück-Rechnungen auf vor 7000 v. Chr. seien nicht belegbar. es gibt keine Zeugen, keine Niederschriften und letztendlich ist alles nur Theorie, wie eben die Evolution auch.
- Es gibt keine erdgeschichtlichen Perioden, wie Jura, Devon etc.:
Versteinerungen von Bäumen, welche in Gesteinslagen gefunden wurden, die quer durch verschiedene dieser falsch-gedeuteten Gesteinsschichten lagen beweisen das. Denn ein Baum wächst keine Mio oder Mrd. Jahre. Die Gesteins-Schichten sind Ablagerungen der großen Flut (siehe Bibel, Noah), welche die gesamte Erde bedeckte.
Siehe zur Veranschulichung ein einfaches Experiment in dem man eine Mischung aus Sand, Steinen und Erde in einem Wasserkasten aufwirbelt und diese sich nacheinander absetzen.
- Es gab eine große Flut:
Ich: woher all das Wasser um alles zu bedecken?
Antwort: Unter den Konintenten gibt es unerschöpfliche Wasserreservoirs. Diese sind aus dem Erdreich hervorgebrochen und haben die komplette Erde überflutet. Das Ausrittsloch ist heute der Marianen-Graben, deshalb der tiefe Punkt, weil das ausströmende Wasser Erde verdrängt hat.
Ich: warum ist jetzt nicht mehr alles überschwemmt?
Antwort/Gegenfrage: Warum bewegen sich die tektonischen Platten? Die Kontinente bzw. die gesamte äußere erfassbare Oberfläche, auch die am Meeresgrund, schwimmen.
- Es gibt keinen Bing-Bang:
Folgende subatomare Vorstellung... "Partikel" kreisen um ein Zentrum, ähnlich der Orbital-Theorie. Wenn es so etwas wie einen Urknall gegeben hätte, aus dem jegliche Materie geschleudert wurde, denn müssten alle Teilchen, die sich bsp. im Uhrzeigersinn um das Zentrum gedreht haben, auch weiterhin Tendenzen dieses Effets haben. Stattdessen kreisen von Monden bis hin zu Galaxien alles in unterschiedlichen Richtungen und Variationen.
- Nur 2 Tiere einer Art können Nachkommen zeugen:
"You wanna say we're related to a banana?" So ungefähr ist er meinen Versuch begegnet einen gemeinsamen Ursprung allen Lebens zu erklären. Schlicht gesagt, dass die DNA als universeller Code in unterschiedlicher Anordnung jeder Lebensform ein anderes Aussehen gibt und diese sich aus einem gemeinsamen Ursprung entwickelt hätten, wurde vehement abgelehnt. Der angebliche Schlüssel zur Evolution die "Mutation" bedingt laut seiner Ansicht immer einen Verlust an Information. Es kann keine neue Information geschaffen werden. Wie also sollen sich Komplexe Wesen aus weniger komplexen entwickelt haben, wenn bei jedem Schritt Information verloren geht.
Ganz davon zu schweigen, dass sowieso nur 7000 Jahre Zeit gewesen wären.
Einfache Erklärung...
Ein Chiwawa kann mit einem Berandiner Nachkommen zeugen. Sie sind mit den Wolf (der ursprünglichen Form) verwandt und können auch mit diesen Nachkommen haben, trotz des komplett unterschiedlichen Äußeren.
Ergo... Wenn wir mit dem Affen verwandt wären, könnten wir mit ihnen Nachkommen haben. tun wir aber nicht, also sind wir es nicht.
- Der Bakterien-Außenbordmotor
Es gibt prokarytische Mikroorganismen, welche sich mit einem Schwanz fortbewegen. Entgegen der üblichen Fortbewegungsarten in der Natur, wobei es sich überwiegend um Antagonisten handelt (also Strecker und Beuger), liegt hier tatsächlich ein Protein-Motor. Das Flagellum dreht sich.
Wie kann ein Protein-mechanisches Konstrukt evolutionär beschrieben werden. Es handelt sich hier um den letztendlich unumstößlichen Beweis eines Designers.
(wenn man danach googelt, findet man dutzende Beiträge:
http://www.evolution-im-fadenkreuz.info/Kap_IXc.pdf )
- Wir sind nicht mit dem Affen verwandt:
Früher haben die Menschen länger gelebt, siehe Bibel -> mehrere Hundert Jahre. Heute wird durch Toxine, Medikamente und Gentechnik die Lebenserwartung drastisch verkürzt. Der Grund warum Funde von angeblichen "Höhlenmenschen" ausgeprägte affenähnliche Kopfformen aufweisen liegt daran, dass bei jedem Menschen die Kopfform stetig (nachweislich!) verändert, vor allem im Bereich der Stirn. Wir leben nur nicht mehr lange genug um diese Form zu erreichen wie früher.
So, das sollte reichen.
Da wir in einer Kneipe waren konnte ich weder nötige Fakten mal eben recherchieren um seine in Teilbereichen, in denen ich mich nicht auskannte, zu widerlegen, noch seine wissenschaftlichen Behauptungen überprüfen. Er verbürgt sich jedoch für den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen; alles wurde wissenschaftlich nachgewiesen.
Und um dem Ganzen die Krönung aufzusetzen...
Ich: Was ist mit den wissenschaftlich Fakten, dass Mutation stattfindet, Evolution nachgewiesen wurde etc.?
Er: Er glaubt keiner einzigen Studie, die von der Regierung der Vereinigten Staaten finanziert wurde. [das heißt alle staatlichen und akademischen Einrichtungen!]
Ich: Und all die anderen Forschungsarbeiten auf der Welt, die nicht in den USA stattfinden?
Er: Wo werden diese veröffentlicht? In Natural Science & Co... und die werden (indirekt) verlegt von der US-Regierung.
Ich: Du willst damit sagen, dass meine Uni in Würzburg, mein Arbeitskreis, der in Natural Science veröffentlicht, durch die US-Regierung beeinflusst wird?
Er: nicht direkt, aber durch die EU...
...das war's an der Stelle habe ich dieses Thema abgebrochen. Ich fand es mehr als lächerlich und er sah sich als Sieger.
Natürlich hat er all seine Informationen nur aus dem Netz und bestimmten Foren, in denen Gleichgesinnte alles zusammentragen. Ich würde gerne die ein oder andere wissenschaftliche Arbeit lesen, wenn sie denn existiert. Um Links habe ich bereits gebeten. Wenn ich etwas bekomme, poste ich das gerne hier. Außerdem gibt es einen 2,5 stündigen Film, der alles klar darlegen soll, im Stile von Michael Moore; der youtube-Link wird auch folgen.
Ich kann mir vorstellen, dass die Gewissheit sich einer Verschwörungen entgegenzustellen eine Art Verblendung hervorruft, bei der man Manipulation auf eigener Seite nicht mehr als möglich erachtet. Immerhin treten sie alle für die gleiche ideologische Sache ein und sie tun es mit gutem Gewissen. Und das ist in meinen Augen das Verrückte darin bzw. die Gefahr... genauso verschlossen wie ich für ihn zu sein schien sind diese Leute genauso.
Er tat das nicht um mir Angst zu machen oder mich zu ärgern. In seinen Augen bin ich ein Opfer, das seine Augen vor der Wahrheit verschließt.
Als wir uns verabschiedeten, hieß es:
"You're a good guy and you're not stupid. Just open you're eyes to see the truth. [...] Jesus loves you."
Zuletzt bearbeitet: