WHFB Erwählte des Khaine - PDF komplett online

Naja ... sind noch 5 Teile. Das war ne Schätzung damals ... aber jetzt erstmal weiter im Text.

Auf der Mauer


Naggarond; Naggaroth
2567 IC; 8.Vollmond (3.Tag)


Eine Klinge zischte durch die Luft und Darmal warf sich nach vorn. Er krachte gegen die Brust des Orks und trieb ihn gegen die Zinnen. Mit einem Pfeifen rang die Kreatur nach Atem. Darmal zögerte nicht, sondern rammte sein Schwert tief durch die grüne Haut. Mit einem Ächzen verging die Grünhaut, bevor sie über die Zinnen befördert wurde.
Darmal sah sich um. Im Moment war es relativ ruhig auf dem Wehrgang. Vereinzelt drängten die Clankrieger Orks zurück und versuchten, die Sturmleitern umzuwerfen. Die meisten hatten jedoch ihre Armbrüste in der Hand und sandten tödliche Bolzenhagel in die Tiefe.
Er konnte nicht erkennen, wie es auf den anderen Mauerabschnitten aussah, aber Darmal ahnte, dass sie es hier am besten hatten. Vermutlich tobten auf den anderen Zinnen erbitterte Nahkämpfe. Hinzu kam noch, dass hier nur Orks auftauchten. Wer wusste schon, was das Chaos den Verteidigern alles entgegen sandte?
Nicht weit entfernt krachte eine Leiter gegen die Mauerkrone und ein Ork sprang auf den Wehrgang. Darmal beobachtete, wie die Bestie einen Schützen niederschlug und dann einen anderen Elfen am Hals packte. Als ihm klar wurde, dass es Viverla’atar war, brodelte Zorn in ihm hoch und verdrängte jeden Gedanken.
Schon stürmte er los und krachte in vollem Lauf gegen den Ork. Die Bestie taumelte und ließ die junge Clanführerin los. Mit einem Schrei rammte Darmal sein Knie in den Unterleib des Orks und schlitzte ihn dann mit mehreren wilden Schwerthieben auf. Noch während das Biest zu Boden sank, fuhr Darmal herum und griff die nächsten Grünhäute an, die über die Zinnen kletterten. Der Makel des Chaos schenkte ihm unglaubliche Kraft und so schlug er den ersten einfach von der Mauer.
Die übrigen hielten inne und Darmal fauchte sie an. Verunsichert blickten sich die Grünhäute an. Solch einen Elfen hatten sie noch nie erlebt. Doch dann triumphierte ihre Mordlust über die Verwirrung und sie griffen brüllend an. Dem linken Ork wich Darmal aus und stellte ihm ein Bein, sodass er wild schreiend auf der Innenseite der Mauer herabstürzte.
Den anderen packte der falsche Drachau, verdrehte das Handgelenk und trat ihm dann die Beine weg. Noch im Fallen wurde die Bestie einem niederfahrenden Schwert durchbohrt. Darmal ließ die Klinge, wo sie war und stürzte sich in blinder Mordlust auf die beiden nächsten Gegner. Die herab sausende Keule des einen fing er ab, obwohl dabei sein Arm knackte. Er umfasste die Waffe und riss sie der überrumpelten Grünhaut aus den Händen, während er dem zweiten Ork auswich. Der rannte wild an Darmal vorbei und bekam die geworfene Keule in den Nacken.
Während er das befriedigende Knacken von Wirbeln hörte, rammte er dem entwaffneten Ork die gepanzerte, flache Hand erst in den Bauch und dann in die Kehle. Blut spritzte auf und benetzte den Silberstahl, während die Grünhaut röchelnd zusammenbrach.
Ein weiterer Ork schlich sich an Darmal an, hatte jedoch nicht mit den gesteigerten Reflexen des Elfen gerechnet. Der Druchii fuhr herum und schlug dem Angreifer mit voller Wucht ins Gesicht. Knochen brachen und das Quicken des Verletzten verging innerhalb weniger Augenblicke, als Darmal die Grünhaut packte und über die Zinnen warf.
Noch ein Ork wollte über die Mauerkrone springen. Darmal packte seelenruhig sein Schwert, riss es aus dem Kadaver und unterlief dann den Sprung der Grünhaut. Als das Monster über ihn hinweg flog, fuhr die Klinge hoch und hinterließ mehrere tiefe Schnitte in Oberkörper und Beinen des Orks. Dann stand Darmal vor der Leiter. Er sprang auf die Zinnen, spaltete dem nächsten Angreifer den Schädel und stemmte sich gegen die Leiter. Seine Muskeln zitterten, doch langsam bewegte sich das Gerät zur Seite. Ein paar Zentimeter genügten, dann entglitt ihm die Spitze der Leiter und das schwere Holzgerüst kippte an der Mauer entlang zur Seite.
Mehrere Pfeile flogen um ihn herum durch die Luft, sodass Darmal sich gezwungen sah, zurück hinter die Zinnen zu springen. Dort mühte sich Viverla’atar gerade wieder auf die Beine. Als er ihr schweißüberströmtes Gesicht sah, verebbte der Kampfesrausch in Darmal und seine Kräfte schienen zu schrumpfen, als sich der Makel des Chaos zurückzog. Rasch eilte er zur jungen Clanführerin, gerade als sie zusammenbrach und sich auf die blutigen Steine erbrach.
Darmal runzelte die Stirn. Sie schien weitestgehend unverletzt. Vorsichtig ging er neben ihr in die Knie und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Alle in Ordnung?“, fragte er. Viverla’atar blickte auf, erkannte ihn und nickte dann schwach.
„Ich denke schon. Mir ist nur so komisch … schwindelig.“ Sie hustete. „Ich bin an Blut gewöhnt, aber irgendwie ist mir schon den ganzen Tag übel. Helft mir auf.“, bat sie. Darmal griff ihr unter die Schultern und zog sie hoch. Sie ächzte und verzog das Gesicht, hielt jedoch den Brechreiz im Griff. Als er sie abstellte, wankte sie und stützte sich auf ihn.
„So kannst du nicht kämpfen.“, stellte Darmal nüchtern fest. Sie versuchte, ihn böse anzublicken, doch die schnelle Drehung des Kopfes trieb sie wieder in die Knie. Viverla’atar stützte sich schwach auf den Steinen des Wehrgangs ab, während um sie herum der Kampf weiterging. Darmal sah sich um. Die Orks griffen erneut an und überall entbrannten Nahkämpfe entlang des Mauerabschnittes. Doch es sah nicht so aus, als wären die Clankrieger in Schwierigkeiten. Niemand hatte jedoch Zeit, auf Darmal und Viverla’atar zu achten.
Kurzerhand hob er sie hoch und eilte mit ihr zum nächstgelegenen Wachturm. Glücklicherweise stand die Tür offen. Man hatte sich entschieden, kleine Hindernisse in Türöffnungen zu klemmen, die im Zweifelsfall rasch entfernt werden konnten. Darmal lehnte Viverla’atar an die hintere Wand und wies sie an, sich zu erholen. Sie konnte nur schwach nicken. Dann entschied sich Darmal für den nördlicheren Mauerabschnitt, da von dort mehr Kampfeslärm zu hören war, und stürzte sich zurück in den Kampf.

Der bittere Geschmack von Blut breitete sich in seinem Mund aus, als Reckdis herumwirbelte. Die Klinge des Dämons hatte ihn an der Wange getroffen und einen breiten Schnitt hinterlassen. Nun krachte sein Schwert gegen die zweite Waffe, die das Monster anstelle der Arme hatte. Funken stoben, als Metall über Metall schrammte, und Reckdis ächzte unter der Kraft des Zerfleischers. Dann trat er unter den gekreuzten Waffen hindurch zu.
Der Dämon grunzte und lockerte den Druck der Waffe. Stattdessen fegte die andere Klinge heran. Reckdis wich aus und versenkte sein langes Schwert in der Brust des Dämons. Mit einem protestierenden Kreischen zerfloss das arkane Wesen.
Dem Khainler war keine Ruhe vergönnt. Schon kamen zwei weitere Zerfleischer auf ihn zu. Reckdis stürmte ihnen entgegen, änderte dann die Richtung und wirbelte zwischen ihnen hindurch, wobei er sein Schwert kreisen ließ. Dem einen Dämon hackte er damit sauber den Kopf ab, der andere musste eine Wunde am Knie hinnehmen.
Indem er seine Hacken auf den rauen Untergrund der Mauer rammte, konnte Reckdis abbremsen und herumwirbeln. Genau in dem Augenblick, als die schartige Schwertschneide herabfuhr. Der Piratenfürst reagierte mit einem Instinkt, der sich in mehr als achtzig Jahren der Plünderfahrt gebildet hatte. Er sprang seinem Gegner entgegen, ignorierte den Treffer am Oberschenkel, den sein Kettenhemd abfing, und brachte den Zerfleischer ins Taumeln. Ohne Zögern schlug Reckdis ihm die Faust ins Gesicht.
Auf dem Wasser hatte er diese Vorgehensweise genutzt, um seine Gegner über die Reling zu befördern. Hier hatte der Zerfleischer die Zinnen im Rücken, aber das Ergebnis war das Gleiche. Noch während der Dämon taumelte, trat Reckdis nach, sodass das Monster direkt durch eine der Lücken in der Brustwehr stürzte.
Kurz gönnte er sich den Luxus, sich umzusehen. Es stand sehr schlecht. Überall waren die Dämonen des Chaos erschienen. Auf der Mauer, in den Türmen, sogar in den Gängen im Innern der Mauer. Und der Strom der sterblichen Krieger, die noch immer über die Leitern kamen, brach nicht ab. Ganz im Gegensatz zu den Verstärkungstruppen der Elfen.
Von hinten ertönten schwere Schritte und der Fürst wirbelte herum. Ein großer Tiermensch stürmte auf ihn zu, die mächtige Keule über den Kopf erhoben. Reckdis wartete scheinbar ruhig ab, bis die Bestie in Reichweite war. Dann, als die Waffe des Tiermenschen heran sauste, sprang er auf die Brustwehr. Die Holzwaffe prallte gegen den massiven Stein und für einen kurzen Augenblick glaubte Reckdis, die Zinne würde abbröckeln und mit ihm in die Tiefe stürzen. Stattdessen stammte das splitternde Geräusch von der Keule, die den Aufprall nicht überstanden hatte.
Reckdis nutzt die Überraschung de Tiermenschen und bohrte ihm das Schwert in die Schläfe. Mit einem Grunzen brach die Bestie zusammen. Nicht weit entfernt stand eine Leiter, an der gerade ein Chaoskrieger in schwerer Rüstung hochkletterte. Mit einer gewissen Furcht musterte Reckdis die mächtigen Muskeln des Übermenschen, die trotz des massiven Stahls auf seinem Körper keine Mühe hatten, die Sprossen zu erklimmen.
Schnell eilte Reckdis hinüber, ohne von den Zinnen hinunterzuspringen. Der Chaoskrieger war noch zu tief, dafür griff ihn ein Zerfleischer von der Mauer aus an. Reckdis sprang hoch, sodass die Schwertklingen unter ihm hindurch pfiffen, dann trat er nach dem Kopf des Dämons. Der zuckte zurück. Als er wieder nachsetzen wollte, rannte er direkt in das Schwert des Elfenfürsten, das herab fuhr.
Ein Knurren verriet den Chaoskrieger hinter Reckdis, der die Zinnen inzwischen erreicht hatte. Der Hüne hatte mit einer Hand sein gezacktes Schwert gezogen und schlug nun nach Reckdis. Der stach nach dem Handgelenk seines tieferstehenden Gegners. Er traf zwar nicht, zwang den Chaoten jedoch, seinen Hieb abzulenken. Blitzschnell trat Reckdis nach dem Kopf der Leiter. Die fiel zwar nicht um, erzitterte jedoch, was den Chaoskrieger zwang, sich festzuklammern. Sofort stach der Elf nach dem behelmten Kopf seines Gegners.
Der beugte sich nach hinten, um der Attacke zu entgehen. Diese Chance nutzte Reckdis, indem er sein Schwert zur Seite bewegte und in die Schulter des Hünen bohrte. Mit einem Brüllen verlor der Chaoskrieger den Halt, da er mit der anderen Hand das Schwert gehalten hatte, und stürzte nach hinten in den Tod.
Reckdis steckte sein Schwert zurück in die Scheide und sammelte Kraft. Dann sprach er einen Zauber des Sturms, der seinem Volk so gewogen war. Eine mächtige Böe fegte die Mauer entlang, wirbelte die Kämpfenden durcheinander, schleuderte Unglückliche beider Seite auf der Innenseite hinunter und zerrte an den Leitern. Einige wurden in die Luft gehoben, schwerere umgeworfen, einige zerbrachen auch. Überall entlang des Mauerabschnittes stürzten Krieger von den Leitern oder mit diesen zu Boden.
„Druchii. Nutzt diese Chance. Treibt die Dämonen zurück!“, bellte Reckdis und unterstich seine Worte, indem er einen Zerfleischer, der nicht weit entfernt gegen die Zinnen geschleudert worden war, enthauptete. Das Kräfteverhältnis von Dämonen und Elfenkriegern auf diesem Abschnitt der Mauer war recht ausgeglichen und Reckdis beobachtete zufrieden, wie die Krieger neue Zuversicht gewannen. Dennoch war klar, dass sie hier keine Stunde mehr durchhalten würden. Schon wurden neue Leitern herangetragen und der Feind besaß noch genug Streitkräfte, um die Mauerbesatzung zu zerschlagen.
Ein magischer Wirbel zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Nicht weit entfernt gab es einen violetten Blitz und eine humanoide Gestalt tauchte aus dem Nichts auf. Zwei Druchii-Soldaten wirbelten herum, doch alles was sie sahen, waren zwei Krallenhände, die sich in ihre Gesichter bohrten. Reckdis konnte nichts Genaues erkennen, doch es spritzte eine Menge Blut auf die Steine der Mauerkrone und nach wenigen Sekunden sanken die zuckenden Körper mit völlig unkenntlichen Schädeln zu Boden.
Ihr Mörder drehte sich nun betont langsam zu Reckdis um. Ein schiefes Lächeln lag auf dem weißen Gesicht, dessen Farbe sich grotesk von dem Grünbraun und dem Blauviolett des restlichen, überwiegend nackten Körpers abhob. Ein dünner Eiterfaden lief aus der Höhle des rechten Auges, das kaum mehr war als eine zuckende Masse widerlichen Fleisches unter einigen Strähnen dünner, tentakelartiger Haare.
Reckdis hatte von Silberstich eine Beschreibung ihrer Gegner bekommen. „Ihr seid Gropenzars.“, stellte er deshalb nüchtern fest. Der Meister der Dämonen nickte, ohne sein groteskes Lächeln abzusetzen. „So nennt man mich.“, ertönte eine Stimme aus allen Richtungen, mal weiblich, mal männlich, aber nie zu der Gestalt passend. Ein leichtes Brummen breitete sich in Reckdis Kopf aus. Dieses Wesen verdarb die Magie allein mit seiner Anwesenheit.
„Ihr seid der Windmagier. Schon lange habt Ihr Schaden angerichtet. Nun werde ich Euch Einhalt gebieten, Reckdis von den Khainlern. Ihr werdet keine meiner süßen Dämonen mehr töten. Kommt her!“
Bevor der Piratenfürst eine Chance hatte, dem Wunsch Folge zu leisten, sauste Gropenzars heran und griff mit einem wilden Kreischen an.
 
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Die Zwölf

Raum der Zwölf; Naggarond; Naggaroth
2567 IC; 8.Vollmond (3.Tag)

Yetails Blick blieb an einer der Statuen hängen. Der dargestellte Mann trug die weiten Gewänder der Tempelassassinen und hatte die Kapuze bis weit ins Gesicht gezogen, doch es war unverkennbar Sisrall. Wie die anderen kniete auch er auf dem Boden, das Haupt in ihre Richtung gesenkt. Einzelne Strähnen seines Haares fielen aus dem Schatten der Kapuze, so filigran waren die Details der Statuen.
Schon wollte die junge Zauberin nähertreten, doch dann fielen ihr Sisralls Worte wieder ein: Unternehme nichts für mich. Was auch immer du vorhast: Tu es für unser Volk. Entschlossen wandte sie den Blick ab. Der Raum war recht klein. Um das Becken voller Blut herum knieten die Statuen, dahinter war kaum ein Meter Platz bis zur Wand.
Als sich Yetails auf den Rand des Beckens zu bewegte, bemerkte sie, dass es Stufen gab, die eine Treppe bis auf Bodenhöhe bildeten. So gelangte sie rasch und mühelos aus dem Blutbecken. Widerstandslos perlte die Flüssigkeit von ihrer Haut und aus ihrer Kleidung. Als sie auf dem Marmor stand, war sie vollkommen trocken.
Der Boden bestand aus einer einzigen, makellos glatten Fläche und glühte sanft in einer inneren Dunkelheit. Es war warm, aber angenehm. Anstelle der Wand flimmerte das schwarze Kraftfeld vor Yetail. Es schien undurchdringlich und sandte ihr kribbelnd eine Warnung entgegen. Es hatte sie widerwillig eingelassen, herauslassen würde es sie nicht.
Nun bemerkte Yetail, dass kleine Rillen in den Boden eingelassen worden waren. Sie verliefen geradlinig unter den Statuen hindurch und kanalisierten dabei das Blut des Beckens. In dem leeren Bereich zwischen Wand und Becken trafen sich je zwei der Linien und formten kunstvolle Siegillen auf dem schwarzen Marmor.
Direkt vor Yetail befand sich einer dieser Kreuzpunkte und vorsichtig bewegte sie sich darauf zu. Als ihr Fuß den Rand des Symbols erreichte, erwachte das Blut zum Leben und strömte immer schneller durch die engen Kanäle. Es wurde erst heller und dann grün, bis es sich hell leuchtend aus seinem marmornen Bett erhob und in der Luft Symbole einer uralten Sprache formte.
Yetail trat einen Schritt zurück. Zuerst ergaben die Zeichen für sie keinen Sinn, dann bemerkte sie, dass die Symbole unten und oben abgeschnitten wirkten. Auf der Unterseite war eine grade Kante zu erkennen, als fehle jedem der Zeichen ein Stück. Auf der Oberseite war es ähnlich, wenn auch weniger auffällig, da nur einige, größere Symbole betroffen waren, die kleineren waren oben vollständig.
Verwirrt sah sich Yetail um, in der verzweifelten Hoffnung, die fehlenden Teile der Zeichen zu finden, um ihnen einen Sinn entlocken zu können. Doch der Rest des Raums war unverändert, die Statuen schwiegen und das Blut im Becken lag spiegelglatt vor ihr. Voller Frustration riss Yetail die Arme hoch.
Dann stockte ihr der Atem, als sie ihre Unterarme betrachte. Seit dem Kampf von Hag Graef hatte sich das Muster aus Blut auf ihrem linken Arm immer weiter verfeinert und inzwischen waren auch auf dem rechten einzelne Bögen und Linien zu erkennen, wenn auch lange nicht so dicht und zahlreich.
Langsam, beinahe ehrfürchtig hob Yetail ihre Arme parallel vors Gesicht, den rechten ein wenig über dem linken, sodass die grünen Schriftzeichen dazwischen schwebten. Tatsächlich, die Muster auf ihren Armen ergänzten die abgeschnitten Stellen der Schrift vollkommen. Obwohl die Zeichen Yetail fremd waren, konnte sie ihnen nun einen Sinn entlocken.
„Vereinige das Blut der Jahrtausende.“, stand dort. Mit einer Mischung aus Freude und Resignation ließ Yetail die Arme sinken, woraufhin die Schrift im Boden versank und das strömende Blut zur Ruhe kam. Sie war einen Schritt weitergekommen, wusste aber immer noch nicht, was genau sie tun sollte.
„Blut gibt es hier.“, fing sie an, während sie langsam um das Becken herumging. Versuchsweise berührte sie eine der anderen fünf Siegillen, doch keine davon reagierte. „Vereinigen brauche ich es nicht mehr, es befindet sich ja schon in einem Becken.“ Auf einmal bemerkte sie etwas, das ihr bislang entgangen war. In großen zeitlichen Abständen fielen den Statuen Blutstropfen aus dem Gesicht und vereinigten sich mit der Flüssigkeit im Becken.
„Dieses Becken vereinigt also das Blut der Zwölf. Sie alle stammen aus unterschiedlichen Jahrtausenden. Also müsste diese Flüssigkeit doch bereits das Blut der Jahrtausende sein, oder?“ Da sie zu keiner Schlussfolgerung kam, ging sie weiter um das Becken herum und beobachtete die Blutstropfen. Tatsächlich, jede der Statuen verlor in regelmäßigem Abstand Blut.
„Jede? Nein, Sisrall blutet nicht!“, ging ihr auf. Ihr Kopf schnellte hoch, als sie sich versteifte. „Natürlich. Er ist noch nicht in die Hallen Khaines gegangen, sonst könnte ich nicht über die Macht der Marilim verfügen. Deshalb wird sein Blut nicht dem der anderen hinzugefügt. Das heißt, ich selbst muss ihn vertreten und unser gemeinsames Blut anbieten.“
Entschlossen zog sie ihren Dolch und trat auf die erste Stufe, die von Blut bedeckt war. Einer Eingebung folgend nahm sie die Waffe in die linke Hand und hob den rechten Arm. Wie sie es schon dutzende Male getan hatte, setzte sie einen feinden Schnitt und wartete, bis drei Blutstropfen ins Becken gefallen waren. Dann heilte sie sich.
Trotz der geringen Menge war der Flüssigkeitsstand im Becken gestiegen. Die Oberfläche benetzte nun die Füße der Statuen. Nicht weit entfernt kam Bewegung in das Blut und rauschend erwachte eine weitere Siegille zum Leben. Wieder erhob sich die strahlend grüne Flüssigkeit in die Luft und bildete abgeschnittene Symbole. Überrascht stellte Yetail fest, dass ihre Arme, der rechte nun dichter bedeckt, die Zeichen erneut vollkommen ergänzten.
„Heile uns!“, lautete die kurze Nachricht. Verblüfft ließ Yetail die Arme sinken, woraufhin sich die Siegille beruhigte und die Symbole verschwanden. Versuchsweise ging sie zu einer der Statuen und sprach einen Heilzauber. Ihre Magie erwärmte den Stein, zeigte ansonsten jedoch keine Wirkung. Das Tropfen ging weiter. Frustriert setzte sich Yetail an den Rand des Beckens, zwischen zwei der Statuen, die Stiefel in der roten Flüssigkeit.
„Was soll ich nur mit euch machen?“, fragte sie die Statue zu ihrer Rechten, die sie gerade zu heilen versucht hatte. Dann beugte sie sich neugierig vor. In der Stirn der steinernen Frau klaffte ein kleines Loch, aus dem das Blut sickerte. Kurz fragte sich Yetail, ob das etwas mit dem Tod der Erwählten zu tun hatte, verwarf den Gedanken aber wieder. Dann hätten nicht alle Statuen mit Ausnahme Sisralls den gleichen Schaden.
Außerdem war die „Wunde“ kein bloßes Loch sondern beim näheren Hinsehen ein kunstvolles Symbol, das sich in filigranen Windungen von beiden Schläfen über die Stirn zog, sich in der Mitte verdickte und zu den Seiten zu einzelnen dünnen Strähnen verband. Etwas sagte Yetail, dass sie das fehlende Stück Stein nicht finden würde.
Doch sie wusste bereits, was zu tun war. Ihr war ein Blutzauber eingefallen, von dem sie gedacht hatte, dass sie ihn niemals brauchen würde. Erneut zog sie ihren Dolch und schnitt sich in den rechen Arm. Dann fing sie das Blut mit einem Zauber auf und füllte damit die Lücke in der Stirn der Statue vor ihr. Ein letzter mentaler Befehl wurde ausgesandt und das Blut erstarrte zu massivem Gold.
Yetail atmete tief durch. Der Zauber sah so einfach aus und kostete sie dennoch große Mengen an Kraft. So wartete sie kurz und stellte fest, dass die Statue kein Blut mehr verlor, bevor sie sich der nächsten zuwandte. Es war eine anstrengende und kraftzehrende Prozedur, doch endlich waren alle Statuen versorgt. Völlig entkräftet stützte sich Yetail auf ihre Schenkel. Noch während sie mithilfe der Marilim wieder zur Kraft kam, entfaltete sich einer weitere der sechs Siegillen und enthüllte ihr die nächste Aufgabe.
„Gib uns Schatten wie dem Zwölften.“ Yetail weigerte sich, Frustration zu verspüren. Sie hatte bereits zwei der Aufgaben lösen können. Auch wenn sie diese nicht verstand, würde sie einen Weg finden. Am Besten fange ich bei dem an, was mir klar ist, sagte sie sich. Zielstrebig, um ihre Unsicherheit loszuwerden, ging sie zu Sisralls Statue hinüber.
„Du bist der Zwölfte.“, stellte sie fest. Sanft legte sie ihm die Hand auf die Schulter. Sofort zuckte sie zusammen und schrie auf. Für einen kurzen Augenblick hatte sie Sisralls Inneres gesehen, beinahe vollständig von der Kälte der Schatten erstickt. Schwach erinnerte sie sich, dass er ihr vom Altar der Absoluten Dunkelheit erzählt hatte. Von der Kraft der Dunkelheit hatte sie jedoch nichts geahnt. Und nun wollen die anderen Erwählten diese Schatten mit ihm teilen. Von mir aus. Aber wie soll ich sie ihnen geben?
Kaum hatte sie sich die Frage gestellt, schlug sie sich auch schon gegen die Stirn. Was bin ich nur für eine unfähige Magierin. Ich kann doch selbst Schatten rufen, so viel ich will. Nur muss ich dieses Mal wohl weitergehen als jemals zuvor.
Ohne die Statue Sisralls loszulassen, schloss sie die Augen und versank in Trance, bis sie die Schatten um sich spüren konnte. Es war nicht das gewöhnliche Formen eines Zaubers. Die Erwählten wollten die Dunkelheit des Schattenreiches. Irgendwo hier war Sisrall, das spürte sie, doch die Finsternis war undurchdringlich. Schon schossen die Schatten auf sie zu, gierig wie wilde Tiere, die Beute witterten. Doch Yetail erwartete sie. Schon formte sich ein gleißender Schild und schloss einen Teil der Schatten ein.
Vorsichtig kehrte Yetail mit ihrer Beute in die wirkliche Welt zurück und öffnete die Augen. Tatsächlich, dort über dem Becken schwebte ihr Käfig und darin wandten sich die Schatten. Bevor sie jedoch etwas tun konnte, erschien die nächste Siegille und befahl ihr, den Erwählten auch das Feuer, das Sisrall in sich trug, zu beschaffen. Das war schwieriger, da sie nicht irgendein Feuer nehmen konnte, wie sie die Schatten gefangen hatte, sondern tatsächlich das von Sisrall nehmen musste.
Als sie nach ihm suchte, fand sie ihn schnell und es gelang ihr, eine Art geistigen Streichholz zu erschaffen, auf den die Flamme übersprang, ohne Sisrall zu schwächen oder Yetail zu verbrennen. Es ähnele dem Verfahren, das sie benutzte, um die Feuerbögen von ihren Fingern zu beschwören.
Völlig erschöpft kehrte sie abermals in den Raum der Zwölf zurück. Die Flamme zeigte sich im Gegensatz zu den Schatten nicht. Es gab sie nur in ihrem Geist. Nun kam der schwierigste Teil. Sie holte tief Luft und erschuf dann zehn weitere ihrer mentalen Hölzer. Mit der Geschwindigkeit von Gedanken vervielfältigte sich die Flamme, bis alle brannten. Da sie ihre Konzentration schwinden spürte, beeilte sich Yetail, diese Flamme zu jeder der Statuen zu senden. Zweimal wäre sie um ein Haar gescheitert und das Feuer erloschen, doch sie schaffte es.
Als sie die Augen wieder öffnete, stellte sie entsetzt fest, dass sie Figuren lichterloh brannten. Panisch wollte sie erst das Blut im Becken zum Löschen verwenden, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Ein Eiszauber kam ihr in den Sinn, doch sie hatte keine Kraft mehr. Verzweifelt wirbelte sie herum. Alle Statuen außer der von Sisrall standen in Flammen. Wie machst du das nur, Sisrall? Du hältst nicht nur diese Flammen in Schach, sondern kannst sogar die Schatten kontrollieren, die … natürlich!
Mit einem mentalen Befehl zerstörte sie den gleißenden Käfig, woraufhin die Schatten hervorstürzte. Kurz fragte sich Yetail, ob sie nun das Opfer werden könnte und ob sie noch die Kraft besaß, einen Schild zu erschaffen. Doch die Dunkelheit hatte ein anderes Ziel. Blitzschnell wandten sich die Wolken aus Finsternis um die Statuen und drängten die Flammen in deren Herzen zusammen, so wie es bei Sisrall war. Deshalb hatten die Siegillen Yetail befohlen, das Feuer zu holen, bevor sie die Schatten befreite. Anderseits wäre sie vernichtet worden.
So aber herrschte in jeder der Statuen ein Gleichgewicht zwischen Feuer und Finsternis, zwischen Hitze und Kälte, Licht und Dunkelheit. Ja, so ähnlich hat es Sisrall beschrieben. Ich habe es geschafft. Schon zwei weitere Schritte sind getan. Ihre Kraft erneuerte sich dank der Marilim bereits wieder, allerdings entfaltete sich nun die fünfte Botschaft.
„Gib uns das Fleisch zurück!“ Die junge Zauberin starrte ungläubig auf die Schrift. Nicht einmal die größten Beschwörer der Nekromantie konnten einfach so Fleisch erschaffen. Und schon gar nicht konnten sie Stein in etwas Derartiges verwandeln. Nein, es muss einen anderen Sinn ergeben. Es muss etwas sein, das ich bewerkstelligen kann. Diese ganze Prüfung wurde für mich angelegt, nur ich hätte diesen Raum erreichen können. Also muss ich einen Weg finden können.
„Was kann ich denn?“, fragte sich Yetail laut. „Ich beherrsche die Lehren des Feuers, des Frosts und der Schatten sowie die Blutmagie. Damit bin ich bisher schon ziemlich weit gekommen. Ich habe Slonish in Hag Graef beinahe geschlagen, habe die Schiffe der Khainler versenkt, mit die Teile für einen Drachenstein besorgt, Szar’zriss mit Sisrall besiegt, Elene vernichtet … halt! Die Hydra! Ich habe eine Hydra aus Blut erschaffen und sie gegen Elene kämpfen lassen. Sie sah vollkommen echt aus, beinahe, als wäre sie auch Fleisch und Blut, statt nur aus Letzterem. Es ist nur eine Frage der Kraft.“
Ein Lächeln zog sich über ihr Gesicht, als sie das Blutbecken musterte. Die Hydra hatte sie aus ihrem eigenen Blut erschaffen. Dieses Mal konnte sie die Flüssigkeit im Becken nehmen, da diese bereits mit Yetails Lebenssaft vermengt war und ihr daher gehorchen würde. Auf ähnliche Weise hatte sie den Lindwurm in Hag Graef dazu gebracht, den Schwanz ruhig liegen zu lassen.
Sie streckte ihren Geist aus und formte dann das Blut. Dabei ließ sie sich ganz von ihrem Gefühl leiten. Vielleicht durch einen Zauber des Raumes, vielleicht durch die Verbindung der Marilim, vielleicht auch durch ihre Abstammung wusste sie, was sie zu tun hatte. Nacheinander wurden die Statuen mit Blut bedeckt, so lebensecht, dass die junge Zauberin sich wunderte, dass die Erwählten sich nicht einfach erhoben. Nur die Farbe stimmte nicht.
Dennoch war die Aufgabe erfüllt. Denn als das Becken leer und alles Blut auf die Statuen verteilt und magisch geformt war, kam Bewegung in die letzte Siegille. „Gib uns die Kraft zum Leben.“, wiesen sie die Worte an, bevor sie sich auflösten und zu etwas Neuem formten. Yetail beobachtete es nicht weiter.
Dieses Mal brauchte Yetail nicht lange zu überlegen. Es gab nur eine einzige Kraft, die stark genug war, die Statuen zu erwecken. Und damit war klar, was sie zu tun hatte: Sie musste den Erwählten geben, was sie überhaupt erst ausmachte: Die Marilim.
Yetail stellte sich auf die unterste Stufe des Beckens, fast in die Mitte. Dann griff sie nach aller Magie, die sie bekommen konnte und ließ sie frei. Direkt vor ihrem Körper, im Zentrum des Raums. Innerhalb eines Augenblicks durchströmte sie die Macht eines Gottes. Zwölf Erwählte hatten die Marilim getragen, die von Khaine selbst gespeist wurde. Ein jeder hatte einen eigenen Anteil an Kraft dazugegeben. Und all diese Magie durchströmte Yetails Körper und entlud sich vor ihr.
Es gab einen blendenden Blitz und einen ohrenbetäubenden Knall, dann wurde Yetails gegen die Wand geschleudert. Scheinbar eine Ewigkeit lang war ihr, als presse sie eine unsichtbare Faust gegen das Gestein. Nur ganz am Rande ging ihr auf, dass das Kraftfeld wohl von der Explosion zerfetzt worden war. Um Yetail herum splitterte Marmor und die Luft in ihren Lungen wurde staubig und heiß.
Als sie schon glaubte, ersticken zu müssen, erstarb der tobende Orkan und sie rutschte zu Boden. Nach Luft schnappend mühte sie sich auf die Knie. Nun bemerkte sie, dass sie in dem Raum gelandet war, in dem Elene gestorben war. Der Körper der Dämonenprinzessin hatte den magischen Sturm anscheinend nicht überstanden. Über ihr ächzte das Gestein und Yetail beeilte sich, zurück in den Raum der Zwölf zu kommen, noch bevor sie wieder richtig atmen konnte.
Der Zauber hatte tatsächlich gewirkt. Das Blut, das die Statuen bedeckt hatte, war zu Fleisch, Metall oder Stoff geworden. Nun waren die Figuren nicht mehr rot. Als Yetail nähertrat, hörte sie ein leises Ächzten. Dann scharrte Metall über Stein und irgendwo rieselten ein paar herausgesprengte Steinchen ins Becken. Ganz allmählich kam Bewegung in die Erwählten. Erst begannen sie nur, zu atmen, dann bewegten sich einzelne Finger, schließlich erhoben sie sich unbeholfen.
Alle sahen sich ungläubig um. Yetail bemerkte, dass die Symbole aus Gold auf ihrer Stirn geblieben waren. Sie verliehen den Männern und Frauen ein majestätisches Aussehen. Nur Sisrall, dessen Statue unbeschädigt gewesen war, besaß dieses Zeichen nicht. Als er sie bemerkte, lächelte er und trat auf sie zu. Seine Beine gaben nach und Yetail fing ihn auf.
„Ich wusste, du würdest es schaffen.“, flüsterte er, während er sie umarmte. „Während ich im Schattenreich die Marilim vor Khaine verborgen habe, warst du meine einzige Hoffnung. Du hast es vollbracht, Yetail Bluthand. Die Kinder des Mordes sind zurückgekehrt.“
 
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Gute Nachricht: ich hab wieder Lust zum Schreiben 😀

Hab in den letzten beiden Tagen drei schöne neue Teile geschrieben. Mach aber jetzt erstmal weiter.

Eine halbe Stunde

Naggarond; Naggaroth
2567 IC; 8.Vollmond

Nerglot verharrte reglos auf dem niedrigen Hügel, der ihm schon seit fast drei Stunden als Aussichtspunkt diente. Nur einmal, vor etwas mehr als einer Stunde hatte eine Gruppe Orks die geniale Idee gehabt, ihn anzugreifen. Inzwischen standen sie in Reih und Glied mit den übrigen seiner Diener.
Von seiner Position aus konnte der Untote den Verlauf der Belagerung relativ gut überblicken. Es sah nicht gut aus für die Elfen. An den äußeren Mauerabschnitten schien es kaum Probleme zu geben. Von dort sandten die Autarii Salve um Salve in die Menge der Feinde. Die wenigen Belagerungsleitern waren rasch umgekippt worden und so richtig schien sich der Feind für diese Stellungen nicht zu interessieren.
Soweit Nerglot es erkennen konnte, machte das Chaos die größeren Fortschritte. Auf den Festungswällen war eine große Zahl Dämonen aufgetaucht und hatte Tod und Vernichtung unter die überraschten und unterlegenen Verteidiger gebracht. Inzwischen waren die Sturmleitern aber von einem magischen Sturm umgeweht worden, was dazu führte, dass die Elfen sich den Dämonen widmen und diese niedermachen konnten.
Der Todbringer feuerte vor allem auf den mittleren Turm, wo ein Großteil der Druchii-Hexen stand. Bislang waren die dämonischen Geschosse abgewehrt worden, doch Nerglot erkannte, dass die Kraft der Elfen nachließ.
Derweil hatten es die Orks geschafft, einen ihrer Belagerungstürme an die Mauer zu bringen. Eine große Gruppe Grünhäute hatte es auf die Brustwehr geschafft, bevor das Gerüst mit Drachenfeuer angesteckt worden war. Inzwischen kündete nur noch ein Haufen Asche von der Belagerungsmaschine.
Insgesamt hätte der Untote im Moment nicht auf die Elfen gesetzt. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie scheitern würden. Die beiden inneren Mauerabschnitte waren kaum noch besetzt und hart umkämpft, die dahinter wurden nun immer mehr bedrängt und die Autarii waren kaum dazu ausgerüstet, eine Mauer gegen eine Übermacht an Nahkämpfern zu verteidigen.
Und bislang haben weder der Hüter der Geheimnisse noch einer der Chaosanführer in den Kampf eingegriffen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis … was war das? Eine gewaltige magische Kraft war irgendwo unter dem Stadtzentrum freigesetzt worden. Mehr als Nerglot den Klosterhexen und Sturmrufern der Druchii noch zugetraut hätte. Aber das kann nicht sein. Malekith, Morathi mit ihren Hexen und selbst der Piratenfürst sind alle auf der Mauer … wer also…? Die Antwort traf ihn wie ein Schlag. Bluthand. Ist dieses Weib schon wieder dabei, alles durcheinanderzubringen?

Reckdis wirbelte herum und stach zu. Seine Klinge durchschnitt leere Luft und trieb ihn durch den Schwung weiter. Schon kratzten Klauen über das Metall seiner Rüstung knapp unter seinem Hals. Der Piratenfürst verzichtete darauf, zu fluchen. Er hatte auch kaum noch den Atem dazu. Dieses Mistvieh von einem Halbdämon ist einfach zu schnell, dachte er, bevor der Kampf erneut all seine Aufmerksamkeit fesselte.
Bereits seit einer halben Ewigkeit, so kam es dem Khainler vor, kämpften sie nun schon gegeneinander. Bisher war Gropenzars Reckdis Angriffen immer mit unnatürlicher Schnelligkeit ausgewichen. Beinahe hatte der Sturmrufer den Eindruck, sein Gegner würde ständig durch den Warp springen, um seiner Klinge zu entkommen. Doch mittlerweile wusste Reckdis, dass sein Gegner zwar dazu in der Lage war, ein solches Vorgehen aber viel schlimmere Konsequenzen für den Elfen hatte, als dass er einfach nicht traf.
Einmal hatte Gropenzars einen Sprung durch den Warp gemacht, als es so ausgesehen hatte, als wäre er in die Ecke gedrängt und könne Reckdis Klinge nicht mehr rechtzeitig entgehen. Der Chaot war hinter dem Elfen erschienen und nur der Rüstung und den magischen Sinnen des Sturmrufers war es zu verdanken, dass er noch nicht tot war.
Ein gackerndes Lachen ertönte und schon schnellte das Monster wieder heran. Reckdis Schwert beschrieb einen glitzernden Bogen und wehrte die Klauenhand mit einem harten Schlag ab. Knochen und Horn splitterten, Krallenstücke fielen auf den Wehrgang, doch den Dämonenmeister schien die Verletzung nicht zu stören. Er stieß nicht einmal einen Schmerzenslaut aus. Und noch während er sich unter dem Hieb der anderen Pranke hinweg duckte, musste Reckdis mit ansehen, wie sich die Wunde wieder schloss, die Knochen wie von unsichtbarer Hand gerichtet wurden und selbst die Krallenstümpfe auf die vorherige Länge anwuchsen.
Erneut versuchte der Khainler, sein Schwert zum Einsatz zu bringen, indem er zu einem tiefen Hieb ansetzte. Doch wieder war dort, wo sich eben noch Gropenzars Knie befunden hatten, nur Luft. Dafür stand der Halbdämon plötzlich neben ihm. Stinkender Atem schlug Reckdis ins Gesicht, als ihn das Monster ansprang und sich gelbliche Zähne seinem Gesicht näherten.
Dem Piratenfürst entging nicht, dass sein Gegner mit ihm spielte. Gropenzars war dermaßen schnell, er hätte ihn schon längst zerfleischen können. Doch Reckdis hatte sich im Stillen geschworen, seinen Feind irgendwie für diese Hochnäsigkeit bezahlen zu lassen. Nun wälzte er sich herum, sodass er den geschärften Zähnen entkam. Die Spitzen der Krallenfinger zerrissen seinen Umhang, aber er kam frei, schlug mit dem Schwert um sich und sprang dann wieder auf die Beine.
Vor ihm war die Mauer leer. Weiter hinten kämpfen Druchiisoldaten gegen die Dämonen des Chaos. In diesem Moment gab es keinen Raum für Gedanken und nur die Erfahrung von Jahrzehnten des Kampfes retten Reckdis Leben. Er wirbelte herum, das Schwert weit von sich gestreckt.
Scharfer Stahl schnitt tief in verdorbenes Fleisch und ließ giftigen Eiter aufspritzen. Die Klinge durchtrennte die eine Krallenhand des Dämonen, deren Ziel der Kopf des Piratenfürsten gewesen war, und fuhr dem Monster über die Brust. Haut und Muskeln rissen, doch noch immer zeigte Gropenzars keinen Schmerz. Stattdessen sprang er Reckdis direkt an und schlug mit der verbleibenden Pranke zu.
Die Krallen zogen funkensprühend über die prunkvolle Rüstung und hinterließen tiefe Furchen im Silberstahl. Reckdis ächzte, als er das Metall nachgeben hörte. Gleichzeitig prallte sein Gegner gegen ihn und schleuderte ihn zu Boden. Speichel spritzte ihm ins Gesicht, als Gropenzars abermals versuchte, ihm mit den Zähnen den Hals aufzureißen.
Reckdis ließ sein Schwert los und packte mit beiden Händen den Kopf seines Widersachers. Dann zog er ihn zu sich und schlug ihm die behelmte Stirn ins Gesicht. Knochen knackten und der Halbdämon fuhr wild heulend zurück. Das zerstörte Auge zitterte wild in seiner Höhle und im anderen leuchtete feuriger Zorn auf. Ein Zischen ertönte, als Reckdis sein Schwert packte und nach Gropenzars schlug. Die Klinge durchtrennte den halben Oberschenkel des widerlichen Wesens, bevor es verschwand.
Reckdis rollte sich zur Seite, denn schon fuhr ein krallenbewehrter Fuß dort nieder, wo sich eben noch sein Gesicht befunden hatte. Nun zeigte die Verletzung aber doch Wirkung, denn das zerschnittene Bein knickte ein und Gropenzars taumelte. Reckdis nutzte den Moment, um wieder auf die Beine zu kommen.
Als er seinen Gegner musterte, musste er feststellen, dass dessen Verletzungen beinahe vollständig verschwunden waren. Der Oberschenkel war bereits wieder verheilt, abgesehen vom Zucken des Auges hatte auch die Kopfverletzung keine Spuren hinterlassen und an der abgeschnittenen Hand fehlten nur noch die Krallen. Verflucht seiest du, räudige Bestie, formte Reckdis in Gedanken seinen Hass.
Und schon ging der Kampf weiter. Reckdis sprang ein wenig schräg auf Gropenzars zu und schwang sein Schwert seitlich, während der Halbdämon mit einem wilden Sprung auf ihn zukam. Der Khainler änderte die Bewegung seines Arms und schlug seinem Gegner den Knauf des Schwertes in die Seite, sodass dessen Angriff abgelenkt wurde. [FONT=&quot]Die Krallen fuhren funkensprühend über Reckdis gepanzerte Schulter, statt ihm die Kehle aufzuschlitzen. [/FONT]
Obwohl die Verletzung grelle Schmerzen verursachte, zuckte der Khainler nicht zusammen, sondern setzte nach. Er wirbelte herum und schlug nach dem Halbdämon. Dabei hatte er jedoch nicht bedacht, dass dieser selbst an den Füßen gefährliche Klauen hatte. Die Krallen durchstießen Reckdis Kettenhemd kurz unterhalb der Kante des Brustpanzers und schlitzten ihn den Bauch auf, gerade, als das Schwert des Elfen zwischen Gropenzars Rippen fuhr.
Die vergifteten Klauen sandten brennenden Schmerz durch Reckdis‘ Nervenbahnen. Er stieß ein heiseres Gurgeln aus, als sein Blick zu flackern begann. So bemerkte er erst, als das Gewicht der Klinge seine Hände nach unten zog, dass sich der Halbdämon von der Klinge befreit hatte. Mit einem wilden Schrei verdrängte Reckdis die Wirkungen der Verletzungen und drang wild auf seinen Gegner ein, der nun deutlich geschwächter wirkte. Er bewegte sich langsamer und vorsichtiger. Dann sprang er vor und der Khainler konnte gerade noch rechtzeitig den Kopf zur Seite neigen, um den blitzenden Klauen zu entgehen, die erneut nach seinem Gesicht tasteten.
Drei messerscharfe Krallenspitzen fuhren über seine linke Wange und hinterließen haarfeine Schnittwunden, aus denen heißes Blut über Reckdis Haut lief. Nur eine kleine Menge Gift floss in die Wunde, doch es genügte, um Reckdis die Kraft zu rauben. Von einem Augenblick zum anderen war er zu schwach zum Stehen und stürzte mitten in der Bewegung zu Boden. Es gelang ihm, sich mit dem Schwert abzufangen, sodass er nur auf den Knien landete.
Schon hörte er Gropenzars Kichern, wild und grausam. Hass und Angst, so würdelos und vermutlich qualvoll zu sterben, durchströmten den Khainler und er konzentrierte all seinen verbliebenden Willen auf die Kraft des Windes. Er brauchte keinen schwierigen Zauber, ein magischer Hauch genügte.
Unwirklicher Wind zerzauste ihm die Haare und riss ihm den Helm vom Kopf. Er wurde nun vollends zu Boden geschleudert und hörte, wie Gropenzars irgendwo in der Nähe gegen die Zinnen gepresst wurde. Dann zerrte ihm der Wind das Schwert aus der Hand und schleuderte er durch die Luft. Reckdis brauchte nichts zu sehen, er wusste, was geschah, und er konnte es spüren.
Von der Kraft des arkanen Windes getragen, wirbelte das Schwert aufrecht durch die Luft und schlug Gropenzars der Länge nach entzwei, bevor es gegen die Mauer krachte und mit einem Klirren zu Boden fiel. Und als das Klingeln des Schwertes in Reckdis Ohren verklungen war, hatte sich der Sturm verzogen, als hätte es ihn nie gegeben.
Die nächsten Minuten vergingen für Reckdis wie im Traum. Unfähig, sich zu bewegen, lag er auf dem Boden. Vor Augen hatte er lediglich verschwommen die Oberfläche der Mauerkrone. Irgendwo erklang Lärm. Schwerter schlugen auf Metall, Männer schrien, Monster kreischten und irgendwer versuchte, Befehle zu erteilen.
Es war ihm unmöglich, den Geräuschen einen Sinn zu geben. Als er sich irgendwann fragte, wo er eigentlich war, glaubte er sich an Bord eines Schiffes, vermutlich inmitten eines Entergefechts. Warum liege ich dann hier? Ich muss meinen Leuten helfen. Schon versuchte er, sich aufzurappeln, was sengenden Schmerz durch seine Gesicht und seinen Oberkörper jagte.
„He, der lebt noch.“, hörte er jemanden sagen. Dann wurde er auf den Rücken gedreht. Ein ältliches Gesicht schob sich vor die blendende Sonne. Es war eine seiner Sturmrufer, das Gefecht musste also gewonnen sein. An den Namen des Mannes erinnerte er sich aber nicht mehr.
Eine Flasche wurde an seine Lippen gesetzt und eisige Flüssigkeit rann durch seine Kehle. Ihm war, als würde er innerlich erfrieren. Bis in die Finger- und Zehenspitzen drang das widerliche Gefühl. Dann zog es sich zusammen, in seinen Magen zurück und wieder durch seine Kehle. Als es seinen Gaumen erreichte, musste er sich übergeben und spuckte röchelnd Gallenflüssigkeit auf die Brüstung.
Als das Würgen endlich nachließ, war der Schmerz verschwunden. Starke Arme packten ihn und stellten ihn auf die Beine, jemand schob sein Schwert in die Scheide an seinem Gürtel. Überall lagen Leichen, mehr Druchii als Chaoskrieger. Dafür war die Mauer mit einer Art widerlichem Schleim benetzt.
„Was ist geschehen?“, röchelte er. Der Sturmrufer, der ihm das Schmerzmittel gegeben hatte, deutete auf eine große Pfütze, die nach verbranntem Eiter aussah und nach etwas roch, das Reckdis nur mit der Unterwelt assoziieren konnte.
„Nachdem Ihr den Dämonenmeister vernichtet habt, verloren die Zerfleischer und all die anderen Kreaturen den Kampfeswillen. Sie wurden langsamer und griffen weniger selbstzerstörerisch an. Außerdem kam bald darauf die Verstärkung von den Reserven der Stadtwache hierher. So war es uns relativ leicht möglich, die Dämonen zu schlagen.“
Langsam klärte sich Reckdis Blick. Er ließ sich zum Turm führen und lehnte sich dort an die Wand. So konnte er beobachten, wie die Krieger erneut die Mauer bemannten und vereinzelte Chaoskrieger abwehrten, die auf den wenigen Leitern empor kletterten, die wieder aufgestellt worden waren, nachdem Reckdis Zauber sie umgeworfen hatte. Es schien, als wäre dieser Mauerabschnitt vorübergehend gesichert. Dennoch wusste jeder, dass sie keine Stunde mehr durchhalten würden, sobald die Leitern erst wieder standen.

Darmal schlug zu und erwischte den Ork an der Schulter. Sein Schwert durchschlug den Knochen und fuhr weiter durch den Oberkörper der Grünhaut, bis es unterhalb der Rippen diagonal wieder austrat. Doch er verschwendete keinen Gedanken daran, woher er diese Kraft bezog. Die Antwort hätte ihm ohnehin nicht gefallen und solange er sich und die Druchii auf diese Weise retten konnte, war es ihm eine Freude, die verdorbenen Kräfte des Chaos gegen seine Feinde einzusetzen.
Das lange Schwert eines großen Orks zischte heran, doch Darmal parierte mühelos. Offensichtlich von der Stärke seines Gegners überrascht, stockte der muskulöse Kämpfer. Woraufhin er wenig später ein Schwert durch den Schädel gerammt bekam. Der Leichnam kippte nach hinten weg und brachte einen weiteren Ork zum Straucheln. Darmal sprang über den Toten hinweg und enthauptete den anderen Ork.
Dann sah er auf. Er war beinahe auf der anderen Seite des Mauerabschnittes. Er hatte geholfen, einen Brückenkopf, den die Orks um zwei der Leitern gebildet hatten, zu zerschlagen. Und nun nahmen die Druchii die Mauer wieder ein. Zumindest von Süden her. Von Norden kam kaum Unterstützung.
Bis zum Turm war es nicht mehr weit und Darmal warf sich kampfeslustig zwischen die Orks. Zwei schlitzte er einfach auf, dem Hieb eines dritten wich er aus, bevor er dem vierten die Klinge durch die Brust trieb. Eine andere Grünhaut rannte Darmal einfach um, ehe er herumwirbelte und zwei Orks enthauptete. Fast beiläufig stach Darmal den Ork ab, den er umgeworfen hatte.
Dann bemerkte er, dass sich zwei Grünhäute von hinten anschlichen. Er fuhr herum, zerteilte den einen vom Kopf bis zum Schritt und packte den anderen mit der gepanzerten Faust. Ein furchterregendes Brüllen ausstoßend schleuderte er den Feind über die Zinnen.
Er weigerte sich, darüber nachzudenken, dass er gerade im Alleingang acht Orks abgeschlachtet hatte, ohne dafür mehr als fünfzehn Sekunden zu brauchen oder auch nur einen Kratzer abzubekommen. Das schwarze Blut auf seiner Rüstung war das der Grünhäute, nicht sein eigenes.
Darmal hob die Faust und schlug gegen die Tür zum Turm. Niemand reagierte im Inneren. Darmal glaubte jedoch, aufgeregte Stimmen und das Klirren von Stahl zu hören. Betont sorgfältig steckte er sein Schwert ein, vergewisserte sich, dass die Soldaten hinter ihm beschäftigt waren — das waren sie, denn schon wurden weitere Leitern angelegt und entluden ihre grüne Fracht auf die Mauer — bevor er Anlauf nahm und dann mit aller Kraft gegen die Tür trat.
Das Splittern ging im Kampfeslärm unter. Als er durch die Tür trat, fand sich Darmal mitten im Schlachtgetümmel wieder. Grässliche Dämonen stürmten durch die gegenüberliegende Tür und fielen über die wenigen Verteidiger her. Hinter den Angreifern, am anderen Ende des nächsten Mauerabschnittes, konnte Darmal die schillernde Gestalt des Hüters der Geheimnisse sehen, der auf die Mauer geflogen war und weitere Dämonen mitbrachte, während er sich einen mentalen Kampf mit dem verbleibenden Hexenzirkel lieferte.
„Ach verdammt.“, meinte Darmal, als er sein Schwert zog und die hereinstürmenden Dämonen angriff. Es sah wirklich nicht gut aus. Eine halbe Stunde, beschloss er. Dann würde auch der Mauerabschnitt gefallen sein, den er gerade verteidigt hatte. Und dann würden diese Dämonen die Stadt stürmen. In einer halben Stunde würden er und die Verteidiger Naggaronds tot sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Achso ... ein Nachtrag noch. In dem Kapitel "Verstärkung" bindet Nerglot ja Yetails Drachenstein an einen untoten Vogel. Vergesst das mal bitte. Es gehört zu einer Idee, die ich jetzt verworfen habe, zumal das Ganze auch so schon irgendwie doof daherkommt. 😉 Also er behält erst einmal alle drei Steine.
 
"Die Krallen fuhren über Reckdis Hals, statt ihm die Kehle aufzuschlitzen."

Ich geh mal davon aus du meinst seine Brust nicht den Hals.

das ist mir beim Lesen kürzlich auch aufgefallen, da mir aber klar war, was gemeint war, hatte ich keine Lust es zu ändern. Ursprünglich meinte ich, dass er nur die Seite von Reckdis Hals erwischt hat, statt die Vorderseite, wo die Kehle ist. Doch ich denke, ich änderte es in die Schulter, wo die Panzerung das abfäng. Das passt besser. ER wird ja später noch genug zerkratzt. Danke für den Hinweis.
 
Juhhuuu:woot:

Super das du noch weitermachst wär ja echt schade gewesen so knapp vor dem Ende. Ich bin ja gespannt wie lange Darmal die Kraft in seinem inneren noch kontrollieren kann oder ob er am Ende die eigenen Leute Schlachtet. Bin auch mal gespannt wenn Neglot seine gesamte Macht entfesselt.

Und ich würde gerne was von dem anderen Mädchen hören die Anführerin der Autarii mir fällt der Name nichtmehr ein:lol:
 
Super das du noch weitermachst wär ja echt schade gewesen so knapp vor dem Ende.

ja fand ich auch. Aber wenn man keine Lust hat ... naja. Inzwischen hab ich ja wieder Lust und Zeit. 😀

Ich bin ja gespannt wie lange Darmal die Kraft in seinem inneren noch kontrollieren kann oder ob er am Ende die eigenen Leute Schlachtet.Bin auch mal gespannt wenn Neglot seine gesamte Macht entfesselt.
da sag ihc nur: warte es ab. Ich bin sicher, zumindest in einem der beiden Bereiche wirst du nicht enttäuscht sein. 😉

Und ich würde gerne was von dem anderen Mädchen hören die Anführerin der Autarii mir fällt der Name nichtmehr ein:lol:

der Name ist Viverla'atar. Meinst du, du würdest gerne was aus ihrer Sicht haben oder nur einen Teil mit ihr? Nun, aus ihrer Sicht schreibe ich nicht, sie gehört nicht zu den aktiven Charaktern. Der eine Teil aus ihrer Sicht war ne Ausnahme. Und vorkommen: Nunja, ihr ist grade nicht gut, weshalb sie irgendwie bewusstlos rumliegt. Aber keine Sorge, sie ist nicht vergessen. Ich habe bereits ein Kapitel, in dem sie wieder vorkommt. In (noch) wachem Zustand ^_^

Also bald kommt der nächste Teil
 
So, mal wieder ein Teil, den ich selbst nicht ganz so schön finde, weil nicht viel passiert 😉, aber naja. Trotzdem viel Spaß.

Die Macht Khaines

Naggarond; Naggaroth
2567 IC; 8.Vollmond (3.Tag)

Yetail löste sich beinahe bedauernd aus Sisralls Umarmung und blickte sich um. Die übrigen Erwählten hatten ihre Überraschung überwunden und näherten sich ihnen. Dann gingen sie vor Yetail in die Knie und neigten ihr die Köpfe zu, wie sie es schon als Statuen getan hatten.
„Ihr habt uns zurückgeholt, Meisterin Bluthand.“, sprach einer von ihnen. „Ihr seid würdig, als das dreizehnte Kind des Mordes angesehen zu werden. Ich, Kerkil von Nagarythe, war der erste der Erwählten, aber Ihr seid mir weit überlegen. Ihr sollt unsere Anführerin sein, Yetail Bluthand.“
Die übrigen Erwählten nicken und nun wollte auch Sisrall vor ihr niederknien. Das ging ihr dann doch zu weit und Yetail packte ihn an der Schulter. „Nein. Ich würde Euch keine gute Anführerin sein. Vielleicht übertreffen meine magischen Fähigkeiten die von Euch allen. Aber Ihr braucht jemanden, der Erfahrung damit hat, Verantwortung zu übernehmen, Kämpfer in die Schlacht zu führen und der weiß, wie es ist, mit den verschiedensten Feinden die Klinge zu kreuzen. Die Kinder des Mordes waren nie große Magier und das sollen sie auch nicht sein. Ich werde mit Freuden meinen Platz in Eurer Mitte einnehmen, aber an der Spitze unserer Schar sollte Sisrall stehen.“
Eine kurze Pause trat ein. Niemand protestierte sofort, was Yetail als Aufforderung nahm, weiterzusprechen. „Er hat die Verteidigung von Ghrond drei Stunden lang aufrechterhalten, um die Druchii in der Stadt im Preis für sein eigenes Leben zu retten. Er hat die Talschlacht entschieden und mich sicher durch die Unterwelt geführt. Nicht zuletzt hat er die Tempelkrieger in die Viermächteschlacht gerufen und mit ihrer Hilfe das Blatt gewendet. Blutklinge soll unser Meister sein! Der zwölfte Erwählte, wie Khaine es bestimmt hat.“
Kerkil hob den Kopf und musterte erst Yetail und dann Sisrall, der nun wieder aufrecht neben ihr stand. „So sei es. Ich bin bereit, Euch in die Schlacht zu folgen, Sisrall Blutklinge.“ Nun wiederholten auch die übrigen Erwählten die Zustimmung, bevor sie sich erhoben. Während sie sich verteilten, drückte Sisrall unauffällig Yetails Hand. Die junge Zauberin zuckte zusammen, als sie die Wärme von Sisralls Haut spürte.
„Wo … Was ist mit deiner Rüstung geschehen?“, fragte sie stammelnd. Ihr Gefährte stockte, dann hob er die Hände vors Gesicht. Tatsächlich, statt dem dunklen Metall spannte sich blasse Haut über Muskeln und Sehnen. Dann schloss Sisrall die Augen und wie von Geisterhand schoben sich die Panzerplatten über seine Finger, bis sie so aussahen, wie Yetail sie in Erinnerung hatte. Als Sisrall ihren Schrecken sah, verschwand die Rüstung wieder.
„Das ist wahrhaft göttliche Magie, Yetail.“
„Wie ist das möglich?“
„Das Prinzip ist ganz einfach. Wir mögen keine mächtigen Magier sein, aber wir verfügen über eine größere Kontrolle über unsere Körper als sonst jemand. Du hast unser aller Blut mit einander vereinigt und uns dann daraus neu erschaffen. Alles, was wir tragen, Kleidung, Rüstungen, Waffen, ist so entstanden. Und wie wir unsere Körper kontrollieren, so können wir auch diesem Blut befehlen, sich neu zu formen. Wir können es auflösen und mithilfe der Marilim neu erschaffen. So wie du damals die Hydra aus Blut geformt und wieder zerstört hast, kann ich die Rüstung beschwören und wieder verschwinden lassen.“
„Mit Eurem Stab hier müsste es ähnlich sein.“, warf eine der Erwählten von der Seite ein. Yetail runzelte die Stirn. „Aber mein Stab wurde vernichtet.“ Dennoch hielt die Frau tatsächlich einen wundervollen, goldenen Magierstab in den Händen. Eine Erinnerung drängte sich in Yetails Verstand. Die letzte Anweisung aus Blut war nicht den Statuen hinzugefügt worden. Sie hatte sich zu etwas Anderem geformt, die Zauberin hatte jedoch nicht darauf geachtet. Anscheinend hatte die Flüssigkeit einen Zauberstab gebildet, der dann zusammen mit den Erwählten Wirklichkeit geworden war, als sie die Kraft der Marilim entfesselt hatte.
Zögernd richtete sie ihren Geist nach dem Stab aus. Tatsächlich spürte sie, dass sie über ihn vollständige Kontrolle hatte. Sie befahl ihm, sich aufzulösen und vor ihr neu zu bilden. Die Frau riss die Augen auf, als der Stab in ihren Hängen plötzlich im Nichts verschwand. Doch als der Gegenstand vor Yetail erschien und in der Luft schwebte, lächelte sie.
Mit einiger Befriedigung packte Yetail das glatte Metall.
„Es wird Zeit. Kommt alle her.“, befahl Sisrall und schon sammelten sich die Kinder des Mordes um Yetail. Sisrall legte ihr beruhigend die Hände auf die Schultern. Sie spürte das Anwachsen von Magie, die sich ganz plötzlich entlud. Obwohl es weder einen Lichtblitz noch einen Knall gab, zuckte Yetail zusammen und schloss die Augen. Sie verlor nicht den Boden unter den Füßen noch spürte sie irgendeine Art von Bewegung, doch als sie die Lider öffnete, war der Raum der Zwölf verschwunden. Stattdessen stand die Gruppe in der Großen Halle des Khainetempels.
„Wer seid Ihr?“, fragte eine weibliche Stimme. Yetail fuhr herum. Yucalta stand in einem Torbogen, hinter dem eine Treppe in die Tiefe führte. Sie hatte gerade den Weg vom vergessenen Grab bis hinauf in den Tempel zurückgelegt.
„Yucalta. Darf ich dir die Kinder des Mordes vorstellen?“, fragte Yetail, wobei sie das Entgleiten von Yucaltas Gesichtszügen sichtlich genoss. Dann wandte sie sich an die Krieger hinter ihr. „Das ist meine Novizin Yucalta.“ Einige Grüße wurden laut, dann kehrte wieder Stille ein.
„Lasst uns die Macht des Tempels entfesseln.“, meinte Sisrall nur.

Yucalta eilte durch die Straßen in Richtung Tor. Anfangs musste sie sich ein Grinsen verkneifen, doch als der Anblick von immer mehr Tod und Zerstörung verdarben ihr die gute Laune. Während sie sich der umkämpfen Mauer näherte, wuchsen die Haufen der Leichen zu beiden Seiten der Straße, die man hier abgelegt hatte, damit sie nicht im Weg waren. Immer mehr Gebäude waren eingestürzt oder standen in Flammen.
Dicht hinter ihr rannte Yetail. Der Stab, den die Meisterin bei ihrem Erscheinen im Tempel in der Hand gehalten hatte, war verschwunden. Yucalta blickte wieder nach vorne und konnte gerade noch einem Krieger in Kettenhemd ausweichen, der halb lebendig über die Straße taumelte. Ein Pfeil ragte aus seiner Schulter.
Dann bogen sie um letzte Ecke. Voraus erhob sich die Mauer in den grauen Himmel. Es war leicht zu erkennen, dass die mittleren Abschnitte kaum noch bemannt waren. Immer mehr Feinde besetzten die Zinnen. Das Tor war mittlerweile in schlechtem Zustand. Überall waren Balken gesplittert und vereinzelte Brandspuren deuteten weiteren Schaden an.
„Los, zum Turm.“, befahl Yetail und Yucalta folgte ihr. Sie eilten zum nächstgelegenen Turm und liefen die enge Treppe empor. Auf Höhe der Mauer wurde hart gekämpft, es sah so aus, als wären die Feinde dabei, den Turm zu stürmen. Doch Bluthand wollte weiter. Auf der Treppe zögerte sie und drehte sich dann um.
„Du kannst mir hier nicht helfen, Yucalta. Da oben wartet ein Hüter der Geheimnisse. Geh hinunter und versuche, zum Torhaus zu gelangen. Ihr müsst es öffnen, damit die Erwählten nach draußen gelangen können. Eile dich!“
Die junge Zauberin nickte und sprang hinab. Dann eilte sie hinunter, sodass sie die Gänge erreichen konnte, die innerhalb der Mauer verliefen. Sie wählte den in Richtung Tor und rannte los. Doch weit kam sie nicht. Bald stieß sie auf zwei Soldaten, die verzweifelt versuchten, eine Tür geschlossen zu halten.
„Endlich kommt jemand.“, stöhnte der eine. Er hatte eine Wunde seitlich am Hals entlang, aus der Blut unter seine Rüstung lief. „Wir stehen hier schon seit mehreren Minuten. Da drin sind zwei Dämonen. Sie sind ganz plötzlich aufgetaucht und über die Mannschaften der Speerschleudern hergefallen. Nur wir sind noch übrig.“
„Könnt ihr noch kämpfen?“, fragte Yucalta, in deren Kopf bereits ein Plan Gestalt annahm.
„Ja“, meinte der zweite Soldat. „Aber nicht gegen diese Dämonen. Die bringen uns um.“
„Macht euch bereit. Zieht eure Schwerter und schließt die Augen. Und dann stoßt die Tür auf. Los!“ Obwohl Yucalta den Zweifel im Gesicht der beiden sehen konnte, gehorchten sie. Die Zauberin sammelte ihre Kräfte und sprach einen einfachen Zauber. Als die Tür aufflog und beide Soldaten die Augen geschlossen hatten, ließ sie einen gleißend hellen Lichtblitz los, der selbst durch ihre Augenlider schmerzhaft war.
„Los! Macht sie nieder!“, befahl Yucalta und die beiden Kämpfer reagierten prompt. Sie stürzten in den Raum und schlugen mit ihren Schwertern auf die geblendeten Dämonen ein, bis beide überwältigt waren. Dann nickten sie Yucalta zu und machten sich an den Speerschleudern zu schaffen. „Die hier sieht brauchbar aus.“, hörte die Zauberin den einen murmeln und bald darauf war der Raum vom Klicken der sich spannenden Haken erfüllt.
Yucalta verließ den Raum auf der anderen Seite und eilte weiter. Es dauerte nicht lange, dann erreichte sie das Torhaus. Als sie durch die Tür trat, wäre sie beinahe von einem übermüdeten Wächter ausgespießt worden. Er erkannte jedoch rechtzeitig, dass sie kein Dämon war und ließ den Stoß fehlgehen.
Daraufhin sank er zurück auf einen Stuhl und hielt sich den Kopf. Ein blutiger Verband bedeckte eine Wunde an der Schläfe. Um ihn herum lagen die Überreste von Druchii und Dämonen. Anscheinend waren die Bestien auch hier aufgetaucht und gerade so vernichtet worden.
„Es ist bald vorbei.“, versprach Yucalta. „Ihr müsst mir aber helfen, das Tor zu öffnen. Die Krieger des Tempels ziehen in die Schlacht. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, die Stadt zu verlassen.“
Der verletzte Soldat blickte sie zweifelnd an, erhob sich dann jedoch und zeigte ihr, wie die Tore zu öffnen waren. Währenddessen glaubte Yucalta, auf der Straße bereits das Dröhnen tausender gepanzerter Stiefel zu hören.
 
Zuletzt bearbeitet:
:lol: ach das ist ja so klasse Heroisch gefällt mir richtig gut.

Nur einen kleinen Fehler gefunden:
„Könnt ihr noch kämpfen?“, fragte Yucalta, in deren Kopf bereits ein Plant Gestalt annahm.

Sind die Erwählten jetzt eigentlich vollständig wieder da weil irgendwie sind sie ja aus Blut und Yetail müsste ja jeden von ihnen mit Blutmagie beherschen können. Achja das Duell Yetail gegen Hüter der Geheimnisse wird warscheinlich auchnoch spannend zumal Darmal da hin ja auch unterwegs war.

Bekommt Neglot eigentlich noch seinen großen Auftritt?
 
:lol: ach das ist ja so klasse Heroisch gefällt mir richtig gut.

tja, mir auch, weshalb ich ja auch so schreibe 😉

Nur einen kleinen Fehler gefunden:
„Könnt ihr noch kämpfen?“, fragte Yucalta, in deren Kopf bereits ein Plant Gestalt annahm.

danke sehr, wird geändert.

Sind die Erwählten jetzt eigentlich vollständig wieder da weil irgendwie sind sie ja aus Blut und Yetail müsste ja jeden von ihnen mit Blutmagie beherschen können.

ja, sie sind wieder da. und sie sind ganz normal aus Fleisch und Blut. Sie wurden zwar aus Blut geformt, aber die reine Kraft der Marilim hat ihnen ihre Körper wiedergegeben. Yetail kann keinen von ihnen beherrschen, dafür halt jeder sich selbst, so wie Sisrall mit der Rüstung.

Achja das Duell Yetail gegen Hüter der Geheimnisse wird warscheinlich auchnoch spannend zumal Darmal da hin ja auch unterwegs war.

ich verspreche dir, es wird nicht nur spannend, sondern auch gewaltig 😀 auch wenn es erst im übernächsten Kapitel kommt. Aber dass Darmal dahin wollte, hab ich gar nicht gemerkt 😉 kann sein, dass er in die Richtung gerannt ist, aber er kommt auf jeden Fall nicht bis dorthin, er sieht es nichtmal aus der Nähe das Duell.

Ich weiß ja, du wartest noch darauf, dass Darmal ein bisschen mehr macht, als Orks und Dämonen töten, aber da musst du noch warten. Er bekommt noch sein(e) Duell (e). Aber erst am vierten (bzw. fünften) Tag. Auf der Mauer ist seine kämpferische Rolle schon so gut wie vorbei, glaube ich.

Bekommt Neglot eigentlich noch seinen großen Auftritt?

😀 Ganz ruhig 😉 Klar, bekommt er den. Genau, wie er auch sein Duell bekommt. Aber alles zu seiner Zeit. Ich habe fünf Tage versprochen und ich werde versuchen, diese auch noch umzusetzen. Ich bin schon so weit, dass das Duell gegen Ephingis grade anfängt. Und ich denke, ich werde in den Ferien noch einiges an der Geschichte schaffen. Also erstmal abwarten. Morgen abend poste ich dann den nächsten Teil.
 
Ah ok gut zu wissen das die Erwählten wieder vollständig da sind da hatt das Chaos nix zu lachen:lol:

Man merkt wircklich das du wieder Lust zum Schreiben hast die Teile sind alle sehr sehr gut geworden und wieß aussieht wirds auchnoch verdammt Spannend wen man betrachtet was alles noch für Duelle ausstehen.
 
Ah ok gut zu wissen das die Erwählten wieder vollständig da sind da hatt das Chaos nix zu lachen:lol:

die Einstellung gefällt mir. Ich hatte schon befürchtet, es würden wieder Kommentare wie "das ist doch völlig übertrieben" kommen :lol:

Man merkt wircklich das du wieder Lust zum Schreiben hast die Teile sind alle sehr sehr gut geworden und wieß aussieht wirds auchnoch verdammt Spannend wen man betrachtet was alles noch für Duelle ausstehen.

dazu sage ich nur: die letzten Teile und das Kapitel, das als nächstes kommt waren allesamt noch Reserve. Die neuen Teile kommen erst noch 😉
 
Sorry, sollte eigentlich gestern weitergehen, hatte dann aber keine Lust mehr, den Rechner anzumachen. Also jetzt dern nächste Teil.

Durchbruch

Naggarond; Naggaroth
2567 IC; 8.Vollmond (3.Tag)

Reckdis blinzelte mehrmals, als sein Blick verschwamm. Bald darauf klärten sich die Konturen der Mauer wieder. Von seiner Position auch konnte er das gewaltige Stadttor sehen. Dann bemerkte er etwas, das ihn erneut blinzeln ließ: Die Torflügel schwangen langsam und majestätisch nach innen auf. Irgendwie musste es dem Feind gelungen sein, das Torhaus einzunehmen.
Schon erklangen Warnrufe und überall auf der Mauer wurden Soldaten auf das geöffnete Tor aufmerksam, das all ihre Bemühungen beinahe höhnisch verdarb. Warum haben wir unser Blut für diese Mauer vergossen, wenn der Feind am Ende doch einfach durch das Tor spazieren kann?
Allerdings fiel Reckdis auf, dass die feindlichen Krieger noch nicht in die Stadt stürmten. Es sah beinahe so aus, als witterten sie eine Falle. Hatte einer der Druchii die Tore geöffnet? Dann, ziemlich vorsichtig, tauchten die ersten Orks aus dem Tortunnel auf und sahen sich um. Reckdis spürte, wie sein Herz kräftig gegen seine Rippen schlug. Er wollte dorthin und die Grünhäute aus der Stadt verdrängen. Er wollte denjenigen, der die Tore geöffnet hatte, umbringen, mit seinen eigenen Hängen zerreißen.
Dann erst ging ihm auf, dass es gar nicht sein Herz war. Das rhythmische Pochen kam nicht aus seiner Brust. Es war das Geräusch tausender gepanzerter Schritte auf Stein. Schon rannten die Orks zurück durchs Tor, als sie dem Anblick gewahr wurden, der Reckdis neue Hoffnung schenkte. Wie eine schwarze Flut marschierten die Tempelkrieger durch die engen Straßen Naggaronds.
In perfektem Gleichschritt, gehüllt in einen massiven Panzer aus dunklem Silberstahl und die glänzenden Draichs vor der Brust bewegten sich die Scharfrichter auf das Tor zu. In ihrer Mitte warteten die Tempelassassinen, bereit, aus dem Schutz der Scharfrichter direkt in die Masse der Feinde zu springen. Und an den Flanken schlenderten die Bräute des Khaine, halb wahnsinnige Frauen von verführerischer Anmut. Die Schwerter in ihren Händen waren lange gezackte, aber dennoch elegante Mordinstrumente.
Ein gewaltiges Brüllen zerriss die Luft und lenkte Reckdis vom Anblick der Tempelkrieger ab. Ein gewaltiger, dunkelroter Schemen schoss aus dem Himmel und flog dicht über die Mauer hinweg. Der Khainler erkannte die scharfen Krallen und den stacheligen Rücken von Szar’zriss sofort wieder. Es schien, als hätte sich der Drache mit beeindruckender Geschwindigkeit erholt und würde nun auch ohne das Halsband in den Kampf ziehen.
Eine blendend helle Flammenzunge verließ das Maul des Drachen und fegte über die Menge der Feinde vorm Tor. Als Reckdis wieder klar sehen konnte, war der Ort mit verbrannten Körpern und rauchender Erde bedeckt. Niemand hatte dort überlebt, wo sich nun die Tempelkrieger formierten.
„Krieger Naggaroth‘“, erklang eine Stimme vom Rücken des Drachen. Eine Stimme, die vor Macht nur so bebte und die Reckdis inzwischen vertraut war. Ungläubig lauschte er weiter. „Verzweifelt nicht. Drängt die Feinde zurück. Die Kinder des Mordes sind hier und gemeinsam werden wir siegen. Kämpft, Druchii!“
Es war, als fiele ein Schatten vom Reiter des Drachen ab, und nun erkannte Reckdis ihn ganz klar. Es war Blutklinge, der nun sein Schwert in die Höhe reckte. „Krieger des Khaine! Vernichtet diesen Abschaum! Angriff!“
Das Geräusch von eintausend Schwertern, die absolut synchron gezogen wurden, drang an Reckdis Ohren und ließ ihn schaudern. Mit einem gewaltigen Kriegsruf setzten sich die Tempelkrieger in Bewegung. Elf Gestalten lösten sich aus dem Verband der gerüsteten Soldaten. Mit kräftigen Schritten und flatternden Umhängen stürmten sie den Feinden entgegen.
Und dann prallten die Heere aufeinander. Reckdis blieb der Mund offen stehen. Abgesehen von Blutklinge hatte er noch niemanden so kämpfen sehen. Die elf Krieger wirbelten herum, duckten sich weg, sprangen hin und her. Nie waren sie da, wo die Waffen ihrer Gegner niederfuhren und immer trafen ihre glänzenden Schwerter und hinterließen eine Spur des Todes. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Reckdis das Gefühl, den Zorn eines Gottes zu sehen.
Hinter den Kindern des Mordes griffen die Tempelkrieger an. Die Scharfrichter stürmten in die Schneisen, die die Erwählten hinterlassen hatten, und trieben blutige Keile in die Heere des Feindes. Kaum bildete sich irgendwo Widerstand, huschten die Assassinen zwischen den Kämpfenden hindurch und brachen die gegnerischen Formationen von innen heraus. Die Bräute des Khaine waren es, die über die gefährlicheren Gegner herfielen. Reckdis konnte zwei beobachten, die einen Orkboss in Stücke schlugen.
Und dann stürzte sich Szar’zriss, der über dem Schlachtfeld gekreist war, hinab. Er hielt direkt auf einen niedrigen Hügel zu, auf dem nur eine einzelne Gestalt stand. Alle anderen flohen bereits vor dem mächtigen Drachen. Kurz vor dem Hügel sprang Blutklinge ab und landete inmitten einer Gruppe Chaoskrieger. Sein Drache stieg wieder auf und sauste brüllend in Richtung Orklager, wo ein Lindwurm ohne Reiter aufgetaucht war. Reckdis widmete sich jedoch der tobenden Schlacht.

Blut, das war die Essenz der Schlacht. Das Blut floss schnell durch Sisralls Rüstung, es wurde von seinem Herzen durch seinen Körper gepumpt und es floss um ihn herum in Strömen. Blutklinge, die Verkörperung der Marilim und Khaines Zorn, war erwacht.
Der Erwählte wirbelte herum und blockte eine schwere Klinge mit übernatürlicher Kraft ab. Der Chaoskrieger taumelte zurück. Blutklinge tänzelte an ihm vorbei, zog ihm dabei die Klinge über die Kehle und schlug dann wild auf einen anderen Chaoskrieger ein. Schon nach drei Hieben ging der Kerl mit gespaltenem Schädel zu Boden.
Blutklinge hielt nicht inne. Drei Feinde waren noch übrig. Einer stand kurz davor, zu fliehen. Der Erwählte spürte seine Angst. Also sprang er auf ihn zu, drückte ein zustechendes Schwert beiseite und stach dem Gegner dann tief in den Bauch. Als er seine Klinge nach oben herausriss, spürte er von hinten bereits den Angriff eines anderen Chaoskriegers. Blitzschnell sprang er nach vorn, rollte sich ab und wandte sich denn den beiden verbliebenen Soldaten zu.
Sie versuchten vorsichtig, ihn in die Zange zu nehmen, indem sie beide in weitem Bogen auf ihn zukamen. Dabei entfernten sie sich jedoch zu weit voneinander und Blutklinge ließ sie bitter bezahlen. Er drückte sich ab und sprang den linken an, sodass sie beide zu Boden gingen. Der Erwählte fuhr die Dornklinge am Knie aus und rammte sie dem Chaoskrieger in den Oberkörper.
Inzwischen war der andere heran, doch er kam zu spät. Sein Kamerad war tot und Blutklinge schnellte bereits wieder in die Höhe. Der Chaoskrieger schlug mit seiner Axt nach Sisralls Hals, doch der Druchii drehte sich in den Schlag hinein, rammte dem Kämpfer die Schulter vor die Kehle und enthauptete den Zurücktaumelnden dann mit einem einzigen Hieb.
Zufrieden betrachtete Blutklinge das Leichenfeld um sich herum. Er war vom Rücken des Drachen direkt in diese Gruppe Chaoskrieger gesprungen und hatte blutige Ernte gehalten. Keiner war seinen Klingen entkommen. Mehrere Dutzend waren es, die hier unter seinen Schwertern gefallen waren, Opfer für den Gott mit den blutigen Händen.
Doch es waren nicht diese Kämpfer gewesen, weshalb er hierhergekommen war. Nein, sein Ziel war noch ein paar Meter entfernt und wartete scheinbar ungerührt. Hoch aufgerichtet, nur eine Silhouette vor dem hellen Himmel stand Drrochaal auf der Kuppe eines nahen Hügels. Es sah aus, als würde er die Schlacht beobachten, doch Blutklinge spürte seine Blicke und seine Kampfeslust.
Betont langsam kniete er nieder und säuberte seine Schwerter an der Kleidung eines der toten Chaoskrieger. Dann erhob sich Sisrall, die Klingen fest in den geballten Händen, und näherte sich geradlinig seinem alten Gegner. Erst, als er keine fünf Schritte mehr entfernt war, reagierte Drrochaal auf seine Annäherung. Der Hüne wandte ihm zuerst die mit einer Dämonenfratze bemalte Front des Helms zu und drehte dann den Rest des massigen Körpers in Blutklinges Richtung.
„Ihr seid also immer noch am Leben.“ Der Druchii glaubte, Belustigung und einen Hauch Freude in der kratzigen Stimme des Chaosgenerals zu vernehmen. „Es scheint ganz so, als wollten die Götter, dass wir es endlich entscheiden und Ihr unter der Klinge meiner Axt sterbt.“
„Vielleicht will Khaine mich auch nur einfach nicht haben, bis ich Euch meine Schwerter durch die Brust gerammt habe. Eines ist sicher: Dieses Mal wird es keine Störung geben, kein Unentschieden. Dieses Mal muss einer von uns sterben.“
Drrochaal nickte. „Wir sind zu mächtig für sinnlose Worte, Blutklinge. Lasst uns den Glanz unseres Duells nicht mit Dialogen schmählern. Wir wissen beide, was uns bevorsteht … Lasst uns mit dem Segen unserer Götter endlich beenden, was vor einem Monat begann!“

Yetail betrat die letzte Stufe und fand sich auf dem Dach des Turms wieder. Sofort überblickte sie die Szenerie. An die Zinnen gedrängt standen die Magierinnen des Klosters hinter einem Schild. Ihnen war anzusehen, dass sie wussten, dass ihr Tod sicher war. Denn zwischen ihnen und der Treppe ins Innere des Turms stand der Hüter der Geheimnisse, eine große Gestalt von tödlicher Schönheit.
Der große Dämon stieß ein wohlklingendes Lachen aus und schwang sein violett leuchtendes Schwert in Richtung der erschöpften Hexen. Das Heft der Waffe verließ seine Hände nicht, aber dennoch schien es, als würde die Klinge weiter durch die Luft segeln und schließlich auf den arkanen Schild treffen. Die Barriere zitterte und funkensprühend zerstob der Angriff. Eine der Magierinnen schnappte nach Luft.
„Das reicht jetzt!“, stieß Yetail hervor. In ihren Händen strahlten blaue Kugeln von geheimnisvoller Macht. Als der Hüter der Geheimnisse herumwirbelte, hatte er gerade noch Zeit, eine Barriere zu errichten, bevor ihn die Attacken erreichten. Provozierend langsam schlich Yetail um das Monster herum, das sich mit ihr drehte.
„Lasst diese Mädchen ziehen.“, meinte Yetail in beiläufigem Tonfall. Der Dämon schnaubte. „Sie sind keine Herausforderung. Nehmt es mit mir auf, Bestie des Warps, wenn Ihr den Mut dazu habt.“ Damit stellte sie sich breitbeinig auf und hob den linken Arm in die Höhe. Beinahe konnte sie die Überraschung im Gesicht des Dämons lesen, als sich aus der Luft ihr neuer Stab materialisierte.
„Ich werde mich an Eurem Leid ergötzen, wenn Eure Seele schon lange zu Asche zerstoben ist.“ Die Stimme erklang direkt in Yetails Kopf. Der Hüter der Geheimnisse bewegte nicht einmal die Lippen, die zu einem verführerischen Lächeln verzogen waren. „Für Euch gibt es keine Rettung mehr … nur den Tod in den ewigen Winden des Warps.“
Inzwischen waren die Hexen aus ihrer Starre erwacht und eilten zur Treppe. Der Dämon beachtete sie nicht. Seine unergründlichen violetten Augen waren fest auf die Zauberin gerichtet, die ihn so dreist herausgefordert hatte.
Und beinahe hätte sich Yetail im Blick dieser endlosen Augen verloren. Der Angriff der Bestie kam so überraschend, dass sie keine Zeit mehr hatte, sich eine Verteidigung aufzubauen. Die dämonische Klinge zitterte in violettem Feuer und hinterließ eine Spur verbrannter Luft. Ohne nachzudenken, riss Bluthand den Stab hoch. Ohne dass sie einen Zauber gewirkt hatte, hüllte sich das Artefakt in ein magisches Feld.
Als das Schwert auf das Feld traf, riss es Yetail beinahe den Stab aus der Hand, doch der Hüter der Geheimnisse wurde zurückgestoßen. In einer Mischung als Belustigung und Ärger kniff er die Augen zusammen, doch bevor er erneut gegen Yetail vorgehen konnte, nutzte diese ihre Chance.
Zwei knisternde Speere rasten durch die Luft und zogen schwarze Schweife hinter sich her. Der Dämon schnaubte und schlug die Angriffe mit zwei Hieben seines Schwertes beiseite. Dann setzte er erneut den arkanen Hieb ein, den er zuvor den Klosterhexen entgegen geworfen hatte. Obwohl das Schwert seine Hand nicht verließ, schien die Klinge mit entsetzlicher Geschwindigkeit auf Yetail zuzurasen.
Mit einem verschmitzten Lächeln kopierte sie den Zauber, den Slonish gegen sie eingesetzt hatte. Als der Schatten des Schwertes auf ihren Schild traf, wurde seine Kraft absorbiert, bevor er vervielfältigt und zurückgelenkt wurde, sodass es aussah, als würden ein halbes Dutzend Klingen auf den Dämon zu sausen.
Da Yetail nicht wusste, ob der Hüter der Geheimnisse auf die kraftlosen Täuschungen hereinfallen würde, sandte sie schnell einen Frostzauber hinterher. Der Blitz war so blendend weiß wie reiner Schnee und heulte wie ein Blizzardsturm. Der Dämon hatte die Finte mit den Klingen offensichtlich nicht durchschaut und es vorgezogen, in die Höhe zu verschwinden. Seine Schwingen leuchteten vor dem Himmel, während er so hoch flog, dass die Schwertschatten unter ihm hindurch flogen. Den Eisblitz jedoch lenkte Yetail ihm hinterher.
Mit einem furchterregenden Fauchen stürzte sich der Hüter der Geheimnisse hinab, zerschlug den Blitz mit einem weiten Hieb seines brennenden Schwertes und hielt direkt auf Yetail zu, die ihn mit einem hinterhältigen Grinsen erwartete.
 
Hey,

ich muss mich hier mal als neuer Leser und großer Fan der Geschichte outen!
Auch wenn ich sehr spät dazu stoße, komme ich ja anscheinend gerade noch rechtzeitig um das Ende mitzubekommen...

Ein ganz großes Kompliment an Shoker, der mir mit seinem Einfallsreichtum und Erzählweise so manche Stunde versüsst hat!

Auch ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung: Droochal gegen Sisral ist ja DAS Duell schlechthin, irgendwie der rote Faden der ganzen Geschichte...

Und natürlich wirde der Kampf Yetail vs. Hüter der Geheimnisse auf jeden Fall episch.

Ineressant dürfte auch das Duell Nerglot vs. Ephingis werden. Darauf freue ich mich besonders. Nekromantie gegen reine Chaosmagie, was da wohl abgeht?!? Und wie werden wohl die Drachensteine den weiteren Verlauf der Schlacht beieinflussen?

Schreib schnell weiter!


Ben
 
@flix: Danke für das Kompliment. Ich denke, die beiden Duelle, die ja gleichzeitig ablaufen, werden euch gefallen.

@lordarandor: Freut mich wirklich, dass ich noch einen neuen Leser begeistern konnte, hätte ich nicht erwartet.
Auch dir vielen Dank für das Lob und die KOmplimente, höre ich gerne.

Auch ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung: Droochal gegen Sisral ist ja DAS Duell schlechthin, irgendwie der rote Faden der ganzen Geschichte...

das kann man so sagen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es schon das dritte Duell der beiden ist :lol:

Und natürlich wirde der Kampf Yetail vs. Hüter der Geheimnisse auf jeden Fall episch.
oh ja, episch ist ein passendes Wort ... und es wird nicht das letzte Magie-Duell.

Ineressant dürfte auch das Duell Nerglot vs. Ephingis werden. Darauf freue ich mich besonders. Nekromantie gegen reine Chaosmagie, was da wohl abgeht?!? Und wie werden wohl die Drachensteine den weiteren Verlauf der Schlacht beieinflussen?

bin wie gesagt grade dabei, das Duell zu schreiben, komme aber irgendwie nicht weiter. Liegt nicht daran, dass ich keine Lust hätte, sondern dass mir irgendwie die Ideen fehlen. Also wenn ihr noch irgendwie ein paar Inspirationen oder Ideen hättet, was in das Duell reinkönnte, sagts einfach. Kann auch was Nebensächliches sein. Ich brauche nur mal IRGENDWAS :huh:

Ansonsten werde ich am Wochenende den lang ersehnten Duell-Teil posten.
 
So, da ich es nun doch endlcih geschafft habe, das Duell zu schreiben, mache ich mal weiter. Hier nun die beiden Duelle.

Facetten der Magie

Naggarond; Naggaroth
2567 IC; 8.Vollmond (3.Tag)

So viele Geräusche, dachte Sisrall. Doch das eine, das man gewöhnlich mit einem Kampf verbindet, fehlt. Ein rascher Schritt zur Seite brachte ihn aus der Bahn der messerscharfen Axt, die nur knapp an seinem Oberschenkel vorbeisauste.
Tatsächlich war ihr Duell von verschiedensten Geräuschen untermalt. Da war das leise Zischen von Sisralls Atem, das Flüstern des Windes auf dem Gras, die schweren Schritte Drrochaals, die den Boden erbeben ließen und das tiefe Schnaufen der Atemzüge des Chaosgenerals. Doch nichts verriet, dass hier Metall im Einsatz war. Die Rüstungen der beiden Kontrahenten waren so gut gearbeitet, dass sie kein Geräusch von sich gaben, während ihre Waffen niemals auf Metall trafen.
Sisrall versuchte nicht, die mächtigen Hiebe seines Gegners zu parieren, und bisher war es keinem der beiden gelungen, die gegnerische Rüstung zu treffen. Bisher war das Duell eher ein vorsichtiger Tanz gewesen, keiner der beiden war bereit, aufs Ganze zu setzen.
Doch offenbar hatte Drrochaal nun genug. Zwei Worte der Macht krochen wie Gift unter seinem Helm hervor und ließen die mächtige Axt in orangem Feuer erstrahlen. Gierige Flammen troffen von der Klinge des Artefakts und verbrannten das Gras. Keiner der beiden achtete darauf.
Sisrall schloss die Augen und beschwor die alten Kräfte der Marilim. Blutklinge erwachte und ein einziger Gedanke genügte, um seine Schwerter in unwirkliche Schatten zu hüllen, die beinahe zärtlich über das schwarze Metall krochen. Als der Erwählte die Klingen herausfordernd durch die Luft sausen ließ, hinterließen sie pechschwarze Spuren, die nur zögerlich vom schwachen Wind zerfasert wurden.
Das Schnauben, das Drrochaal ausstieß, war halb befriedigt, halb belustigt. Anscheinend freute er sich, dass Blutklinge seiner Runenaxt etwas entgegensetzen konnte. Wie viel, das würde sich zeigen. Mit einem donnernden Brüllen und einem flammenden Hieb ging das Duell weiter.

Yetail beobachtete, wie der Hüter der Geheimnisse immer näher kam. Mit unnatürlicher Geschwindigkeit sauste der Dämon hinab, das magische Schwert bereit zum Schlag. Violette Flammen krochen über die Schneide und versprachen einen schmerzhaften Tod. Doch die junge Hexe wich nicht zurück. Es hätte auch nichts genützt. Stattdessen wartete sie seelenruhig, während die Bestie auf sie zuschoss.
Keine zwei Meter blieben zwischen den Kontrahenten, da murmelte Yetail vier Worte einer uralten Sprache und der Dämon knallte mitten in der Luft auf eine unsichtbare Mauer. Wild brüllend zerschlug er das Hindernis, bevor er sich zurückzog und auf der anderen Seite des Turms landete. Befriedigt stellte die Zauberin fest, dass ihr Gegner tatsächlich leicht angeschlagen aussah.
Breit grinsend entfesselte sie den nächsten Zauber. Bänder wie aus flüssigem Feuer schlängelten sich über den Boden. Wutschnaubend, als er ihre Absicht erkannte, schwang sich der Dämon wieder in die Höhe. Yetail unterdrückte einen Fluch und ließ ihre Feuerströme wie Peitschen durch die Luft zischen. Zwei wickelten sich um das Schwert ihres Gegners, die übrigen wurden von einem Schild gebannt.
Beinahe wurde dem Hüter der Geheimnisse das Schwert aus der Hand gerissen, doch ein rascher Hieb zerteilte die beiden Flammenbänder und der Zauber zerstob zu nichts. Yetail fasste einen neuen Plan. Vier Vögel aus dunklen Schatten erschienen aus dem Nichts und griffen den großen Dämon an. Während das Biest abgelenkt war, zog Yetail ihren Dolch und zog ihn sanft über ihren Oberschenkel; an den Armen hatte sie inzwischen genug Spuren der Blutmagie.
Sechs Tropfen ihres Blutes erstarrten in der Luft schwebend zu kleinen Kugeln, bevor sie begannen, in einem komplizierten Muster um ihre Meisterin herum zu tanzen. Immer weiter und immer schneller veränderten sich die Tropfen, bis sie schließlich anschwollen und Gestalt annahmen. Plötzlich sah sich der Hüter der Geheimnisse, als er den letzten Schattenvogel zerschmetterte, sieben Zauberinnen gegenüber, die ihn heimtückisch angrinsten.

Es war, als träfen zwei Naturgewalten aufeinander und eine heiße Vibration kroch Sisralls Arme hinauf. Mit zusammengebissenen Zähnen drückte er gegen die Axt seines Gegners. Die Waffen sprühten Funken, so groß war der Druck, doch der Kraft des Chaosgenerals war er nicht gewachsen.
Mit einem Ruck löste er sich aus der erstarrten Haltung und tänzelte um seinen Gegner herum. Die feurige Axt zischte durch die Luft, wo er eben noch gestanden hatte, doch mehr als die schwarzen Spuren seiner Schwerter erwischte sie nicht.
Seine Klingen formten ein tödliches Muster, während er auf seinen Gegner zusprang, doch Drrochaal reagierte mit überraschender Geschwindigkeit. Mit einem gewaltigen Brüllen kam die mächtige Axt wieder heran, drückte das eine Schwert beiseite und hätte Sisralls Hüfte zerschmettert, wäre der nicht blitzschnell über den Hieb hinweggesprungen. Sein Unterarm krachte gegen den Hals seines Gegners, doch der Hüne wankte nur leicht.
Mit übernatürlichen Reflexen rollte sich Sisrall über seinen Gegner ab, sodass er hinter diesem wieder auf die Beine kam. Beide wirbelten im selben Augenblick herum und griffen an. Drrochaals Hieb kam von unten, Sisralls von oben. Schwarzer Stahl bohrte sich durch die prunkvolle Rüstung des Generals und zerschnitt zwei Fingerbreit Schultermuskulatur. Gerade noch gelang es dem Druchii, der feurigen Klinge soweit zu entgehen, dass er nur einen schmerzhaften Schnitt im Unterschenkel davontrug.
Dann stach er nach dem Handgelenk seines Kontrahenten. Doch die Axt fegte heran, sodass sein Schwert nur gegen das riesige Blatt krachte. Feuer und Schatten trafen aufeinander und vernichteten sich gegenseitig. In einem Wirbelsturm aus Magie, der Gras und Erde verzehrte, flogen die beiden Waffen auseinander. Sisralls Schwert entglitt seinen Händen, während Drrochaal seine Axt nur noch mit einer Hand halten konnte.
Noch bevor er sich völlig von der Explosion erholt hatte, sprang Blutklinge vor und nutzte die kurzzeitige Schwäche seines Gegners. Doch er hatte sich verschätzt. Zwar fand sein Schwert tatsächlich einen Weg durch die Schulterpanzerung seines Gegners, sodass dieser die Axt fallen ließ. Doch Drrochaal hatte entgegen Sisralls Erwartungen nicht versucht, mit der zweiten Hand wieder nach der Axt zu greifen, sondern mit dem Angriff gerechnet. Die stählerne Faust traf ihn seitlich am Hals, schleuderte ihn durch die Luft und lähmte kurzzeitig seine Schulter, sodass er auch das zweite Schwert verlor.
Glücklicherweise kam er aber ganz in der Nähe des ersten Schwertes auf, das die Explosion anscheinend überstanden hatte. Danach zu greifen, aufzustehen und herumzuwirbeln war eins. Auch Drrochaal hatte seine Axt inzwischen wieder fest in beiden Händen. Grinsend trat er über Sisralls zweites Schwert hinweg. Also gut, dachte Sisrall und fuhr seine Dornklingen aus. Auch diese umgab eine unwirkliche Dunkelheit.
Dann zog er noch ein Wurfmesser und machte sich bereit, auf den bevorstehenden Angriff zu reagieren.

Verwirrt hing der große Dämon in der Luft, während er herauszufinden suchte, welche der Zauberinnen die echte Yetail war. Doch die Kopien waren perfekt. Mit einem langen Gedanken verband Yetail ihre Abbilder mit dem Amulett, das sie noch immer um den Hals trug. Sie ahnte, wie die sechs Blutstropfen darauf in hellem Grün erstrahlten. So brauchte sie nicht selbst für die Erhaltung ihrer Kopien sorgen, sondern konnte sich ganz darauf konzentrieren, neue Zauber zu wirken.
Doch der Dämon war schneller. Bevor Yetail sich eine Strategie überlegt hatte, begann das Monster damit, einen gewaltigen Flammenwirbel zu erzeugen. Anscheinend hatte er entschieden, einfach alle sieben Hexen zu vernichten, statt herauszufinden, welche die echte war. Feuerzungen in allen Farbtönen sammelten sich um seinen Körper und flossen in die Spitze seines Schwertes. Die Hitze nahm gewaltige Ausmaße an. Noch bevor Yetails Herz einen Schlag getan hatte, war die Magie schon heiß genug, um ihre Haut zu vertrocknen.
Yetail reagierte fast instinktiv. So schnell wie möglich beschwor sie einen Zauber der Frostlehre. Ihr kam ein Gedanke und sie wirkte zusätzlich noch schwarze Magie. Eis, so dunkel wie das Reich der Schatten, formte sich um sie her. Erst war es nur ein leises Flüstern wie der Wind auf einem verschneiten Feld. Doch mit der Geschwindigkeit eines Gedankens schwoll die Kraft des magischen Sturms an. Eiskristalle formten sich zu einem Strudel um sie, Kälte breitete sich aus. Die Hitze verschwand augenblicklich. Das Wasser, das ins Mauerwerk des Turms eingedrungen war, erstarrte innerhalb eines Herzschlags. Und weiter sank die Temperatur. Die Luft selbst gefror zu schwarzem Eis. Ihr Blizzardsturm dehnte sich weiter und weiter aus. Bald war er so groß, dass er den gesamten Turm mitsamt dem Hüter der Geheimnisse darauf umschloss.
Yetail selbst erhob sich in die Luft und schwebte über der Mauer, sodass sie selbst nicht vom Froststurm erfasst wurde. Ihre Kopien taten es ihr gleich, zusammen umzingelten sie die Turmspitze. Der Eissturm wuchs in die Höhe, beinahe schien es, als würden auch die Wolken in die Wirbelwind hineingezogen. Druchii liefen panisch aus dem Turm, als erst die Befestigung und dann Teile der Mauer mit dunklem Eis überzogen wurde. Ein letztes Mal glitzerte die Sonne auf der glatten Oberfläche und brach sich in unzähligen Farben, dann wurde die Kraft der Kälte so gewaltig, dass die Luft über dem gesamten Schlachtfeld zu Wolken kondensierte.
Doch im Herzen des Sturms, auf der Spitze des Turms, stand der Hüter der Geheimnisse und sammelte weiter Kraft für seinen Feuerzauber, Yetail spürte und sah die blendende Helligkeit seines vielfarbigen Feuers. Sie konzentrierte all ihre Kraft in den Sturm und ballte ihn weiter zusammen. Im gleichen Augenblick, in dem der Hüter der Geheimnisse ein Brüllen ausstieß, das im Tosen zweier magischer Stürme unterging, und die Macht seines Zaubers entfesselte.

Sisrall tänzelte aus dem Schwung der Axt heraus und drehte sich um die eigene Achse. Drrochaal stand zu weit entfernt für einen Gegenschlag, doch der Erwählte griff an. Ein einziger Schritt genügte, um die Entfernung zurückzulegen, dann stach die schwarze Klinge einer Schlange gleich zu. Doch die Bewegung wurde von einem feurigen Hieb der Axt beendet, die das Schwert beiseite drückte. Beinahe riss es Sisrall die verbleibende Waffe aus der Hand, doch er packte fester zu und sprang.
Sein Schwert mochte abgeblockt wurden sein, doch er hatte noch mehr Waffen. Sein Schwung brachte den Chaosgeneral beim Zusammenprall ins Wanken und seine Dornklingen an den Handgelenken fanden eine Lücke in der Halspanzerung seines Gegners. Drrochaal brüllte auf, als die Klinge in sein Fleisch drang, doch die Verletzung war nicht tödlich.
Im Gegenzug bekam Sisrall den angespitzten Knauf der Axt in den Rücken gerammt. Seine Rüstung wurde durchschlagen und das spitze Metall verfehlte nur knapp seine Wirbelsäule. Er keuchte auf, als brennender Schmerz über seine Nerven raste. Beide Kontrahenten lösten sich voneinander. Der Chaosgeneral schien die Schwäche des Druchii nutzen zu wollen. Strahlend wie Feuer zischte die Axt heran.
Doch Blutklinge war noch lange nicht am Ende. Er bewegte sich gerade so aus der Reichweite der verzauberten Klinge und sprang dann nach vorne. Die orangerote Spur der Waffe zerfaserte vor ihm, die Schneide der Axt war nur Millimeter unter ihm, doch er traf. Seine Waffe bohrte sich tief zwischen die Rippen des Chaosgenerals und der Druchii nutze den Halt, änderte seine Flugbahn und überschlug sich über die Schultern seines Gegners hinweg.
Das Schwert verlor er dabei, doch er zögerte keinen Augenblick, sondern sprang weiter in Richtung seiner zweiten Waffe, die ganz in der Nähe lag, wirbelte gleichzeitig herum und schleuderte das Wurfmesser. Die Klinge zerschnitt sauber die Kniesehnen des Chaosgenerals und blieb in der Kniebeuge stecken. Sein Gegner grunzte, als Sisrall sein Schwert auflas.
Drrochaal ging in die Knie, doch er wirkte noch nicht besiegt. Sisrall wusste, dass ihn die Macht des Chaos bald wieder soweit zusammengeflickt haben würde, dass er aufstehen konnte. Ähnlich wie die Marilim längst den Schnitt in seinem Schenkel geheilt hatte. Schnaubend nahm der General die Axt in eine Hand und zog mit der anderen das Schwert aus seiner Brust. Kurz fragte sich Sisrall, weshalb die Klinge noch nicht zu Schlacke geschmolzen war, bevor ihm einfiel, dass die Waffen von Khaine gesegnet worden und in der Lage waren, die Kraft des Chaos auszuhalten.
Das Wurfmesser hatte weniger Glück gehabt. Es war nicht die besondere Klinge gewesen, die er gegen Szar’zriss eingesetzt hatte, sondern nur ein gewöhnliches, wenn auch ein besonders scharfes Messer. Vor Sisralls Augen schmolz das Metall unter der Berührung reiner Magie, die durch Drrochaals Körper strömte.
Drrochaal hatte das Schwert aus seiner Brust gezogen, doch er hielt es immer noch mit der Spitze auf seinen Oberkörper gerichtet, als Sisrall ihn von hinten ansprang. Dieses Mal war der Schwung groß genug, um seinen Gegner umzuwerfen. Die massige Gestalt des Generals landete direkt auf der schwarzen Klinge, die auf den Boden gepresst wurde. Von seinem eigenen Gewicht hinab gedrückt, spießte sich Drrochaal mit dem Hals selbst auf die Waffe auf.
Sisrall hatte vorgehabt, sich über seinen umgeworfenen Gegner abzurollen, doch sein Fuß war an einem Haken der verzierten Chaosrüstung hängengeblieben. So knallte er recht unsanft auf den Boden. Und Drrochaal war noch lange nicht am Ende. Ohne aufzustehen, hob er den Arm mit der Axt und ließ sie auf den liegenden Sisrall niedersausen. Verzauberter Stahl traf ihn zwischen den Schulterblättern und zerteilte mühelos die Rüstung. Der Druchii hatte das Gefühl, innerlich zu verbrennen. Nur die Schmerzen, als ihm die Rüstung angelegt worden war, übertrafen diese Pein. Die magische Kraft der Runenaxt entlud sich in seinen Körper und steckte ihn in Brand.
Zwei Tatsachen retten dem Tempelkrieger das Leben: Zum Einen war die Wunde nicht so tief, dass sie seine Lunge oder seine Wirbelsäule verletzt hätte. Und zum Anderen speiste sich der Zauber der Axt nur aus den Runen, nicht aus den Kraftreserven des Chaosgenerals. Das Feuer hatte sich entladen und wurde nicht schlimmer. Zwar brannte Sisralls Rücken tatsächlich, aber der magische Schmerz nahm nicht zu, sodass er ihn langsam und mit großer Willensanstrengung zurückdrängen konnte, wie er es schon zweimal getan hatte: Zuerst nachdem ihm die Rüstung angelegt worden war und dann bei seinem ersten Duell mit Drrochaal.
Irgendwann war er soweit, dass er keuchend an seinen Rücken greifen und die Axt lösen konnte. Zwar erreichte er nur das Blatt, das in seinem Fleisch steckte, doch da der Zauber verschwunden war, genügte das. Gegen die Schneide an sich schütze ihn die Rüstung an den Fingern. Langsam und unter Schmerzen befreite er sich von der Klinge, bis sie schließlich, vom eigenen Gewicht gezogen, abfiel und neben ihm landete.
Sisrall war noch nicht wieder in der Lage, aufzustehen, doch er konnte sich aufrecht hinknien. Dennoch wurde ihm übel, als sich sein Kopf drehte. Sein Schwert war ihm beim Sturz aus der Hand gefallen. Es lag außerhalb seiner Reichweite. Drrochaal war ebenfalls dabei, sich aufzurappeln, das Schwert steckte ihm noch immer im Hals. Anscheinend war auch das noch keine tödliche Wunde. Doch die feuerroten Augen weiteten sich hasserfüllt, als Sisrall nach der schweren Axt griff, sie anhob und in weitem Bogen schwang. Er zielte auf den Hals seines Gegners.

Ein durchdringendes Donnern ertönte, als die beiden Zauber aufeinandertrafen. Feuer und Eis begegneten einander und versuchten, sich gegenseitig zu vernichten. Eis schmolz zu schwarzen Bächen, die sofort verdampften, Flammen gefroren zu bizarren Skulpturen, bevor sie von der Wucht des Zusammenpralls zersplittert wurden. Alles dauerte nur einen einzigen Herzschlag. Und doch sah Yetail mit absoluter Klarheit, was geschah.
Ihr Blizzardsturm versuchte, dem gewaltigen Feuerring des Dämons Einhalt zu gebieten, während sich dieser auszubreiten suchte. Die beiden Kräfte waren so gewaltig, dass sie alles verzehrten. Eine Vibration, die Yetails Zähne klappern ließ und in ihren Knochen schmerzte, raste nach allen Seiten. Der Turm zerbarst zu nichts als Staub und große Teile der Mauer verwandelten sich in verbrannte Ruinen. Wo eben noch Wolken kondensiert waren, gab es plötzlich keine Feuchtigkeit mehr. Eine gewaltige Hitzewelle rollte über die Zauberin hinweg. Doch sie nahm es kaum war. An ihr haftete immer noch ein Hauch des Eiszaubers. Zwei ihrer Kopien zerflossen, bis nichts übrig war als ein kleiner roter Blutstropfen, der in der Hitze verdampfte.
In der Stadt fingen Gebäude Feuer, auf der Mauer brachen Druchii und ihre Feinde zusammen, als sie von der Hitze erschlagen wurde, auf dem Schlachtfeld verbrannte das Gras in weitem Umfeld. Die junge Zauberin schauderte angesichts der Macht des gegnerischen Feuerzaubers.
Doch auch ihr eigener Sturm hatte Wirkung gezeigt. Er war nicht, wie sie zuerst geglaubt hatte, völlig vernichtet worden, sondern hatte sich um den Hüter der Geheimnisse zusammengeballt. Sein Schwert war das erste Opfer gewesen. Es war noch vor dem Turm in tausend Teile zersprungen, nicht in der Lage, die widerstreitenden Mächte zweier Zauber zu verkraften. Und der Dämon selbst war in einen gewaltigen Eisblock gehüllt worden, der langsam schmolz. Yetail spürte, wie die feurige Macht des Monsters das schwarze Eis zu vernichten begann. Ihr Feind war noch nicht besiegt.
Also zog Yetail erneut an den Winden der Magie und formte dieses Mal selbst einen Feuersturm um sich selbst. Ihre Abbilder taten es ihr gleich. Von der Spitze ihres Stabs ausgehend, wurde sie in einen Kokon aus Flammen gehüllt, bis sie aussah wie ein Komet aus reinem Feuer.
Dann stürzte sie sich zusammen mit ihren vier Kopien auf ihren Gegner, der inmitten der Trümmer des Turms in dem Eisblock gefangen war. Wie ein Speer bohrte sich ihr Stab in das Eis, das sofort kollabierte. Wie ein feuriger Engel raste sie weiter, bis ihr Stab das Herz des Dämons fand. Mit einem hungrigen Zischen kehrte sich der Flammenkäfig um, bis nicht mehr sie selbst von Feuer umgeben war, sondern ihr Gegner.
Die Abbilder von Yetail verschwanden, als sie nicht mehr benötigt wurden. Denn der Hüter der Geheimnisse war besiegt. Die Flammen wurden erst violett und dann schwarz, bevor die brennende Gestalt des Dämons zu Nichts zerfiel. Ein schmatzender Laut ertönte, dann wurde Yetail von der Druckwelle einer weiteren Explosion erfasst. Hinter ihr wurden ganze Blöcke aus der Mauer gelöst und weit über das Schlachtfeld verstreut. Krieger, die einfach Pech hatten, wurde regelrecht zerfetzt, einige Gebäude brachen zusammen.
Dann sank Yetail hinab in die Dunkelheit. Sie spürte nicht mehr, wie sie aufschlug.

Dieses Mal gab es keinen magischen Schild. Dieses Mal gab es keine brennende Macht des Chaos. Dieses Mal gab es nur einen Überlebenden. Drrochaal stieß ein letztes Brüllen aus; halb Wut und halb Enttäuschung. Doch in seinem Blick lag Respekt. Das war das letzte Bild, bevor die Runenaxt heran war und ihm den Kopf von den Schultern schlug. Die Rüstung brach mühelos, Fleisch und Sehnen wurden zerrissen, die Halswirbel sauber zertrennt.
Es gab keinen magischen Blitz, keinen Knall und keine Explosion. Der abgetrennte Schädel flog zwei Meter durch die Luft, der Körper kniete noch drei Herzschläge und fiel dann nach vorne. Schwarze Asche rieselte aus den Öffnungen. Die Macht des Chaos hatte diesem Mann unirdische Kräfte verliehen, nun ließ sie nichts von ihm übrig. Kurz fragte sich Sisrall, ob ihn die Marilim ebenfalls so verzehren würde, sollte er sterben. Doch er entschied sich, es nicht herausfinden zu wollen.
Ohne sich dagegen wehren zu können, wurde Sisrall in die Dunkelheit hinab gezogen.
Als er wieder klar denken konnte, stand er in einer riesigen Halle aus grauen Schädeln. Sie waren überall. Der Boden, die Säulen, alles war aus grinsenden Schädeln erbaut worden. Selbst die Kerzenhalten waren schwebende Schädel, in denen Flammen tanzten.
Dann bemerkte Sisrall zu seiner Erleichterung, dass er nicht alleine war. Yetail stand dicht neben ihm. Auch sie sah sich überrascht um. Als sich ihre Blicke trafen, vermischten sich ihre Erinnerungen. Ganz plötzlich durchlebten sie beide jeweils den Kampf des anderen. Sisrall sah, wie die junge Zauberin den Hüter der Geheimnisse vernichtet hatte, während Yetail den Sieg des Tempelkriegers über den Chaosgeneral erlebte.
Erst, als sie beide verarbeitet hatten, was sie eben erlebt hatten, bemerkten sie, dass sie von einer Wand aus Kristall umgeben waren, hinter der sich die Halle erstreckte. Ohne es auszuprobieren, wussten beide, dass weder scharfer Stahl noch Magie diese Mauer durchbrechen würde.
„Ihr seid also Khaines neue Erwählte.“, stellte eine samtene Stimme fest. Auf der anderen Seite des Kristalls standen zwei Gestalten. Beide übermenschlich groß, doch wie groß genau, war nicht festzustellen. In der Halle verloren sich die Bezugspunkte. Die kleinere der beiden Personen war in einen eleganten Mantel gehüllt, der ihre Züge gleichzeitig verhüllte und betonte. Lange, tentakelartige Arme lugten aus den Ärmeln. Das Geschlecht war unmöglich festzustellen, doch das Wesen war unglaublich schön. Es war Slaanesh, der Gott der Ekstase. Ihm hatte die samtene Stimme gehört.
Daneben, in gebührender Distanz, stand Khorne, ein gewaltiger Hüne mit feuerroter Haut und Muskeln, die dicker waren als Sisralls gesamter Körper. Aus seinem Kopf ragten zwei Hörner, sein nackter Oberkörper glänzte vor Schweiß und Blut. Er stützte sich auf seine gewaltige, von Schädeln geschmückte Axt.
„Ihr also habt unsere erwählten Diener vernichtet.“, donnerte der Kriegsgott. „Wir sind beeindruckt. Es scheint, als hätten wir euch unterschätzt. Doch gebt euch nicht zu siegessicher. In der Viermächteschlacht mag das Chaos so gut wie vernichtet sein. Aber die Unendlichkeit ist lang. Wir werden wiederkommen. Drrochaal war nicht der letzter Champion des Chaos.“
„Dann werden wir warten. Vielleicht sind Blutklinge und Bluthand die letzten Kinder des Mordes, aber unsere Zeit ist noch lange nicht abgelaufen. Die Unendlichkeit ist lang. Wir werden das Chaos wieder und wieder zurückschlagen. Unterschätzt uns nicht noch einmal.“
Die beiden Götter lachten. Der eine dumpf und grollend, der andere warm und sanft. „Gut gesprochen, Blutklinge.“, ergriff Slaanesh das Wort. „Wir werden nicht noch einmal den gleichen Fehler machen, seid euch dessen bewusst. Aber erst einmal habt ihr beide eine Schlacht zu überleben. Und die ist noch lange nicht vorbei. Eure Feinde sind zahlreich und voller List. Der letzte Kampf wird der schwerste. Alles, was ihr bislang erlebt habt, wird daneben verblassen. Wenn Blut und Knochen aufeinandertreffen, dann wird das Volk der Druchii wanken. Wir werden beobachten.“
Damit war das Gespräch beendet. Die beiden Götter verwanden in der Dunkelheit und der Kristall zersprang. Sisrall und Yetail begriffen beide, dass die Wand ein Schutz gewesen war. Sie gehörten Khaine. Die Chaosgötter konnten sie zwar zu sich rufen, aber solange der Gott mit den blutigen Händen sie beschützte, konnten sie ihnen nicht schaden.
Ganz plötzlich fand Sisrall sich in seinem Körper wieder. Mit zusammengebissenen Zähnen ignorierte er die Schmerzen und stand auf. Er versuchte, Yetail zu finden, die irgendwo bewusstlos auf dem Schlachtfeld liegen musste. Anscheinend ging ein weiterer Tag der Schlacht zu Ende.