Ferrus Magna – Raumhafenbezirk Sigma-V, äußerer Hivetower
Der Raumhafen von Ferrus Magna war ein Orkan aus Lärm und Bewegung. Schwerlastkräne kreischten in ihren Führungsschienen, Servitorenkolonnen schoben sich durch Dampf und Ozonnebel, während Leuchtmarkierungen über das adamantene Landefeld zuckten. Hoch über allem senkte sich der massige Rumpf der Gloria in Tithe, ihre Panzerplatten noch gezeichnet von zwei Monaten Warptransit.
Hafenmeister Portius Krail stand auf der Kontrollplattform, den Mantel gegen die kalten Luftverwirbelungen der Landung geschlossen. Sein Blick ruhte auf den Datenprojektionen, die vor ihm flackerten.
„Ich sage es ein letztes Mal, Oberst“, knurrte er. „In den Hafen- und Makropol-Registern von Ferrus Magna existiert keine bestätigte Order für die Ausschiffung eines Regiments Eurer Bezeichnung.“
Vor ihm stand Oberst Thadeus Konn, Kommandeur des 44. Halcyon Linieninfanterieregiments. Seine Uniform war schlicht, altgedient, doch makellos. Die Haltung eines Mannes, der den Willen des Imperiums verkörperte, nicht dessen Zweifel.
„Dann“, erwiderte Konn ruhig, „sind Eure Register fehlerhaft.“
Krail verzog das Gesicht.
„Eine gewagte Unterstellung.“
„Eine notwendige“, sagte Konn. „Mein Regiment befand sich fünf Jahre im Einsatz auf den äußeren Monden des Vandis-Clusters. Dauerbeschuss. Mangelversorgung. Hohe Verluste. Der Rückführungsbefehl lautete eindeutig: Ferrus Magna. Die Gloria in Tithe hat ihn befolgt.“
Ein mechanisch kontrolliertes Räuspern erklang.
Logis-Prefect Maltheus Rho vom Adeptus Administratum trat aus dem Schatten eines Datapfeilers. Neben ihm stand die Novizin-Schreiberin Elcia Threnn, die mit gesenktem Kopf und unbeirrbarer Konzentration jedes Wort in ein leuchtendes Administratum-Pergament übertrug.
„Ich habe alle zugänglichen Archivpfade geprüft“, sagte Rho tonlos. „Es existiert kein Umstationierungsdekret für das 44. Halcyon. Keine Versorgungskontingente. Kein administrativer Nachweis für Eure Ankunft.“
Elcia Threnn setzte ein weiteres Sigel, ohne aufzusehen.
Oberst Konn neigte den Kopf minimal – ein Akt formeller Höflichkeit, nicht der Nachgiebigkeit.
„Dann fordere ich eine provisorische Zuweisung. Quartiere für meine Soldaten. Grundversorgung. Zugang zu Exerzier- und Gefechtsflächen. Meine Männer sind erschöpft, aber sie bleiben diszipliniert. Doch Disziplin allein ersetzt keine Rationen.“
Einige Schritte hinter dem Oberst stand Kommissar Jorrek Bale. Seine Augen ruhten auf den Gesichtern der Funktionäre, nicht auf den Landefeldern. Neben ihm wartete der Ogryn Gorvax, reglos wie ein Bollwerk aus Fleisch und Knochen. Bale schwieg. Er hörte die Lücken zwischen den Worten. Er erkannte, wo Verantwortung endete und Schuld begann.
Krail rieb sich die Schläfen.
„Es gibt einen Bezirk“, sagte er schließlich widerwillig. „Im Inneren des Hivetowers. Nahe der Unterstadt-Ebenen. Kürzlich gesäubert nach einem Aufstand. Die Infrastruktur ist beschädigt, aber nutzbar. Mehrere große Hallen – ehemalige Logistik- und Manufakturanlagen. Geeignet für Unterbringung, Exerzieren und Gefechtsübungen.“
Rho nickte langsam.
„Eine vorläufige Zuweisung außerhalb der regulären Verwaltungszonen. Bis zur Klärung.“
Elcia Threnn hielt inne, setzte ein temporäres Archivkennzeichen und schrieb weiter.
Oberst Konn lächelte dünn.
„Das genügt.“
Während die Landeluken der Gloria in Tithe aufglitten und die ersten Soldaten des 44. Halcyon-Regiments den Boden des Raumhafens betraten, richtete Jorrek Bale seinen Blick auf die gewaltigen Schotts, die tief ins Innere des Hivetowers führten.
Er konnte die Unterstadt nicht sehen.
Aber er wusste, was dort unten existierte:
Vergessen. Auslöschung. Stille.
Und Stille war der Anfang jeder Abrechnung.
Ferrus Magna – Innerer Hivetower, Quartierbezirk der 44. Halcyon, sechs Wochen später
So lange lebte das 44. Halcyon Linieninfanterieregiment bereits in den ausgebrannten Hallen nahe der Unterstadt-Ebenen. Sechs Wochen ohne offizielle Versorgung, ohne klare Zuständigkeit, ohne Antwort. Die letzten Kisten der Feldvorräte waren geöffnet, neu versiegelt, wieder geöffnet worden. Rationen waren gestreckt, dann halbiert, dann rationiert bis zur Bedeutungslosigkeit.
Kommissar Jorrek Bale kannte jede Zahl.
Er kannte auch die Namen.
Drei Tote.
Sieben Schwerverletzte.
Alle im Rahmen von Disziplinarmaßnahmen.
Er hatte nicht gezögert. Er hatte handeln müssen. Unruhe war Gift. Zweifel war ansteckend. Ein Regiment, das begann zu murren, war bereits halb verloren. Dennoch spürte er etwas, das ihm fremd war: keinen Zweifel an der Notwendigkeit – sondern an der Richtung.
Der Raum, den Oberst Thadeus Konn als Befehlszentrale nutzte, war einst ein Logistikbüro gewesen. Jetzt roch er nach kaltem Metall, Schweiß und altem Öl. Konn stand über einem Holotisch, die Schultern angespannt, als Bale eintrat. Gorvax blieb wie immer an der Tür.
„Bericht“, sagte Bale knapp.
Konn hob den Blick. Die Augen waren gerötet, nicht vom Zorn, sondern von Schlafmangel.
„Ich habe erneut Gesuche eingereicht“, begann er. „An den Makropol-Verwaltungsrat. An die Versorgungslogis. An den Gouverneur selbst. Depechen, codiert und offen. Keine Antwort.“
„Sechs Wochen Schweigen“, sagte Bale. „Sechs Wochen Hunger.“
„Ich tue, was in meiner Macht steht“, entgegnete Konn scharf. „Ich halte das Regiment zusammen, trotz der Verluste, trotz Eurer… Methoden.“
Bales Blick verhärtete sich.
„Meine Maßnahmen haben bislang verhindert, dass dieses Regiment implodiert.“
„Oder sie beschleunigen es“, gab Konn zurück. „Die Männer fürchten Euch inzwischen mehr als den Feind.“
Einen Herzschlag lang war es still. Bale hörte das entfernte Dröhnen der Hive-Maschinen, das endlose Atmen der Stadt.
„Furcht ist ein Werkzeug“, sagte er schließlich. „Aber kein Ersatz für Führung.“
Konn schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
„Und was schlagt Ihr vor, Kommissar? Soll ich die Gesetze des Administratums ignorieren? Soll ich mir Versorgung nehmen?“
Bale trat einen Schritt näher.
„Ich schlage vor, dass Ihr versagt habt.“
Die Worte hingen schwer zwischen ihnen.
„Unfähigkeit in der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft“, fuhr Bale fort. „Unfähigkeit, eine Reaktion der planetaren Autoritäten zu erzwingen. Ich erwäge, Euch des Kommandos zu entheben.“
Konn richtete sich langsam auf. Die Stimme war ruhig – gefährlich ruhig.
„Das verbiete ich mir.“
Bale blinzelte.
„Ihr vergesst Eure Position.“
„Nein“, sagte Konn, „Ihr vergesst sie.“ Er trat ebenfalls näher. „Ich bin der kommandierende Offizier dieses Regiments. Ihr seid hier, um Moral und Loyalität zu sichern – nicht um eigenmächtig die Befehlskette zu zerreißen.“
„Ich stehe außerhalb der Befehlskette“, erwiderte Bale kalt. „Und genau deshalb—“
„—erteile ich Euch jetzt einen Befehl“, unterbrach Konn. „Ihr unterlasst weitere Disziplinarmaßnahmen ohne meine Zustimmung. Keine Exekutionen. Keine Strafaktionen.“
Bale lachte nicht. Er schrie nicht.
Er sah Konn nur an.
„Ihr habt kein Recht—“
„—mir Befehle zu erteilen“, beendete Bale den Satz ruhig. „Das wisst Ihr.“
Beide Männer standen sich gegenüber, zwei Auslegungen des Imperiums, unvereinbar und doch aneinandergekettet. Hinter Bale bewegte sich Gorvax minimal, ein tiefes Knacken aus seiner Kehle.
Schließlich wandte sich Bale ab.
„Ich werde selbst handeln“, sagte er. „Wenn das Imperium schweigt, dann werde ich Antworten erzwingen.“
Konn rief ihm nach:
„Das ist Meuterei, Bale!“
Der Kommissar blieb an der Tür stehen.
„Nein“, sagte er leise. „Das ist Loyalität – nur nicht zu den falschen Stimmen.“
Als sich die Tür schloss, blieb Konn allein zurück.
Und zum ersten Mal fragte sich Jorrek Bale, während er durch die endlosen Korridore der Makropole schritt,
ob Gehorsam ohne Antwort noch Tugend war - oder bereits eine Lüge.
Der Konvoi war schon tot, als Proctor Prime Jarce Ironbite ihn erreichte.
Drei Ridge-Hauler, schwer gepanzert, die Anhänger noch angekoppelt, standen wie gestrandete Bestien in der staubverkrusteten Schneise zwischen den Versorgungstürmen des Makropol-Bezirks Heliarch-Sigma. Die dritte Sonne – Sol Mortis – war seit Tagen aufgegangen, doch hier unten, in der Unterstadt, war davon nichts zu sehen. Kein Licht. Kein Glanz. Nur ein dumpfer, grauer Dämmer, der selbst den Atem schal schmecken ließ.
Ironbites Stiefel crunchten auf zermahlenem Plasteel und getrocknetem Blut.
„Absperrung halten“, knurrte er, ohne sich umzudrehen. Seine Stimme war tief, rau, metallisch – als würde jedes Wort durch einen Schredder gehen, bevor es die Luft erreichte. „Niemand bewegt etwas, bevor ich es gesehen habe.“
Hinter ihm bezogen die Subductoren Stellung. Schwere Schilde, abgewetzte Kanten, tief eingeritzte Aquilae. Ihre Rüstungen waren stumpf vom Staub vergangener Einsätze, die roten Arbites-Markierungen kaum noch leuchtend. Doch ihre Haltung war makellos: Bollwerk, Wand, Urteil.
Zur Linken löste sich ein Trupp Vigilantus, angeführt von Proctor Lysa Varn, aus der Formation. Varn war schlank, ihre Helmoptik mehrfach geflickt, doch ihre Bewegungen waren präzise. Sie war neu im Vergleich zu Ironbite – und klug genug, das zu wissen.
„Proctor Prime“, meldete sie. „Keine Überlebenden. Vierzehn Fahrer und Begleiter. Drei Servo-Schützen. Alle tot.“
Ironbite blieb vor dem ersten Ridge-Hauler stehen. Die Frontpanzerung war durchschlagen – nicht zerrissen, nicht zerfetzt, sondern sauber perforiert.
„Trefferwinkel?“
„Flach. Niedrig. Präzise“, antwortete Varn. „Kein Streufeuer. Keine Überladung.“
Ironbite kniete sich neben einen der Toten. Der Mann war förmlich in zwei Hälften geschnitten worden – Brustkorb aufgeschmolzen, nicht verbrannt. Kein gewöhnlicher Laser. Kein Autogun-Feuer.
„Kein Abschaum“, murmelte Ironbite. „Ganger hätten geplündert, bevor der letzte Atemzug verhallt.“
Er richtete sich auf, sein Mantel – einst schwarz, nun grau vom Staub – flatterte träge. Sein Helm blieb unter dem Arm, das vernarbte Gesicht offen sichtbar. Kalte Augen. Ein Mund, der Gnade nie gelernt hatte.
„Bericht.“
Ein Arbites trat vor, Vigilant Kord Hallex, Datenplatte in der Hand. „Ladung vollständig entfernt. Ausschließlich Nahrungsmittel: Proteingel, Pilzpresslinge, Getreiderationen. Keine Luxusware. Keine Ersatzteile.“
„Und doch sauber“, sagte Ironbite. „Zu sauber.“
Er ging weiter zum zweiten Fahrzeug. Die Anhängerverriegelung war manuell gelöst, nicht gesprengt. Die Servos abgeschaltet, nicht zerstört.
„Sie wollten keine Aufmerksamkeit“, fuhr er fort. „Und sie wussten, was sie tun.“
Varn nickte langsam. „Vielleicht ein interner Auftrag? Abtrünnige Logistiker?“
Ironbite drehte sich abrupt zu ihr um. Der Blick traf wie ein Hammer.
„Das Gesetz spekuliert nicht, Proctor“, sagte er leise. „Es urteilt, wenn die Beweise sprechen.“
Er trat an die Seite des dritten Haulers. Dort, fast unsichtbar im Staub, erkannte man ein Zeichen – kein Graffito, kein Gang-Symbol. Es war eingeritzt, klein, akkurat. Eine stilisierte Registraturmarke, wie sie in alten Administratum-Archiven verwendet worden war.
Ironbites Finger verharrte darüber.
Einen Herzschlag zu lang.
„Dieses Zeichen“, sagte er schließlich. „Wer kennt es?“
Stille.
Dann meldete sich einer der Vollstrecker, Arbites Jorvan Kree. Zögernd. „Ich… habe etwas Ähnliches in alten Fallakten gesehen, Proctor Prime. Verschwundene Transporte. Präzise Überfälle. Keine Spuren.“
Ironbite richtete sich auf.
„Namen.“
Kree schluckte. „Die Akten wurden geschlossen. Verloren. Umklassifiziert.“
Ein kaltes Lächeln huschte über Ironbites Gesicht – ein Ausdruck, der nichts Gutes verhieß.
„Nichts geht verloren“, sagte er. „Es wird nur verdrängt.“
Er wandte sich an die versammelten Arbites.
„Hört gut zu. Dieser Angriff war kein Raub. Es war eine Operation. Nahrung ist Macht. Kontrolle über Versorgung ist Kontrolle über Gehorsam.“
Sein Blick ging über die Ridge-Hauler, die Leichen, den leeren Staub.
„Jemand testet Ferrus Magna.“
Ironbite setzte den Helm auf. Die Optiken fuhren hoch, rote Runen spiegelten sich im Visor.
„Und ich dulde keine Tests.“
Er aktivierte den Vox-Kanal zur Inquisitorin.
„Greyfax“, knurrte er. „Wir haben es nicht mit Abfall zu tun. Das hier ist geplant. Strukturiert. Und alt.“
Ein kurzer Moment Stille – dann sein letzter Befehl an die Trupps:
„Sichert alles. Versiegelt den Bezirk. Holt mir jede Akte, die je verschwunden ist.“
Er blickte noch einmal auf das eingeritzte Zeichen.
Tief unter Ferrus Magna, jenseits von Licht und Sonnen, hatten sich Register bewegt, die besser begraben geblieben wären.
Und Jarce Ironbite hatte ihre Spur aufgenommen.
Das Gesetz kam.
Und es kam, um zu beißen.
Kein Gesetz. Keine Sonne. Nur Schuld, die schreit.
Der Raum bebte noch vom Echo der Stimmen.
Ein ehemaliger Taktikraum, tief unter Ferrus Magna, jetzt nur noch ein Grab aus Beton, Kabeln und rostigem Imperialem Stolz. Lumen flackerten. Die Luft roch nach kaltem Öl und Ozon. Karten des Makropols hingen schief an der Wand – alt, unaktuell, mit Markierungen, die es offiziell nie gegeben hatte.
Thadeus Konn stand mitten im Raum.
Die Adern an seinem Hals pochten. Seine Uniform – "einst" die eines imperialen Obersts des 44. Halcyon-Regiments – hing schief, zerschlissen, mehr Kostüm als Rangabzeichen. Sein Blick war wild, panisch, rasend.
Vor ihm: Jorrek Bale.
Unbeweglich.
Wie ein Denkmal für alles, was Konn verloren hatte.
„Ihr habt was?!“ brüllte Konn, die Stimme überschlug sich. „Ihr habt MIR NICHTS GESAGT!“
Bale hob langsam den Kopf. Die Schatten spielten über sein Gesicht, zeichneten die kalten Linien eines Mannes, der Entscheidungen über Leben und Tod nicht mehr zählte.
„Wir haben die Ladung“, sagte Bale ruhig. „Die Männer leben. Die Vorräte reichen für Monate.“
Konn lachte – ein hässliches, hohles Geräusch. „Monate?! Versteht Ihr überhaupt, was Ihr getan habt?! Ihr habt einen Konvoi ausgelöscht! Arbites werden—“
„—suchen“, unterbrach Bale. „Ja.“
Ein Schritt näher.
„Aber sie hätten uns auch ohne den Angriff gefunden.“
Konn schüttelte den Kopf, riss sich den Kragen auf. „Ihr habt das Überleben der Truppe gesichert und dafür alles andere geopfert! Disziplin! Befehlsketten! Wir waren ein Regiment!“
Bale neigte leicht den Kopf.
„Waren“, wiederholte er leise.
Dann wurde seine Stimme hart.
„Wir sind schon lange nicht mehr das 44. Halcyon.“
Er trat näher, bis sie sich fast berührten.
„Wir sind vergessen. Beerdigt. Aus den Archiven gestrichen.“
Ein Finger tippte gegen Konns Brust.
„Vergessene Register – weil Ihr, Oberst…“
Bales Stimme senkte sich zu einem gefährlichen Flüstern.
„…versagt habt.“
Es wurde still.
Dann explodierte Konn.
„IHR WAGT—?!“
Die Boltpistole war plötzlich in seiner Hand. Der Lauf zitterte, doch sie war entsichert. Ein einziger Schuss hätte gereicht, um alles zu beenden.
Für einen Augenblick glaubte Konn, wieder Kontrolle zu haben.
Das war sein letzter Fehler.
Ein tiefes Aufheulen von Energie durchzog den Raum.
Bales Energiefaust erwachte zum Leben – ein Ungetüm aus Ceramit, Kabeln und blauer Entladung. Kein Zögern. Keine Drohung.
Er war schneller.
Mit einer brutalen Bewegung schlug Bale zu.
Die Pistole explodierte förmlich aus Konns Hand, schleuderte gegen die Wand, Metall zerplatzte, der Rückstoß riss Konn aus dem Gleichgewicht. Ein Schrei – halb Schmerz, halb Unglaube.
Bale trat vor.
Die Faust packte Konn an der Brustplatte, zerdrückte sie wie dünnes Blech. Servos heulten. Knochen knackten.
Konn röchelte. Seine Füße schlugen hilflos über dem Boden.
Bale zog ihn hoch, sah ihm direkt in die Augen.
Kein Hass. Nur Urteil.
„Der unvermeindliche Preis Eures Versagen“, sagte Bale ruhig, fast sachlich.
Die Faust zog sich zusammen.
Ein letzter, erstickter Laut entwich Konns Kehle.
Dann ließ Bale los.
Der ehemalige Oberst sackte zu Boden wie ein leerer Sack Vergangenheit.
Stille.
Die Männer im Raum rührten sich nicht. Keiner sprach. Keiner atmete hörbar.
Bale sah auf den leblosen Körper hinab.
„Merkt euch das“, sagte er schließlich.
„Ränge haben uns verraten. Namen haben uns verraten.“
Er drehte sich um, die Energiefaust summte noch leise.
„Aber wir verraten uns nicht.“
In den flackernden Lumen wirkte das alte Kartenmaterial an der Wand plötzlich wie etwas Neues.
Nicht mehr Imperium. Sondern Vorbereitung.
Und irgendwo, weit oben, begann das Gesetz, nach ihnen zu greifen –
ohne zu ahnen, dass es längst zu spät war.