Geschichtenwettbewerb Winter 12/13 — W40K — An jedem verdammten Milleniumsende

SHOKer

Mentor der flinken Federn
Moderator
Kharn hatte endlich den lästigen Loken vor sich liegen und holte mit der surrenden Kettenaxt aus, um dessen verdammten Schädel von den Schultern zu trennen. In dem Moment trat Ma Chaos vor den Bildschirm und Khorne konnte nichts mehr sehen.
"Ma, du stehst im Bild!", grollte der Blutgott gereizt. Ihre Augen aus schwarzen Löchern fixierten ihn, während ihr Haarwickler aus Sternennebeln ihm den Blick auf sein Spiel versperrte.
"Na, markier mal nicht den dicken Macker, Körnchen. Ein paar von deinen kleinen geflügelten Freunden haben wieder diese widerlichen Dinger vorbeigebracht." Ma Chaos lies einen Beutel mit abgetrennten Schädeln zu Boden fallen. Khorne hatte sich inzwischen von seinem bronzenen Thron auf dem Schädelberg erhoben und spähte an Ma Chaos vorbei. Aber es war zu spät, ein Landraider hatte seine Spielfigur erfasst und Kharn lag hilflos in der Räumschaufel.
"Na prima! Ich hätte diesen lästigen Loken erschlagen können!", grollte Khorne gereizt und brüllte wütend auf. Draußen im Vorgarten bebten die Vulkane und spien Rauch und Feuer.
"Krieg dich wieder ein, ist doch nur ein dämliches Spiel. Such dir endlich eine Freundin. Selbst Nurgle hat eine."
"Er hält das arme Mädel in einem Käfig und macht medizinische Experimente mit ihr", verteidigte sich der Gott des Krieges empört.
"Na, immerhin hat er eine."
"Würde ich so nicht sagen. Ich geh nachher noch zu meinen Kollegen ins Eye of Terror, könnte später werden", grollte Khorne resigniert und warf den Kontroller aus Messing vor Wut gegen die Wand. Beinahe hätte es geklappt, diesen widerlichen Loken einen Kopf kürzer zu machen.

Ma Chaos grummelte etwas von "Bring dabei doch gleich noch den Müll raus" und ging endlich. Er schaltete mit einem Fluch seine Warpkonsole aus. Nachdem er sich soweit wieder beruhigt hatte, trat er in den Wandschrank und überlegte angestrengt, welche von seinen Rüstungen er anziehen sollte. Letztendlich hatte er die Wahl zwischen seinem Harnisch aus schwarzem Sternenstahl mit Bronzerunen oder die aus schwarz brüniertem Adamantium mit rot glühenden Symbolen. Schließlich zog er die aus schwarzem Sternenstahl an, da der dazu passende Helm einfach schicker aussah.

Grollend warf er den Müllbeutel in Mahlstromeimer hinter der Garage der Ewigkeit. Seine Bluthunde kamen aus ihren Hundehütten aus Knochen angehechelt und sahen ihn bettelnd an. Er streichelte seine kleine Lieblinge über den Knochenkamm und warf ihnen ein paar Leckerli in Form von Seelen von Feiglingen zu. Gierig zerrissen sie die Seelen. Während seine Hunde sich noch balgten, ging Khorne zu seiner Garage aus Messing, wo sein roter Ford Mustang stand. Als Inkarnation des Krieges und Roter Ritter hatte man einen gewissen Stil zu wahren.

Schon beinahe liebevoll fuhr er über die rote Lackierung aus getrocknetem Blut. Er quetschte sich in den Bronzesitz hinter das Sportlenkrad aus gebürstetem Messing mit eingelassenen Schädeln. Unter dem Rückspiegel hingen zwei achtseitige Würfel aus geschnitzten Knochen, die auf jeder Seite ein Acht hatten. Der 888 Behemot starke Motor brüllte auf, als er auf das Gas tippte. Er umfasste den riesigen Schädel einer Dominatrix, welcher als Schaltkopf seines achtgängigen Getriebes diente und legte den ersten Gang ein. Nachdem er die Knochenwüste des Vorgartens und Gartenzaun aus Vulkanen passiert hatte, bog er in die Verdammnisstraße ein, die direkt zum Highway to Hell führte.

Noch bevor auf die Route 666 einbiegen konnte, heulten hinter ihm die Sirenen auf. Khorne blickte in den Rückspiegel aus polierter Bronze und dann auf den Tacho mit seinen blutroten Ziffern. Achtundachtzigfache Lichtgeschwindigkeit war er schnell und erlaubt waren hier zum Schutze der Warprouten nur fünfundfünfzig. Schnell kam der Goldene Thron mit seinen tausend PS angeschossen, wobei hier PS für Psionikerseelen standen. Khorne hielt fluchend an, da sein Mustang nicht schnell genug war, dem Goldenen Thron davon zu fahren. Engel umkreisten den Goldenen Thron und schwenkten Hymnen singend rote und blaue Laternen. Auf dem Vehikel stand in großen Lettern aus Elektrum "Warp Police, to protect and serve".

- Was für ein Angeber, - dachte Khorne und da stieg auch schon der Imperator aus. Die Engel verstummten mit ihrem Sirenengesang und der Gott der Menschheit in seiner angeberischen Terminatorrüstung beugte sich zu ihm herunter.
"Heute haben wir es aber wieder mal eilig, Herr Khorne."
"Mach nur ne kleine Spritztour, Officer Imperator."
"Hm, dreiunddreißig Lichtjahre zu schnell, dass macht dann dreiunddreißig Milliarden Seelen. Bar oder Karte?" Da Khorne gelernt hatte, dass Diskusionen dazu überflüssige waren, zog er innerlich vor Wut kochend seine bronzene Warp Express Karte und überwies kommentarlos die Strafe.
"Einen schöne Ewigkeit noch, man sieht sich bestimmt wieder." Der Imperator gönnte sich ein selbstgefälliges Grinsen, bevor er sich umdrehte. Eines Tages würde er dem Imperator das Grinsen aus dem Gesicht schneiden, schwor sich Khorne. Einer seiner vorwitzigen Engel hatte den Chor verlassen und flatterte mit seiner blau blinkenden Laterne vor seinem Seitenfenster herum. Die Züge des kleinen Engelchens entgleisten, als es den brennenden Blick Khornes auf sich gerichtet sah.
"Buh!", machte Khorne und der Engel ließ vor Schreck seine kleine Laterne fallen. Ängstlich vor sich hin quietschend flatterte das Engelchen zu seinem Schwarm zurück und reihte sich in den Himmlischen Chor ein, wo andere Engel es sogleich trösteten und Khorne vorwurfsvolle Blicke zuwarfen.
- Na wenigstens kann ich noch freche Engel verscheuchen - grummelte Khorne in Gedanken und fuhr vor Wut bebend los. Nun achtete er darauf, die Behemots auf erlaubte Geschwindigkeit zu halten, denn Khorne konnte den Radarblick des Imperators noch auf sich spüren. Schließlich fuhr er von der Route 666 herunter auf die Straße von Cadia, passierte das Höllentor und erreichte dann die Bar mit dem Namen "Eye of Terror". Dessen wirbelnde runde Leuchtreklame pulsierte in allen Farben.

Vor dem Eye of Terror parkte schon Nurgles total verrosteter und vergammelter VW Käfer, Slaanesh rosafarbener Cadillac mit Plüschbezug und Tzeentchs angeberischer blauer Maybach Zeppelin. Die aufgemotzten Bikes von Gork und Mork standen direkt vor dem Eingang. Khorne stieg aus und merkte, dass ein kleines Geschöpf mit einem Schwert auf ihn ein hieb. Er beugte sich herunter und erkannte, was ihn da zu attackieren versuchte.

"Och wie Süß! Ein Grey Knight! Du hast dich wohl verlaufen. Komm, Kleiner, ich zeig dir putziges Kerlchen ein lohnendes Ziel." Khorne hob den knuffigen Marine an seiner zwölfzackigen Säule vorsichtig hoch, die aus seiner Terminatorrüstung ragte und trug ihn zum Pink Cadillac von Slaanesh.
"Hier Kleiner, hast du was zum kaputthauen!" Sofort stürzte sich der graue Ritter auf die Reifen des Cadillac und fing an, sie mit seinem Schwert vom Titan zu zerfetzen. Das hatte etwas richtig Erfrischendes an sich. Khorne riss sich vom erbaulichen Anblick der sinnlosen Zerstörung von Slaaneshs Cadillac los und betrat das Eye of Terror, die angesagteste Bar im Warp.

Die beiden Orkgötter spielten mit Brocken Billard und schoben so ihre Anhänger von einem Ende der Galaxie zur anderen. Der Maschinengott, der hinter dem Tresen stand, polierte seine Gläser. Bei ihm holte sich Khorne seine übliche Flasche Bloodweiser ab. Slaanesh, Tzeentch und Nurgle hatten es sich schon am Stammtisch bequem gemacht. Wie üblich führte Nurgle seine Eldargöttin mit einem Halsband spazieren, nur um Slaanesh zu ärgern. Isha trug heute ein vergammeltes Ledermieder, das ihre sanften Rundungen betonte. Die Schwuchtel selbst tippte begeistert auf seinem WPhone herum, während Tzeentch die neusten Nachrichten auf seinem WarpPad verfolgte. Khorne hasste diese Dinger.

"Du kommst spät, Khorne", merkte Tzeentch an und starrte ihn von den Augen auf seiner Brust an. Einst hatte der Blutgott geschworen, ihm den Schädel abzuschlagen. Daraufhin hatte diese intrigante Kreatur seinen Schädel weggewandelt und seine Sinnesorgane und Mund einfach in den Brustbereich gelegt. Manche gönnten einem eben auch nicht den kleinsten Spaß. Auf Tzeentchs Schulter hockte Kairos, der Weber des Schicksals mit seinen beiden Köpfen.

Da der Gott der Lügen nie etwas ohne fiesen Hintergedanken sagte, wurde Khorne klar, dass der Imperator nicht zufällig am Highway to Hell eine Geschwindigkeitskontrolle gemacht hatte. Der goldene Mistkerl hatte von Tzeentch garantiert gesteckt bekommen, dass sie heute Poker spielten. Die anderen fuhren Karren, mit denen man gar nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung durchbrechen konnte. Der Gott des Schlachtens setzte sich kommentarlos auf einen der freien Stühle, die aus Knochen von Weltraumwalen gebaut waren und griff nach den Spielkarten. Der Herr des Wandels beendete seine Herumtipperei auf seinem blauen WarpPad und legte es zur Seite. Pactbook war noch aufgerufen. Wo waren sie hin die Zeiten, als noch Dämonenpaktierer Blutopfer brachten, um mit ihren Göttern zu reden?

"Sind wir hier zum Kartenspielen oder was?", grollte Khorne, als der Ekstasenknilch keine Anstalten machte, sein Warphone in pinker Plüschhülle zur Seite zu legen. Eine Dämonette mit einer Maske vor dem Gesicht tanzte an einer Poolstange auf dem Gehäuse des Gerätes.
"Ist ja gut, Corny!" Khorne mochte es nicht, wenn man seinen Namen veräppelte und zog seine Lefzen zurück. Seine Reißzähne waren nun entblößt und ein tiefes Knurren kam aus einer Kehle.
"Also, gib schon", mischte sich Nurgle ein und furzte dann laut. "Sorry, aber ein paar meiner Anhänger wollten, dass ich Scheiße vom Himmel regnen lassen." Das war einer der Momente, wo Khorne sich fragte, was er hier eigentlich jedes Jahrtausendende zu suchen hatte. Dummerweise gab es keine weiteren Götter.

"Scheiße für den Scheißegott! Klopapier für seine Toilette!", grölte auf einmal Tzeentch los. Nurgle lachte so laut, dass seine eitrigen Blasen am Kinn aufplatzten und sich seine Nurglinge darauf stürzten, um es aufzulecken. Es gab wenig ekligeres im Universum als dieser Anblick. Stoisch gab Khorne fünf Karten für jeden und blickte in sein Blatt. Zwei Engel, Schwert und Stab, ein Dämon Schwert, zwei Achter, Fliege und Herz. Er warf schweren Herzens den Blutdämon ab und kaufte sich eine neue Karte, einen dritten Engel Herz. Ein sehr gutes Blatt, besonders da er zwei Karten mit seiner heiligen Zahl hatte. Tzeentch kaufte gleich drei Karten, Nurgle rutschte vergnügt kichernd auf seinem Stuhl hin und her ohne etwas zu kaufen und Slaanesh kaufte zwei. Der Herr der Verfalls konnte eine große Straße mit Fliege haben, oder vier Asse. Oder er bluffte nur. Der Wandler der Wege war eine Maske aus blauem Kristall. Er hatte drei Karten gekauft, wahrscheinlich kein gutes Blatt, aber bei dem Mistkerl wusste man nie. Slaanesh sah nicht glücklich aus und er war ein schlechter Bluffer und Spieler.

Tzeentch eröffnete mit dem Mindesteinsatz, 9999 Seelen. Nurgle erhöhte sofort auf Neunundvierzigtausend. Slaanesh gähnte herzhaft und warf dann gelangweilt sein Blatt weg.
"Passe!" Sofort zog er sein WPhone wieder zu sich her, um zu sehen, ob neue Paktanfragen auf seiner Pactbookseite eingetrudelt waren.
"Halte!", knurrte Khorne und legte seinen Einsatz in den Pot.
"Erhöhe auf 99999 Seelen!" Tzeentch schien entweder ein gutes Blatt zu haben oder er bluffte. Oder er schummelte. Es wäre nicht das erste Mal, dass mehr Karten im Spiel waren als sie sein sollten.

"Gehe mit!", gluckste Nurgle begeistert und gab seiner missmutig neben ihm hockenden Eldargöttin einen Klaps auf ihren mit Pockennarben übersäten Hintern. Wie üblich probierte Nurgle andauernd irgendwelche Krankheiten an ihr aus. - Was für eine Schande. Ein Mann sollte eine Frau nicht für solche Dinge missbrauchen, - fand jedenfalls Khorne und war froh, dass seine Anhänger geradlinige Krieger waren. Keine hinterlistigen Winkelzüge, keine medizinischen Experimente, keine ausschweifenden Orgien. Hingehen, seinen eigenen Namen verkünden, Khornes Namen preisen, den Feind totschlagen, Schädel abschlagen und weiterziehen, so machte ein richtiger Krieger das. Ein wahrer Ritter behandelte eine Frau mit Respekt und schließlich war er unter anderem auch als der Rote Ritter bekannt. Und das nicht nur, weil er eine Rüstung und ein Schwert hatte. Sein Blatt war gut und Khorne beschloss, noch eine Runde mitzugehen. Tzeentch blickte kurz auf sein WPad und schien etwas zu machen, das Khorne nicht genau erkennen konnte. Irgendeine Art Zauber. Aber da dies das Spiel nicht tangierte, reagierte der Gott des Schlachtens nicht darauf.
"Erhöhe um weitere Einundachtzigtausend Seelen." Nurgle sah nun etwas missmutig aus, betrachtete seine Karten, verspeiste nachdenklich kauend ein paar von seinen Nurglingen und ging dann mit.

"Hört euch das mal an! Hey, ich bin zwölf Jahre alt und stehe voll auf SM, besonders Emi finde ich toll", las Slaanesh laut von einer Freundschaftsanfrage vor. "Zwölf und schon so versaut! Emi steht bestimmt für Enema. Komm in mein Palast der Ekstase, meine Kleine!", lachte der Herr der Sünde laut auf.
"Vollidiot!", grollte Khorne und schlug hart mit der Faust auf den Tisch. "SM steht hier nicht für Sado-Masochismus sondern für Sailor Moon, denn Emi ist ein Charakter aus dieser Serie."
"Sailor Moon?", fragten alle drei Götter des Chaos gleichzeitig.
"Das ist eine terranische japanische Animeserie aus den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Um eine Anführerin scharen sich anfangs vier Kriegerinnen. Jede der Kriegerinnen verkörpert je einen Aspekt von Stärke, Schönheit, Klugheit und Spiritualität. Die Anführerin kann anfangs eigentlich nichts besonderes, außer aus den verschiedenen Einzelgängerinnen eine geschlossene Einheit zu formen. Erst nach und nach findet sie zu sich selbst und kann ihre Kräfte kontrollieren. Die erste Staffel war auf fünfzig Folgen ausgelegt und durch den großen Erfolg wurden insgesamt fünf Staffeln mit zweihundert Folgen daraus. Mit der Serie wurde das Gerne des Magical Girl neu belebt und fand viele Nachahmer." Er blickte in Gesichter mit offenen Mündern. Nurgle entfuhr ein langer Furz und sein Gedärm sprang aus seinem offenen Bauch. Dann fingen alle drei gleichzeitig an zu lachen.
"Unser Körnchen schaut Zeichentrickfilme für sterbliche Kinder!", gluckste Slaanesh.
"Gott des Krieges? Wie wäre es mit Gott des schlechten Geschmacks! Oh nein, das bist du ja schon! Wie die Anhänger, so der Gott!", machte sich Tzeentch lustig. Nurgle hatte vor lauter Lachen einen Schluckauf bekommen und spie mit jedem Atemzug schleimige Substanzen aus.
"In der Serie geht es um Opferbereitschaft, Freundschaft und Pflichterfüllung. Und wie weit eine Frau bereit ist zu gehen, um ihre große Liebe zu retten. In einer Folge läuft die Hauptperson barfuß durch ein Dornenfeld, was durchaus blutig ist. Das sind also durchaus Aspekte, die meiner würdig sind!", versuchte Khorne zu erklären, erntete aber nur weiteren Spott. Zornig legte Khorne mit einem Knurren sein gutes Blatt zur Seite. Jedes Jahrtausendende dasselbe. Und da fragte sich Ma Chaos noch, warum er immer wütend war?

Vor Zorn bebend stand er auf und wandte sich mit letzter Selbstbeherrschung an die Eldargöttin.
"Fräulein Isha?"
"Bin schon aus dem Weg!" Geschwind stand sie auf und ging, soweit es ihre Leine an ihrem Halsband mit einem Fliegenanhänger zuließ, auf Distanz. Dann packte Khorne den immer noch tränenlachenden Slaanesh und schmetterte dessen Kopf auf die Tischplatte aus gepressten Trümmern von Raumschiffen. Es gab einen ordentlichen Rums, als nicht nur die Tischplatte zerbrach. Dann schnappte er sich den blutenden Gott der Ekstase und benutzte ihn als Keule, um auf Tzeentch einzuschlagen.

"Das wird jetzt gleich weh tun!", rief der linke Kopf von Kairos und der Rechte meinte gleichzeitig, "der trifft doch gar nicht!"

Tzeentch hatte seine wuchtige Attacke natürlich schon vorhergesehen und wich gewandt aus, nur um einen Sekundenbruchteil später eine Kopfnuss von Khorne verpasst zu bekommen.
"Das hast du wohl nicht kommen sehen, Zenziboy!", brüllte Khorne, sprang mit beiden Hufen auf den Brustkorb des Lügengottes. Tzeentchs Augen schossen aus ihren Höhlen und sausten Kometen gleich in die Decke.
"Schau mal! Dein heiliges Symbol! Dein blöder um die Ecke fliegender Komet!", brüllte Khorne wütend und kickte dann Kairos gegen die nächste Wand.
"Autsch!", waren sich beide Köpfe ausnahmsweise mal einig.
Dann rammte Khorne den mit dem Kopf voraus Slaanesh in das eitrige Angesicht von Nurgle.
"Moschen da Gitz!", brüllten Gork und Mork gleichzeitig und kamen auf ihn zugerannt. "Waaaagh!"
"Ich wünschte, die Idioten würden endlich lernen, wie normale Götter zu sprechen!", grollte Khorne und warf ihnen Slaanesh vor die Füße. Der etwas ungeschicktere Mork, oder war es Gork, stolperte und der andere bekam einen Schwinger von Khornes Rechter auf seine Hauer. Im hohen Bogen flog der Gott der Orks zurück zum Brockenbillard und der Tisch zerbrach unter dem Gewicht des wuchtigen Körpers von Gork. Dann sah Khorne nur noch rot. Als er nach einem Äon wieder bei Sinnen war, hatte sich das Eye of Terror in eine Trümmerlandschaft verwandelt. Einsam saß die Eldargöttin Isha auf dem einzig heil gebliebenen Stuhl aus Weltraumwahlknochen und nippte an einem Tässchen Tee. Alles andere war im Schrankraum zu Bruch gegangen. Tzeentch hing von Nurgles herausgezogenen Gedärmen von der Decke und schaukelte im Warpsturm. Vor Slaanesh, der zerschmettert in den Trümmern lag, tanzte einsam die Dämonette mit einer Maske vor dem Gesicht, um ihren Herrn aufzumuntern.
"Wenn du tanzen willst, dann tanz für alle Ewigkeit!", verfluchte Slaanesh seine treuste Anhängerin in vollständiger Verkennung ihrer Absicht. Dafür trat Khorne dem Drecksack gleich nochmal zwischen die Beine. Auch wenn dieser Bastard weder Mann noch Frau war, da war doch einiges Empfindliches dort. Der Maschinengott spähte vorsichtig hinter seiner Theke hervor und zeigte sich nun, da der Wutsturm vorbei war.

"Fräulein Isha? Alles in Ordnung?"
"In den Tee gehört etwas mehr Zitrone, aber sonst kann ich nicht klagen."
"Ihr wisst, was ich meine."
"Ich würde wirklich zu gerne dieses Scheusal verlassen, aber wer flüstert dann den armen Sterblichen die Heilungsmittel zu? Wir alle haben unsere Aufgaben zu erfüllen.", erwiderte Fräulein Isha mit einem tiefen Seufzen.
"Wohl war, ich wünschte, mein Aufgabenfeld würde mir mehr Freiraum lassen. Oder Anhänger mit mehr Feingeist. Aber irgendwie zieht mein Aspekt meist Anhänger mit niedriger Scholabildung an."
"Gute Anhänger zu bekommen ist heutzutage schwer geworden."
"Ja, die Zeiten ändern sich, aber nicht zum Besseren. Nun, ich kann Euch nicht zu Eurem Glück zwingen", meinte Khorne traurig und trat dafür als fairen Ausgleich Nurgle mehrmals voller Zorn gegen den Kopf. Dessen Kartoffelschädel platzte auf und eitrige Gehirnmasse bildete einen Ozean, in dem begeistert Nurglinge herumschwammen und Wasserball mit Eiterklumpen spielten. Bei diesem Anblick wurde Khorne klar, dass er es durchaus schlechter hätte treffen können. Im Vorbeigehen sah er auf Tzeentchs Warppad und sah, dass er die Paktanfrage an Slaanesh geschickt hatte. Wie immer steckte der Fürst der Lügen hinter allem. Dafür rammte er gleich dem Mistkerls sein WPad in sein Schandmaul.
"Verschluck dich daran!", meinte der rote Ritter und wandte sich dann an die immer noch dasitzende Eldargöttin. "Ihnen eine gute Nacht, Fräulein Isha."
"Kommen Sie gut nach Hause, Herr Khorne.", wünschte ihm die sanft lächelnde Isha aufrichtig. Genau deswegen tat er sich das jedes Jahrtausendende an.
 

yinx

Erwählter
Ich hatte die Geschichte zuerst gelesen, weil mir ihr Titel am besten gefallen hat. Man wittert schon beim zweiten Satz worum es geht, nämlich eine Parodie auf (zunächst) die Chaosgötter und dann schließlich auch noch einige andere Vertreter.
Khorne als Muttisöhnchen darzustellen hat mir nicht so zugesagt, war aber als Einstieg relativ witzig. Die Autos der Chaosgötter waren gut gewählt und haben zu jedem gepasst (besonders der Käfer), auch der Imperator als Politesse wusste mir zu gefallen. Dennoch fand ich es nicht ganz passend, dass "Reale" 20. Jahrhundert Autos dorthin verfrachtet wurden... haben die keine Anti-Grav-Fahrzeuge...? ;)
Dennoch ufert mir das ganze am Ende irgendwie zu sehr in "Ich-verzerre-normale-Begebenheit-auf-Chaos-Welt-Niveau" am laufenden Band aus, in früher oder später absurd hohen Dimensionen. Wirklich lachen konnte ich auch nicht. Und Slaanesh ist meinem Empfinden nach immer einer der übelsten Chaosgötter, den fand ich etwas niveaulos auf die Schippe genommen.
Pactbook hingegen war wieder sehr cool, Mork und Gork kamen auch klasse rüber.
Sailormoon fand ich dann als Aufhänger schon wieder ein bisschen arg von der Brechstange und Khorne ist mir am Ende dann auch irgendwie viel zu vernünftig und galant. Immerhin ist er der wilde Chaosblutgott, die Rolle hätte eher zu Tzeentch gepasst. Und seine Sympathien mit Isha am Ende fand ich auch unpassig, aber vielleicht war das ja auch ein Hintergrundgedanke des Autors, Khörnchen gerade etwas gegensätzlich darzustellen.
Insgesamt aber eine schöne, innovative Idee auf sehr gutem sprachlichen Niveau. Höheres Punktniveau, denke 4-5
 

Nightpaw

Eingeweihter
Herrlich, danke. :lol: An einigen Stellen musste ich wirklich schallend lachen. Das Ganze hat selbstredend nicht den geringsten literarischen Anspruch, es liest sich mehr wie "Die nackte Kanone 666". Aber was soll's, wenn kein Bordeaux zur Hand ist, kann man sich ohne weiteres auch mal mit Lambrusco berauschen und trotzdem Spaß haben. Hebt sich auf jeden Fall deutlich von der Konkurrenz ab (mit einer Ausnahme, die in ein etwas anderes Horn bläst, ist ja sonst keine humoristische Geschichte dabei). Herrlich respektlos, spektakuläre Kampfszenen und "Pactbook" ist ein echter Geniestreich (fehlt nur noch die PrayStation für die Grey Knights).

In einem muss ich yinx noch zustimmen: Die Namen der Autos reißen es wirklich etwas runter. Dennoch, wahrscheinlich unter meinen Top 3. Puh... ich muss alle noch mal lesen, das wird nicht einfach heuer... :)
 

Ominus

Codexleser
Ich konnte dieser Geschichte leider gar nichts abgewinnen.
Die Idee einer Parodie auf die Chaosgötter ist an sich ziemlich witzig. Aber das sprachliche Niveau war meiner Meinung nach mehr als unausgereift. Die Sätze klangen abgehackt, lasen sich störrig, die Witze wurden einem aufgezwungen und die dargestellte Brutalität war albern und infantil. Zudem sind Kraftausdrücke ein sehr heikles Thema in Geschichten. Nicht dass ich sonderlich sensibel wäre, aber falsch eingesetzt ziehen sie das Niveau ins Bodenlose, was hier, wie ich finde, passiert ist.

Mit einer ordentlichen Kelle an schriftstellerischem Schliff oder Erfahrung, um einiges subtilerem Humor und ohne das ganze Zermatsche und den Fekalhumor, hätte mir diese Geschichte womöglich sehr gefallen.
 

Blackorc

Tabletop-Fanatiker
Sooo, der Geschichtenwettbewerb geht in eine weitere Runde - ich hab mal mit dieser hier gestartet, weil der Titel mich neugierig gemacht hat, aber jetzt weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll...

Der Beitrag ist schwer zu bewerten, da er ziemlich ungewöhnlich ist. Außerdem ist Humorkritik eine recht schwierige Disziplin. Aber ich will mich trotzdem an einem ausgewogenen Résumé versuchen.

Was mir sehr gut gefällt sind die ganzen "verwarpten" Begriffe wie das Pactbook, das Warppad und so weiter - Bonuspunkte gibt´s für den Mahlstrohmeimer. Auch das Interieur des "Eye of Terror" und die vielen kleinen Details sind schön. Weniger gut gefallen mir die bereits von meinen Vorkommentatoren erwähnten Anspielungen auf unser aktuelles Zeitgeschehen. Die Autonamen und Sailor Moon wirken deplatziert, passen nicht in den Kontext. Dann wäre da noch die Frage, ob die Götter wirklich passend getroffen wurden (dazu hat yinx ja schon was geschrieben) und was der Imperator und die Grey Knights eigentlich im Reich des Chaos verloren haben. Klar, es ist Humor, aber auch Humor darf nicht alles.

Jetzt wird´s schwierig, denn es stellt sich die Frage, wie der eigentliche Inhalt zu bewerten ist. Die Geschichte hat keinen Plot, keinen Spannungsbogen, keine wirkliche Handlung. Ist sicherlich so gewollt, dennoch in meinen Augen ein Manko. Selbst die Nackte Kanone oder Spaceballs haben einen mehr oder weniger fesselnden Plot, der den Zuschauer bei der Stange hält und an dem fehlt es mir hier. Der Beitrag ist eben einfach "nur" Klamauk, ohne ein Element, dass wirklich zum Weiterlesen animiert. In Kombination mit diversen doch etwas arg flapsigen Formulierungen und einer seeeehr freien Auslegung des Hintergrunds (was nicht passt wird passend gemacht) werde ich mich nicht zu einer wirklich guten Bewertung hinreißen lassen können. Unterm Strich habe ich auch im Humor-Sektor schon bessere und witzigere Geschichten in vergangenen Wettbewerben gesehen.

Abhängig von der Qualität der anderen Beiträge (auf die ich noch gespannt bin) werde ich die Geschichte wohl im unteren Mittelfeld einstufen.
 

Nakago

Grundboxvertreter
Hihi! Also ich find die Geschichte lustig. Bei dem Greyknight dürfte es sich um Kaldor Draigo handeln, der dazu verdammt wurde, 10000 Jahre im Chaos zu wandeln. Es tauchen eh ziemlich viele besondere Charktermodelle auf, wie Kharn, Maske, Kaios und Loken. Und jetzt wissen wir auch, warum der Imperator schützt. :lol:
 

Men Aquiles

Codexleser
Gleich als erstes diese Geschichte gezückt, weil sie den interessantesten Titel hatte. Erwartung ungefähr „in einer imperialen Makropole an jedem Milleniumsende Erwartung des nahenden Weltuntergangs mit Massenhysterie und kollektivem Selbstmord von Sekten”.
Das wars dann nicht ganz, denn als dann Ma Chaos ins Bild kam (im wahrsten Sinne des Wortes), war mir klar: Parodie. Ich zögere. Muss ich das jetzt wirklich lesen? Nja, schon. Okay. Andeutung auf Spielfigur: mochte ich. Ford Mustang? Ne... Der Running Gag, dass alles aus Messing oder Bronze ist: gut. Andere terranische Kfz vor der Bar? Ne... WPad, Pactbook? Okay... Sailor Moon? o_O
Natürlich hab ich auch hie und da aufgelacht. Als Parodie funktioniert sie schon, die Geschichte. Und zum Schluss war ich dann tatsächlich etwas gerührt.
ABER. Zwei Punkte stören mich zu sehr, der eine etwas weniger, der andere etwas mehr.
Erstens: die Tech-Schizophrenie. Einerseits ist Sailor Moon explizit eine terranisch-japanische Serie, existiert also im 40K-Realraum. Andererseits die Fahrzeuge der Chaosgötter, die ebenfalls terranische Artefakte sind, aber allegorisch im Warpraum existieren.
Das Schlimmere: Khorne als nobler Ritter, der heteronormativ korrekt ist (offensichtliches Interesse an und „ritterliches” Verhalten gegenüber der weiblichen Ishta), gegenüber dem mit mehreren pejorativen Begriffen belegten Slaanesh, der durch seine von der Heteronorm abweichende Sexualität definiert und abgewertet wird (warum ist es gerade Slaaneshs Fahrzeug, zu dem der „echte Kerl” Khorne den Grey Knight setzt?). Zu einfach, auf den sexuellen Abweichler einzukloppen! Dazu auch die Darstellung von sinnloser Gewalt als „geradlinig” und damit angemessen. Und da Khorne dem Leser als Identifikationsfigur angeboten wird, impliziert der Autor, dass Gewalt ausüben gut und für einen „echten Kerl” angemessenes Verhalten ist, während sexuelles Abweichen von der Heteronorm bestrafenswert ist.
Aufgrund dieser Aussagen werde ich dem Text keinen Punkt geben.
 

SHOKer

Mentor der flinken Federn
Moderator
Eine der Geschichten, die mir schon etwas länger bekannt sind. Wie ich schon erwartet hatte, gehen die Meinungen dazu sehr stark auseinander.

Nun, unbeeinflusst dessen soll nun meine eigene Kritik erfolgen.

In der Tat ist es schwierig, so einen Text zu bewerten. Allein ausgehen vom Ersteindruck - ich fands wirklich unterhaltsam und lustig - müsste man 5-6 Punkte geben. Aber natürlich erfordert der Wettbewerb eine gewisse rationalere Herangehensweise und eine gewisse Fairness gegenüber den anderen Geschichten.

Also man muss sagen, der Autor hat sich wirklich Gedanken gemacht und nicht einfach nur Klischeebilder ins Lächerliche gezogen. Hier wird mit vielen mehr oder weniger bekannten Details aus dem Hintergrund gearbeitet, die Konzepte wie die Farben und Materialien aber auch die WarpPad/Phone-Geschichten sind konsequent und ordentlich durchgezogen worden. Andere Sachen, wie die Vulkane im Vorgarten und der GreyKnight im Warp sind, wie ich inzwischen erfahren habe (das erste habe ich beim Autor nachgefragt, das zweite hat Nakago ja erklärt), zwar fluffkonform, aber vielleicht zu speziell, um hier ordentlich reinzupassen. Die bringen weder die Geschichte noch den Humor wirklich voran.
Dazu kommen durchdachte bzw. liebevoll ausgearbeitete Details, die jedem Gott passende - natürlich klischeebehaftete - Attribute zuordnen, den Warp und das Eye of Terror beschreiben und das Ganze vor einen schönen, stimmungsvollen Hintergrund setzen. Hier hätte ich mir sogar noch mehr gewünscht, gerade zum Thema Warp selbst, denn der blieb irgendwie doch etwas unübersichtlich. Aber ist beim Thema Warp ja auch nicht falsch.

Was mir wirklich gefallen hat, ist der Versuch, hier nicht allein humoristische/satierische Inhalte zu bringen, sondern tatsächlich auch ein paar ernstere Themen aus dem Reich der Götter anzubringen. Tatsächlich tat mir die arme Isha schon leid.
Das gleiche gilt für die Thematik des Roten Ritters, eine durchaus interessante Darstellung. Ich weiß jetzt nicht, inwieweit das aus dem Hintergrund entnommen wurde, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Figur/Denkweise Khornes für die meisten hier ebenso wie für seine Anhänger eher unbekannt ist. Darzustellen, dass der Blutgott vielleicht mehr als nur stumpfes Gemetzel im Sinn hat, gefällt mir wirklich. Leider stehen demgegenüber die drei anderen Götter, die im Kontrast dazu arg oberflächlich wirken. Dennoch ein guter Ansatz.

Kommen wir zu dem, was eher negativ auffällt.
Wie auch schon von anderen bemerkt, wirkt die Geschichte, vor allem beim zweiten Lesen, an einigen Stelle etwas bemüht. Manche Stellen sind sprachlich holprig, andere inhaltlich nicht überzeugend. Die Idee, dass Khorne irdische Anime-Serien schaut, war an sich schon recht witzig, allerdings hätte die ewige Ausführung, die dann teilweise auch noch sehr gehoben formuliert wurde - für den Gott des Schlachtens - nicht sein müssen. Eine Erklärung, dass SM hier für Sailor Moon steht, hätte völlig ausgereicht. Ein Satz und weiter mit dem Geschehen.

Die Bewertung der Schlägerei am Ende fällt mir auch schon schwer. Man kann sie, wie Nightpaw, als spektakuläre Action betrachten oder eben als unnötige Gewalteinlage. Als Gewaltverherrlichung würde ich sie nicht ansehen. Es ist nunmal Warhammer, es ist nunmal Khorne und die Chaosgötter liegen ja eh im Streit. Was will man also erwarten? Dennoch gebe ich zu, das Eintreten auf die am Boden liegenden Gegner vor den Augen einer Frau war dann wirklich unnötig und auch nicht mehr witzig. Schlägerei ok, aber gerade im Kontext des Roten Ritters sollte man dann bitte auch einer gewissen Ehrenhaftigkeit den Vorzug gegenüber zielloser Brutalität geben.

Die Gefahr bei Satiere und Humor ist es immer, entweder ins Lächerliche oder ins Unlustige abzugleiten. Hier wurde an einigen Stellen gefährlich nah an beiden Kanten entlang geschrammt, auch wenn der Kern der Geschichte lustig, unterhaltsam und unbeschwert ist. Insgesamt sollte man einiges vielleicht auch nicht zu kritisch betrachten, sonst verdirbt man sich selbst den Spaß dabei.

Also Fazit: Eine lustige und unterhaltsame, mit durchdachten und wohlplatzierten Details und Anspielungen überzeugende, teilweise leider etwas bemühte Geschichte. Pluspunkte gibts für die ernsten und ungewöhnlichen Nebeninhalte, Minuspunkte für einige ausufernde Stellen (sowohl Sailor Moon als auch Gewalt). Insgesamt eine gute Geschichte fürs obere Mittelfeld. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Punkten. Ich hab jedenfalls ordentlich gelacht.

Noch ein paar Kommentare zu den Kommentaren:

was der Imperator und die Grey Knights eigentlich im Reich des Chaos verloren haben
das zweite ok, aber der Imperator? Ist doch eigentlich klar, oder nicht? Der Imperator wacht von seinem goldenen Thron auf Terra aus über die Schrecken des Warps und verhindert, dass diese in die Realwelt eindringen. In gewisser Weise übt er also schon eine Überwachungsfunktion aus, auch wenn die Lebewesen des Warps das natürlich weniger bereitwillig akzeptieren als hier in der Geschichte. Ich fand, die Darstellung des goldenen Throns als Warppolizei passt perfekt (im Zusammenhang einer Parodie) zum Hintergrund.

Zu einfach, auf den sexuellen Abweichler einzukloppen! Dazu auch die Darstellung von sinnloser Gewalt als „geradlinig” und damit angemessen. Und da Khorne dem Leser als Identifikationsfigur angeboten wird, impliziert der Autor, dass Gewalt ausüben gut und für einen „echten Kerl” angemessenes Verhalten ist, während sexuelles Abweichen von der Heteronorm bestrafenswert ist.
Das ist natürlich eine berechtigte Meinung, ich würde an der Stelle aber einfach mal auf den Hintergrund verweisen. Ich bezweifle, dass der Autor tatsächlich derartige Aussagen einbauen wollte. Zum einen, weil die Geschichte an der Stelle eine derart tiefe Interpretation meiner Meinungen nach nicht zulässt, zum anderen weil ich den Autor von anderen Werken her einschätzen kann und da eigentlich eine große Aufgeschlossenheit gewohnt bin. Ich denke, das hier ist einfach eine Projektion dessen, was der Hintergrund hergibt, auf die Figuren der Geschichte. Und da wird Slaanesh nunmal so dargestellt und Khorne als der Hassfeind von Tzeentch und Slaanesh bezeichnet. Ob das nun eine korrekte und zeitgemäße Idee ist, den sexuell freiliebenden Slaanesh als einen der Bösen hinzustellen, steht auf einem anderen Blatt, würde ich aber nicht der Geschichte anlasten, sondern denen, die diesen Hintergrund entworfen haben.
 

Men Aquiles

Codexleser
Ich unterstelle dem Autor auch keine böse Absicht. Allerdings zeugt eine unreflektierte Übernahme und Weiterführung der hintergrundvorgegebenen politisch unkorrekten oder voller unglücklicher Implikationen steckenden Ideen nicht von einer Sensibilisierung für Genderfragen. Dem Verweis auf die Einschätzung des Autors möchte ich gern glauben, doch konnte ich auf solche Informationen wegen der gewollten Kontextlosigkeit des Wettbewerbs nicht zugreifen. Aber wie gesagt, ich unterstelle dem Autor keine bösen Absichten und möchte gerne an seine Aufgeschlossenheit glauben. Zudem gebe ich zu, dass ich kein primäres Quellenmaterial, sprich Armeebücher des Chaos gelesen habe, sondern nur über Sekundärquellen wie Lexicanum über die Darstellung von Slaanesh informiert bin; meine Vorstellung eines Dämons der sexuellen Perversion ist DSA-geprägt, wo die Trennlinie zwischen der Freiwilligkeit aller Beteiligten auf göttlicher Seite und der Unfreiwilligkeit mindestens einer/s Beteiligten auf dämonischer Seite explizit ohne Rücksicht auf die Art der sexuellen Praktik verläuft.
Ich möchte gerade durch meine 0-Punkte-Vergabe ein Zeichen setzen und für die Problematik sensibiliseren.
 

yinx

Erwählter
Genau wie Men Aquiles möchte ich dem Autor hier nichts Übles unterstellen, aber meinem Empfinden nach ist Slaanesh auch einfach deutlich zu niveaulos auf die Schippe genommen worden. Ihn abgedroschen als rosa Schwuchtel zu verunglimpfen ist mir abgesehen von der Frage der Sexualität einfach zu billig.
Zu dem bietet der Warhammerhintergrund meiner Meinung nach keine Steilvorlage dazu. Slaanesh ist zwar beidgeschlechtlich und sexuell vermutlich in alle Richtungen orientiert, wird aufgrund dieser Tatsache aber nicht abgewertet. Im Gegenteil heißt es, dass er die Perfektion von Mann und Frau in sich vereint und so schön ist, wie es nur ein Gott sein kann. Er ist zwar schwächer als die anderen, was wohl aber an seiner Ausprägung liegen mag, die sich halt nicht auf direkte Einwirkung richtet.
 

SHOKer

Mentor der flinken Federn
Moderator
Genau wie Men Aquiles möchte ich dem Autor hier nichts Übles unterstellen, aber meinem Empfinden nach ist Slaanesh auch einfach deutlich zu niveaulos auf die Schippe genommen worden. Ihn abgedroschen als rosa Schwuchtel zu verunglimpfen ist mir abgesehen von der Frage der Sexualität einfach zu billig.
Zu dem bietet der Warhammerhintergrund meiner Meinung nach keine Steilvorlage dazu. Slaanesh ist zwar beidgeschlechtlich und sexuell vermutlich in alle Richtungen orientiert, wird aufgrund dieser Tatsache aber nicht abgewertet. Im Gegenteil heißt es, dass er die Perfektion von Mann und Frau in sich vereint und so schön ist, wie es nur ein Gott sein kann. Er ist zwar schwächer als die anderen, was wohl aber an seiner Ausprägung liegen mag, die sich halt nicht auf direkte Einwirkung richtet.
ein gutes Argument und das fließt ja auch in das ein, was ich selbst kritisiert habe, nämlich dass die anderen Götter im Vergleich zu Khorne viel zu oberflächlich abgehandelt wurden.

@Men Aquiles: Akzeptiert.
 

yinx

Erwählter
P.S.:
Ich habe mir eben noch mal den 40K Lexikanum Eintrag von Slaanesh durchgelesen und es ist bei 40K in der Tat so, dass Slaanesh und Khorne Erzfeinde sind. Daher setzt er den Grey Knight auf Slaaneshs Wagen und deshalb beginnt er auch sich mit ihm zu prügeln. Als ganz so arg, wie Men Aquiles das wahrgenommen hat, ist es dann doch nicht. ;)
Wohl bemerkt geht diese Feindschaft aber auch nicht aus Slaaneshs Sexualität hervor, sondern rührt daher, dass er die Seelen von Kriegern verschlingt, die sich ihm, auf ihrem, durch ihn selbst ausgelösten, Drang nach Perfektion, immer mehr hingegen. (Man ist der Satz komisch)
 
Zuletzt bearbeitet:

Nightpaw

Eingeweihter
Jain. In den alten Editionen kann Khorne insbesondere die Lasterhaftigkeit und Wollüstigkeit Slaaneshs, die er eines Kriegers für unwürdig hält, nicht leiden. Das hat nichts mit verschlungenen Kriegerseelen zu tun und kommt in der Tat aus dem Hintergrund (Realm of Chaos - The Lost an The Damned bzw. Slaves to Darkness). Insofern schreibt der Autor weitgehend Fluffkonform und überzeichnet im Stil seiner Geschichte recht derb. Geschmackvoll ist es sicherlich nicht. Verdammenswert meines Erachtens auch nicht. Andererseits... die Oberweite der Protagonistin könnte sicherlich ein Dirndl ausfüllen.
 

Sarash

Hüter des Zinns
Hm, nee...

Ich bin normalerweise ein Freund von Parodie und Satire, schreibe selbst gerne in diesen Genres, aber diese Geschichte hat für mich einfach kein Niveau, keinen echten Witz und keine handwerkliche Finesse. Mal ehrlich, selbst in einer Parodie muss ein guter Autor in der Lage sein, sprachlich wertvoll zu schreiben. Auch flache Witze und gewollt oberflächliche Charaktere lassen sich nunmal subtiler darstellen.
Die Autos waren so unglaublich unpassend, die Worte Bronze und Messing viel zu oft wiederholt, um noch als elegant oder intelligent durchzugehen, Khornes Verhalten ist zu diffus. Mal ehrlich, die Geschichte mutet in meinen Augen an, als hätte ein 12 Jähriger versucht eine coole Biker/ Renegade Story mit seinem beschränkten und auf amerikanische Filmklischees zugeschnittenen Horizont zu realisieren.

Gelacht habe ich an nicht einer Stelle (jaja, werft mir ruhig zu "bourgeoisen" Humor vor - ich steht dazu) und ab dem Beginn der Schlägerei am Ende wollte ich es nur noch hinter mich bringen. Die Figur der Isha ist übrigens absoluter Quatsch in meinen Augen. Ob einfach Filmklischee oder tatsächlich die Absicht, ein ernsthaftes Thema anzusprechen, das war ein absoluter Fehlgriff.

Zu guter Letzt noch: Wiederholungen sind das genickbrechende Element dieser Geschichte. Alles wird einfach einmal zu häufig verwendet. Die Wörter Bronze und Messing, die Nurglinge, das WarpPad, Tzeenchs Hinterlistigkeit, das offensichtliche Schwulenbashing (oder eher Transsexuellenbashing) gegen Slaanesh (nebenbei finde ich Men Aquilles Gendergerede aber viel zu weit gehend).

Weit unten ist diese Geschichte. Null Punkte gibt's nicht, denn das vergebe ich nur für offensichtlichen Müll, den wir leider auch schon bei Wettbewerben hatten. Also je nach Lage und Qualität der Konkurrenz 1 oder 2 Punkte.
 

Scaevola

Codexleser
Andererseits... die Oberweite der Protagonistin könnte sicherlich ein Dirndl ausfüllen.
So, jetzt ist die Debatte auch in GW-Fanworld gelandet ;):p

Kann es sein, dass ich als Österreicher nicht so involviert bin.
Aber wird eigentlich diskutiert, dass besagte Journalistin ebenfalls mit einer Diskriminerung begonnen hat (sind sie ncht zu ALT um als Spitzenkandidat ...) :huh:

So, zur Geschichte. Ich werde, aus irgendwelchen Gründen nicht ganz so warm. Sie ist handwerklich gut geschrieben, die netten Ideen wurden ja erwähnt (Warppad, Pactbook,...)

Die Kritik von MenAquiles kann ich leider nicht teilen. Slaanesh und Khorne sind Erzfeinde, vlt. auch wegen den sexuellen, ausschweifenden Gehabe des Ersteren. Das Khorne eine Identifikationsfigur ist, hoffe ich doch nicht.
Ich persönlich finde aber, dass Khorne viel zu nobel & sympathisch rüberkommt. Er ist immerhin noch ein Chaosgott.
 

Blackorc

Tabletop-Fanatiker
Das Schlimmere: Khorne als nobler Ritter, der heteronormativ korrekt ist (offensichtliches Interesse an und „ritterliches” Verhalten gegenüber der weiblichen Ishta), gegenüber dem mit mehreren pejorativen Begriffen belegten Slaanesh, der durch seine von der Heteronorm abweichende Sexualität definiert und abgewertet wird (warum ist es gerade Slaaneshs Fahrzeug, zu dem der „echte Kerl” Khorne den Grey Knight setzt?). Zu einfach, auf den sexuellen Abweichler einzukloppen! Dazu auch die Darstellung von sinnloser Gewalt als „geradlinig” und damit angemessen. Und da Khorne dem Leser als Identifikationsfigur angeboten wird, impliziert der Autor, dass Gewalt ausüben gut und für einen „echten Kerl” angemessenes Verhalten ist, während sexuelles Abweichen von der Heteronorm bestrafenswert ist.
Aufgrund dieser Aussagen werde ich dem Text keinen Punkt geben.
Hm, übertreibt ihr es nicht ein wenig hinsichtlich der Interpretation? Das gibt die Geschichte doch gar nicht her.

Das Warhammer 40K Universum ist wohl eines der letzten, in denen ich Political Correctness erwarte und Sexismus sollte in diesem Kontext wohl noch das geringste Problem darstellen. Mag ja sein, dass durch die #Aufschrei Debatte gerade alle ein wenig sensibilisiert für das Thema sind, aber man kann es auch übertreiben.

Im 40K Universum gibt es keine Chorknaben - es ist düster, durchtrieben und bösartig. Das Imperium ist faschistisch und rassistisch, die Eldar zetteln Kriege an, sobald jemand es auch nur wagt, ungefragt einen Fuß auf eine Jungfernwelt zu setzen, von Orks, Dark Eldar und Necrons fangen wir lieber gar nicht erst an und das Chaos ist ohnehin eine Inkarnation des Bösen.

Um ehrlich zu sein finde ich diesen Wettbewerb eindeutig den falschen Platz, um "ein Zeichen zu setzen". Die Parodie auf Khorne und die anderen Götter mag nicht vollständig gelungen sein, aber dies ist im Zweifelsfalle eher als handwerklicher Fehler des Autors, denn als bewusst eingestreuten Sexismus zu deuten. Da könnte man ja genauso gut eine Geschichte über Dark Eldar als Aufruf zu Sklaverei, Gewalt und sexueller Perversion oder eine Geschichte über das Imperium als Loblied an den Faschismus interpretieren. Das 40K Universum ist fiktiv und Geschichten innerhalb dessen spiegeln in der Regel nicht die persönliche Meinung des Autors wieder.
 

yinx

Erwählter
So, hier auch noch mal (und anschließend noch 8 mal)... ;)
Ich habe abgestimmt und möchte meine Bewertungskriterien darlegen. Die Geschichte hier hatte ich zuerst gelesen und daher anfangs recht hocheingestuft, allerdings kann sie dann doch nicht mit der Konkurrenz mithalten. Die Grundidee ist sehr schön, allerdings driftet alles dann in etwas einfallslosen Klamauk ab.

6 Punkte
- 1 Humor von der Brechstange
- 1 Reale Autos, Sailormoon... alles etwas unstimmig
- 1 niveauloses auf den Armnehmen der anderen Chaosgötter, hier insbesondere Slaanesh (von der vorherigen Diskussion unbeeinflusst)
bleibt
+ 1 coole, witzige Grundidee
+ 1 Schöne Darstellung der Chaoswelt
+ 1 der GreyKnight, Pactbook, WarpPhone etc.

Leider nicht so gut ausgefallen, wie am Anfang angekündigt (4-5) Punkte, aber da es für mich keinen 6-er Kandidaten in diesem Wettbewerb gibt, lässt die Struktur des Mittelfeldes es leider nicht anders zu. ;)
Nächste mal ein bisschen subtileren/ intelligenteren Humor wie damals bei Nakagos "Senatssitzung" und sechs Punkte sind sicher. (Wenn eine neue, ähnlich innovative Idee aufkommt... nochmal Chaoswelt funktioniert natürlich nicht mehr ;) )
 

Men Aquiles

Codexleser
@Scaevola: ich habe nicht gesagt, Khorne sei eine Identifiaktionsfigur (im absoluten Sinn), ich habe formuliert:
Und da Khorne dem Leser als Identifikationsfigur angeboten wird,
D.h., ich behaupte nicht, Khorne werde durchgehend in aller WH-Texten als Identifikatiopnsfigur im Sinne eines Vorbildes dargestellt. Ich behaupte, in diesem und nur in diesem einen Text, von dem wir hier reden, ist die Figur, der die Leserin folgen soll, auf deren Seite sie sich stellen soll, mit dem sie mitfühlen soll, Khorne. Damit ist dann in einer gewissen Weise das, was Khorne macht, „richtig” (weil wir ja auf seiner Seite stehen), und was Khorne mag, mögen wir auch; was er hasst, hassen wir auch. Natürlich funktioniert das nicht absolut, und keine Leserin schaltet ihren moralischen Kompass aus, nur weil wir grad Khornes Handlungen verfolgen, aber unsere Bewertungen sind in seine Richtung verzerrt.

Die Diskussion um den Fluff geht in die falsche Richtung. Bei mir entsteht der Eindruck, dass so argumentiert wird, dass der Fluff die absolute Autorität ist und wenn man flufftreu ist, kann man nichts falsch machen; sprich: wenn der Autor etwas reproduziert, was im Fluff steht, z.B. Erzfeindschaft Slaanesh vs. Khorne, dann kann er sich nichts zuschulden kommen lassen, egal, welche konkreten Inhalte er produziert. Ein_e Schreiber_in kann, darf und soll aber den Stoff verändern, wenn er Aussagen transportiert, die sie/er nicht vertreten kann. Sie/er macht in ihren/seinen Texten IMMER auch Aussagen darüber, ob sie/er bestimmte Konzepte, Ideen oder Tatsachen gut oder schlecht findet, und ein Verweis auf einen wie auch immer gearteten weiteren Text (hier: Fluff) kann keine Entschuldigung für die Wertungen sein, die sich aus dem konkreten Text selber herauslesen lassen (hier eben die heteronormative, zur Identifikation angebotene Figur und ihre „Überwindung” der von der Norm abweichenden Figur).

@Blackorc:
finde ich diesen Wettbewerb eindeutig den falschen Platz, um "ein Zeichen zu setzen".
Warum? Wann anfangen, wenn nicht jetzt? Ich persönlich finde das genau die richtige Plattform, da hier nicht wenige mitlesen.

bewusst eingestreuten Sexismus
Ich habe bereits ausgeführt, dass ich dem Autor keine böse Absicht unterstelle. Eigentlich ist genau das das Problems: das unreflektierte Reproduzieren von überkommenen Wertevorstellungen. Wenn sich der Autor nach dieser Diskussion in diesem Wettbewerb beim Schreiben Gedanken darüber macht, welche Botschaft er (gewollt oder ungewollt) transportiert, bin ich zufrieden.

Im 40K Universum gibt es keine Chorknaben - es ist düster, durchtrieben und bösartig.
Ich habe eine Hypothese, dass der imperiale Soldat ein so gern gewählter Protagonist ist, weil er ein (Mensch und ein) Opfer ist. Viele Autoren haben mMn immer wieder eine instinktive Furcht davor, andere menschliche Protagonisten zu wählen, weil diese Macht haben und etwas zum Besseren wenden könnten, es aber nicht tun. Die Autoren möchten aber gerne „gut” bleiben, und ein imperialer Soldat hat nicht die Macht, etwas anderes zu tun oder etwas zu ändern; mit einem Opfer als Figur kann der Autor gut bleiben, weil die Figur ja nicht selber Schuld ist, wenn sie Schlechtes tut. Soweit meine Hypothese.

Schlussendlich kommt es auf die Darstellung an. Die Warhammer-Universen sind nicht einfach, wie sie sind – sie sind vielmehr das, als was sie dargestellt werden. Um jetzt deine Aussagen über Dark Eldar oder das Imperium
Da könnte man ja genauso gut eine Geschichte über Dark Eldar als Aufruf zu Sklaverei, Gewalt und sexueller Perversion oder eine Geschichte über das Imperium als Loblied an den Faschismus interpretieren.
zu überprüfen, müsste man konkret an den jeweiligen Text rangehen. Der Text muss nicht explizit sagen „so soll es sein”, aber er kann - und wird - Wertungen enthalten: „wenn es so wäre, fänd ich es cool/scheiße”.
Bei der folgenden Ausführung habe ich vor allem die Geschichten in diesem Wettbewerb und ein paar wenige andere, die ich auch noch gelesen habe, im Kopf. WH-Fanfiction hat eine sehr große Intertextualität, d.h., es wird sehr stark auf andere Texte verwiesen und ihre Kenntnis erleichtert das Verständnis ungemein, macht es teilweise überhaupt erst möglich. Das ist natürlich wenig überraschend, weil WH-Fanfiction genau deshalb geschrieben werden: um andere, bestehende Texte zu kommentieren. Viele Autoren klammern jedoch Teile der Texte aus: sie behandeln nicht jedes einzelne Detail des Hintergrundes, machen es nicht explizit, weil sie es nicht kennen/nicht mögen/nicht erwähnenswert finden usw. Der Autor von „Alte Narben” erwähnt nicht, an der Spitze welchem politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems seine Protagonisten handeln: man muss es sich denken. Vielleicht mag er das System nicht. Vielleicht hält er es nicht für notwendig, es explizit zu machen, weil er nur eine coole Geschichte über einen Mörder auf einem Raumschiff erzählen will. Jedenfalls ist die Welt, die man aus diesem Text allein herauslesen kann, beileibe nicht so düster wie die Gesamtheit aller Texte, die in 40K angelegt sind; vielmehr ist das Schiff voller sich für ehrenhaft haltender Krieger und einem Verräter. Gleiches gilt für den Autor von „Der Ruf”: konkret in dem Text lesen wir nur von einem Kampf von einer vermutlich kunstsinnigen Spezies (der längere Anteil über das Schaffen der Statue lässt uns das vermuten) mit starken Ritualen über einen unbeschriebenen Feind. Aus diesem Text allein entsteht ein eher edles Portrait der Spezies. Von Kriegen wegen Jungfernwelten keine Rede, das muss der Leser durch seine intertextuelle Kenntnis mitbringen. Und so weiter und so fort. Eine große Ausnahme stellt hier „Einsame Schlachten” dar, in dem ausführlich eine Bewertung gegeben wird, nämlich dass Sklave der Dunkelelfen sein ein ziemlich schlimmes Schicksal ist.
D.h., die Warhammer-Universen sind jeweils nur so düster, wie die jeweiligen Autoren sie beschreiben und was die Leser von ihrem Wissen beim Lesen mit hineingeben. Und viele Autoren schreiben ihr persönliches WH-Universum bei weitem nicht so düster, wie es sein könnte.

Wenn jetzt eine Geschichte über Space Marines explizit drauf eingeht, durch welches unmenschliche und ungerechte System sie bestehen bleiben, die vielen Opfer des Systems zeigt und DANN aber die Space Marines als übercool darstellt und glorifiziert, kreide ich der Geschichte eine bedenkliche Botschaft an.
 
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