Der Tümpel
Ein Schritt nach dem anderen. Gleichmäßig atmen. Auf den Boden achten. In keine Mulde steigen, den weicheren bemoosten Boden suchen. Nicht die Steine oder Felsen nutzen. Die federten zu wenig und schadeten nur den Beinen. Die Umgebung aufnehmen. Den Geruch der Luft. Nicht zu schnell sein. Mit dem schweren Gepäck auf seinen Rücken könnte er nicht lange durchhalten. Er musste haushalten und seine Kraft einteilen. Er atmete tief ein. Und seine Beine bewegten sich wie von selbst auf den steinigen aufstieg. Sein Herz pochte und donnert ein seiner Brust. Aber es ging noch. Er konnte noch laufen. Der Stein an dem er gerade vorbeikam. Da hatte er das letzte Mal haltgemacht. Ab diesen Punkt hatte sein Körper aufgegeben. Jetzt ließ er den Stein hinter sich. Und ihn erfüllte eine solch unbändige Freude und Kraft das er am liebsten jauchzen mochte. Aber er blieb ruhig. Einatmen und ausatmen. Auf die Umgebung achten. Man musste aufmerksam sein, sonst starb man schnell. Das wusste er nun seit seiner Feuertaufe. Und auch das es ermüdend war zu kämpfen. Ermüdender als man sich vorstellen konnte. Die Kraft war ihm ausgegangen. Die Beweglichkeit seine Beine hatten versagt. Seine Arme hatte er noch heben können. Doch seine Beine…
Sie hatten ihn in Stich gelassen. Damals war diese Schwäche nicht tödlich ausgegangen. Er hatte überlebt. Nur war das damals nur der Anfang. Es würde noch viel härter und brutaler werden. Bösartiger. Und die Fehler die er gemacht hatte, durfte er einfach nicht wiederholen.
Seine Waden brannten. Die rechte Seite stach mit der Kraft eines Dolchs in seinen Brustkorb. Der schweiß rann ihm in Strömen vom Körper. Sein Auge juckte. Wie er es hasste, wenn sein Auge juckte. Er konnte sich nicht kratzen, da er sonst aus dem Takt geriet. Er litt still vor sich hin. Würde man ihm jedoch die Wahl lassen, welche der Schmerzen er weglassen würde, dann müsste er nicht lange nachdenken. Das jucken im Auge war einfach zu penetrant. Er keuchte. Sein Atem kam aus dem Rhythmus. Seine Beine wurden langsamer. Schwerer. Er zwang sich noch einen Schritt. Dann noch einen. Beim nächsten Schritt trat er in etwas kaltes und er blieb ruckartig stehen.
Trotzdem machte er einen weiteren Schritt und sein Bein ging bis zum Knie in das Kalte Wasser ein.
Schwankend brachte er sich zurück auf den trocknen Boden. Er keuchte und hielt sich die Seite. Und trotzdem musste er Lachen. Zum ersten Mal seitdem er jeden Morgen versuchte, diesen Gipfel hinaufzurennen, hatte er es geschafft. Er war bis zu dem Bergsee gekommen.
Vortis Vor legte sich durchgeschwitzt auf einen großen Stein der neben dem Wasser vor sich hin lag. Er starrte in den Himmel der noch immer dunkel und grau war. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Die Kälte der Nacht steckte noch tief in der Welt. Vortis spürte wie sie die Wärme aus seinem Körper zog. Schwankend erhob er sich. Der kleine Bergsee lag dunkel vor ihm. In der Nacht war er nur eine schwarze Fläche, die fast mit den Felsen und spärlichen Boden verschmolz. Nur die gelegentlichen Wellen, ließen erahnen was sich in der Nacht verbarg. Einige Einheimische meinten das in dem Wasser ein Ungeheuer hauste, was in den tiefen Winternächten hervorstieg um am Land zu Jagen. Vortis war schon einmal hineingeschwommen. Als nichts passierte war er getaucht. Der Bergsee war nicht gerade tief und sein Boden bestand aus reinen Felsen. Die tiefste Stelle reichte aus das sich ein ausgewachsener Troll bis zum Scheitel darin versinken lassen konnte.
Also keine Monstren in den dunklen Wogen. Er beugte sich über das kalte Wasser und tauchte seine Hände hinein. Sie formten Schalen und nahmen das dunkel wirkende Wasser auf. Er führte seine Hände zum Mund und nahm einen tiefen Schluck. Angenehm kalt brannte es seine Kehle hinunter.
Er genoss es. Anders konnte man es nicht beschreiben. Vortis genoss die Kälte, das eisige Wasser. Es gab ihm irgendwie Kraft und Energie den restlichen Tag zu bestehen. Leider würde er das nicht mehr lange tun können. Wehmütig schweifte sein Blick über diesen kahlen, schwarz wirkenden Ort. Der Winter würde bald mit aller Härte in das Land kommen. Der erste Schnee war vor zwei Tagen schon gekommen. Er war gleich darauf geschmolzen, weil es sich die Sonne doch noch einmal anders überlegt hatte. Taal schien ihnen einen wärmeren Herbst zu vergönnen. Das war auch bitter nötig. Ihr Heer bereitete sich jetzt auf das überwintern vor. Nahrungsmittel wurden eingelagert, Schwarzpulverfässer bereitgestellt. Alles was man eben so tat, wenn man für die nächsten fünf Monate im Großen und Ganzen auf seinen Hintern hocken bleiben musste. Der Großteil der Dawikoni gingen davon aus, das die meisten heimgeschickt wurden und im Frühjahr es eine erneute Mobilmachung geben würde. Schließlich konnten sie im Winter nichts tun. Und wirkliche Gegner gab es derzeit auch nicht. Im Umkreis von rund sechs Tagesmärschen beherrschten sie das Land. Vor zwei Jahren waren es gerade einmal zwei, wenn überhaupt. Vortis Gruppe war fünfzehn Tagesmärsche entfernt gewesen als sie ihren Kampf hatten. Die letzte große Ansammlung von Orks war laut den Kundschaftern weitere vier Tagesmärsche weiter nördlich. Und die Marschrichtung ging Richtung Norden. Sie würden also dieses Jahr nicht mehr in eine Schlacht kommen. Die meisten freute das. Vortis nicht so. Irgendwie hoffte er auf Kämpfe. Nicht darauf das er sein Leben riskierte oder irgendjemanden umbringen musste. Es war mehr das verlangen einfach zu kämpfen das ihn beflügelte. Genauso wie er diese kleine Bergspitze hinaufrannte ohne wirklich ein Ziel dahinter zu haben. Natürlich wollte er länger durchhalten und standhafter sein. Aber das könnte er auch anderweitig machen. Dazu musste er nicht hier Heraufrennen und riskieren sich etwas zu brechen.
Außerdem, was tat Vortis wenn er nicht mehr im Heer war? Schlussendlich hatte er ja keine Ahnung von irgendetwas. Das was er wusste, hatten ihm die Zwerge oder seine Kommandanten beigebracht. Das waren die Geschichtliche Sachen gewesen die ihm Mornis beigebracht hatte. Lehrreich und wirklich gewaltig. Er konnte jedem aufs kleinste den Großen Krieg gegen das Chaos beschreiben, die Zauberer Kriege und die Zeit der Tränen wo die Zwerge ihre einstige Macht völlig einbüßten. Er wusste über einen Haufen Völker Bescheid und wie sie dachten. Und im Gegensatz zu einem Haufen anderer Dawikoni wusste er, warum der Wandernde Schlund entstanden war. Und wie es zum Aufstiegs Kislevs kam. Das war etwas was ihn brennend interessiert hatte. Doch was sollte er mit all dem? Er konnte keine Tiere Hütten da er keine Ahnung hatte wie man mit einem Schaf oder einer Bergziege umging. Felder bestellen war das gleiche Thema. Eine Lehre würde nicht gehen, dafür gab es einfach zu wenige die sich die mühe machen würden. Das einzige was er konnte war Kämpfen und Krieger sein. Vielleicht bewunderte er deswegen die Geschichte des Bastards von Kislev.
Der Bastardsohn der Tzarina, Katharina der Großen, war als Jugendlicher in den Osten zum Rand des Weltangebirges gesendet worden. Er bekam im Großen und Ganzen den gesamten Teil des Landes als Besitz, der von Orks, Tiermenschen, Kobolden und Wegelagerern vollgefüllt war. Man wusste nicht genau, ob er ausgeschickt worden war um zu sterben oder um ihn einfach abzuschieben. Entgegen aller Erwartungen brachte der gerade mal dreizehnjährige Knabe aber etwas zustande, über das bis jetzt ganz Kislev erstaunt war. Und auch viele Imperiale. Der kleine Außenposten, mit dem mickrigen Dorf als Anhängsel, das man ihn als Lehen „schenkte“ (ihm aufbürdete war der Ausdruck den Mornis gesagt hatte) wurde nach seiner Vorstellung ausgebaut und auch umgebaut. Er besorgte sich drei Schmiede. Einen Waffenschmied, einen Rüstungsschmied und einen für allerlei Krimskrams. Der östliche Teil Kislevs war von alten Zwergenminen durchforsten. Und es gab nicht wenige die glaubten, das dort immer noch ein Haufen Gold lauerte. Und nur darauf wartete von jemanden mit genug Mumm in den Knochen aus seinem Versteck geholt zu werden.
Wenn er sich nicht irrte war der Name Wenzel oder so ähnlich. Einen Nachnahmen gab es, soweit er wusste, nicht. Alle hatten ihn anscheinend mit Bastard oder Eismann angesprochen. Und Zeit seines Lebens bekam er auch nie einen anderen Namen, auch wenn später ihn nur wenige noch Bastard nannten.
Er nutzte seinen Posten und baute das Dorf soweit aus, das es gegen die Überfälle gefeit war. Dann bewarb er Abenteurer. Sie wurden versorgt, bekamen die Ausrüstung und er gab ihnen sogar lohnenswerte Ziele. Alles natürlich im Austausch von Gold und anderen Materialien. Die meisten Abenteurer dachten natürlich nicht daran mit ihm zu teilen. Deswegen verlangte er schon am Anfang ein Art Start Geld. Im Normalfall kam nur jeder dritte Trupp von Abenteuern wieder zurück und meistens auch nicht ganz erfolgreich. Daran war aber anscheinend nicht die Gefährlichkeit der Minen schuld. Oder nicht allein. Manche Kreaturen und Wegelagerer hatten sich darauf spezialisiert die Rückkehrer auf der Heimreise zu Überfallen. Wenzel wusste das aufgrund einiger Überlebender. Also ersann er eine List um sowohl die Abenteurer als auch die Wegelager zu übertrumpfen. Er heuerte eine Gruppe von Söldnern an und schickte Kundschafter auf die Pfade der Abenteurer. Dadurch das die meisten Banditen nicht daran dachten, dass sie selbst überfallen werden konnten, war es ein leichtes sie auszuspionieren. Sobald er so viele Informationen wie nötig hatte, legte sich Wenzel auf die lauer. Kam dann der Angriff der Bande auf die müden Abenteurer griff er selbst an. Die Wegelagerer wurden überrascht und entweder erschlagen oder gefangen genommen. Er bevorzugte das gefangen nehmen, da er Arbeitskräfte und das wissen von ihnen brauchte. Was ihn dabei einzigartig machte, war das er das bei allen Wegelagerern durchzog, egal welcher Rasse. Ob Orks, Tiermenschen, Kobolde, Menschen, Oger oder sonstigen Kreaturen.
Das war mehr als ungewöhnlich und er wurde von einigen sogar offen angefeindet deswegen. Doch das war ihm egal. Er ließ sie für ihn arbeiten. Sie fällten ihm Bäume, trugen Eisen aus den Flüssen und aus ehemaligen Stollen für ihn zu seinem Posten. Und er nutzte es auch mit ihnen zu sprechen. Die wenigsten Kreaturen waren darauf vorbereitete und waren unvorsichtig. Die Orks erzählten schnell welcher Waarrgchef gerade der dickste war. In welchem Stamm die größten Moschaz sich herumrieben. Die Kobolde wiederum plapperten unentwegt über alle möglichen Dinge von der die Hälfte falsch und die andere Hälfte übertrieben war.
Die Tiermenschen erzählten von ihrem offenen Hass gegen die Orks. Dieser begründete sich aus dem letzten großen Krieg. Grimgork trug schließlich Schuld daran, dass der Sturm zusammenbrach. Außerdem hassten sie auch die Oger, den als ein großer Champion der Tiemenschen hunderttausende von ihnen versammelt hatte um Grimgork an den Kragen zu gehen, waren sie mitten hinein in den wandernden Schlund geraten. Und das waren nicht die anfänglichen Jagdgesellschaften aus ein paar dutzend Ogern. Sondern es waren ganze Zehn Stämme, mehre tausende Oger. Mitten während der Belagerung des Rotaugenbergs, oder Karak Ungol wie die Zwerge weiterhin verbissen sagten, wurden sie vom wandernden Schlund rücklings angegriffen. Vorne Grimgorks harte Horde die zuvor alle Kobolde gegen die Tiermenschen geschickt hatten und hinten eine hungrige Oger Armee. Die Schlacht dauerte lange, aber der Kampfgeist der Tiermenschen war schon zerbrochen, bevor die Schlacht endete. Viele wären sicherlich geflohen. Ihr Problem war nur das sie nicht wegkonnten. Langsam wurden sie zermalmt zwischen den Hungrigen Bestien. Die einen gelüstete es nach Fleisch, die andern nach Blut zum Vergießen.
Am Ende wurden sie vernichtend geschlagen und die Kinder des Chaos hatten sich von diesem Schlag bis heute nicht mehr wirklich erholt. Mit den Jahren wurde ihnen immer mehr Land genommen. Ihre Monumente für die dunklen Götter wurden vernichtet. Und sie wurden immer mehr vertrieben.
Wenzel selbst war schließlich selbst zum großen Teil daran schuld. Doch zu dem Zeitpunkt war das schlimme für die Herden das man sie aus dem Gebirge trieb und anfing ins Land der Trolle vorzudringen. Sie hätten sich vermutlich nie vorgestellt, das ausnahmsweise sie einmal die überfallen sein werden.
Wenzel nutzte seine Position und durch seine Zusammenarbeit, kamen einige Abenteuer zu ordentlichem Reichtum und Ruhm. Nicht wenige davon Adelige, die seit ihren Abenteurern mit Wenzel gute Beziehungen pflegten. Ein Zeitgenosse soll berichtet haben, dass dieser junge Mann etwas in seinen Augen gehabt habe das die Menschen Magisch anzuziehen schien. Wie Gletschereis das einen anstarrte. Nur das in den diesem hellen Eis eine Sonne zu leuchten schien. Eine Mischung aus Kälte und Hitze. Das gab ihm einen Reiz, den seine Zeitgenossen vollkommen vereinnahmten. Man konnte ihm wenig abschlagen und seine Worte schienen solch starke Bedeutung zu haben. So eine starke Anziehungskraft, selbst wenn es nur unwichtiges Gerede war.
Mit diesen Gaben und seinen willigen Informanten, schaffte er es Schlag für Schlag mehr Reichtum zu sammeln. Er übernahm mehrere alte Minen und tötete die Nachtkobolde und andere Kreaturen, die in diesen nun dunklen Hallen hausten. Seine Männer erschlugen Thanroe, einen garstigen Tiermenschenhäuptling. Seine Herde verzog sich in eine der unwirtlichsten Ecken des Waldes. Daraufhin ließ er alle seine gefangen Tiermenschen in den Wäldern frei. Hätte er das im Imperium oder auch in Bretonia getan, wäre sein Kopf schneller in einer Schlinge gelandet, als dass er einen Atemzug machen könnte. So aber, im eisigen Osten Kislevs, war das mehr als egal. Es kam oft genug zu irgendwelchen austäuschen und die Kislevsiten waren es gewohnt, dass die Adeligen Dinge taten die niemand Verstand.
Die Tiermenschen vereinigten sich zu dieser Zeit zu einer wieder halbwegs anständigen Herde. Und dank ihren Arbeiten, wussten sie wie es um die neu errichtete Festungsstadt stand. Sie hätten sicherlich zu einem Angriff geblasen und vielleicht sogar gesiegt. Nur war Wenzel kein Idiot. Absolut nicht. Im selben Moment wo er die Tiermenschen freiließ, entließ er auch die Orks und Kobolde. Wobei er dem größten Ork und dem klügsten Kobold sagte, dass er den großen Chef Gulgasch vor seiner Stadt erwarte, um endlich zu entscheiden wer der größte Chef im Wald ist. Die Grünhäute gingen zurück in die Wälder und übermittelten auch Gulgasch Wenzels Worte. Dieser schrie augenblicklich einen Waarrrghh!! aus und marschierte auf die Festungsstadt zu.
Gegen die Mittagsstunde rannten die Grünhäute aus den Wäldern heraus. Waldkobolde, die von Gulgasch in die Knie gezwungen worden waren, trafen dabei auf die Tiermenschen Herde. Zwar verloren die Waldkobolde. Doch sie schlugen genug Zeit heraus, dass die anderen Grünhäute es mitbekamen. Was dann folgte war eine blutige und verbissene Schlacht. Gulgasch war schon aus dem Wald und auf halben Wegen zur Stadt. Die Hälfte seiner Truppen schlugen sich mit Gors und Ungors den Schädel ein. Hätte er umgedreht und die Grünhäute sich geeint gegen die Tiermenschen gewendet, hätten sie leicht deren Angriff zerschlagen können. Die Tiermenschen wären geflohen und hätten sich in kleinen Banden wieder organisiert. Sie hätten das getan, was sie davor schon getan hätten. Sobald ihre Anzahl wieder größer geworden wäre, hätten sie sich erneut zu großen Herden zusammengeschlossen. Nur tat Gulgasch ihnen diesen gefallen nicht. Er marschierte weiter brüllend auf die Stadt zu. Die Hälfte seine Horde folgte ihm. Die andere Hälfte bekämpfte die Tiermenschen. Es wurde zu einem blutigen Gemetzel. Keine Seite war stark genug um ganz klar zu triumphieren. Verbissen verkeilten sich die beiden verfeindeten Heere. Wenzel wiederum ließ Gulgasch anrennen. Und nach dem vierten Ansturm war Gulgasch Tod und mit ihm die meisten Grünhäute die mit ihm gerannt waren. Es war nicht genau überliefert, es wurde nur gesagt das die meisten Orks von Pfeilen und Musketen getötet wurden. Viele verfingen sich in Fallen, die von den Tiermenschen errichtet worden waren. Das lag ihnen viel mehr in der Natur als den Orks die im Großen und Ganzen als größere, bösartige Packesel missbraucht worden waren.
Wenzel gewann seine Schlacht. Er feierte jedoch nicht, sondern rüstete seine Truppen auf und organisierte sich mehre Söldnerbanden die für ihn kämpften. Wer zwischen den Grünhäuten und den Tiermenschen gewonnen hat weiß niemand. Wer auch immer gesiegt hatte, schlussendlich hatten sie verloren. Wenzel machte eine Strafexpedition im gesamten östlichen Wald. Er suchte die Lagerplätze aller dunklen Kreaturen auf. Zerstörte sie und verbrannte ihre Stätten. Und nach gerade einmal zwei Jahren war der gesamte Östliche Wald für die Kislevsiten zugänglich. Es brauchte noch weitere vier Jahre, dann hatte er dutzende Siedlungen errichtet. Vier Minen aufgenommen. Freundschaftliche Beziehungen mit Zwergenclans geschlossen. Zwei von ihnen zogen aus dem Imperium und siedelten sich in den alten Minen an. Gemeinsam mit den Menschen die ihnen Rückendeckung gaben, errichteten sie wohlhabende Siedlungen. Wenzel wurde einer der reichsten Männer Kislevs. So wohlhabend, dass es nun nur noch die größten wagten ihn Wenzel den Bastard zu nennen.
Und diesen Reichtum nutzte er für ein noch viel größeres Unterfangen.
Wenzel der Bastard.
Vortis war beeindruckt von diesem Mann. Von seiner Standfestigkeit. Von dieser Intelligenz. Irgendwie wollte er etwas ähnliches. Etwas vergleichbares. Großes erreichen. Das war es wohl. Etwas so Unerwartetes das ein Mann in einem fremden Land sich genauso Großes erhofft. Immer noch schwer atmend lag er neben den Felsen. Er atmete tief ein und aus. Ließ den Schweiß abkühlen und seine Muskeln entspannen. Aus der Ferne kamen die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont. Sie glitten beinahe zögerlich über die Welt. Als wäre sich die Sonne nicht sicher, ob sie über das Land strahlen wollte.
Er betrachtete vergnügt das strahlen. Ruhig atmend ließ er sich vom Anblick bezaubern. Von dem Wechsel von Schwarz zu Blau. Die langsam heller werdenden Wolken. Die Schönheit die sich langsam hervorquellte. Er schloss kurz die Augen. Machte sie wieder auf. Und schloss sie erneut, ließ sie etwas länger geschlossen.
Er träumte als wäre er dabei. Einer von zahllosen Kämpfern die Wendel begleiteten. Weil sie nichts anderes zu tun hatten, nichts Besseres konnten. Weil sie in ihm die Hoffnung auf ein besseres Leben sahen. Nach der Eroberung des Östlichen Waldgebietes war Wenzel einer der reichsten Kislevsiten. Die meisten Kasten waren auf seiner Seite. Unter den Aristokraten hatte er unzählige junge Befürworter und Freunde. Das Militär war von seinen Leistungen beeindruckt und seiner Bescheidenheit die er ihnen erbrachte. Die Priesterkaste wusste um seinen Glauben an Ursus und seiner Abneigung gegen die Götter des Südens und des Nordens. Die Händler waren erfreut über den Reichtum den er brachte. Die Bauern konnten sich in den neuen Ländern ansiedeln und dank dem bedarf an Holz wurden sie wohlhabender als sich die meisten Träumen lassen wollten. Die Intelligenzia unterstützte sein Streben nach Wissen und besserer Taktik. Dadurch das Wendel der erste zu sein schien der ihnen zuhörte, setzten sie auch in ihm all ihre Hoffnungen. Sie wurden auch nicht enttäuscht. Als wäre Vortis ein stummer Schatten schritt er mit dem gerade mal zwanzigjährigen Wendel durch Kislev. Nach seinem Erfolg durfte er sich endlich wieder am Hof seiner Mutter blicken lassen. Er war jedoch nicht hier um sich zu Reihe zu sitzen und einen Posten als Bürokrat oder als Priester zu erhalten. Wendel brannte und er wollte mehr. Er erhielt Ehre und Ruhm bei seiner Mutter, die mit ihrer kalten Art jegliche Wärme zu ersticken schien. Doch bei Wendel schien diese Kälte nicht völlig greifen zu wollen, ein teil von ihr schien bei ihm zu bleiben. Seine alten bekannten besuchte er und freundete sich mit den Ausländischen Delegierten an. Er streute hier und da einige Gerüchte, neue Ideen, was man noch alles auf Kislev herausholen konnte. Der Osten war erschlossen. Doch Kislev war voller Ländereien die schon lange nicht mehr Kolonisiert worden waren. Schnell kam das Gespräch auf das Land der Trolle, voller Gefahren und mit unzähligen arten des Todes. Dabei traf Wendel aber einen Nerv. Ein Gelehrter des Imperiums der in Kislev unterrichten musste, da er die Behauptung aufgestellt hatte, das Skaven eine eigene Art waren und nicht mit den Tiermenschen zu vergleichen waren. Da hatte ihm beinahe den Kopf gekostet. Wenn ein einfacher Mann gegen die Lehrmeinung ansprach, war das einfach ein unwissender Tölpel. Aber ein Studierter der sich solchen gefährlichen Behauptungen anschloss, das war mehr als schlimm. Es galt beinahe wie Hochverrat an der Zunft selbst. Dieser Mann hatte einen besonderen Nutzen für Troll säure. Es war ein wirksames und effizientes Zersetzungsmittel mit dem er experimentierte. Einige seiner Arbeiten waren vielversprechen und könnten sicherlich einige neue Erkenntnisse bringen. Wendel nutzte das. Seiner Mutter brachte er das anliegen da. Gleichzeitig holte er die Intelligenzia hinter sich und beabsichtigte mit i9hr eine neue Universität in Kislev aufzumachen, unterstützt mit den Geldern die die Forschung mit sich brachten. Das Militär lockte er mit Kriegszügen die ihre Wichtigkeit wieder hervorheben sollten. Das Freie Volk schloss sich ihm Großteils an, da sie es als richtig erachteten die Trolle zu dezimieren. Nur die Bürokratie und Priesterschaft war nicht leicht umzustimmen. Doch mit der Unterstützung der anderen Kasten und dem versprechen sein eigenes Gold für die Unternehmungen zu verwenden, wurden ihm die Möglichkeit gegeben Strafexpeditionen auszusenden. Alte Haudegen aus dem Land der Trolle wurden zusammengesucht. Söldner aus dem Imperium und Ritter aus Betronia die sich ihre Sporen verdienen wollten schlossen sich den Truppen an. Am Anfang waren es nur einige Hunderte. Wendel entschied sie für einen etwas tiefer im Land der Trolle gelegenen Hügel als Lager. Weit genug um tiefer hineinstoßen zu können, jedoch noch nah genug um im Notfall Hilfe anzufordern. Das Leben war hart im Norden, noch härter als im Wald. Die ersten drei Jahre waren alles andere als erfolgreich. Verbissene Kämpfe mit Tiermenschen, Trollen und Barbaren. Wendel erreichte sein Ziel die Forschungen der Intelligenzia zu fördern. Es wurde eine neue Universität gegründet und einige Forschungen verschafften Kislev wirklich einen weiten Sprung. Es kam zum ausgraben von Schätzen. Doch es gab keine neuen Minen, keine großen Veränderungen des Troll Bestandes. Wendel musste einsehen das er mit dieser Taktik nichts verändern würde. Der Bastard des Eiskönigin gab sich der Niederlage nicht hin. Er begann mit den Barbaren Stämme im Norden Kontakt aufzunehmen. Reitervölker aus dem Osten und Seemänner aus dem südlichen Norsca. Wildes Volk mit okkulten Göttern. Ihre Taktik gegen die Kreaturen in dem Land war hart und schlagfertig, nur kämpften sie gegen diese ebenso oft wie sie gemeinsam mit ihnen kämpften. Wendel erkannte das er dieses Zweckbündnis völlig zerschlagen musste. Also holte er sich die Priesterschaft ins Bot und begann einen Glaubenskrieg. Die Barbaren waren überzeugt von der Stärke ihrer Götter. So musste Wendel ihnen die Kraft seiner Götter zeigen um sie zu überzeugen. So wie bei allen Völkern gab es auch bei den Barbaren welche die die Pfade der dunklen Götter eher ablehnten. Sie taten das nicht offen das sie ansonsten abgeschlachtete werden würden, aber sie dienten dem Chaos nicht gerne. Durch sie schaffte es Wendel an Rituellen Zweikämpfen teilzunehmen. Viermal trat er an. Zwei Mal gewann er dank seiner Wildheit und der Taktik seines Kampf Stils. Einmal gewann er durch Glück. Ein Stein rutschte weg und der riesige Rotbärtige Barbar stürzte mit dem Hinterkopf direkt auf einen spitzen Stein. Dieser Ausgang wurde als Fügung der Götter gesehen. Wendel hatte dadurch drei der stärksten Stämme überzeugt und an sich gebunden. Sie begannen seinen Willen zu erfüllen, jagten Trolle und brachten ihm ihre Körper. Sie verkauften sie gewinnbringend in den Süden, denn die Imperialen hatten dafür immer Verwendung. Der Vierte Kampf wäre bald der letzte gewesen. Ein wahrer Champion des Chaos, völlig durchzogen mit der kraft der Götter. Er forderte ihn heraus und Wendel stimmte zu. Wendel verlor einen rechten Arm und die Hälfte seines Gesichts bei diesem Kampf. Die schwere Klinge seines Gegners zerfetzte seine Rechte Wange, schlug sein Ohr ab und verletzte beinahe sein Auge. Jedoch skalpierte er ihn mehr seitlich als dass er ihm den Schädel einschlug. Wendel stach in dem Moment, wo die Klinge nach oben gezogen war, mit einem langen Dolch in die Kehle des Champions. Es dauerte noch viele Momente bevor dieser schließlich verblutet war. Bis dahin war Wendel am ganzen Körper von Schnitten übersät worden. Sein überleben verdankte er wohl wirklich Ursus was trotz wieder erwarten viele des Stammes davon überzeugte, die Seiten zu Wechseln. Zum Krüppel geschlagen, zeigte er sich dennoch immer an der Front um die neuen Verbündeten noch enger an sie zu binden. Wendel spielten die Ereignisse der folgenden Jahre dann in die Hände. Es bildete sich zwar durch seine Verdrängung eine immense Tiermenschen Herde, diese wurde aber von einem auserwählten der Tiermenschen aus Norsca übernommen. Dieser sah es als seine oberste Pflicht, Grimgork Eisenpelz den Hals umzudrehen. Als der Wandernde Schlund im oberen Weltangebirge ausbrach und die größte Herde seit dem Sturm des Chaos davon vernichtete wurde, kam wirklich Bewegung in die Unternehmungen. Der Süden des Land der Trolle wurde vollständig erobert und urbar gemacht. Die Trolle stark dezimiert und die Grenze wurde bis zum Höllenschlund der Rattenmenschen gezogen. Wendel schrieb einige Militärische und Zivile Ratgeber. Die Barbaren Stämme wurden stärker an Kislev gebunden und ihnen wurden das Land über der neuen Grenze zugesprochen, jedoch mit einem bleibe und Nutzungsrecht auf der schon befreiten Seite. Somit sahen sie den Norden als ihr Eigentum um das sich kümmerten währen der Süden an die neuen Adeligen verhökert werden konnte. Kislevs Militär bekam einen Schub und wurde Modernisiert. Es lief wirklich alles gut. Wenzel schien zu dieser Zeit jedoch seine Wärme verloren zu haben. Er beaufsichtigte noch den bau der Grenzmauer und den Festungen. Dann zog er sich nach Kislev zurück und trat dem rat seiner Mutter bei. Er hatte alles gegeben was nur ging für sein Volk und seiner Königin. Am Ende wurde ihm nie richtig dafür gedankt und schließlich wurde er nur als ein weiterer Höfling im Schloss der Tzarin angesehen. Ob er noch am Leben war, war nicht bekannt. Er gehörte schon länger nicht mehr zu wen wichtigen Personen und hatte sich immer mehr zurückgezogen.
Vortis schlug die Augen auf. Die Sonne brannte leicht auf ihn nieder. Ihm war trotz des Sonnenlichtes kalt. Er war wohl eingenickt und hoffentlich würde er jetzt nicht an einer Verkühlung verrecken. Er rappelte sich hoch. Er ließ noch einmal seinen Blick über den Tümpel schweifen, der im Sonnenlicht noch weit weniger fürchterlich aussah wie in den Geschichten. Man konnte sogar bis zum Grund sehen. Zitternd holte er tief Luft, dann lief Vortis wieder zurück. Diesmal trug ihn der Berg nach unten, doch dafür musste er doppelt so gut aufpassen sich dabei nicht zu verletzen. Während er von Felsen zu Felsen sprang, immer wieder haarscharf davor zu stolpern und sich alles zu brechen, da musste Vortis unwillkürlich Lächeln.