In den Tiefen der Makropole war es ruhig. Kaum ein Geräusch war zu vernehmen mit Ausnahme von fallenden Wassertropfen aus Rissen und Löchern von Heizungsrohren, das Zischen von Wasserdampf und das Schnattern kleiner Wirbeltiere. Es war dunkel, mit Ausnahme von Warnblinkern und einigen letzten funktionstüchtigen Lampen. Es roch klamm, verrostet und vermodert. Doch die Kanaltunnel hielten nicht nur den Warpeinfluss, sondern auch das Trommeln von Artillerie und Geschützfeuer oberhalb stand. Dies war vielleicht weniger durch schlaue Konstruktionen und Schutzvorrichtungen zu verdanken, als mehr den völlig abstrusen Bauarten immer wieder neue Tunnel auf Alten zu bauen, sodass nun ein stabiler Glotz aus Gängen, Korridoren und Tunneln über die Zeit entstand. Zum Glück mussten sich die zwei Kinder des Imperators nur an der Blutspur orientieren, sonst hätten sie sich mit Sicherheit verwirrt. Und irgendwann kam etwas Neues hinzu. Es war erst schleichend und summierte sich mehr und mehr zu einem eindeutigen Signal: ein Geruch. Er war unglaublich schwer und süß, wirkte dadurch betörend und ließ die Sinne der beiden ebenso schwer werden.
Das Epizentrum dieses Geruchs war eine Kaverne. Ein Raum aus sechs symmetrischen Kanten, an einer der Wände waren verschiedene Instrumente zu sehen, jedoch lange schon funktionslos. Plötzlich zog Zero seine Klinge und aktivierte die Runen, sodass das Energiefeld zu knistern begann und besagte Klinge in ein karmesinrotes leuchten hüllte. Noch bevor Xhol reagieren konnte krachte etwas gegen ihn und schleuderte ihn gegen eine der Wände. Der Anzug und die Motoren surrten und kreischten voller Verzweiflung auf, als sie den Schaden minimierten. Und dann sah er sie: Zwei große Dämonen des Slaanesh. Beide schwebten über den Boden und beide spannten bedrohlich von Rücken aus beginnend und in knalligen Farben gehaltene Häute auf. Dadurch wirkte ihre Statur nur bedrohlicher. Der eine Dämon hatte ein warnendes rot dieser Haut, silberner Schmuck überall mit smaragdfarbenen Steinen und pechschwarzem Haar. Das Gesicht wirkte aggressiv und hatte eher männliche Konturen. Die andere Gestalt hatte eine grünliche Flughaut, goldenen Schmuck mit Rubinen und weiß-graues Haar. Das Gesicht wirkte weicher und eher weiblich.
Dann gingen sie auf Zero los. Dieser parierte den ersten Angriff des schwarzhaarigen Ungetüms und bevor er zurückschlagen konnte, bedrängte ihn der andere Dämon. Xhol erkannte, dass sie diesen Kampf nicht gewinnen würden und so rief er nur: “Wir suchen nur unseren Gebieter, Vanithas. Wir sind keine Aggressoren!” Und mit diesen Worten zischten beide Gestalten, aber hörten auf, anzugreifen. Stattdessen sprachen sie. Immer zusammen, abwechselnd immer ein Wort. Dabei sprachen sie so flüssig und melodisch, dass dieses Abwechseln nur auffiel, weil eine Stimme männlich und die andere weiblich klang. “Was wollt ihr von ihm?”, erklang es. Doch gleich darauf folgte: “Ahhh entschuldigt das rasche Eingreifen meines Bruders. Er ist hitzköpfig. Wir kennen euch, Xhol Larkol. Champion von Decius - der Goldene. Und in Begleitung von Thurallion Vermith oder besser gesagt, Zero.” Xhol blickte unglaubwürdig drein und er fragte selbst ein wenig verblüfft: “Und ihr seid?”
“Wir sind das Orakel von Makrora Prime. Befreit vom Weltentyrann Altir und seinem Rubin-Palast von Vanithas und einst den Sterblichen, die ihr nun als Decius und Avidis kennt. Seitdem unterstützen wir ihn und leiteten alles so ein, wie es gekommen ist, einschließlich dem Nutzen von Sol Mortis hier auf Ferrus Magna. Wir sind die Stimmen unseres Herren, seine Augen und Ohren.” Xhol deutete mit einer Handgeste, dass Zero seine Klinge wegstecken soll und er tat es auch stumm. “Ihr seid die Stimmen aus dem Artefakt? Jene Stimmen, die Kirah hörte bzw. hört?” Dann sahen sich beide Dämonen an und sagten gleichzeitig: “Ja.” Xhol trat näher, doch die beiden Kreaturen zischten darauf hin bedrohlich. “Ich verstehe nur nicht … aber ich, nein wir müssen zu Vanithas und ihn ~”, doch da wurde er unterbrochen: “Heim bringen. Das geht nicht. Er ist unpässlich und wir müssen ihn schützen.”
“Und ich kann nicht mit leeren Händen zurück.” Das Orakel sah sich an und tuschelte. Dann nickten sie und sprachen, so wie fast immer abwechselnd Wörter: “Dann soll Zero hier wachen. Seine Loyalität gegenüber Vanithas und sein Sinn für Gerechtigkeit sind absolut. Du jedoch Xhol, der zwar Vanithas dient, aber dessen Treue einem anderen Herren gebunden ist, wird von uns begleitet werden. So kannst du besagten Herren einen Beweis übergeben.” Xhol knurrte: “Ihr seid sehr auffallend, das ist schlecht.” Kichernd wurde nur erwidert: “Wir reisen in dir mit.” Der Space Marine machte große Augen: “Mein Körper, besessen? Dann nur mit einer Bedingung. Ich will Antworten, während wir zurückreisen.” Beide Dämonen reichten jeweils eine ihrer vier Hände aus und Xhol schlug mit beiden ein. Dabei hauchten beide Nimmergeborene gleichzeitig ein “Deal” aus. Als die Dämonen in seinen Körper fuhren, fühlte es sich heiß an. Xhol dachte erst zu schmelzen, dann zu zerbersten und letzten Endes wurde ihm so übel, dass selbst sein verbesserter Körper das Übergeben nicht verhindern konnte. Dann fühlte sich Xhol deutlich stärker und vitaler. Seine Sinne waren besser als je zuvor. Nun spürte er die positiven Seiten der Besessenheit. Er lächelte, sah zu Zero und nickte ihm zu. Zero stieg tiefer in die Dunkelheit der Eingeweide von Ferrus Magna. Xhol stieg wieder auf, zurück zu seiner Legion und Kriegsbande. Bereit, ein paar Antworten zu bekommen.