Eine Selbsterfahrung: Kreationismus und Verschwörung

Du benennst das doch sehr schön: Warum sollten wir nicht Frauen zum Kinderkriegen zwingen oder Rentner ermorden? Das wäre doch auch in vielen anderen Bereichen sehr wünschenswert, mehr Bevölkerung erzeugen meine ich? Rein technisch wirkt dieser Ansatz doch viel ganzheitlicher, effektiver, effizienter?

Siehst du das Problem?
Etwas ähnlich provozierendes wollte ich auch schon schreiben. Nämlich die Frage danach, was wir mit den Sturköpfen machen wollen, die nicht raffen dass ihre Kinder durch die vererbte Intelligenz nichts auf dem Gymnasium zu suchen haben, die aber trotzdem versuchen ihren Kindern Plätzen auf dem Gymnasium zu beschaffen!? Wir könnten ja eine weitere wissenschaftliche Erkenntnis zur Hilfe nehmen (Hirnforschung) und den entsprechenden Eltern Chemikalien verabreichen, die diese Wünsche und Bedürfnisse unterdrücken, damit sie ihre Kinder dann eben nicht auf dem Gymnasium anmelden. Oder, weniger radikal, es ihnen per Gesetz verbieten, nur dann könnten sie auf die Barrikaden gehen und eine gewaltsame Revolution entstehen (sie könnten auf ähnliche gleichmacherische Ideen kommen, wie früher die Sozialisten/Kommunisten). Ich denke hier sieht man wieder ganz gut, wie schlecht man die wissenschaftlichen Erkenntnisse nüchtern in reale Lebensverhältnisse umsetzen kann. Es ist nett, dass Wissenschaftler Erkenntnisse über die Vererbarkeit von Intelligenz haben, es nützt uns aber praktisch recht wenig im Bezug auf unser Schulsystem.
 
Wissenschaft ist systematisches, deduktives denken, da ist gar kein Platz für Widersprüche.
Das kann ich nicht nachvollziehen, gerade da Du oft und gerne Popper anführst. Deduktion als verlässliches wissenschaftstheoretisches Instrument funktioniert nur da, wo die Grundlagen axiomatisch so unumstößlich abgesichert sind, dass sie tatsächlich schon nahe an ewige Wahrheiten kommen, also eigentlich nur in der Mathematik und Teilbereichen der Physik. Ansonsten verfährt jede Wissenschaft induktiv. Ein sehr anschauliches Beispiel ist das so heißdiskutierte Higgs-Boson: mithilfe der Detektoren ATLAS und CMS haben die LHC-Forscher ein Teilchen mit ener Masse von 125 bis 126 Gigaelektronenvolt entdeckt, das mutmaßlich das Higgs-Boson sein könnte (Sonderfall); wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, ließe sich daraus folgern, wie Teilchen zu ihrer Masse kommen, so es mit dem Standardmodell übereinstimmt (Allgemeines). Zwar steht vor dem Experiment oftmals eine Hypothese, aber der Nachweis, der so prägend für wissenschaftliches Vorgehen ist, erfolgt zwingend in der Induktion. Oder kokettierst Du hier mit Arthur Conan Doyle, der seinen berühmtesten Helden gerne die beiden Begriffe spiegelverkehrt benutzen ließ? Mithilfe des Organons hat Sir Francis Bacon, mithilfe theoretischer Grundlagen aber eigentlich schon Aristoteles nachgewiesen, dass allein die Induktion die empirische Wirkmacht entfalten kann, die nötig ist, um der Beschreibung der Wirklichkeit nahezukommen.


Nämlich die Frage danach, was wir mit den Sturköpfen machen wollen, die nicht raffen dass ihre Kinder durch die vererbte Intelligenz nichts auf dem Gymnasium zu suchen haben, die aber trotzdem versuchen ihren Kindern Plätzen auf dem Gymnasium zu beschaffen!?
Das wäre verhältnismäßig einfach zu lösen: in jedem Bundesland haben einheitlich festgelegte Kriterien wie ein bestimmter Notendurchschnitt zu Grundschulzeiten oder ein verpflichtender Einschulungstest (wie sie früher auch durchgeführt wurden) zu gelten, die entscheiden, welche Kinder für das Gymnasium geeignet sind und welche nicht. Wahnsinnstaten wie die Berliner Lotterie der Plätze fürs Gymnasium schaffen da nur Missgunst bei denjenigen, die schlichtweg Pech hatten und sich um einen vorgeblichen Rechtsanspruch betrogen sehen. Bei klaren, feststehenden Standards können die Eltern höchstens versuchen, bei den Grundschullehrern um Noten zu feilschen (was heute auch schon vorkommt). Es sprach ja keiner davon, dass Schüler einen zwingenden Mindest-IQ zum Besuch des Gymnasiums brauchten, sondern, dass Erkenntnisse aus der Intelligenzforschung hilfreich sein könnten, teils genetisch bedingte Stärken und Schwächen frühzeitig zu erkennen und ggf. zu fordern und fördern.
 
SDK, die im Artikel erwähnten Heren Rürup propagieren seit Jahren, dass das Rentensystem nicht mehr funktioniert und predigen unentwegt in ihrer Eigenschaft als "Wissenschaftler" die Forcierung privater Altersvorsorge, werden in Talkshows als unabhängige Experten eingeführt und es bleibt in den meisten Medien unerwähnt, dass diese beiden Heren prächtig am Geschäft mit der privaten Altersvorsorge verdienen und eng verflochten mit dem ISM sind, einer sich nach außen unabhängig gebenden Lobbyorganisation der Industrie. Diese beiden Herren arbeiten nicht wissenschaftlich, denn ihre Analyse ist interessengeleitet. Das ansich ist nun eigentlich nicht schlimm, nur sollte ihr Interesse auch öffentlich genannt werden. Ich hääte kein Problem mit den Beiden, wenn sie in ihrer Eigenschaft als das, was sie sind auftreten, Vertreter der Versicherungsindustrie. Es ist eine Schande für Deutschland, dass die hiesige Ökonomie derart auf den Hund gekommen ist, dass internationale Diskurse, die der hiesigen vorherrschenden Lehre widersprechen, einfach ausgeblendet werden. Vielleicht nicht im wissenschaftlichen Diskurs, wohl aber in der öffentlichen Debatte. Denn es gibt sehr unterschiedliche Positionen in den Wirtschaftswissenschaften. Ökonomie ist keine science. Nur weil in allen deutschen Wirtschaftskolumnen derselbe Einheitsbrei steht, kann sich der Eindruck verfestigen, Wirtschaftspolitik geht nur so und nicht anders. Aber sei es wie es sei, man muss die Analysen der Nachdenkseiten nicht teilen. Fest steht aber, dass es nicht die einzig richtige Wirtschaftspolitik gibt. Denn was als wirtschaftlich gut oder schlecht angesehen wird, liegt im Auge des Betrachters. Wenn die Prioritäten auf Wirtschaftswachstum ausgerichtet sind, mag die Verteilungsfrage von Wohlstand nachrangig sein. Aber ich teile insofern deine Kritik, dass ich es auch falsch finde, Daten wissentlich zu verfälschen, wenn sie Einem nicht politisch in den Kram passen, nur dass dies keine Sache ist, die irgendein politisches Lager für sich gepachtet hat.

Ich denke die Diskussion über unser Rentensystem würde den Rahmen des Threads sprengen. Den können wir aber gern an anderer Stelle fortführen. Hatte wir das nicht sogar schon einmal?
 
Sorry KOG, hab deinen Beitrag erst nach dem vorherigen Post gesehen, daher Doppelpost.
Das wäre verhältnismäßig einfach zu lösen: in jedem Bundesland haben einheitlich festgelegte Kriterien wie ein bestimmter Notendurchschnitt zu Grundschulzeiten oder ein verpflichtender Einschulungstest (wie sie früher auch durchgeführt wurden) zu gelten, die entscheiden, welche Kinder für das Gymnasium geeignet sind und welche nicht. Wahnsinnstaten wie die Berliner Lotterie der Plätze fürs Gymnasium schaffen da nur Missgunst bei denjenigen, die schlichtweg Pech hatten und sich um einen vorgeblichen Rechtsanspruch betrogen sehen. Bei klaren, feststehenden Standards können die Eltern höchstens versuchen, bei den Grundschullehrern um Noten zu feilschen (was heute auch schon vorkommt). Es sprach ja keiner davon, dass Schüler einen zwingenden Mindest-IQ zum Besuch des Gymnasiums brauchten, sondern, dass Erkenntnisse aus der Intelligenzforschung hilfreich sein könnten, teils genetisch bedingte Stärken und Schwächen frühzeitig zu erkennen und ggf. zu fordern und fördern.

Wäre Intelligenz der ausschlaggebende Faktor für schulischen Erfolg, dann wäre die frühzeitige Selektion in geeignete und ungeeignete Aspiranten sogar gerechtfertigt. Aber Intelligenz allein ist es nicht. Es besteht nur eine schwache Korrelation zwischen Schulerfolg und Intelligenz. Die Studien die uns vorgestellt wurden, haben eigentlich gezeigt, dass Schüler mit einer durchschnittlichen Intelligenz erfolgreich das Gymnasium absolvieren können. Denn eine geringere Intelligenz kann durch andere Faktoren wieder ausgeglichen werden, z.B. durch größeres Vorwissen ,höhere Motivation usw. Unterricht ist von sovielen Faktoren abhängig, dass es eigentlich nicht verwundert, dass nur geringe Korrelationen zwischen konkreten einzelnen Faktoren und Schulerfolg festzustellen sind. Das heißt nicht, dass Intelligenztests redundant sind. Sie liefern im Zwefel brauchbare Hinweise auf Ursachen von Lernstörungen, z.B. eine unterdurchschnittliche Intelligenz, oder so paradox das klingt, Hochbegabung. Denn Unterricht ist in normalen Schulen auf durchschnittliche Schüler ausgerichtet.

Wenn man der Meinung ist, dass Gymnasien überlaufen sind, dann muss man sich fragen, warum denn so viele Eltern unbedingt ihre Kinder aufs Gym schicken wollen. Das sind doch keine innerschulischen Faktoren sondern eher die Erfahrung, dass Mittlere Reife und erst recht der Hauptschulabschluss derart an Ansehen eigebüßt haben, dass man damit kaum Jobchancen hat ,geschweige denn Aufstiegschancen.
 
Es besteht nur eine schwache Korrelation zwischen Schulerfolg und Intelligenz.
Ganz im Gegenteil. Fraser et al. kommen auf Korrelationen zwischen Intelligenz (nach dem erwähnten Generalfaktor g) und Schulleistungen zwischen r=.34 bis r=.51, Mackintosh kommt sogar auf Werte zwischen r=.40 und r=.70. Nach Rohde & Thompson gibt g allein bis zu 50% schulischer Leistungsvarianz her. Ich bin zwecks frei zugänglicher Quellen auf ein deutschsprachiges Sachbuch gestoßen, in dem mehrere Autoren teils sehr anschaulich die generelle Korrelation aufzeigen (etwa auf Seite 11 des PDFs). Dazu kann ich eine auf den ersten Blick ziemlich umfassende Googlebuch-Version von Jensens "Straight talk about mental tests" finden, ansonsten leider nur Zusammenfassungen wie diese Synopsis der zentralen Studie von Ferguson et al. aus dem Jahre 2005. Ich kann gerne umfänglicher werden und weitere Quellen nennen, gebe aber zu bedenken, dass viele der Studien nicht frei zugänglich sind, ich hier also mit klassischen Literaturverweisen arbeiten müsste. Insgesamt besteht nach einer überwältigenden Forschungsliteratur aber ein klarer Zusammenhang zwischen Intelligenz und Schulleistung.
 
Das kann ich nicht nachvollziehen, gerade da Du oft und gerne Popper anführst.
OK, hätte ich präziser sein sollen: natürlich ist die Praxis immer ein Wechselspiel zwschen Induktion und Deduktion, aber die eigentliche Theorie am Ende ist deduktiv.

Fest steht aber, dass es nicht die einzig richtige Wirtschaftspolitik gibt.
Es gibt keinerlei Indiz dafür dies anzunehmen. Das heißt nicht das dieses Optimum bereits bekannt sein muss, aber ich sehe keinen Grund warum es diese nich eben sollte. Allenfalls sehe ich wieder Zielkonflikte: wo will man hin. Wohlstand oder Gleichheit, was ist die Präferenz usw. Sind diese Fragen geklärt sollte ein Optimum drin sein.

Du benennst das doch sehr schön: Warum sollten wir nicht Frauen zum Kinderkriegen zwingen oder Rentner ermorden?
Kant'scher Imperativ. Problem gelöst.

SDK, die im Artikel erwähnten Heren Rürup propagieren seit Jahren, dass das Rentensystem nicht mehr funktioniert und predigen unentwegt in ihrer Eigenschaft als "Wissenschaftler" die Forcierung privater Altersvorsorge, werden in Talkshows als unabhängige Experten eingeführt und es bleibt in den meisten Medien unerwähnt, dass diese beiden Heren prächtig am Geschäft mit der privaten Altersvorsorge verdienen und eng verflochten mit dem ISM sind, einer sich nach außen unabhängig gebenden Lobbyorganisation der Industrie
Schön. Und alles vollkommen irrelevant. Ändert alles nichts daran das ein umlagegedecktes Rentensystem bei der sich abzeichnenden Bevölkerugsstruktur nicht funktionieren kann. Ansonsten ist es schon amüsant wenn man Rürup verteufelt und die staatliche Rente so toll findet: eine Rürup-rente ist vom Konzept her nix anders als ne "gesetzliche Rente für Private". Gut, man kann gerne über den Sinn dessen streiten, denn als Altersvorsorge taugt die mangels Rendite nicht, sondern nur als Steuersparmodell, womt aber auch alles überdie staatliche Rente gesagt ist.
 
Im Schulsystem hat Bayern als einziges Bundesland einen fest stehenden Prozess, mit dem gute Schüler in höhere Schulformen aufsteigen können. Jedes Bundesland hat einen Ausleseprozess um schlechte Schüler in niedrigere Schulformen zu stecken.
Jeder gute Schüler kann aufsteigen wenn die Eltern sich drum kümmern. Der Unterschied in Bayern ist, dass sich die Schulen auch dann drum kümmern wenn es den Eltern egal ist.

Dieser Aufstiegsprozess müsste überall implementiert werden. Dann braucht man keine Tests und keine Lotterie mehr. Falls in der vierten Klasse ein Spätzünder übersehen worden ist, steigt er dann halt in der siebten oder achten Klasse noch auf. Warum nicht? Das entspricht auch mehr der Realität - jeder kann irgendwann bemerken dass Schule wichtig ist und anfangen sich anzustrengen. Andersherum gibt es das ja schon: Hauptschüler, manchmal auch Realschüler, die sich selber aufgeben weil sie keine Perspektive sehen, sind so ziemlich das mieseste Produkt unseres Systems und leider Standard.
 
Ganz im Gegenteil. Fraser et al. kommen auf Korrelationen zwischen Intelligenz (nach dem erwähnten Generalfaktor g) und Schulleistungen zwischen r=.34 bis r=.51, Mackintosh kommt sogar auf Werte zwischen r=.40 und r=.70.

.34 ist aber nur ein schwacher Zusammenhang und bei 0.70 muss man schon mal genauer hinschauen, wie dieser Wert zustandegekommen ist. Das wäre in der Tat ein starker Zusammenhang. Noch mal dass ein Zusammenhang besteht ist unstrittig, aber ein noch so intelligenter Schüler kann keinen Schulerfolg haben, wenn er unmotiviert ist. Und ein weniger intelligenter Schüler kann Erfolg haben, auch auf dem Gymnasium, wenn er sehr fleißig ist und erfolgszuversichtlich, wenn er strategisch lernt usw. Deswegen darf der IQ allein nicht das einzig ausschlaggebende Merkmal sein. Denn letztlich ist Intelligenz nur ein Potential.
 
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.34 ist aber nur ein schwacher Zusammenhang und bei 0.70 muss man schon mal genauer hinschauen, wie dieser Wert zustandegekommen ist.
3 Anmerkungen dazu.
1. ist auch 0.34 schon eine nennenswerte Korelation "schwach" wird i.a. nur bei werten unter 0.2 gesprochen
2. dürfte auch ein Wert von 0.34 die größte quantifizierbare Einzelgröße sein. All die anderen Faktoren sind, zumindest Stand heute, diffus. Und es ist besser sich an konkrete Zahlen zu orientieren als blind zu raten: woher willst du z.B. wissen das "Motiavation" nicht nur mit 0.2 korreliert? Ich z.B. war immer ein ziemlich unmotivierter, fauler Schüler - ich fand das meiste einfach trivial und langweilig - das Abi war trotzdem denke ich akzeptabel.
3. Warum hinterfragst du den größten Wert, aber nicht den Kleinsten? Warum muss man bei der 0.70 nochmal gucken, nicht aber bei der 0.34?

Denn letztlich ist Intelligenz nur ein Potential
Wollen wir nicht abstreiten, aber letzlich kann man eben nur im Rahmen dieses Potentials operieren.
 
Wollen wir nicht abstreiten, aber letzlich kann man eben nur im Rahmen dieses Potentials operieren.

Au contraire - das ist doch gerade der Witz.
Ich denke, weder Knight-Pilgrim noch ich streiten ab, dass es eine genetische Disposition zur Intelligenz gibt, oder dass diese einen Einfluss sowohl auf den Lernerfolg in Schule/Studium als auch den späteren beruflichen Erfolg haben kann.

Aber jetzt drehen wir die Argumentation doch mal um: Wenn die Intelligenz eine genetisch bedingt festgelegte Größe bei einem Kind ist, dann muss man eben an anderen Stellschrauben drehen, um ein Kind zu fördern. Sicher, ein Kind kann intelligent sein, es kann Begabungen mathematischer, sprachlicher, musischer etc. Natur haben - aber diese müssen auch gefördert und mit Wissen untermauert werden. Was nutzt eine musische Begabung, wenn man nie ein Instrument in die Hand gedrückt bekommt? Was nutzt eine mathematische Begabung, wenn man im Matheunterricht hoffnungslos unterfordert ist? Und was nutzt beides, wenn das Kind aber lieber malen und basteln möchte? Die praktische Arbeit mit Kindern, sei es im Kindergarten, oder in der Schule besteht doch eben nicht daraus, Kinder nach IQ-Messungen und Leistungstests in bestimmte Schubladen zu stecken, sondern ist ein beständiger Fluss, der sich sehr stark mit "soften Faktoren" befassen muss.
 
Verschiedene Potentiale bedingen verschiedene Rahmenbedingungen. Niemand käme auf die Idee einen Schwergewichtsweltmeister mit einem 40kg flo in den Ring zu stellen und das ganze als "gerecht" zu bezeichnen. Wenns um Intelligenz/Bildung geht ist aber ganz genau das der Fall (Geschlechtergeichstellung wäre ein ähnliches Thema wo Ideologie stärker sein soll als Biologie).
würdest du auch behaupten das jeder unsprortlicher Nerd wenn er nur genug Födrerung bekommt auch mal Schwergewichtsprofi werden kann?
Es werden beim Thema Bildung rein körperlich Bedingte Limitierungen schlicht ignoriert.
Was noch schlimmer ist: damit der Flo auc mal ne Chance hat, darf der Schwergewichtsweltmeister nicht mehr trainieren und bekommt beide Hände auf den Rücken gebunden... und dann wird sich gewundert warum man international keine Schnitte mehr hat.

Der aus der Verneinung der vererblichkeit gefolgerte Egalitarismus im Bildungswesen ist einfach an beiden Enden kontraproduktiv: er verhindert eine gezielte Förderung der Schwachen und sorgt dafür das High Potentials verkümmern.
 
Eine Sache die mir bei SdKs Argumentation immer wieder sauer aufstößt.

Wenn man, legt man die Grundsätze fest, annimmt eine "wissenschaftliche Politik" wäre möglich (im Sinne von durchsetzbar), wie stellt man sicher, daß:
a) die Grundsätze unverhandelbar sind/von allen akzeptiert werden
b) es ein Optimum in der Entscheidung gibt
c) nur genau ein Optimum der Entscheidung existiert

Optimale Entscheidungen müssen ja dann "meßbar" sein, welches eine Norm vorraussetzt. Ich denke das ist mit grundlegenden Verstädnigungen gemeint. Selbst wenn man annimmt man könnte sich auf eine solche Norm unumstößlich einigen, bleibt es zu zeigen, daß dann für eine Entscheidung ein und auch genau ein Optimum existiert. Das ist nichts anderes als eine Annahme/Behauptung von SdK. Sollten zwei meßbare Optima existieren, welches wird dann genommen?

Ich glaube man scheitert sowieso immer an Punkt a), auf die unveränderliche Verständigung auf eine Norm. Und damit ist man mit wissenschaftlich optimaler Entscheidungsfindung auch schon raus.

Grüße
 
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Verschiedene Potentiale bedingen verschiedene Rahmenbedingungen. Niemand käme auf die Idee einen Schwergewichtsweltmeister mit einem 40kg flo in den Ring zu stellen und das ganze als "gerecht" zu bezeichnen. Wenns um Intelligenz/Bildung geht ist aber ganz genau das der Fall (Geschlechtergeichstellung wäre ein ähnliches Thema wo Ideologie stärker sein soll als Biologie).

Unser Schulsystem ist hochgradig reformbedürftig - ich glaube, da sind sich in diesem Thread alle einig. Insbesondere die Abschaffung des Föderalismus in diesem Bereich halte ich für enorm wichtig.

Mir ging es nur um die grundsätzliche Feststellung zu den Einflussfaktoren seitens Genetik, Lernfortschritt und Motivation. Denn letzten Endes läuft es doch mit den soften Faktoren auf das Gleiche raus. Man kann einen Schüler mit hohem Lerneifer und hohem Wissensgrad eigentlich auch nicht in eine Klasse mit lauter unmotivierten Vollpfosten stecken - egal wie intelligent die einzelnen Beteiligten nun sind. Letzten Endes versucht unser Schulsystem das ab der Grundschule über die drei Schularten Hauptschule, Realschule und Gymnasium abzufedern, was halt nur leider in der Praxis nicht mehr besonders gut funktioniert.
 
Ich glaube man scheitert sowieso immer an Punkt a), auf die unveränderliche Verständigung auf eine Norm. Und damit ist man mit wissenschaftlich optimaler Entscheidungsfindung auch schon raus.
warum sollte das nicht möglich sein? das ist doch ein Kennzeichen von Wissenschaft. Untersuchte und ausreichend abgesicherte Erkenntnisse werden akzeptiert. Es gibt innerhalb der Wissenschaft keine Streifrage ob Evolution"existiert" oder ob Intelligenz vererbbar wird. Unterschiedliche Meinungen gibt es nur wegen der Kreationisten. Bzw. weil jeder Mensch bei irgend einem Thema ein bisschen Kreationist ist, also aus irgendwelchen gründen, sei es eitelkeit, gekränkter Stolz, Faulheit oder einfach nur Tradition sich bestimmten Einsichten verweigert. Ds passiert natürlich auch Wissenschaftlern, sogar ausnahmslos.
Aber in er wissenschaft als gesamtheitlicher Prozess gibt es das nicht. Wenn man so möchte ist Wissenschaft einrozess der Meinungen eleminiert und durch Fakten ersetzt. Aber allein diese Vorstellung ist den miesten Menschen zuwieder, wir haben gerne die Wahl, auch wenn freier Wille wohl nur eine Illusion des Geistes ist.

Bezüglich Optima: auch wenn mir das Konzept von mehr als einem Opimum widersinnig erscheint (aber da müsste ich seober erst nochmal drüber nachdenken) und Imo eher auf eine nicht ausreichend präzise formulierte Fragestellug hinweist, sehe ich nicht was daran groß problematisch sein sollte: zumindest wäre es sinnvoll sich die optima raus zu suchen und dann zu entscheiden als ahnungslos suboptimale Varianten zu präferieren.
 
...
Das ist es was ich mit dem Begriff Werte meinte. Man muss natürlich eine Entscheidung treffen was man möchte: möglichst gleiche Güterverteilung oder möglichst hohe Wertseigerung beispielsweise.
Hat man diese Entscheidung aber mal getroffen ist danach eine ganz simple richtig/falsch Entscheidung möglich.
Die Existenz von wiederstreitenden "Klasseninteressen" bestreite ich bzw. es ist einfach eine Nebelkerze wenn die eigenen Interessen eben nicht rational begründbar sind.

Nein, ich behaupte nicht das es keine Alternativen gäbe, ich behaupte das es optimale Lösungen gibt, die objektiv erkennbar sind. Das schließt die Existenz suboptimaler Lösungen nicht aus.

...

Ich bezog mich jetzt nur auf obiges, und meinte, daß eben die Annahme schon daran scheitert, daß man sich nicht auf ein paar festgelegte Werte (politisch) einigen kann. Platt gesagt, man weiss gar nicht so recht was man willm und schon gar nicht will man immer das gleiche. Deswegen wird das mit Wissenschaftlichkeit in der Politik nichts.

Und mein anderer Punkt ist, daß selbst wenn es geht, die Existenz und Eindeutigkeit von optimalen Lösungen nicht sicher ist. Nochmal Platt, das wünscht du Dir vielleicht.

Mehrere Optima sind recht leicht vorstellbar, denk mal an ein Polynom 4. Grades . Sicher hat das mit der Wahl des Wertekanons und auch der Problembeschreibung zu tun, aber wie viel Wahlfreiheit existiert denn darin? Die setzt du doch vorraus.
Dazu kommt dann noch so ein ganzer Batzen von adäquaten Meßverfahren, Parameterschätzungen des Modells, Approximation des Funktionalen Zusammenhangs. Auf alles das baut dein Optimum auch auf.

Aber du hast die Frage nicht beantwortet. Wie willst du entscheiden was du machst? Denn du findest die Optima ja aufgrund deiner Bewertungsskala. Nimmst du zusätzliche Bewertungskriterien auf oder änderst etwas in der Fragestellung oder den Parametern, dann kann es sein, daß deine beiden Optima nicht mehr Optima sind und du schlechtenfalls zwei neue Otima findest.

Grüße
 
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Wenn die Intelligenz eine genetisch bedingt festgelegte Größe bei einem Kind ist, dann muss man eben an anderen Stellschrauben drehen, um ein Kind zu fördern.
Es geht bei der Erhebung der Intelligenz mehr darum, die allgemeine Leistungsfähigkeit oder die absehbare Höchstleistung in Teilbereichen zu antizipieren. Die genetisch vorgegebenen Höchstgrenzen lassen sich nur schwerlich überschreiten, in der Regel mit unverhältnismäßigem Aufwand. Selbst wenn ich für den Rest meines Lebens hochmotiviert zwölf Stunden täglich mit der Geige übte, professionellen Unterricht nähme und die anerkanntesten Kapazitäten zu meiner Nachhilfe verpflichten könnte, wäre ich wohl nicht einmal annähernd so gut wie Anne-Sophie Mutter in ihrem sechsten Lebensjahr. Auf der anderen Seite wird ein Junge, der höchstens 1,70 Meter messen wird (wenn nicht eine überaus seltene endokrinologische Erkrankung dazwischenkommt), keine Chance haben, die Position des Centers bei einem Erstliga-Basketballverein zu besetzen. Die "anderen Stellschrauben" können vorhandene Defizite zwar abmildern, daraus aber keine Stärke machen. Ich hatte Mitschüler, die bereits anderthalb Jahre vor dem Abitur mit dem Lernen anfingen und trotzdem durchgefallen sind - das grundlegende Verständnis fehlte und die Gedächtnisleistung war offenbar so schwach, dass selbst die Auswendiglernerei nicht fruchten wollte. Und gerade weil solche Zusammenhänge bestehen, ist es insbesondere für tendentiell schlechtere Schüler von Nachteil, wenn man ihnen suggerieren möchte, dass sie mit genug Fleiß alles bewältigen können - wer bereits in der Mittelstufe eines Gymnasiums mit zwei Fremdsprachen, Mathematik und Chemie heillos überfordert ist, ist letzten Endes mit einem Schulwechsel besser beraten als mit etlichen Nachhilfelehrern und der sprichwörtlichen Gnadenvier auf dem Zeugnis. Da halte ich es schon für zielführend, gegenüber Knight-Pilgrim darauf zu bestehen, dass ein wesentlicher Zusammenhang besteht, gerade für das Wohl der Kinder. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als permanent dem Geschehen hinterherzuhinken, sich zur Kompensation abzurackern und dann doch die Schande des Sitzenbleibens oder des erzwungenen Schulwechsels auf sich zu nehmen.
 
Es geht bei der Erhebung der Intelligenz mehr darum, die allgemeine Leistungsfähigkeit oder die absehbare Höchstleistung in Teilbereichen zu antizipieren. Die genetisch vorgegebenen Höchstgrenzen lassen sich nur schwerlich überschreiten, in der Regel mit unverhältnismäßigem Aufwand. Selbst wenn ich für den Rest meines Lebens hochmotiviert zwölf Stunden täglich mit der Geige übte, professionellen Unterricht nähme und die anerkanntesten Kapazitäten zu meiner Nachhilfe verpflichten könnte, wäre ich wohl nicht einmal annähernd so gut wie Anne-Sophie Mutter in ihrem sechsten Lebensjahr.

Unterm Strich liegen die Positionen hier wahrscheinlich nicht besonders weit auseinander - aber wir diskutieren ja auch eher um die Grundlagen, als um die abgeleiteten Entscheidungen.

Ich gebe dir vollkommen Recht, dass ein Schul- und Lernprozess an die individuellen Begabungen und Neigungen eines Kindes angepasst sein muss - jedenfalls so weit, wie dies im Rahmen eines Schulbetriebes möglich ist (insofern bin ich übrigens auch ein Gegner von Gesamtschulen). Man muss dabei nur aufpassen, nicht einen "planwirtschaftlichen" Schulbetrieb aufzubauen. Denn rein nach Veranlagung, genetischer Disposition oder wie auch immer man es nennen mag, kann man auch nicht gehen - diese helfen nur bei einer ersten Einschätzung. Wie ein Mensch sich dann im Laufe seines Lebens entwickelt und welche Interessen er herausbildet steht auf einem anderen Blatt. Wenn jemand entgegen seiner Veranlagung lieber ein mittelmäßiger Geiger als ein hochbrillianter Mathematiker werden möchte, sollte ihm diese Freiheit und auf Wunsch auch die entsprechende Förderung zuteil werden.

Ein ganz anderes Problem in diesem Zusammenhang sind natürlich noch die Erwartungen der Eltern, aber die stehen auf einem anderen Blatt.
 
Da halte ich es schon für zielführend, gegenüber Knight-Pilgrim darauf zu bestehen, dass ein wesentlicher Zusammenhang besteht, gerade für das Wohl der Kinder. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als permanent dem Geschehen hinterherzuhinken,

Natürlich ist das schlimm für das Kind. Deshalb werden ja auch bei leistungsschwachen Schülern Intelligenztests durchgeführt, um anhand der Ergebnisse den Eltern evtl. einen Schulwechsel zu empfehlen, wenn sich eine zu geringe kognitive Leistungsfähigkeit herausstellen sollte. Und das ist auch gut so. In Deutschland wird das aber nicht von vorn herein gemacht und ist auch nicht notwendig. Denn es gibt viele Gründe, die dazu führen können, warum ein Schüler den Anschluss verlieren könnte. Schule spielt sich nun mal nicht unter Laborbedingungen ab, sondern ist einer Vielzahl von Einflüssen unterworfen, auf die Lehrer nur bedingt bis garnicht Einfluss nehmen können. Und das Gymnasium ist auch keine Hochbegabtenfördereinrichtung, sondern richtet sich an den oberen Durchschnitt und der kann je nach Standardabweichung des Tests auch unter Hundert liegen. Ein Schwellenwert der Intelligenz muss also überschritten sein. Dann aber ist es prinzipiell möglich, Erfolg auf dem Gymnasium zu haben. Etwas anderes habe ich nie behauptet.

Fatal finde ich es, dass z.B. in Sachsen schon nach der 4. Klasse entschieden wird, wer für das Gymnasium geeignt ist und wer nicht. Erstens ist die Basis auf der die Entscheidung getroffen wird ziemlich dünn, nämlich der Notendurchschnitt von Deutsch und Mathe, zweitens ist die spätere Durchlässigkeit zum Gymnasium mangelhaft und drittens wird von Schülern und Eltern abverlangt, vor der 5. Klasse eine Entscheidung über den möglichen beruflichen Werdegang des Kindes zu fällen. Ich bin der Meinung, dass es besser ist, Schüler unterschiedlicher Leistungsfähigkeit länger gemeinsam lernen zu lassen und erst später zu trennen. Es gibt keine Studie, die belegt, dass leistungsstärkere Schüler von leistungsschwächeren Schülern in ihrem Lernfortschritt aufgehalten werden. Wohlgemerkt bei Schülern durchschnittlicher Intelligenz. Hochbegabte sind ein Fall für sich. Die Heterogenität der Leistungsfähigkeit ist fraglos eine Herausforderung für die Lehrer, aber es gehört zu ihrer Aufgabe damit umzugehen. Es ist auch nicht Ziel des Gymnasiums nur die brillianten Köpfe zu fördern. Die sind nämlich äußerst selten. Das ergibt sich schon aus der Normalverteilung von Intelligenz. Würde man allein diesen Hochbegabten den Weg zu einer akademischen Laufbahn öffnen, würde der gasamte akademische Mittelbau wegbrechen. Außerdem, wer sagt denn, dass es gerade die Hochbegabten sind, die die Forschung vorantreiben. Hat irgendjemand schon mal den IQ von Albert Einstein gemessen, von Newton, Leibnitz, Kant oder sonst einer Geistesgröße?

Nein, schon deshalb nicht, weil Intelligenzforschung noch garnicht so alt ist.

Es geht auch garnicht darum aus einem unterdurchschnittlichen Schüler jemanden zu machen, der sich mit Spitzenleistungen messen kann, sondern darum Erfolg in der Schule zu haben.